Wickie und die starken Männer Poster

Fakten und Hintergründe zum Film "Wickie und die starken M?nner"

Kino.de Redaktion  

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Die Wikinger von A bis Z

Vom 8. bis zum 11. Jahrhundert hielten die Wikinger die Welt in Atem. Ihr Name stand für Raub, Mord und Plünderungen, aber auch für Mut, Tapferkeit und Kampfeswillen. Alles, was Sie über die Nordmänner wissen müssen, lesen Sie hier:

Asgard

Wohnort des Göttergeschlechts der Asen. Asgard wird als riesige Burg beschrieben. Sie besteht aus zwölf Palästen der Götter, zu denen auch der höchste Gott Odin zählt. Die Paläste sind aus Gold und Edelsteinen gebaut und von Mauern umgeben, die niemand bezwingen kann.

Berserker

Wilde und unverwundbare Krieger mit einer magischen Leidenschaft zum Kampf. Die erste Silbe ihres Namens steht vermutlich für „berr“ (nackt) und weist auf ihre nackten Oberkörper hin.

Christianisierung

Die Wikinger verehrten heidnische Götter, kamen durch Beutezüge und Handelsreisen aber verstärkt mit dem Christentum in Kontakt. Als päpstlich entsandte Missionare die Heiligtümer der alten Götter zerstörten und das Volk sah, dass Odin keine Rache nahm, traten die Wikinger endgültig zum christlichen Glauben über.

Drachenschiff

Ein bis zu 30 Meter langes wendiges Schiff, das seinen Namen dem aus Holz geschnitzten Drachenkopf an der Bugspitze verdankt. Bewegt wurde es mit bis zu 30 Rudern und einem einzigen, rechteckigen Segel aus doppelt gewebtem Leinen oder aus der Wolle von bis zu 200 Schafen. Damit sich das Segel bei Regen nicht mit Wasser vollsog, rieben es die Wikinger vor der Fahrt mit Pferdefett ein.

Feste

Wenn Wikinger feierten, floss reichlich Bier und Met, eine Art Honigwein. Sie erzählten sich Geschichten und Gedichte, gaben sich gegenseitig Rätsel auf und vergnügten sich bei Brett- und Würfelspielen. Im Freien fanden regelmäßig Wettkämpfe statt: Im Winter fuhren die Wikinger Schlittschuh oder Ski, im Frühling veranstalteten sie Wettschwimmen, im Sommer gab es Kugelstoßen, Schwert-kämpfe und Bogenschießen.

Frauen

Innerhalb des Hauses war die Frau ihrem Mann ebenbürtig. Sie führte Haus und Hof, wenn er außer Haus war. Schlug oder betrog ein Mann seine Frau, konnte sie die Scheidung einreichen.

Freyr

Der Gott des Friedens und der Fruchtbarkeit sollte an Land und auf See für reiche Ernte oder Beute sorgen. Dieser zentrale Gott besaß ein Faltboot, das in eine Tasche passte. Wenn er es entfaltete, bot es Platz für alle Götter.

Frigg

Die Gemahlin des höchsten Gottes Odin war die Schutzherrin der Ehe und der Mutterschaft.

Grönland

3500 Kilometer von seiner Heimat Island entfernt, entdeckte Erik der Rote im Jahr 982 eine eisige Insel. Wegen ihrer üppigen Vegetation an der Küste nannte er sie Grönland, Grünes Land. 986 begann die Besiedelung der Insel. Bis zu 3000 Wikinger lebten auf Grönland in zwei kleinen Dörfern.

Handel

Die Wikinger unterhielten ausgedehnte Handelsbeziehungen bis in den Orient, nach China und Amerika. Zunächst exportierten sie hauptsächlich Bernstein, später kamen Rentierhorn, Walrosselfenbein und Felle hinzu. Das wichtigste Handelsgut der Wikinger waren Sklaven, die sie während ihrer Beutezüge gefangen genommen hatten. Im Gegenzug importierten die Wikinger Luxusartikel wie Seide, Brokat, Weißwein, blaue Wollstoffe und Edelmetalle.

Häuser

Die Wikinger bauten ihre Langhäuser aus Holz. Die Dächer deckten sie mit Birkenrinde, die das Wasser abhielt, und Grassoden, durch die kaum Wärme entweichen konnte. In der Haupthalle des Hauses brannte offenes Feuer, das Licht und Wärme spendete und als Kochstelle diente. An den Seiten der Halle standen breite, erhöhte Bänke, auf denen die Familien saßen und schliefen. Kleinere Steinhäuser wurden nur dort gebaut, wo es keinen oder kaum Wald gab. Man fand sie vorwiegend in Grönland, Neufundland, Island und im Norden Norwegens.

Island

Um 850 ließ sich der Norweger Ingolf Arnason mit seiner Familie auf Island nieder. Obwohl nur ein Viertel der kleinen Insel für die Landwirtschaft nutzbar war, folgten viele Wikinger seinem Beispiel. Im Jahr 930 wurde Island ein selbständiger Staat mit 30000 Einwohnern, für die es zu wenig Ackerland gab. Eine Hungersnot im Jahr 970 führte dazu, dass viele Wikinger weitersegelten, um neues Land zu suchen.

Kleidung

Die meisten Männer trugen grobe Wollhosen und darüber ein Oberhemd, das bis zu den Knien reichte. Ein Gürtel, an dem Messer, Werkzeuge oder Waffen befestigt werden konnten, hielt die Kleidung zusammen. Die Frauen trugen lange Kleider aus Wolle, darüber ein Oberteil mit Schürze, das mit einer Brosche befestigt wurde. Mäntel, Kleider, Stiefel und Kopfbedeckungen waren zum Schutz gegen die Kälte mit Seehundfell und Bärenpelz benäht. Nur reiche Wikinger konnten sich Kleidung aus Leinen und Seide leisten.

Knorr

Für Handelszwecke setzten die Wikinger schwere, dickbauchige Schiffe namens Knorr ein. Sie wurden mit Rudern bewegt und waren deutlich langsamer und die schmalen, wendigen Langschiffe, die für lange Seefahrten und Plündertouren eingesetzt wurden.

Leif Eriksson

Der Sohn Erik des Roten kam um das Jahr 970 zur Welt und wurde zu einem der berühmtesten Entdecker unter den Wikingern. Um das Jahr 1000 segelte er mit 35 Männern Richtung Westen und erreichte das heutige Neufundland. So betrat Leif Eriksson als vermutlich erster Europäer nordamerikanischen Boden.

Mythologie

Die Wikinger glaubten an mehrere Götter. Sie waren starke und furchtlose Kämpfer, deren Zorn fürchterlich sein konnte. Sie schützten die Wikinger aber auch vor jedem Unheil, wenn sie durch Opfer milde gestimmt waren.

Name

Bis heute ist nicht zweifelsfrei geklärt, warum die Wikinger Wikinger heißen. Eine Theorie besagt, dass ihr Name auf das Wort „wig“ zurückgeht, das so viel wie „Handelsplatz“ oder „Handelshafen“ bedeutet. Eine andere Theorie sieht den Ursprung im altnordischen Begriff „vikingr“ für „Seeräuber“.

Nahrung

Auf ihrem kargen Ackerland pflanzten die Wikinger Kohl, Erbsen, Bohnen und Zwiebeln an. Knoblauch wuchs wild. Wenn kein Getreide zur Verfügung stand, machten die Wikinger ihr Brot aus Erbsenmehl. Salz gewannen sie aus abgekochtem Meerwasser. Butter und Käse stellten sie aus Kuh- und Ziegenmilch her. Das Fleisch kam vom Zuchtvieh oder von gejagten Rentieren und Schneehasen. Hinzu kam Fisch aus dem Meer und den Flüssen. Für den strengen Winter konservierten die Frauen Fleisch und Fisch entweder mit Salz und Gewürzen oder mit einer Pökelflüssigkeit aus Molke.

Odin

Der einäugige Odin war der Gott der Weisheit und der Kriegsführung. Zugleich herrschte er über alle anderen Götter. Er ritt das achtbeinige Totenpferd Sleipnir.

Plünderer

Überbevölkerung und Mangel an fruchtbarem Land trieben die Wikinger aus Europa bis in den Orient, nach Asien und nach Amerika. Bei ihren Beutezügen überfielen sie Klöster und brandschatzten in Dörfern, stahlen Vieh und Kostbarkeiten. Gefangene wurden oft versklavt.

Runen

Wikinger verwendeten ihre eigene Schrift. Die einzelnen Buchstaben, genannt Runen, waren einfache, geradlinige Zeichen, die mit scharfen Gegenständen in Holz, Knochen, Metall oder Stein geritzt wurden. Den Runen wurde auch magische heilende Wirkung nachgesagt.

Seefahrer

Die wichtigsten Verkehrswege der Wikinger führten übers Wasser. Das Meer bot die kürzeste und bequemste Verbindung zu vielen Teilen der damals bekannten Welt. Die Seefahrt war für die Wikinger von solch großer Bedeutung, dass sich einige von ihnen mit ihren Booten bestatten ließen, damit sie sicher ins Reich der Toten gelangen konnten. Auch Gräber, in denen Steine schiffsförmig angeordnet wurden, wurden entdeckt.

Thor

Der Herrscher über Donner, Wind und Stürme wurde vor allem von Kriegern, Seefahrern und Bauern verehrt. Mit seinen ungeheuren Körperkräften und einem großen Hammer konnte er die Riesen vernichten, deren Plan die Vernichtung der Erde war.

Thing

Die politische Grundeinheit der Gesellschaft war das Thing, eine Volks- und Gerichtsversammlung aller freien Männer. Hier wurde Streit geschlichtet, Recht gesprochen und über wichtige Belange der Gemeinschaft entschieden.

Trinkhörner

Die Wikinger tranken Bier, Met und Wein aus Tassen und Trinkhörnern. Weil sich die Hörner nicht auf dem Tisch abstellen ließen, mussten sie stets leergetrunken werden. Dazu ging das Trinkhorn von Mann zu Mann um den Tisch, bis es leer war, um dann meist schnell wieder aufgefüllt zu werden.

Waffen

Schwerter und Speere waren die wichtigsten Waffen der Wikinger. Skelettfunde zeigen, dass die Schwerthiebe dem Gegner enorm zusetzten. Die Klinge war meist 70 bis 80 Zentimeter lang. Die Griffe bestanden aus Holz oder Horn und waren oft kunstvoll verziert. Vermutlich importierten die Wikinger ihre Schwerter zuerst aus dem Frankenland und übernahmen von dort die Schmiedetechnik. Im Kampf setzten die Wikinger auch Speere mit bis zu 50 Zentimeter langen Klingen ein, außerdem Streitäxte, Kampfmesser, Pfeil und Bogen. Zum eigenen Schutz verwendeten sie Rundschilde aus Holz.

Walhalla

Einer der größten Säle in Odins Götterburg in Asgard ist Walhalla. Hier versammeln sich alle Krieger, die im Kampf gefallenen sind. Die Decke der Halle ist geschmückt mit ihren Schilden. Der Sage nach messen sich die Gefallenen tagsüber im Zweikampf, während sie sich abends bei Bier und Met vergnügen.

Zeichentrickhelden

Die ZDF-Serie WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER prägte ab 1974 nachhaltig das Bild vom Wikingerleben. Allerlei Fehler inklusive. So hatten die Wikinger zum Beispiel keine Hörner an den Helmen und gingen auch nicht mit dickbauchigen Booten auf Plündertour in fernen Ländern.

Wickie-Pedia: Buch – Hörspiel – Serie

Der schwedische Autor Runer Jonsson (1916 bis 2006) schrieb ab 1963 die Kinderbuchreihe „Vicke Viking“. Die Abenteuer eines kleinen und cleveren Wikinger-Jungen erschienen ab 1964 unter dem Titel „Wickie und die starken Männer“ auch in Deutschland. Sie wurden ein Jahr später mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet.

Im Oktober 1965 sendete der Westdeutsche Rundfunk das zweiteilige Hörspiel „Wickie und die starken Männer“. Die Rolle des Wickie sprach Marius Müller-Westernhagen. Regie führte Hermann Pfeiffer.

Wenige Jahre später wollte Josef Göhlen, Leiter des Kinder- und Jugendprogramms im ZDF, auf Grundlage der Buchreihe eine 13-teilige Puppentrickserie realisieren. Die Idee wurde aber zugunsten einer Zeichentrickserie verworfen. Um die Kosten gering zu halten, ging das ZDF zusammen mit dem österreichischen ORF seine erste internationale Kooperation mit einem japanischen Partner ein. Die Zuiyo Enterprise Company, aus der später die Nippon Animation hervorging, erhielt den Auftrag für eine Zeichentrickserie. An den Drehbüchern war auch Wickie-Erfinder Runer Jonsson beteiligt.

Das Studio produzierte von 1972 bis 1974 insgesamt 78 Folgen von jeweils 23 Minuten Länge. Verantwortlich für die deutsche Synchronisation war Eberhard Storeck, der auch die Figur des Wikingers Snorre sprach. Wickie wurde vom damals acht Jahre alten Münchner Florian Halm gesprochen, der bis heute dem Synchrongeschäft treugeblieben ist. Er ist unter anderem die deutsche Stimme von Hollywood-Schauspieler Jude Law, außerdem ist er in CSI: MIAMI als Eric „Delko“ Delektorsky zu hören.

Die Musik zur deutschen Fassung von WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER stammte von Karel Svoboda. Das Titellied „Hey, hey, Wickie! Hey, Wickie, hey!“ schrieben Christian Bruhn und Andrea Wagner. Gesungen wurde es von der Kölner Gruppe Stowaways, die später unter dem Namen Bläck Fööss bekannt wurde.

Das ZDF strahlte WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER ab dem 31. Januar 1974 immer donnerstags aus. Nach SPEED RACER war dies die zweite bis dato im deutschen Fernsehen gezeigte Anime-Serie. Mit WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER wurde eine Art europäisierter Mangastil geschaffen. In dieser Tradition entstanden später auch die deutsch-japanischen Koproduktionen BIENE MAJA, PINOCCHIO, TAO TAO und ALICE IM WUNDERLAND. Dagegen sind HEIDI und SINDBAD lediglich Lizenzeinkäufe ohne deutsche Beteiligung.

Der ORF strahlte WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER ab dem 17. Februar 1974 aus, der japanische Fernsehsender Fuji TV zeigte die Serie ab dem 3. April 1974. Als Lizenzeinkauf war die Serie unter anderem in Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, den Niederlanden und in Taiwan zu sehen.

Produktion: TV-Serie wird zum Kinofilm

Am Donnerstag, 31. Januar 1974, begann eine neue Ära: Im ZDF lief erstmals die neue Zeichentrickserie WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER. Der fünfjährige Michael Bully Herbig lag auf dem Flokati-Teppich, verfolgte im Fernsehen das erste Abenteuer des rotblonden Wikingerjungen Wickie und schaltete fortan jeden Donnerstag um 17.10 Uhr ein. Vorausgesetzt, seine Mutter holte ihn pünktlich vom Kindergarten ab.

„Ich habe Wickie bewundert“, sagt Michael Bully Herbig. „Er war eine Identifikationsfigur. Ich konnte nachvollziehen, dass er vor Wölfen wegläuft und vor dem schrecklichen Sven Schiss hat. Das einzige, was ich nicht hatte, waren diese Wahnsinnseinfälle. Ich glaube, eine ganze Generation hat ihn für seine Ideen bewundert.“

Dieser Generation gehört auch Produzent Christian Becker an: „Ich fand Wickie schon als Kind super. Diese Kombination aus harmlosen Bildern, spannenden Geschichten, verrückten Figuren. Und mittendrin ein kleiner Junge mit tollen Ideen.“

Fast 30 Jahre nach seiner ersten Begegnung mit Wickie brachte Christian Becker den Stein für eine Realverfilmung ins Rollen. „Eigentlich lag die Idee nahe, weil die Zeichentrickserie in über 60 Ländern gelaufen ist“, sagt der Produzent. „Als ich mich vor sechs Jahren um die Filmrechte bemühte, habe ich festgestellt, dass die Constantin Film AG ebenfalls an den Rechten interessiert war. Wir haben uns zusammengetan und den Stoff entwickelt.“

Im Jahr 2004 informierte er Michael Bully Herbig über das geplante Kinoprojekt. „Ich sah sofort ein Blitzen in seinen Augen“, erinnert sich Christian Becker. Auch Michael Bully Herbig hat diesen magischen Moment nicht vergessen: „Beim Stichwort „Wickie“ sind meine Ohren blitzartig hochgeschossen. Ich hatte sofort Bilder in meinem Kopf, die in diesen Film reingehören.“

Der Erfolgsregisseur, der mit seinen letzten 3 Filmen über 23 Millionen Zuschauer in die Kinos lockte, wertet WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER als „Steilvorlage für ein Genre, das ich immer schon mal machen wollte: Spaß, Abenteuer und Emotionen. Ich wollte auf keinen Fall einen „Weichei-Wickie“ drehen, sondern einen gestandenen spannenden Abenteuerfilm.“

Produktion: Die Vorbereitungen

Mit seinem Co-Autor Alfons Biedermann, mit dem Michael Bully Herbig auch schon die Kinofilme DER SCHUH DES MANITU, (T)RAUMSCHIFF SURPRISE – PERIODE 1, LISSI UND DER WILDE KAISER sowie alle Staffeln der Fernsehreihen BULLYPARADE und BULLY & RICK schrieb, begann Michael Bully Herbig schon bald die Arbeit am Drehbuch. Zur Vorbereitung las das Duo nicht die Originalromane des Schweden Runer Jonsson, sondern sah sich alle 78 Folgen der Zeichentrickserie auf DVD an.

„Ich bin der Meinung, dass die Leute seit über 30 Jahren WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER allein mit der Zeichentrickserie verbinden“, sagt Michael Bully Herbig. „Diese visuelle Erwartung wollte und musste ich bedienen. Es war meine

größte Sorge, dass ich die Wickie-Fans enttäuschen könnte. Deshalb habe ich mich ganz klar an der Zeichentrickserie orientiert.“

Produzent Christian Becker fügt hinzu: „Michael Bully Herbig und Alfons Biedermann haben die bekannten Figuren und Themen in eine glaubhafte Wikinger-Welt gesetzt und das Erzähltempo erhöht. Der Film ist frecher, moderner, jünger und vor allem realistischer.“

Das Autorenduo erfand für den Kinofilm eine Handlung, die weder in den Romanen noch in der Zeichentrickserie erzählt wurde: Wickie, Halvar und die starken Männer stechen in See, um die gestohlenen Kinder des Dorfes Flakes aus den Klauen vermeintlicher Dämonen zu befreien. Unverändert geblieben sind der besondere Charme der Zeichentrickserie und deren Grundaussage: Köpfchen siegt über Kraft!

Von der ersten Drehbuchidee an war klar, dass Wickie keine allzu günstige Leinwandreise würde antreten können. „WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER ist der teuerste deutschsprachige Family-Entertainment-Film, der bislang gedreht wurde“, sagt Christian Becker, dessen Rat Pack Filmproduktion den Film in Co-Produktion mit der Constantin Film AG und herbX film realisiert. „Wir lassen uns den Film eine Menge kosten“, pflichtet ihm auch Constantin-Vorstand Martin Moszkowicz bei. Das Budget liegt im zweistelligen Millionenbereich.

„Es war eine sehr große Hilfe, dass wir einerseits die Marke Wickie hatten und andererseits Michael Bully Herbig als Regisseur“, erklärt der federführende Produzent Christian Becker. Der FilmFernsehFonds Bayern hat als Hauptförderer sofort zugesagt. Es folgten der Bayerische Banken Fond, die FFA Filmförderungsanstalt, die NRW Bank und die Malta Film Commission.

Produktion: Das Casting – Wikinger gesucht!

Auf welche Charakterköpfe passen die Wikingerhelme? Diese Frage galt es bei bundesweiten Castings zu beantworten. Allein für die Titelrolle des kleinen Wikingerhelden Wickie bewarben sich 600 Jungen. Professionelle Kindercaster um die Casterin Daniela Tolkien trafen eine Vorauswahl, die sich Michael Bully Herbig auf DVD anschauen konnte. Mit den besten kleinen Schauspielern traf sich der Regisseur bis zu fünfmal.

Am Ende fiel die Wahl auf den damals neun Jahre alten Berliner Schüler Jonas Hämmerle. „Als Jonas den Castingraum betrat, war ich gerade abgelenkt und sah ihn nur aus dem Augenwinkel“, erinnert sich Michael Bully Herbig. „Dann sagte er etwas, und in dem Moment hat es mich echt gerissen. Ich mochte schon früher die Stimme vom Wickie aus der Zeichentrickserie wahnsinnig gern. Die war total sympathisch, die war flott, die hat zu diesem kleinen Charakter gepasst. Auch Jonas hat eine ganz eigene und charakteristische Stimme. Ich dachte: Wenn er jetzt noch spielen kann, dann isser’s.“

Waldemar Kobus, der im Film Wickies Vater Halvar spielt, schwärmt in den höchsten Tönen von Jonas Hämmerle: „Ich empfinde es als großes Geschenk, dass ausgerechnet dieser tolle Bengel mein Filmsohn war.“ Kobus selbst, der schon für (T)RAUMSCHIFF SURPRISE – PERIODE 1 und LISSI UND DER WILDE KAISER mit Michael Bully Herbig zusammenarbeitete, bekam die Rolle des Wikingerchefs auf Umwegen: „Ich saß mit meiner Frau im Auto und hörte im Radio, dass Bully Wickie verfilmt. Meine Frau meinte, dass ich mich da sofort melden soll. Ich sagte nur, dass Bully mich doch kennt und sich längst bei mir gemeldet hätte, wenn ich mitmachen sollte. Drei Wochen später kam Bullys Anruf: „Waldemar, möchtest Du den Halvar spielen?“ Ich bin aus allen Wolken gefallen, weil ich mich so gefreut habe.“

Um Halvars starke Schiffsmannschaft zu finden, beschritt Michael Bully Herbig einen höchst ungewöhnlichen Weg: Ab dem 15. April 2008 suchte er die sechs passenden Darsteller für die Rollen der Wikinger Snorre, Tjure, Faxe, Gorm, Urobe und Ulme mit Hilfe der Fernsehshow BULLY SUCHT DIE STARKEN MÄNNER auf ProSieben. 4400 Bewerber zwischen 18 und 81 Jahren, darunter Schauspielprofis genauso wie Laien, kamen zu den Vorcastings in München, Köln, Hamburg und Berlin. 120 Kandidaten schafften es zum offiziellen Casting auf dem Bavaria-Filmgelände in München, 18 von ihnen kämpften am Ende in den Ausscheidungsshows um ihre Parts im Kinofilm.

Bei seiner Talentsuche, die von Constantin Entertainment in Zusammenarbeit mit der herbX medienproduktion umgesetzt wurde, setzte Michael Bully Herbig auf höchst professionelle Mit-Juroren: Die Produzentin und ehemalige Casting-Direktorin Rita Serra-Roll sowie der Schauspieler Jürgen Vogel unterstützten den Regisseur bei der Fahndung nach den sechs Richtigen.

Michael Bully Herbig ist sich sicher: „Durch diese Fernsehshow konnte ich Leute erreichen, die ich zum Teil niemals über Schauspielagenturen oder auf der Straße gefunden hätte.“ Das gilt zum Beispiel für den Berliner Jörg Moukaddam, der eigentlich Techniker von Beruf ist und sich erfolgreich für die Rolle des schwergewichtigen Faxe bewarb. Auch Patrick Reichel, Automobilkaufmann aus Remscheid, wurde erst durch BULLY SUCHT DIE STARKEN MÄNNER für die Kamera entdeckt.

Waren Michael Bully Herbigs frühere Kinoerfolge noch mit großen Namen wie Sky Dumont, Marie Bäumer, Til Schweiger oder Anja Kling besetzt, verzichtete der Regisseur bei WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER bewusst auf eine Starparade: „Ich wollte Figuren finden, die haargenau auf die Zeichentrickvorlage passen, und keine prominenten Schauspieler, deren bekannte Gesichter von den Original-Figuren ablenken.“

Anders als im Film waren Prominente in der Castingshow BULLY SUCHT DIE STARKEN MÄNNER ständig im Einsatz: Die Schauspielerinnen Andrea Sawatzki und Lisa Martinek studierten mit den Kandidaten Liebesszenen ein, Chorpapst Gotthilf Fischer gab Gesangsstunden, die Box-Doppelweltmeisterin Susi Kentikian lud zum Kampftraining und Schauspieler Christoph Maria Herbst (STROMBERG) gab in der großen Finalshow den Erzähler. Christoph Maria Herbst wurde bei dieser Gelegenheit ebenso von Michael Bully Herbig für eine Rolle in WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER besetzt wie Mit-Juror Jürgen Vogel.

Aus der am 20. Mai 2008 live gesendeten Finalshow von BULLY SUCHT DIE STARKEN MÄNNER gingen folgende Sieger hervor: Christian Koch als Snorre, Nic Romm als Tjure, Olaf Krätke als Urobe, Mike Maas als Gorm, Patrick Reichel als Ulme und Jörg Moukaddam als Faxe.

Durch einen glücklichen Zufall führte die Castingshow auch Günther Kaufmann und Michael Bully Herbig zusammen. Kaufmann hatte sich artig mit vielen hundert unbekannten Kollegen in die Warteschlange gestellt, weil er unbedingt mit Regisseur Herbig arbeiten und für die Rolle des Faxe vorsprechen wollte. Wegen zu geringer Ähnlichkeit ging sein Plan nicht auf. Kurz darauf rief Michael Bully Herbig ihn jedoch zurück und gab ihm die Rolle des Schrecklichen Sven.

Produktion: Kleider machen Wikinger

Nach intensiver Castingphase waren die Darsteller endlich gefunden. Jetzt mussten sie in echte Wikinger und Piraten verwandelt werden. Keine leichte Aufgabe für Kostümdesignerin Anke Winckler und Maskenbildner Georg Korpás. Denn Michael Bully Herbig hatte sehr konkrete Vorstellungen: „Für mich war von Anfang an klar, dass wir die Helme und Kostüme der Wikinger eins zu eins aus der Zeichentrickserie übernehmen, obwohl jeder Experte nachweisen kann, dass Wikinger niemals Hörner an ihren Helmen hatten.“

So entschied man sich für einen Kompromiss aus Realität und Fiktion: Die Helme bekamen Hörner, wurden aber patiniert, damit sie getragen, gebraucht und verbeult aussahen.

Wickie-Darsteller Jonas Hämmerle wurde jeden Morgen in relativ kurzer Maskenzeit zum kleinen Wikinger: rotblonde Perücke, Wikingerhelm, Wikingerkluft. Fertig. Waldemar Kobus musste für seine Rolle als Wikingerboss Halvar eine längere Prozedur über sich ergehen lassen. In seinen echten Bart wurden Haarteile aus Büffelhaar eingearbeitet, die gemeinsam mit der schwarzen Augenklappe den größten Teil seines Gesichts verdeckten. Hinter der Maske verstecken konnte sich der Schauspieler allerdings nicht: „Ich habe schnell gemerkt, dass ich gerade mit diesem kleinen Rest von 15 Quadratzentimetern Gesicht sehr präzise spielen muss.“

Schon im Vorfeld hatte Waldemar Kobus für seine Rolle kräftig zunehmen müssen, damit er dem kräftigen Halvar aus der Zeichentrickserie noch ähnlicher wurde. Auch Patrick Reichel blieb das Schicksal der Gewichtszunahme nicht erspart: Für seine Rolle als Ulme musste er sich in wenigen Monaten 15 Kilogramm anfuttern. Günther Kaufmann legte für seinen Part als Schrecklicher Sven gleich 30 Kilogramm zu. Allerdings nicht durch Völlerei, sondern durch einen üppigen Fett-Anzug aus Silikon.

Produktion: Flake am Walchensee

Als am 5. August 2008 die erste Klappe fiel, hatte Production Designer Matthias Müsse mit seinem Team schon sieben Monate darauf verwendet, jedes Haus und jedes Schiff für die gewünschte Wickie-Welt zu entwerfen und bauen zu lassen.

Kernstück der Ausstattungsschlacht war das Wikingerdorf Flake in der Sachenbacher Bucht am Walchensee im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Dass die Wikinger ausgerechnet in Oberbayern eine Filmheimat finden würden, war zunächst nicht abzusehen.

„Wir haben im Vorfeld alles abgesucht. Von Lettland über Irland und England bis nach Nordspanien und zur Ostsee“, sagt Michael Bully Herbig. „Es gab sogar mal den Gedanken, eventuell nach Neuseeland oder Kanada zu gehen. Überall waren Location Scouts, haben Fotos und Videos gemacht.“ Alles deutete auf Schottland hin, in dessen faszinierender Landschaft auch schon Epen wie BRAVEHEART und ROB ROY gedreht worden waren. Logistische Probleme, teure Drehgenehmigungen und die raue See im Herbst führten jedoch dazu, mit der Suche noch einmal von vorn zu beginnen. Diesmal vor der eigenen Haustür.

„Obwohl Christian Becker uns immer wieder vom Walchensee vorgeschwärmt hat, konnten wir es uns nicht vorstellen und so haben wir erst auf Umwegen festgestellt, dass der Walchensee alles bietet, was wir gesucht haben“, sagt Production Designer Matthias Müsse. „Die Landschaft ist einem norwegischen Fjord sehr ähnlich und das Wikingerdorf ließ sich gut in die Bucht einbetten.“ Durch Zufall erfuhr Matthias Müsse, dass der Walchensee vor 50 Jahren schon einmal als Kulisse für Wikingerfilme genutzt wurde. 1958 entstand dort bereits der Film DIE WIKINGER mit Kirk Douglas, ein Jahr später die Serie TALES OF THE VIKINGS mit Christopher Lee.

„Eine alte Frau aus Jachenau zeigte mir ein Album mit Schwarzweißfotos, auf denen sie als junge Komparsin neben einem hünenhaften amerikanischen Darsteller steht“, sagt Matthias Müsse. „Die Amerikaner haben damals drei Schiffe gebaut, die hier auf dem Walchensee fuhren. Außerdem tolle Häuser, die auf einer Landzunge standen, die inzwischen komplett bewaldet ist. So lang ist das schon wieder her.“

Sechs Wochen lang errichteten Matthias Müsse und sein Team am Walchensee die zwölf Häuser von Flake. Viele Bestandteile wie Fenster, Türen und die charakteristischen Drachenköpfe waren im Vorfeld in den Werkstätten der Bavaria-Filmstudios angefertigt worden. Im Zentrum des Dorfes stand ein Marterpfahl mit gewaltigem Drachenkopf aus bemaltem Styropor und Hörnern mit einer Spannweite von fast zwei Metern.

Historisch genau musste Matthias Müsse bei seiner Arbeit nicht vorgehen. „Ausschlag gebend war nicht die original Architektur der Wikinger, sondern die Ähnlichkeit mit dem Dorf Flake in der Zeichentrickserie“, sagt der Production Designer.

Um trotz aller künstlerischen Freiheit eine größtmögliche Authentizität erzielen zu können, mussten die Häuser alt und benutzt aussehen. Dafür wurde ein Gemisch aus Sägespänen, Leim und Farbe auf die Oberflächen gesprüht. „So wächst das optisch in die Landschaft ein und der Zuschauer hat das Gefühl, die Häuser sind über Jahrzehnte von Wind und Wetter gezeichnet worden.“

Laut Drehbuch musste das Dorf auch einem Überfall zum Opfer fallen und in Teilen durch die Brandpfeile einer wilden Horde abbrennen. „Das macht man beim Film aber nicht mit dem Streichholz, sondern durch bauliche Maßnahmen“, erklärt Matthias Müsse. So wurden einzelne Wände der Häuser abgetragen und durch schwarz gestrichene, verkohlt wirkende Bretter ersetzt. Das Special-Effects-Team um Dirk Lange sorgte zusätzlich dafür, dass aus den Ruinen ein gleichmäßig intensiver Qualm emporstieg. Jederzeit kontrollierbar, sicher und gemäß aller Naturschutzauflagen.

Die Dreharbeiten am Walchensee dauerten vom 25. August bis zum 12. September und entwickelten sich zu einem wahren Besuchermagneten. An der Absperrung zum Drehort versammelten sich täglich 400 bis 800 Schaulustige, an Wochenenden sogar bis zu 2000. „Da gab es regelrechte Völkerwanderungen“, sagt Michael Bully Herbig. „Die Leute haben einen Ausflug nach Flake gemacht.“

So kann sich WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER rühmen, schon ein Jahr vor dem Kinostart weit über 10.000 Zuschauer gehabt zu haben.

Einigen Häusern aus Flake blieb das übliche Kulissenschicksal erspart, nach Abschluss der Dreharbeiten zerstört zu werden. Die Häuser wurden am Walchensee abgebaut und zum Bavaria-Filmgelände gebracht, wo sie ab dem Sommer 2009 den Besuchern als neue Attraktion der Bavaria Filmtour gezeigt werden. „Ich finde das total cool“, sagt Michael Bully Herbig, „weil ich schon als Kind diese Bavaria Filmtour geliebt habe.“

Produktion: Das Schiff

Mächtiger Drachenkopf, rotweiß gestreiftes Segel, großer Holzbauch: Das Wikingerschiff, mit dem Halvar, Wickie und die starken Männer in See stechen, steht dem Vorbild aus der Zeichentrickserie in nichts nach. Alle historischen Ungenauigkeiten inklusive. Denn streng genommen, ist das Schiff zu groß und zu bauchig, es ragt zu weit aus dem Wasser heraus und verfügt nicht über die eigentlich erforderliche Zahl an Ruderplätzen.

Für den Bau aller Schiffe, die in WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER zu sehen sind, setzte Production Designer Matthias Müsse auf die Unterstützung zweier Experten. Art Director Uwe Stein, der schon für andere Filmprojekte mehrere Schiffe entworfen hat, überwachte den Bau ebenso wie Wikinger-Experte Burkhart Pieske, der wie kein Zweiter die Schiffsbaukunst der Wikinger kennt und mit einem selbst gebauten Wikingerschiff bereits den Atlantik auf einer historischen Route Richtung Amerika überqueren konnte.

Halvars Filmschiff war 17,5 Meter lang und 5,5 Meter breit. Am 14 Meter hohen Mast hing ein 100 Quadratmeter großes Segel. Das 13 Tonnen schwere Schiff gab es gleich in zwei Ausführungen. Einmal für die Dreharbeiten auf dem Walchensee, einmal in der hochseetauglichen Version für die Dreharbeiten auf Malta.

Das Walchensee-Schiff wurde in nur zwei Monaten in Prag sowie München gebaut. Es hatte im Innern ein Stahlskelett und ließ sich in vier große Teile zerlegen. Die wurden auf Sattelschleppern von Prag zum Walchensee und später zum Bavaria Filmgelände in München gebracht, wo das Schiff künftig als Besucherattraktion zu sehen ist.

Für alle Beteiligten war die Fahrt mit dem Schiff über den Walchensee ein ganz besonderes Erlebnis. „Ich hätte heulen können“, erinnert sich Waldemar Kobus an seine Jungfernfahrt. „Da stand ich plötzlich auf diesem Schiff, das genau so aussieht wie in der Zeichentrickserie und das extra für uns gebaut wurde, und durfte am Steuer drehen!“ Auch Mike Maas, der in der Rolle des Gorm viel Zeit auf dem 14 Meter hohen Ausguck verbrachte, war entzückt: „Ich stand da oben auf dem Mast, das Schiff glitt über den See, der Hubschrauber mit der Kamera kam auf uns zugeflogen. So etwas ist beeindruckend. Da kribbelt es in jeder Zelle des Körpers.“

Produktion: Wasserspiele auf Malta

Im Oktober 2008 zog die Produktion mit einem 100 Personen starken Tross für vier Wochen nach Malta um. In den MFS Mediterranean Film Studios nahe der Hauptstadt Valetta steht ein riesiges Wasserbecken, das auch schon für eine Vielzahl großer Hollywood-Blockbuster wie GLADIATOR oder TROJA genutzt wurde.

In dem künstlichen Wassertank lässt sich der Wellengang wunschgemäß für die Dreharbeiten kontrollieren, während sich im Hintergrund nahtlos die Weite des echten Meeres anschließt. So ist die Illusion perfekt: Die Szene wirkt, als wäre sie auf hoher See gedreht worden, obwohl die meisten Teammitglieder trockenen Fußes an Land stehen.

Auf Malta kam eine zweite Version von Halvars Wikingerschiff zum Einsatz. Nicht nur, weil der Transport von Bayern nach Malta zeitlich zu lange dauerte, sondern auch, weil im Wasserbecken und auf dem rauen Meer entlang der Küste andere Herausforderungen an das Schiff gestellt wurden als auf dem seicht wabernden Wasser der windgeschützten Bucht am Walchensee. Der besondere Clou des Malta-Schiffes war, dass es unter Deck fast 30 Kubikmeter Schwimmkörper hatte. „Das war wohl das einzige Schiff, das niemals untergehen kann“, sagt der Wikinger-Experte Burkhart Pieske. „Im Grunde war das ein einziger Styroporklotz in Schiffsform.“ So viel Sicherheit überzeugte auch die Sicherheitsbehörden: Das unsinkbare Gefährt, das bei gutem Achternwind mit 5 bis 7 Knoten über das Wasser rast, wurde vom TÜV bis 2013 zugelassen.

Für die Dreharbeiten auf Malta wurde auch eine chinesische Dschunke gebaut, die Wickie und die starken Männer im dichten Nebel entdecken und entern. Weil dieses Schiff, wie vom Drehbuch vorgeschrieben, bildstark im Meer versinken sollte, wurde der Styroporanteil im Innern deutlich reduziert. Dafür sorgte eine ausgeklügelte und wasserfeste Hydraulik für den filmgerechten Untergang.

So groß die Feindschaft zwischen dem Schreckliche Sven und Halvar von Flake auch ist: Aus Kostengründen mussten sie für die Dreharbeiten Schiff-Sharing betreiben. So ist das Piratenschiff, auf dem der schreckliche Sven seinen Morgenstern schwingt, genau dasselbe wie Halvars Wikingerschiff. „Wir haben die Drachenköpfe, die Segel, die Schilde, die Möbel und die Verblendungen der Steven ausgetauscht“, erklärt Matthias Müsse. „So ein Boot kostet viel Geld und ist nicht schnell hergestellt. Deshalb haben wir für Malta nur eins gebaut und einfach nur umdekoriert bis dann das 2. „Walchensee-Schiff“ für weitere Aufnahmen mit der Fähre über Genua ankam.“

Ursprünglich sollte der Turm, unter dessen Spitze das magische Horn von Töle hängt, in Spanien gebaut und gedreht werden. Doch in der kargen Felslandschaft auf Maltas Nachbarinsel Gozo entdeckte Production Designer Matthias Müsse die gut erhaltenen Fundamente eines Jahrhunderte alten Bauwerks. Vor dieser Kulisse konnten die Schauspieler agieren. Der eigentliche Turm entstand später als digitaler Effekt am Computer, während die Innenräume samt Wendeltreppe und Horn von Töle in der Halle 12 der Bavaria Filmstudios gebaut wurden.

Produktion: Ein Mann für alle Fälle

Ob im Studio, auf dem Walchensee oder auf Malta: Als Regisseur musste Michael Bully Herbig an allen Drehtagen stets den Überblick bewahren. Zwar war er von früheren Kinoprojekten schon die Arbeit mit Cowboys, Raumfahrern und kaiserlichen Hoheiten gewohnt, doch WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER stellte ihn vor neue Herausforderungen: „Man sagt ja immer: Das Komplizierteste ist der Dreh mit Kindern, mit Tieren und auf dem Wasser! Wir haben bei diesem Film nichts ausgelassen …“

Auflagen des Jugendschutzes wie die streng limitierte Arbeitszeit der Kinder machten die Dreharbeiten zuweilen ebenso zu einem großen Abenteuer wie das Naturell der sehr jungen Schauspielkollegen allgemein. Christoph Maria Herbst bringt es treffend auf dem Punkt: „Die Kinder am Set waren alle nett. Aber, wie so oft, kann es schwierig werden, wenn Menschen eines bestimmten Schlages in einer größeren Anzahl auftreten. Davon möchte ich die kleinsten Geschöpfe unseres Erdenrunds nicht ausnehmen. Ein einzelnes Kind ist ganz zauberhaft. Aber ein Pulk von 15, 20 oder gefühlten 80 ist eine ganz andere Sache.“

Am Ende konnte Michael Bully Herbig aber sämtliche Herausforderungen meistern. Produzent Christian Becker überrascht das nicht: „Bully ist der perfekte Regisseur für WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER. Am Set verbreitet er eine Atmosphäre, bei der alle Spaß daran haben, früh morgens zur Arbeit zu kommen. Er arbeitet wahnsinnig visuell und ist extrem gut vorbereitet. Er hat die gesamte Auflösung des Films bereits vor dem ersten Drehtag im Kopf gehabt.“

Produktion: Das letzte Schiff

Am 13. November 2008 fiel die letzte Klappe für WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER. Doch für Michael Bully Herbig war die Arbeit noch lange nicht beendet: „Um den Film so machen zu können, wie ich ihn mir vorgestellt habe, war sehr viel digitale Technik nötig. 80 Prozent aller Einstellungen in diesem Film mussten bearbeitet werden. Angefangen von einer kleinen Retusche bis hin zu digitalen Schiffen. Das war ein Riesenbrocken an Arbeit und Budget.“

Diesen Riesenbrocken vertraute Michael Bully Herbig – wie schon bei seinen früheren Filmen – den Effektkünstlern von der Münchner Firma Scanline an. Wie ein Puzzle aus vielen tausend Teilen setzten sie real gedrehte Szenen, virtuelle Schiffe und künstliche Unwetter zusammen, retuschierten Stromleitungen und Wohnhäuser aus der Bucht am Walchensee, und ersetzten die grünen Hintergründe, vor denen die Schauspieler für einige Szenen agieren mussten, digital durch Meeresfluten und Landschaften.

Am 9. September 2009 läuft WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER in den deutschen Kinos an. Dann sind genau 35 Jahre, sieben Monate und neun Tage vergangen, seit Michael Bully Herbig zum ersten Mal den Wikingerjungen Wickie im Fernsehen erblickte.

Zweieinhalb Jahre hat der Regisseur an seinem neuesten Projekt gearbeitet und auf mehr als 5 Jahre Produktionszeit brachten es Produzent Becker mit seiner Rat Pack Filmproduktion. „Jetzt bin ich wahnsinnig froh, dass der Film in die Kinos kommt, und bin natürlich sehr gespannt, wie er den Leuten gefällt“, sagt Michael Bully Herbig. „WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER ist für mich ein recht geschmeidiger Genrewechsel. Das ist keine Parodie wie die letzten drei Kinofilme, sondern eher eine Abenteuerkomödie.“

Interview mit Regisseur Bully Herbig

Welche Bedeutung hatte Wickie für Dich als Kind?

MICHAEL BULLY HERBIG: Es gab in meiner Kindheit nur eine Serie, die man definitiv sehen musste: WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER. Die lief donnerstags um 17.10 Uhr im ZDF. Wer eine Folge verpasste, hatte eine Woche lang keinen Gesprächsstoff. Es gab ja keinen Videorekorder.

War die Serie ein früher Medienevent?

MICHAEL BULLY HERBIG: Absolut. Einmal holte mich meine Mutter zu spät von der Grundschule ab. Als ich nach Hause kam, lief bereits der Abspann. Ich glaube, dass war einer der schlimmste Momente meiner Kindheit. Ich musste mir also von den anderen in der Schule erzählen lassen, was in der Folge passiert war. Was für eine Demütigung!

Gab es ein typisches Ritual, wie Du WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER geschaut hast?

MICHAEL BULLY HERBIG: Wir hatten einen weißen Flokati-Teppich unter unserem Fernsehtisch. Meistens lag ich auf dem Bauch auf diesem Teppich. Über mir war der Tisch. Wenn ich Glück hatte, kam unsere Nachbarin vorbei. Ich war 6, sie war 5. Ich möchte nicht sagen, dass es eine Affäre war. Aber es prickelte ein wenig. Sie war meine Ylvi.

Was war der kleinste gemeinsame Nenner zwischen dem Wikingerjungen Wickie und dem Münchner Kindl Bully?

MICHAEL BULLY HERBIG: Ich habe Wickie bewundert. Er war eine Identifikationsfigur. Ich konnte nachvollziehen, dass er vor Wölfen wegläuft und vor dem Schrecklichen Sven Schiss hat. Das einzige, was ich nicht hatte, waren diese Wahnsinnseinfälle. Ich glaube, eine ganze Generation hat ihn für seine Ideen bewundert.

Gab es in Deiner Kindheit schon Anzeichen dafür, dass Du WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER fürs Kino verfilmen wirst?

MICHAEL BULLY HERBIG: Ich wäre vor Aufregung mit Herzrasen in Ohnmacht gefallen, wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich später mal einen Wickie-Film drehe. Als Sechsjähriger hat man ja in der Regel noch nicht so viel Ahnung vom Filmemachen. Letztendlich war es dann auch nicht meine Idee, aus der Zeichentrickserie einen Film zu machen. Obwohl es eigentlich auf der Hand lag.

Wer brachte den Stein ins Rollen?

MICHAEL BULLY HERBIG: Der Produzent Christian Becker. Er erzählte mir, dass er die Rechte an WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER gekauft hat. Da sind meine Ohren blitzartig hochgeschossen. Ich hatte sofort Bilder im Kopf, die in diesen Film reingehören.

Wie wurde aus diesen Bildern ein Film?

MICHAEL BULLY HERBIG: Mein Co-Autor Alfons Biedermann und ich haben uns die ganze Serie auf DVD angeschaut. Ich war selbst überrascht, wie genau ich mich noch an alle Einzelheiten erinnern konnte, aber plötzlich alles mit anderen Augen sah. Mit den Augen von heute. Ich habe bewusst versucht, viele Szenen mit den Augen eines Kindes zu sehen oder zu drehen. Früher war WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER für mich auch immer spannend. Ich wollte auf keinen Fall einen „Weichei-Wickie“ drehen, sondern einen gestandenen Abenteuerfilm.

Habt Ihr Euch auch von der Romanvorlage inspirieren lassen?

MICHAEL BULLY HERBIG: Ich schäme mich ja fast dafür, aber ich habe die Bücher nie gelesen. Obwohl Christian Becker sie mir alle geschickt hat. Ich war der Meinung, dass die Leute seit über 30 Jahren WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER allein mit der Zeichentrickserie verbinden. Diese visuelle Erwartung wollte und musste ich bedienen. Es war meine größte Sorge, dass ich die Wickie-Fans enttäuschen könnte. Deshalb habe ich mich ganz klar an der Zeichentrickserie orientiert.

Habt Ihr andere Wickie-Experten zu Rate gezogen?

MICHAEL BULLY HERBIG: Als das Drehbuch fertig war, erzählte mir Alfons, dass er sich mit seinen Neffen unterhalten habe. Beide hätten sofort gesagt: „Hey, aber die Seelöwen sind hoffentlich auch dabei!“ Leider fehlten die, also haben wir sie sofort ins Drehbuch geschrieben. Ich will nicht, dass später eine Horde Kids vor mir steht und protestiert: „Wo sind die Seelöwen?“ Die hießen übrigens im Original schon Bulli und Balli.

Welche anderen Elemente der Zeichentrickserie mussten unbedingt in den Kinofilm?

MICHAEL BULLY HERBIG: Ich wollte einen realistischen Abenteuerfilm machen, aber alle Elemente übernehmen, die den Charme der Zeichentrickserie ausmachen. Die echten Wikinger hatten zwar keine Hörner an ihren Helmen, aber für mich war von Anfang an klar, dass wir die Helme und Kostüme eins zu eins aus der Zeichentrickserie übernehmen. Jedoch realistisch und glaubhaft. Unsere Helme sind patiniert. Sie sehen getragen, gebraucht und verbeult aus.

Hält sich historische Genauigkeit der Wikinger-Schiffe auch in Grenzen?

MICHAEL BULLY HERBIG: Als mir der Szenenbildner Matthias Müsse die ersten Zeichnungen für die Schiffe zeigte, waren die historisch sehr korrekt. Aber ich wollte auch die Silhouette der Schiffe genau so bedienen, wie man sie aus der Serie kennt. Mit Drachenkopf und allem drum und dran. Unser Schiff war wesentlich größer als ein echtes Wikingerschiff von früher. Das war ein weiteres Zugeständnis an die Zeichentrickserie.

Welche inhaltlichen Änderungen habt Ihr gegenüber der Serie vorgenommen?

MICHAEL BULLY HERBIG: Eigentlich ist WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER eine Vater-Sohn-Geschichte. Diese Beziehung war mir von Anfang an wichtig. Die Zeichentrickserie behandelt das sehr spielerisch. Da gibt es den etwas einfach gestrickten Vater und den schlauen Sohn. Um es mal so zu formulieren: Ich wollte dieser Beziehung etwas mehr Tiefe verleihen.

Warst Du von vornherein optimistisch, dass Ihr den perfekten Wickie-Darsteller findet?

MICHAEL BULLY HERBIG: Da spielt Glück eine große Rolle. Man braucht viel Geduld und Ausdauer. Natürlich konnte ich mir nicht alle 600 Kinder selbst anschauen. Professionelle Kindercaster haben die Vorauswahl getroffen. Die habe ich mir dann auf DVD angesehen. Mit manchen Kindern habe ich mich bis zu fünf Mal getroffen. Ich wollte nicht riskieren, dass ein Kind vielleicht am ersten Tag schlecht drauf war, aber eigentlich perfekt für die Rolle gewesen wäre.

Wie verlief das erste Treffen mit Jonas Hämmerle?

MICHAEL BULLY HERBIG: Als Jonas den Castingraum betrat, war ich gerade abgelenkt und sah ihn nur aus dem Augenwinkel. Dann sagte er etwas, und in dem Moment hat es mich echt gerissen. Ich mochte schon früher die Stimme vom Wickie aus der Zeichentrickserie wahnsinnig gern. Die war wahnsinnig sympathisch, die war flott, die hat zu diesem kleinen Charakter gepasst. Auch Jonas hat eine ganz eigene und charakteristische Stimme. Ich dachte: Wenn er jetzt noch spielen kann, dann isser’s.

Deine Hoffnungen wurden nicht enttäuscht.

MICHAEL BULLY HERBIG: Jonas ist ein echter Glücksfall. Das Witzige ist, dass ausgerechnet er in seiner Familie der Einzige ist, der nicht so ambitioniert die Schauspielerei verfolgt. Seine Geschwister sind viel engagierter. Er ist einfach mal so zum Casting mitgekommen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum er mit einer gesunden Portion Lockerheit und Spielfreude an die Sache rangeht. Er hat Spaß. Das ist ein schlaues Kerlchen. Er hat Humor. Es war auch von Vorteil, dass er nicht sieben Jahre alt war, als wir gedreht haben, sondern schon neun. Er sieht glücklicherweise jünger aus.

Welche Tests mussten die Kinder beim Casting bestehen?

MICHAEL BULLY HERBIG: Als in der Endrunde nur noch vier oder fünf Jungs für die Wickie-Rolle in Frage kamen, habe ich sie mit Günther Kaufmann konfrontiert. Da fielen einige durchs Raster. Obwohl ich vorher ausdrücklich gesagt habe: „Der wird jetzt ein bisschen laut, aber das gehört zum Spielen dazu.“ Da merkte man genau, welches Kind gezuckt und leicht irritiert reagiert hat. 30 Drehtage wären für einige der Kinder vielleicht ein bisschen zu viel geworden.

„Die starken Männer“ hast Du mit Hilfe einer Castingshow auf ProSieben gefunden. Hattest Du kein Vertrauen zu den regulären Castingfirmen?

MICHAEL BULLY HERBIG: Ich wollte schon allein durch die Besetzung signalisieren: Das ist keine Parodie! Natürlich hätten wir tolle prominente Kollegen besetzen können, die man in so einem Film vielleicht auch erwartet. Komiker oder Schauspieler mit komödiantischem Talent. Aber auch in dieser Hinsicht war mir die Zeichentrickserie wichtiger. Ich wollte Figuren finden, die haargenau auf die Vorlage passen, und keine prominenten Schauspieler, deren bekannte Gesichter womöglich von den Figuren ablenken.

Wie konnte die Fernsehshow bei der Suche helfen?

MICHAEL BULLY HERBIG: Ich konnte Leute erreichen, die ich vielleicht niemals in Schauspielerkarteien oder auf der Straße gefunden hätte. Finde mal jemanden wie den Faxe. Jörg Moukkadam ist Techniker. Der stand in keiner Schauspielerkartei. Schauspieler mit diesem schwergewichtigen Kaliber gibt es nicht viele in Deutschland. Und wenn, dann sind sie bekannt.

Und um mit dem Film den asiatischen Markt zu erobern, habt Ihr die Rolle der Chinesin Lee Fu erfunden?

MICHAEL BULLY HERBIG: In der Zeichentrickserie gab es eine angerissene Liebesgeschichte von Faxe. Er hat als Einziger keine Frau oder Freundin. Deshalb fand ich es ganz süß, wenn wir ihm einen starken emotionalen Moment gönnen. Ich hatte den Wunsch nach etwas Exotischem. Und was liegt am weitesten weg von den Wikingern? Eine Asiatin. Sowas haben sie noch nie gesehen. Schön und geheimnisvoll! Deshalb kann man auch nachvollziehen, dass die starken Männer vor lauter Faszination alles um sich herum vergessen.

Wieso habt Ihr das Wikingerdorf Flake am Walchensee in Bayern aufgebaut?

MICHAEL BULLY HERBIG: Wir haben im Vorfeld alles abgesucht. Von Lettland über Irland und England bis nach Nordspanien und zur Ostsee. Es gab sogar mal den Gedanken, eventuell nach Neuseeland oder Kanada zu gehen. Überall waren Location Scouts, haben Fotos und Videos gemacht. Zunächst wollte ich in Schottland drehen. Die Landschaft ist faszinierend. „Braveheart“ ist dort gedreht worden und „Rob Roy“. Es hat sich aber herausgestellt, dass die Region mit einem großen Team schwer erreichbar ist und dass die Drehgenehmigungen für das Privatland schwer zu bekommen sind.

Aus der Not heraus begann die Suche in Bayern?

MICHAEL BULLY HERBIG: Irgendwann haben wir beschlossen, noch mal ganz frisch an die Sache ranzugehen. Was gibt es in der Nähe? Wir haben die Seen in Bayern abgegrast und sind am Walchensee gelandet. Das war ein absoluter Glücksfall. So, wie wir die Ankunft der Wikinger auf dem Walchensee gedreht haben, hätten wir es in Schottland gar nicht machen können. Die See in Schottland ist zu dieser Jahreszeit dafür viel zu rau!

Wusstest Du, dass Hollywood am Walchensee auch schon Wikinger-Filme gedreht hatte?

MICHAEL BULLY HERBIG: Nein. Ich hatte mich nur wegen der Optik für diese Stelle entschieden. Dann sagte der Besitzer des Grundstücks zu unserem Location Scout: „Ah, seid’s schon wieder do? Der Amerikaner war vor fünfzig Jahren auch schon hier!“ Die haben da eine ganze Serie gedreht. Angeblich auch einen Film mit Kirk Douglas. Das Lustige war, dass es dieselbe Ecke war und derselbe Besitzer, ein Bauer. So wurden unsere Dreharbeiten ein halbes Jahrhundert später wieder ein Spektakel für die Leute am Walchensee.

Im September 2008 gab es eine Pressemeldung, dass der Film schon ein Jahr vor der Premiere 10.000 Zuschauer hatte.

MICHAEL BULLY HERBIG: Wir haben untertrieben. Wir dachten, das glaubt uns kein Mensch, wenn wir 20.000 reinschreiben. An der Absperrung vor unserem Drehort standen jeden Abend zwischen 400 und 800 Leute. Da gab es regelrechte Völkerwanderungen. Ein echtes Happening! Die kamen mit ihren Kinderwägen und haben einen Ausflug nach Flake gemacht. Das war unglaublich!

War es eine besondere Herausforderung, mit Schiffen zu arbeiten?

MICHAEL BULLY HERBIG: Es heißt ja immer, ein Dreh mit Tieren, mit Kindern oder auf dem Wasser, sei kompliziert. Wir haben bei diesem Film nichts ausgelassen! Weil das mein erster Dreh auf dem Wasser war, bin ich heilfroh, dass wir viele Szenen in einem Wasserbecken auf Malta gedreht haben. So hat man eine bessere Kontrolle. Der große Vorteil ist, dass du die Wellen im Griff hast. Du kannst sie so stark oder schwach einstellen, wie du sie brauchst. Du kannst auch Wind und Nebel erzeugen.

Gibt es auch Nachteile?

MICHAEL BULLY HERBIG: Der Nachteil ist, dass man immer nur in eine Richtung drehen kann. Beim Wasserbecken hast du den Blick aufs Meer hinaus, aber links,

rechts und hinter dir ist Land. Jetzt hast du aber auf diesem Schiff Leute stehen, die sich unterhalten. Um diese Unterhaltung filmen zu können, musst du das Schiff um 180 Grad drehen, was bis zu 20 Minuten dauern kann. Das war für alle Beteiligten öfter mal schwierig und sehr zäh.

Wie viel moderne Computertechnik braucht ein Film über einen Wikinger-jungen?

MICHAEL BULLY HERBIG: Um den Film so machen zu können, wie ich ihn mir vorgestellt habe, war sehr viel digitale Technik nötig. Das Problem ist ja, dass du heute kaum noch irgendwo drehen kannst, ohne eine Stromleitung oder einen Dampfer am Horizont zu haben. 80 Prozent aller Einstellungen in diesem Film mussten bearbeitet werden. Angefangen von einer kleinen Retusche bis hin zu digitalen Schiffen. Das war ein Riesenbrocken.

Kannst Du bei der Arbeit an einem solch großen Projekt noch improvisieren?

MICHAEL BULLY HERBIG: Filmemachen besteht auch immer aus Improvisation. Das Wetter schlägt um, ein Drehort bricht weg, du musst vor Ort vielleicht Texte ändern. Ich mache das gern. In 90 Prozent der Fälle kommt sogar was Besseres dabei raus. Ich wundere mich selbst manchmal, dass man sich über Wochen und Monate Gedanken darüber macht, wie man eine Szene dreht. Und wenn der Drehtag kommt, machst du alles ganz anders und entscheidest aus dem Bauch heraus.

Wie groß ist Dein Erfolgsdruck bei WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER?

MICHAEL BULLY HERBIG: Spätestens nach DER SCHUH DES MANITU habe ich beschlossen, mich nicht mehr verrückt zu machen. Noch einmal 11,7 Millionen Zuschauer erreichen zu wollen, wäre vermessen. Dass (T)RAUMSCHIFF SURPRISE – PERIODE I noch mal über neun Millionen Zuschauer hatte, war ebenfalls Wahnsinn. Danach gehst du immer zurück auf null, versuchst den bestmöglichen Film zu machen und hoffst, dass er den Leuten gefällt.

Ein Gespräch mit Vater und Sohn

Welche Rollen spielt Ihr in WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER?

JONAS HÄMMERLE: Ich spiele Wickie, einen schüchternen Wikingerjungen. Sein Vater Halvar hält ihn für eine Memme, weil er so ängstlich ist. Aber Wickie ist viel schlauer als jeder andere Wikinger im Dorf Flake. Er löst Probleme nicht mit Gewalt, sondern durch gute Ideen.

WALDEMAR KOBUS: Ich spiele Halvar, Wickies Vater. Er ist ein simpel gestrickter Mensch, der durch einen blöden Zufall Chef der Wikinger von Flake geworden ist. Jeder normal denkende Mann wäre stolz darauf, einen Sohn wie Wickie zu haben. Doch ausgerechnet dieser bekloppte Halvar, der eine große Klappe hat und lieber zuschlägt als nachdenkt, schämt sich für seinen schlauen Sohn.

JONAS HÄMMERLE: Wenn Wickie einen besseren Plan hat als er, sagt Halvar immer: „Die Idee hatte ich auch schon!“

WALDEMAR KOBUS: Er kann einfach nicht zugeben: „Junge, du bist super!“ Erst als Wickie in der Filmhandlung plötzlich verschwindet, merkt man, wie sehr Halvar seinen Sohn im tiefsten Herzen dann doch liebt.

Wie war Eure erste Begegnung mit Wickie?

JONAS HÄMMERLE: Ich hatte einige Folgen der Zeichentrickserie im Fernsehen gesehen. Die DVDs habe ich erst angeschaut, als ich wusste, dass ich Wickie spielen werde.

WALDEMAR KOBUS: Ich habe Wickie ebenfalls zweidimensional, in gezeichneter Form kennengelernt. Den Roman habe ich nie gelesen. Ich saß vor dem Fernseher und dachte: „Boh, ist der schlau!“ Ich hätte damals nie gedacht, dass ich mal Wickies Vater sein werde.

Wie hat Bully Euch für den Film gefunden?

JONAS HÄMMERLE: Ich war beim Casting. Mit sehr vielen anderen Kindern. Alle wollten unbedingt diese Hauptrolle haben. Einige wussten aber gar nichts mit Wickie anzufangen, andere kannten weder Bully noch DER SCHUH DES MANITU oder (T)RAUMSCHIFF SURPRISE. Das hat mich sehr gewundert.

Was denkst Du, warum ausgerechnet Du für die Rolle ausgewählt wurdest?

JONAS HÄMMERLE: Bully sagt, dass ihn meine Stimme und meine Art sehr an den Wickie aus der Zeichentrickserie erinnern. Das wird wohl der Grund gewesen sein.

Wie hast Du erfahren, dass Du Wickie spielen sollst?

JONAS HÄMMERLE: Die Castingagentur rief meine Mutter an. Da habe ich mich riesig gefreut. Aber nur einen Tag später kam ein zweiter Anruf. Es gab Probleme mit der Arbeitsgenehmigung, weil ich zu Beginn des Jahres bereits für den Kinofilm DAS MORPHUS-GEHEIMNIS viele Drehtage hatte. Zum Glück hat die Schule die Dreharbeiten unterstützt und einer weiteren Freistellung zugestimmt. Die Lösung war, dass ich bis zum Sommer 2009 keinen einzigen Drehtag mehr haben durfte. Außer in den Ferien. Ich war sehr erleichtert, dass ich doch noch Wickie spielen durfte.

Wie wurde Waldemar zu Halvar?

WALDEMAR KOBUS: Ich saß mit meiner Frau im Auto und hörte im Radio, dass Bully Wickie verfilmt. Meine Frau meinte, dass ich mich da sofort melden soll. Ich sagte nur, dass Bully mich doch kennt und sich längst bei mir gemeldet hätte, wenn ich mitmachen sollte. Drei Wochen später kam Bullys Anruf: „Waldemar, möchtest Du den Halvar spielen?“ Ich bin aus allen Wolken gefallen, weil ich mich so gefreut habe.

Hast Du sofort zugesagt?

WALDEMAR KOBUS: Ja. Mir war klar, dass es ein tolles Projekt ist, wenn Bully das anpackt. Wir sind aber den ganz offiziellen Weg gegangen: Ich habe das Drehbuch bekommen, habe es gelesen, war begeistert und habe förmlich per SMS zugesagt.

Wie habt Ihr Euch auf die Rollen vorbereitet?

JONAS HÄMMERLE: Ich habe mir die Zeichentrickserie angeschaut und das Drehbuch gelesen. Aber Bully hat von vornherein gesagt, dass ich mich möglichst wenig verstellen soll.

WALDEMAR KOBUS: Ich musste für die Rolle kräftig zunehmen. Also habe ich zur Vorbereitung viel Speck angefuttert. Außerdem habe ich den Halvar in der Zeichentrickserie genau unter die Lupe genommen. Ich wollte seinen Rhythmus und seine Motorik verinnerlichen. Am Anfang hatte ich große Probleme mit seiner prägnanten Synchronstimme. Da kam oft noch mehr Waldemar als Halvar aus meinem Mund.

Fällt es schwer, sich an einer Zeichentrickfigur zu orientieren?

WALDEMAR KOBUS: Ich finde, Halvar hat auch in der Zeichentrickserie Fleisch und Blut. Der ist sehr menschlich dargestellt. Im Kinofilm setzt sich das fort. Er ist ein schräger Typ. Der ist so schön bekloppt und verdrängt so viel. Damit kann ich mich gut identifizieren.

Ist Dein Bart echt?

WALDEMAR KOBUS: Als Bully mich im März 2008 anrief, hatte ich eh schon einen Bart. Den habe ich einfach weiterwachsen lassen. Die Maskenbildner haben dann noch Haarteile, vorwiegend aus echtem Büffelhaar, eingearbeitet. Mein Gesicht bestand fast nur noch aus Haaren, Augenklappe und Helm. Man sieht höchstens 15 Quadratzentimeter Haut von mir.

Konntest Du Dich gut hinter der Maske verstecken?

WALDEMAR KOBUS: Nein. Ich habe schnell gemerkt, dass ich gerade mit diesem kleinen Rest von Gesicht sehr präzise spielen muss.

Wie war Euer Vater-Sohn-Verhältnis am Set?

JONAS HÄMMERLE: Wir haben uns sehr gut verstanden und sind gute Freunde geworden. Waldemar ist richtig cool. Am lustigsten fand ich die verrückten Lieder, die er mir beigebracht hat.

WALDEMAR KOBUS: Oh, danke. Knutsch! Ich empfinde es als ganz großes Geschenk, dass ausgerechnet dieser tolle Bengel mein Filmsohn war. Den hätte ich am liebsten geklaut! Das habe ich auch seinen Eltern immer wieder gesagt.

Wodurch unterscheidet sich Jonas von anderen Kindern seines Alters?

WALDEMAR KOBUS: Er ist menschlich mit sich im Reinen. Er versucht, an allem, was er macht, Freude zu finden. Obendrein ist er ein richtig talentierter Schauspieler.

Wenn Bully ihm Regieanweisungen gab, hat er die ausgeführt, als wäre die Szene sein tiefstes Bedürfnis und nicht nur eine Rolle, die gespielt werden muss.

Wie war die Zusammenarbeit mit Bully?

JONAS HÄMMERLE: Er sagt ganz genau, was er möchte. Manchmal macht er auch Witze, was dann für gute Stimmung am Set sorgt. Und wenn ich was falsch gemacht habe, hat er nicht gebrüllt, sondern ist immer freundlich geblieben. So macht mir das Drehen Spaß.

WALDEMAR KOBUS: Bully ist ein Bastler. Er macht haargenaue Vorgaben. Paul Verhoeven, mit dem ich „Black Book“ gedreht habe, ist das genaue Gegenteil. Der sagt: „Mach mal! Ich sage Dir, wenn ich des anders haben will.“ Da durfte ich in seinem Film wie in einer großen Landschaft herumlaufen. Bei Bully ist das keine Landschaft, sondern ein Gebäude mit ausgeklügelter Architektur, in der ich mich zentimetergenau bewegen muss.

Welcher Regiestil ist Dir lieber?

WALDEMAR KOBUS: Die Frage kann ich bis heute nicht beantworten. Dieser große Unterschied spiegelt die Vielfalt der Menschen wider, denen ich in meinem Beruf begegne. Mit Paul Verhoeven zu arbeiten ist genau so sagenhaft wie mit Bully. Ich möchte keines von beiden Projekten missen.

Dreharbeiten sind wegen langer Pausen oft ziemlich langweilig. Jonas, wie hast Du die Wartezeit ausgefüllt?

JONAS HÄMMERLE: Oft mit Schularbeiten. Ich habe übers Internet die Aufgaben bekommen, die meine Klassenkameraden gerade in Berlin lösen mussten. Zwei Stunden allein zu lernen ist aber viel langweiliger als acht Stunden in einer Klasse. Andererseits: Ich lerne gern. Ich will ja nicht doof sein. Und manchmal konnte ich in den Pausen ja auch Lesen oder mit den Wikingern Karten spielen.

WALDEMAR KOBUS: Das Tolle an Jonas ist, dass er sich nie langweilt. Der hat auch am Set immer was gefunden, dass ihn interessiert. Er liest ein Buch, lernt Texte, beobachtet die Ameisen, wie sie Zuckerstückchen vom Catering davontragen, oder er macht Knoten.

Knoten?

JONAS HÄMMERLE: Wir hatten auf Malta ein Buch mit Knoten aus der Seefahrt. Da habe ich viele nachgemacht. Irgendwann beim Frühstück habe ich sogar einen eigenen Knoten entwickelt. Den kannten nicht mal die Fischer auf Malta.

Waldemar, hast Du auch geknotet?

WALDEMAR KOBUS: Nein, ich habe eine Jacke gestrickt. Mit der hatte ich schon in Afrika und in der Antarktis angefangen, als ich dort für das ZDF gedreht habe. Bei den Dreharbeiten zu WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER habe ich weitergemacht. Aber sie ist immer noch nicht fertig. Vielleicht beim nächsten Film.

Was hat der große Waldemar vom kleinen Jonas lernen können?

WALDEMAR KOBUS: Ich habe Jonas am letzten Drehtag gefragt: „Wie wird man eigentlich wie Du?“ Da sagte mir dieser zehnjährige Bengel: „Weißt Du, wenn es am Set mal richtig anstrengend wird, muss man einfach seine gute Laune behalten. Es hilft ja nichts, wenn man mit schlechter Stimmung zur Arbeit kommt.“

Was war Euer tollstes Erlebnis bei den Dreharbeiten?

WALDEMAR KOBUS: Die Fahrt mit dem Wikingerschiff über den Walchensee. Da stand ich plötzlich auf diesem Schiff, das genau so aussieht wie in der Zeichentrickserie und das extra für uns gebaut wurde, und durfte am Steuer drehen. Ich hätte heulen können und für dieses Erlebnis sogar Geld bezahlt. Aber sagt das bloß nicht dem Produzenten!

JONAS HÄMMERLE: Mir haben die Stuntszenen am meisten Spaß gemacht. Wenn ich in Zeitlupe mit Pfeil und Bogen über die Rehling springe, sieht das richtig cool aus. Witzig fand ich auch, als ich Ylvi einen Stein an den Kopf werfe.

Dabei ist Ylvi doch so verliebt in Wickie. Hast Du Dich auch privat in Deine Schauspielkollegin verknallt?

JONAS HÄMMERLE: Nö. Nur im Film.

Hast Du im echten Leben eine Freundin?

JONAS HÄMMERLE: Ich bin mit vielen Mädchen befreundet, aber eine beste Freundin habe ich nicht. Die meisten habe ich über den Sport kennen gelernt.

Würdet Ihr für eine Fortsetzung von WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER gern wieder mit dem Wikingerschiff in See stechen?

JONAS HÄMMERLE: Na logisch! Schon allein, um die ganzen Freunde wieder sehen zu können. Der letzte Drehtag war ein bisschen traurig. Da wurde zum Abschied auch geweint.

WALDEMAR KOBUS: Einer von den Heulern war ich. Jonas war extra am Set geblieben, um meine letzte Szene zu beobachten. Dann stand er da und applaudierte. Das war rührend und einer von sehr vielen schönen Momenten dieser wunderbaren Dreharbeiten.

Ein Gespräch mit den starken Männern

Beginnen wir mit einer kurzen Vorstellungsrunde: Wer sind die starken Männer?

NIC ROMM: Tjure ist ein naiver, aber gutherziger Nörgler. Er will vor dem Anführer Halvar glänzen und steht komplett unter dem Pantoffel seiner Frau. Tjures ganz spezieller Kumpel ist Snorre. Mit dem streitet und kämpft er die ganze Zeit.

CHRISTIAN A. KOCH: Snorre redet schneller, als er denkt. Er ist auch nicht so mutig, wie er nach außen erscheinen will. Ohnehin sind die so genannten starken Männer ziemliche Weicheier. Mutig und erfolgreich sind sie nur, wenn ihre Frauen oder Wickie in der Nähe sind, um die Situation zu retten.

JÖRG MOUKADDAM: Faxe ist der Einzige, der keine Frau hat. Dafür hat er aber eine kindlich naive Art und ständig einen Riesenhunger.

PATRICK REICHEL: Ulme ist das krasse Gegenteil von einem typischen Wikinger. Er prügelt sich nicht gern und steht auch nicht so sehr auf Rauben und Plündern. Sobald es ein bisschen gefährlicher wird, haut er lieber ab, um zu dichten oder auf seiner Harfe zu spielen.

MIKE MAAS: Gorms Wesen ist das Heitere und Fröhliche. Er hat von allen Figuren die emotionalsten Momente. Meist ist er entzückt, gelegentlich aber auch gar nicht. Er steht in fast 14 Metern Höhe im Ausguck am Mast und teilt den anderen sofort mit, wenn Nebel aufkommt oder der schreckliche Sven naht.

OLAF KRÄTKE: Urobe ist ein altersweiser Wikinger, eine Art Vater der Truppe und wie ein Großvater für Wickie. Er ist zwar nicht mehr der beste Kämpfer, aber seine Ratschläge und seine Lebenserfahrung sind sehr wichtig.

Welche Parallelen gibt es zwischen Euch und Euren Rollen?

NIC ROMM: Zum Glück habe ich eine andere Beziehung zu meiner Frau als Tjure zu seiner, aber ansonsten sehe ich einige Parallelen zu ihm. Seinen Tonfall, dieses stumpfe Nörgeln, lege ich privat auch schon mal an den Tag. Meistens aber mit einem ironischen Unterton.

CHRISTIAN A. KOCH: Mit meinem Snorre habe ich natürlich gewisse Ähnlichkeiten. Wir haben das gleiche Sternzeichen, eine fast identische Nase, das Vorlaute und bisweilen den Sarkasmus.

JÖRG MOUKADDAM: Mit Faxe habe ich eigentlich nur den Körperbau und vielleicht noch das kindliche Gesicht gemeinsam. Aber so naiv wie er bin ich zum Glück nicht.

PATRICK REICHEL: Die größte Parallele zwischen Ulme und mir besteht darin, dass ich mich ebenfalls zurückziehe, wenn irgendwo eine Schlägerei tobt. Allerdings stimme ich dann kein Liedchen an und spiele auch nicht die Harfe. Aber ich mag Ulmes Arbeitseinstellung nicht. Wenn ich irgendwo anpacken soll, mache ich das auch. Ulme könnte den Wikingern ruhig ein bisschen mehr helfen.

MIKE MAAS: Vor Patrick ziehe ich meinen Hut, weil er sich für seine Rolle als Ulme so viele Kilos angefuttert hat. Ich musste mir für meine Rolle als Gorm nur den Schädel rasieren lassen.

NIC ROMM: Glücklicherweise hat er genau an den richtigen Stellen zugenommen. Im Gesicht sieht er jetzt aus wie der Ulme aus der Zeichentrickserie. Auch den Tonfall, diesen Singsang, trifft er ganz genau.

Olaf, welche Parallelen gibt es zwischen Dir und Urobe?

OLAF KRÄTKE: Sicher eine ganze Reihe. Allein durch mein Alter habe ich viele Erfahrungen sammeln können.

MIKE MAAS: Phänomenal finde ich, dass Olaf bei weitem nicht so alt ist wie Urobe eigentlich sein müsste. Aber trotz seines jugendlichen Wesens bringt er diese Ruhe und Erfahrung mit.

JÖRG MOUKADDAM: Er ist auch ein wandelndes Filmlexikon. Unglaublich, was er alles übers Kino und über Filmmusik weiß. Außerdem teilt er sein Schauspielwissen gern mit Quereinsteigern wie mir. Ein toller Kollege.

MIKE MAAS: Die größte Parallele zwischen Gorm und mir ist die Fröhlichkeit. Deshalb war mir auch immer klar, dass ich diese Rolle spielen möchte. Am liebsten wäre ich gleich am Anfang zu Bully gegangen und hätte gesagt: Wir lassen die Castingshow ausfallen! Ich bin der Richtige für die Rolle.

Wie stark musstest Du Dich optisch verändern?

MIKE MAAS: Der Maskenbildner Georg Korpas hat bei mir ganz tolle Ohren modelliert, die etwas größer als die echten sind und die leicht abstehen. Dann habe ich eine wunderbare Zahnreihe mit Hasenzähnen bekommen. Und zum allerersten Mal in meinem Leben hatte ich einen Oberlippenbart. In der Zeichentrickserie hat Gorm links und rechts drei Katzenhaare. Die hätte man natürlich ankleben können, aber schöner ist es, wenn das ein echter Bart ist. Also habe ich mir einen Schnäuzer wachsen lassen, der bei mir von Natur aus sowieso sehr spärlich ausfällt. Schließlich wurden noch meine Haare rasiert, bis nur noch ein Kranz und vorne so ein Püschel übrig blieben. Vor allem für meine Frau war es ziemlich hart, dass ich von Juli bis November auch privat so rumlief.

CHRISTIAN A. KOCH: Wir nennen Mike übrigens nur noch Mike Mast, weil er in den meisten Szenen auf dem Mast über uns thronen musste.

JÖRG MOUKADDAM: Wir nennen ihn aber auch Mister Knoten.

Warum?

JÖRG MOUKADDAM: Er hat auf Malta alle Knotentechniken dieser Welt gelernt.

MIKE MAAS: Ich hatte reichlich Leerlauf am Set, weil ich in vielen Szenen nicht zu sehen bin. Also habe ich mir von den Maltesern alle möglichen Knoten beibringen lassen, bis ich wieder auf den Mast musste. Damit man die Technik nicht verlernt, muss man sie immer wiederholen. Oft habe ich zusammen mit Jonas Hämmerle geknotet, der auch das Interesse an diesem Zeitvertreib gefunden hat.

Waldemar Kobus spielt den Halvar, den Chef der Truppe. Wie war er als Vorgesetzter?

CHRISTIAN A. KOCH: Waldemar als Halvar ist ein Traum. Der legt eine tierische Spielfreude an den Tag.

MIKE MAAS: Ich glaube, Halvar hätte man nicht besser besetzen können. Waldemar macht das großartig.

OLAF KRÄTKE: Mit Waldemar habe ich eine meiner Lieblingsszenen spielen dürfen. Ich musste ihn trösten. Es ist großartig, wie so ein Bär von Mann Rührung spielen kann.

Wie gefällt Euch Jonas Hämmerle als Wickie?

OLAF KRÄTKE: Jonas ist ein Glücksgriff. Jeder von uns würde ihn am liebsten sofort in seine Familie aufnehmen. Er ist zum Knuddeln.

CHRISTIAN A. KOCH: Er ist sportlich und zugleich ein Einserschüler in Mathe. Das ist mir verwehrt geblieben. Teilweise wirkt er richtig schüchtern und kriegt eine sympathische Röte ins Gesicht. Ich glaube, dass sich viele Kinder mit ihm identifizieren können.

MIKE MAAS: Wickie zu spielen, ist eine sehr große Herausforderung. Millionen von Menschen kennen diese Figur. Wen nimmt man für die Rolle? Jonas Hämmerle! Der bringt eine emotionale Intelligenz mit. Er ist nicht so ein Rabauke wie die anderen Jungs, aber auch kein Feigling. Das spielt Jonas einfach brillant. Ich finde den Wickie, wie er von Jonas dargestellt wird, noch viel charmanter als den Wickie aus der Zeichentrickserie. Da war er so ein kleiner Besserwisser.

Was sind die größten Unterschiede zwischen der Zeichentrickserie und dieser Realverfilmung?

MIKE MAAS: Eine Zeichentrickserie wirkt immer etwas holzschnitzartig, weil alles zweidimensional ist. Ein Abenteuerfilm, in dem richtigen Menschen spielen, hat eine ganz andere Tiefe.

OLAF KRÄTKE: Zeichentrickfiguren sind von Natur aus Karikaturen, in denen einige wenige Charaktereigenschaften komprimiert werden. Wir sind dagegen Menschen aus Fleisch und Blut, uns kann man Gefühle viel besser abkaufen.

JÖRG MOUKADDAM: Ich war erst mal skeptisch, als ich hörte, dass eine Zeichentrickserie verfilmt werden soll. Aber als ich dann zum ersten Mal am Walchensee das Filmdorf und die Schiffe gesehen habe, wusste ich: Das wird was ganz Großes.

PATRICK REICHEL: Der Film ist witziger, größer, besser und liebevoller als die Zeichentrickserie. Um Längen.

Wie war die Zusammenarbeit mit Bully?

OLAF KRÄTKE: Bully ist ein sehr präziser Regisseur mit ganz klaren Anweisungen. Er weiß genau, wie eine Szene aussehen soll. Trotzdem ist er offen für alle Vorschläge, die von den Schauspielern kommen.

PATRICK REICHEL: Gerade für mich als Schauspielneuling war Bullys Regiestil sehr angenehm. Manchmal hat er mir Szenen vorgespielt, die ich dann einfach kopieren konnte. Das hat die Arbeit extrem erleichtert.

MIKE MAAS: Bully weiß genau, was er will. Ich habe selten mit einem Regisseur gearbeitet, der seinen Film, die Story und alle Figuren so präzise im Kopf hatte. Das kann für einen Schauspieler zuweilen frustrierend sein, weil man ja sein eigenes kreatives Potenzial mit reinbringen will. Aber Bully ist der Chef, und man stellt sich als Schauspieler seiner Vision zur Verfügung.

Was war Euer liebster Moment bei den Dreharbeiten?

PATRICK REICHEL: Ganz klar, als wir von einer sinkenden Dschunke springen mussten. Um uns herum explodierten die Feuerwerkskörper, das Schiff verschwand langsam in den Fluten, und wir sprangen aus vier oder fünf Metern Höhe ins Wasser.

NIC ROMM: Ich werde nie vergessen, wie wir mit dem Wikingerschiff über den Walchensee fuhren. In voller Montur, mit vollen Segeln. Und dann jagte der Hubschrauber auf uns zu, um alles aus der Luft zu filmen.

MIKE MAAS: Das war auch mein Lieblingsmoment. Ich stand da oben auf dem Mast, das Schiff glitt über den See, der Hubschrauber kam angeflogen. So etwas ist beeindruckend. Da kribbelt es in jeder Zelle des Körpers.

Ein Gespräch mit bösen Männern

Was für ein Typ ist der schreckliche Sven?

GÜNTHER KAUFMANN: Ein Tier. Ein Menschenverachter. Ein hasserfüllter Zeitgenosse, in dessen Augen man die Mordlust sieht.

Im Vergleich zum schrecklichen Sven wirkt der stotternde Pirat harmlos. Jürgen, wo hast Du so gut Stottern gelernt?

JÜRGEN VOGEL: Auf einer Stotterschule. In Deutschland gibt es, glaube ich, nur eine einzige Spezialschule. Die ist in Schlewerdingen in der Lüneburger Heide, gleich neben der alten Kaserne. Da habe ich mein Stotterdiplom gemacht. Bully und ich haben uns auf einen leichten Singsang geeinigt. Aus einem Wort wie „Schlagen“ wird dann „Schalalalalalagen“.

CHRISTOPH MARIA HERBST: (kommt verspätet) Guten Tag!

GÜNTHER KAUFMANN: Das ist Pokka. Mein Adlatus.

Wie war die Zusammenarbeit mit so vielen Kindern am Set?

CHRISTOPH MARIA HERBST: Oh, ich liebe Kinder! Am liebsten in Knoblauch und mit ein bisschen Olivenöl.

GÜNTHER KAUFMANN: Ich hab es nicht so mit Kindern. Zwar habe ich zwei eigene und meine Frau hat auch zwei Kleine, aber ich habe mit Kindern wenig am Hut. Die stressen mich und gehen mir auf die Nerven. Das sieht man auch in diesem Film.

CHRISTOPH MARIA HERBST: Die Kinder am Set waren alle nett. Aber, wie so oft, kann es schwierig werden, wenn Menschen eines bestimmten Schlages in einer größeren Anzahl auftreten. Davon möchte ich die kleinsten Geschöpfe unseres Erdenrunds nicht ausnehmen. Ein einzelnes Kind ist ganz zauberhaft. Aber ein Pulk von 15, 20 oder gefühlten 80 ist eine ganz andere Sache.

GÜNTHER KAUFMANN: Ich habe die manchmal ganz schön angeblafft. Wenn ich „Schnauze“ rief, waren die Mütter geschockt. Aber die Kinder freuten sich. Das ist ja das Schlimme: Ich konnte gar nicht so fies und bösartig sein, dass die mich nicht liebten. Die Kinder hingen an mir wie die Kletten, wie die Fliegen von Malta.

Alles andere als ein Kinderspiel war Dein kleiner Fehltritt auf Malta, Günther. Du bist ins Wasser gefallen.

GÜNTHER KAUFMANN: Ich wäre fast ersoffen.

CHRISTOPH MARIA HERBST: Für einen Moment habe ich wirklich befürchtet, wir verlieren unseren wichtigsten Mann. Aber zum Glück schwimmt Fett oben. Und Günther trug diesen riesigen Fett-Anzug.

GÜNTHER KAUFMANN: Damit hatte ich 30 Kilo Übergewicht aus Silikon auf den Rippen.

Wie gut spielte es sich in dieser Verkleidung?

GÜNTHER KAUFMANN: Das war alles nicht lustig. Das Silikon rieb an meiner Haut und meinen Knochen. Ich musste ständig verarztet werden.

JÜRGEN VOGEL: Ich hatte es besser! Ich trug nur dieses weiche Fell auf der Haut. Das ließ sich sehr schön kraulen. Außerdem habe ich durch diesen Film viel über Mode gelernt.

CHRISTOPH MARIA HERBST: Mich hat manchmal meine große Nase genervt. Die war angeklebt und juckte besonders, wenn die Sonne schien.

GÜNTHER KAUFMANN: Der Christoph sah mit seiner dicken Nase wirklich hässlich aus. Die hatte unser Maskenbildner Georg Korpás toll hinbekommen. Der Georg macht Masken wie in Hollywood.

Wie war die Zusammenarbeit mit Bully?

GÜNTHER KAUFMANN: Der Bully ist ein genialer Mensch. Er hat ein todsicheres Gespür für Geschichten, für Timing und für Schauspieler.

CHRISTOPH MARIA HERBST: Wenn Bully anruft, sage ich blind zu. Egal, wie groß oder klein die Rolle ist. Bei (T)RAUMSCHIFF SURPRISE hatte ich zwei Drehtage, bei WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER waren es ein paar mehr.

JÜRGEN VOGEL: Ich hatte ganze drei Drehtage. Dafür musste ich viele andere große Projekte absagen. Den RAF-Film und so. (lacht) Aber für Bully tue ich das gern.

Günther, Du bist als Seiteneinsteiger zu diesem Projekt gekommen.

GÜNTHER KAUFMANN: Ich wollte Bully unbedingt kennenlernen und einen tollen Film mit ihm machen. Deshalb habe ich an der Castingshow BULLY SUCHT DIE STARKEN MÄNNER auf ProSieben teilgenommen. Bully war fast ein bisschen traurig, dass er mich nicht als einen der sechs starken Männer besetzen konnte. Denen sehe ich nicht besonders ähnlich. Ich war schon fast wieder draußen, als Bully mich zurückrief und mir den Schrecklichen Sven anbot.

Was qualifiziert Dich für diesen Part?

GÜNTHER KAUFMANN: Mein Aussehen. Meine Erfahrung. Nicht nur als Schauspieler, sondern auch im richtigen Leben. Ich hatte ja schon als junger Mann einige Kneipenschlägereien. Die helfen natürlich sehr, wenn ich jetzt wie ein Verrückter mit dem Morgenstern auf Wikinger einschlagen und Fetzen aus den Wänden hauen musste.

Alle Welt spricht von der Wirtschaftskrise. Ist Schauspieler ein Beruf mit Zukunft?

CHRISTOPH MARIA HERBST: Aber ja doch! Ich habe in den 80-er Jahren eine Banklehre gemacht und etwas Vernünftiges gelernt. Aber vor dem Hintergrund der real existierenden Finanzkrise bin ich froh, inzwischen Schauspieler zu sein. Eine Schauspielerkrise gibt es nicht. Wenn die Leute im Luxus leben, aus den Vollen schöpfen und saturiert sind, brauchen sie Komödianten, die sie unterhalten. Und wenn die Wirtschaft in der Krise ist, wollen die Leute umso mehr abgelenkt werden. Also: Komödianten haben immer was zu tun.

Ein Gespräch unter Frauen

In WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER habt Ihr zwei der sehr wenigen weiblichen Rollen erwischt. Wen spielt Ihr?

MERCEDES JADEA DIAZ: Ich spiele Ylvi. Sie ist Wickies beste Freundin und mag ihn sehr. Das möchte sie ihm auch sagen, aber sie kommt nie dazu.

ANKIE BEILKE: Ich spiele die Chinesin Lee Fu. Ihre Eltern sind arm und können ihre Schulden nicht mehr zahlen. Sie will ihnen helfen und schleicht sich als blinder Passagier auf ein Schiff. Durch einen Zufall trifft sie auf die Wikinger.

Wie seid Ihr an Eure Rollen gekommen?

ANKIE BEILKE: Der Maskenbildner Georg Korpás hat Bully ein Foto von mir gezeigt. Mit Georg habe ich vor sechs Jahren einen Fernsehfilm gedreht. Ich war gerade in Hongkong, als ich für ein Casting in München angefragt wurde. Zweimal habe ich vorgesprochen. Eine Woche später kam die Nachricht, dass ich die Rolle habe. Darüber war ich sehr glücklich.

MERCEDES JADEA DIAZ: Ich bin beim Casting Runde für Runde weitergekommen. Da waren unheimlich viele andere Mädchen und wir mussten Szenen mit immer neuen Wickie-Darstellern spielen. Ich habe gehört, dass ich die Rolle vor allem wegen meiner Sommersprossen bekommen habe.

Welche anderen Filme habt Ihr vor WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER gedreht?

MERCEDES JADEA DIAZ: Das waren nur kleine Rollen. Ylvi ist bis jetzt meine größte Rolle.

ANKIE BEILKE: Ich habe Fernsehfilme in Deutschland gedreht, stehe aber auch oft in Hongkong vor der Kamera. Die haben eine ganz andere Arbeitsweise als in Deutschland. Meistens bekomme ich nicht mal ein richtiges Drehbuch. Der Regisseur oder der Produzent ruft am Abend vorher an und sagt, was am nächsten Tag ungefähr gedreht werden soll. Die Texte bekomme ich erst, wenn ich am Set bin.

Die Arbeit mit Bully dürfte anders ausgesehen haben, oder?

ANKIE BEILKE: Ja, er weiß ganz genau, wie er eine Szene haben will, und überlässt nichts dem Zufall. Ich habe schon mit sehr unterschiedlichen Regisseuren gearbeitet. Die einen sind schüchtern und trauen sich kaum, dem Schauspieler Vorgaben zu machen. Andere sind schlecht gelaunt und lassen ihren Ärger an den Schauspielern aus. Aber mit Bully macht die Arbeit Spaß. Er ist professionell und lustig.

MERCEDES JADEA DIAZ: Ich fand gut, dass er mir einige Szenen vorgemacht hat. Dann musste ich die einfach nur nachspielen.

ANKIE BEILKE: Da kommt Bully zugute, dass er selbst viel Erfahrung als Schauspieler hat. Er konnte uns ganz klar sagen, was wir machen sollten.

MERCEDES JADEA DIAZ: Am tollsten fand ich, dass Bully immer lustig war und Späße gemacht hat. Einmal musste ich sehr, sehr lange durchhalten und habe dann als Belohnung von Bully ein gigantisch großes Eis bekommen. Von meiner Lieblingssorte Amarena Kirsch.

Gibt es Parallelen zwischen Euren Rollen und Euch?

ANKIE BEILKE: Lee Fu hat viel Power und weiß sich zu wehren. Darin erkenne ich mich wieder.

MERCEDES JADEA DIAZ: Ich bin auch ein bisschen wie Ylvi. Um meinen besten Freund zu beschützen, würde ich alles tun.

Mercedes, im Film bist Du blond. Wie konnte das passieren?

MERCEDES JADEA DIAZ: Ich musste eine Perücke tragen. Meine braunen Haare wurden zu Zöpfen geflochten und mit Spangen unter der Perücke versteckt. Das war am Anfang total nervig. Alles hat gejuckt.

Gab es sonst noch Dinge, die Dich bei den Dreharbeiten gestört haben?

MERCEDES JADEA DIAZ: Viele Szenen mussten oft wiederholt werden. Irgend-wann hatte ich keine Lust mehr. Wenn es heiß war, wurde ich noch schneller müde.

Welche Szene hat Dir am meisten Spaß gemacht?

MERCEDES JADEA DIAZ: Die Szene, in der ein Wachmann der Wikinger eine Torte ins Gesicht geworfen bekommt. Ich durfte darüber nicht lachen. Aber gerade deshalb habe ich natürlich noch mehr lachen müssen.

Wie gefällt Euch Jonas Hämmerle als Wickie?

ANKIE BEILKE: Jonas ist sehr talentiert und liebt die Schauspielerei. Das merkt man sofort.

MERCEDES JADEA DIAZ: Jonas ist nett und es war toll, mit ihm zu drehen. Aber anders als im Film ist er im echten Leben nicht mein Freund. Wir sind nicht verknallt.

Ein Gespräch mit Produzent Christian Becker

Der Roman erschien im Jahr 1963, die Zeichentrickserie folgte 1974. Warum gibt es die Realverfilmung von WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER erst jetzt?

CHRISTIAN BECKER: Es war lange Zeit nicht möglich, solch aufwändige Filme von Deutschland aus zu stemmen. Erst Produktionen wie DER SCHUH DES MANITU, (T)RAUMSCHIFF SURPRISE – PERIODE 1 oder HUI BUH – DAS SCHLOSS-GESPENST haben gezeigt, dass deutsche Filme von solch hoher Qualität an der heimischen Kasse und auch international funktionieren. WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER ist mein bislang größtes Projekt. Der Film soll synchronisiert überall in Europa laufen, wo man auch die Zeichentrickserie kennt und liebt.

Welche Beziehung hast Du zu Wickie?

CHRISTIAN BECKER: Ich fand Wickie schon als Kind super. Diese Kombination aus tollen Bildern, spannenden Geschichten, verrückten Figuren. Und mittendrin ein kleiner Junge mit irren Ideen. Eigentlich ist dieser Film so etwas wie die Aufarbeitung meiner Jugendträume. Jetzt kann ich als Kinofilm umsetzen, was ich als Kind geliebt habe.

Wie kamst du auf die Idee, WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER zu verfilmen?

CHRISTIAN BECKER: Eigentlich lag die Idee nahe, weil die Zeichentrickserie in über 60 Ländern gelaufen ist. Als ich mich vor sechs Jahren um die Filmrechte bemühte, habe ich festgestellt, dass die Constantin Film ebenfalls an den Rechten interessiert war. Wir haben uns zusammengetan und den Stoff entwickelt. Vor fünf Jahren habe ich dann Bully von dem Projekt erzählt. Ich sah sofort ein Blitzen in seinen Augen, weil er als Kind so gern die Serie geschaut hat. Nach einigen Wochen waren wir uns einig, dass er die Regie führen wird. Wir mussten aber ein paar Jahre warten, auch um das Geld aufzutreiben und das Projekt sauber zu entwickeln. Bully hat vorher noch LISSI UND DER WILDE KAISER gemacht und gemeinsam haben wir HUI BUH – DAS SCHLOSSGESPENST gedreht.

Wodurch zeichnet sich Bully als Regisseur aus?

CHRISTIAN BECKER: Bully ist der perfekte Regisseur für WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER, weil er wahnsinnig visuell arbeitet und extrem gut vorbereitet ist. Er hat das Drehbuch mit Alfons Biedermann geschrieben und die gesamte Auflösung des Films bereits vor dem ersten Drehtag im Kopf gehabt. Am Set verbreitet er eine Atmosphäre, bei der alle Spaß daran haben, früh morgens zur Arbeit zu kommen.

Was war die größte Herausforderung bei diesem Projekt?

CHRISTIAN BECKER: Es war unser Anspruch, die sehr bekannte Zeichentrickserie möglichst genau in die reale Welt zu adaptieren, gleichzeitig aber eine moderne und zeitgemäße Geschichte zu erzählen. Dabei sollte auch die Grundaussage erhalten bleiben: Köpfchen siegt über pure Kraft.

Wodurch unterscheidet sich der Kinofilm von der Zeichentrickserie?

CHRISTIAN BECKER: Er ist frecher, moderner, jünger und vor allem realistischer. Bully und Alfons Biedermann haben die bekannten Figuren und Themen in eine glaubhafte Wikinger-Welt gesetzt und das Erzähltempo erhöht. Das wird eine echte Achterbahnfahrt für die Zuschauer.

Welchem Genre würdest Du diesen Film zuordnen?

CHRISTIAN BECKER: Das ist eine Mischung aus Family-Entertainment und großer Action-Abenteuer-Komödie. Wir bewegen uns zwischen FLUCH DER KARIBIK und HARRY POTTER, mit Elementen aus PIPPI LANGSTRUMPF. So etwas gab es in Deutschland vorher noch nicht.

Wer soll sich WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER im Kino ansehen?

CHRISTIAN BECKER: Da sind zum einen die Kinder, die heutzutage die Zeichentrickserie im Kika sehen oder das Buch lesen. Zum anderen sind das die Erwachsenen, die in ihrer Kindheit WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER im ZDF gesehen haben und jetzt selbst Kinder haben. So wird der Film ein Erlebnis und ein Abenteuer für die ganze Familie. Die Kinder lieben den Slapstick-Humor und die Spannung, die Erwachsenen mögen obendrein die guten Anspielungen. Das ist vergleichbar mit SHREK.

Wie stemmt man ein so großes Projekt?

CHRISTIAN BECKER: Es war eine sehr große Hilfe, dass wir einerseits die Marke Wickie haben und andererseits Bully als Regisseur. Unser Hauptförderer, der FFF FilmFernsehFonds Bayern, hat sofort zugesagt. Dann kam der Bayerische Banken Fond dazu, außerdem die FFA Filmförderungsanstalt, die NRW Bank und die MFC Malta Film Commission.

Wie gehst Du mit dem Erfolgsdruck um?

CHRISTIAN BECKER: Bei so einer großen Produktion ist der Erfolgsdruck natürlich enorm, aber noch stärker als der Druck von außen ist mein eigener Druck, mein eigener Anspruch, genau den Film über WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER zu produzieren, den ich als Kind selbst gern gesehen hätte.

Die sechs starken Männer habt Ihr über eine Fernsehshow auf ProSieben gefunden. Wie kam es zu dieser Idee?

CHRISTIAN BECKER: Ein Dreivierteljahr vor Drehbeginn sagte mir Bully, er habe ProSieben eine Castingshow vorgeschlagen. Ich war sofort begeistert. Anfangs dachte ich, es gibt einen Aufruf, dann kommen tausend Schauspieler und am Ende des Abends haben wir unsere Darsteller. Wir merkten aber schnell: Man muss sehr genau hingucken. Also gab es einen Monate langen Castingprozess und sechs Ausgaben von BULLY SUCHT DIE STARKEN MÄNNER, bis wir am Ende wirklich die besten gefunden haben.

Welcher Teil der Produktion war besonders aufwändig?

CHRISTIAN BECKER: Die Ausstattung, die Bauten, die Kostüme. Unser Production Designer Matthias Müsse hat mehr als ein halbes Jahr damit zugebracht, jedes Haus und jedes Schiff an die von uns gewünschte Wickie-Welt anzupassen. Genauso groß war die Herausforderung an unsere Kostümdesignerin Anke Winckler und den Maskenbildner Georg Korpás. Alles musste wie aus einem Guss wirken, der Zeichentrickserie gerecht werden und trotzdem realistisch aussehen.

Wieso fiel die Wahl auf Gerhard Schirlo als Kameramann?

CHRISTIAN BECKER: Für mich gehört er zu den besten Kameraleuten, die wir in Deutschland haben. Er hat uns schon Bombenbilder für HUI BUH, DER WIXXER oder DAS JESUS VIDEO geliefert. Viele Zuschauer sagen: „Wow, das sieht gar nicht wie ein deutscher Film aus!“ Das freut uns natürlich. Denn wir wollen ja keine deutsche Tristesse bieten, sondern den Zuschauer in eine andere Welt entführen. Er soll lachen, weinen oder zittern

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