Wohin mit Vater?

  1. Ø 0
   2009
Wohin mit Vater? Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Wohin mit Vater?: TV-Drama nach dem gleichnamigen Sachbuch eines anonymen Journalisten.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Mit seinem messerscharf beobachteten Sozialdrama legt Tim Trageser den Finger in die Wunde unseres Gesundheitssystems, ohne dabei den Unterhaltungsfaktor zu vernachlässigen.

    Dass Tim Trageser nicht nur für die Tatort-Reihe inszenieren kann, sondern auch in der Lage ist, filmisch eher unattraktive Themen gleichermaßen einfühlsam wie unterhaltend aufzubereiten, hat er zuletzt 2007 mit „Einer bleibt sitzen“, dem Drama um einen Querschnittgelähmten, dem der beste Freund die Frau ausspannt, gezeigt. Jetzt rückt er eine Problematik in den Vordergrund, von der in Deutschland immer mehr betroffen sind. Es geht um alte, hilfebedürftige Menschen und wie man deren Pflege sicherstellt bzw. finanziert. Als Basis dient Trageser das gleichnamige Sachbuch eines Journalisten, der anonym bleiben will. Laila Stieler, die unter anderem die wunderbaren Drehbücher zu Andreas Dresens Filmen „Willenbrock“ und „Wolke 9“ verfasst hat, hat die mitten aus dem Leben gegriffene Vorlage mit einem Höchstmaß an Authentizität und glaubwürdigen Figuren in eine Spielfilmhandlung umgearbeitet.

    „Wohin mit Vater?“ – diese Frage stellen sich die Geschwister Susanne (Anna Loos) und Thomas (Hans-Jochen Wagner) nach dem völlig unerwarteten Tod ihrer Mutter. Ein Pflegeheim wollen sie Michael (Dieter Mann), einem einstmals hoch angesehenen Architekten, nicht antun, schließlich ist er geistig noch absolut fit, nur die Beine wollen eben nicht mehr so wie er will. Auch eine Rundumbetreuung wie sie wohl nötig wäre, kommt nicht in Frage, weil unbezahlbar. Als Susanne, die als allein erziehende Mutter einer halbwüchsigen Tochter eigentlich mit sich selbst genug zu tun hat, sich bereit erklärt, die Pflege zu übernehmen, schreitet ihr Bruder ein. Per Internet lässt er eine Krankenschwester aus Bosnien kommen. Die versteht ihren Job und ist mit moderater Entlohnung zufrieden. Die Sache hat nur einen Haken: sie ist illega.

    Mit seinem bis in kleinste Details messerscharf beobachteten Sozialdrama legt Trageser den Finger tief in die Wunde unseres Gesundheitssystems und veranschaulicht klar und deutlich wie Menschen dazu getrieben werden, Gesetze zu missachten, um die Pflege ihrer Angehörigen gewährleisten bzw. überhaupt bezahlen zu können. Seine absolut realistische Geschichte wird flankiert von Charakteren, die Ecken und Kanten besitzen, die auch mal lauthals losbrüllen, wenn ihnen was nicht passt, oder gar aus bloßer Wut zum Pfefferspray greifen, was sie aber nur umso menschlicher erscheinen lässt. Wunderbar melancholische (Instrumental-)Musik, darunter auch ein ergreifendes sorbisches Lied, das Wagner zum Leichenschmaus intoniert, und eine ruhige, fast statische Kamera, die mal behutsam, mal unerbittlich, aber immer hautnah an den handelnden Personen dran ist, macht „Wohin mit Vater?“, der trotz thematischer Schwere auch viel Leichtigkeit, Lebenslust und – ja, auch das ist möglich – Humor versprüht, zu einem besonderen TV-Erlebnis. lasso.

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