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Zwischen den Stühlen (2016) Film merken

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Filmhandlung und Hintergrund

Zwischen den Stühlen: Dokumentation über den Alltag von drei Referendaren, die ihre ersten Unterrichtsstunden als Lehrer an Berliner Schulen erleben.

Nach dem Studium müssen sich die drei angehenden Lehrer Anna, Katja und Ralf im Alltag als Referendare beweisen. Jeder von ihnen kommt an eine Berliner Schule, wo es gilt, den schwierigen Schulalltag zu meistern. Sie müssen Unterricht geben, Noten verteilen, für die Kinder da sein, die Intrigen im Lehrerzimmer überstehen und in die schwierige Rolle des Erziehers hereinwachsen. Dabei sind sie immer wieder selbst in der Rolle des Schülers. Denn als Referendar werden auch sie noch bewertet, müssen Prüfungen absolvieren und bekommen Noten. Es ist eine paradoxe Situation und ein Sprung ins eiskalte Wasser.

“Zwischen den Stühlen” – Hintergründe

Für seine erste Dokumentation hat sich der Regisseur Jakob Schmidt ein hochpolitisches und umstrittenes Thema ausgesucht: das deutsche Schulsystem. Trotzdem gelingt es dem Filmemacher, die Probleme des Schulalltags plastisch und vor allem humorvoll darzustellen. Immer auf der Suche nach der direkten Konfrontation hat Schmidt drei Referendare für einen Zeitraum von zwei Jahren begleitet. Jeder hat einen ganz anderen Charakter. So ist Ralf etwa effizient und pragmatisch, verliert manchmal jedoch seine Schüler aus dem Blick, während Katja taff und souverän auftritt, allerdings unter ihrem Perfektionismus leidet. Anna wiederum möchte die Kinder beschützen, macht aber selbst oft einen unsicheren Eindruck.

Die Dokumentation “Zwischen den Stühlen” wurde vom ZDF koproduziert und konnte beim DOK Leipzig zahlreiche Preise abräumen. Darunter den Dokumentarpreis des Goethe-Instituts und den DEFA-Förderpreis.

Kritiken und Bewertungen

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  • „Besonders wertvoll”

    Im Laufe der eigenen Schulzeit ist jeder irgendwann einmal einem Referendar oder einer Referendarin begegnet. Wie sich diese harte praktische Bewährungszeit aus Sicht der angehenden Lehrer und Lehrerinnen anfühlt, greift der Dokumentarfilm ZWISCHEN DEN STÜHLEN von Jakob Schmidt sehr einfühlsam auf. Da sind zum einen die großen Erwartungen und die hohen Ansprüche an sich selbst, zum anderen aber auch die Zwänge des Schulsystems und der Alltag im Klassenzimmer. Anhand dreier sehr unterschiedlicher Protagonisten verfolgt der Film diese Gratwanderung: Die von Selbstzweifeln geplagte Grundschulreferendarin Anna liebt zwar die Arbeit mit den Kindern, hadert aber mit dem strengen Schulsystem und ihrem mangelnden Durchsetzungsvermögen. Die Lehrertochter Katja ist hochmotiviert, eine gute Lehrerin zu werden und beginnt das Referendariat mit vollem Einsatz. Doch nach einigen Rückschlägen schwinden ihre Illusionen und es keimen sogar Zweifel an ihrer Berufswahl auf. Der von Anfang an stringente Ralf hegt weniger Zweifel an sich selbst und am Schulsystem. Sein Augenmerk liegt eher darauf, seine eigenen Potentiale auszuschöpfen und zu verfeinern. Die drei Protagonisten gehen sehr unterschiedlich mit der Belastung im Referendariat um. Doch alle durchlaufen einen Wandlungsprozess, der vom Regisseur hervorragend herausgearbeitet wird. Filmtechnisch arbeitet der Regisseur auf hohem Niveau. Die Kamera fängt die Situationen gekonnt ein. Montiert werden abwechselnd Sequenzen aus der Schule und aus dem privaten Umfeld, sodass die Protagonisten an Tiefe gewinnen und Raum für persönliche Gedanken erhalten. Eine besondere Note bekommt der Film vor allem dadurch, dass nicht nur die Hauptpersonen, sondern auch die Lehrer und Prüfenden wohlwollend betrachtet werden. ZWISCHEN DEN STÜHLEN reflektiert auf kluge wie kritische Weise das Schulsystem in Deutschland. Doch der Film macht auch Mut und Hoffnung, den steinigen Weg des Referendariats zu wagen und zu bewältigen.

    Jurybegründung:

    Sie lehren schon und lernen noch, unterrichten als Referendare Schulkassen und müssen nach einem Jahr selber ihr Examen bestehen. Der Film ZWISCHEN DEN STÜHLEN begleitet drei angehende Lehrer auf diesem schwierigen und widersprüchlichen Weg. Dabei kommt Jakob Schmidt ihnen, aber auch ihren Schülern, Familienangehörigen und einigen erfahrenen Lehrern an ihren Schulen erstaunlich nah und bietet so einen authentischen und nuancierten Blick darauf, wie an deutschen Schulen heute gelehrt wird und wie belastend der Beruf des Lehrers in diesen Zeiten ist. Schmidt hat seine Protagonisten gut gewählt, denn sie arbeiten nicht nur in verschiedenen Schulsparten, sondern reagieren auch, ihren Temperamenten entsprechend, sehr unterschiedlich auf den Stress, dem sie bei der Arbeit ausgesetzt sind. Die eine ist unsicher und oft verzagt, die andere ist selbst Tochter einer Lehrerin, wodurch ihre zwiespältige Situation zuhause noch einmal gespiegelt wird. Dies wird in einer zugleich komischen und berührenden Szene deutlich, in der die Mutter abends zuhause die Texte der Tochter korrigiert. Der männliche Protagonist unterrichtet an einem Gymnasium und scheint unter den dreien der Musterlehrer zu sein, bis sich herausstellt (und Schmidt hält diese Information dramaturgisch geschickt lange zurück), dass er selber ein Schulversager war, was seine Disziplin und Strenge noch außergewöhnlicher wirken lässt. Im Laufe des Jahres stoßen alle drei an ihre Grenzen, müssen Krisen bewältigen, und sowohl als Lehrer wie auch als Prüflinge Niederlagen einstecken. Auf dieser Ebene funktioniert der Film als ein Drama, in dem man mit den bedrängten Helden bangt und ihnen wünscht, dass sie alle Hindernisse überwinden. Schmidt erzählt das sehr filmisch, mit Aufnahmen, bei denen der Kameramann ein gutes Auge für Details hat und die mehr erzählen können als ein Text im Off, auf den Schmidt ganz verzichtet. Der Film nimmt sich zudem Zeit für längere Sequenzen, die nötig sind, um deutlich zu machen, welchem Druck die Protagonisten standhalten müssen. Auf einer anderen Ebene wird hier auch von den Fehlentwicklungen des deutschen Schulsystems erzählt. Ein Lehrer bringt dies auf den Punkt, wenn er sagt, dass heute in den Schulen nur die Mittelmäßigen gefördert werden. Ein brillanter Jugendlicher wird da genauso wenig gefördert wie ein Schüler mit Lernproblemen. Diese Problematik wird auch dadurch gespiegelt, dass der Gymnasialreferendar in seinen Deutschstunden den Roman "Unterm Rad" von Herman Hesse durchnimmt, in dem davon erzählt wird, wie in einer deutschen Schule die jungen Menschen "wie ein Urwald" kultiviert und normiert werden sollen. Er diskutiert darüber nicht nur mit der Klasse, sondern zitiert später auch aus dem Buch, um seine eigene Situation zu beschreiben. Der Film ist gefüllt mit solchen klugen und überraschenden Reflexionen und Spiegelungen. Dazu zählen auch schön gewählte Detailaufnahmen aus den Schulräumen, wie etwa von einem Käfig, in dem ein Hamster im Laufrad gezeigt wird. So überrascht der Film immer wieder dadurch, dass er neue Aspekte und Perspektiven in den Film einführt, ohne dabei je den Blick auf seine drei Helden zu verlieren. Eine von ihnen fragt sich, ob sie den Stress dieses Berufs für die nächsten 35 oder auch nur 5 Jahre aushalten wird. Nach diesem Film wüsste das Publikum dies auch gerne. Jakob Schmidt hat hier den sehr fruchtbaren Keim für eine über Jahrzehnte gehende Langzeitbeobachtung gelegt.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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