Fakten und Hintergründe zum Film "Yoko"

Kino.de Redaktion |

Yoko Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

„Es gibt so viele Geschichten, die sich um den Yeti ranken. Ich dachte: Hat der Yeti eigentlich eine Familie?“ So beschreibt Kinderbuchautor Knister seine Idee, als er sich vor einigen Jahren Yoko ausdachte – ein Wesen, das ganz anders aussieht, als man sich den schrecklichen Schneemenschen normalerweise wohl vorstellt. Damals konnte er noch nicht ahnen, dass der kleine Yeti Yoko einmal den Weg auf die große Leinwand finden würde. Doch nachdem „Hexe Lilli“ - eine weitere seiner Schöpfungen - mit gleich zwei Kinofilmen höchst erfolgreich war, dauerte es nicht lange, bis Corinna Mehner, deren Firma blue eyes Fiction schon Hexe Lilli – Der Drache und das magische Buch und Hexe Lilli – Die Reise nach Mandolan produziert hatte, Knisters Werk auf weitere Kinostoffe durchstöberte – und schnell auf Yoko stieß. „Yoko zu machen, war schon ziemlich früh für uns ein großer Wunsch, einfach weil Yoko so eine ganz eigene Figur ist“, sagt Mehner. Und nach den beiden Hexe-Lilli-Produktionen, bei denen sie „ein sehr freudiges, kreatives Team“ geworden waren, wusste sie einfach, was sie an Knister hat: „Der sprudelt den ganzen Tag vor Ideen. Und er ist sehr nah an seinem Zielpublikum: Er weiß, was Kinder lustig finden, worüber sie sich amüsieren – und das ist natürlich immer ganz toll, eine solche Kompetenz an der Seite zu haben.“

Knister war denn auch gleich Feuer und Flamme für die Idee, einen neuen Kinofilm zu machen: „Ich habe jetzt 30 Jahre Berufserfahrung mit Geschichten – aber dies ist für mich ein Aspekt, der jetzt erst hinzukommt. Sonst sitze ich immer mutterseelenallein vor meinem Computer – hier beim Film ist es ganz anders.“ Die Teamarbeit begann schon bei der Drehbuchentwicklung. Zusammen mit den Autoren Gerrit Hermans und Claudia Boysen entwickelte er eine neue Geschichte, die zwar Motive aus den drei bereits erschienenen Büchern „Wer verflixt ist Yoko?“, „Yoko mischt die Schule auf“ und „Yoko und die Gruselnacht im Klassenzimmer“ aufgreift, aber auch für sich steht. Mehner: „Es sollte wirklich – und das ist Knister auch immer ganz wichtig – primär ein guter Film sein und nicht einfach irgendwie eine Adaption seiner Bücher.“

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Um eine stimmige Geschichte für einen Kinospielfilm zu entwickeln, musste so manches an der Dramaturgie geändert werden. Pia und Lukas als Yokos Freunde waren aus den Büchern bekannt; ebenso Thor van Sneider, der Bösewicht. Aber ähnlich wie van Sneider mit dem Roboterhund Trixi einen Gefährten bekommt, vergrößerte sich für den Film auch Pias Familie. Knister erzählt: „Wir haben Pia eine kleine Schwester gegeben, damit das im Film ein bisschen bunter und ein bisschen familienähnlicher wird. So ist Marcella, die kleine Schwester entstanden, die es in den Büchern bislang nicht gibt, aber gerade Marcella bringt eine wunderbare Farbe in den Film. Yoko hat natürlich all seine magischen Qualitäten behalten, die er vorher schon hatte und noch einige dazugewonnen.“ Knister merkte auch, dass es gewisse Komplikationen technischer Art mit sich bringt, wenn die Hauptfigur des Films ein Yeti ist. „Ich habe mir diese Dimension zuerst gar nicht bewusst gemacht“, sagt Knister „und ich habe mich in meiner Fantasie nicht einschränken lassen. Aber irgendwann habe ich dann schon mal gefragt: Darf das mit Wasser in Berührung kommen? Geht das in CGI oder wird das zu teuer?“

Auf der Suche nach einer Regisseurin fand man sehr frühzeitig Franziska Buch. Mehner sagt: „Sie hat sehr, sehr viel Erfahrung mit Kinderdrehs, sie führt die Kinder ganz toll, und sie inszeniert auch sehr kindgerecht.“ In der Tat hat Buch mit Filmen wie Emil und die Detektive (2001), Bibi Blocksberg und das Geheimnis der blauen Eulen (2004) und zuletzt Hier kommt Lola! (2010) bewiesen, dass sie die Kunst der Familienunterhaltung perfekt beherrscht.

Für die Produzenten und Autor Knister hatte diese Wahl aber auch noch einen anderen Aspekt, wie Knister sagt: „Ich dachte, die beste Wahl wäre in diesem Falle eine Frau, weil eine Regisseurin viel eher etwas von ihrer Emotionalität mitbringen kann, um zu zeigen, dass es um Zwischenmenschliches, um Mutter und Tochter geht. Nicht um diesen Konflikt in den Mittelpunkt zu stellen, ihn aber so deutlich zu machen, dass es sich beispielsweise auch an der Körpersprache wiederfindet.“ Und so wurde Buch auch sofort in die Entwicklung des Stoffes einbezogen. Mehner: Sie hat am ganzen Drehbuchprozess mitgewirkt, aber nur am Schluss in der Regiefassung noch selber Hand angelegt. Man merkt durch ihre Fassung, dass die Beziehungen unter den Figuren noch mal sehr viel fließender und liebevoller wurden. Sie hat so das i-Tüpfelchen draufgesetzt.“

Produktion: Der Yeti Yoko

Ganz entscheidend für den Film war die Frage: Wie sollte Yoko aussehen? Klar war eigentlich nur: anders als die cartoon-artigen Yokos der Buchillustrationen, in denen er zwar lustig und knuffig, aber nicht wirklich mystisch wirkt. Mehner sagt: „Er ist ja mehr oder weniger ein Geist, den es schon über viele Jahrhunderte gibt.“ Und auch seine magischen Fähigkeiten, die er im Film haben sollte – sich unsichtbar machen zu können, mit seinem Atem Wunden heilen und Gedankenreisen zu unternehmen – vertrugen sich besser mit einem anderen Look.

Franziska Buch umschreibt noch einmal die Aufgabe, vor der das Filmteam stand: „Man kreiert den Charakter von Grund auf; es ist ein kompletter Schöpfungsprozess. Wir haben uns lauter solche Fragen gestellt. Wie groß, wie dicht, wie lang ist das Fell, welche Augenfarbe hat er? Und es ging gleichzeitig auch darum: Wie ist der Charakter, wie ist sein Wesen? Er ist spirituell, er hat kontemplative Wesenszüge. Er ist ein tierartiges Geschöpf, aber kein Tier, denn er kann mit den Menschen kommunizieren. Er ist zugleich sehr alt und sehr jung, verspielt und zugleich sehr weise, und weil nichts Böses in ihm ist, ist er den Schurken eigentlich nicht gewachsen.“ All das musste die Figur glaubhaft in sich vereinen.

Mehner erklärt: „Weil er noch ein ganz junger Yeti ist, sollte er nicht mehr als die Größe eines Kindes haben. Und auch sonst entspricht er dem Kindchenschema: großer Kopf, große Augen, kleine Nase, kleine Zähne – und er hat dunkelbraune Augen, die emotional die größte Tiefe boten.“ Nachdem die ersten Entwürfe nun eine Richtung für die weitere Entwicklung der Figur vorgegeben hatten, musste man sich entscheiden, wie „echt“ der Yoko sein sollte, mit dem man drehen würde. Corinna Mehner: „Es war sehr schnell klar, es kann nicht nur ein Tier sein, das im Nachhinein am Computer gemacht wird, sondern es muss eine Puppe sein, die die Kinder anfassen können.“

Die Puppe – genauer gesagt, das Animatronic, also eine Mischung aus Puppe und ferngesteuertem Roboter – stellte die Firma Fido in Stockholm her. Der bisherige Output von Fido, die absolute Spezialisten u.a. für lebensecht wirkendes Fell sind, an Kurzfilmen, Werbung etc. überzeugte die YOKO-Macher. Nicht zuletzt, weil Kaj Steveman, der Hauptkreative von Fido, der auch die Figuren entwirft, sein Handwerk perfekt versteht, mit großer Begeisterungsfähigkeit an die Aufgabe ging und auch jederzeit ein offenes Ohr für die Ideen der Filmemacher hatte. „Ich konnte schon in einer sehr frühen Phase mit den Schweden reden und ihnen erklären, was er genau können muss und wie ich ihn gerne hätte“, sagt Mehner.

Und auch wenn Kaj Stevemans Ausbildung eigentlich Spezialmaske mit einem besonderen Faible für Horrormasken ist, ist das Ergebnis im Fall von YOKO ein wunderbares, liebenswertes Geschöpf, dem man sowohl tiefsinnige Gedanken als auch einen ausgeprägten Sinn für Unsinn abnimmt – und den man sofort ins Herz schließt, sicher auch dank der dunkelbraunen Augen, die bei Fido eigens in einem Spezialofen aus unterschiedlichen Glasbauteilen gebrannt wurden.

Weil den Filmemachern die Arbeit mit einem Animatronic aber offensichtlich noch nicht kompliziert genug war, führten sie einen zweiten mechanischen Star ein: Trixi, den Computerhund. Trixi entstand bei der Drehbuchentwicklung und macht sich perfekt in der dramaturgischen Funktion des Sidekicks: „Über Trixi kann van Sneider seine Emotionen ausdrücken“, erklärt Mehner. Dass das aber nicht die positivsten Gefühlsregungen sind, kann man sich bei einem Bösewicht wie van Sneider leicht vorstellen …

Die Filmemacher stellten aber schnell fest, dass die Figur Trixi eine Eigendynamik annahm: „Trixi sollte eigentlich nur so eine Dreingabe von van Sneider sein. Doch beim Drehen haben wir festgestellt, der Hund sieht total süß aus, wie er gemacht ist und wie er sich bewegt, und alle, insbesondere alle Kinder, werden ihn lieben. Am Ende hat Yoko es fast schwer, hätte ich beinahe gesagt, sich gegen Trixi zu behaupten, weil sie beide so drollig sind, jeder auf seine Art. Für den Film ist Trixi ein Riesengewinn, weil er gerade in ihren plumpen, mechanischen Bewegungen so einen ungeheuren Liebreiz hat.“

Dass Trixi kein Jagdhund aus Fleisch und Blut ist, wie es einem Jäger wie van Sneider vielleicht besser zu Gesichte gestanden hätte, erklärt Mehner so: „Normalerweise haben Jäger gern Hunde an ihrer Seite, aber dieser Jäger mag ja keine Tiere.“ Und so fand man in dem kleinen Roboterhund den idealen Gefährten für van Sneider. Der aber, weil er ja zu dem etwas abgerissenen van Sneider passen musste, kein metalliclackiertes Hightech-Produkt sein durfte, sondern eher ein Gerät vom Billigende des Preisspektrums sein sollte. Mehner erklärt: „Wir haben mit Absicht einen Computerhund entworfen, der nicht das neueste Modell ist, der nicht glatt und glänzend an der Oberfläche ist, sondern deutliche Gebrauchsspuren hat; gerade das macht Trixi auch liebenswert.“

Auch wenn Trixi van Sneider bei seinen schurkischen Plänen unterstützt und mit ihrem elektronischen Suchgerät Yoko ausfindig macht, wird sie die Sympathien des Publikums auf ihrer Seite haben – auch deshalb, weil sie, wie Mehner sagt „immer wieder von der Unfähigkeit ihres Herrchens erschüttert ist“ und weil sie von van Sneider nicht gerade liebevoll behandelt wird: bei seinen Wutanfällen schleudert er Trixi gern einmal quer durch die Luft. Um auf der sicheren Seite zu sein, hatte die Produktion daher lieber gleich drei Trixis herstellen lassen …

Mit zwei solchen liebenswerten „Tierchen“ wie Yoko und Trixi erfüllte sich das, worauf es Regisseurin Franziska Buch von Anfang an angekommen war: „Es ist eine aktionsgetriebene Abenteuergeschichte“, erklärt sie, „aber sie sollte eben auch Komik, Poesie und Emotionalität haben. Für mich ist Humor sehr wichtig und deshalb sollte im Film viel Raum für Humor sein.“ Allein schon das ungleiche, urkomische Duo Trixi und van Sneider wird dafür sorgen, dass die kleinen Zuschauer auch nach noch so nervenzerfetzenden Szenen die Möglichkeit haben, bei den komischen Missgeschicken, die den beiden auf der Jagd nach Yoko unterlaufen, durchzuschnaufen und bei herzlichen Lachern zu entspannen. Wie Franziska Buch sagt: „Es ist im Family Entertainment wichtig, dass die Bösewichter wirklich bedrohlich und gefährlich sind, aber dass man ihnen mit den kindlichen Waffen Gewitztheit und Fantasie beikommen kann.“

Produktion: Die Besetzung

Für die Hauptrollen gesucht wurden also gewitzte und fantasievolle Kinderdarsteller.

Franziska Buch sagt: „Bei Filmen mit Kindern zeigt sich immer wieder, dass das Casting schon die halbe Miete ist.“ Daher nahm man sich für die Suche nach der besten Besetzung für die Kinderhauptrollen Pia, Lukas und Marcella auch genügend Zeit und betrieb für die Auswahl einen großen Aufwand. Die Ergebnisse der ersten Castingrunden schaute sich Buch auf Video an, um in den Schlusscastings dann mit den verbliebenen Kandidaten selbst zu arbeiten. Eine komplexe Aufgabe, da, wie Buch sagt, „dort eine ganze Reihe von Faktoren zu prüfen ist, und man natürlich auch danach schauen muss, ob die Kinder auch belastungsfähig genug sind.“ Mehner ergänzt: „Schaffen die das, 45 Tage zu drehen? Schaffen die auch ihre Schule, obwohl sie so lange fehlen? Schaffen sie es, sich so lange zu konzentrieren? All solche Dinge sind sehr, sehr wichtig bei der Auswahl. Aber wir sind sehr glücklich.“

Für die Rolle der Pia wurde die junge Kölnerin Jamie Bick ausgewählt, die schon einige Erfahrungen mit Castings und ersten Kino- und Fernsehrollen hatte. Schon mit sechs Jahren machte Bick regelmäßig Werbung, und bekam auch Aufträge für Tagesrollen, etwa bei „Alarm für Cobra 11“. Auch für Franziska Buch war Jamie Bick keine ganz Unbekannte mehr. Bick erzählt: „Ich hatte ein Casting für Hier kommt Lola! mitgemacht. Aber da war eben das Problem, dass ich nicht wirklich gut singen konnte. Franziska Buch hat mich aber auf diese Weise mehr oder weniger entdeckt, und als sie dann YOKO drehen wollte, hat sie mich halt bei meiner Agentur angefragt.“

Danach ging zunächst alles ganz schnell, wie Bick weiter berichtet: „Dann habe ich die Szenen zugeschickt bekommen und dann war das erste Casting, wo noch ganz, ganz viele andere Mädchen dabei waren.“ Und dann hieß es Warten. Bick: „An dem Tag, an dem die Entscheidung fallen sollte, war ich bei einer Freundin und wir waren direkt nebenan auf einem Spielplatz und haben da geschaukelt und so. Dann kam meine Mama an und ich frag sie: Hab ich die Rolle? Und Mama: Es gibt Mittagessen. Und ich dann so: Oh, okay. Und sie dann: Yo. Und ich: Hm? Und sie noch einmal: Yo! Yoyo! Und dann habe ich’s kapiert. Ich habe losgekreischt und bin über den ganzen Spielplatz gelaufen.“

Auch Lilly Reulein, die Marcella spielt, kannte sich damit aus, wie es bei Castings zugeht – dank ihrer großen Schwester, die schon länger bei einer Agentur in der Kartei war. Reulein erzählt: „Meine große Schwester hat mal einen Film gedreht, und dann war da eine andere Serie, da brauchten sie noch einen zum Casting, und dann hat unsere Agentur gesagt: Ja, die hat noch eine Tochter, die Frau Reulein. Und dann wurde ich gecastet und so bin ich auch irgendwann zu YOKO gekommen.“ Wie alle anderen durchlief auch Reulein mehrere Auswahlrunden: „Also, das waren ja mehrere Castings, und beim ersten und beim zweiten war ich nicht so aufgeregt, aber dann beim letzten war ich ganz arg aufgeregt, weil ich es jetzt so weit geschafft hatte und wenn ich es dann vermasselt hätte, wäre das ärgerlich gewesen!“

Zum Ärgern hatte Reulein aber keinen Anlass, genauso wenig wie Friedrich Heine, der in der Rolle des Lukas besetzt wurde. Dabei fing es, wie er fand, denkbar schlecht für ihn an: „Als ich nach dem ersten Casting zu Hause war, fand ich mich irgendwie total schlecht. Ja, ich hatte irgendwie so das Gefühl, das lief gar nicht. Und da war ich erst mal total überrascht, als dann die Ansage für den Recall kam.“ Für Heine war es auch keine Hürde, dass Lukas, den er darstellen sollte, ein ziemlich guter Skater ist. Mit großer Bescheidenheit sagt Heine: „Ich würde mich jetzt nicht als guten Skater bezeichnen, sondern eher als leidenschaftlichen Skater. Ich finde, ich kann es ganz gut, aber ich bin kein Profi.“ Insofern waren die Künste auf dem Board, die Heine für den Dreh beherrschen musste, für ihn keine Herausforderung: „Eigentlich musste ich nur einen Ollie machen, also einmal hochspringen. Aber das kann ja so gut wie jeder Skater – sollte zumindest jeder Skater können.“

Wie gut das Zusammenspiel der Kinderdarsteller funktionierte, erlebte auch Knister am Set immer wieder aufs Neue und war immer wieder höchst angetan von dem, was er sah. Sein Urteil über die drei ist: „Ganz zauberhaft!“ Und weiter: „Gerade die Darstellerin der Marcella ist wirklich durch und durch ein Sonnenschein, genau das, was sie im Film ja spielen soll: Dass sie in der Familie, die es schwer hat, weil der Vater gestorben ist, die wenigsten Probleme hat. Die steht schon wieder frisch im Leben und ist der Quell für alle gute Laune in der Familie. Das bringt sie sehr gut rüber.“ Und auch für Jamie Bick hat Knister nur lobende Worte: „Sie hat die schwierigste Rolle. Sie muss am Anfang des Films die sehr Traurige sein, die immer noch arg zu kämpfen hat mit dem Verlust ihres Vaters und über diesen Verlust hinwegkommen muss. Die ganze Bandbreite der verschiedenen Gefühle, die sie meistern muss, zeigt sie sehr glaubwürdig. Ich muss sagen: Hut ab vor dieser jungen Lady, dass sie das so meisterlich hier hinlegt!“

Jessica Schwarz und die Bösewichter: die Erwachsenendarsteller

Ein böser, aber wiederum nicht allzu dämonischer Bösewicht – die Rollenbeschreibung des Thor van Sneider erforderte, das war allen klar, einen erfahrenen Darsteller, dem man das Bedrohliche abnehmen würde, der aber auch keine Scheu haben durfte, sich in diversen Slapstick-Szenen zum Affen zu machen. Das alles traf auf Tobias Moretti zu, und noch ein weiterer Aspekt machte Moretti zur Idealbesetzung, wie Corinna Mehner betont: „Moretti ist im wirklichen Leben auch ein Jäger – er weiß also, wovon er spricht. Und die ganze Bösewichtrolle, die hier sehr auf Slapstick angelegt ist, entspricht ihm einfach. Er ist da mit ganz großer Lust dabei.“

Für Moretti bestand der Reiz nicht nur darin, als Schurke ordentlich vom Leder ziehen zu können und, weil van Sneider ein solcher Verwandlungskünstler ist, ständig in neue, wunderbar überkandidelte Kostüme zu schlüpfen – er fand es auch spannend, zum ersten Mal in seiner Karriere an einem ausgesprochenen Kinderfilm mitzuwirken. Moretti: „Das Genre hat mich immer schon interessiert. Wenn man selber Kinder hat, dann kriegt man das zwangsläufig mit. Ich habe die ganze Palette von Kinderfilmen gesehen, und viele sind ja auch toll gemacht.“ So musste er nicht lange überzeugt werden, den Schurken in einem Kinderfilm zu spielen. Moretti beschreibt seine Rolle so: „Der van Sneider hasst Kinder wie die Pest. Die Mischung ist halt wichtig, weil er auch gefährlich sein muss, nicht nur vertrottelt und unfreiwillig komisch.“

Justus von Dohnányi, der ebenfalls im Drama und in der Komödie gleichermaßen zu Hause ist – man denke nur an seine Bandbreite von Der Untergang bis Männerherzen – spielt den zweiten Finsterling des Films: Zoodirektor Kellermann, van Sneiders Auftraggeber. Und auch ihn reizte die Rolle eines Bösewichts, der nicht ganz so gefährlich und gerissen ist, wie er von sich selbst glaubt: „So leicht böse Gestalten machen sehr viel Spaß“, sagt Dohnányi und fährt fort: „Diese subtile Art von Kellermann, gemein und düster zu sein, fand ich spannend an der Rolle. Er zeigt das eben nicht als Allererstes, sondern hält das ein bisschen versteckt und arbeitet mit leisen, bösen Tönen.“

Die Gelegenheit, nach ihrem jüngsten Zusammentreffen bei Jud Süss – Film ohne Gewissen wieder mit Tobias Moretti zusammenzuarbeiten, war noch ein zusätzlicher Anreiz. „Wir kennen uns seit Jahren und verstehen uns gut“, sagt Dohnányi über Moretti: „Ich mag ihn gern, weil er ein sehr professioneller, aber auch sehr lustiger Kumpan ist, mit dem man dann viel Spaß am Set hat.“ Und auch mit Jessica Schwarz, der dritten erwachsenen Hauptdarstellerin, verband Dohnányi die Erfahrung früherer gemeinsamer Arbeiten. Dohnányi: „Mit ihr zusammen habe ich Buddenbrooks gemacht, und da musste sie mich heiraten, was schwer genug war für sie“, lacht er: „Auch diesmal sind wir nicht ganz auf einer Seite, zumindest am Anfang nicht, aber wir verstehen uns schon viel, viel besser … Im Ernst: Ich mag sie sehr gerne, sie ist eine gute, eine tolle Kollegin.“

Die Wahl fiel auf Jessica Schwarz in der Rolle von Pias und Marcellas Mutter Katja, weil sie genau das verkörperte, was die Filmemacher mit der Figur verbanden. Mehner erklärt: „Wir wollten eine junge Mutter haben. Wir wollten, dass die Figur mit dem Verlust, den sie erlitten hat, auch etwas spielerisch umgehen kann und dass das Ganze nicht so traurig wirkt, sondern einen frischen Touch bekommt. Das war es, was Jessica einfach ausgemacht hat – und sie macht das ganz toll!“ Knister beschreibt die Gratwanderung, die die Rolle der Katja darstellt, so: „Sie muss die toughe, gutgelaunte Mutter spielen und doch: Ab und zu, wenn sie unter Stress steht, weil sie so viel zu tun und zu arbeiten hat, sieht man es ihrem Gesicht an, dass sie doch ein schweres Schicksal getroffen hat.“

Jessica Schwarz hatte sich ihrerseits schon auf das Arbeiten mit Justus von Dohnányi und Tobias Moretti gefreut: „Ich hatte ja schon die Möglichkeit, mit beiden intensiver zu drehen; sie haben ja beide schon mal meine Ehemänner gespielt.“ Aber auch ohne dass sie einen der beiden im Film heiratet – wie Moretti in Der Liebeswunsch oder Dohnányi in Die Buddenbrooks – war es für sie eine intensive und anregende Zusammenarbeit. Was ihre Kollegen betrifft, ist sie voll des Lobes: Sie gehen toll damit um. Sie haben auch tolle Kostüme bekommen, in denen sie voll und ganz aufgehen, die auch wirklich gut zu ihnen und zu diesen Charakteren passen. Und sie kommen auch gut mit den Kindern zurecht.“ Dabei war Schwarz durchaus klar, dass die eigentlichen Stars des Films – neben Yoko selbst – natürlich die Kinder sind: „Wir alle drei sind eigentlich Nebenfiguren, die den Kindern zur Seite stehen und die Geschichte unterstützen“, wie sie sagt. Der Freude am Schauspielern tat das aber bei allen dreien keinen Abbruch – ganz im Gegenteil!

Produktion: Die Dreharbeiten

Auch wenn Knister schon dank der Hexe-Lilli-Filme wusste, welchen Aufwand ein Kino-Dreh bedeutet, war er anfangs doch immer wieder erstaunt, was für eine große Maschinerie in Gang gesetzt wurde: „Um Gottes Willen, wir drehen doch nicht Ben Hur, wir drehen YOKO!“

Aber allein schon die Vielzahl der Motive erforderte es, dass die Produktion mit allem Drum und Dran kreuz und quer durchs Land reiste. Am Ammersee in der Nähe von München wurden die Innen- und Außenszenen in Pias Zuhause und auch die Szenen mit ihrem Baumhaus gedreht; eine Woche verbrachte die Produktion in Augsburg im Zoo, eine weitere Woche in Stuttgart für die Szenen in der Schule und manche Straßenszenen. Der Supermarkt, durch den van Sneider Yoko verfolgt, stand in Frankfurt, genau wie Katjas Laden. Im Studio in Babelsberg entstanden die Tibet-Innenszenen. Kellermanns Büro war ein Motiv in Potsdam; die finstere Fabrik, in der es zum Showdown kommt, befand sich in Wien – und ganz am Ende wurde, um die Außenszenen aus Tibet in den Kasten zu bekommen, noch zwei Tage in Tirol gedreht.

Am kältesten war es jedoch nicht in den Tiroler Alpen, sondern in dem echten Kühlhaus, in dem bei ‑20°C Yokos Eishütte mit den Eismöbeln darin aufgebaut wurde. Doch auch an einigen anderen Drehtagen hatte die Produktion mit widrigen äußeren Bedingungen zu kämpfen. Knister berichtet: „Beim Drehen hat es gleich in der ersten Woche geschüttet ohne Ende, und wir hatten ein richtiges Hochwasser im See, so dass knapp die Hälfte unserer kostbaren und teuer angepflanzten Botanik fast abgesoffen wäre.“ Denn so schön das Haus direkt am Ammersee auch war: Der See selber störte tatsächlich eher, weil er dramaturgisch nicht passte und deswegen nicht zu sehen sein durfte – so wurde im Vorfeld der Seeblick mit großen, eigens für den Dreh eingebuddelten Pflanzen verstellt.

Aber das Motiv, wie Knister sagt, war die ganze Mühe absolut wert: „Diese Location ist ein totaler Glücksfall, weil wir gleich bei dem Haus auch noch so nah einen wunderbar gewachsenen Baum hatten, wo wir so ein richtig hohes Baumhaus reinbauen konnten. Der zweite Glückstreffer war, dass dieses Haus in dem Moment total leerstand.“ So hatte die Produktion alle Freiheiten, für die Innenszenen die Räume so auszustatten, wie sie es für Pias Haus brauchten, ohne Rücksicht auf schon vorhandenes Mobiliar nehmen zu müssen. Knister weiter: „So konnten wir alles wirklich so machen, wie man es normalerweise teuer in einem Studio aufbauen muss.“

Nachdem man so den idealen Standplatz für Pias Baumhaus gefunden hatte, konnte dieser zentrale Handlungsort mit allen Finessen ausgestattet werden, unter anderem mit einem abenteuerlichen Lastenzug, den Pia benutzt, wenn sie es eilig hat, nach unten zu kommen. Das Ergebnis fand Knister absolut begeisternd: „Allein der Ort des Baumhauses bringt schon eine solche Spannung in den Film. Ich bin sicher, wenn ich Junge wäre, ich würde alles drum geben, dass ich mich in einem solchen Baumhaus aufhalten dürfte.“

Nicht nur die Menge der Drehorte, auch die Tricktechnik sorgte dafür, dass sich die Dreharbeiten für alle Beteiligten sehr aufwendig gestalteten. Schon im Vorhinein wurden, wie Corinna Mehner erzählt, für jede Szene mit Yoko Storyboards angefertigt, und es wurde entschieden, ob man in der jeweiligen Szene Yoko komplett animieren oder ob man mit dem Animatronic arbeiten würde: „Man schaut, für welche Szene welche Technik am besten passt. Bei uns wird es ungefähr fifty-fifty sein: 50 Prozent rein animierte Szenen und Prozent, bei denen die Puppe im Bild ist.“

So wurden sehr viele Shots produziert, die erst sehr viel später am Computer fertiggestellt wurden, indem Yoko ins Bild eingefügt wurde. Am Set wurden daher sehr viele, fast leere Bilder gedreht, sogenannte plates, bei denen man, wie Corinna Mehner berichtet, „ein bisschen länger braucht, um das Bild einzurichten. Da wird ein Fell als Dummy in die Szene gehalten, um zu simulieren, wie es mit Yoko aussehen würde, und beim Drehen wird es dann weggenommen.“

Franziska Buch: „Das ist für alle gewöhnungsbedürftig. Für die Kinder ist es dabei noch am einfachsten, weil die ganz unbefangen damit umgehen.“ Für Tobias Moretti gehört es zum anstrengenderen Teil der Arbeit: „Jetzt muss man oft mit einem imaginären Partner spielen, mit einem Partner, den es nicht gibt.“ Und Jessica Schwarz sagt: „Ich habe Momente bei dem Film gehabt, wo man mal ins Leere spielen musste. Da fühlt man sich ziemlich alleine gelassen und auch ein bisschen albern. Aber das gehört nun mal auch zur Schauspielerei dazu, dass man sich albern fühlt.“

Verglichen mit dem Knochenjob, den der Darsteller in der Yoko-Puppe zu leisten hatte, waren die Komplikationen für die anderen Schauspieler vergleichsweise gering. „So ein Animatronics-Kopf ist wirklich ein sehr komplexes Gerät“, sagt Mehner: „50 minikleine Motoren stecken allein in diesem Kopf“ – und darin befindet sich auch der Kopf des Schauspielers, der sich mit der Puppe bewegt. Für die „Feinmotorik“ war ein erfahrener Puppenspieler zuständig, der schon in Wo die wilden Kerle wohnen mit lebensgroßen Animatronics gearbeitet hatte und bei YOKO, mit Steuerungsgeräten in beiden Händen, die Kopf- und Ohrbewegungen und die gesamte Mimik der Figur vorgab. Franziska Buch erzählt: „Es war auch deshalb so schwer für unseren kleinwüchsigen Darsteller, weil es wahnsinnig heiß in dem sehr schweren Kostüm wurde. Er konnte nicht durch die Glasaugen des Puppenkopfes, sondern nur durch die Nasenlöcher gucken, und er konnte auch nichts hören, weil die Motoren überall im Kopf so viele Geräusche machten. Es war gar nicht so einfach, selbst wenn er nur durch eine Tür gehen sollte, seinen Weg zu finden …!“

Dabei war einfaches Gehen noch eine der geringsten Herausforderungen für die Yoko-Puppe. Buch erinnert sich an eine Szene, „wo er Wasser aus einer Amphore trinkt. Aber das Animatronic durfte ja nicht nass werden, und wo lässt man jetzt das Wasser?“ Und natürlich – bei so komplexer Technik unvermeidbar – fielen sowohl bei Yoko wie auch bei Trixi immer mal wieder mechanische Komponenten aus: „Das hat zu vielen komischen, aber auch zu anstrengenden Situationen geführt“, wie sich Buch erinnert. Aber trotz aller Schwierigkeiten ist sie begeistert von den Möglichkeiten, die die Technik auf dem aktuellen Entwicklungsstand bietet – und was die Filmemacher für YOKO nutzen konnten: „Wir haben schon sehr viel möglich gemacht.“

Größeren Spaß, als nur mit der Luft zu spielen, machten natürlich gerade den Kindern die Szenen, die mit der Yoko-Puppe gedreht wurden. Und nach ihren Reaktionen zu urteilen, haben die Filmemacher mit dem lang diskutierten Aussehen von Yoko voll ins Schwarze getroffen: Jamie Bick: „Ich dachte: was für ein Knuddelbärchen! Der sieht supersüß aus.“ Lilly Reulein fand es einen „sehr lustigen Anblick, da so einen Yeti zu sehen“ und auch Friedrich Heine war beeindruckt: „Er sieht total echt aus. Ich dachte beim ersten Mal: Boah, cool!“ Die Begeisterung war nicht nur auf die Kinder beschränkt; auch Jessica Schwarz berichtet: „Mein erster Eindruck von Yoko? Haben will!“

Franziska Buch schätzt die Arbeit mit jungen Darstellern sehr, und das galt uneingeschränkt auch für den Dreh von YOKO. Buch sagt: „Die Arbeit mit Kindern funktioniert eher spontan und intuitiv. Kinder spielen eine Rolle nicht wie Erwachsene, sie arbeiten weder mit Technik noch mit dem Intellekt, sie sind ihre Rolle. Das meiste kommt direkt aus dem Unreflektierten, aus dem Gefühl. Dadurch entsteht eine Unmittelbarkeit, die wahrhaftig ist und deshalb berührt.“

Die Freude am Spielen brauchte den Kindern jedenfalls nicht extra beigebracht zu werden. Jamie Bick bestätigt: „Es macht Super-, Mega-Spaß. Anstrengend? Ja, schon, aber das ist ja normal.“ Auch Lilly Reulein findet: „Ein Drehtag ist anstrengend, aber es ist halt auch cool, mit so vielen zu arbeiten und sich am Ende im Kino zu sehen.“ Bick, Reulein und Heine haben auf jeden Fall jetzt schon raus, worauf es bei der Schauspielerei ankommt: gründliche Vorbereitung. Aber sie bringen auch einiges an Talent mit – und auch ein gutes Gedächtnis. Friedrich Heine sagt: „Ich bin ein ziemlich guter Textmerker, auch was Gedichte angeht, in der Schule“, und Lilly Reulein erzählt: „Bei mir ist das irgendwie so: Mein Gedächtnis lernt sehr schnell; einmal durchlesen, dann geht das.“ Jamie Bick ist, wie sie sagt, bei einzelnen Szenen auch schon einmal mit nur einen Durchgang ausgekommen: „Manchmal hat man auch echt das Glück und schafft es bei einem Mal, das nennt man dann One-Take. Das habe ich bisher erst zweimal geschafft, aber immerhin.“

Die Kinderdarsteller fanden auch alle schnell einen Draht zu den anderen, wie Bick berichtet: „Wir verstehen uns sehr gut. Wir sind praktisch eigentlich schon wie Geschwister. Aber ohne die Streitereien.“ Reulein gibt zu: „Manchmal zicken wir uns auch ein bisschen gegenseitig an, aber das geht schon.“ Alle teilen aber Heines Einschätzung: „Es ist cool. Ich sammle hier sehr viele Erfahrungen; es ist einfach schön, dass das geklappt hat!“

Und auch alle Besorgnis, was das Drehen mit erfahrenen erwachsenen Schauspielern betraf, verflog sehr schnell, sobald die Dreharbeiten begonnen hatten. Jamie Bick erzählt: „Am Anfang hatte ich ein bisschen Bammel, weil ich dachte: Huh, die sind so große Schauspieler, bestimmt sind die auch ganz vornehm oder so was. Aber als ich sie dann kennengelernt habe, habe ich festgestellt, dass sie im Grunde genommen gar nicht so anders sind, sondern dass sie auch ganz normale Menschen und auch immer witzig sind.“

Auch Friedrich Heine lernte sehr schnell, die Zusammenarbeit mit den Erwachsenen zu genießen: „Ich finde es schon cool, weil die natürlich auch erfahren sind und uns dann immer so ein bisschen auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Gerade auch, als ich meine Szene mit Tobias gedreht hatte, mit dem Eiswagen, war das auch cool, weil der in den Pausen auch immer total lässig drauf war. Wir haben immer Eis gegessen …!“ Doch natürlich gibt es nichts Schöneres für Kinder, als auch mal den Erwachsenen zeigen zu können, wo es langgeht. Jamie Bick antwortet auf die Frage nach dem Drehtag, der ihr besonders viel Spaß gemacht hat, ohne zu zögern: „Als wir den Tobias Moretti mit Obst bewerfen durften. Das war total cool!“

Ein ganz besonderes Verhältnis verband aber vor allem Film-Mutter Jessica Schwarz mit den Darstellerinnen von Pia und Marcella , ihren Film-Töchtern. Corinna Mehner stellte während des Drehs fest: „Jessica und die Kinder, das passt – als wären sie tatsächlich eine Familie!“ Und Schwarz bestätigt, dass sie ganz überrascht war, wie sehr sich ihre „zwei wunderbaren Kinder“, wie sie sie nennt, auf emotionale Nähe zu ihr einließen: „Natürlich sind da Kinder auch wesentlich mutiger, aber das war, glaube ich, von Anfang an eine ganz große Liebe und das Gefühl, dass wir zusammengehören.“ Und dieses gegenseitige Vertrauensverhältnis hatte auch während der gesamten Zeit der Dreharbeiten Bestand. „Diese Menschen werden einem unglaublich wichtig und man versucht sie auch zu beschützen, denn natürlich gibt es auch mal Stress am Set“, erzählt Schwarz.

Mit den Eltern in der Nähe, Coach und Kinderbetreuern am Set und einer einfühlsamen Regisseurin wurden die Kinder schon ausgiebig betreut, sodass Schwarz in der Beziehung nicht gefordert war und auch ganz bewusst nicht versuchte, in fremdes Territorium vorzudringen. „Es ist wichtig, dass die Kinder keinen übermäßigen Input bekommen“, sagt sie: „Franziska macht die Regiearbeit und sie haben auch noch ihren Schauspielcoach dabei. Ich glaube, wenn ich auch noch kommen würde, das könnte auch einfach ein bisschen zu viel werden.“ So übernahm Schwarz eher die Rolle der großen Schwester: „Da bin ich dann lieber diejenige, die sagt, wenn gerade mal ein Moment Pause ist: Komm, wir spinnen ein bisschen rum oder lachen oder spielen Fangen oder machen sonst irgendwas.“

Genau wie ihre jungen Darsteller, bereitete Franziska Buch auch die erwachsenen Darsteller mit größter Sorgfalt auf ihre Rollen vor. Mehner hatte Franziska Buch als eine Regisseurin kennengelernt, „die viel probt, die viel mit den Schauspielern arbeitet“. Für Buch kam es darauf an, bei den Bösewichtern den genau richtigen Tonfall zu treffen. „Es ist eine feine Gratwanderung zwischen böse und komisch. Justus von Dohnányi und Tobias Moretti sind nicht nur herausragende Charakterdarsteller, sondern auch große Komödianten und haben einen Riesenspaß daran gehabt, richtig vom Leder zu ziehen. Es war uns wichtig, immer wieder an die Grenze des Slapstick zu gehen, weil es für das kindliche Publikum nun einmal besonders lustvoll ist, wenn der Bösewicht auch dumm ist.“

„Oberschurke“ Tobias Moretti hatte ohnehin schon festgestellt, dass bei diesem Filmprojekt alles für ihn zusammenpasst, angefangen beim hohen Anteil an Drehtagen on location: „Ich mag es viel lieber so. Im Studio zu drehen hat immer etwas von Zur-Arbeit-Gehen.“ Das Wiedersehen mit Justus von Dohnányi war ein weiterer Vorteil: „Wir sind ein eingespieltes Team. Daraus ergeben sich dann die Dinge, die man vielleicht sonst längere Zeit üben müsste.“ Und schließlich genoss Moretti auch die Arbeit mit den Kindern: „Es sind unglaublich lustige und geradlinige Kinder. Ich drehe unglaublich gerne mit Kindern, weil sie so direkt funktionieren.“

So wurde der Dreh zu einer rundherum positiven Erfahrung für die gesamte Crew und die Darsteller – das heißt, bis auf zwei kleine Ausnahmen. Der echte Bär, den van Sneider aus dem Himalaja zurück nach Deutschland bringt, fand es in seinem Käfig eher langweilig. Und Franziska Buchs eigener Hund kam nicht darüber hinweg, dass sich der Roboter Trixi fast wie ein Hund benahm und ähnliche Bewegungen vollführte, aber eben doch kein richtiger Hund war …

Für Mehner war YOKO nach den beiden Hexe-Lilli-Filmen bereits die dritte Kino-Produktion, in der CG-Charaktere eine der Hauptrollen spielten. Und immer wieder stellt sie fest: „Die Postproduktion ist wie ein zweiter Film.“ Der große zeitliche, personelle und finanzielle Aufwand für die Nachbearbeitung ergab sich allein schon aus der schieren Menge der Bilder mit Spezialeffekten. „Wir hatten etwas über 300 Animationsshots, insgesamt über 500 VFX- und Animationshots, mindestens fünf Aufnahmestufen pro Szene“, wie Mehner berichtet. Weil man beim Dreh so häufig mit plates, also leeren Bildern, arbeiten musste, verlagerte sich so manches, was bei einem „normalen“ Film Teil der Dreharbeiten ist, in die Postproduktion. Mehner: „Hier müssen wir Dinge entscheiden, die man beim Dreh noch nicht entscheiden konnte.“ Insbesondere, da es eine beachtliche Anzahl an Szenen gab, in denen die Filmemacher alle drei Techniken, unterschiedlich gemixt, gleichzeitig benutzten.

Und es war auch nicht so, dass man einen Spezialeffekt, einmal angefertigt, dann beliebig oft wiederverwenden konnte. Im Gegenteil: Jeder Effekt blieb eine individuelle Maßanfertigung; Yokos Unsichtbar-Werden beispielsweise: „Jede Szene hat ihr eigenes Timing“, erklärt Corinna Mehner: „Es ist klar, dass man die erste Verwandlung etwas ausführlicher zeigt, was man im Folgenden dann nicht mehr so breit tun muss.“

Die Hauptfigur kam auch erst in der Postproduktion zu ihrer endgültigen Stimme. Franziska Buch berichtet: „Wir haben eine ganze Reihe von berühmten und weniger berühmten Schauspielern für die Stimme ausprobiert und am Ende denjenigen genommen, der die Synchronisation supervisiert hat, jemand, der auch sonst viel Synchronisationsarbeit macht. Er war einfach derjenige, der sich am besten in die Figur hineinversetzen konnte und auch die richtige Stimmlage hinbekommen hatte.“

Was für ein Film wird YOKO? Diese ganz grundsätzliche Frage stand nicht nur am Anfang der Produktion, sondern beherrschte auch die letzte Phase des Filmprojekts. Visuelle und Spezialeffekte, Schnitt, Tonmischung und Musik runden ja erst das Bild der Welt von YOKO ab. Mehner: „Uns war immer klar. YOKO spielt in einer eigenen Welt. Das muss immer ein bisschen von der Realität abgehoben sein, weil es ja doch ein Märchenfilm ist. Und klar war auch: Der Bösewicht muss auf die Nase fallen, es muss krachen, da muss viel Slapstick sein.“

Stolz auf ihr Werk schwingt deutlich mit, wenn die Filmemacher von YOKO erzählen. Auch bei Knister, auch wenn er den Begriff zunächst doch ein klein wenig einschränkt: „Stolz ist nicht das rechte Wort. Ich bin sehr aufgeregt, wie bei jedem neuen Buch, das ich schreibe. Also – vielleicht bin ich doch zwei, drei Zentimeter größer geworden, weil ich das Gefühl habe, ich schwebe so ein bisschen, wenn man sich bewusst macht, was hier gerade passiert und was gerade vor sich geht.“ Tobias Moretti meint, dass YOKO einem breiten Publikum etwas zu bieten hat: „Ich denke, auch 10- und 11-Jährige können über den Slapstick oder die skurrilen Jokes noch gut lachen und sich über die Geschichte freuen.“ Das sieht Jessica Schwarz ganz ähnlich: „Eltern werden sicherlich etwas anderes an dem Film toll finden werden als die Kinder. Aber ich glaube, dass YOKO einfach alle Herzen an sich reißen wird.“

Was für Knister und das ganze Team das schönste Kompliment wäre. Knister, der als Kind in Bambi, einem seiner ersten Filme, „geschluchzt und geheult“ hat, zitiert eine berühmte Kollegin: „Astrid Lindgren hat einmal gesagt: Ich schreibe für das Kind in mir. So geht es mir auch.“ Und so ist YOKO ein Film für das Kind in uns allen, egal wie alt wir in Wirklichkeit sind.

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