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Fakten und Hintergründe zum Film "Wiedersehen mit Brideshead"

Kino.de Redaktion |

Wiedersehen mit Brideshead Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Produktion: Das Buch

Evelyn Waugh schrieb „Wiedersehen mit Brideshead“ in nur vier Monaten, im Frühjahr 1944, gegen Ende des 2. Weltkriegs, während er von der Army beurlaubt war. Er vollendete das Buch, als die Alliierten in der Normandie landeten, veröffentlichte es 1945 und handelte sich damit viel Beifall ein, aber auch viel Widerspruch.

Waugh beschrieb in „Wiedersehen mit Brideshead“ den Zerfall der katholischen britischen Aristokratie. Der Krieg galt ihm als sicheres Zeichen für kommende Veränderung, und eine der Folgen dieses Krieges, so ahnte Waugh, wäre der Aufstieg des Bürgertums und das Ende einer Herrschaft des Adels, was für ihn auch das Ende eines Zeitalters voll Glanz und Reichtum bedeutete. „Wiedersehen mit Brideshead“ hat epische Breite, spielt auf mehreren Kontinenten und umspannt drei Dekaden, von den Zwanziger bis zu den Vierziger Jahren. Das Thema des Buches nannte Waugh: „Die Wirkung göttlicher Gnade auf einen Kreis unterschiedlicher, aber eng miteinander verbundener Charaktere“.

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Es gibt autobiographische Bezüge darin: Waugh konvertierte 1930 zum Katholizismus und bekehrte auch einen Freund dazu. In den Zwanziger Jahren hatte er in Oxford am Hertford College studiert, gern getrunken und sich mit Studenten der reicheren Oxford-Colleges herumgetrieben. Angeblich unterhielt er in jenen Jahren mindestens eine homosexuelle Beziehung. Seine Kollegen in Oxford waren Männer wie Graham Greene, Anthony Powell und John Betjeman - all das wird in „Wiedersehen mit Brideshead“ eingearbeitet.

Waughs Buch erschien in einer Zeit der literarischen Blüte Englands. Parallel entstanden Werke wie Orwells „Animal Farm“ („Farm der Tiere“, 1945), Dylan Thomas' Gedichtband „Deaths and Entrances“ (1946) oder Betjemans „New Bats in Old Belfries“ (1945). Wie diese gilt „Brideshead Revisited“ (“Wiedersehen mit Brideshead”, 1944) als Klassiker der Literatur des 20. Jahrhunderts, er ist der berühmteste von Waughs dreizehn Romanen und steht natürlich in der Top-100-Liste des Time Magazine.

Produktion: Der Film

Als die Firma Ecosse Films Evelyn Waughs Roman für ein Drehbuch adaptieren wollte, stellte man dort überrascht fest, das es von „Wiedersehen mit Brideshead“ bisher zwar eine Fernsehserie, aber keinen Spielfilm gab. „Wir fanden ‘Brideshead' auf einer Liste von Büchern, die noch nie fürs Kino verfilmt worden waren, und staunten“, so Robert Bernstein, ein Produzent von Ecosse Films. „Wir haben uns sofort die Rechte besorgt.“

Waugh selbst hatte in den fünfziger Jahren MGM eine Option auf den Stoff gegeben, war aber mit dem Drehbuch, das in Hollywood entwickelt wurde, nicht einverstanden. „Ich glaube, es wurden zu viele religiöse Elemente herausgenommen. Außerdem war es damals nicht so einfach, zu zeigen, dass Julia eine Affäre hat“, kommentiert Produzent Kevin Loader diesen ersten Versuch einer Verfilmung. Seitdem hatte es diverse Anfragen bei Waughs Nachlassverwaltern gegeben, aber sie gaben die Filmrechte nie frei.

Ecosse Films heuerte den preisgekrönten Drehbuchautor Andrew Davies (STOLZ UND VORURTEIL) an, um eine erste Fassung des Buches zu entwickeln, bevor der Auftrag an Jeremy Brock (IN DEN FÄNGEN DER MACHT) weitergereicht wurde. „Jeder Autor trägt etwas anderes zu einem Buch bei. Es kam der Moment, an dem ich dachte, jetzt müsse Jeremy mit einsteigen und das Buch in ein anderes Stadium überführen. Ich kenne Jeremy, ich habe schon bei zwei anderen Filmen mit ihm gearbeitet (DIE LIEBE DER CHARLOTTE GRAY; IHRE MAJESTÄT MRS. BROWN)“, erklärt Robert Bernstein.

Jeremy Brock las Waughs Roman und war begeistert: „Das ist eins der besten Bücher in englischer Sprache. Die Herausforderung für einen Drehbuchautoren ist hier nicht nur, die Geschichte so zu komprimieren, dass sie in den limitierten Zeitrahmen eines Films passt, sondern vielmehr, ein filmisches Äquivalent für die poetische Prosa zu finden, aus der der Roman besteht. Waughs Stil gibt dem Buch eine eigene Persönlichkeit, die auch im Film sichtbar werden sollte.“

Die immense Weitläufigkeit der Geschichte gefiel Jeremy Brock zwar, aber für einen Film war es doch notwendig, eine klare Linie zu verfolgen: „Es ist eine Liebesgeschichte, eine komplexe, subtile, erwachsene Liebesgeschichte über das Streben nach Schönheit, über Glaube, Leidenschaft und Schuld. Die Essenz ist die Liebe zwischen dem Außenseiter Charles und zwei exzentrischen, gequälten, wunderbaren jungen Leuten, Julia und Sebastian. Das gibt dem Stoff seine Originalität, die Frage ist nur, wie man den Rest der Erzählung um diese Liebe herum spinnen kann.“

Jeremy fand in der Liebesgeschichte eine große Aktualität: “Die Dreiecksgeschichte zwischen Charles, Sebastian und Julia erzählt etwas über Herkunft, über gesellschaftliche Zugehörigkeit, was ich sehr zeitgemäß finde. Ein Außenseiter stößt zu einer Familie, die ganz anders ist als seine eigene – daraus lässt sich durchaus ein Film machen, der dem Buch gerecht wird, aber auch unserer Gegenwart. Man kann den Zuschauern zeigen, wie schwierig es ist, über die eigenen Wurzeln hinauszuwachsen, die Prägung unserer Kindheit zu überwinden.“

„Wiedersehen mit Brideshead“ wurde bisher nicht fürs Kino verfilmt, aber es entstand in den Achtziger Jahren eine sehr erfolgreiche Fernsehserie nach diesem Buch. Sie hatte elf Teile, wurde 1981 von Granada TV in England produziert und war dort extrem populär. Sie setzte neue Maßstäbe für Fernsehserien, und obwohl ihre Ausstrahlung bereits 25 Jahre zurück liegt, ist die Erinnerung daran noch frisch. Der Autor Jeremy Brock allerdings meint: „Als ich über das Drehbuch nachdachte, habe ich auch einen Blick in die Fernsehserie geworfen, mit dem Ergebnis, dass ich sie von da an links liegen ließ. Das Buch allein spricht genug aktuelle Themen an, obwohl es vor langer Zeit und in einer Welt von Aristokraten spielt. Aber man erfährt etwas über religiösen Fundamentalismus, über gesellschaftliche Zugehörigkeit, über Toleranz und Individualität. Das sind Dinge, die heute so aktuell sind wie damals, da muss ich mir keine Inspiration über die Serie holen.“

Diese Parallelen zur Gegenwart machten auch den Produzenten Kevin Loader neugierig. Er wurde 2006 von Ecosse zu dem Projekt geholt, als Jeremy Brock das Drehbuch gerade umgeschrieben hatte: „Brock hatte das Script verwandelt. Natürlich ist „Wiedersehen mit Brideshead“ ein wunderbarer Klassiker, aber wir haben, bewußt oder unbewußt, etwas daraus gemacht, das für unsere eigene Zeit gültig ist. Unsere Adaption konzentriert sich auf zwei Liebesgeschichten, auf Sebastians Liebe zu Charles, und auf Charles' Liebe zu Julia. Diese beiden Beziehungen greifen ineinander und kreisen umeinander, sie haben die zeitlose Intensität aller Liebesgeschichten. Natürlich zeigt dieses Buch auch, welche Macht Eltern über ihre Kinder haben, oder was eine religiöse Erziehung aus Kindern machen kann, es bietet uns einen Schnappschuß des katholischen englischen Adels zwischen den Weltkriegen. Am deutlichsten aber zeigt es doch die Beziehung eines Mannes zu zwei Geschwistern einer fremden Familie, in die er sich beide verliebt.“

Während der Entwicklung von WIEDERSEHEN MIT BRIDESHEAD produzierte die Firma Ecosse den Film GELIEBTE JANE (BECOMING JANE) mit Anne Hathaway und James McAvoy. Regie führte dabei Julian Jarrold, und Ecosse wollte ihn gern auch für BRIDESHEAD haben. „Robert Bernstein rief mich deshalb an, als ich noch beim Schnitt von GELIEBTE JANE war“, erinnert sich Julian, „und meine erste Reaktion war: Ist BRIDESHEAD nicht schon verfilmt? Es hat einen Moment gedauert, bis ich begriffen habe, dass ich das tatsächlich machen soll.“

Julian sah sich die TV-Serie absichtlich nicht an: „Ich dachte, dann endet es damit, dass ich sie kopiere oder extra etwas Gegenteiliges mache. Lieber wollte ich unvoreingenommen auf das Buch und das Drehbuch reagieren.“ Also las er wie Jeremy Brock den Roman und war entzückt. „Ich glaube, Waugh wollte eine sehr katholische Geschichte schreiben. Er zeigt eine Gruppe von Personen, die Gott finden, aber dabei macht er es sich nicht so einfach, wie das klingt. Die besten Teile des Buches sind die, in denen die Figuren gegensätzlich auf dieselbe Situation reagieren. Dabei sieht man sie recht ungeschminkt, vor allem Sebastian und Lady Marchmain.“

Als Roman ist „Wiedersehen mit Brideshead“ streng in drei Teile gegliedert. Jeder von ihnen behandelt eine bestimmte Phase in Charles Ryders Leben. Um das Drehbuch flüssig und dramatisch zu gestalten, war da etwas Rekonstruktion notwendig. „Im Buch schreibt Waugh über Sebastian, dann hört er auf und schreibt über Julia, es gibt dabei kaum Überschneidungen. Für einen Film ist jedoch die Gleichzeitigkeit interessanter,“ meint der Regisseur. Der Autor Jeremy Brock hat noch eine andere Abweichung vom Original hinzugefügt. Kevin Loader erklärt: „Wir haben uns ein paar Freiheiten erlaubt. Jeremy hat beispielsweise Julia in den Venedig-Teil der Geschichte eingefügt. Charles und Sebastian besuchen Lord Marchmain und seine Geliebte in Venedig, und Julia begleitet sie, das kommt im Buch nicht vor.“ „Für uns allerdings wurde es zum Angelpunkt der Geschichte,“ fügt Julian hinzu, „denn Julia kann sich, fern von Brideshead, endlich ein bisschen entspannen. Auf dem Karneval in Venedig sieht sie Menschen, die sich amüsieren, und das befreit sie sexuell und emotional. Charles geht es genauso. Das führt schließlich zum Kuss der beiden, der Charles Beziehung zu Sebastian zerstört, woran Sebastian beinahe zugrunde geht.“

Die Filmemacher setzten Waughs Nachlassverwalter darüber in Kenntnis, dass ihr Film sich, anders als die Fernsehserie, mehr auf die Beziehung zwischen Charles und Julia konzentrieren wolle. Es gab keine Einwände dagegen. Kevin Loader berichtet: „Sie lasen eine erste Fassung des Drehbuchs und waren zufrieden damit. Wichtig war ihnen, dass wir die religiöse Intention nicht völlig verwässern, und das haben wir nicht getan. Am Ende des Films muss Julia sich immer noch zwischen weltlichen und kirchlichen Werten entscheiden.“

Produktion: Die Besetzung

Für die Produzenten bestand einer der größten Reize von „Wiedersehen mit Brideshead“ darin, dass das Buch nicht nur ein literarisches Meisterwerk ist, sondern eines aus Großbritannien. Sie wollten unbedingt, dass ein britisches Produktionsteam den Film auf die Leinwand bringt. Er wurde hauptsächlich britisch finanziert, von BBC Films, 2 entertain, UK Council's Premiere and Development Funds, Screen Yorkshire und HanWay Films, nur der US-Indie Miramax Films beteiligte sich von amerikanischer Seite. Also wollten die Produzenten und Julian Jarrold möglichst auch Stab und Team aus England besetzen, damit WIDERSEHEN MIT BRIDESHEAD eine echte britische Produktion würde. „Wir glauben, es gibt hier genug junge Talente, um die Hauptrollen zu besetzen ohne dabei nach Amerika schielen zu müssen, und wir haben drei großartige Schauspieler gefunden.“ Soweit Kevin Loader, und Julian Jarrold ergänzt: „Ich bin wirklich stolz, dass wir eine britische Besetzung haben!“ Ein zusätzlicher Vorteil dabei ist natürlich, dass diese Schauspieler ein angestammtes Wissen um das englische Gesellschaftssystem haben. „Es ist für einen Briten so viel einfacher, eine solche Rolle einzunehmen, als für jemanden, der woanders aufwuchs. Briten können sich ohne Anstrengung in den Zusammenprall der Manieren einfühlen, in die Sitten der Zeit und die Feinheiten des gesellschaftlichen Systems.“

Die drei zentralen Charaktere – Charles, Sebastian und Julia – sind alle Anfang zwanzig, wenn man sie das erste Mal trifft. Charles und Sebastian studieren beide in Oxford. Die Filmemacher wollten Schauspieler, die in einem ähnlichen Alter sind, die entsprechend genug Jugend und Vitalität besitzen, um die Atmosphäre zwischen ihnen treffend wiederzugeben. Jeremy Brock glaubt: „Einer der Gründe, warum dieser Film beim Publikum ankommen wird, ist die Besetzung. Die drei Hauptfiguren sind brilliant ausgewählt. Sie sind jung, und die Süße ihrer Jugend und Leidenschaft springt auf den Zuschauer über. Man fühlt sich unweigerlich zu ihnen hin- und von ihnen mitgezogen.“

Zur Besetzung von Charles Ryder mit Matthew Goode sagt Julian Jarrold: „Die Rolle von Charles ist sehr schwierig, weil er der Beobachter in diesem Film ist. Er verbringt einen Großteil der Zeit damit, auf die Handlungen der anderen zu reagieren. Er ist von so außergewöhnlichen Menschen wie Sebastian, Lady Marchmain und Julia umgeben, also brauchten wir jemanden, der das Publikum trotzdem für sich einnimmt. Matthew Goode kann das. In der zweiten Hälfte erlebt man dann mit, wie er seine ehrgeizige Seite entdeckt. Aber ich denke, wenn einer von uns in so eine Welt käme, würde er sie auch nicht wieder aufgeben wollen, und so ähnlich geht es Charles.“

Auch Produzent Kevin Loader ist voll des Lobes: „Matthew ist leidenschaftlich, wenn Leidenschaft notwendig ist, spielerisch, wenn Leichtigkeit notwendig ist, und er ist mysteriös, wenn er undurchsichtig sein muss. Das ist nicht einfach. Wir haben sehr wenig Kommentarstimme in diesem Film, das heißt, dass Matthew all die Momente, in denen er nur Zuschauer ist, tatsächlich spielen muss. Er kann sich nicht auf einen Erzähler zurückziehen, der erklärt, was passiert. Er hatte eine wirklich schwierige Aufgabe, und ich kann mir niemanden vorstellen, der sie besser bewältigt hätte.“

Da Charles Ryder im Mittelpunkt der Handlung steht, musste Matthew Goode fast in jeder Szene des Films dabeisein. Das wäre an sich schon eine Herausforderung gewesen, aber Mattew Goode erzählt, dass er es noch viel schwieriger fand, seine anfängliche Abneigung gegen die Figur Charles Ryder zu überwinden: „Als ich das Script zum ersten Mal las, fand ich es ziemlich hart, Charles zu mögen. Er ist selbstsüchtig und schwach. Das kann man jedoch seinem Elternhaus zuschreiben, er wurde von seinem Vater nicht geliebt und hatte keine Mutter. Allmählich entwickelt man dann doch Verständnis für diesen Burschen, denn man sieht, dass er sehr kaputt ist. Er hat keine Ahnung, was Liebe ist, und man weiß, dass er am Ende für den Rest seines Lebens mit sich allein bleiben muss, also bringt man ihm schließlich Sympathie entgegen.“

Julian Jarrold kannte die Arbeiten von Ben Whishaw und war froh, ihn in der Rolle des Sebastian dabei zu haben: „Ich hatte Whishaw in DAS PARFÜM gesehen und wußte, was für ein toller Schauspieler er ist. Sebastian ist eine schwierige Rolle, denn man kann leicht die femininen Wesenszüge übertreiben und die Figur zu exzentrisch anlegen. Aber Ben ist ein exzellenter Schauspieler und hat eine sehr sanfte, betörende Art.“ Als Julian mit Matthew Goode und Ben Whishaw zum ersten Mal gemeinsam probte, wußte er sofort, dass diese beiden die richtige Kombination waren: „Man spürte, dass die Chemie stimmte, das hat mir die Entscheidung leicht gemacht.“

Produzent Kevin Loader war von beiden Schauspielern beeindruckt, besonders aber berührte ihn Ben Whishaws Darstellung von Sebastian: „Ben spielt ungeheuer intensiv, und seine Vorstellung von Sebastian ist vermutlich eine ganz andere, als es die Zuschauer erwarten. Man sieht Spuren von Tragik und von Demut in ihm, und das überwältigt jeden, der ihm zusieht.“

Ben selbst war glücklich über die Rolle: „Ich bin wirklich begeistert, dass ich bei diesem Film mitspiele. Es ist eine wunderbare Geschichte. Außerdem war ich aufgeregt beim Gedanken, mit so berühmten Schauspielern wie Emma Thompson oder Michael Gambon zusammenzuarbeiten.“

Die letzte der Hauptfiguren, die noch zu besetzen blieb, war Julia Flyte, Sebastians schöne wie rätselhafte ältere Schwester. Wieder waren die Filmemacher begeistert von den Fähigkeiten der britischen Schauspielerjugend und gaben die Rolle an Hayley Atwell. „Sie ist erstaunlich. Sie muss beide Enden dieser Julia spielen, die als junge Frau zuerst etwas launisch und unsicher ist. Dann aber, wenn sie älter wird, sieht man den Tribut, den der Kampf mit ihrer religiösen Herkunft von ihr fordert, ihre Zerrissenheit und ihre Schuldgefühle, das ist sehr schwer richtig hinzukriegen.“

Julian sieht in Hayley eine einzigartige Julia Flyte: „Ich habe sie in dem Fernsehspiel „The Line of Beauty“ gesehen und fand sie sehr talentiert, aber für die Julia war sie nicht die offensichtlichste Wahl. Im Buch hat Julia so einen zerbrechlichen Upper-Class-Look, und Hayley wirkt wie eine viel stärkere Persönlichkeit. Aber trotzdem offenbart sie einen inneren Konflikt. So denkt man anfangs, Julia sei viel freier, als sie tatsächlich ist, um später erst den wahren Konflikt ihrer Seele zu erkennen.“

Einer von Hayleys größten Fans ist Ben Whishaw: „Ich habe mich total in Hayley verliebt. Sie hat umwerfenden Stil und Anmut und außerdem hat sie Herz und Zartgefühl, was ich für eine seltene Gabe halte. Dazu kommt, dass sie sexy ist, als Person wie in ihrer Rolle als Julia. Ich glaube, Hayley und Matthew werden das Publikum wirklich bewegen.“

Hayley Atwell kannte das Buch „Brideshead Revisited“ und mochte Jeremy Brocks Drehbuch sofort: „Da ist für jeden etwas dabei. Es funktioniert auf vielen verschiedenen Ebenen und kann gleichzeitig nachdenklich und sexy wirken. Die Themen sind allgemeingültig, man findet sie in vielen Geschichten und zu vielen Zeiten – Krieg, Verlust, Religion – das gibt „Wiedersehen mit Brideshead“ eine zeitlose Qualität.

Als Hayley ihrer Familie und ihren Freunden von der Rolle erzählte, die sie bekommen sollte, war sie erstaunt, was für eine Fangemeinde die ehemalige Fernseherie noch besaß: „Als ich „Wiedersehen mit Brideshead“ sagte, kannten alle die Serie und erzählten von ihrem ungeheuren Erfolg. Ich fand, das stellte uns vor eine ganz andere Herausforderung – eine Adaption für heute zu machen, nachdem 20 Jahre vergangen sind. Das ist ungefähr so, wie Shakespeare zu inszenieren, der ja auch immer wieder gespielt wird, und trotzdem wird er jedes Mal anders aufgezogen, um einen neuen Ansatz für eine neue Generation zu finden.“

Nachdem sie die drei Hauptfiguren gefunden hatten, ergänzten Julian Jarrold und die Produzenten das junge Team mit bekannten Stars, darunter Emma Thompson als Lady Marchmain, Michael Gambon als Lord Marchmain und Greta Scacchi als Cara, Lord Marchmains italienische Geliebte.

Kevin Loader freute sich, dass Michael Gambon die Rolle übernehmen würde, die in der TV-Version bekanntlich von Lawrence Olivier gespielt wurde: „Michael Gambon bringt einerseits eine gewisse Schwere mit, andererseits diese unglaubliche Verschmitztheit. Gerade das ist so interessant – Lord Marchmain als strenger Vater der Familie, der auch ausgelassen sein kann.“

Ein weiterer Fan von Gambons Arbeit ist Matthew Goode: „Einer der Gründe, warum ich Schauspieler wurde, ist Michael Gambon. Ich sah ihn mit 17 in „Onkel Wanja“, da fand ich ihn ganz toll und wollte auch so etwas machen.“ Matthew wurde von seinem Idol nicht enttäuscht: „Er macht die schmutzigsten Witze und lacht am meisten, ich hatte großen Spaß mit ihm.“

Ein entscheidender Teil von BRIDESHEAD hängt an Lady Marchmain. Sie ist das religiöse Zentrum von Roman und Film, überzeugt römisch-katholisch, das verbindende Glied zwischen allen Figuren. Sie bestimmt den Werdegang ihrer Kinder, anfangs unbemerkt, wenn sie noch klein sind, später bewußt, wenn die Kinder erwachsen werden. Jeremy Brock sagt über Lady Marchmain: „Sie trägt die Bürde der Religion. Sie vertritt den katholischen Standpunkt in diesem Film, sie macht das sehr eloquent und damit fällt sie auf. Außerdem wird sie dadurch zwangsläufig zum Gegenspieler von Charles.“ Jeremy Brock zeigt durch Lady Marchmain den Einfluß, den der Glaube der Familie auf die Kinder hat, und der Charles Schwierigkeiten bereitet, denn Charles ist Atheist und versteht die Macht dieses Glaubens nicht. „Religion ist hier neben der Liebesgeschichte das wichtigste Thema. Der Film zeigt, wie die Religion in das Leben der Menschen hineinspielt, wie sie bestimmen kann, wer sie werden und wie Menschen sich dagegen wehren, oder vor ihr fliehen, oder sie anders definieren, nur um sich selbst zu finden.“

Emma Thompson als unbeugsame Matriarchin zu besetzen war atypisch, aber die Filmemacher schätzten ihre Interpretation der Lady Marchmain: „Emma ist ein großer Gewinn für den Film. Die Zuschauer sind es nicht gewöhnt, sie als eiserne Jungfrau zu sehen, ihre Markenzeichen sind Charme und Wärme. Aber das macht ihre Lady Marchmain so interessant, denn manchmal lässt sie kurz Charme und Wärme durchblicken, dadurch merkt man erst die manipulative Kraft der Figur.“

Julian Jarrold war überrascht, dass Emma Thompson sich für die Rolle interessierte: „Sie ist so jung, modern, liberal und amüsant, ich war gespannt, wie sie sich diese Rolle aneignen würde. Aber ihr ist eine fantastische Verwandlung gelungen.“

Emma Thompson selbst kannte das Buch, nicht aber die Fernsehserie. „Ich war zu der Zeit in Australien und habe sie verpasst. Jetzt habe ich sie mir absichtlich nicht angesehen, damit ich nicht abgelenkt werde. Denn ich gehe erst einmal vom Drehbuch aus, und das haben Davies und Brock wunderbar geschrieben. Ich finde Lady Marchmain ungewöhnlich und eigen – sie ist herrisch und beherrschend, ein Muster an Selbstkontrolle. Trotzdem kenne ich ihre Welt, ich wuchs schließlich in Großbritannien auf. Diese Welt ist ein Teil unseres Erbes, auch wenn man nicht selber hineingeboren wurde.“

Während ihrer Vorbereitung ließ sich Emma Thompson sogar vom Vatikan beraten, der eine entspanntere Haltung gegenüber dem Unglauben an den Tag legte, als zur Zeit von Evelyn Waugh: „Ich habe lang darüber nachgedacht, wie eine Frau wie Lady Marchmain wohl mit ihrem Gott kommunizierte, wie formell das war und ob er ein tröstlicher Gott für sie sein konnte. Aber die Kirche hat sich seit den Zwanziger Jahren ziemlich verändert – man kann dem Vatikan jetzt E-mails schicken.“

Julian Jarrold war über die gründliche Vorbereitung von Emma Thompson erstaunt: „Sie war sehr präsent am Set. Sie hat nur ungefähr fünf Szenen, aber in denen musste jedes Detail stimmen, im Erscheinungsbild wie in religiöser Hinsicht.“ Emma Thompson arbeitete dafür eng mit Kostüm- und Maskenbildnerin zusammen. Sie entwarfen eine Lady Marchmain, die Macht, Geheimnis und Veführung ausstrahlen, andererseits aber nicht zu stolz wirken sollte: „Wenn sie nur vornehm, kühl und grausam wäre, würde man sie schnell übergehen. Aber jemand, der trotzdem noch liebenswürdig ist, dem sieht man weiter zu“, kommentiert Emma Thompson diese Figur. Auch Lady Marchmains Kleidung war wichtig, mit der sie nicht nur auf Reichtum und Status verweist, sondern auch andere einschüchtert. „In manchen Jobs spielen solche Äußerlichkeiten durchaus eine Rolle. Durch diese Kleider, besonders durch Lady Marchmains Perücke und ihre Nägel, kann ich mich verwandeln. Denn diese Nägel sagen deutlich 'Das ist eine Frau, die noch nie einen Finger gerührt hat!'“

Produktion: Familie Marchmain

Nachdem die Familie Marchmain komplett besetzt war, weitete Emma Thompson ihre Rolle aus und lud ihre “Kinder” Sebastian, Julia, Bridey und Cordelia zu sich nach Hause zum Abendessen ein. Sie wollte ihnen die Möglichkeit geben, sich anzufreunden. Julian Jarrold war beeindruckt: „Sie hat die Jugendlichen unter ihre Fittiche genommen. Sie ging mit ihnen zum Essen oder in die Kirche, sie kümmerte sich um sie und gab ihnen Tipps.“

Hayley Atwell profitierte von diesen Treffen mit ihren Filmgeschwistern. „Wir konnten über die Dynamik innerhalb der Familie reden. Emma, Ben, Ed, Felicity und ich haben uns oft getroffen, sprachen über das Familienleben in jener Zeit, ob das heute noch so funktionieren würde, und was man sich in einer Familie gegenseitig antut. Das hat mir sehr geholfen und wir haben uns dabei gut angefreundet.“ Diese Freundschaft zwischen den Schauspielern, in die auch Matthew Goode als der “Eindringling” Charles Ryder aufgenommen wurde, ging nach Drehbeginn weiter. Ben Whishaw erzählt: „Wir haben viel Zeit miteinander verbracht, haben diskutiert und Ideen ausgetauscht und uns gegenseitig geholfen. Es war super und hat uns alle inspiriert.“

Die Freundschaft zwischen den Hauptfiguren wurde von der ganzen Produktion begrüßt. Dadurch konnte sich das komplizierte Dreiecksverhältnis von Charles, Sebastian und Julia organisch entwickeln. Emma Thompson findet das normal: „Mein Vater war Regisseur. Er hat immer gesagt, 90 Prozent der Arbeit sei das Casting. Als wir die Leseproben für BRIDESHEAD machten, dachte ich, Gott, wie recht er hatte! Matthew, Ben und Hayley sind erst Anfang Zwanzig, aber sie sind ideal für die Energie und die Konflikte dieser Rollen.“

Es war wichtig für die Darsteller, die Zeit und die religiösen Feinheiten des Buches genau zu kennen. Also wurde ein religiöser Berater eingestellt, und die Schauspieler trafen einen Priester genauso selbstverständlich wie einen Historiker, der ihnen den aristokratischen Lebensstil, Dialekt und Benehmen der Zwanziger Jahre erklärte.

Hayley Atwell und Ben Whishaw mussten verstehen, wie Kinder in einer strenggläubigen römisch-katholischen Adelsfamilie erzogen wurden, und wie eng die Familie Marchmain durch den Glauben verbunden war. Lady Marchmain brachte ihren Kindern den Katholizismus mit Sorgfalt und Pflichtbewußtsein nahe, das sah sie als ihre größte Mutterpflicht. Das und die Abwesenheit von Liebe hinterließen bei Julia und Sebastian Spuren, deutlicher als bei Bridey oder Cordelia. Hayley Atwell ging auf eine katholische Schule, sie kennt also die Atmosphäre, aber die Beziehung von Julia zur Religion, gerade im Kontext ihrer adligen Herkunft, war doch eine ganz andere: „Am Anfang des Films beschreibt Julia Sebastian und sich selbst als “Heiden”, denn sie rebelliert gegen ihre Erziehung in diesem großen Haus mit der herrischen katholischen Familie. Als sie Charles kennenlernt, öffnet er ihr die Augen für eine andere Welt. Letztlich versucht sie, herauszufinden, ob ihr Leben vorbestimmt ist oder ob sie die Freiheit hat, ihrem Herzen zu folgen. Sie muss sich entschließen, ob sie wissen will, wer sie wirklich ist und was ihre Wünsche sind, oder ob sie sich nach dem richtet, was Gott von ihr und für sie fordert. Gott gewinnt schließlich gegen Charles und die romantische Liebe, aber für Julia ist das doch etwas anderes, als lediglich einen Mann zu verlassen. Sie hat sich entschieden und sie ist glücklich. Für sie ist das kein trauriges Ende, sondern eine Offenbarung. Sie wählt den Glauben, das hat für viele Menschen eine große, wundersame Bedeutung.“

Sebastian ist seiner Schwester in vielen Dingen ähnlich. Die beiden stehen sich in der Familie Marchmain am nächsten, sie sind Komplizen, oft benehmen sie sich wie Zwillinge. Sebastians Probleme sind die Sexualität und der Glaube. Ben Whishaw sieht ihn als verlorene Seele: „Er liebt einen Mann, der nicht einmal Katholik ist! Der Konflikt heißt also: entweder Sex, oder der Glaube, in dem er großgezogen wurde. Wie ein Schatten liegt das über Sebastian, er ist in ständiger Gewissensnot, weil er einserseits diese Gefühle für Charles hat, andererseits die Mutter, die Familie, der Glaube ihn niederdrücken. Man könnte sogar den Katholizismus weglassen, Homosexualität allein wäre schon kompliziert genug für die damalige Zeit.“

Trotzdem treffen wir Sebastian anfangs ganz in seinem Element. Er hält Hof in Oxford, er lebt ein extravagantes, hedonistisches Leben, denn er ist jenseits der Reichweite seiner Mutter oder der Unterdrückung von Brideshead. „Man muss sich merken wie jung die Figuren sind, wenn man sie zuerst sieht“, sagt Ben Whishaw. „Das sind Teenager, die werden umgetrieben von Hormonen und heimlicher Sehnsucht. Für Sebastian ist es eine fast gefährliche Sache, Charles den Hof zu machen, in Oxford und jenem ersten Sommer in Brideshead. Es ist schön, wie die Beziehung wächst, aber man spürt immer eine verborgene Spannung darin.“

Charles Ryder hingegen ist der Außenseiter. Er kommt aus der Mittelschicht, er wagt sich hinein in die aristokratische Fremde, die Sebastian ihm zeigt. Aber Ben Whishaw gibt zu, dass diese Welt ihm eigentlich unbekannt ist: „Niemand in meiner Umgebung gehört zu diesem Teil der Gesellschaft. Ich kenne keine Adligen. Den Adel zu spielen war eine verlockende Aufgabe. Lord Sebastian Flyte besitzt diese aristokratische Sicherheit, die Gewissheit, dass ihm alles einfach zusteht. Wenn man dieses Gefühl einmal hat, sieht man die Welt mit anderen Augen. Es ist nicht schwer, sich das vorzustellen. Nach allem, was ich über Evelyn Waugh gelesen habe, war er fasziniert von der Aristokratie, geradezu verliebt in sie. Man merkt, dass eine Menge Waugh in Charles Ryder steckt. Charles sehnt sich danach, zu einer anderen Welt zu gehören, zu einer Welt, die das Gewicht der Geschichte hinter sich spürt. Sebastian wiederum beneidet Charles aus genau dem entgegengesetzten Grund – für ihn kommt Charles aus einer Welt, in der man nicht vorbelastet ist.“

Während des Films wechselt Charles' Zuneigung von Sebastian zu Julia. Sebastian fühlt sich von seinem Freund verraten, was seinen Niedergang beschleunigt. Ben sieht die Ursachen dafür jedoch bereits in Oxford: „Sebastian trinkt dort schon ziemlich viel, oft bis zur Bewußtlosigkeit. Er versucht ständig zu flüchten. Wenn man ihn einige Jahre später in Marokko wiedersieht, hat er seine Familie verlassen und seine Gesundheit ruiniert, aber er hat eine Art Frieden gefunden. Vielleicht sucht er sogar einen Weg zurück zu Gott.“ Lady Marchmain schickt Charles, um Sebastian nach Hause zu holen, aber Sebastian hat sich längst entschieden. Es ist sein letztes Treffen mit Charles, ein schmerzlicher Moment, denn Sebastian ist schwach, er liegt im Krankenhaus. Ben Whishaw schlug vor, sich für diese Szene die Haare zu rasieren, um die Verletzlichkeit Sebastians zu betonen. „Der Mann ist Alkoholiker. Er ist im Krankenhaus, er hat Wasser in der Lunge. Es ist der Abschied zwischen Charles und Sebastian. Ich fand die Szene schwer zu spielen, weil man auf so viele Dinge achten muss - Sebastian ist auf Entzug, er kriegt keine Luft, er dämmert vor sich hin, und dann trifft er plötzlich Charles zum ersten Mal nach zwei langen Jahren …“

Im Gegensatz zu Sebastian und Julia kommt Charles aus einer Familie, in der man vom Katholizismus genauso wenig weiß wie von Reichtum oder Adel. Matthew Goode musste nicht in die British Library gehen um sich vorzubereiten: „Charles hat von vielen Dingen überhaupt keine Ahnung – trotzdem habe ich ein paar interessante Bücher über Atheismus gelesen. Aber Julia und Sebastian haben doch manches mit ihm gemeinsam. Sie alle hatten eine Kindheit ohne Liebe. Der Film ist genauso über Eltern, die das Leben ihrer Kinder zerstören, wie über die Religion, die das Leben dieser Kinder zerstört. Charles hatte weder Vater- noch Mutterliebe, als er heranwuchs, er blieb sich meist selbst überlassen. Das hat ihn von Kindheit an psychisch geschädigt. Auf der Universität trifft er dann diesen extravaganten Typen, Sebastian, der ihn überwältigt. Im Laufe ihrer Beziehung erlebt er zum ersten Mal großes Glück und wirkliche Liebe.“

Matthew Goode bestätigt die Vielschichtigkeit der Geschichte. Durch seine Augen sieht der Zuschauer, wie das Drama sich entwickelt: „Sobald Charles die Familie Marchmain trifft, passieren viele Dinge gleichzeitig. Charles bekommt einen Begriff vom katholischen Glauben, die neue Umgebung weckt seinen Ehrgeiz, er will lieben und die Liebe verstehen. Er wird in eine Welt geworfen, von der er bisher nichts wußte, aber sobald er sie einmal erlebt hat, diese aufregende Welt, die etwas zu groß für ihn ist, begehrt er sie. Den ganzen Film über bemüht sich Charles um etwas, das für ihn nicht erreichbar ist. Er denkt, dass all die Sachen die er sieht und die er besitzen will, sein Leben verbessern müssten. Aber am glücklichsten war er während des ersten, ganz arglosen Sommers in Brideshead.“

Produktion: Brideshead

Brideshead ist das Heim der Familie Marchmain. Es ist ein wesentliches Element des Films – es hat eine eigene Präsenz, die Charles Ryder fast genauso beeindruckt wie die charismatischen Menschen, die darin wohnen. Da ein großer Teil der Geschichte in Brideshead spielt, war es wichtig, ein entsprechend dramatisches, schönes und zweckdienliches Anwesen zu finden. „Brideshead ist wie eine Figur des Buches“, sagt Kevin Loader. „Es muss sofort auffallen, und es muss sowohl eine finstere Seite haben, wie auch diese sonnige Schönheit, die Charles Ryder darin sieht. Anfangs muss es verlockend sein, am Ende hingegen unheimlich, düster und bedrückend. Wir haben wirklich überall gesucht, aber das, was im Roman beschrieben ist, gibt es nicht mehr.“

Die Produktion sah sich Landhäuser in ganz England an. Nur eines davon entsprach den verschiedenen Anforderungen: es war von zeitgenössischer Architektur, für die katholische Atmosphäre sorgte eine Kapelle und religiöse Bebilderung, und es besaß den 'Wow-Faktor', der jeden erwischt, der nicht in so einem Haus zur Welt kam. Das war Schloss Howard in Yorkshire. „Wir waren uns klar darüber, dass es dasselbe Haus war, in dem die Fernsehserie „Wiedersehen mit Brideshead“ gedreht worden war,“ sagt Kevin Loader. „Mittlerweile glauben manche Leute schon, Schloss Howard sei tatsächlich Brideshead. Es ist ein unglaublicher Ort, man kann sich seiner Wirkung nicht entziehen. Am Ende war er so gut, dass wir einfach nichts anderes tun konnten, als auch dort zu drehen.“

Unter den vielen Möglichkeiten, die Schloss Howard bietet, sind eine dramatische Eingangshalle (the Great Hall), die 20 Meter hoch ist, sowie wunderschöne Gärten mit einem zentralen Springbrunnen. „Das war einer der Gründe, warum wir dort drehten,“ erzählt Kevin Loader weiter. „Viele Szenen des Buches spielen rund um diesen riesigen Springbrunnen, und der in Schloss Howard wirkt, als wäre er der aus dem Buch. Er hat ein wunderbares Atlas-Motiv, er liegt im perfekten Winkel zum Haus, er ist ein echtes Monster von einem Springbrunnen!“

Dieser Springbrunnen stand auf der ersten Weltausstellung 1850, bevor er nach Schloss Howard verpflanzt wurde. Dort kamen vier steinerne Meeresgötter dazu, die das Wasser auf die Atlasfigur in der Mitte speien. Zur Vielseitigkeit des Drehorts meint Julian Jarrold: „Der Springbrunnen war schon ein Schlüsselelement, aber die Great Hall wirkt natürlich auch sehr theatralisch, was gut zu Lord Marchmain passt. Die Kapelle ist prunkvoll, es gibt ein hübsches Sommerhaus, in dem Charles, Julia und Sebastian an einem Sommerabend Drinks nehmen, und endlose hallende Korridore. Es passte wirklich alles.“

Schloss Howard gehört der Familie Howard und ist eine der größten Touristenattraktionen Englands. Es gab Bedenken, dass sechswöchige Dreharbeiten im Frühsommer 2007 mit den Touristen kollidieren könnten. Die Lösung war, so Julian Jarrold: „Wir drehten in einem Flügel des Hauses, während die Touristen in einen anderen geschleust wurden. Ich dachte es würde stören, aber es ging doch sehr gut.“

„Wir waren eine ziemlich aufdringliche Bande. Team, Schauspieler, die Kostümbildner, die Ausstatter, wir alle wollten für sechs Wochen in Schloss Howard wohnen, und unsere Designer sogar noch länger,“ erzählt Kevin Loader. „Es war eine Erleichterung, dass wir mit den Besitzern im selben Haus lebten, sie hatten die Autorität, uns zu sagen was wir benutzen konnten und was nicht. Aber Simon Howard war sehr hilfreich, es gab keinerlei Verbote, und wir durften all die Schätze nutzen, mit denen das Haus vollgestopft ist.“

Schloss Howard gehört der Familie Howard seit es erbaut wurde. Der Bau dauerte etwa hundert Jahre, anschließend kamen immer neue Teilstücke dazu. Simon Howard, der mit seiner Familie im Ostflügel lebt, erzählt von der Geschichte des Hauses: „Das Gebäude, das jetzt hier steht, ersetzte ursprünglich einen vierseitigen Burgfried. Der 3. Earl of Carlisle entwarf es zusammen mit Sir John Vanbrugh und Nicholas Hawksmoor. Sie begannen 1699 mit dem Bau und hatten 1714 zwei Drittel fertig. Dann beschloss der 3. Earl, dass er erst ein paar andere Sachen auf dem Grundstück bauen wolle. Er wollte mehr Gärten und Statuen, so dass der Westflügel erst 1750 fertiggestellt wurde, lang nach seinem Tod. Was man heute hier sieht ist eine Mischung aus barocker und palladischer Architektur, was ein bisschen unpassend ist, aber man gewöhnt sich daran.“

Simon Howard erinnerte sich an die Dreharbeiten zur Fernsehserie „Wiedersehen mit Brideshead“ in Schloss Howard, und an den Gewinn, den ihm das brachte, da das Interesse der Öffentlichkeit dadurch stieg. Trotzdem war er nicht sicher, ob er noch einmal Dreharbeiten im Schloss seiner Vorfahren zulassen sollte. Was ihn schließlich umstimmte, war der Gedanke, dass es dann noch ein Haus gegeben hätte, das sich 'Brideshead' nennen darf. Simon fügt hinzu: „Ich war vom ersten Tag an in die Produktion eingebunden, und dann auf einer täglichen Basis in die Entscheidungen, welche Möbel oder Gemälde verrückt oder entfernt werden können, was erlaubt ist und was nicht. Ich bin schließlich für das Schloss verantwortlich. Die ganze Produktion verlief jedoch viel glatter, als ich gedacht hatte. Im Gegenteil, das muss man dem Filmteam und meinem Personal lassen – ich habe es tatsächlich genossen. Es hat mir Spaß gemacht.“

Während des Drehs bemühte sich Simon Howard, die Langeweile in den Wartezeiten zu mindern: „Viele der Schauspieler, einige aus dem Team und auch meine Frau sind begeistert von Wimbledon. Wir luden alle ein, zwischen den Takes fernzusehen. Wir schlenderten häufig in unser Zeichenzimmer und fanden immer andere Zuschauer, die Tennis guckten.“

Die Filmemacher benutzten hauptsächlich sechs Räume in Schloss Howard. Dabei war ein Teil des Hauses, der High South heißt. High South ist das Obergeschoß des Südtraktes, das ausgebrannt ist, seit ein Feuer im November 1940 diesen Teil des Hauses zerstörte. Für Simon Howard war der Dreh in High South ein Grund zur Freude: „Die Filmemacher haben Räumlichkeiten benutzt, die vom Feuer zerstört waren und haben eines der Zimmer wieder hergestellt – jetzt können wir den Touristen ein Zimmer mehr zeigen.“ Der Raum, der renoviert wurde, hat einen Blick über den Springbrunnen und liegt neben dem Balkon im Stockwerk über der Great Hall. Im Film wird er als Speisesaal benutzt, später als jener Raum, den Lord Marchmain zu seinem Schlafzimmer macht, als er nach Brideshead zurückkehrt um zu sterben. Julian Jarrold lobt die Renovierung: „High South war ein schöner Design-Job, wir haben eine Menge religiöse Wandgemälde dafür anfertigen lassen, die unsere Figuren beim Essen umgeben.“

Die Dreharbeiten in einem so weitläufigen Haus brachten etliche technische Probleme mit sich, nicht zuletzt die Schwierigkeit, es auszuleuchten. Kevin Loader erinnert sich: „Die Great Hall auszuleuchten ist ungefähr so, als wolle man eine Kathedrale ausleuchten. Der Raum ist genauso groß und ähnlich unwegsam.“

Kameramann Jesse Hall und Regisseur Julian Jarrold wollten zwei Farbpaletten haben, um die zwei Teile des Films auch farblich voneinander abzusetzen: „Die ersten Besuche von Charles mit Sebastian und Julia im Jahr 1925 sollten hell und optimistisch sein, denn dabei verliebt sich Charles in Brideshead. Wir stellten ein warmes, romantisches Licht her, und auch das gleißende Sonnenlicht, in dem er Brideshead zum ersten Mal sieht. Später, als Charles 1935 mit Julia erneut nach Brideshead fährt, nahmen wir kühle Farben und das Licht war ganz anders, viel weicher und kälter.“

Es ging an den Schauspielern nicht unbemerkt vorüber, dass sie in einem der spektakulärsten Landhäuser Englands drehten. Die vergangenen Jahrhunderte, die in den abgetretenen Steinplatten von Schloss Howards Fluren ruhen, sorgten dafür, dass sie die Herkunft ihrer Figuren besser spürten: „Das Leben in Schloss Howard kann einem Schauspieler nur helfen. Man setzt einen Fuß in dieses Haus und stellt sich vor, dort zu wohnen, und schon verändert man sich,“ sagt Ben Whishaw. Hayley Atwell setzt nach: „Wenn man jeden Tag den ganzen Tag hier verbringt, dann gleicht man sich dem Raum und der Architektur bald an. Man geht anders, man sitzt anders, während man sich vorstellt, man sei hier aufgewachsen. Ich bin durch die Zimmer gegangen und habe gedacht 'Hier war mein Schlafzimmer, hier habe ich mit Sebastian gespielt, hier habe ich mit Charles geschlafen' – das macht es natürlich einfacher, diese Rolle auszufüllen.“

Produktion: Drehorte und britisches Wetter

WIDERSEHEN MIT BRIDESHEAD wurde fast komlett in Yorkshire, Oxford, London, Venedig und Marrakesch gedreht. Die Dreharbeiten dauerten elf Wochen und fanden im Sommer 2007 statt – einem der verregnetesten britischen Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Die sechswöchigen Dreharbeiten in Yorkshire wurden von schlimmsten Unwettern begleitet, Teile der Region waren überflutet oder abgeschnitten. Manchmal strandeten Team und Schauspieler in der Wildnis, wenn die Züge von London nach York aussetzten und sie sich ein anderes Transportmittel suchen mussten, um sich nach Norden zum Set durchzukämpfen. Glücklicherweise liegt Schloss Howard erhöht, also konnte man zwischen den Gewittern ungehindert drehen. Kevin Loader erinnert sich, dass ganz Süd-Yorkshire überflutet war: „Das Stadtzentrum von York stand unter Wasser, die Leute fuhren mit dem Kanu zum Pub. Aber wir hatten unglaubliches Glück, denn jedes Mal, wenn wir außen drehen mussten, schien die Sonne. Ich hoffe, wenn die Zuschauer den Film sehen, fällt niemandem auf, dass er im schlimmsten Sommer entstand, den Yorkshire seit langem erlebt hat.“

Oxford

Die Dreharbeiten wanderten von Yorkshire nach Oxford, um die ersten Begegnungen von Charles Ryder und Sebastian Flyte zu drehen, und das Aufblühen ihrer Freundschaft. Die Unwetter waren dem Team knapp auf den Fersen, aber glücklicherweise ließ sich das Hochwasser, das kurze Zeit später Oxford verwüstete, noch etwas Zeit. Zwei Wochen nach Ende des Drehs waren dort etliche Drehorte überflutet, darunter das Stück an der Themse, an dem Charles Sebastian zum ersten Mal sieht, zusammen mit dem ähnlich großspurigen Anthony Blanche.

„Oxford ist ein schöner Ort um zu arbeiten,“ kommentiert Kevin Loader, „aber er hat seine Hürden. Eine davon ist, dass überall Touristen sind. Wir mussten relativ schnell die ersten Erlebnisse von Charles drehen, in denen er von der Architektur und dem Betrieb in Oxford bezaubert wird. Der Unterschied zwischen Sebastian und Charles spiegelt sich auch im Unterschied ihrer beiden Colleges. Sebastian ist in Christchurch, einem der größten und reichsten Colleges in Oxford, während Charles in Lincoln College studiert, das viel kleiner und zurückhaltender aussieht. Dadurch konnten wir die sozialen Gegensätze bereits klären, man ahnt die verschiedene Herkunft der Figuren.“

Ben Whishaw fand vor allem die erste Begegnung der Figuren wichtig, die in Lincoln College stattfindet, in Charles' Zimmer: „Sebastian kotzt eines Abends durch Charles' Fenster, das ist so ein Liebe-auf-den-ersten-Blick-Moment. Sebastian weiß ganz genau, dass er eine Spur von Glamour und Geheimnis hinterlässt, damit angelt er sich Charles. Er sieht den gesellschaftlichen Unterschied zwischen Charles und sich, und er merkt, dass er Charles mit seinem Glanz fasziniert. Aber man sieht auch da schon, was für ein schwerer Trinker Sebastian ist. Man ahnt, dass er ein böses Ende nehmen wird.“

Evelyn Waugh war Student in Oxford, am Hertford College, und er hat einige seiner eigenen Erfahrungen in Charles Ryders Studentenleben eingebracht, möglicherweise auch in dessen Begeisterung für Lord Sebastian Flyte. Waugh stammte, ähnlich wie Ryder, aus dem Bürgertum, war extrem neugierig auf die Upper Class und fühlte sich zu ihr hingezogen.

Die Wurzeln von Oxford University liegen im 11. Jahrhundert. Es gibt dort 39 Colleges, in fünf davon wurde BRIDESHEAD gedreht. Christchurch ist das College, auf das Sebastian schon im Roman geht, es wurde auch im Film für die Außenansicht von Sebastians Zimmer benutzt. Christchurch gehört zu den gößten Colleges in Oxford. Das Zimmer von Charles, aber auch das Zimmer von Sebastian wurde in Lincoln College gedreht. Die schönen, mittelalterlichen Gebäude von Merton College, einem der ältesten Oxfords, hielten als Außenansicht von Charles' Zimmer her. Vor Magdalen College und vor Exeter College wurden dann einige der Außenszenen in Oxford gedreht.

In Lincoln College war noch nie gedreht worden und die Produzenten waren entzückt. Es gab eine Reihe von Zimmern, die groß genug waren, um dort mit einer Kamera zu manövrieren, sowie wunderschöne Innenhöfe mit makellosem Rasen. „Wir konnten dort alles mögliche drehen, das College war äußerst zuvorkommend. Nur der Gärtner hatte große Angst, als wir mit der Kamera und einem Haufen Leuten, die auch noch betrunkene Studenten spielten, durch seinen Rasen pflügten,“ erzählt Kevin Loader.

Radcliff Square wurde als Außenmotiv genutzt. Hier trifft Charles seinen Cousin Jasper und fährt mit Sebastian Fahrrad. Für die Totalen hier draußen brauchte man eine Menge Komparsen, die in Studentenklamotten der Zwanziger Jahre herumliefen oder Fahrrad fuhren. Viele davon waren echte Oxforder Studenten, die einen Auftritt bekamen, sobald sie einverstanden waren, dass man ihre Haare nach der damaligen Mode schnitt.

Venedig

Die Szenen in Venedig waren für die Produzenten und den Regisseur Julian Jarrold sehr wichtig. Venedig gilt als der emotionale Wendepunkt der Geschichte, weil sich hier Charles’ kurze Begeisterung für Sebastian zu einer lebenslangen Leidenschaft für Julia wandelt. „Venedig liefert so einen hübschen Kontrast zu der formellen Welt von Lady Marchmain und Brideshead, und es bietet Charles noch einen weiteren Blickwinkel, nach Oxford und Brideshead und seinem tristen Heim in Paddington. Außerdem ist Vendig immer ein exotisches Motiv, das den Figuren hilft, sich zu entwickeln. Vor allem die Beziehung zwischen Julia und Charles blüht auf,“ erklärt Julian Jarrold. „Diese Entwicklung ändert die Wege des Trios für immer. Charles Beziehung zur Familie Marchmain endet bald nach der Venedigreise, die Beziehung zu Sebastian und Julia wird nie mehr so wie früher. Das ist ein entscheidender Moment in der Geschichte, ein Angelpunkt, um den sich alles dreht.“

Venedig ist eine der schönsten und romantischsten Städte der Welt. Den Markusplatz, die Rialtobrücke und die allgegenwärtigen Gondeln erkennt man sofort. Trotzdem wollte der Filmemacher auch andere Seiten der Stadt zeigen, um ein Venedig der Zwanziger Jahre lebendig werden zu lassen: „Wenn man nach Venedig kommt fühlt man sich sofort als Tourist, was ganz in Ordnung ist, denn unsere Figuren sind ja Touristen. Aber wir wollten ein Venedig sehen, in das uns Lord Marchmain einführt, der dort wohnt und der deshalb nicht auf die offensichtlichsten Dinge eingeht. Wir entschieden uns ziemlich früh gegen Gondeln oder den Markusplatz. Trotzdem haben wir an etlichen atemberaubenden Plätzen gedreht, die in die Geschichte passten. Es gab genügend Auswahl.“

Die Produktion nutzte verschiedene Orte quer durch die Stadt, und fuhr auch nach Punta Sabbioni, Cavallino, wo der Strand als Double für den Lido einspringen musste. Das Kloster und die Kapellen von San Francesca Della Vigna standen für die Kapellen-Szene im Anschluss an den Kuss, wenn Charles versucht, seine spontanen Emotionen dem verstörten Sebastian zu erklären. Die größte Szene in Venedig war das religiöse Fest, das nachts im Campo Castelforte gedreht wurde. Hier brauchte man viele Komparsen, um ein klassisches venezianisches Straßenfest nachzustellen, bei dem sich Elemente aus Karneval, Straßentheater und religiösen Bildern vermischten. Diese Szene bietet ein paar vertraute Anblicke, aber es wurde nicht der übliche Karneval-Maskenball, den man jeden Februar in Venedig sehen kann.

In Venedig zu drehen ist kompliziert. Für jeden Transport braucht man ein Boot, egal ob Menschen oder Ausrüstung bewegt werden sollen. Außerdem ist die Stadt im Sommer überfüllt mit Touristen aus aller Welt. Bei so vielen Touristen kann man die Boote nur schwer koordinieren, immer sind Gondeln im Weg, die grundsätzlich Vorfahrt haben. Dann muss man warten, bis sie weg sind, bevor man anfangen kann, zu drehen, und dann sieht man im Hintergrund wieder irgendeine Brücke, die voller Touristen ist. Ein Historienfilm ist dort wirklich schwierig. Aber wenn es dann klappt, ist das Ergebnis fantastisch. Die Stadt ist schön und stimmungsvoll. Trotz des ständigen Bootsverkehrs und der gräßlichen Touristen ist der Ort geschichtsträchtig. Egal auf was man die Kamera richtet, man sieht überall Vergangenheit.

Ben Whishaw war zum ersten Mal in der mystischen Stadt: „Ich dachte, Venedig müsste mich sofort wegblasen, weil jeder immer erzählt, wie toll es dort ist. Und tatsächlich, es war genau so. Venedig ist noch schöner, als ich es mir vorstellen konnte. Ich saß mit einem Buch am Kanal, es war himmlisch. Alles ist so romantisch und hat gleichzeitig die Melancholie eines Ortes, der früher berühmt und mächtig war. In den Gassen hängt eine Stimmung von verblasstem Ruhm, die ich sehr anziehend finde. Ich fühlte mich privilegiert, dass ich dort arbeiten konnte und die Stadt nicht aus der Perspektive eines Touristen sehen musste.“

Produktion: Das Design und Aussehen

Masken- und Kostümbildner, Produktionsdesigner und Kameraabteilung arbeiteten eng mit dem Regisseur zusammen, um das Aussehen der Zwanziger, Dreißiger und Vierziger Jahre zu erzielen, in denen WIEDERSEHEN MIT BRIDESHEAD spielt. Gelegentlich gibt es ein Zwinkern Richtung Gegenwart, auch wechselt der Film deutlich den Tonfall, je nach den Veränderungen in der Beziehung von Charles Ryder zur Familie Marchmain. Der Kameramann Jess Hall meint dazu: „Ich fand, diese Geschichte könne man sehr modern erzählen, einen modernen Historienfilm machen, das wäre eine interessante Aufgabe. Jeder Teil von WIEDERSEHEN MIT BRIDESHEAD hat sein eigenes markantes Aussehen, das haben Julian und ich von Anfang an festgelegt. Schloss Howard ist zuerst hell und romantisch ausgeleuchtet, später kühler. Auch Oxford hat leicht unterschiedliche Looks, aber hier nahmen wir meistens warme Töne, denn in diesem Stadium des Films verliebt sich Charles in die Welt um sich herum. In Venedig blieben wir auch bei warmen Farben, viel Feuerwerk und Laternen, um die Szenen sanft schimmern zu lassen.“

Die Kostümbildnerin Eimer Ní Mhaoldomhnaigh hatte mit Julian Jarrold bereits bei GELIEBTE JANE (BECOMING JANE) zusammengearbeitet. Sie kannte die Fernsehserie „Wiedersehen mit Brideshead“, wollte den Film aber lieber neu erfinden: „Es war wichtig für uns, etwas Individuelles zu machen, also fing ich ganz von vorn an, untersuchte die Mode und die Stoffe jener Zeit.“ Eimer versuchte auch, die Charaktere und ihre Entwicklung im Stil und im Aussehen der Garderobe zu spiegeln: „Das Kostüm ist wichtig für einen Film, und für mich ist es wichtig, dass die Schauspieler sich in ihren Kostümen wohlfühlen.“ Ben Whishaw bestätigt, dass die Kostüme für manche Rollen eine Hilfe sind: „Ich bin immer wieder erstaunt, wie ein Kleidungsstück mein Auftreten verändern kann. Das hilft mir als Schauspieler. Die Anzüge halfen mir hier, weil ich sonst überhaupt nicht der Anzugtyp bin.“ „Ben ist ziemlich entspannt,“ stellte Eimer fest, „das ist ideal für die Rolle des Sebastian, denn der ist jemand, der sich in seiner Kleidung wohl fühlt.“

Für Hayleys große Roben musste Eimer die Momente abpassen, in denen sie im Rampenlicht steht: „Klar will man, dass eine Frau in einen Raum kommt und alle drehen sich nach ihr um. Aber bei Hayley musste man darauf achten, dass die Figur glaubhaft bleibt, bei ihr war es ein Balanceakt.“

Auch die Maskenbildnerin Roseann Samuels freute sich über einen Historienfilm, der noch dazu eine ziemlich glamouröse Zeit zeigt. Sie gab Hayley Atwell zwei deutlich unterschiedliche Frisuren, für die Zwanziger Jahre einen klassischen Louise Brooks Bob, dann kurzes, lockiges Haar für die Dreißiger.

Roseann arbeitete eng mit der Kostümabteilung zusammen: „Eimer macht tolle Kostüme, und sie spricht sich vorher mit mir ab. Bei Emma Thompson beispielsweise musste Eimer deren Haarfarbe wissen, um das Kostüm darauf abzustimmen. Wir dachten erst an etwas Natürliches, entschieden uns aber dann für Silber, was an dieser Frau bemerkenswert aussieht, weil sie noch jung ist und schon komplett grauhaarig. Sie sollte dadurch nicht älter wirken, nur auffälliger.“

Für Ben und Matthew suchte Roseann nach Frisuren, die sich etwas glichen, da Charles so fasziniert von Sebastian ist, dass er ihm nacheifert: „Charles' Haare sind anfangs etwas ordentlicher, dann wird er von Sebastian “infiziert” – sein Haar wird lockerer und länger. Sie lassen beide das Haar vorne herunterhängen und tragen es hinten und an den Seiten kurz, das ist der Stil der Zeit. In den Dreißigern trägt Charles sein Haar zurückgekämmt, viel eleganter, er wirkt jetzt mehr wie ein Mann, das wollten wir auch erreichen. Sebastian hingegen zeigt eine radikale Veränderung in seinem Haarschnitt, vor allem in seinen letzten Szenen, wenn er in Marokko mit rasiertem Kopf im Krankenhaus liegt. Wir lassen ihn ein bisschen knochig und hohlwangig erscheinen, schließlich hat der Alkohol seinen Tribut verlangt. Auch er ist am Ende eine ganz andere Person als der Junge, der er früher war.“

Hintergrund: Geschichte von Schloss Howard

Die Fertigstellung von Schloss Howard dauerte mehr als hundert Jahre und umfasste die Lebenszeit von drei Earls, diversen Architekten und vielen Arbeitern. Genauso wie das Haus dekoriert wurde, bestückte man auch das Grundstück mit Teichen, Wasserwegen, Tempeln, Denkmälern und einem großen Mausoleum. Ein blühender Landsitz entstand, der mehrere Dörfer und etliche Quadratkilometer Farmland mit einschloss.

Aber die eigentliche Geschichte von Schloss Howard ist die einer ständigen Veränderung. Der Landsitz war durchgehend bewohnt, bis heute, was auch dazu führte, dass an Haus und Gärten immer wieder umgebaut und verbessert wurde. Gründe genug, um Schloss Howard für Besucher ungewöhnlich sehenswert zu machen.

Das schlimmste Unglück in Schloss Howards Geschichte war der große Brand im Jahr 1940, der die Kuppel und fast zwanzig Zimmer zerstörte. Für die nächsten Jahre blieb ein großer Teil von Schloss Howard ohne Dach, die ehemals prächtigen Zimmer waren ausgebrannt und verwüstet. Das endete erst, als George Howard das Haus erbte, nachdem seine beiden Brüder im zweiten Weltkrieg umkamen. Er beschloss, in Schloss Howard zu leben, zog dorthin und machte sich mutig daran, das architektonische Meisterwerk zu rekonstruieren. Vermutlich verdankt man es nur seinem bemerkenswerten Einsatz, dass Schloss Howard bis heute von der Familie Howard bewohnt ist, und dass auch die Besucher wieder gern zur Besichtigung kommen. Es sind etwa 200 000 im Jahr.

1699 begann der Bau von Schloss Howard. Der 3. Earl of Carlisle bat zuerst William Talman, den tonangebenden Architekten jener Zeit, ihm ein Haus zu entwerfen. Aber dessen Vorschläge gefielen ihm nicht, also wandte sich der Earl im Sommer 1699 an einen Freund, den Dramatiker John Vanbrugh, der wie Carlisle Mitglied im Kit Cat Club war und bis dahin noch nie in seinem Leben irgendetwas gebaut hatte.

Wie Vanbrugh Carlisle überzeugen konnte, dass er die richtige Wahl sei, weiß niemand. Er besaß die Kühnheit des Amateurs, seine Erfahrungen vom Theater, den Willen, alles Unmögliche auszuprobieren und die Mitgliedschaft im Kit Cat Club – all das trug zur Freundschaft der beiden Männer bei und befeuerte ihr gemeinsames Unternehmen.

Zwischen 1699 und 1702 wurden verschiedene Prototypen für das Haus entworfen, bis man die richtige Variante fand. In allen Plänen gab es zwei ausladende Seitenflügel, die Idee einer Kuppel, die über dem Haus thront, entstand allerdings erst nach Baubeginn.

Vanbrugh hatte inzwischen Nicholas Hawksmoor engagiert, der ihm bei der praktischen Umsetzung helfen musste, und er hatte den Grundriss verwegen auf eine Nord/Süd Achse gelegt, was später noch maßgebliche Folgen haben sollte.

Das Haus wurde von Osten nach Westen gebaut und nahm innerhalb von zehn Jahren Form an. Der Ostflügel wurde zwischen 1701 und 1703 gebaut, die Ostseite zum Garten zwischen 1701 und 1706. Der Kern des Hauses mit der Kuppel entstand 1703 bis 1706, die Westseite zum Garten 1707 bis 1709.

Die riesige Kuppel war prachtvoll gemauert, es war die erste ihrer Art, die in England ein Privathaus krönte. Die Fassaden barsten vor in den Stein gemeißelten Verzierungen, darunter Kronen, Schriftzeichen, Wappen, ein Fries mit Seepferden und Erzengeln, oder ein Bild der Jagdgöttin Diana, das vom hugenottischen Bildschnitzer Nadauld gefertigt wurde. Statuen und Urnen füllten die Nischen auf der Nordseite, und die Pfeiler vor den beiden Fronten waren im Norden dorisch, im Süden korinthisch. Auf Kritik entgegnete Hawksmoor lapidar, dass sowieso niemand beide Seiten gleichzeitig sehen könne.

Carlisles Bauwerk war schnell zum Gesprächsstoff in der Gesellschaft geworden, und 1725 erschien ein Stich seines Hauses im dritten Band des Vitruvius Britannicus. Die Fassaden waren zu der Zeit vollendet, das Innere opulent eingerichtet. Das Bild enthüllte der Öffentlichkeit die Schönheit von Haus und Gärten, deren Bau Carlisle immerhin jährlich dreißig Prozent seines Einkommens gekostet hatte.

Trotzdem zeigte das Bild im Vitruvius ein Gebäude, das noch unfertig war, und auch nie planmäßig fertiggestellt werden sollte. Dem Haus fehlte der Westflügel, und das blieb noch für ein weiteres Vierteljahrhundert so. Einer der Gründe dafür war, dass Carlisle etwa ab 1715 sein Geld und sein Interesse vom Haus ab- und den Gärten zuwandte.

Vanbrugh war zwar an der Gestaltung der Parks beteiligt, drang aber trotzdem darauf, dass das Haus seinen symmetrischen Westflügel erhielte. Seine Bitten wurden ignoriert, das Haus blieb einseitig. 1724, zwei Jahre vor seinem Tod, bat Vanbrugh Carlisle noch einmal, er möge sich diesem unansehnlichen Teil des Hauses widmen, denn der sei ein ungeheurer Nachteil für die Schönheit des Hofs und der Nordseite. Trotzdem war das Haus, als Vanbrugh 1726 starb, noch immer unvollständig, und so blieb es bis zum Tod des 3. Earl im Jahr 1738. Die beiden ahnten nicht, dass Carlisles Schwiegersohn, Sir Thomas Robinson, das Haus fertigstellen würde, ohne dabei jedoch Rücksicht auf Vanbrughs exzentrisches Barock-Design zu nehmen. Er baute stattdessen einen nüchternen palladischen Flügel an die Westseite, der teilweise von William Kents Entwürfen für das House of Parliament inspiriert war.

Beim Tod des 4. Earl 1758 war der Flügel immer noch nicht ganz fertig, es fehlten ein Dach und ein Obergeschoß. Robinson prahlte, dass er für das Innere eine noch nie dagewesene Mischung aus Schönheit und Bequemlichkeit entwerfen wolle, hatte aber bis zu seinem Tod 1777 bloß das Dach und keine Inneneinrichtung bauen lassen. Die Vormunde des jungen 5. Earl gaben kein Geld frei für einen Innenausbau, obwohl dann bis zum Ende des Jahrhunderts ein paar Schlafzimmer fertiggestellt und benutzt wurden. Aber die Long Gallery und der große Speisesaal blieben unvollendet, bis sich von 1801 bis 1811 Charles Heathcote Tatham ihrer annahm.

Die unausgewogene äußere Erscheinung des Hauses rief unterschiedliche Reaktionen bei den Besuchern hervor, denen der Gegensatz der beiden Flügel selten gefiel. In seinen unveröffentlichten Erinnerungen schreibt der 5. Earl, wie schwierig die Familie es fand, zu verstehen, warum der Vater einen Flügel gebaut hatte, der nicht mit dem Rest des Hauses korrespondierte. Er erinnert sich, dass auch sein Vater unglücklich mit dem Ergebnis war. Andererseits scheint es nicht abwegig, dass Robinson, wäre es ihm möglich gewesen, Vanbrughs Haus zerstört und Schloss Howard von Westen nach Osten im palladischen Stil neu aufgebaut hätte.

Nachdem Tatham die Long Gallery eingerichtet hatte, war der Bau von Schloss Howard endlich abgeschlossen. Die nächsten Änderungen am Haus gab es erst 1870 bis 1875, als die Pavillions an den beiden Enden des Westflügels und auch die Kapelle erneuert wurden, in einem Versuch, die beiden Flügel harmonischer zu gestalten.

Trotzdem ist heute die endgültige Erscheinung des Hauses weit weg von der idealen Ansicht im Vitruvius Britannicus: Statt zweier identischer Flügel gibt es zwei, die nicht zusammenpassen, einen barocken und einen palladischen. Dadurch ist das Haus noch immer eine spektakulär asymmetrische Erscheinung.

Eine weitere, diesmal tragische Veränderung kam Mitte des 20. Jahrhunderts über Schloss Howard. Am Morgen des 9. November 1940 brach ein Feuer im Südost-Trakt aus und wütete bis in die Great Hall hinein. Die Kuppel und etwa zwanzig Zimmer wurden zerstört. Erst George Howard begann nach dem Krieg wieder mit den Aufbauarbeiten. 1960 bis 1962 ließ er die Kuppel neu mauern und dekorieren, 1980 entstand eine Bibliothek. 1981, in Verbindung mit den Fernsehdreharbeiten zur Granada-TV-Serie „Wiedersehen mit Brideshead“ wurde die Garden Hall wieder aufgebaut. Nach und nach richtete man die verbrannten Räume wieder her, 1994/95 wurde das Dach des Hauses neu gedeckt. Erhaltungs- und Renovierungsarbeiten werden ständig an Haus und Garten durchgeführt. Sie reichen von großen Projekten wie der Erneuerung von Mauerwerk, Dächern, Gärten und Teichen bis hin zu kleinen Aufmerksamkeiten gegenüber den Statuen, Bildern, Büchern und Stoffen, die das Innere des Hauses bestücken. All das ist ein Zeugnis für die Liebe der Familie Howard zu ihrem Schloss.

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