Wir sind die Nacht Poster

Fakten und Hintergründe zum Film "Wir sind die Nacht"

Kino.de Redaktion  

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Idee in der Wohngemeinschaft

Vampire haben alle Zeit der Welt – und manchmal kann auch eine kleine Ewigkeit vergehen, bis ein Kinoabenteuer über partywütige Vampire aus Berlin fertig ist. Bestes Beispiel: WIR SIND DIE NACHT. „Ich war 23 Jahre alt, als ich die Idee zum Film hatte“, sagt Regisseur Dennis Gansel, „ich werde 37 Jahre alt sein, wenn er im Oktober in die Kinos kommt.“

Ungewöhnliche Brutstätte des Projekts war eine Wohngemeinschaft der früheren Filmstudenten Dennis Gansel und Christian Becker. Beide studierten seit 1994 an der Hochschule für Fernsehen und Film in München und hatten sich 1995 über den gemeinsamen Kurzfilm THE WRONG TRIP kennengelernt. Der große Erfolg des Psychothrillers, der mit 700 Kopien als Vorfilm des Actionfilms SUDDEN DEATH in die Kinos kam, festigte die Freundschaft der beiden Filmstudenten. Im September 1996 gründeten sie an der Rosenheimer Straße, Ecke Orleanstrasse, eine Münchner Wohngemeinschaft, die über sieben Jahre Bestand haben sollte.

Im Oktober 1996 präsentierte Dennis Gansel Christian Becker eine Idee, die das Duo in den nächsten 14 Jahren beschäftigen sollte: „Wir müssen einen Vampirfilm machen, der mit einer Liebesgeschichte verbunden ist und in der Berliner Clubszene spielt.“ Vorausgegangen waren zwei Schlüsselreize, die Dennis Gansel zu dieser Idee gebracht hatten. „Meine damalige Freundin, eine Schauspielstudentin, hatte ein Schwarz-Weiß-Foto von sich gemacht, auf dem sie sexy und düster wie ein Vampir aussah“, erinnert sich der Regisseur. „Der andere Auslöser war mein Besuch in Berlin im Sommer 1996, wo ich am Schlesischen Tor die runtergekommene Gründerzeitarchitektur und einige Clubs wie den Tresor oder das WMF gesehen habe.“

Dennis Gansel fand in seinem Mitbewohner einen begeisterten Mitstreiter: „Christian Becker überlegte nur kurz und sagte: Geil! Seither sind wir die Partner für dieses Projekt. Ihm war der Actionaspekt wichtiger, ich war damals auf dem Romantiktrip.“ Der Regisseur schrieb ein drei Seiten langes Exposé für „The Dawn“, eine Liebesgeschichte zwischen einer jungen Berliner Vampirin und einem jungen, normalsterblichen Mann. Ein weiterer Zufall führte Dennis Gansel mit der richtigen Hauptdarstellerin zusammen: „Ich war bei der Premiere von Bernd Eichingers DAS MÄDCHEN ROSEMARIE und habe Nina Hoss auf der Leinwand gesehen. Ich wusste, dass sie ein absolutes Ausnahmetalent ist, und habe das Drehbuch fortan auf Nina hingeschrieben.“

Im Frühjahr 1999 kam es zum ersten Treffen. „Ich habe Nina das Drehbuch gegeben und sie gebeten, sich für den Herbst 1999 nichts vorzunehmen“, sagt Dennis Gansel. „Ich war fest davon überzeugt, noch im selben Jahr mit den Dreharbeiten zu beginnen.“ Auch Nina Hoss erinnert sich noch sehr genau an die erste Begegnung mit dem enthusiastischen Jungregisseur: „Dennis kam mit der ersten Fassung des Drehbuchs auf mich zu. Die Handlung war noch nicht so ausgefeilt und etwas anders als in dem später verfilmten Drehbuch. Aber die Rolle der bösen Vampirin reizte mich, weshalb ich ihm sagte: Wenn das Buch fertig ist, melde Dich wieder!“ Schmunzelnd fügt Nina Hoss hinzu: „Zehn Jahre später war es dann so weit.“

Der lange Atem

Denn in den folgenden Jahren musste Dennis Gansel erkennen, dass Untote in Deutschland mitunter eine schwierige Geburt haben. „Mein Drehbuch war im Jahr 2000 fertig, aber offenbar war die Zeit damals noch nicht reif“, bedauert der Regisseur. Es fanden sich keine Produktionsfirmen und keine Verleiher, die seine Liebesgeschichte finanzieren und realisieren wollten. „Als 2004 dann auch noch CREEP an den Kinokassen unterging, hieß es gleich: Nicht mal mit Franka Potente in der Hauptrolle funktioniert ein deutscher Horrorfilm“, sagt Dennis Gansel.

Der Regisseur widmete sich erfolgreich anderen Kinoprojekten wie MÄDCHEN, MÄDCHEN, NAPOLA – ELITE FÜR DEN FÜHRER und DIE WELLE. Parallel arbeitete er aber beharrlich am Drehbuch für seine Vampirgeschichte „The Dawn“ weiter. Am Ende sollte der lange Atem belohnt werden: Der große Erfolg des von Christian Becker produzierten und von Dennis Gansel inszenierten Dramas DIE WELLE, das allein in Deutschland 2,6 Millionen Menschen in die Kinos lockte, hatte den positiven Nebeneffekt, dass Christian Beckers Produktionsfirma Rat Pack und Dennis Gansel von der Constantin Film grünes Licht für ihr Wunschprojekt bekamen. „Natürlich hat auch der Erfolg von TWILIGHT – BISS ZUM MORGENGRAUEN unserem Projekt viel neue Energie gegeben“, sagt Produzent Christian Becker, „wobei aber immer wieder betont werden muss, dass die Idee zu unserem Projekt schon ausgereift vorlag, bevor Stephenie Meyers ihre TWILIGHT-Romane schrieb.“

Jetzt tauchte ein neues Problem auf: Dennis Gansels über Jahre gereiftes Drehbuch „The Dawn“ wies zu viele Parallelen zum internationalen Kassenhit TWILIGHT auf und musste umgeschrieben werden. Ab Januar 2008 nahm sich Autor Jan Berger des Stoffes an und gab ihm den neuen Titel WIR SIND DIE NACHT. Er behielt alle Figuren und viele Handlungsstränge bei, änderte aber die Perspektive und somit die Geschichte. „Mir war wichtig, die Verwandlung einer jungen Frau zur Vampirin zu zeigen“, sagt Jan Berger. „Bei Superhelden-Filmen wird immer dargestellt, wie ein Spiderman oder Batman seine Kräfte entdeckt. Bei Vampiren wird dieser Aspekt partout ausgespart. Anhand von Lena zeigen wir sehr deutlich, wie sie nach Louises Biss in eine neue Welt gerät, wie sie Durst auf Blut bekommt und wie sich ihr Körper verändert.“

Zudem würzte Jan Berger den poetischen Stoff mit vielen Actionszenen. „Dennis und ich sind große Fans von Luc Besson, weshalb die Stimmung seiner frühen Filme sehr inspirierend für uns war“, sagt der Autor. „Wir wollten einen europäischen Actionthriller, der seine eigene Identität hat. Weil es um vier Berliner Vampirfrauen geht, sollten sie ein Rock’n’Roll-Leben führen, in dem eine Menge passiert: Sie sind schön, reich, für immer jung und unsterblich, weshalb ihr Partyleben niemals enden muss.“

Von vornherein war auch klar, dass Berlin der einzig wahre Ort für das Vampir-Quartett ist. „Dennis wohnt seit vielen Jahren hier und ich bin in Berlin geboren“, sagt Jan Berger. „Deshalb wollten wir möglichst viel von der Hauptstadt zeigen, zumal das Nachtleben und das leicht Morbide hervorragend zu Vampiren passen. Wir sind in dieser Hinsicht auch stark durch den Weltvertrieb gefördert worden, der in Paris sitzt und uns immer wieder erzählt hat, wie unglaublich angesagt Berlin in der ganzen Welt ist. Das ist einem selbst gar nicht so bewusst, wenn man hier wohnt.“

Der Weltvertrieb Celluloid Dreams, der auch DIE WELLE in die halbe Welt verkauft hat, beteiligte sich ebenso an der Finanzierung von WIR SIND DIE NACHT wie zahlreiche Förderer. „Wir haben das Medienboard Berlin Brandenburg gewinnen können, den FilmFernsehFond Bayern, die Filmförderungsanstalt und den Deutschen Filmförderfonds“, sagt Produzent Christian Becker. „Abgerundet durch die NRW Bank und die Constantin Film haben wir ein hohes Millionen-Budget zusammenbekommen, mit dem man eine große Geschichte erzählen kann.“

Die Wunschbesetzung

„Ich bin überglücklich, dass Nina Hoss auch zehn Jahre nach unserem ersten Treffen noch an der Rolle der Louise interessiert war“, freut sich Regisseur Dennis Gansel. „Nina hat diese Grandezza, dieses Geheimnisvolles, sie kann glaubhaft die kühle Brutalität der Anführerin einer Vampir-Clique darstellen.“ Nina Hoss sieht in Louise einen erfreulich vielschichtigen Charakter: „Sie entscheidet, wer zur Familie dazugebissen wird. Sie hat die anderen Mädels in der Hand. Louise ist aber nicht einfach nur böse, sie hat durchaus ihre verletzliche Seite. Sie ist ermüdet vom Dasein, das sie seit fast 250 Jahren führt. Die Jahre vergehen, die Welt um sie herum verändert sich, aber sie bleibt immer dieselbe Person. In dieser langen Zeit hat sie auch jegliche Skrupel verloren. Sie kann nur überleben, indem sie andere Menschen umbringt, sie aussaugt, von ihnen zehrt. Das gehört für sie dazu. Die Gewissensbisse, die zum Beispiel Lena plagen, fehlen ihr völlig.“

Genau wie Nina Hoss gehörte auch Karoline Herfurth schon früh zur Wunschbesetzung für den Film. „Ich habe mit Karoline im Jahr 2000 MÄDCHEN, MÄDCHEN gedreht und ihr das Drehbuch zu „The Dawn“ gegeben, was mein nächstes Projekt werden sollte“, sagt Dennis Gansel. „Karoline fand die Geschichte super, war damals aber zu jung für die Rolle der Lena und kam eigentlich nur als Nora in Frage.“ Weil sich der Drehstart um viele Jahre verzögerte, löste sich das Altersproblem von ganz allein, was auch Produzent Christian Becker als Glücksfall wertet: „Karoline Herfurth bringt eine unglaubliche Schönheit und Ausstrahlung mit, aber auch eine verträumte und leicht düstere Seite.“

Der Schauspielerin kam die besondere Aufgabe zu, im Film gleich zwei Extreme glaubhaft zu verkörpern. „Lena ist zuerst eine rotzige Punk-Göre aus asozialen Verhältnissen, steigt nach Louises Biss aber in die Luxuswelt mit teuren Kleidern, tollen Partys und eigenem Lamborghini auf“, erklärt Autor Jan Berger. Gerade wegen dieser zwei Welten, in denen sich Lena zurechtfinden muss, wertet Dennis Gansel Karoline Herfurth als Idealbesetzung: „Sie musste früh auf eigenen Beinen stehen, weshalb sie ein kämpferisches und rebellisches Wesen hat. Zugleich ist sie innerhalb weniger Jahre zu einer der führenden Schauspielerinnen Deutschlands aufgestiegen und deshalb mit dem Glamour der Premierenpartys und Festivals vertraut. Genau wie Lena kennt sich Karoline in beiden Welten bestens aus.“ Karoline Herfurth schätzt an ihrer Rolle vor allem den großen inneren Konflikt: „Für Lena ist das Vampirsein kein Segen, sondern ein Fluch. Sie wird nach Louises erstem Biss zum Vampir und muss fortan Menschen töten, um weiterleben zu können. Das widerspricht ihrem großen Gerechtigkeitssinn. Sie möchte niemandem wehtun.“

Jennifer Ulrich hatte bereits in DIE WELLE unter der Regie von Dennis Gansel gespielt. In WIR SIND DIE NACHT verkörpert sie die rationale, zurückhaltende Vampirin Charlotte, die in der Stummfilmzeit der 20er Jahre Schauspielerin war. Sie wurde am Premierenabend ihres Films DR. MABUSE von Louise gebissen, woraufhin sie Mann und Kind verlassen musste. „Anfangs hat sie das Vampirleben sicher genossen“, sagt Jennifer Ulrich, „aber nach einer gewissen Zeit begann sie sich zu langweilen, verfiel in eine Art Depression und stürzte sich in die Literatur, in der sie einen Ort der Ruhe und ihre einzige Quelle des Glücks fand.“ Produzent Christian Becker lobt die Wandlungsfähigkeit der Schauspielerin: „Jennifer ist die perfekte Besetzung für die Rolle der Charlotte. Sie ist auffallend hübsch, besticht durch ihre Natürlichkeit und verkörpert die melancholische Vampirin in der Gegenwart genauso glaubhaft wie die Gräfin der 20er Jahre im echten DR. MABUSE-Stummfilm, in den wir Jennifer mit viel technischem Aufwand als Charlotte in eine Szene reinkopiert haben.“

Anna Fischer komplettiert das Vampir-Quartett und spielt die Rolle der Nora, die in den frühen 90er Jahren auf der Love Parade von Louise gebissen wurde. „Anna Fischer ist perfekt als quirliges Partygirl“, sagt Produzent Christian Becker. „Sie ist jung, aufgeweckt und voller Energie.“ Auch Regisseur Dennis Gansel spart nicht an Lob: „Ich habe selten eine Schauspielerin erlebt, die vor der Kamera so sehr aufblüht und so viel Spielfreude mitbringt.“ Anna Fischer wusste, dass sie beim Spielen kein Kind von Traurigkeit sein durfte: „Nora symbolisiert die kindliche Unbeschwertheit der frühen 90er Jahre“, sagt die Schauspielerin. „Dagegen sind die anderen Vampirinnen alle schon abgestumpft oder haben Gewissensbisse.“

Die männliche Hauptrolle des Polizisten Tom Serner besetzte Dennis Gansel quasi automatisch mit einem seiner Lieblingsschauspieler und langjährigen Weggefährten: Max Riemelt. Nach MÄDCHEN, MÄDCHEN, NAPOLA ¬– ELITE FÜR DEN FÜHRER und DIE WELLE ist WIR SIND DIE NACHT Dennis Gansels vierte Zusammenarbeit mit Max Riemelt. „Er hat eine unglaubliche Ausstrahlung und ein enormes Starpotenzial“, lobt der Regisseur seinen Darsteller und führt weiter aus: „So wie Max den Polizisten spielt, glaubt jeder Zuschauer sofort, dass Lena sich auf den ersten Blick in ihn verknallt. Zugleich verkörpert er durch seine zurückhaltende Art das normale Leben, das Lena aufgibt, weil sie den Verführungen der Luxuswelt der Vampire erliegt.“

Für noch mehr Normalität steht Toms älterer Polizeikollege Lummer, benannt nach dem Berliner Innensenator. Er wird von Arved Birnbaum gespielt, den Dennis Gansel als „einen Typen von echtem Schrot und Korn“ bezeichnet. „So wie Arved sehen Polizisten im wahren Leben aus“, betont Dennis Gansel. Zur Recherche für seinen Film fuhr der Regisseur einige Nächte bei der Polizei in Berlin und bei der Drogenpolizei in Essen mit. Dies war über den Vater von Gansels befreundeten Regiekollegen Peter Thorwarth ermöglicht worden, der bei der Polizei arbeitet. Nach diesen Erfahrungen suchte Dennis Gansel einen Schauspieler, der bewusst einen realistischen Beamten verkörpern konnte.

Schön, reich und sexy

Im Gegensatz zur eher schlichten Erscheinung der Polizeibeamten sollte das Äußere der vier Vampirinnen ein wahrer Augenschmaus sein. „Ein Genre wie der Vampirfilm ist generell ein Geschenk für mich“, sagt Kostümbildnerin Anne Winckler. „In diesem Fall kam noch die Besonderheit hinzu, dass die Epoche, in der die jeweilige Frau zur Vampirin gebissen wurde, anhand ihrer Garderobe erkennbar sein sollte.“ Weil Louise seit dem 18. Jahrhundert durch die Welt reist und viele Künstler getroffen hat, ist ihr Stil von dunklen Farben und leicht morbiden Elementen geprägt. Charlotte ist der Stummfilm-Ära der 20er Jahre verhaftet und trägt vorzugsweise schwarze Kostüme mit Fransen, Perlen und Pailletten. Noras bunte Farben bilden einen krassen Gegensatz. Die flippige Mode der Love Parade aus den frühen 90er Jahren hat sie bis heute beibehalten. „Wir konnten die Mode der einzelnen Epochen aber nicht eins zu eins übernehmen, sondern mussten bestimmende Elemente auf die heute erhältliche Mode übertragen“, erklärt Anne Winckler. „Ansonsten könnte der Zuschauer nicht nachvollziehen, warum die Vampirinnen zum Luxusshoppen nach Paris fliegen oder nachts im Berliner Kaufhaus unterwegs sind. Dort müssen sie ja schließlich Kleider der aktuellen Designer einkaufen.“

Lenas starker Wandel vom schmuddeligen Straßenkind zur schönen Vampirin zeigt sich auch in ihren Kostümen. „Zuerst trägt sie Armeehosen und Schnürstiefel, später zarte Kleidchen und hochhackige Schuhe“, sagt Anne Winckler. Jede Vampirin brauchte bis zu zwölf verschiedene Kostüme. Die suchte und fand Anne Winckler in Vintage-Läden, auf Flohmärkten und im Kostümfundus. Vieles wurde aber auch individuell angefertigt oder aus vielen Einzelteilen kombiniert. Die Kostüme mussten nicht nur gut aussehen, sondern auch praktisch sein: Weil das Drehbuch viele Actionszenen vorgab, sollten sich Ellbogen- oder Rückenschützer unter den Textilien verbergen lassen. Außerdem wurden viele Kleider bei den Dreharbeiten beschädigt und mit Blut verschmiert, sodass die meisten Kostüme in mehreren Ausführungen benötigt wurden.

Vom Make-up hatte Maskenbildner Georg Korpás von vornherein eine klare Vorstellung: „Ich wollte auf keinen Fall den blassen Leichen-Look der 70er Jahre. Unsere Vampirinnen sind sexy, stark und schön, die Männer verfallen ihnen.“ Dies sollte auch durch Lenas Verwandlung erkennbar werden. „Am Anfang ist Lena ein blasses, knabenhaftes und abgerocktes Mädel“, sagt Georg Korpás. „Nach Louises Biss strukturiert sich Lenas DNA neu, wodurch sie in der ersten Nacht noch blasser und kränker aussieht, doch dann blüht sie auf. Sie ist gesund, wunderschön und hat die ewige Jugend gepachtet.“

Georg Korpás machte den untoten Frauen auch schöne Augen, indem er den Schauspielerinnen Kontaktlinsen gab. Bei Erregung entsteht ein feuerroter Rand um die Pupillen der Vampirinnen. „Die eigene Augenfarbe sollte nur ein bisschen intensiviert werden“, sagt Georg Korpás. „Wenn wir die ganze Pupille mit Kontaktlinsen abgedeckt hätten, wäre das schnell in den Bereich Fantasy und Horror abgedriftet.“

Eckzähne und Blutkonserven

Natürlich kommt kein Vampirfilm ohne spitze Eckzähne aus. In WIR SIND DIE NACHT erscheinen sie nur, wenn die Vampirinnen Blut wittern und erregt sind. Georg Korpás nahm in seiner Münchner Werkstatt zunächst Abdrücke vom Gebiss der Hauptdarstellerinnen und fertigte feine Zahnmodelle an. „Sie sollten möglichst dezent sein und sexy ausschauen“, sagt Georg Korpás. „So wie Frauen schöne Rundungen haben, sollte auch der Zahnhals einen weichen Schwung bekommen.“ Die künstlichen Erweiterungen konnten am Drehort einzeln auf die echten Eckzähne gesteckt werden und hielten, ohne Klebstoffe, allein durch ein Vakuum. „Schon nach wenigen Minuten spürte man überhaupt nicht mehr, dass man diese falschen Zähne im Mund hatte“, lobt Jennifer Ulrich die Arbeit des Maskenbildners.

Das Blut, das die Vampirinnen mit ihren spitzen Zähnen aus den Opfern saugen, kam aus England. „Früher habe ich mein Filmblut selbst hergestellt, aber man wird älter und fauler“, gesteht Georg Korpás. „Deshalb habe ich es für WIR SIND DIE NACHT per Mausklick im Internet bestellt. Man hat die Wahl zwischen drei verschiedenen Sorten: frisch, geronnen und fast getrocknet.“ Georg Korpás brachte 30 Liter Blut mit an den Drehort, Effektspezialist Dirk Lange zehn weitere Liter. Kunstblut wird auf Zuckerbasis hergestellt, weshalb es ohne große Nebenwirkungen in den Mund der Schauspielerinnen gelangen durfte. „Das Zeug schmeckt süß und irgendwie pappig“, weiß Anna Fischer aus eigener Erfahrung. Lachend ergänzt sie: „Eigentlich soll es eine neutrale Wirkung auf den Magen haben, aber wenn man es literweise trinkt, bekommt man Bauchschmerzen und Durchfall.“

Bevor das Blut erstmals bei den Dreharbeiten fließen oder spritzen durfte, waren viele Kameratests nötig. „Blut in seiner natürlichen Farbe erscheint auf Filmmaterial sehr hell und fast rosa“, sagt Maskenbildner Georg Korpás. „Deswegen musste unsere Blutfarbe sehr intensiv sein und jeweils auf den Drehort und die Beleuchtung abgestimmt werden. Helles Blut kam nur dann zum Einsatz, wenn es sich gut von dunkler Kleidung abheben sollte.“

Hauptstadt als Hauptdarstellerin

WIR SIND DIE NACHT war von Anfang an als großer Berlin-Film konzipiert. „Wir zeigen Berlin als pulsierende Metropole und sind an Originalmotive gegangen, von denen man viele noch nie in einem Kinofilm gesehen hat“, sagt Produzent Christian Becker. „Keine andere Stadt der Welt empfängt Filmemacher mit derart offenen Armen“, lobt Regisseur Dennis Gansel die Kooperationsbereitschaft der Berliner Behörden. Auch Setdesigner Matthias Müsse teilt das Lob: „Berlin ist ein Geschenk für Filmemacher. Nur hier gibt es so viele leer stehende Gebäude von solch hoher Qualität.“

„Bei der Recherche war ich überrascht, wie simpel viele dieser temporären Berliner Clubs gestaltet sind“, sagt Matthias Müsse. „Das wirkt wie ein großer, konzeptloser Abenteuerspielplatz mit ein paar Möbeln aus Sperrmüll. Aber der Reiz dieser Clubs liegt ja gerade darin, dass sie bald wieder weg sind.“ So bestanden auch im Film die Tresen im und am Hauptbecken aus leeren Chlor-Kanistern, die von innen beleuchtet wurden. Über der Tanzfläche schwebte ein riesiger Leuchtballon mit Mondkratern, auf dem Sprungturm standen acht riesige Boxen, aus denen die Rhythmen schallten, die Anna Fischer als DJ Nora auflegte und zu denen 400 Komparsen im Hauptbecken tanzten.

Viele Statisten hatten ihre eigene ausgefallene Kleidung mitgebracht, aber leider nicht alle. „Es kamen viel weniger im eigenen Styling als gewünscht“, sagt Kostümbildnerin Anne Winckler. „Dabei war der zweite Regieassistent im Vorfeld extra durch das Berliner Nachtleben gezogen und hatte Kontakt zu Clubs und Burlesktänzerinnen aufgenommen. Aber Berlin ist Filmstadt und diese Leute sind sich ihres Preises bewusst. Deshalb konnten wir sie nicht in Heerscharen anfordern und haben viele junge Statisten einfach selbst ausgestattet.“ Vor dem Stadtbad stand dafür im November 2009 ein riesiges Komparsenzelt bereit, in dem Anne Winckler und ihr Team die Statisten mit allerlei Accessoires in szenige Clubgänger verwandelten. Professionelle Stripper und Barkeeperinnen in einer Art Club-Uniform rundeten das Bild ab.

Bei der größten Massenszene des Films, in der Lena und Louise auf der Tanzfläche des Clubs erstmals aufeinandertreffen, musste die Statistenschar nicht nur gegen die eisige Novemberkälte im ungeheizten Stadtbad antanzen, sie wurde auch in große Nebelschwaden gehüllt. Dafür sorgte Effektspezialist Dirk Lange mit zwölf Tonnen flüssigen Stickstoffs, den normale Discotheken nur höchst selten einsetzen. „Diese Art der Nebelsahne ist viel zu teuer für normale Clubs“, sagt Dirk Lange. Doch für den Film hat sich die Mühe gelohnt. Louises Club im Stadtbad stand seinen legendären Vorbildern wie dem Tresor und WMF in nichts nach. „Wir hatten schon überlegt, unseren Club einen Monat lang als Geheimtipp für die Berliner Partyszene zu nutzen, um mit den Einnahmen einen Teil des Budgets zu refinanzieren“, scherzt Produzent Christian Becker. Doch die strengen Auflagen für das denkmalgeschützte Stadtbad Lichtenberg sprachen dagegen.

Die expressionistische Fassade des Stadtbads ist im Film nicht zu sehen. Alle Außenaufnahmen des Clubs entstanden im Plänterwald im Berliner Ortsteil Treptow-Köpenick. Der 1969 als Kulturpark Berlin eröffnete Vergnügungspark der DDR hatte vor der Wende jährlich 1,5 Millionen Besucher, wurde 2001 aber unter betrügerischen Umständen geschlossen. Seither umwuchert Gras die großen Dinosaurierfiguren und die zerfallenden Karussells und Achterbahnen. In der Nacht und durch den Einsatz von künstlichen Nebelschwaden bot der stillgelegte Park eine bedrohlich wirkende Filmkulisse für Lenas nächtlichen Beutezug.

Weil Tageslicht jede Vampirin sofort zu Staub zerfallen lässt, brauchen die untoten Damen spezielle Wohnmöglichkeiten mit abgedunkelten Fenstern. Laut Drehbuch sollte die Clique um Louise im Hotel Adlon am Brandenburger Tor residieren. „Wir haben uns aber überlegt, dass sie in solch einem Luxushotel schnell durch den Zimmerservice auffliegen würden“, sagt Setdesigner Matthias Müsse und erklärt: „Sie nehmen die Räume einer ganzen Etage in Beschlag, haben alle Fenster mit schweren Vorhängen verdunkelt, lagern Blutreserven in der Minibar und schlafen in Himmelbetten, die durch weitere schwere Vorhänge wie Kokons aussehen.“ So fiel die Wahl auf ein anderes Hotel, das seine besten Tage hinter sich hat, aber immer noch eine gewisse Grandezza ausstrahlt. Im leerstehenden Haus Cumberland am Kurfürstendamm schuf das Filmteam ein eigenes Hotel. Das Haus wurde 1911 und 1912 von Robert Leibnitz, dem Architekten des alten Hotel Adlon, entworfen und gebaut. Die Geschäftsidee, in dem so genannten Boarding House zahlreiche Suiten mit Hauspersonal zu vermieten, scheiterte. So wurde das Haus Cumberland lange Zeit als Grand Hotel genutzt und diente von 1966 bis 1993 als Heimat der Berliner Oberfinanzdirektion. Seit 17 Jahren steht das Gebäude leer und wurde mehrfach als Filmkulisse genutzt, unter anderem für DIE BOURNE VERSCHWÖRUNG (2004) und JERRY COTTON (2010). Die Hotellobby, in der Lena nach ihrer Verwandlung vom Straßenkind zur Vampirin erstmals die lange Treppe herabschreitet, war im Haus Cumberland nicht zu finden. Deshalb wich das Team für einen Tag ins Foyer des Landgerichts Mitte aus, das die gewünschte märchenhafte Kulisse bieten kann.

Eine Nacht im Kaufhaus

Das luxuriöse Nacht-Shopping der vier Vampirinnen wurde in der Galeria Kaufhof am Alexanderplatz in Szene gesetzt. 1967 als HO-Centrum-Warenhaus errichtet, war es das größte Kaufhaus der DDR. Nach einer umfassenden Modernisierung und Erweiterung ist es seit 2004 mit 35.000 Quadratmetern Verkaufsfläche eines der größten Warenhäuser Europas. „Hier haben wir die langen Korridore und die langen Rolltreppen gefunden, die wir es uns gewünscht hatten“, sagt Setdesigner Matthias Müsse. Für das Filmteam erfüllte sich der lang gehegte Kindheitstraum, eine ganze Nacht lang im Kaufhaus eingeschlossen zu sein. „Von 19 Uhr bis 6 Uhr gehörte der komplette Laden uns“, freut sich Produzent Christian Becker. Auch Matthias Müsse bestätigt: „Nachts im Kaufhaus zu drehen, ist ein irres Gefühl.“ Allerdings mit gewissen Sicherheitsauflagen: „Ursprünglich hatte die Konzernleitung pro Teammitglied einen Sicherheitsmann gefordert“, erinnert sich Matthias Müsse. „Am Ende waren es für 60 Teammitglieder aber nur 15 Sicherheitsleute, die beim Rein- und Rausgehen unsere Taschen kontrollierten.“ Das Team fiel durch besonders gute Führung auf: „Es wurde nichts gestohlen“, bestätigt Produzent Christian Becker, „und ab fünf Uhr morgens haben wir alles gereinigt und zurückgestellt, damit wenig später wieder die Kunden ins Kaufhaus kommen konnten.“

Lenas Beuterevier verlegte Regisseur Dennis Gansel an den Bahnhof Zoo, der schmuddelige Russenpuff, in dem Louise der undankbaren Neu-Vampirin Lena die Härten des Lebens zeigt, entstand in den Abbruchhäusern des ehemaligen DDR-Rundfunks an der Nalepastraße in Oberschöneweide. Wo einst DT64, das populäre Jugendprogramm des DDR-Rundfunks, „Power from the Eastside“ sendete, steht heute eine Ruine, in der eine Abbruchfirma die Fenster, die Studios, die Möbel und alle Paternoster-Aufzüge zu Trümmern geschlagen hat. „Die Dreharbeiten im Russenpuff waren für alle Mitwirkenden eine Tortur und hart an der Schmerzgrenze“, verrät Setdesigner Matthias Müsse. „Wir mussten den Keller erst mal entrümpeln und wussten nie, welche Baustoffe dort eigentlich verwendet worden waren.“ Die Ruine ließ sich nicht heizen, was im November kein Vergnügen war. So sah man die Hauptdarstellerinnen in jeder Drehpause in dicken Wintermänteln und mit dicken Moon-Boots einen heißen Kaffee oder Tee trinken, bevor die nächste Szene wieder im Partykleidchen und auf High Heels gefilmt wurde.

Das Hollywood-Team des Kinofilms DIE BOURNE VERSCHWÖRUNG hatte im Jahr 2004 das Privileg, den Tiergartentunnel am Hauptbahnhof noch vor seiner offiziellen Eröffnung im Jahr 2006 für Actionszenen nutzen zu können. Im komplett gesperrten Tunnel-Rohbau entstand eine wilde Verfolgungsjagd, die laut Filmhandlung in Moskau spielte. Das Team von WIR SIND DIE NACHT musste seine Tunnelszenen im Dezember 2009 in tiefster Nacht bei laufendem Verkehr drehen und durfte nur einzelne Abschnitte zeitweise sperren. So mussten die Darstellerinnen und die Stuntfahrer besonders vorsichtig die teuren Autos der Vampirinnen lenken: Louises goldenen Porsche Panamera, Charlottes schwarzen Jaguar, Noras Pontiac mit auffälliger Flammenbemalung und Lenas weißen Lamborghini. „Diese Wagen sind ein extremes Sinnbild für den Luxus und die Freiheit der Hauptfiguren“, sagt Regisseur Dennis Gansel. „Wir haben uns lang damit beschäftigt, bis jede Rolle ihr passendes Auto hatte.“ Requisiteur Simon Blum bekam die Wagen leihweise von Autosammlern, kaufte aber auch verschiedene ältere Mercedes-S-Klasse-Modelle, die in Actionszenen durch Einschüsse und Karambolagen zerstört werden konnten.

Finale auf dem Teufelsberg

Der Showdown des Films sollte laut Drehbuch in einem runtergekommenen Hotel in der Nähe des Flughafens spielen. Doch bei den Motivbesichtigungen im Vorfeld der Dreharbeiten stießen Regisseur Dennis Gansel und Setdesigner Matthias Müsse auf ein viel spannenderes Motiv: den Teufelsberg im Westen Berlins. Auf einem 115 Meter hohen künstlichen Berg, der nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Trümmern von 15.000 zerbombten Berliner Gebäuden errichtet wurde, baute die US-Armee im Kalten Krieg eine Abhöranlage mit fünf riesigen Antennenkuppeln. Von hier aus erfolgte bis 1991 der große Lauschangriff bis weit in das Gebiet des Warschauer Paktes hinein. „Jede der mit Stoff bespannten Antennenkuppeln erinnert an den Mond, unser immer wiederkehrendes Hauptmotiv in WIR SIND DIE NACHT“, sagt Matthias Müsse. Die moderne Ruine mit erstklassigem Panoramablick auf den Grunewald ist im Film der letzte Rückzugsort der Vampirinnen. Doch so verlassen wie früher, als der Teufelsberg ein militärisches Sperrgebiet war, ist der Ort heute nicht mehr. „Der Zaun hat viele Löcher, weil der Teufelsberg ein beliebter Treffpunkt für viele Berliner geworden ist“, weiß Matthias Müsse. „Bei der Motivbesichtigung haben wir viele Leute getroffen, die dort Picknick gemacht haben, und ein australischer Trommler hat die gute Akustik für seine Musik genutzt. Das ist eine sehr schlecht geschützte Sperrzone, weshalb Graffiti und Vandalismus die Abhöranlagen sehr schnell haben altern lassen. Dadurch war das für uns aber eine ideale Kulisse, an der wir kaum noch etwas verändern mussten.“

Zum Teil mussten die Teufelsberg-Kulissen im Studio Babelsberg nachgebaut werden. Vor allem für jene Szenen, in denen die Vampirinnen die Gesetze der Schwerkraft außer Kraft setzen und an Decken und Wänden entlang laufen. Der Effekt wurde teilweise durch „gekippte“ Kulissen und ungewöhnliche Kameraperspektiven erzielt, teilweise ist die Schwerelosigkeit der Damen aber auch auf Drahtseile zurückzuführen, die später von Alex Lemke, Spezialist für digitale Effekte, am Computer retuschiert wurden. Jennifer Ulrich erzählt begeistert von den Actioneinsätzen am Seil: „Wir haben im Vorfeld ein Rigging-Training absolviert. Da steigt man in einen Gurt, der mit Seilen an der Decke befestigt ist, und fliegt durch die Luft, wenn jemand kräftig daran zieht. Wir sind fünf Meter geflogen und von der Decke gesprungen. So bekamen wir ein Gefühl für übermenschliche Fähigkeiten.“ Auch Nina Hoss gefiel es, sich bei diesem Projekt austoben zu können: „Gerade für Frauen ist das Angebot an Actionrollen nicht sehr groß. Man spielt vielleicht mal eine Polizistin, die dann einen Schusswechsel im Film hat. Dass ich aber vier Wochen vor Drehstart Stunts probe, war eine neue Erfahrung für mich. In Filmen spiele ich sonst eher Figuren, die mehr über den Intellekt funktionieren. Ich bin aber durchaus auch ein lebhafter und unüberlegter Mensch.“

„Wir hatten Glück, dass unsere Hauptdarstellerinnen alle extrem sportlich sind“, sagt Regisseur Dennis Gansel. Er zeigt sich beeindruckt von der Disziplin der Schauspielerinnen: „Die Art, wie sie sich vorbereitet haben, ist sensationell. Sie haben sich zum Teil private Trainer genommen, sind jeden Tag gelaufen und haben sich in jeder freien Minute Tipps bei den Stuntleuten geholt.“ Allzu überraschend kamen die körperlichen Herausforderungen nicht auf die Schauspielerinnen zu. Sie waren gewarnt worden. „Ich habe von Anfang an gesagt, dass die Dreharbeiten eine harte und schmutzige Angelegenheit werden“, erklärt Dennis Gansel. „Wir wollten kein Kammerspiel, sondern eine berührende und packende Geschichte mit guter Action, wie man es in dieser Form in Deutschland noch nicht gesehen hat.“

Der 16. Dezember 2009 war der 48. und letzte Drehtag und das Team von WIR SIND DIE NACHT konnte rechtzeitig zu Weihnachten wieder zu einem normalen Schlafrhythmus zurückfinden. „Vielleicht mussten wir tatsächlich alle selbst zu Nachtschwärmern werden, um den Film authentisch realisieren zu können“, mutmaßt Produzent Christian Becker.

Spiegelbilder und Kopien

Die Arbeit am Film war nach der letzten Klappe aber noch lange nicht beendet. Bis Ende Juli 2010 arbeiteten Alex Lemke und sein Team an den digitalen Effekten, um Kulissen künstlich zu erweitern, Drahtseile zu entfernen oder die Gesetze der Schwerkraft zu brechen. „Ein normaler deutscher Kinofilm hat heute 20 bis 30 digitale Effekte“, sagt Alex Lemke. „Im Fall von WIR SIND DIE NACHT haben wir circa 300.“ Dazu gehören auch solche, die einer uralten Vampir-Legende geschuldet sind: Untote haben kein Spiegelbild! „Wir haben erst im Laufe der Dreharbeiten gemerkt, worin man sich überall spiegeln kann“, bedauert Setdesigner Matthias Müsse und bietet einen Auszug aus der langen Liste: „Fenster, Fußbodenbeläge, Marmorböden, Autolack, Messingschienen, Glasvitrinen – nahezu alles reflektiert.“ Das bedeutete viel Arbeit für Alex Lemke, der im Nachhinein jedes einzelne unerwünschte Spiegelbild aus den Filmbildern eliminieren musste.

Wegen aller Anstrengungen und schlaflosen Nächte während der Dreharbeiten und wegen der vielen Rückschläge in der frühen Phase dieses Filmprojekts, das schon 1996 begann, blicken die ehemaligen Kommilitonen und Mitbewohner Dennis Gansel und Christian Becker heute umso stolzer auf WIR SIND DIE NACHT. „Ich kann es kaum glauben, dass der Film nach so langer Zeit endlich fertig ist“, freut sich Christian Becker. Dennis Gansel stimmt ihm zu: „Wir haben es geschafft, in Deutschland einen Vampirfilm finanziert zu bekommen und an den Mythos des Genres anzuknüpfen, das hier geboren wurde. Das macht mich wirklich glücklich.“

Gegen etwaige Vorwürfe, deutsche Filmemacher wollten lediglich den Erfolg der amerikanischen TWILIGHT-Filme kopieren, sind der Regisseur und der Produzent gewappnet. Dazu sagt Christian Becker: „Dennis hatte die Idee nicht nur viel früher als Stephenie Meyers, WIR SIND DIE NACHT ist auch ein eigenständiger und viel härterer Film, der sich deutlich von TWILIGHT abhebt.“ Und Dennis Gansel ergänzt: „In den letzten Jahren wurde der Vampirfilm stark romantisiert. Wir machen Schluss damit und bringen das Genre wieder zu seinen Ursprüngen zurück. WIR SIND DIE NACHT ist so, wie ich mir einen Vampirfilm vorstelle: sexy, schnell und voller Action. Dieser Film rockt wie ein perfektes Wochenende in Berlin, wo man am Sonntagabend schwindelig vor neuen Eindrücken wieder nach Hause fährt und sich rückblickend fragt: Wie geil war das denn? Genau das wollen wir transportieren.“

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