Fakten und Hintergründe zum Film "Womb"

Kino.de Redaktion |

Womb Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Der Regisseur über die Produktion

Unser Hauptmotiv liegt in der Nähe von St. Peter Ording, am westlichsten Zipfel der Halbinsel Eiderstedt an der Nordseeküste. St. Peter-Ording hat mich sofort gefangengenommen. Es ist eine unglaublich weitläufige und flache Küste, die der Gegend eine gewisse Zeitlosigkeit verleiht. Das habe ich daran wirklich geliebt. Dort haben wir die Szenen in dem Stelzenhaus gedreht. Das andere Hauptmotiv war die Nordseeinsel Sylt. Dort gibt es silberfarbene Strände und außergewöhnliche grasbedeckte Dünen. Das war der perfekte Ort für die Liebesgeschichte der beiden Kinder. Wir neigen dazu zu vergessen, dass wir alle nur im Universum schweben. Orte wie St. Peter-Ording und Sylt können uns das wieder ins Bewusstsein rufen. Diese Art der Schwebe ist das Herzstück von WOMB. Und da ich Wasser auch immer für sehr wichtig für die Geschichte angesehen habe, war ein Drehort am Meer für diesen Film eine logische Konsequenz.

Kameramann Péter Szatmári und ich waren uns einig, dass die Geschichte selbst extrem genug ist, als dass wir noch die Bildgestaltung in den Vordergrund rücken müssten. Wir haben immer wieder gesagt: „weniger ist mehr“ bis die Crew es irgendwann satt hatte. Unseren Arbeitsprozess kann man als ungarischen Stil bezeichnen, was bedeutet, dass die Kamera am engsten mit dem Regisseur arbeitet. Nicht nur visuell, sondern auch bei der Skriptanalyse, beim Casting und Produktionsdesign. Ich kann mich nicht daran erinnern, irgendeine bedeutende kreative Entscheidung ohne Péter Szatmári getroffen zu haben. Ein schlichtes und einzigartiges Set Zartheit, Egoismus, Altruismus, Vergangenheit, Zukunft, Moral, Liebe – all diese Elemente vermischen sich in WOMB. Was das Setdesign angeht, so wollten wir eine schlichte und einzigartige Kulisse für den emotionalen und komplexen Erzählfluss schaffen. Ich wollte einen zeitlosen, ruhigen, aber starken Hintergrund, der uns dabei hilft, eine Verbindung zwischen all diesen Elementen herzustellen.

Bilderstrecke starten(12 Bilder)
Alle Bilder und Videos zu Womb

Setdesigner Erwin Prib kam erst spät an Bord. Wir hatten bereits die Hauptmotive gefunden und das visuelle Konzept erstellt, deshalb war es schwierig für mich, es wieder aus der Hand zu geben, da ich ja auch selbst Setdesigner bin. Erwin war sehr flexibel und hat einen fantastischen Humor. Er half mir dabei, meine Ängste loszuwerden. Unsere kreativen Ströme waren sehr eng miteinander verwoben. Beim Bau von Rebeccas Stelzenhaus an der windigen Küste hat er einen unglaublichen Job gemacht. Es war in vielerlei Hinsicht eine große Herausforderung. Ein stabiles Stelzenhauhaus an der stürmischen Nordseeküste zu errichten ist nicht nur unter ästhetischen Gesichtspunkten schwierig.

Tristan Christopher als junger Tommy und Ruby O. Fee als junge Rebecca haben so konzentriert gearbeitet, ich kann mich an überhaupt keine Schwierigkeiten erinnern… alle beide haben das komplette Drehbuch gelesen. Ruby war besonders angetan von der Liebesgeschichte. Sie hat die Geschichte als Märchen über die universelle Kraft der Liebe verstanden. Tristan als Science-Fiction-Fan war fasziniert davon zu analysieren, wie ein Klon sich verhält oder fühlt. Er hat verstanden, dass die Klone in WOMB keine künstlichen Reproduktionen, sondern Menschen mit Haut und Haaren wie wir sind.

Ich würde WOMB nicht als Science-Fiction-Film bezeichnen. Man kann ihn natürlich so definieren. Aber wenn man sich die Stimmung und die Struktur der Handlung anschaut, würde ich sagen, WOMB ist viel eher ein Märchen als alles andere. Wenn ich mich für eine kulturelle Referenz entscheiden müsste, dann würde ich sagen, dass sich der Film eher auf Orpheus und Eyridike bezieht. Ausschlaggebend für den Film war für mich nicht ein Hang zu Science Fiction. Ich bin kein spezieller Klon- Fanatiker, vielmehr interessiert mich Biologie im Allgemeinen. Für mich ist das Interessante am Klonen der Punkt, mit dem genetischen Fingerabdruck. Grundsätzlich halte ich die Bedenken über die Auswirkungen für die Umwelt für übertrieben, während der Einfluss der Gene meiner Meinung nach unterschätzt wird. Denjenigen, die mehr über dieses Thema wissen wollen, würde ich dringend empfehlen, „identical twins research“ zu googlen. Denjenigen, die mehr an der lyrischen Seite des Themas interessiert sind, empfehle ich den Film WOMB.

Rebeccas Entscheidung, Tommys Klon zu gebären, ist eher eine Herzensentscheidung als eine rationale. Ich glaube, dass wir nicht immer genau wissen, warum wir etwas tun. Sie glaubt daran, dass das Leben uns diese Möglichkeit gegeben hat und daher denkt sie, dass das Klonen eine großartige Chance ist, jemandem das größtmögliche Geschenk zu machen: das Leben.

In WOMB wird das Klonen als gang und gäbe dargestellt. Ein bisschen wie Schönheitsoperationen oder künstliche Befruchtung es heutzutage ja bereits sind. Diese Praktiken werden nicht als krankes Verhalten stigmatisiert, aber sie sind dennoch in verschiedenen Kreisen aus unterschiedlichen Gründen noch nicht völlig akzeptiert. Klonen ist in WOMB ein halbes Tabu, und es kommt immer auf die Umstände an, ob die Leute es tolerieren. Wenn jemand seinen Sohn verliert, akzeptiert man das eher, als wenn jemand seinen Geliebten klont. Das ist ziemlich paradox, denn meiner Meinung nach ist Rebeccas Verhalten viel altruistischer, zumindest aus biologischer Sicht.

Das Thema Klonen wird häufig mit Religion in Zusammenhang gebracht, aber ich finde nicht, dass es sich darauf beschränkt. Nur weil jemand nicht religiös ist, heißt das nicht, dass man ihn leichter dazu bringt, seine Einstellung zu ändern. Jeder ist voller alter Tabus, Dogmen und manchmal auch nicht unbedingt obsoleten Verhaltensmustern. Ich denke, dass das in unserem Unterbewusstsein verwurzelt ist. Wenn unsere Grundsätze mit etwas Neuem und anscheinend Irrationalem konfrontiert werden, geraten unsere Prinzipien ins Wanken. Manchmal schränken Prinzipien uns auch ein. Das kann man sehen, als Tommys Mutter Judith ihren Sohn wieder sieht. In ihrem Gesicht erkennt man eine Mischung aus Scham, Mitleid, Kummer, Schmerz und Verstehen. Rebecca jedoch erliegt im Gegensatz zu Tommys Eltern der Versuchung, sie gibt sich nicht einmal Mühe, ihre moralischen Bedenken aufrecht zu erhalten. Sie glaubt, dass tradierte Moralvorstellungen unwichtig werden, wenn sich die Gelegenheit bietet, einen verstorbenen Seelenverwandten wieder zu bekommen.

Rebecca bewegt sich unbewusst jenseits von der sozialen Norm. Diese Erkenntnis lässt den Zuschauer Rebeccas Handeln besser verstehen. Ihre Entscheidung führt sie ins Ungewisse. Auch sie beginnt ein neues Leben, irgendwo zwischen gut und böse. Ihr sozialer Status ist total aus den Fugen geraten. Ein anderer Schlüssel, sie zu verstehen, liegt in dem, was sie Tommy sagt als er erfährt, dass er ein Klon ist: „Du bist hier. Was willst du mehr?“ Aber ich denke, dass man gar nicht genau sagen kann, ob Rebecca den geklonten Tommy wirklich als ihren Sohn sieht oder nicht. Es ist möglicherweise angebrachter zu hinterfragen, welche Rolle letztlich Tommy in Rebeccas Leben spielt. Ihre Welt geriet aus den Fugen als der „echte“ Tommy plötzlich starb. Und Tommys „Geschenk“ wird Rebeccas Leben am Ende wieder ins Lot bringen. Was für ein Happy End!

Am Anfang ist alles einfach nur schön mit dem neuen Tommy. Rebecca ist im Himmel. „Nur wir zwei“. Alles, was sie sich immer gewünscht hat. Kann man sich das vorstellen? Immer wenn ich total verliebt war, habe ich davon geträumt, die Frau auch als Baby schon gekannt zu haben. Ich wollte ihr als 2-Jährige ein Gutenachtlied singen. Ich wollte dabei sein, wenn sie ihre ersten Schritte macht…

Rebecca hat die Möglichkeit, diese tolle Erfahrung machen zu dürfen. Dieser traumhafte und verzweifelte Wunsch von mir war der ausschlaggebende Punkt, WOMB zu machen.

Eva Green über ihre Rolle

Wie bei jeder Rolle musste ich Rebecca in erster Linie begreifen. Ich fragte mich, wieso sie so verschlossen ist. Dass sie sich von Tommy so angezogen fühlt und dass sie ihn so sehr braucht, verstehe ich sehr gut. Die meisten von uns haben schon einmal eine tiefe und leidenschaftliche Liebe für einen Menschen empfunden, egal ob für ein Familienmitglied oder einen Geliebten. Der Schmerz, eine geliebte Person zu verlieren, ist schwer zu überwinden und wenn wir die Gelegenheit hätten, dass uns jemand diese Person wieder bringt, würden wir nicht alle zumindest darüber nachdenken? Oder sogar etwas dafür tun? Als Schauspielerin stelle ich mir immer die Frage „Was wäre wenn?“ Und bei der Rolle der Rebecca muss man diese Frage nicht nur unter emotionalen und psychologischen, sondern auch unter ethischen Gesichtspunkten betrachten.

Ich denke, dass alle, die an dem Film WOMB mitgearbeitet haben, sich an einem bestimmten Punkt mit Moral und Ethik auseinandersetzen mussten. Denn der Film setzt sich mit der Möglichkeit des Klonens von Menschen auseinander. Letztendlich wird sich auch das Publikum fragen, was es in dieser Situation tun würde. Und die Antwort wird, wie immer, wenn es um Ethik geht, nicht einfach sein…

Zu den Kommentaren

News und Stories

  • Fakten und Hintergründe zum Film "Womb"

    Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

    Kino.de Redaktion  
  • Sci-Fi-Liebesdrama "Womb" mit Eva Green

    Eva Green („James Bond 007: Casino Royale“) übernimmt die Hauptrolle in dem Sci-Fi-Drama „Womb“. Sie spielt eine trauernde Witwe, die beschließt, ihren gestorbenen Mann zu klonen. Matt Smith übernimmt die männliche Hauptrolle. Der Liebesfilm wird ab März an der deutschen Nordseeküste gedreht. Regie führt der ungarische Filmemacher Benedek Fliegauf („Milky Way“), der auch das Drehbuch geschrieben hat. Das Projekt...

    Ehemalige BEM-Accounts  
  • Deutsche Koproduktion "Womb" von Benedek Fliegauf

    Der ungarische Regisseur Benedek Fliegauf („Milky Way“) wird die deutsch-britisch-ungarisch-französische Koproduktion „Womb“ inszenieren. Das futuristische Drama ist eine Liebesgeschichte, in der versucht wird, dem Tod mit genetischen Eingriffen ein Schnippchen zu schlagen. Fliegauf wird sein Filmprojekt, an dem die deutsche Produktionsfirma Razor Film in Berlin maßgeblich beteiligt ist, auf dem Filmfestival in Cannes...

    Ehemalige BEM-Accounts  

Kommentare

  1. Startseite
  2. News
  3. Film-News
  4. Womb
  5. Fakten und Hintergründe zum Film "Womb"