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Fakten und Hintergründe zum Film "Young Adult"

Kino.de Redaktion |

Young Adult Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Die Geschichte von YOUNG ADULT beginnt sowohl tatsächlich als auch in der Fiktion in Minneapolis, MN. Drehbuchautorin Diablo Cody hatte dort mehrere Jahre gelebt. Seither betrachtet sie die Metropole im Mittleren Westen als eine Art Muse. „Aus irgendeinem Grund fühle ich mich unheimlich inspiriert, wenn ich nach Minneapolis zurückkehre, und habe oft die zündende Idee für einen neuen Filmstoff“, sagt sie. Der Ausgangspunkt für YOUNG ADULT war eine „unfassbare Nachrichtenmeldung“ über eine Frau, die nach Jahren in ihre Heimatgemeinde zurückgekehrt war, um ihre damalige große Liebe zurückzuerobern. Cody erklärt: „Ich dachte mir: Da steckt eine Menge drin. Wie wäre es, wenn da diese Frau wäre, eine Figur, die emotional immer noch nicht erwachsen geworden ist und ihrer Jugend nachhängt, die damals, als sie in der Highschool war, die glücklichste Zeit ihres Lebens verbrachte? Was wäre, wenn sie emotional verkrüppelt wäre und glaubt, dass sie das einstige Glück nur dann zurückbekommen kann, wenn sie buchstäblich zurückkehrt, um den Mann ausfindig zu machen, der sie damals glücklich gemacht hat? Dann fing ich einfach an zu schreiben.“

Cody ging nicht von einem strukturierten Drehbuch aus, sondern erschuf Mavis mit einem ganz offenen Ansatz von innen nach außen, beginnend mit dem emotionalen Kern. „Ich setzte mich nicht mit einer bereits ausgearbeiteten Geschichte hin. Ich hatte nur die Idee einer Figur, die emotional verkrüppelt ist, die ihre beste Zeit in der Highschool hatte und sich nun, in ihren Dreißigern, fragt, wie sie die damaligen Umstände wieder herzaubern und den Thron der Bienenkönigin zurückerobern kann. Mavis war eine Figur, die sich mir Stück für Stück offenbarte und mit jedem Schritt ein immer noch komplexerer Mensch wurde. Ich schrieb immer mehr wahrhaftige Szenen für sie, und irgendwie setzte sich damit auch die Geschichte zusammen“, sagt Cody.

Produzent Mason Novick, ein enger Freund von Cody, der sie in ihrer Zeit als Bloggerin entdeckt hatte und seit ihrem ersten Film, „Juno“ (JUNO, 2007), mit ihr arbeitet, sagt: „Ich glaube, dies ist ein sehr persönliches Drehbuch für Diablo. Ich denke, dass sie den Eindruck hat, Menschen wie Mavis seien in den Mainstream-Medien unterrepräsentiert. Mavis ist eine Frau, die womöglich nicht den besten Plan hat, aber es macht dennoch Spaß, ihr zuzusehen, wie sie versucht, ihn in die Tat umzusetzen.“ Er fügt hinzu, dass der Stoff so ungewöhnlich und packend war, dass er unbedingt alles dafür tun wollte, dass er auch umgesetzt wird. „Wenn man etwas liest, das einem die Reaktion entlockt: ,Wow, das ist irre! Das ist bewegend und ich verstehe die Figuren und ihre Geschichte‘, dann ist das eine wahre Freude. Das ist Material, das auf ganz besondere Weise angepackt werden muss, denn da sind riesige Höhen und ebenso riesige Tiefen. Die Geschichte springt auf der Reise mit ihren Figuren von ernst zu schockierend, von Komödie zu Tragödie. Es ist ein ganz besonderer Film“, sagt Novick. Novick legte das Drehbuch den „Juno“-Produzenten Russell Smith, Lianne Halfon und John Malkovich vor, die gemeinsam die Produktionsfirma Mr. Mudd betreiben. Das Team war der Meinung, dass YOUNG ADULT eines der besten Drehbücher sei, das es in den letzten Jahren gelesen hatte. „Mavis ist eine unglaubliche Hauptfigur“, meint Smith. „Eine Figur, über die man einfach lachen muss, und dann sitzt man mit offenem Mund da und denkt sich: Was wird jetzt wohl passieren? Das ist immer eine gute Voraussetzung beim Lesen eines Drehbuchs.“

„Mavis reagiert nicht auf die Weise, wie man es jemandem wünschen würde, der sich in ihrer Situation befindet. Aber all das ist von Anfang bis Ende so grandios gut beobachtet, dass es voll und ganz überzeugt. Was uns wirklich umgeworfen hat, war die Hauptfigur, die so besonders und unberechenbar ist – und uns von daher an „Juno“ (JUNO, 2007) erinnerte“, merkt Smith zudem an. Halfon und Smith machten sich daran, ein einzigartiges künstlerisches Team für die Produktion zu versammeln, eine Mannschaft, die die eigenwillige Stimme Codys in YOUNG ADULT verstehen und respektieren würde.

„Wie wir das schon von „Juno“ kannten, war auch dieses Drehbuch ungewöhnlich. Das bildschöne böse Mädchen, das allein ist nichts Ungewöhnliches in Hollywood. Aber normalerweise steht im Mittelpunkt immer das süße Traummädchen, das sich gegen das böse Mädchen behaupten muss. Das schlimme Mädchen ist normalerweise nicht die Hauptfigur“, sagt Halfon.

Nathan Kahane und seine Mannschaft von Mandate Pictures waren die nächsten „Juno“-Veteranen, die bei YOUNG ADULT an Bord kamen. „Wir ergriffen die Gelegenheit sofort beim Schopf, weil wir bei „Juno“ zusammen so viel Spaß gehabt hatten“, so Kahane. „Wir hatten den Eindruck, dass es Diablos bislang reifste und erwachsenste Arbeit war. Beim gegenwärtigen Stand der Dinge ist es aber so, dass die Verleiher vor jeder Art von kontroversem Material Reißaus nehmen, und YOUNG ADULT war eindeutig kontroverses Material. Wir haben eine Hauptfigur, die zu der Sorte Frau gehört, die man traditionell eigentlich nicht unbedingt auf ihrem Weg begleiten möchte, aber gerade das machte es so interessant und da rührte auch der Spaß her“, erklärt Kahane.

Die Gruppe traf einstimmig die Entscheidung, dass für die Regie von YOUNG ADULT nur ein Filmemacher infrage kam: der zweifach Oscar®-nominierte Jason Reitman. „Tief drin in meinem Herzen hatte ich immer die Hoffnung, noch einmal mit Jason Reitman arbeiten zu können. Ich würde jeden Film mit Jason machen, wenn ich könnte, weil es ganz selten vorkommt, dass man als Autor jemanden trifft, der mit einem absolut auf einer Wellenlänge liegt und genau versteht, was man ausdrücken will, welche Geschichten man erzählen will, wie man die Figuren sehen muss. Wir haben eine magische und kreative Beziehung. Was auch immer ich schreibe, schicke ich auf jeden Fall an Jason, weil ich immer wissen will, was er davon hält“, erzählt Cody. „Uns war bewusst, dass keiner die Kadenzen von Diablo Cody besser versteht als Jason“, erinnert sich Smith. „Und wir weigerten uns, das Projekt ohne ihn anzupacken.“ Wie es ihre Gewohnheit ist, schickte Cody auch von diesem Drehbuch eine Kopie an Jason Reitman, der ihr mit einigen Anmerkungen antwortete. Sie feilte weiter am Skript und hatte den Eindruck, dass es ihm gefiel und er es sich VIELLEICHT vorstellen konnte, Regie zu führen …

Der Schrecken war groß, als Reitman dann aber erst einmal ablehnte – allerdings hielt sein Widerstand nicht lange an. „Er war so nett. Er rief an und sagte: ,Schaut her, ich habe mir darüber jetzt eine Woche lang den Kopf zerbrochen.‘ Es gab andere Dinge in seinem Leben, die im Weg standen, also ließen wir ihn erst einmal vom Haken und sagten: ,Wir haben volles Verständnis. Wir wissen, dass wir alles von dir bekommen haben, was wir uns gewünscht haben. Du hast es dir durch den Kopf gehen lassen.‘ Ich legte den Hörer auf und war wie vor den Kopf gestoßen. Buchstäblich fünf Minuten später klingelte mein Telefon erneut. Jason war am anderen Ende und sagte: ,Ich hätte da ein paar Fragen …‘“, berichtet Kahane. „Ich war im neunten Monat schwanger und Jason rief mich an und sagte: ,Ich will Regie bei dem Film führen. Ich stelle ein anderes Projekt, an dem ich arbeite, hintenan und werde in ein paar Monaten YOUNG ADULT machen.‘ Binnen eines Anrufs war von einem Projekt im Entwicklungszustand eine Oh-mein-Gott-es-passiert-in-acht-Wochen-Situation geworden. Das war unglaublich“, erzählt Diablo Cody.

Reitman sagt, dass er Codys ganz eigenen Ansatz für Geschichten und Figuren liebt und den ebenso unkonventionellen wie mutigen Stoff YOUNG ADULT besonders reizvoll fand. „Es gab viele Gründe für mich, YOUNG ADULT machen zu wollen. Der Hauptgrund war aber, dass ich Diablos unverkennbare Stimme über alles liebe. Sie ist eine ziemlich mutige Autorin, und ich fand, dass der dritte Akt von YOUNG ADULT ganz besonders gewagt war. Der Film war witzig und raffiniert. Und ich bin ziemlich scharf darauf, raffinierte Geschichten zu erzählen, mit Hauptfiguren, deren Agenda bisweilen auch düster sein darf. Diablo hat ein Händchen dafür, Figuren zu erschaffen, deren Absichten nicht immer nur die besten sind, und doch fällt sie nie ein Urteil über sie. Als Regisseur versuche ich es ihr gleichzutun. Ich wusste, dass ich die Regie übernehmen wollte“, sagt Reitman.

Codys Drehbuch und ganz besonders die potenziell hassenswerte und doch so unterhaltsame Mavis Gary sprachen Reitman an. „Ich hoffe, dass Mavis eine Figur ist, wie sie das Kinopublikum noch nie auf der Leinwand gesehen hat. Ich denke, es gibt eine lange Historie männlicher Figuren, die wir zu hassen lieben. Dagegen gibt es nicht allzu viele weibliche Figuren, von denen man das behaupten könnte. Sie muss großartig geschrieben sein und genauso großartig gespielt werden. Deshalb habe ich Vertrauen, dass der Film funktioniert. Diablo hat ein höllisch gutes Drehbuch geschrieben, und Charlize wusste genau, wie man das nötige Gleichgewicht halten musste. Es ist ein rasiermesserscharfer Balanceakt, eine Figur einerseits brutal zu anderen Menschen sein zu lassen, andererseits aber nie ihre menschliche und komische Seite zu vernachlässigen“, meint der Regisseur.

Reitman war überzeugt, dass es nur eine Schauspielerin gab, die eine Figur gewinnend spielen konnte, die potenziell so unsympathisch ist: Charlize Theron. „Ich hatte sie gerade erst kennengelernt und bei unserem Gespräch festgestellt, wie komisch sie sein kann. Dass sie eine großartige Schauspielerin ist, wusste ich bereits. Ich war zu diesem Zeitpunkt noch nicht Teil von YOUNG ADULT, hatte aber das Drehbuch gelesen und gemocht und war mir beim Durchlesen bereits sicher, dass der Film nur dann machbar wäre, wenn Charlize die Hauptfigur spielen würde. Meine Entscheidung, den Film zu machen, hing im Grunde davon ab, ob sie Ja sagen würde. Ich sah sie zufällig in einem Restaurant und stürzte auf sie zu und sagte: ,Ich will, dass du diese Rolle spielst‘, und sie fragte mich, worum es ginge, und ich antwortete: ,Es geht um einen wirklich schrecklichen Menschen, eine passiv-aggressive, bösartige Zicke, die die Welt um sich herum mit ihrer Verachtung überzieht – und sie hat sich obendrein das Ziel gesetzt, eine perfekte, harmonische Ehe zu zerstören, um mit dem Jungen, mit dem sie in der Highschool zusammen war, davonzurennen.‘ Ich bin mir sicher, dass Charlize tief in sich denken musste: ,Okay, so siehst du mich also wirklich‘“, lacht Reitman.

Die Oscar®-prämierte Charlize Theron ist eine kompromisslose Schauspielerin, die bekannt dafür ist, auch Rollen anzunehmen, in denen sie harte, verachtenswerte Figuren spielen muss, die sie mit ungeschminkter Wahrhaftigkeit darstellt – sie zeigt diese Menschen so, wie sie wirklich sind, und nicht so, wie wir hoffen würden, dass sie sein sollten. Trotz der attraktiven Verpackung gehört Mavis Gary definitiv zu dieser ganz besonders kratzbürstigen Gruppe von Figuren. „Als ich Charlizes Namen erstmals im Zusammenhang mit YOUNG ADULT hörte, dachte ich nur: Perfekt! Ich könnte mir ganz ehrlich niemanden vorstellen, der geeigneter wäre, diese Rolle zu spielen. Ich denke beim Schreiben nie an Schauspieler, weil ich das als etwas vermessen empfinde – man weiß ja nicht einmal, ob der Film jemals gemacht wird. Wenn ich neue Informationen zur Besetzung erhalte, bin ich jedes Mal ziemlich aufgeregt; im Fall von Charlize war die Aufregung aber noch deutlich größer als sonst. Mavis ist in jeder Szene des Films zu sehen. Es ist eine verdammt schwere Rolle, und Charlize ist unglaublich“, sagt Cody.

Die Kombination von Diablo Cody und Charlize Theron sah Reitman als besonders reizvoll an. „Wenn es etwas gibt, wofür Charlize bekannt ist, dann ist es ihre unbeirrbare Entschlossenheit, mit der sie sich in jede neue Rolle stürzt. Es war aufregend, mit einer furchtlosen Autorin und einer furchtlosen Schauspielerin an ein und demselben Film zu arbeiten“, sagt Reitman. Er fügt hinzu, dass Theron es dem Publikum ermöglicht, sich auch mit einer eher weniger liebenswerten Figur wie Mavis zu identifizieren. „Charlize beherrscht es auf wunderbare Weise, eine Figur zu nehmen, die man ansonsten überhaupt nicht ausstehen könnte, und sie dem Publikum auf eine Weise näherzubringen, dass man mit ihr fühlt. Bei einer anderen Schauspielerin bestünde die Gefahr, dass sich der Zuschauer abwendet. Bei Charlize versteht man, warum Mavis so kaputt ist. Ich bin ganz ehrlich der Meinung, dass das der Grund ist, warum der Film funktioniert“, sagt Reitman.

Theron findet, dass ihr Ansatz, Mavis zu spielen, nur deshalb funktionieren konnte, weil sie von Reitman entsprechend geführt wurde – und weil sie ihm große Bewunderung und Vertrauen entgegenbrachte. „Die wichtigste Lektion, die ich in meiner Laufbahn gelernt habe, ist, dass man mit dem besten Material aufgeschmissen ist, wenn man keinen Regisseur hat, der einen inspiriert und die nötige Vision hat. Es ist wichtig, einen Draht zum Regisseur zu haben, und Jason und ich könnten einander gar nicht ähnlicher sein in Bezug auf unsere Herangehensweise an die Arbeit. Ich hatte vollkommenes Vertrauen in ihn. Wenn er also bei einer Szene nach zwei Klappen sagte, dass sie perfekt sei, dann konnte ich mich auch darauf verlassen. Ich hasse es, endlos lang zu debattieren und zu proben. Ich komme viel lieber an den Drehort und mache meine Arbeit. Genauso arbeitet er auch. Er liebt seine Arbeit und legt viel Wert darauf, seine Figuren und seinen Arbeitsprozess mit allen Mitteln zu beschützen. Mehr kann man meiner Meinung nach nicht verlangen“, merkt Theron an.

Obwohl Theron ihre Figur von innen heraus verstand und Mavis vor der Kamera regelrecht kanalisierte, hatte sie keine Probleme damit, all ihre Macken wieder abzuschütteln, wenn eine Szene abgedreht war. Theron achtete stets darauf, Mavis nicht in ihr Privatleben eindringen zu lassen: Es war ihr wichtig, ihre gesellige Seite nicht zu vernachlässigen und am Set zur Unterhaltung aller Anwesenden wie gewöhnlich zotige Witze zu reißen. „Wenn sie zum Dreh erschien, dann gehörte ihr die Rolle. Sie unterhält die Menschen. Sie bindet andere Menschen ein. Sie und der Regisseur hatten eine wirklich spezielle Beziehung, das spürten alle Beteiligten. Daraus entstand eine ganz spezielle Arbeit. Sie ist etwas Besonderes“, merkt Russell Smith an.

Als Nächstes wurden die Rollen des Geschwisterpaares Matt und Sandra Freehauf besetzt – ehemalige Schulkameraden von Mavis, die in ihr fehlgeleitetes Vorhaben, ihre Jugendliebe Buddy Slade zurückzuerobern, verwickelt werden. Der Prozess begann mit einer Tischlesung in Jason Reitmans Haus in Los Angeles, wo sich schnell herauskristallisierte, dass Patton Oswalt genau der richtige Schauspieler für die Rolle des Matt Freehauf wäre – er ist Mavis’ einziger wirklicher Freund, auch wenn ihr das zunächst überhaupt nicht bewusst ist. „Die Chemie zwischen Charlize und Patton bei dieser Tischlesung war wirklich unbeschreiblich. Da wurde mir auch klar, dass ich mit einer Idee goldrichtig lag, die ich beim Lesen des Drehbuchs hatte: Dies ist eine Romanze über ein Paar, das niemals zusammenkommen wird. Es hatte etwas Herzzerreißendes, sie zu beobachten, wie sie aufeinander einstiegen. Ich erinnere mich, dass ich ihnen schon früh gesagt hatte, dass es viele Paare gibt, die sich ihre gegenseitige Zuneigung zeigen, indem sie feststellen, dass sie dieselben Dinge lieben. Bei diesen beiden ist der gemeinsame Nenner, dass sie dieselben Dinge hassen. Und das schweißt sie zusammen“, erzählt Jason Reitman. „Patton war unglaublich“, erinnert sich Halfon. „Es war bei dieser Lesung, als würde sich der Film vor unseren Augen verdichten. Die Lesung war von enormem Wert für uns, weil wir mit ihrer Hilfe die Beziehungen und die Achse der Geschichte, auf der der Film aufgebaut ist, genau identifizieren konnten. Manchmal kristallisieren sich diese Dinge ganz deutlich beim Lesen des Drehbuchs heraus. Aber diese Verbindung zwischen Matt und Mavis war eine richtige Überraschung für mich. An diesem Abend in diesem Raum wurde das viel deutlicher, als es mir beim Lesen des Skripts aufgefallen war.“

Diablo Cody hatte mit Oswalt bereits bei ihrer Showtime-Serie „The United States of Tara“ zusammengearbeitet und war begeistert, als sie hörte, dass er für die Rolle des Matt Freehauf vorgesehen wurde. „Ich bin ein Riesenfan von ihm. Er war genau der Typ, den ich mir für diese Rolle vorgestellt hatte. Aber ich habe Jason nie darauf hingewiesen, weil ich mich aus diesen Angelegenheiten völlig heraushalten will. Das ist Jasons Aufgabe. Als er mir erzählte, dass er mit Patton wegen der Rolle gesprochen hatte, sagte ich ihm: ,Yup, das ist genau der, den ich auch nehmen würde.‘ Das war nett.“, erinnert sich Cody. Cody nennt Matt Freehauf „das Herz des Films“ – nicht zuletzt wegen Oswalts beherzter Darstellung der Figur. „Patton ist wunderbar. Da ist die Szene, in der Mavis in die Bar kommt und Matt einfach nur dasitzt. In diesem Moment wird der Film von einer Wärme erfüllt, die davor einfach nicht da war. Bis zu diesem Moment befanden wir uns in einem Ödland, durch das ein ziemlich eisiger Wind pfeift. Als sie ihn trifft, erkennen wir sofort, dass er ein guter Mensch ist, ein wahrhaftiger Mensch, jemand mit einem großen Herzen, jemand, den wir kennenlernen wollen. Er ist der eine Mensch, der ihr das Wasser reichen kann. Er dient als ihr Gewissen. Er mag Mavis und er sorgt dafür, dass auch wir Mavis ein bisschen mögen können. Das ist wirklich Pattons Darstellung zu verdanken“, meint Cody. Reitman hatte Oswalt definitiv auf seinem Radar, selbst vor der Lesung bei sich zu Hause. Bei einer Autoreise vergnügte er sich damit, sich Oswalts Standup-Comedy, die angefüllt ist mit eigenwilligen Tiraden und Betrachtungen, immer und immer wieder anzuhören. Im Anschluss nahm er erstmals Kontakt zu ihm auf.

Oswalt war seinerseits ein großer Fan von Jason Reitmans Filmen und nahm die Rolle mit großer Freude an. Er erzählt: „Dass ich diese Rolle ausgewählt habe, impliziert, dass ich mich an dieser Stelle meiner Karriere befinde. Jason Reitman bot mir die Rolle an, und ich habe zugesagt. Ich mag seine Filme unheimlich gern, und er sagte: ,Willst du bei meinem Film dabei sein?‘, und ich antwortete: ,Verdammt, ja!‘, ich hatte also keine Wahl. Ich hatte einfach ein saumäßiges Glück“, erzählt Oswalt. Viele Aspekte an Freehauf sprachen Oswalt an, von seiner Aufrichtigkeit bis zu seinen Macken. „Für mich war es eine sehr attraktive Rolle, weil sie so gut geschrieben war. Er ist nicht einfach das geborene Opfer; er vereint so viele interessante Schattierungen in sich. Er ist nachtragend und zynisch, gleichzeitig bemüht er sich aber auch, in Anbetracht seiner düsteren Weltsicht so positiv wie möglich zu sein. Das gefiel mir. Es fühlte sich realistisch an.“

Freehaufs brutal herrliche Hass-Liebe-Freundschaft mit Mavis und ihre gemeinsame gallige Weltsicht sprach Oswalt an. „Mir gefällt, dass er Mavis als Menschen durchschaut, aber er muss vorsichtig sein, wie er ihr das offenbart, weil er sie nicht als Freundin verlieren will. Man sieht, wie er in ihrer Beziehung immer mutiger wird, als die Situation an Lächerlichkeit zunimmt. Es macht Spaß, so etwas zu spielen. Ich glaube außerdem, dass er Mavis aufrichtig liebt, auch wenn er sie nicht sonderlich leiden kann, was ich für einen alltäglichen Zustand halte. Es ist schwer, das unter einen Hut zu bekommen, wenn sich das Herz in der Gegenwart eines Menschen zusammenzieht, der, wenn man ehrlich ist, nicht eine einzige Eigenschaft besitzt, die man respektiert oder genießt. Ich finde es hochinteressant, dass Mavis und Matt, die sich an komplett entgegengesetzten Enden des Spektrums befinden, was Aussehen und Status im Königreich der Tiere, speziell in der Highschool, anbetrifft, beide so pur und tödlich genau die exakt selben Dinge verabscheuen und hassen“, erklärt Oswalt. Er merkt an, dass YOUNG ADULT aus der Perspektive Freehaufs eine Liebesgeschichte erzählt, aber „auf eine ganz komische Weise ist es auch ein Horrorfilm, in dem Charlize die Rolle des Irren spielt, der durch das leise Hinterland trampelt und eine Spur der Verwüstung hinterlässt. Es ist faszinierend, ihr dabei zuzusehen. Charlize ist so unglaublich gut in diesem Film, weil es so aussieht, als würde sie sich selbst spielen, wie sie diese wirklich unsympathische Person spielt. Wenn andere Schauspieler abstoßende Figuren spielen, dann färben sie sich ihre Haare dunkler oder verändern sonst irgendetwas an ihrem Äußeren. Charlize sieht so aus, wie sie aussieht. Da ist keine Künstlichkeit. Auf diese Weise ist es emotional fast noch roher und unmittelbarer. Sie kanalisiert Mavis mittels ihres Körpers, ohne je ein Urteil über sie zu fällen. Das ist erstaunlich.“

Theron entwickelte eine „wirklich tiefe Zuneigung“ zu Oswalt und fand, dass ihre Zusammenarbeit mit ihm und Jason Reitman ausgesprochen wahrhaftig und befriedigend war. „Ich halte Schauspielerei immer für eine sehr intime Erfahrung. Ganz, ganz selten gibt es Fälle, in denen die Arbeit mit einem anderen Schauspieler übertrifft, was von einem erwartet wird. Ich fühlte mich unheimlich sicher zusammen mit Patton vor der Kamera, weil ich immer den Eindruck hatte, dass ich mich auf ihn verlassen konnte. Ich habe die Arbeit mit ihm geliebt, seine Einstellung, was er in diese Figur gesteckt hat. Patton und ich hatten etwa sieben Seiten gemeinsamen Dialog, und das meiste davon spielt sich in einer Bar ab. Wir verbrachten also etwa eine Woche in dieser Bar; wir konnten ganz entspannt spielen und hatten viel Raum zur Improvisation, wobei wir uns ganz gut entdecken und kennenlernen konnten. Mit ihm und Jason kam es mir so vor, als hätte ich auf einmal zwei unheimliche coole und witzige Brüder“, erinnert sie sich.

Collette Wolfe spielt Matt Freehaufs Schwester Sandra, die Mavis anhimmelt und kaum glauben kann, dass ihre Göttin aus der Highschool zurückgekehrt ist und sich dazu herablässt, Zeit mit ihrem Bruder zu verbringen. Schließlich ist es Sandras ganz geradliniger Ratschlag – der von ihrer eigenen, der von Mavis gar nicht einmal unähnlichen Antipathie gegen die Engstirnigkeit ihrer Kleinstadt herrührt –, der Mavis einen möglichen Weg in die Zukunft weist. Wolfe und Oswalt hatten in der Vergangenheit bereits miteinander gearbeitet, deshalb empfand sie es als angenehmen Schritt, diesmal seine Schwester spielen zu können, zumal ihre Figuren in YOUNG ADULT völlig anders waren als die, die sie zuvor miteinander gespielt hatten. „Ich kannte Patton, weil wir zusammen bei „Observe and Report“ vor der Kamera gestanden haben. Er spielte meinen Boss, und ich war körperlich behindert. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass er diesmal die Körperbehinderung hat und ich ziemlich fies zu ihm bin. Ich liebe Patton. Er ist zum Brüllen komisch, und bei der Tischlesung und während der ganzen Produktion haute er mich einfach nur um“, sagt Wolfe. Die Schauspielerin war begeistert, mit Jason Reitman arbeiten zu können.

Und die Geschichte sprach sie auf mehreren Ebenen an. „Ich liebte das Drehbuch, weil ich den Eindruck hatte, dass sich jeder davon angesprochen fühlen kann. Ich sehe das so, dass jeder, der einmal die Highschool besucht hat, eine Mavis Gary hatte, die mit ihm zur Schule ging. Und vermutlich kennt auch jeder eine Sandra aus seiner Schulzeit. Sandra ist ein unglücklicher Mensch, aber ich glaube nicht, dass sie irgendwelche Erwartungen hat, dass sich das irgendwann ändern könnte. Als Mavis aus heiterem Himmel wieder in ihr Leben tritt, steht sie in Sandras Augen für all das, was man sich vom Leben wünschen könnte. Ich fand interessant, dass Sandra nicht wirklich eine nette Person ist, auch wenn sie auf den ersten Blick so wirken mag. In manchen Filmen steht von Anfang an fest, wer ein netter Kerl ist und wer der Bösewicht. Hier haben wir Sandra, und man denkt: ,Oh, wir können uns mit ihr identifizieren, weil sie kein glückliches Leben führt‘, aber ich habe den Eindruck, dass sie bis ins Mark verdorben ist. Nur eines unterscheidet sie wirklich von Mavis Gary: Sie sieht nicht so heiß aus, sie ist nicht so smart, und sie kann nicht mit Menschen umgehen. Es macht Spaß, eine solche Figur zu spielen“, berichtet Wolfe.

Theron fügt hinzu, dass sie von Wolfes Darstellung während des entscheidenden Gesprächs zwischen Sandra und Mavis, bei dem man feststellt, dass sich die beiden ähnlicher sind, als man es sich gedacht hätte, förmlich „weggeblasen“ wurde. „Auf eine gewisse Weise ist Sandra die Figur, die den größten Schaden anrichtet, und sie macht das mit der größtmöglichen Unschuld. Collette hat sie so wunderschön gespielt. Als wir unsere große Szene drehten, in der sie mir alles erzählt, war ich völlig sprachlos“, erinnert sich Theron.

Wenn es so aussieht, als würden sich Patrick Wilson und Elizabeth Reaser, die man als Buddy und Beth Slade sieht, bereits bestens kennen, weil sie ein so überzeugendes Leinwandehepaar abgeben, dann liegt das daran, dass sie tatsächlich nicht zum ersten Mal gemeinsam vor der Kamera stehen. Im Gegenteil. „Ich habe mit keiner Schauspielerin so oft gespielt wie mit Elizabeth“, erklärt Patrick Wilson. „Wir haben bereits zwölf oder 13 Mal miteinander gearbeitet. Ganz oft haben wir in irgendeiner Form ein Paar gespielt – sie war meine ehemalige Freundin, meine Freundin und nun meine Frau. Vielleicht müssen wir uns beim nächsten Mal voneinander scheiden lassen.“

Reaser fand ihre gemeinsame Ehe in YOUNG ADULT ebenfalls amüsant: „Nach all den Jahren sind wir endlich miteinander verheiratet, es fühlt sich irgendwie richtig an. Ich kenne ihn schon ewig, also ist es ganz selbstverständlich. Als ich ihn wiedersah, kam es mir tatsächlich so vor, als wären wir ein altes Ehepaar.“ Wilson sagt, dass er die Figur des Buddy wegen seiner offenkundigen patentierten Anständigkeit und unkomplizierten Leutseligkeit, die womöglich ein tieferes Motiv verbirgt, spannend fand. „Buddy und Beth führen eine gute Ehe. Sie kommen blendend miteinander aus, und sie sind nicht übermäßig kompliziert.

Buddy ist ein ganz simpel gestrickter Kerl. Das merkt man an den Details. Er sagt Sachen wie ,Wow‘ oder ,Cool‘, Antworten, die aus einem Wort bestehen, wenn er nicht genau weiß, was er sagen soll. Aber selbst in der einfachsten Person spielt sich viel ab. Die Highschool war eine so gute Zeit für ihn. Als nun Mavis zurückkehrt und die guten Erinnerungen wieder hochkommen lässt, fühlt er sich geschmeichelt. Vielleicht tut es ihm ganz gut, zur Abwechslung nicht als junger Papa aus der Vorstadt angesehen zu werden, sondern als der heiße Typ, der er einst einmal war. Sie ist eine attraktive Frau, es macht spürbar Klick zwischen ihnen. Wie tief diese Verbindung geht, zumindest eine Weile, wird sich indes noch zeigen“, sagt Wilson.

„Beth ist eine stark mitfühlende Frau“, meint Cody. „Und sie ermutigt Buddy, Kontakt zu Mavis zu halten und sie in ihre Aktivitäten einzubinden, während sie in der Stadt ist. Beth erkennt in Mavis die Person, die sie wirklich ist – ein zutiefst einsamer Mensch. Aber Mavis will von dieser Frau nicht bemitleidet werden. Mavis findet, dass Beth Mitleid verdient hat – und nicht umgekehrt.“ Elizabeth Reaser sieht das genauso: „Ich denke, Beth ist alles andere als eingeschüchtert von Mavis oder eifersüchtig auf sie. Sie merkt, dass da etwas nicht stimmt. Irgendetwas tickt falsch bei Mavis, sie erkennt eine Art von Verzweiflung in ihrer manischen Energie.“ „Wenn Frauen Beth am Ende des Films nicht in ihr Herz geschlossen haben, dann haben wir versagt“, merkt Nathan Kahane an. „Beth ist glücklich mit dem Leben, das sie führt, weil sie realistische Vorstellungen davon hat, worum es im Leben geht. Sie ist auf eine Weise geerdet, wie es Mavis niemals sein wird.“

Obwohl sie als Typen vor der Kamera nicht verschiedener hätten sein können, freute sich Reaser immer wahnsinnig auf ihre Szenen mit Charlize Theron. „Charlize ist unglaublich. Sie haute mich völlig aus den Socken. Sie war unfassbar komisch und für meine Figur auch irgendwie beängstigend. Das waren Szenen, die sich großartig spielen ließen. Sie ist eine wunderbare Schauspielerin“, meint Reaser.

Die Schauspielveteranen Jill Eikenberry und Richard Bekins runden die Besetzung als Mavis’ liebende, aber doch distanzierte Eltern Hedda und David Gary ab, die es offensichtlich nicht übers Herz bringen, der Wahrheit über ihre Tochter ins Gesicht zu blicken. „Sie wollen einfach nicht wahrhaben, dass ihre Tochter längst jenseits von Gut und Böse ist“, sagt Eikenberry. „Ich denke, dass Mavis’ haarsträubende Bemerkungen und feindselige Haltung am Anfang eine Art von Rebellion waren, so in der Art von: ,Ihr glaubt, dass alles gut ist? Na, euch werde ich’s zeigen!‘ Aber mittlerweile hat sie die Kontrolle darüber verloren.“

Während er mit den beiden Schauspielern arbeitete, lieferte Jason Reitman eine sehr prägnante Beschreibung von Mavis ab, wie Bekins sich erinnert. Bekins haderte lange, was für ein Mensch David Gary sein musste, um eine Tochter zu haben, die sich benimmt wie Mavis Gary. „Ich überlegte dauernd … Wie muss ein Vater sein, um eine solche Tochter zu bekommen? Aber Jason zog mir den Zahn, indem er sagte: ,Weißt du, manche Menschen werden einfach so, wie sie sind, egal was in ihrer Kindheit war. Ich meine, manchmal sind Kinder einfach so, wie sie sind.‘“

Produktion: Über die Geschichterehbuch

YOUNG ADULT nimmt sich das Genre der romantischen Komödie vor und stellt sie auf den Kopf. Letztendlich weckt Mavis im Zuschauer ein widerwilliges Mitgefühl. Sie ist eine verlorene Seele, der man dennoch die Daumen drückt. So oberflächlich und abstoßend sie oft sein mag, ist sie doch ein Mädchen, das man zu gleichen Teilen liebt und hasst. „Mir gefiel ganz einfach, dass es eine anti-romantische Komödie ist. Der Film ist, als hätte sich eine typische romantische Komödie in das wahre Leben verirrt. Man muss sich doch nur einmal die Figuren in all den romantischen Komödien ansehen, die man sonst so vorgesetzt bekommt – das sind doch alles attraktive Soziopathen“, erklärt Patton Oswalt.

Mavis war einst die Quintessenz des „populären“ amerikanischen Teenagers. Sie war bildschön, und alles, wonach sie strebte, ging ihr leicht von der Hand. Sie war außerdem selbstverliebt und niemand konnte es ihr recht machen. Jedes Mädchen in der Highschool wollte so sein wie sie, auch wenn sie verhasst war. „Charlize stülpte sich diese Rolle förmlich über, so unerschrocken und kompromisslos, dass auf den ersten Blick klar war, dass es sich um eine sehr komplexe Charakterisierung handeln würde und nicht das typische schlimme Mädchen, wie man es in Komödien der letzten zehn Jahre immer wieder gesehen hat“, erinnert sich Halfon.

Nach der Highschool kehrte Mavis ihrem Heimatdorf Mercury, Minnesota, den Rücken und zog in die Großstadt Minneapolis – oder „Mini-Apple“, wie die Metropole von den Bewohnern der umliegenden Kleinstädte liebevoll genannt wird. Hier setzte sie ihren Erfolgslauf fort und wurde die versierte Autorin einer beliebten Teenager-Buchserie mit dem Titel „Waverly Prep“. Mehr und mehr beginnt ihr Leben dem ihrer fiktionalen Teenager-Heldin zu ähneln, Fantasie und Realität lassen sich immer schwerer voneinander trennen, was besonders deshalb so irritierend ist, weil Mavis mittlerweile Mitte dreißig ist.

„Besonders frustrierend ist für Mavis, dass sie auf den Büchern gar nicht als Autorin geführt wird. Die Buchreihe wurde von einer anderen Schriftstellerin erschaffen, und Mavis ist im Grunde deren Ghostwriterin, was es ihr ermöglicht, indirekt durch diese Figuren zu leben, die nicht von ungefähr in einem unglaublich oberflächlichen Universum existieren. Wir sehen, wie Mavis gewissermaßen Gesprächsbrocken von Teenagern auf der Straße klaut und direkt in die Texte kopiert, an denen sie gerade arbeitet. Es ist lustig, weil ich zu der Zeit, als „Juno“ in die Kinos kam, immer wieder gefragt wurde, ob ich bei Teenagern lausche und meine Dialoge auf diese Weise bekomme. Ich fand diese Idee zum Brüllen komisch. Wie kann man sich nur so eine traurige Sache einfallen lassen? Ich dachte nur: Nein! Nein, das mache ich nicht!“, sagt Diablo Cody.

In Mavis’ Büchern ist eine klare Trennlinie zwischen Gewinnen und Verlieren gezogen, und die Heldin bekommt immer das, was sie haben will. Man könnte sagen, dass das auch das Credo von Mavis Gary ist, weshalb es für sie noch problematischer ist, als sie erfährt, dass ihre Buchserie aus Mangel an Erfolg eingestellt werden soll. Als Mavis per E-Mail eine Geburtsanzeige von Beth Slade, der Frau ihrer Jugendliebe Buddy, erhält, ist das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Die E-Mail wird zum entscheidenden Katalysator für Mavis, die sich zum Äußersten getrieben sieht, ihr Leben von einst wieder aufleben zu lassen. „Ich glaube, jeder von uns kennt jemanden, der in einer anderen Zeit stecken geblieben ist und da nicht mehr herauskommt. Ich habe manchmal den Eindruck, dass Facebook und all die anderen sozialen Netzwerke es uns erlauben, in einer Form mit anderen Menschen in Kontakt zu bleiben, der nicht wirklich gesund sein kann. Zumindest nicht für Mavis, und daraus ergibt sich die dramatische Spannung von YOUNG ADULT. Sie kehrt zurück nach Mercury, weil Mercury auf eine ganz merkwürdige Weise ihr Kraftzentrum ist. Nie hatte sie mehr Macht als damals, als sie dort lebte. Sie hatte die besten Haare in ihrer Klasse, sie war wirklich beliebt und wurde bewundert, sie war mit der Liebe ihres Lebens zusammen, Buddy Slade, und ich denke, dass sie den Eindruck hat, dass es nie zu spät ist, wieder zurückzukommen. Sie sieht sich selbst als viel besser an als die Menschen, die dort geblieben sind, also ist sie überzeugt, dass sie mächtig Eindruck machen wird“, erklärt Cody.

Mavis kann sich keine Welt vorstellen, in der Buddy mit seiner Kleinstadtexistenz und einer, wie sie findet, mittelmäßigen Ehefrau an seiner Seite zufrieden sein könnte. Ihre düstere, ironische, „weltliche“ Sichtweise steht in krassem Kontrast zu deren einfacher, sonniger Lebensanschauung. Zu ihrem Glück findet sie eine verwandte Seele in Matt Freehauf, der genau wie sie ein Mensch ist, dem das Leben schwer zugesetzt hat – nur dass man es ihm äußerlich ansehen kann. „Sie kann nicht wirklich damit umgehen, nach Mercury zurückzukehren und festzustellen, dass die Menschen dort tatsächlich zufrieden mit ihrer Existenz sind. Wie können es diese Menschen wagen glücklich zu sein, wo sie doch so sehr viel mehr geleistet hat und so viel attraktiver ist und so viel kultivierter und besser angezogen? Und sie sind glücklich. Buddy ist glücklich. Beth ist glücklich. Es ist sehr frustrierend für sie. Zum Glück stößt sie auf Matt Freehauf, die einzige andere Person, die so zornig und unzufrieden und verhaltensgestört ist wie sie. Sie ergeben ein gutes Paar“, erklärt Cody.

Es gelingt Mavis, Buddy zu einem Treffen zu bewegen. Er ist freundlich und unverbindlich und signalisiert ihr, sich darüber zu freuen, sie wiedersehen zu können. Mavis liest Bände in jede noch so kleine unbedachte Geste oder Aussage von Buddy. „Ich bin ein großer Fan davon, nicht immer genau die Absichten der Figuren zu kennen, und mir gefällt die Idee, mit Anspielungen und Ambivalenz zu spielen. Ich würde sagen, dass das auf die eine oder andere Weise auf alle meine Filme zutrifft. Uns war es wichtig, dass man nicht genau sagen kann, was wirklich in Buddy vorgeht. Wir wissen also nicht, ob Mavis eine Chance hat oder ob sie in eine Sackgasse rennt“, erklärt Reitman.

Mavis ist überzeugt, dass ihr Plan funktioniert. Buddy fällt ihr zwar nicht gerade um den Hals, aber er lässt sie auch nicht abblitzen. Sie interpretiert seine Unschlüssigkeit als einen Schrei nach Hilfe, der ihn aus den Fesseln eines stinknormalen Ehelebens befreien soll. Buddy konfrontiert sie aber auch mit einem ihr unbekannten Denkmuster: Normalerweise verfallen ihr die Männer auf der Stelle. Es fällt ihr schwer, die uneindeutigen Botschaften zu lesen – eine Aufgabe, die nicht unerheblich dadurch erschwert wird, dass sie mit der Realität eher auf Kriegsfuß steht. „Sie drängt sich erst einmal ziemlich mühelos in sein Leben, und wir sind uns zunächst nicht ganz sicher, warum das so ist. Es scheint, als wäre Buddy empfänglich für ihre Reize. Ich denke, Mavis ist vermutlich schockiert, dass Buddy sie nicht gleich in der ersten Nacht ihres Zusammentreffens zurücknimmt, denn so, wie sie es sieht, sollte er sie ebenso sehr begehren wie sie ihn. Es ist ziemlich lächerlich“, sagt Cody.

Ihre Intrigen werden immer haarsträubender, weil Buddy zwar einerseits ihrem Werben nachzugeben scheint, seine Ehe aber andererseits grundsolide ist. Er hat gerade erst ein Baby bekommen, und seine Frau ist liebenswert und zugänglich – all das, was Mavis nicht ist. „Es wäre ein Kinderspiel gewesen, aus Beth eine Figur zu machen, gegen die man das Publikum einnehmen könnte, eine unsympathische, simple Frau. Aber Beth ist tatsächlich ziemlich cool. Sie spielt in einer Band, sie ist unglaublich nett, arbeitet als Lehrerin für behinderte Kinder. Und obendrein ist sie noch völlig zufrieden mit dem Leben, das sie in Mercury führt. Sie nimmt sogar Anteil an Mavis’ Schicksal, die doch eigentlich nur in die Stadt gekommen ist, um ihre Ehe zu zerstören. Sie ist da stark, wo Mavis schwach ist. Und ich glaube, das ist es, was Mavis schließlich durchdrehen lässt“, überlegt Diablo Cody.

An diesem Punkt wird schließlich klar, dass es die Beziehung, die sie sich mit Buddy erträumt, niemals geben wird und sie sich dessen immer noch nicht bewusst ist. Gleichzeitig blüht die Beziehung auf, an der sie nicht interessiert ist. „Wir verbringen den Film damit, ihr zuzusehen, wie sie eine gute Chemie mit einem sehr attraktiven Mann herstellen will, mit dem sie nichts verbindet. Gleichzeitig ist sie völlig ungezwungen und romantisch mit einem Mann, wo wir erwarten, dass keinerlei Chemie entstehen kann. Es gibt viele Filme, die behaupten, sie würden von unwahrscheinlichen Romanzen erzählen. Auf unseren Film trifft das tatsächlich zu“, erzählt Jason Reitman. „Mavis ist überhaupt nicht klar, dass sie immer abhängiger von Matt Freehauf wird, an den sie sich während ihrer Zeit in Mercury immer häufiger wendet. Vielleicht gefällt ihr nicht immer, was er zu sagen hat, aber es scheint ihr wichtig zu sein, was er von ihr hält. Matt ist der einzige Mensch in ihrem Leben, der ihr freimütig seine ungeschminkte Meinung sagt. So etwas ist Mavis nicht gewöhnt. Sie ist es gewöhnt, gelobt und mit Komplimenten überhäuft zu werden – und Matt macht genau das Gegenteil. Auf eine komische Weise hat das eine nachhaltige Wirkung: Seine Worte zwingen sie, an sich zu arbeiten.“

Mavis versucht sich an verschiedenen Looks und Taktiken, um Buddy zurückzugewinnen. Weil sie sich so sehr in ihre Fantasterei versenkt hat, ist sie auch noch überzeugt, dass ihr Plan funktioniert. Ihre wahnwitzigen Intrigen steigern sich auf die schlimmste, öffentlichste Weise zu einem tragischen Crescendo. „Der wirkliche Kniff dieses Films ist es, dass man über zwei Akte hinweg einer zutiefst unsympathischen Figur zusieht und sich wundert, warum in aller Welt man ihr zusehen sollte und was an ihr nachvollziehbar sein soll und wie man jemals mit ihr sympathisieren könnte. Dann kommt der dritte Akt des Films, und mit einem Schlag stellen wir fest, dass ihre Angst, ihre passive Aggressivität, ihre Bösartigkeit tatsächlich der Schlüssel zu ihrer Verletzlichkeit sind. Wenn man miterlebt, wie sie sich vor Buddy erniedrigt, während jeder zusieht, mit dem sie aufgewachsen ist, wenn die sie bemitleiden, für die sie sonst nur Mitleid empfindet, dann erkennen wir plötzlich, wie zerbrechlich und zart sie tatsächlich ist“, sagt Reitman.

Nach dieser fürchterlichen Konfrontation flieht Mavis zu Matt. Dort findet sie endlich Intimität, Sicherheit und bedingungslose Akzeptanz – wie auch Freehauf. „Wenn es nicht irgendwie klar geworden wäre, dass sich die wahre Geschichte zwischen diesen beiden abspielt und nicht zwischen Mavis und Buddy, dann wäre das zu diesem Zeitpunkt ein ganz anderer Film“, erklärt Russell Smith.

Es stellt sich heraus, dass Matts Schwester Sandra, die Mavis am nächsten Morgen antrifft, ihre Situation ebenso durchschaut wie ihr Bruder. Sandra stärkt Mavis’ Selbstvertrauen und Ego auf eine Weise, die ihr Trost spendet und sie mit Hoffnung und neuer Kraft nach vorne blicken lässt – auch wenn es mit menschlicher Güte wohl weiterhin hapern wird. „Sandra ist vermutlich meine Lieblingsfigur in diesem Film. Sie hat einen ungewöhnlichen Auftritt, wie man ihn nie in einem Film sieht: Er kommt exakt in dem Moment, an dem die Hauptfigur dabei ist, sich zu ändern. Zu diesem Zeitpunkt kennen wir sie noch fast nicht, und dann taucht sie an diesem entscheidenden Punkt der Handlung auf und sagt Mavis, dass sie sich auf keinen Fall ändern solle – und Mavis hört auf sie! Ich habe das noch nie in einem Film gesehen, und Collette Wolfe war einfach perfekt. Es ist ziemlich raffiniert, da den richtigen Ton zu treffen, und sie trifft den Nagel auf den Kopf“, erzählt Reitman.

„In meinen Augen wird Mavis nicht wirklich geläutert. Ich weiß, dass es Versionen dieses Films gibt, in denen es Mavis gelingt, am Ende ein besserer Mensch zu sein, und wir auf einmal in der Lage sind, sie in unser Herz zu schließen. Aber in Wahrheit ändern sich Menschen nicht wirklich radikal. In Filmen werden die Menschen immer geläutert, im wahren Leben eher nicht. Ich finde, dass sie eine in ihrer Entwicklung gehemmte Person ist, was auch immer geschieht, und ich liebe sie auch so“, sagt Diablo Cody. „Wir lernen, dass Mavis einfach Mavis ist und dass der Filmtitel YOUNG ADULT mehr als nur ein Titel ist, es ist die perfekte Beschreibung der Weltsicht der Hauptfigur“, fasst sie zusammen.

Produktion: Die Dreharbeiten

Die Dreharbeiten begannen im Oktober 2010 in einem sich beeindruckend erhebenden Wohnhaus in Minneapolis, Minnesota. In diesem luxuriösen Hochhaus erschuf Szenenbilder Kevin Thompson Mavis’ Apartment. Sein Aussehen gibt erste Hinweise darauf, dass ihr Leben aus den Fugen geraten ist. „Die entscheidende Kulisse zu Beginn des Films ist ihre Wohnung in Minneapolis. Wir wollten, dass ihr Zuhause gleich viel darüber aussagt, wer sie ist. Alles soll signalisieren, dass sie lebt, als wäre sie immer noch im College. Sie räumt nicht hinter sich auf, und sie hat keine betonte Ästhetik. Sie hat eine Beziehung zu ihrer Wohnung, als würde sie ‚erwachsen sein‘ nur spielen, als würde sie selbst glauben, sie sei erwachsen und in die große Stadt gezogen, während sie in Wahrheit in einer weißen Schachtel wohnt, die nur nachlässig gepflegt und sauber gehalten wird. Sie hatte Erfolg als Schriftstellerin, also hat sie sich einen großen Schreibtisch zugelegt und ist stolz auf ihr kleines Büro, aber selbst diese vormals heilige Stätte in ihrem Apartment hat schon bessere Zeiten gesehen“, erklärt Thompson.

Die Produktion verbrachte drei Tage in Minneapolis. Hier entstanden die Aufnahmen in Mavis’ Wohnung wie auch im Denny’s Classic Diner in Rodgers, MN, in einem Bürogebäude in der Innenstadt und von einigen außerhalb der Stadt gelegenen Landstraßen, die den Blick auf die Landschaft von Minnesota freigeben, als Mavis Minneapolis verlässt und Kurs auf das Zuhause ihrer Kindheit nimmt, eine fiktive Kleinstadt mit dem klingenden Namen Mercury.

Bevor sie „The North Star State“ verließen, deckte sich Kostümdesigner David C. Robinson in den dortigen Läden mit der Garderobe für die Schauspieler und die Statisten ein, um sicherzustellen, dass sie so authentisch wie nur möglich sein würde. „Ich packte etwa 30 riesige Kartons mit Klamotten aus Thrift Town und diesen gewaltigen Warenhäusern, die einst einmal Supermärkte waren und wirklich riesig sind. Diese Läden waren voll mit abgelegten Kleidungsstücken von Menschen aus Minneapolis. Vieles davon besteht aus Fleece-Stoff, es gibt viele Pullover und Turtlenecks, Jeans, die auf der Taille sitzen, und ziemlich weit geschnittene Chinos. Das sind die Dinge, die die Menschen in der wahren Welt tragen, Menschen, die sich nicht im Geringsten für Mode interessieren. Ich denke, es war wichtig, diesen Kontrast auch klar zu zeigen. Die Menschen in Mercury sind so. Wenn sie sich anziehen, dann geht es um Funktionalität, es muss bequem sein und sie warm halten. Klar, sie schauen auch in den Spiegel und wollen gut aussehen, würden dafür aber nicht auf Komfort verzichten wollen. Mavis ist da völlig anders“, sagt Robinson.

Nach Ende der Drehtage in Minnesota kehrte die Produktion nach New York zurück. Dort wurde an Originalschauplätzen in White Plains, Nanuet, New City, Tappan, Ardsley, Port Chester, Garden City und Massapequa Park gedreht, bevor man die letzten Tage der Produktion in einer Bühnenhalle in den JC Studios in Brooklyn verbrachte. Der gesamte Film wurde in ambitionierten 30 Tagen abgedreht. In NY wurde die aus den Fugen geratene Welt von YOUNG ADULT mithilfe des Szenenbilds von Thompson noch weiter herausgearbeitet. Ein Besuch in ihrem alten Kinderzimmer, das von ihrer Mutter auf fast gespenstische Weise intakt gehalten wurde, erlaubt tiefe Einblicke in Mavis’ Vergangenheit – nicht nur ihre durch die rosa Brille gesehene Beziehung zu ihren vergangenen stolzesten Tagen wird thematisiert, sondern auch die durchaus ambivalente Haltung der Eltern ihrer Tochter gegenüber. Den Raum als Schrein zu bezeichnen, wäre vielleicht etwas übertrieben.

Aber ganz falsch liegt man nicht damit. „Wir wollten durch die Einrichtung des Zimmers verdeutlichen, dass seine ehemalige Bewohnerin einst vielversprechend war, und ein paar Tupfer der Hoffnung aufscheinen lassen, aber wir wollten auch, dass der Raum ein wenig traurig aussieht. Ich denke, dass es sehr wichtig ist, Leerstellen in der Komposition zu haben, also statteten wir das Zimmer erst einmal komplett aus. Danach nahmen wir ein paar Sachen von der Nachrichtentafel weg und hängten ein paar Poster und Bilder wieder ab. Diese Leerstellen sollten unterstreichen, dass irgendetwas fehlt, verloren gegangen ist“, erklärt Thompson. „Danach haben wir das Zimmer penibel aufgeräumt und auf Hochglanz gebracht, weil ihre Mutter wöchentlich durchputzt und -wischt. Aber es war klar, dass das Bett nicht mehr benutzt wird, weil wir darauf Dinge wie Umzugskartons platzierten“, sagt Thompson.

Ihm und seinem Team eröffnete die strategische Dekoration des Sets einen kleinen, aber bedeutsamen Einblick in eine Zeit von Mavis’ Leben, die sie verzweifelt zurückerobern will. Die Schleifen und Trophäen sind Erinnerungsstücke an das goldene Mädchen, das sie einmal war.

Was den Lebensraum der Freehaufs anbetraf, so musste ihr Haus verdeutlichen, dass das Leben der Geschwister stagniert und nirgendwo hinführt. „Matts Haus, das er mit seiner Schwester Sandra bewohnt, ließen wir aussehen, als könnte es das Haus seiner Eltern gewesen sein, womit wir zeigen wollten, dass sie in gewisser Weise in der Vergangenheit feststecken. Das könnte erklären helfen, warum die beiden als Bruder und Schwester immer noch zusammenleben. Vielleicht haben sie das Haus übernommen, als ihre Eltern starben oder wegzogen oder ins Altersheim gingen. Um die Welt einer Kleinstadt in Minnesota zu erschaffen, wollte Jason Reitman unbedingt weg vom Klischee einer putzigen, netten, heimeligen Kleinstadt. Das sprach mich ganz direkt an. Ich fand, dass das eine sehr erfrischende Sichtweise war“, erklärt Thompson. „Das Haus war ungemein deprimierend, eine perfekte Grundlage, den Ton zu finden, den wir treffen wollten. Mir kam es fast vor, als wäre das Haus selbst eine weitere Figur des Films. Es ist ein bisschen wie: Sandra Freehauf, Matt Freehauf und das Haus“, meint Collette Wolfe.

Die Häuser beschreiben nicht nur die jeweiligen Figuren, sondern unterstreichen auch den Kontrast zwischen Mavis und allen anderen. „Wir wollten dieser kleinen Stadt und ihrer Vorstadt, wo Matt und Buddy und Hedda leben, einen richtigen Mittelklasseanstrich geben, einen Look wie aus den Sechziger- oder Siebzigerjahren. Die Häuser sollten alle in einem ähnlichen Stil gehalten sein und damit verdeutlichen, dass sich das Einkommen der Menschen in dieser Gemeinde nicht großartig unterscheidet“, erzählt Thompson. „Wir wollten aber auch die Gemeinsamkeiten zwischen Mavis und Matt herausarbeiten – dass sie beide Menschen sind, die in ihrer Entwicklung irgendwann stecken geblieben sind, dass sie im Chaos leben, nicht stolz auf das sind, was sie besitzen und erreicht haben. Buddy dagegen repräsentierten wir visuell durch ein sauberes, adrettes, aber vielleicht ein bisschen langweiliges Haus – das dann auch für eine etwas langweilige Existenz stehen würde. Aber natürlich sollte man auch gleich sehen, dass er sein Leben mehr auf der Reihe hat als Mavis und Matt“, berichtet Thompson.

Kostümdesigner David C. Robinson setzte Mavis’ Garderobe effektiv ein, um ihre Gedankenwelt zu visualisieren: Die Kleidung, die sie aussucht, ist bisweilen wie eine Rüstung in ihrem Kampf, Buddy Slade zurückzugewinnen. Ihr erster Look, der im Verlauf des Films immer wieder zu sehen ist, ist ungekämmt und zerzaust, weil man sie über große Teile des Films hinweg depressiv oder mit einem Kater erlebt. „Jason wusste sehr bestimmt, wie sie aussehen sollte, wenn sie sich gerade gehen lässt. Das war ihm deshalb so wichtig, weil er gerade mit Charlize in dieser Rolle einen gewissen Dreh hinbekommen wollte. Ich muss das hier nicht betonen, aber Charlize ist ganz offensichtlich eine wunderschöne Frau. Sie ist groß, schlank, sieht umwerfend aus. Er machte sich also intensiv Gedanken, wie man sie zerzaust aussehen lassen konnte. Sie ist immer noch die ehemalige Königin des Abschlussballs. Sie ist ein hübsches Mädchen, aber sie ist ein hübsches Mädchen, dem man sein Alter ansieht und gewisse Abnutzungserscheinungen, wenn sie sich nicht gerade ein bisschen Mühe gibt. Das musste man einfach auf den ersten Blick erkennen.“ Wissend, dass Mavis die Art von Frau ist, der die Welt der Schönen und Reichen und Popkultur etwas bedeutet, zog Robinson ihr Dinge wie Ugg-Boots und ein Hello-Kitty-T-Shirt an, um zu demonstrieren, dass sie vielleicht aussehen mag, als habe sie in ihrem Outfit geschlafen, ihr die richtigen Marken und Designer aber trotzdem immer noch wichtig sind.

Reitman fand, dass Mavis’ Kleidung die Trennlinie zwischen ihrem öffentlichen Auftreten und ihrem privaten Wesen unterstreichen sollte. „Wir mussten deutlich machen, dass Mavis zu Hause, wenn niemand sie sehen kann, ganz anders aussieht als die Person, in deren Haut sie schlüpft, wenn sie das Haus verlässt. Es sollte der Eindruck entstehen, sie würde, gemäß ihrer jeweiligen Agenda, in eine Rüstung steigen“, erklärt er.

Die Kostüme, vor allem Mavis’ bevorzugtes Outfit mit ausgebeulten Jogginghosen, halfen Theron buchstäblich, in ihre Figur zu steigen. „Jason hatte die Idee für dieses Konzept, dass sie unheimlich schlampig und nachlässig ist. Das war sehr aufschlussreich und hilfreich für mich. Zu unserer zweiten Kostümprobe kam ich in Jogginghosen. Wir sahen uns gerade Fotos mit möglichen Kostümen an, ich erinnere mich noch ganz deutlich, da trat Jason einen Schritt zurück, legte die Fotos beiseite und hielt inne, um auf meine Jogginghosen zu starren. Er sagte etwas in der Art von: ,Hmmm, besorg genau die in einer größeren Größe.‘ Und das war es, was ich im Film dann die meiste Zeit über anhatte. Ich rollte sie einfach zusammen und stopfte sie in eine Ecke meines Autos, fuhr zum Dreh, zog sie an, und wir fingen sofort mit der Arbeit an“, erinnert sich Theron.

Robinson strengte sich sehr an bei der Zusammenstellung der Outfits, die Mavis für ihre Treffen mit Buddy trägt – wie es Mavis eben auch machen würde. Auf eine sehr oberflächliche Weise will Mavis bei jedem Treffen mit ihm jemand anders sein, weil sie sich unsicher ist, welcher Typ ihn am meisten betört. Im Verlauf offenbart ihre Kleidung, wie losgelöst Mavis längst von der Realität und den Menschen ist, die in Mercury leben. „Das erste Treffen mit Buddy ist ein heißes Rendezvous, und sie trägt ein kleines Schwarzes, das völlig unvereinbar mit dem Umfeld ist, in dem sie sich gerade aufhält. Beim zweiten Treffen ist es nicht wirklich anders: Sie kauft in einem Einkaufszentrum ein und erzählt der Verkäuferin, sie suche nach dem passenden Outfit für ein Rockkonzert. Sie sieht das wirklich so, als ginge es um einen heißen Abend mit Mick Jagger, dabei handelt es sich nur um den Auftritt der Amateurband von Buddys Frau in einer Sportsbar“, lacht Robinson. Bei diesem Kostüm ging er in die Vollen: Mavis trägt ein zerrissenes Shirt, Lederjacke und bemalte Jeans – und sieht neben den anderen Konzertbesuchern in ihren Jeans und Flanellhemden aus wie von einem anderen Stern.

Ihre dritte Verwandlung findet für die Feier anlässlich der Taufe von Beths und Buddys Baby statt. Dort hat sie ihren großen Zusammenbruch und macht sich vor allen Anwesenden unmöglich. „Die große Frage war, was sie für die Taufe tragen könnte. Ich überlegte, dass sie es bereits mit dem ,Heißes Date‘-Look und als coole Rockschlampe versucht hat und jetzt vielleicht sagen könnte: ,Vielleicht muss ich etwas hausbackener rüberkommen, vielleicht will er ja das von mir.‘ Was ihr dazu einfällt, ist natürlich die Hausfrauen-Variante einer Grande Dame aus Westchester. Ich meine, was sie da auffährt, ist viel zu edel und teuer, als dass es sich eine echte Hausfrau aus Mercury jemals auch nur vorstellen könnte. Natürlich fällt sie damit auf und sieht aus, als hätte sie gerade endgültig den Verstand verloren“, sagt Robinson. Diese Mühe bis in die letzten Details half zu verdeutlichen, wie wahnhaft Mavis wirklich ist. „Ich kann mich noch erinnern. Charlize hatte gerade das Kleid für die Taufszene angezogen. Sie drehte sich zu mir um und sagte: ,Das ist das beste Kostüm, das ich jemals für eine Rolle getragen habe! Dieses Outfit gibt mir alle Informationen, die ich brauche, um zu sehen, wie es um diese Frau wirklich steht und wie unglaublich verloren sie sein muss, dass das etwas ist, von dem sie glaubt, dass sie es jetzt für diese Gelegenheit anziehen muss.‘ Bei allen machte es einfach nur Klick. Charlize erhielt damit, was sie für die Szene brauchte, und das war klasse“, sagt Robinson.

Im gleichen Maß, wie uns ein einziges Kleid alles sagen kann, was wir über Mavis wissen müssen, brauchten Reitman und sein Kameramann Eric Steelberg nur einen einzigen Kameraschwenk, um ihren großen Zusammenbruch einzufangen. „Wir folgten ihr mit einer Handkamera vom Inneren des Hauses nach außen. Das waren fünf Minuten ununterbrochene Schauspielkunst ohne jeden Kompromiss. Die ganze Crew saß einfach nur da und hielt sich die Hände vors Gesicht, weil es schmerzhaft war zuzusehen. Keiner hatte in diesem Moment das Gefühl, wir würden einen Film drehen. Wir fühlten uns, als würden wir im Publikum sitzen und könnten unseren Blick nicht abwenden“, erzählt Jason Reitman.

Diese Sequenz illustriert für Reitman in vielerlei Hinsicht, was den ganzen Film so interessant und spannend macht. „YOUNG ADULT ist ehrlich. Am Ende des Tages ist es so, dass sich die Menschen nicht ändern. Besonders bei Arschlöchern ist das so“, sagt er.

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