Wir sagen du! Schatz

  1. Ø 5
   2007
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Filmhandlung und Hintergrund

Wir sagen du! Schatz: Spielfilm-Debütant Marc Meyer nimmt den Begriff Family Entertainment wortwörtlich.

Der 36-jährige Oliver (Samuel Fintzi) schiebt den Single-Blues. Doch statt sich zu beklagen, kommt ihm eine klasse Idee: Er klaut sich einfach das zusammen, was ihm am meisten fehlt – eine Frau, drei Kinder, eine Oma, einen Opa und einen Hund. Fertig ist die Wunschfamilie. Dumm nur, dass die neuen Familienmitglieder so gar nicht bei Oliver bleiben wollen. Also mauert er sie im 17. Stockwerk eines leerstehenden Hochhauses ein und beginnt entschlossen mit der liebevollen Umerziehung. Eine Frage von Leben und Tod!

Marc Alexander Meyer

Mitt-Dreißiger Oliver will das bevorstehende Weihnachtsfest partout nicht alleine feiern. Also macht er sich Chloroform-bewährt auf Familiensuche, kidnappt eine Ehefrau, eine Oma, einen Sohn und aus der Babyklappe ein Neugeborenes. Zu Hause im Plattenbau ist auch alles vorbereitet, der Kühlschrank ist gut gefüllt, um die Feiertage gemeinsam zu verbringen.

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Kritikerrezensionen

  • Im Verlauf des Films fällt einmal der Satz: "Allein kannst du vieles sein, aber nicht glücklich." Gerade in diesen Zeiten, in denen man dass Gefühl nicht los wird, dass es immer mehr Singles gibt, die fern von ihren Familien leben und an Karrieren arbeiten, die ihnen schon rein zeitlich keinen Platz mehr für Beziehungen lassen, fällt ein solcher Satz auf fruchtbaren Boden. Und Oliver, der Held des Films, startet ein Experiment, durch das er das Glück durch Mehrsamkeit erreichen will. Ein ebenso absurder wie sehnsuchtsvoller Plan.

    Seine Familie kann man sich bekanntlich nicht aussuchen und fremd fühlt man sich in ihrem Umkreis auch bisweilen, besonders wenn man sich nach langer Zeit mal wieder zusammenfindet, um gemeinsam ein harmonisches Weihnachtsfest zu feiern. Daher ist die Stimmung in Olivers zusammengeklauter neuer Verwandtschaft auch gar nicht so abwegig. Unterschiedliche Lebensentwürfe und sorgfältig aufgebaute Lebenslügen prallen aufeinander, werden entlarvt und demontiert. Das sorgt – in diesem Fall – nicht nur für dramatische Eskalationen, sondern auch für eine Menge warmherziger Komik.

    Man merkt, Regisseur Marc Meyer mag seine Figuren. Und als Zuschauer schließt man sie auch schnell ins Herz, mitsamt ihren Neurosen, Ängsten und Makeln. Denn eins ist sicher: Perfekt ist in dieser Familie niemand. Perfekt besetzt sind dagegen die Schauspieler. Samuel Finzi, Nina Kronjäger, Anna Maria Mühe, Harald Warmbrunn und Margot Nagel leisten jeder für sich hervorragende Arbeit ohne sich gegenseitig die Show zu stehlen. Ihre Dialoge, die von allem Überflüssigen befreit wurden, wirken trotz der kammerspielartigen Situation völlig natürlich.

    Auch die Kameraführung ist sehr gelungen. Spiegelt sie auf der einen Seite die Gefühle der Protagonisten wider – etwa wenn sie bei der selbstzerstörerischen Betrunkenheit Sofias aus den Angeln kippt – darf sie bisweilen auch vollkommen losgelöst von den Figuren die überraschende Schönheit der Szenerie einfangen. Es ist in der Tat erstaunlich wie verwahrloste Räume in kunstvolle Hintergründe verwandelt werden und wie schön Berlin im Regen aussehen kann, wie mit einer Silberschicht überzogen.

    "Wir sagen du! Schatz." basiert auf einer genial einfachen und absurden Grundidee, die sehr gut durchdacht und durchgespielt wird. Der Film ist zwar definitiv eine Komödie, allerdings eine, in der sich sehr viel reale Tragik verbirgt. Zu einfach macht es sich der Regisseur dabei nicht. Denn trotz des vorherrschenden humorvollen Tons, lässt er keinen Zweifel an der Tatsache, dass der Versuch, einer Utopie zum Leben zu verhelfen, immer auch vom Scheitern bedroht ist. Im Film vergleicht sich Oliver mit Sisyphos. Und wie sehr dieser Vergleich stimmt, kommt einem erst nachdem man den Kinosaal verlassen hat, gänzlich zu Bewusstsein.

    Fazit: Ein Mann, eine geklaute Familie und ein chaotisches Weihnachtsfest. "Wir sagen du! Schatz." ist so lebendig und gelungen wie man sich einen Film nur wünschen kann.
  • Spielfilm-Debütant Marc Meyer nimmt den Begriff Family Entertainment wortwörtlich.

    Single-Haushalte, Patchwork-Ehen, Scheidungskinder, Zweit- und Drittfrauen… Dem modernen Deutschen mangelt es, glaubt man den Medien, an geordneten Familienstrukturen. Was auch Mitt-Dreißiger Oliver (Samuel Finzi) findet, der das bevorstehende Weihnachtsfest partout nicht alleine feiern will. Also macht er sich Chloroform-bewährt auf Familiensuche, kidnappt eine Ehefrau (Nina Kronjäger), eine Oma (Margot Nagel), einen Sohn (Ennio Incannova) und aus der Babyklappe ein Neugeborenes… Klingt gemein? Ist es auch, zudem höchst anarchisch und bitterböse witzig. Beim Abtransport der vermeintlich betrunkenen „Gattin“ hilft eine junge Herumtreiberin (Anna Maria Mühe) und so findet auch sie sich postwendend eingemauert im 17. Stockwerk eines leerstehenden Plattenbaus wieder. Überall stehen Kühlschränke, gut gefüllt, das Familienleben kann beginnen. Oliver ruft zum Frühstück. Formuliert die Regeln, erklärt der Neo-Gemahlin: „Wir sagen Du! Schatz.“

    Einfach aber effektiv ist die „Versuchsanordnung“, die Regisseur und Drehbuchautor Marc Meyer – er gewann für sein Kurzfilm-Drama „Sonntag im August“ den Förderpreis des Filmfestivals Dresden 2005 – seinem Spielfilm-Erstling zugrunde legt. In seinem Mikrokosmos spiegelt er die große Welt, lässt Gefühle und Anschauungen mit Wucht aufeinanderprallen. Da bleibt einem zwar so manches Klischee nicht erspart, dafür bekommt man reichlich vergnügliche Überraschungen geboten. Etwa wenn bei einem Fluchtversuch in die Nachbarwohnung durchgebrochen wird, nur um dort auf den renitenten Rentner Horst (Harald Warmbrunn) zu stoßen, der hier, ganz Alt-Kommunist, den Spekulanten trotzt. Der „Opa“ wird kurzerhand der Sippe einverleibt und schon geht’s munter weiter im Familienchaos. Dabei sind die Schauspieler – allen voran Anna Maria Mühe und Nina Kronjäger – mit Lust bei der Sache, während Meyer sich redlich müht, seine Charaktere detailreich auszumalen. „Süßer die Glocken nie klingen“ tönt’s vom Soundtrack und das Dach des Hochhauses wird zum Eislaufplatz umfunktioniert. Skurril, schrullig und gegen de Strich gebürstet gefällt diese Low-Budget-Produktion, die mit einer überraschend originellen Auflösung endet. geh.

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