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Wir wären andere Menschen

Filmhandlung und Hintergrund

Jan Bonnys feines Psychogramm "Wir wären andere Menschen" blickt mit Matthias Brandt in der Hauptrolle hinter die bürgerliche Fassade.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Wir wären andere Menschen: Jan Bonnys feines Psychogramm "Wir wären andere Menschen" blickt mit Matthias Brandt in der Hauptrolle hinter die bürgerliche Fassade.

    Der Regisseur Jan Bonny erzählt in seinen Werken eigentlich immer einfache Geschichten, auch wenn sein ZDF-Film „Wir wären andere Menschen“ am Anfang mit einer Rückblende beginnt, wonach nicht sofort klar ist, welche Figur in der weiteren Handlung welche Hintergrundgeschichte hat. Aber es sind doch vor allem die komplexen Emotionen der Protagonisten, die den Reiz ausmachen. Zumal es zu den Qualitäten von Bonny gehört, die wilde Rohheit dieser Emotionen dann in stimmigen und intensiven Bildern einzufangen. Er benutzt nicht viel Score oder Soundtrack, nur hier und da ein bisschen klassische Klaviermusik. Bei der Darstellung der emotionalen Abgründe vertraut er voll und ganz auf seine Schauspieler.

    In „Wir wären andere Menschen“ spielt Matthias Brandt den Fahrlehrer Rupert, der mit seiner Frau Anja (Silke Bodenbender) in das beschauliche Dorf zurückgekehrt ist, wo er als Junge aufwuchs. Rupert ist ein unscheinbarer Mann, der nett, aber uncool auf seine Fahrschüler wirkt. Ein Mensch, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann. Immer trägt er einen altmodischen Bauchtasche, wo er ein kleines Buch für Notizen aufbewahrt. Er und seine Frau haben es sich zur Aufgabe gemacht, zwei ehemalige Polizisten zum Grillen einzuladen, die in Ruperts Vergangenheit eine sehr unrühmliche Rolle gespielt haben. Friedrich Ani und Ina Jung haben nach Anis Vorlage ein Drehbuch geschrieben, dass sich auf das fokussiert, was Bonny interessiert: der Blick hinter die Fassade des bürgerlichen Lebens. Brandt spielt ziemlich atemberaubend einen Mann, den die Alpträume seiner Vergangenheit nie losgelassen haben und der Erlösung in der Gewalt und der Rache sucht.

    Aber es ist keine stilisierte oder befriedigende Hollywood-Rache, sondern die Rache ist hier hässlich, schmerzvoll und zerstörerisch. Bei Bonny passiert bei den Schauspielern auf subtile Art immer so viel im Gesicht. Man kann den Figuren beim Denken zusehen, was in Filmen selten und wertvoll ist. Das sommerliche Wetter, der Fluss mit seinem steinigen Ufer, die halbvollen Cafés und die aus dem Urlaub mitgebrachte Stimmung im Dorf erhöhen noch den Kontrast zur plötzlichen Gewaltentladung. Dann erinnert „Wir wären andere Menschen“ aber doch auch an Hollywood: an Sean Penns genaues und strenges Psychogramm eines pensionierten Polizisten in „Das Versprechen“. Silke Bodenbenders Ehefrau-Figur lässt wiederum in ihrer emotionalen Komplizenschaft an die Lady-Macbeth-Darstellung von Laura Linney in Eastwoods Thriller „Mystic River“ denken. Ein bisschen schade ist es, dass Shooting Star Aenna Schwarz („Alles ist gut“) nicht mehr zu tun bekommt. Faszinierend dagegen die Tatsache, wie Bonny seit dem Film „Wintermärchen“ immer wieder seine damaligen Hauptdarsteller Thomas Schubert, Ricarda Seifried und Jean-Luc Bubert in passenden Rollen unterbringt.
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