Zarte Parasiten

Kinostart: 09.09.2010
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Filmhandlung und Hintergrund

Drama über ein alternatives Paar, das sich mit menschlichen Dienstleistungen über Wasser hält und daran zu zerbrechen droht.

Jakob und Manu führen ein völlig alternatives Leben: Sie hausen in einer selbst gebauten Hütte und bieten den Menschen mal hier, mal dort ihre Hilfeleistung für eine minimale Entlohnung an. Während Manu der alten Frau Katz hilft, schlittert Jakob in eine grenzwertige Geschichte hinein: Er ersetzt, ohne Manu davon zu erzählen, den verstorbenen Sohn des Piloten Martin, um dessen Schmerz im Alltag zu erleichtern. Die Situation wird zunehmend komplizierter, als Jakob sich in Martins Familie merklich wohlfühlt und Manu hinter das Geheimnis zu kommen droht.

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Kritikerrezensionen

    1. Wenn man im Wald wohnt, kann es schon mal sein, dass einem im Schlaf eine Schnecke die Nase hochkriecht. Jakob und Manu sind junge Obdachlose – die sich von diesem Außen, von diesem gesellschaftlichen Außerhalb an „Normale“ heranmachen. Sie sind sozusagen Dienstleister: Sie bieten emotionale Zuwendung gegen Kost, Logis und Taschengeld. Wobei sie sich ziemlich heranwanzen an ihre Kunden, die durchaus auch als Opfer gesehen werden können: denn Jakob und Manu bearbeiten sie subtil und beharrlich, sie wissen um die emotionalen Mängel, reißen diese Wunden auf und nisten sich ein. Sprich: Sie sind zarte Parasiten, die emotionale Zuwendungen gegen materielle tauschen.

      Das Regieduo Christian Becker und Oliver Schwabe porträtiert mit rauen, digital-grieseligen, hartbeleuchteten Bildern diesen Zustand des Parasitären, und sie behandeln dabei auch die ausnehmenden Dialektik von Geben und Nehmen: passiv-aggressiv bieten sich Jakob und Manu an, ihr Produkt, das sie verkaufen: Nähe, Wärme, Menschlichkeit – zumindest dem Schein nach –, und sie wenden dabei modern-kapitalistische Methoden an, Mechanismen von Markt, Marketing, Bedarfsanalyse und Produktanpassung. Ihre Kunden werden ausgesucht, zielgruppengenau: Alte, Einsame, ein trauerndes Ehepaar. Sie platzieren ihr Produkt, ihre Emotionen, sehr genau, zur Not erschaffen sie das Bedürfnis, das sie dann gegen Bezahlung stillen. Auf der anderen Seite sind ihre Kunden auf so etwas angewiesen, sie bezahlen gerne, sie nehmen das Angebot an – Becker und Schwabe erzählen von einer Welt emotionaler Bedürftigkeit, von Perspektivlosigkeit, von Leben, die Alternativen suchen zum eingefahrenen Weg.

      Jakob bietet sich bei einem Ehepaar, das den Sohn verloren hat, als Sohnersatz an; Manu macht einer alten Frau den Haushalt, hält ihre Hand beim Einschlafen, tanzt für sie im Wohnzimmer, und auf besonderen Wunsch schläft sich auf dem Bettvorleger mit Jakob, für die Alte, die im Inneren noch immer Leidenschaft verspürt, auch wenn der Körper nicht mehr mitmacht. Das emotionale, figurale Gefüge im Film ist empfindlich, aber stabil – zunächst. Denn als die alte Dame stirbt und Manu „arbeitslos“ wird, fühlt sich Jakob zugleich mehr und mehr aufgehoben bei Martin und Claudia – daraus ergibt sich der dramaturgische Konflikt, dass nun akut wird, was im Lebensentwurf von Jakob und Manu immer latent vorhanden war: dass aus dem parasitären Leben ein symbiotisches Verhältnis zum Kunden/Opfer werden könnte, dass sich auch bei Jakob und Manu Mängel auftun, die wiederum von ihren „Wirten“ geheilt werden.

      Das ist ein großer Entwurf über kleine Bedürftigkeiten des Lebens, die gestillt werden wollen, über das Gegen- und Miteinander beim emotionalen Austausch. Leider knirscht und knarzt es mitunter im Gefüge des Films, manches wird zu deutlich in Angriff genommen, zu offensichtlich arbeitet der Film auf bestimmte Szenen, Gesten, Themen hin – nicht immer, aber immer wieder. Und zu gekünstelt wirken manche Dialoge, zu schriftdeutsch gesprochen, so dass es diesem Film, der vom Miteinander- und Voneinanderleben handelt, ein bisschen an eigenem Leben fehlt.

      Fazit: Filmdrama um emotionale Mängel, um alternative Lebensstile, um das Leben mit- und gegeneinander mit spannender Gefühls- und Figurenkonstellation, dramaturgisch mitunter aber etwas unorganisch.
    2. Zarte Parasiten: Drama über ein alternatives Paar, das sich mit menschlichen Dienstleistungen über Wasser hält und daran zu zerbrechen droht.

      Unterschwellig spannende Sozialstudie um ein alternatives Paar, das menschliche Nähe verkauft und daran zu zerbrechen droht.

      Schon ein seltsames Paar: Manu (Maja Schöne) und Jakob (stark: Robert Stadlober aus „Crazy“) campen draußen im Wald. Die Twentysomethings leben frei, autark und mit notorisch knapper Kasse. Die füllt Manu notdürftig auf, indem sie eine alte Dame pflegt, die ihr dafür sporadisch Kleinbeträge spendiert. Jakob hat sich derweil an Hobbypilot Martin (Sylvester Groth) gehängt, der vor kurzem seinen Sohn verlor. Er nistet sich mit großer Selbstverständlichkeit bei ihm und Martins misstrauischer Frau Claudia (Corinna Kirchhoff) ein. Wie Manu geht auch er einen unausgesprochenen Pakt ein: Vergütung gegen menschliche Zuneigung. Von einem tragfähigen Geschäftsmodell für das junge Paar kann freilich keine Rede sein. Zudem stellen die Entwicklungen ihre Partnerschaft auf eine schwere Prüfung.

      Christian Backer und Oliver Schwabe, die schon mit „Egoshooter“ ein kaum sonderlich erbauliches Gesellschaftsbild zeichneten, haben eine subtil beklemmende Studie entworfen, die so undurchsichtig wie unterschwellig spannend ausfällt. Die beiden Protagonisten kommen aus dem Nichts, sind weniger parasitär, denn vielmehr symbiotisch und schlittern in Beziehungskonstellationen, die sie weder überblicken noch kontrollieren können. Daraus ergibt sich ein im Spannungsfeld zwischen Distanz und Nähe aufgebautes, kunstvolles Drama über Zustände, die sich in der Schwebe befinden, aber langsam in gefährliche Schieflagen abrutschen. Einerseits stirbt Manus Geldgeberin, zum anderen findet sich Jakob in einer „Vertigo“-Situation wieder: Er sucht einen Vaterersatz, Martin einen Sohn. Heimlichkeit und Eifersucht katalysieren die Ereignisse, bis das Spiel auffliegt und die Situation eskaliert. Vieles bleibt unausgesprochen, dafür zieht die Atmosphäre in den Bann in einem Film, der einem seltsamen Traumzustand gleicht, er wirkt zart und rau, nah und fern, emotional bedürftig und zurückweisend - und fast immer alles zugleich. tk.

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