Fakten und Hintergründe zum Film "Wie zwischen Himmel und Erde"

Kino.de Redaktion |

Wie zwischen Himmel und Erde Poster

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Über die Produktion

Undercover-Drehs in Tibet und ein Spion im Teamhotel: Die Dreharbeiten zu „Wie zwischen Himmel und Erde“ verliefen ähnlich spektakulär wie die ungewöhnliche Geschichte.

Bereits vor rund zehn Jahren erzählte Maria Blumencron Jörg Bundschuh von ihrer Spielfilmidee über eine Frau aus dem Westen, die – zunächst entgegen ihrer Absicht – tiefe Einblicke in die tibetische Kultur erhält und sich an der Seite dieser Menschen bewähren muss. Eine erste Fassung, die in den USA und Tibet spielte, wurde allerdings nicht weiter entwickelt. Ein paar Jahre und viele Erfahrungen als Dokumentarfilmemacherin später, schickte Maria Blumencron Jörg Bundschuh ein neues Buch, das nur Tibet als Schauplatz hatte. „Diese Version hat mich sofort umgehauen und ich sah sofort ein starkes Projekt“, erinnert sich Bundschuh. Als Debütfilm erforderte WIE ZWISCHEN HIMMEL UND ERDE in der Folge jedoch einen Finanzierungsprozess, der einige Jahre in Anspruch nahm. Zur Seite stand Bundschuh sein Co-Produzent Markus Fischer von Snake Film Zürich. Mit dem Schweizer Produzenten verbindet ihn eine langjährige Zusammenarbeit, die vor rund 20 Jahren mit dem Spielfilm „Brandnacht“ mit Bruno Ganz und Barbara Auer entstand.

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2010 fanden schließlich die Dreharbeiten statt, unter anderem in Ladakh/Indien, am dortigen Tsomoriri See und am Jungfraujoch in der Schweiz. Insgesamt musste sich das internationale Team auf Höhen bis zu 4600 Meter begeben und dort Temperaturen bis zu -25 Grad Celsius aushalten. „Diese Höhe wirkt stark auf die Emotionen. Ich habe noch nie so viele erwachsene Männer in Tränen ausbrechen sehen“, berichtet Bundschuh und erzählt von Bedingungen, die die Strapazen der Flüchtlingsgruppe im Film widerspiegeln. Auch sie wurden von schicksalshaften Wendungen bestimmt, die kein Produktionsleiter kontrollieren kann. Drei Wochen vor dem geplanten Drehbeginn wurde Ladakh im August 2010 von verheerenden Überschwemmungen heimgesucht, die fast die gesamte Infrastruktur mit den wichtigsten Straßen und Brücken zerstörten. Zu diesem Zeitpunkt hatte Kick Film bereits 150 Teammitglieder unter Vertrag. „Ich bin sofort in die Hauptstadt Leh gereist und habe mit dem Gouverneur gesprochen“, erzählt Jörg Bundschuh. „Er versicherte mir, dass wir in drei Wochen mit dem Dreh starten können. Seine Worte waren: Wenn wir euch jemals gebraucht haben, dann jetzt. Unsere Leute warten auf positive Signale.“ Da es sich bei den Drehorten um abgesperrte Gebiete handelte und das indische Militär Interesse an möglichst schneller Wiederherstellung hatte, verliefen die Reparaturen schnell. Die Aufnahmen konnten beginnen.

Dank eines lokal gut vernetzten Line Producers erhielt das Team Zugang zu Orten wie Klöstern, in denen noch nie zuvor Filmaufnahmen gemacht wurden. „Ein echtes Privileg, wenn man bedenkt, dass in Ladakh bereits Inder als Ausländer gelten“, erklärt Jörg Bundschuh. Schwieriger wurde es, wenn es um das echte Tibet ging. Weil Maria Blumencron davon ausging, dass ihr aufgrund ihres Engagements für die Flüchtlinge eine erneute Einreise nicht gewährt werden würde, reiste Produzent Bundschuh mit einem Kameramann und Geräten, die wie eine Fotoausrüstung aussahen, nach Lhasa. Dort entstanden Undercover-Aufnahmen der Hauptstadt, die auch im Film zu sehen sind. „Das war sehr spannend. Zwischen uns und unseren lokalen Begleitern herrschte dabei unausgesprochenes Einverständnis“, berichtet Bundschuh. Nebenbei konnten bei dieser Gelegenheit für den Kostümfundus mehrere Koffer mit original chinesischen Uniformen erworben werden. Über deren genaue Herkunft bewahrt der Produzent allerdings Stillschweigen…

Mit Druck von chinesischer Seite hatte das Team zu keiner Zeit zu tun. Bundschuh wertet dies als hoffnungsvolles Zeichen, dass es nach dem Rücktritt des Dalai Lama als politisches Oberhaupt Tibets Chancen für neue Wege gebe. Auch als man über verschlungene Wege in China weitere Uniformen bestellte, die Kostüme jedoch unerklärlicherweise in Hongkong zurück gehalten wurden und sich daraufhin im Teamhotel in Leh ein offensichtlicher Spion einstellte, bekam die Produktion keine Probleme. „Letztendlich waren wir mit unserem Film zu harmlos, schließlich ist es eher eine Liebesgeschichte als ein politischer Film“, vermutet Bundschuh. „Uns ging es immer darum, nicht schwarzweiß zu malen. Tibet und China sind faszinierende Kulturen, und keine Seite hat die Wahrheit für sich gepachtet. Trotzdem hat unsere Geschichte natürlich einen bestimmten politischen Hintergrund und eine humanistische Fragestellung.“ Daher war es beispielsweise beim Casting schwierig, chinesische Darsteller für die entsprechenden Rollen zu finden, ohne dass sie in Schwierigkeiten geraten würden.

Nach Schauspielern suchte die Produktion in Deutschland, der Schweiz, Los Angeles, Großbritannien, Singapur und Indien. Cast und Team umfassten schließlich Angehörige von zehn Nationen. Die Stimmung am Set bezeichnet Bundschuh als „offen und respektvoll“. Gedreht wurde in drei Ländern unter teilweise extremen Bedingungen. Da in Ladakh durch wenig Niederschläge im Landesinneren keine Schneeaufnahmen möglich waren, keine Hubschrauber fliegen konnten und es keine Skilifte zum Transport gab, wich das Team in die Schweiz aus, wo eine Seilbahn voller „chinesischer Soldaten“ bei den Skitouristen aus China durchaus für einiges Erstaunen sorgten. Ein weiterer Grund für die Co-Produktion mit der Schweiz war das Casting der tibetischen Charaktere im Film: Die Schweiz besitzt durch lange Verbundenheit mit Tibet und entsprechende Ausnahmegesetze mit Tausenden von Mitgliedern die größte tibetische Exilgemeinde in Europa. „Vielleicht liegt es an unseren hohen Bergen: Die Solidarität zwischen den beiden Völkern war immer sehr ausgeprägt, und die Tibeter leben hier völlig integriert“, beschreibt Co-Produzent Markus Fischer das Verhältnis.

So fanden sich unter anderem Pema Shitsetang (Meto), eine Schweizerin mit tibetischen Eltern, die in der Schweiz geboren ist und dort studiert hat, Yangzom Brauen (Dolma), die einen Schweizer Vater und eine tibetische Mutter hat, sowie Sangay Jäger. Der Darsteller des Tempa ist der Sohn der Nachbarn von Bundschuhs Co-Produzenten Markus Fischer im Tessin. Sein Vater ist Schweizer, die Mutter stammt aus Bhutan. Ihn und die anderen Kinderdarsteller in WIE ZWISCHEN HIMMEL UND ERDE, die besonders mit der Höhe und der Kälte zu kämpfen hatten, empfindet Bundschuh als „großes Geschenk“.

Eine besondere Stellung in diesem Gefüge hatte natürlich Hauptdarstellerin Hannah Herzsprung. „Vor ihr kann ich nur den Hut ziehen. Auch nach einer eisigen Gebirgsnacht im Zelt war sie am nächsten Tag völlig fokussiert und wusste immer, was sie wollte – nämlich der Person, die sie spielt, Glaubwürdigkeit und Integrität verleihen“, so Bundschuh. Gemeinsam mit Maria Blumencron wurde viel über die Rolle der Johanna diskutiert.

Durch die Zusammenarbeit zweier so unterschiedlicher Naturelle wie Regisseurin Blumencron, die Bundschuh als „intuitiv, temperamentvoll und emotional arbeitend“ beschreibt, und die bedächtige, in sich ruhende Hannah Herzsprung, entwickelte sich eine Hauptfigur mit ganz eigener Kraft und Farbe. So entstand mit WIE ZWISCHEN HIMMEL UND ERDE die große emotionale Geschichte einer Frau, die sich in einer fremden Kultur bewegt und auf ungeahnte Weise Zugang zu den Menschen erhält – in einer absolut unvergleichlichen, archaischen Landschaft. Auch sie mache den Film letztlich zu dem, was er ist, resümiert Bundschuh den Dreh: „Es war jeden Tag etwas Besonderes, überhaupt dort zu sein.“

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