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Woche für Woche

Filmhandlung und Hintergrund

TV-Komödie um den anstrengenden Alltag eines Trennungskindes, dessen Eltern doch nur das Beste wollen.

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Kritikerrezensionen

  • Woche für Woche: TV-Komödie um den anstrengenden Alltag eines Trennungskindes, dessen Eltern doch nur das Beste wollen.

    „Doppelresidenz“ klingt pompös und eher nach Alt- oder Geldadel als nach seelischer Desorientierung. Der Fachjargon kennt auch noch den weniger stattlich klingenden Begriff „paritätisches Wechselmodell“. Hinter dem Bürokratendeutsch verbirgt sich das Schicksal von Scheidungskindern, deren Eltern sich das Sorgerecht zu gleichen Teilen teilen: Der Nachwuchs verbringt eine Woche hier und die nächste dort. In Deutschland haben sich etwa fünf Prozent der geschiedenen Eltern auf diese Praxis geeinigt, die zunächst mal gut klingt, weil weder Vater noch Mutter das Gefühl haben, bei ihrer Beziehung zum Kind zu kurz zu kommen.

    Trotzdem ist das Modell bei Psychologen umstritten. Autorin Silke Zertz, deren ausgezeichnete Drehbücher immer wieder mit viel Feingefühl die Schattenseiten unterschiedlichster Kindheitsentwürfe beleuchten („Ich bin eine Insel“, „Bloch: Schattenkinder“), wird das vermutlich ähnlich sehen, schließlich gibt es das Wort „Zuhause“ ebenso wenig in der Mehrzahl wie „Heimat“. Der kleine Felix, die Hauptfigur dieses Films, hat theoretisch zwei „Zuhauses“; und deshalb gar keins, weil er weder hier noch dort so richtig Wurzeln schlagen kann. Aber nicht nur aus diesem Grund ist der siebenjährige Junge ein prototypischer Vertreter seiner Generation. Zertz muss die aktuellen Verhältnisse nur ein wenig auf die Spitze treiben, um heutige Kindheiten treffend zu charakterisieren. Voller Verwunderung und mit großen Augen schaut sich Felix bei einer türkischen Großfamilie in der neuen Nachbarschaft seines Vaters um. Er selbst hat keine Geschwister und muss in der Schule fragen, was denn Cousinen sind; die hat er auch nicht. Ein auf neutralem Boden, aber fernab von einer der beiden elterlichen Wohnungen veranstaltetes Geburtstagsfest veranschaulicht diese besondere Form von Einsamkeit besonders deutlich: Außer seinem neuen türkischen Freund tummeln sich da bloß Erwachsene, die meisten von ihnen groteske Vertreterinnen eines Jugendwahns, der sich im Rentenalter erst so richtig auszutoben scheint.

    Natürlich hat das Bild der fidelen Großmütter, die kreischend auf der Rutsche ins Bällebad sausen, karikierende Züge, wie auch die gemeinsamen Termine von Felix‘ Eltern (Tanja Wedhorn, Hans-Joachim Wagner) beim Therapeuten immer ein bisschen dick aufgetragen sind. Dabei haben Zertz und Regisseur Martin Gies gar nicht mal übertrieben, wenn sich Miriam und Paul aller vermeintlichen Einvernehmlichkeit zum Trotz bis hin zur Handgreiflichkeit mit Vorwürfen überschütten. Die überfürsorgliche Mutter, die ihr Kind von einem Nachmittagstermin zum nächsten karrt, ist ebenso Realität wie der gleichgültige Vater, der den Sohn erst nach der Scheidung als Faustpfand im Rosenkrieg entdeckt.

    Dass Zertz und Gies diese Geschichte als Tragikomödie erzählen, erscheint nur auf den ersten Blick unangemessen. Tatsächlich lässt sich auf diese Weise vieles satirisch verzerren, was man in einem Drama als Übertreibung empfinden würde. Außerdem sorgen diverse komödiantische Elemente immer wieder für Entspannung, wenn Felix beispielsweise beim nächtlichen Klobesuch völlig unvorbereitet auf Vaters nackte Freundin stößt und ihr vor Schreck auf die Füße pinkelt. Gies hat Jannis Michel, den (schon zehn Jahre alten) jungen Schauspieler, großartig geführt; gleiches gilt im Übrigen auch für die beiden erwachsenen Hauptdarsteller, die in ihren Rollen voll und ganz überzeugen. Einzige neutrale Instanz ist der Therapeut (Ulrich Gebauer), den Felix in seinem Zorn mit der Schleuder verletzt, weil er in ihm den Schuldigen für die Scheidung sieht. Allein Felix‘ regelmäßige Zwiegespräche mit Gott wirken etwas aufgesetzt, aber dafür entpuppen sie sich am Ende als unverzichtbare Hinführung zu einem echten Knüllerschluss. tpg.

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