Filmhandlung und Hintergrund

Spannendes TV-Familiendrama um den missglückten Doppelselbstmord eines alten Ehepaares.

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Kritikerrezensionen

  • Zeit zu leben: Spannendes TV-Familiendrama um den missglückten Doppelselbstmord eines alten Ehepaares.

    Drama, Krimi, Tragödie: Matti Geschonnecks Film fasziniert durch viele Vorzeichen und vortreffliche Darsteller.

    Ein gutes Dutzend Drehbücher von Hannah Hollinger hat Matti Geschonneck bereits verfilmt („Liebe nach dem Tod“, „Die Mutter“). Die Geschichten sind gern düster und fast immer existenziell. Krimis im engeren Sinn sind sie selten, aber kriminalistische Elemente spielen oft eine gewisse Rolle. Deshalb argwöhnt man noch eher als Tochter Annabelle (Maja Maranow), dass sich das Vorzeichen der Handlung wandeln und aus dem Drama ein Krimi werden könnte. Annabelles Eltern haben sich entschlossen, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden: Er hat Prostatakrebs, sie steht kurz vor der Amputation eines Raucherbeins. Während Mutter Lena (Nicole Heesters) wie geplant stirbt, überlebt Vater Rolf (Friedrich von Thun) den Suizid; er erbricht das Gift. Prompt entdeckt Annabelle Hinweise, die einen schrecklichen Verdacht in ihr keimen lassen: Noch kurz vor der Fahrt nach Holland hat sich Rolf für ein Haus an der Costa del Sol interessiert. Der Sterbehelfer (Dietz-Werner Steck) ist ein alter Schulfreund von ihm. Außerdem hatte er ein Verhältnis mit seiner Schwiegertochter (Katharina Böhm). Als dann auch noch rauskommt, dass ein fremder Arzt eine falsche Diagnose gestellt hat und Lenas Bein keineswegs hätte amputiert werden müssen, fragt sich Annabelle, ob ihr Vater bloß ein Feigling ist - oder ein Mörder?

    Wirkt der Film zunächst wie ein Diskurs über das Recht auf einen selbstbestimmten Tod, so lebt die Handlung im zweiten Drittel naturgemäß von der Ungewissheit, die man mit Annabelle teilt: Selbstredend sprechen alle Indizien gegen ihren Vater, was prompt einen Kommissar (Bernhard Schütz) auf den Plan ruft. Doch dann ändern Hollinger und Geschonneck das Vorzeichen zum zweiten Mal: Im letzten Drittel wandelt sich die Geschichte zwar zurück zum Drama, aber diesmal wird die großbürgerlichen Existenz entlarvt. Nun zahlt sich aus, dass Hollinger sämtliche Figuren mit einer komplexen Biografie versehen hat, die sich oft nur aus Details erschließt. Nicht ohne Grund führt beispielsweise Annabelle in Liebesdingen ein eher unstetes Leben, was sich auch der Kommissar gern zu Nutze machen würde. Bruder Achim (Thomas Dannemann), vermeintlich erfolgreicher Zahnarzt, ist ein Trinker; seine Frau erwartet ein Kind von einem Anderen. Auch die Ehe der Eltern war nur noch Fassade, denn Lena litt seit langem unter Depressionen; und so entpuppt sich der Film schließlich als Tragödie. Ein faszinierendes, von ausnahmslos allen Darstellern vortrefflich gespieltes Werk, das sich vorwiegend über die exquisiten Dialoge erschließt und immer wieder neue Facetten offenbart. tpg.

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