Wickie auf großer Fahrt Poster

Fakten und Hintergründe zum Film "Wickie auf gro?er Fahrt"

Kino.de Redaktion  

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Über die Produktion

Mehr als sechs Millionen Kinobesucher im deutschsprachigen Raum sahen WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER. Damit war Michael Bully Herbigs Realverfilmung der gleichnamigen populären Zeichentrickserie der erfolgreichste deutschsprachige Film des Jahres 2009. Kein Wunder, dass Produzent Christian Becker sofort nach dem sensationellen Kinostart am 9. September 2009 die Segel für ein weiteres großes Abenteuer des kleinen schlauen Wikingerjungen hissen wollte. „Wir reden nie von einem zweiten Teil oder von einer Fortsetzung“, stellt der Produzent gleich zu Beginn klar. „Es ist ein neuer WICKIE, der auch dann funktioniert, wenn man die Figuren aus WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER noch nicht kennt.“

Schnell wurde deutlich, dass am Steuerrad dieser gewaltigen Produktion ein neuer Kapitän stehen würde. Dazu Christian Becker: „Nachdem Bully früh signalisiert hatte, dass er wegen seiner schauspielerischen Arbeit in anderen großen Kinoprojekten leider keine Zeit haben wird, WICKIE AUF GROSSER FAHRT zu inszenieren, konnte es für die Regie eigentlich nur einen geben: Christian Ditter. Er kann großartig Geschichten erzählen und gut mit Schauspielern, insbesondere mit Kindern umgehen.“ Zuvor hatten Christian Ditter und Christian Becker schon die Komödie FRANZÖSISCH FÜR ANFÄNGER sowie die ersten beiden Teile der Jugendreihe VORSTADTKROKODILE erfolgreich in die Kinos gebracht.

Der Filmspaß sollte diesmal noch größer werden. Nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch: „3D eignet sich perfekt für Familienunterhaltung, Abenteuer und Action, und genau dafür steht WICKIE“, betont Christian Becker. Die revolutionäre Aufnahme- und Wiedergabetechnik wertet der Produzent als „echten Mehrwert des Kinos“ gegenüber dem Fernsehen und der DVD: „Der Zuschauer sitzt mittendrin im Geschehen, der Drachenkopf des Wikingerschiffes haut ihn quasi um, das Segel weht ihm um die Nase.“

Auch seinen Regisseur überzeugte der Produzent zunächst allein durch die Zugkraft der dritten Dimension: „Christian Becker rief mich an und fragte, ob ich den ersten deutschen 3D-Realfilm fürs Kino machen will“, erzählt Christian Ditter. „Ich sagte sofort zu und habe erst im Anschluss erfahren, dass es um WICKIE AUF GROSSER FAHRT geht.“ Diese Kombination empfand Christian Ditter erst recht als Geschenk, gehörte Wickie doch zu den Helden und Identifikationsfiguren seiner Kindheit. „Wickie hat eine natürliche Vorsicht, die vorschnell als Angst interpretiert wird. Aber wenn es drauf ankommt, ist er immer derjenige, der den Tag rettet“, sagt der Regisseur. „Gerade Kinder finden es natürlich klasse, wenn ein kleiner Junge den starken Männern zeigt, wo es lang geht. Denn als Kind hat man ja den Eindruck, dass man sowieso alles besser weiß als die Erwachsenen.“

Gleich mehrere Autoren arbeiteten ab Herbst 2009 an verschiedenen Geschichten, stets auf der Suche nach dem perfekten Drehbuch. Ab Frühjahr 2010 schrieb auch der Regisseur seine ganz persönliche Version. „Christian Ditter hat die beste Story und das beste Drehbuch geliefert, er ist nämlich auch ein begnadeter Autor“, lobt Christian Becker und betont, wie hoch seine Wünsche und Ansprüche waren: „Nachdem wir in WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER Schlüsselszenen wie Wickies Angst vor dem Wolf oder den Wettkampf zwischen ihm und seinem Vater Halvar verwendet haben, nutzen wir in WICKIE AUF GROSSER FAHRT weitere Szenen, die man aus der Zeichentrickserie kennt und liebt.“ Das ist zum einen die Flucht aus einem Burgverlies, zum anderen das Verkleiden der Wikinger als Gaukler. Hinzu kommen Burgen, Raubritter, Eiswüsten, schöne Frauen auf einsamen Inseln und waghalsige Schiffsjagden in Todesschluchten.

So groß die Abenteuer und so gewaltig die Schauplätze auch sind: Der kleine Wikingerjunge steht weiterhin im Mittelpunkt des Films. „Die Starken Männer akzeptieren Wickie inzwischen, weil sie wissen, dass er gute Ideen hat, zuverlässig und ehrlich ist“, sagt Christian Becker. „Das bringt ganz neue Möglichkeiten für die Geschichte, zum Beispiel, dass Wickie vorübergehend die Rolle des Häuptlings übernehmen kann.“ Regisseur Christian Ditter ergänzt: „Wickie ist älter, reifer, selbstbewusster. Das wird auch der Tatsache gerecht, dass unser Hauptdarsteller Jonas Hämmerle ein bisschen älter geworden ist. Er ist kein Kind mehr und noch kein richtiger Teenager, aber in einer Phase, in der man sich mehr Gedanken über das Leben macht. Dieses Gefühl mussten wir im Film aufgreifen.“ Dazu gehören auch die ersten Anzeichen einer aufkeimenden Liebe zu einem Mädchen: der von Christian Ditter erfundenen Svenja. „Die Liebesbeziehung ist ganz zart und führt nicht mal bis zum ersten Kuss“, sagt Christian Becker, „aber es ist wirklich herzerwärmend, wenn Wickie ein bisschen damit überfordert ist, verknallt zu sein.“

Produktion: Die Besetzung

Svenja gehörte zu den neuen markanten Rollen, die es für WICKIE AUF GROSSER FAHRT zu besetzen galt. Nach einem Casting-Aufruf in dem ProSieben-Magazin „taff“ im Juli 2010 bewarben sich mehr als 400 mögliche Gegenspielerinnen für Wickie. Am Ende setzte sich die damals 12-jährige Valeria Eisenbart durch, die bereits Erfahrungen vor der Kamera mitbrachte. So spielte sie unter anderem in Anno Sauls Kinothriller DIE TÜR (2009) die Tochter von Jessica Schwarz und Mads Mikkelsen. „Valeria bringt als Svenja eine Coolness, eine Stärke und ein Selbstbewusstsein mit, woran es dem gleichaltrigen Wickie manchmal mangelt“, erklärt Christian Becker. „Sie kann Wickie Contra geben, ist aber dennoch irre süß.“

Die meisten anderen Personen in WICKIE AUF GROSSER FAHRT sind bekannt und beliebt aus WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER. Allen voran der bei Drehbeginn zwölf Jahre alte Jonas Hämmerle, der in der zweijährigen Pause zwischen beiden Wickie-Abenteuern ungefähr zehn Zentimeter und zweieinhalb Konfektionsgrößen gewachsen ist. Dieser Schub war vor der Kamera mit einfachen Mitteln aufzuhalten: Kostümbildnerin Anke Winckler ließ größere Helme für den Schlaukopf anfertigen und passte den Schnitt der Kostüme den neuen Proportionen des Hauptdarstellers an. Maskenbildner Georg Korpás schminkte Jonas Hämmerle mit ganz klassischen Tricks jünger: „Wir haben die Augenbrauen heller gefärbt und leicht ausgedünnt, die rotblonde Perücke war diesmal eine Nuance kürzer, damit das Gesicht noch frischer und kindlicher wirkt.“

Waldemar Kobus, der Wickies Vater und den Wikingerhäuptling Halvar von Flake spielt, musste für die Dreharbeiten einmal mehr seinen üppigen Bart sprießen lassen, in den Georg Korpás dann Teile aus Büffelhaar einarbeitete. Außerdem musste Kobus für seine Rolle auf jede Diät verzichten, damit die Rundungen des Wikingerbosses wieder exakt denen der Zeichentrickvorlage entsprachen. Auch Patrick Reichel, der ein zweites Mal in die Rolle des Lyra spielenden Schöngeistes Ulme schlüpfte, blieb das Schicksal der Gewichtszunahme nicht erspart: Innerhalb von fünf Monaten futterte er sich stolze 20 Kilogramm an. Mike Maas ließ für seine Rolle als Gorm erneut Haare, bis nur noch ein kleiner Haarkranz den Kopf zierte.

Neben Patrick Reichel und Mike Maas sind in WICKIE AUF GROSSER FAHRT natürlich auch die anderen Wikinger, die 2008 im Rahmen der ProSieben-Castingshow „Bully sucht die starken Männer“ aus 4400 Bewerbern ausgesucht wurden, wieder mit von der Partie: Olaf Krätke als weiser Urobe, Christian A. Koch und Nic Romm als ewige Streithähne Snorre und Tjure und Jörg Moukaddam als ebenso beleibter wie naiver Faxe.

Für Regisseur Christian Ditter war es eine große Freude, die bewährte Mannschaft an Bord seines neuen Filmprojekts zu holen: „Ich hatte das große Glück, dass WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER super besetzt war und die Schauspieler schon großartig aufeinander eingespielt waren.“ So lobt auch Tjure-Darsteller Nic Romm den sensiblen Umgang des neuen Regisseurs mit dem gesetzten Ensemble: „Ich hatte Christian Ditter schon vor den Dreharbeiten beim Deutschen Filmpreis getroffen. Damals sagte er mir, dass er unsere frühere Arbeit sehr schätze. Es war gar nicht sein Ziel, unsere Figuren völlig neu zu erfinden. Er hat sie beim Schreiben und Inszenieren auf sehr angenehme Weise weiterentwickelt.“

Bei einem Probenwochenende in München trafen sich alle Schauspieler, um gemeinsam mit dem Regisseur das Drehbuch zu lesen und zu besprechen. „Die Schauspieler kannten ihre Rollen so gut, dass sie gleich Vorschläge machen konnten, wie man bestimmte Formulierungen ändern sollte“, sagt Christian Ditter und hält fest: „Nach diesem gemeinsamen Wochenende waren wir ein gutes Team.“

Produktion: Die Dreharbeiten

Die erste Klappe fiel am 30. August 2010 am Walchensee in der oberbayerischen Gemeinde Jachenau. Rund um den tiefsten Alpensee Deutschlands, der als perfektes Double einer skandinavischen Fjordlandschaft gilt, hatten die Wikinger schon 2008 für WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER ihre Filmheimat namens Flake gefunden. Jetzt wurde das Dorf, das damals von Production Designer Matthias Müsse entworfen wurde, von dessen Nachfolgerin Evi Stiebler rekonstruiert.

„Ich wollte Flake als wichtigen Bezugspunkt zu WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER wieder aufgreifen“, sagt Regisseur und Drehbuchautor Christian Ditter. „Aber es spielen nicht allzu viele Szenen in Flake, weil mir wichtig war, dass der Zuschauer genug neue Orte zu sehen bekommt. Deshalb verlassen die Wikinger Flake schon sehr bald wieder und begeben sich auf große Fahrt.“

Auf große Fahrt begaben sich auch einige der Wikingerhäuser. Gezwungenermaßen. Die ursprünglich zwölf Häuser, die 2008 in der Bucht mit dem schönen Namen Stiller Winkel errichtet worden waren, fanden damals nach dem Ende der Dreharbeiten eine neue Heimat als Besucherattraktion auf dem Gelände der Bavaria Filmstadt bei München oder wurden den Kindern in der Gemeinde Kochel am Walchensee als Spielplatz überlassen. Fünf dieser Holzhäuser gingen nun auf eine ungewöhnliche Reise. Innen mit Stahlgerüsten verstärkt, wurden sie mit dem Kran auf Flöße gehievt, sodass sie schwimmend zurück zum Stillen Winkel transportiert werden konnten. Halvars Häuptlingshaus und der große Marterpfahl mit gewaltigem Drachenkopf mussten komplett neu gebaut werden. Beide sind derart beliebte Anziehungspunkte bei der Filmtour in den Bavaria Studios, dass sie nicht mehr – auch nicht kurzfristig – an das echte Flake ausgeliehen werden konnten.

Nur besonders wachen Wickie-Experten wird auffallen, dass das neue Filmdorf Flake einige Häuser weniger hat als das Original. Dafür ist es grüner als die Urfassung. „Es gibt mehr Beete, mehr Grünflächen“, sagt Szenenbildnerin Evi Stiebler und mutmaßt: „Die Wikinger hatten offenbar Zeit für Gartenarbeit.“ Für noch mehr Natur sorgten Ziegen, Schafe, Kühe, Schweine und viele stinkende Trockenfische. Weil die digitale Aufnahmetechnik der 3D-Kamera jedes Bild viel klarer und jede Kulisse viel sauberer erscheinen lässt, mussten Evi Stiebler und ihr Team für künstliche Unordnung sorgen: Die Baumstammfassaden der Häuser wurden geflämmt und gekärchert, die Wege mit Matsch und Dreck verschmutzt.

Halvar-Darsteller Waldemar Kobus konnte es kaum erwarten, in sein Dorf Flake zurückzukehren: „Das ist mein Lieblingsdrehort! Statt ins Hotel zu fahren, übernachte ich im Wohnmobil, das mir die Produktionsfirma zur Verfügung stellt, und springe nach Drehschluss in den Walchensee, um im glasklaren Wasser zu plantschen.“ Auch Sanne Schnapp, die Halvars Frau und Wickies Mutter Ylva spielt, findet nur lobende Worte für Flake: „Unser Haus steht direkt am Fjord. Ich kann mir keinen schöneren Ort vorstellen. Ich weiß nicht, wer der Urgründer unseres Dorfes war, aber er hat ein sehr sicheres Händchen bewiesen.“

Angesprochen auf den an keiner Stelle näher definierten Nachnamen von Wickies Familie, stellt Sanne Schnapp eine interessante Theorie auf: „Es heißt immer: Halvar von Flake. Ich glaube, wir heißen alle ,von Flake’. So sind doch die ganzen Adelsnamen entstanden.“ An dieser Stelle ist anzumerken, dass die Darstellerin von Tjures Filmgattin im wahren Leben tatsächlich Gisa Flake heißt.

Die Starken Männer, deren Filmfrauen und bis zu 45 Komparsen aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen bevölkerten für mehrere Drehtage das Filmdorf am Walchensee. Leider waren die Götter gleich am Anfang alles andere als gnädig. „Der erste Drehtag war ein totaler Reinfall“, erinnert sich die Ausführende Produzentin Lena Schömann. „Ein Riesenaufgebot an Statisten stand bibbernd und zitternd im Regen, das ganze Team versank bis zu den Knien im Schlamm.“

Auch Regisseur Christian Ditter erinnert sich mit Schrecken an den missglückten Auftakt: „Da sind 25 von 30 Trucks im Matsch versunken, und das Team war trotz der Regenkleidung nach wenigen Minuten klatschnass.“ Statt der 15 bis 30 Einstellungen, die für einen Drehtag normal sind, waren für den ersten Tag eh nur sieben Einstellungen geplant, weil sich das ganze Team in Ruhe an die Arbeit mit der 3D-Kamera gewöhnen sollte. „Am Ende schafften wir an diesem Regentag genau drei Einstellungen, mit denen ich nicht mal zufrieden war“, zieht Christian Ditter negative Bilanz. Doch Lena Schömann sieht es realistisch: „Nach so einem Starttag konnte es nur noch besser werden, und tatsächlich hatten wir bald darauf schöne Tage am Walchensee. Die Ausstattung konnte mit Stroh und Sägespänen die Spuren der Schlammschlacht gut entfernen.“

Auf dem Walchensee kam auch wieder das Wikingerschiff mit mächtigem Drachenkopf, rotweiß gestreiftem Segel und großem Holzbauch zum Einsatz. Allerdings nicht das Original aus WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER, das als fester Bestandteil der Bavaria-Filmtour unabkömmlich ist, sondern ein exakter Nachbau des Originals: 17,5 Meter lang, 5,5 Meter breit, 13 Tonnen schwer und mit einem 100 Quadratmeter großem Segel am 14 Meter hohen Mast. Auch alle historischen Ungenauigkeiten, die das legendäre Schiff aus der Zeichentrickserie seit 30 Jahren vorgibt, wurden erneut übernommen. Denn streng betrachtet, ist das Schiff zu groß und zu bauchig, es ragt zu weit aus dem Wasser heraus und verfügt nicht über die eigentlich erforderliche Zahl an Ruderplätzen.

Am Bau des Schiffes waren erneut zwei erfahrene Männer maßgeblich beteiligt: Art Director Uwe Stanik, der schon mehrere Schiffe für andere Filmprojekte entworfen hat, überwachte den Bau ebenso wie der Lübecker Weltumsegler und Wikinger-Experte Burkhard Pieske, der wie kein Zweiter die Schiffsbaukunst der Wikinger kennt und mit einem selbst gebauten Wikingerschiff bereits den Atlantik auf einer historischen Route Richtung Amerika überqueren konnte.

Das neue Wikingerschiff liegt derzeit in einem Steinbruch der Gemeinde Jachenau auf Halde und wartet auf seinen nächsten Einsatz vor der Kamera. Obwohl schwimmfähig und vom TÜV abgenommen, musste Halvars Schiff keine Reise zum nächsten Drehort auf Malta antreten. Für die Szenen, die ab Oktober 2010 in den Wasserstudios der Mittelmeerinsel gedreht wurden, griff die Produktion auf zwei weitere Schiffe zurück. Ein komplett neues und eines, das 2008 nach den Dreharbeiten zu WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER auf Malta eingelagert worden war. Dieses diente damals sowohl als Wikingerschiff als auch – stark umdekoriert – als Piratenschiff für den Schrecklichen Sven. Dieses Schiff-Sharing war bei WICKIE AUF GROSSER FAHRT nicht möglich, weil das Drehbuch diesmal eine Verfolgungsjagd zwischen den Wikingern und Svens Piraten durch die Schlucht des Odin vorschreibt, weshalb auf Malta gleich zwei Schiffe benötigt wurden.

Weil Wickie vorübergehend zum Häuptling und Kapitän aufsteigt, absolvierte der Wikinger-Experte Burghard Pieske einen ungewöhnlichen Gastauftritt. In einigen Segelszenen musste er in der Totalen als Double für Jonas Hämmerle einspringen. „Jonas hatte nicht die Kraft, das Schiff allein zu steuern“, sagt Pieske, der in diesen Momenten Wickies Kostüm, Perücke und Helm in Sondergröße trug und sich – erstmals seit mehr als 40 Jahren – den Bart abrasiert hatte.

In den „Mediterranean Film Studios“ nahe der Maltesischen Hauptstadt Valetta drehte das Team mit beiden Schiffen in einem riesigen Wasserbecken, das auch schon für eine Vielzahl großer Hollywood-Erfolge wie GLADIATOR oder TROJA genutzt wurde. In dem künstlichen Wassertank lässt sich der Wellengang wunschgemäß für die Dreharbeiten kontrollieren, während sich im Hintergrund nahtlos die Weite des echten Meeres anschließt. Normalerweise. „Wir hatten unterschätzt, wie deutlich man diese Wasserkante erkennt, wenn man in 3D dreht“, sagt Produzent Christian Becker. „Wo sich das Auge bei einer herkömmlichen Aufnahmetechnik relativ leicht täuschen lässt, mussten wir bei den digitalen 3D-Bildern nachträglich sehr mühsam retuschieren und Tiefe erzeugen, um die Illusion perfekt zu machen.“

Auch für Szenenbildnerin Evi Stiebler hielt die enorm verbesserte Bildqualität neue Herausforderungen bereit. Reichte es bei WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER noch völlig aus, Felsen zum Teil einfach nur aufzumalen, musste jeder Felsen in der Schlucht des Odin nun als täuschend echte Kopie in das Wasserbecken gebaut werden. Gleich elf riesige Felsen, abgenommen von echten Steinformationen auf Malta und nachgebaut aus wasserfestem Fiberglas mit einer Holzunterkonstruktion, ragten aus dem Wasser. „Man steht davor und denkt, die wären alle echt“, zeigt sich Burghard Pieske beeindruckt. Für die Fahrt durch diesen felsigen Slalomparcours bekamen die Schiffe reichlich Schwung, indem sie an Seilen von einem Lastwagen gezogen wurden.

„Es war witzig anzusehen, wenn so ein schrottiger Wagen mit einem alten Malteser am Steuer in eine bestimmte Richtung düste und früh genug bremsen musste, damit das Schiff nicht am Beckenrand zerschellt“, erzählt Evi Stiebler.

Action ganz anderer Art erlebten die Darsteller an Bord des Wikingerschiffes, als an mehreren Tagen und Nächten Sturmsequenzen gedreht wurden. Gorm-Darsteller Mike Maas bekommt noch heute funkelnde Augen, wenn er sich an dieses Abenteuer erinnert: „Das war der pure Wahnsinn, wenn uns das Wasser um die Ohren schoss.“ Sein Kollege Patrick Reichel stimmt ihm zu: „Die Wasserkanonen arbeiten mit enormer Druckluft. Selbst ein gestandener Mann wie Jörg Moukaddam wurde von dieser Wucht umgerissen. Einmal hat das Wasser sogar die Bordwand unseres Schiffes zerfetzt. Regisseur Christian Ditter hat gute Gründe dafür, warum er seine Darsteller den künstlich geschaffenen Naturgewalten aussetzte: „WICKIE AUF GROSSER FAHRT ist vom Genre her eine Abenteuerkomödie. Und da ist es gut, wenn die Schauspieler viele Stunts selbst machen wollen, weil ich dann mit der Kamera viel näher rangehen kann. So sieht man auch die Emotionen.“

Auch Produzent Christian Becker ist davon überzeugt, dass sich der Aufwand lohnt: „WICKIE AUF GROSSER FAHRT ist einer der aufwändigsten deutschen Familienfilme, die jemals gedreht wurden. Mit insgesamt drei Schiffen konnten wir Seeschlachten mit Sturm, Wind und Regen drehen. So etwas macht Spaß, denn es erweckt das Kind in einem. Ich bin stolz, so etwas aus Deutschland heraus für den Weltmarkt produzieren zu können.“

Malta war auch der Drehort für alle Szenen, die auf der Insel der geheimnisvollen Walküren spielen. Dort stranden die Wikinger, nachdem sie im Sturm die Kontrolle über ihr Schiff verlieren und ihr Segel opfern müssen. Die Idee zur Insel der Walküren hatte Neil Ennever, ein Freund des Regisseurs Christian Ditter, mit dem er auch das Drehbuch für VORSTADTKROKODILE 2 geschrieben hat. „Als ich WICKIE AUF GROSSER FAHRT schrieb, war ich in Berlin und saß bei Neil in der Küche“, erzählt Christian Ditter. „Er fragte mich, wo Wickies Fahrt denn überall hinführen wird. Ich erzählte von der Burg, dem Eispalast und anderen tollen Orten. Neil fragte sofort: Und wo sind die Frauen? Wir gingen im Geiste alle Abenteuer der Filmgeschichte durch und kamen schnell auf die Amazonen und Walküren.“

Produktion: Kostüme und Design

Setdesignerin Evi Stiebler machte sich viele Gedanken über die Heimat dieser sexy Damen: „Als Inspiration diente die Osterinsel im Pazifik, also keine Insel um die Ecke, sondern eine ganz eigene Kultur, bei der sofort deutlich wird, dass die Wikinger schon eine ganze Weile gereist sein müssen.“ Die richtige Location fand das Team schließlich an einem weitgehend unbebauten Strand auf Malta, der nur zwei Buchten von der Fischerdorf-Kulisse entfernt liegt, in der Robert Altman 1980 seine Realverfilmung von POPEYE – DER SEEMANN MIT DEM HARTEN SCHLAG mit Robin Williams in der Titelrolle drehte.

Zwar war von vornherein klar, dass die große Ansammlung schöner Frauen ein besonderer Blickfang für Wikinger und Zuschauer gleichermaßen werden würde, doch bei der Rolle der Anführerin sollte ein besonderer Akzent gesetzt werden. „Wir haben uns überlegt, wer möglichst übernatürlich viel Ausstrahlung und Schönheit mitbringt“, sagt Regisseur Christian Ditter. Da lag die Idee nahe, die Rolle mit einem Supermodel zu besetzen. „Zunächst überlegten wir, ein amerikanisches Topmodel anzufragen, aber irgendwie fanden wir es passender, für einen deutschen Film ein deutsches Top-Model zu engagieren“, betont Produzent Christian Becker.“

Also trafen sich Christian Ditter, Christian Becker und die Casterin Daniela Tolkien mit Eva Padberg. „Nach der ersten Begegnung war uns sofort klar, dass Eva genau die Richtige für diese Rolle ist“, lobt Christian Ditter den dritten Filmausflug des Models. Für Eva Padberg war Wickie kein Unbekannter: „Ich habe als Kind die Zeichentrickserie geschaut und wusste auch, dass der erste Kinofilm wahnsinnig erfolgreich war. Dann habe ich mich vorsichtshalber noch bei meiner Nichte und meinem Neffen erkundigt, ob ich bei WICKIE AUF GROSSER FAHRT mitspielen soll. Die haben bestätigt, dass das ganz toll wäre, und so habe ich mich noch mehr über das Angebot der Produktion gefreut.“

Zur Vorbereitung ihrer Rolle setzte sich Eva Padberg mit der germanischen Sagenwelt auseinander: „Als erstes hat man die Wagnerischen Walküren vor Augen, die sehr kräftig sind. Walküren bringen gefallenen Kriegern den Tod, sie bedeuten also nichts Gutes. Wenn man sie sieht, kann man sich direkt verabschieden.“ Maskenbildner Georg Korpás lobt die Zusammenarbeit mit Eva Padberg: „Sie macht einem Maskenbildner das Leben sehr leicht, denn neben einer großen Motivation bringt sie eine natürliche Schönheit mit. Da brauchte ich nicht mehr viel zu machen.“

Kostümbildnerin Anke Winckler entwarf für Eva Padberg und ihre Mitstreiterinnen verwegene Wickelröcke aus sandfarbenen und roten Stoffen. Die Zweifarbigkeit war entscheidend, weil die Kleidung der Walküren im Film eine entscheidende Rolle für die Wikinger spielt. Die 30 Walküren wurden über eine Modelagentur direkt auf Malta gesucht und gefunden. Lediglich die Assistentin der von Eva Padberg gespielten Anführerin wurde ebenfalls aus Deutschland eingeflogen: Ella-Maria Gollmer, die schon für VORSTADTKROKODILE 2 unter der Regie von Christian Ditter gespielt hat. „Ich habe mich sehr gefreut, als Christian mich anrief und mir die Rolle der Walküre anbot“, sagt die 17-Jährige. „Als ich dann noch erfuhr, dass ich auf Malta drehe und neben Eva Padberg spiele, habe ich natürlich umso lieber zugesagt.“ Nur Ella-Marias Großmutter ließ vorab die Kleiderordnung überprüfen: „Sie hatte Sorge, dass die Walküren Bikinischönheiten sind und die Kleider zu knapp werden“, lacht die Schauspielerin. „Aber mit dem Ergebnis ist die ganze Familie sehr zufrieden.“

Die Dreharbeiten entpuppten sich als unerwartete Belastungsprobe für die schönen Frauen. „Stand heute 12 Stunden lang bei Sturm und Regen auf einer Klippe von 3 x 4 Metern mit 30 Walküren und einer Horde Wikinger … interessant!“, twitterte Eva Padberg am Abend ihres ersten Drehtags in die Welt hinaus. Rückblickend verrät sie mehr Details: „Wir standen im Sturm vor dem tosenden Meer auf den Klippen. Das war ein einziger Balanceakt. Die Witterung hat nicht mitgespielt, und wir mussten wegen des Sturms immer wieder abbrechen. In unseren winzigen Kostümen war es schon sehr kalt. Aber wenn wir mit den Zähnen klappern, sieht das nicht so gut aus im Film. Wir sollten ja glaubhaft rüberbringen, dass es auf der Insel der Walküren angenehm warm ist.“

Christian Ditter war durchaus bewusst, dass er den Darstellerinnen einiges abverlangt. „Trotzdem habe ich die ganze Zeit gedacht: Hoffentlich hört der Wind nicht auf!“, sagt der Regisseur. „Während alle die Krise gekriegt haben, weil der Sturm das Meer aufpeitschte und zehn Mann mit aller Kraft den Kamerakran festhalten mussten, schaute ich auf den Monitor und fand es großartig, wie die Haare wehten und die Wellen tobten. Das sind unglaubliche Bilder.“

Zwar ist die Historie von Malta fest verwurzelt mit Rittern und Burgen, doch um die Ritter-Szenen für WICKIE AUF GROSSER FAHRT zu drehen, wählte die Produktion das heimische Deutschland. In einer Waldlichtung im Grünwalder Forst bei Straßlach entstand für vier Drehtage ein großes Ritterlager mit mehreren Kutschen. Das Lager soll Wickie zum Beweis seiner Tapferkeit ausrauben. „Diese Auftaktszene des Films sollte ursprünglich in einer Burg spielen“, verrät Produzent Christian Becker. „Doch das hätte eine Doppelung mit der Burg vom Schrecklichen Sven bedeutet, aus der Wickie später seinen entführten Vater befreien muss.“ Regisseur Christian Ditter hatte die Idee, die Szene stattdessen in einer Ansammlung von historischen Kutschen im Wald spielen zu lassen. „Das klang zunächst leichter und günstiger als Dreharbeiten auf einer Burg“, sagt Christian Becker. Doch aus der Begeisterung heraus entstanden immer aufwändigere Ideen wie zum Beispiel der Überschlag einer Gefängniskutsche, mit der die Pferde durchgehen. „Am Ende hat die Szene doppelt so viel gekostet wie wir für den Burgdreh bezahlt hätten, aber dafür ist dieser Filmauftakt um ein Vielfaches spektakulärer.“

Die Szene ist auch mit einem Überraschungsauftritt von Christian Ulmen gespickt, den viele allenfalls an seiner Stimme erkennen werden, während sein Gesicht vom Visier eines Ritterhelms verdeckt wird. Gemeinsam mit Antoine Monot, Jr. mimt er einen verwegenen Raubritter, der in den Kutschen Schätze hortet, Sklaven gefangen hält und Wickie kräftig unterschätzt. „Wir denken, Wickie ist ein Mädchen“, sagt Christian Ulmen, „aber dafür werden wir später auch von seinem Vater verkloppt.“

Für Ulmen, der 2010 in der Christian-Becker-Produktion JERRY COTTON die Rolle des FBI-Agenten Phil Decker spielte, war der böse Ritter eine willkommene Abwechslung in seinem Repertoire: „Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich mit meinem kurzen Auftritt die Antipathie vieler Kinder auf mich ziehen werde. Das ist ja auch ein schönes Gegenstück zu meinem sonstigen Sein. Kinder laufen auf mich zu, wollen mit mir spielen, auf Spielplätzen bin ich immer der Mittelpunkt. Jetzt kann ich sie endlich mal erschrecken und sie das Fürchten lehren. Diese Sehnsucht trage ich schon lange in mir.“

Dafür, dass die Raubritter ihre gerechte Strafe erhalten, sorgen Halvar und die Starken Männer. „Wir haben zwei Tage lang in den Bavaria-Studios geprobt, um uns auf die Kampfszene mit den Rittern vorzubereiten“, sagt Olaf Krätke, der den weisen Wikinger Urobe spielt. Sein Schauspielkollege Jörg Moukaddam alias Faxe hält zu viel Training allerdings für kontraproduktiv: „Der Vorteil ist ja, dass all unseren Kämpfen ein gewisser Slapstick zugrunde liegt. Das soll immer ein bisschen unbeholfen und komisch aussehen, ich vergleiche das gern mit den Prügeleien aus Filmen mit Bud Spencer und Terence Hill.“

Vom 5. bis 12. November 2010 eroberte das Produktionsteam die Burg zu Burghausen im oberbayerischen Voralpenland. Die mit 1043 Metern längste Burganlage der Welt (so steht es im Guinness-Buch der Rekorde) diente bereits als Kulisse für Til Schweigers Mittelalterkomödie 1 ½ RITTER – AUF DER SUCHE NACH DER HINREISSENDEN HERZELINDE (2008) und Paul W.S. Andersons historisches Actionabenteuer DIE 3 MUSKETIERE in 3D (2011) und bietet Filmemachern gleich mehrere Vorteile.

„Die Stadt Burghausen hat wegen ihrer touristischen und wirtschaftlichen Bedeutung genügend Hotels für unser großes Team“, sagt Produktionsleiterin Uli Fauth. „Außerdem war es eine reine Freude, mit dem Burgverwalter Heinz Donner zu arbeiten. Er hörte sich all unsere Pläne an und versuchte dann nahezu alles, um sie innerhalb der strengen Denkmalschutz-Auflagen der Bayerischen Schlösserverwaltung zu realisieren.“

Auf Setdesignerin Evi Stiebler wirkte die Burg zu Burghausen bei der ersten Vorbesichtigung zu sauber, um eine glaubwürdige Heimat des Schrecklichen Sven sein zu können. „Das sah aus wie ein Landhaus in der Toskana“, lacht Evi Stiebler. Also wurden einzelne Abschnitte der Burghöfe mit Stroh und Dreck „verschönert“, während die sattgrüne Wiese im Burggraben mit dem Gasbrenner schwarzbraun angesengt wurde. Dieser Farbton harmoniert besser mit dem „Kap der Angst“, an dem der Schreckliche Sven sein Unwesen treibt und an dem die Burg laut Drehbuch steht. „Svens Festung aus dem Film gibt es in Wahrheit gar nicht“, verrät Produzent Christian Becker.

„Wir haben sie fotorealistisch als Computermodell konstruiert und in Burghausen vorwiegend Innenaufnahmen auf Fluren, in Verliesen und im Burghof gedreht.“ Ein zentraler Drehort war auch der so genannte Pulverturm, ein 1533 erstmals urkundlich erwähnter Geschützturm mit bis zu fünf Meter dicken Mauern. Hier haust im Film der Schreckliche Sven mit seinen finsteren Piraten. Auch sein Erzfeind, Halvar von Flake, wird hier als entführte Geisel gefangen gehalten. Halvar-Darsteller Waldemar Kobus wurde erst im Verlauf der Dreharbeiten bewusst, was diese Entführung für ihn bedeutete: „Plötzlich habe ich gemerkt, dass die Anderen fast alles ohne mich machen. Das war richtig schlimm! Die Anderen haben die tollen Abenteuer auf dem tosenden Meer erlebt, wurden von den wunderschönen Walküren gefangen und haben auf tollen Burgen gedreht. Und ich saß im Kerker oder war schon wieder zu Hause. Im Grunde habe ich in diesem Film nur zwei große Aufgaben: Am Anfang, wenn es darum geht, Wickie misszuverstehen. Und am Ende, wenn es darum geht, Wickie immer noch misszuverstehen.“

Dafür hält WICKIE AUF GROSSER FAHRT aber viele Sternstunden für Halvars Widersacher Sven bereit. „Er ist nicht mehr nur das personifizierte Böse, sondern ein echter Psychopath“, sagt Schauspieler Günther Kaufmann. „Das macht den Schrecklichen Sven umso gefährlicher. Ich denke, einige Kinder werden Bauchweh bekommen, wenn sie Sven auf der Leinwand sehen.“ Vor allem dann, wenn Kaufmanns furchteinflößendes Lachen erschallt: „Das ist mein Markenzeichen, das kommt aus mir heraus, so wie bei dieser Rolle ohnehin vieles aus mir heraus kommt“, betont der Schauspieler und spart nicht an Eigenlob: „Es gibt wahrscheinlich in ganz Europa und im Rest der Welt keinen so Schrecklichen Sven, wie ich in gebe. Das muss ich ganz ehrlich und in aller Bescheidenheit sagen.“

Weil Günther Kaufmann im wahren Leben stark abgenommen hat, musste bei Maske und Kostüm getrickst werden. Der mehr als zehn Kilogramm schwere Kunstbauch aus Silikon war noch wuchtiger als bei den Dreharbeiten zu WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER, Teile des Körpers waren für WICKIE AUF GROSSER FAHRT unter Fellen versteckt. „Der Pelz lässt mich noch animalischer und brutaler erscheinen“, sagt Günther Kaufmann.

An Svens Seite brilliert erneut Christoph Maria Herbst in der Rolle des Adjudanten Pokka. „Er ist der schleimige, speichelleckende, hochopportunistische Wurmfortsatz vom Schrecklichen Sven“, beschreibt Christoph Maria Herbst seine Rolle. „Er würde alles dafür geben, noch schrecklicher zu sein als sein Boss, und insgeheim sieht er sich wahrscheinlich als den einzig würdigen Nachfolger seines großen Übervaters. Aber er kann es einfach nicht. Er ist zu trottelig, um richtig schrecklich zu sein.“

Wahrlich schrecklich war dagegen die Schminkprozedur, die jeden Morgen nötig war, um aus dem Schauspieler den hässlichen Pokka zu machen. „Am meisten hat Christoph Maria Herbst gestört, dass wir ihm wieder seine Augenbrauen blondiert haben“, sagt Maskenbildner Georg Korpás. Zudem verbrauchte Herbst im Laufe der Dreharbeiten gleich 20 Modelle der großen Kunstnase und bekam obendrein die schlechtesten Zähne von allen Figuren im Film eingesetzt. Schönheiten waren auch die anderen Piraten auf Svens Burg nicht. „Wir haben eine Airbrush-Technik verwendet, um das Make-up gesprenkelt auf die Haut aufzutragen“, beschreibt Georg Korpás den Prozess für Schauspieler und Statisten. „So erhält man eine Lederhautstruktur, die sehr realistisch wirkt.“ Damit erreichte der Maskenbildner sein Ziel, die Piraten wilder, gemeiner und gefährlicher aussehen zu lassen, als noch bei WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER. Georg Korpás erklärt, warum: „Durch die große Reise der Wikinger haben wir diesmal mehr ethnische Gruppen im Film. Da war mir eine Abgrenzung von den Walküren, den Eskimos, den Wikingern oder den Rittern sehr wichtig, und ich habe bei den Piraten eine Schminkschicht mehr aufgetragen.“

Die einzigen Farbtupfer auf Svens finsterer Burg sind die bunten Kostüme, die Wickie und die Starken Männer einer Gauklergruppe stehlen, um unerkannt in die Festung zu gelangen. Für Kostümbildnerin Anke Winckler war das eine willkommene Herausforderung: „Weil wir für die Wikinger weitgehend das Design der Kostüme aus WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER nutzen konnten, hat es viel Spaß gemacht, uns diese individuellen Verkleidungen für alle Figuren auszudenken.“ Wie maßgeschneidert durften die Kleidungsstücke allerdings nicht wirken. „Wir mussten berücksichtigen, dass die Wikinger diese Kostüme den Gauklern stehlen“, sagt Anke Winckler. „Dem einen ist die Kleidung deshalb zu eng, dem anderen zu lang, dem Dritten zu groß. Und bei Wickies Gaukler-System haben wir Elemente von Merlin, dem Zauberer, ins Spiel gebracht. Jonas stand dieses Kostüm richtig gut.“

Auf ihrer Flucht aus Svens Burg müssen sich die Wikinger ein weiteres Mal umziehen: Sie schlüpfen zur Tarnung in Ritterrüstungen und rennen als kleine Blecharmee durch die Flure. „Die Rüstungen drückten und zwickten ein wenig, sahen aber großartig aus“, erzählt Anke Winckler. Die robusten Exemplare wurden aus Tschechien geliehen. Dort ist man auf Metallarbeiten dieser Art spezialisiert. „Wir hätten auch die billigeren Rüstungen aus China nehmen können, aber bei denen muss man nur mal leicht gegen das Blech drücken, und schon sind sie verbogen“, weiß die Kostümbildnerin. „Um die Schauspieler darin agieren zu lassen, sind die Rüstungen aus China von zu schlechter Qualität.“ Zum Einsatz kam die günstigere Ware aus Fernost trotzdem und zwar für die Szene, in der auf Svens Burg mehrere Ritterrüstungen im Dominoeffekt zu Boden rasseln. Blechschäden inklusive.

Mitte November 2010 zog die Produktion auf das Bavaria Gelände in Geiselgasteig bei München um. In der Studiohalle 12, der so genannten Bayerischen Filmhalle, die als größte und modernste Europas gilt, wurden innerhalb von drei Wochen die letzten Szenen für Wickies großes Abenteuer gedreht. Dies waren zum einen effektgeladene Stunts in Halvars Verlies, vor allem aber die vielen Szenen, die in der Schneewüste der Arktis und im Palast des Ewigen Eises spielen. Die Totalen des Eismeeres wurden vorher von einer Second Unit in Alaska gedreht, die näheren Einstellungen entstanden nun im weniger kalten und weniger fernen Studio. Der täuschend echte Schnee entstand aus einer erlesenen Mischung von Elementen: „Wir haben Wochen und Monate lang getestet, welcher Kunstschnee besonders realistisch wirkt“, sagt Setdesignerin Evi Stiebler. Am Ende setzten sich zwei Favoriten durch: Als gefallener Schnee, der am Boden liegt, kamen riesige Mengen handelsüblichen Salzes zum Einsatz, in einigen ergänzt durch teuren, glitzernden Kunstschnee der britischen Spezialfirma Snowbusiness. Rieselnder Schnee wurde dagegen mit feinen Schaumflöckchen imitiert. „Dieser Effekt sah in 3D am glaubwürdigsten aus“, sagt Evi Stiebler. „Den feinen Papierblättchen, die sonst gern für Dreharbeiten verwendet werden, sieht man in 3D ganz deutlich an, dass sie zu platt sind. Die 3D-Technik hat halt ihre eigenen Gesetze.“

Gefangen im Eismeer, überleben die Wikinger nur, weil ihnen Eskimos mit Kleidung und Ortskenntnissen weiterhelfen. Im Kunstschnee der Bayerischen Filmhalle kamen 30 asiatische Kleindarsteller und Statisten zum Einsatz. Deren Kostüme fand Anke Winckler nach längerer Recherche ausgerechnet in einem Kostümfundus im warmen Spanien. „Die sind schön genäht und sehen so realistisch aus, als habe man sie gerade von einer Robbe gezogen“, sagt die Kostümbildnerin. Die Wikinger, deren Schiff unverhofft im Eismeer festfriert, sind weniger passend für die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt angezogen. „Sie sind unvorbereitet und haben keine warme Kleidung mitgebracht“, sagt Anke Winckler, „aber die Eskimos teilen mit ihnen, so bekommt Tjure einen richtigen Parka, aber Snorre zum Beispiel nur einen Schal.“

Das große Finale im Palast des Ewigen Eises wurde bis Anfang Dezember in der Studiohalle 12 gedreht. Der mächtigste Kulissenbau des ganzen Films füllte weite Teile der 3000 Quadratmeter großen und 15 Meter hohen Halle aus. Für Setdesignerin Evi Stiebler war dies die mit Abstand größte Herausforderung des ganzen Filmprojekts: „Ich hatte lange Zeit Angst, dass unser künstliches Eis wie eine Plastiktüte ausschaut, und habe viele Wochen lang mit allen erdenklichen Materialien experimentiert. Am Ende setzte sich der Kunststoff Vivak durch, der oft von Modellbauern und Architekten verwendet wird und den ich noch aus meinem Studium kannte.“

Vivak ist glasklar wie Plexiglas und verformt sich, wenn man es erhitzt, ohne Blasen zu schlagen. In der Studiohalle bauten Evi Stiebler und ihr Team einen riesigen Sandkasten, formten darin Wellen und erhitzten darüber riesige Vivak-Platten, die hinterher von hinten blau und weiß besprüht und mit Holzgerüsten zu mächtigen Wänden gebaut wurden. Das Ergebnis sieht im Film nicht nur täuschend echt aus, sondern folgte sogar winterlichen Naturgesetzen: „In dem Eispalast war es wahnsinnig glatt“, erinnert sich Jörg Moukaddam. „Das war besonders überraschend, weil ich davon ausgegangen bin, dass im Studio alles künstlich, planbar und sicher ist. Aber es war wirklich fürchterlich glatt, wenn wir mit unseren Ledersohlen über das Eis laufen mussten. Schlimmer kann es auf echtem Glatteis nicht sein. Unglaublich!“

In der ersten Dezember-Woche 2010, nach insgesamt 65 Drehtagen fiel die letzte Klappe für WICKIE AUF GROSSER FAHRT. Nicht nur für Wickie und die Starken Männer, sondern auch für das gesamte Team waren die Dreharbeiten ein großes gemeinsames Abenteuer. Rückblickend überwiegen die positiven Erinnerungen, nicht zuletzt wegen der Harmonie innerhalb der Truppe. „Christian Ditter ist ein sehr guter Regisseur, der uns Schauspielern viele Freiheiten gelassen hat“, lobt Urobe-Darsteller Olaf Krätke. „Wir durften ganze Szenen ausspielen, wodurch sich immer wieder Dinge entwickeln konnten, die so gar nicht im Drehbuch standen.“ Halvar-Darsteller Waldemar Kobus pflichtet ihm bei: „Christian Ditter hat uns Schauspielern sehr viel Verantwortung gegeben und uns in vielen Szenen einfach spielen lassen. Er weiß zwar, was er will und was er nicht will, aber er lässt uns vieles ausprobieren und wählt dann das Beste aus. Viele Kollegen sind unter Christian richtig aufgeblüht.“ Ulme-Darsteller Patrick Reichel erklärt das Geheimnis dieser Entwicklung: „Christian Ditter bringt eine angenehme Ruhe an das Set, er kann gut mit Menschen umgehen und nichts bringt ihn aus der Fassung. Man merkt auch, dass er in seiner Karriere schon viel mit Kindern gedreht hat.“

Die Zusammenarbeit mit Jonas Hämmerle und Valeria Eisenbart wertet Regisseur Christian Ditter rückblickend als großes Geschenk: „Beide sind extrem talentierte Schauspieler. Ich sage bewusst nicht Kinderschauspieler, sondern Schauspieler. Die können jedem Erwachsenen das Wasser reichen und tragen große Strecken des Films. Beide haben eine sehr ausgeprägte Spielfreude, sind extrem ehrgeizig und tragen mit Bravour die große Verantwortung ihrer Rollen auf den Schultern. Solche Talente sind höchst selten.“ Aus Waldemar Kobus platzt der pure Vaterstolz, wenn er über seinen Filmsohn erzählt: „Auch dieses Mal waren die Dreharbeiten mit Jonas Hämmerle wieder gut verbrachte Lebenszeit. Ich bin richtig froh, mit diesem großartigen Menschen arbeiten zu dürfen. Der Junge hat so viel kapiert vom Leben. Obwohl ich viel älter bin als er, lerne ich ständig von ihm dazu. Es ist toll, wie er mit brenzligen Situationen am Set umgeht. Egal, was passiert: Jonas steht da und hat seinen Spaß. Jonas, aber auch Valeria, die diesmal als Svenja mitgespielt hat, sind keine üblichen Filmkinder. Sie sind nicht anstrengend, sondern in jeder Hinsicht motivierend.“

Kondensstreifen von Urlaubsfliegern am Himmel? Moderne Luxusyachten hinter dem Wikingerschiff? Hochspannungsmasten in den Weiten von Flake? Für solche Schönheitskorrekturen und für noch viel mehr waren nach Drehschluss die Experten der Münchner Unternehmen Scanline VFX und Arri VFX zuständig. Wie ein Puzzle aus vielen tausend Teilen setzten sie real gedrehte Szenen, virtuelle Welten und künstliches Unwetter zusammen, retuschierten Unerwünschtes aus den Bildern, ergänzten die Burg des Schrecklichen Sven und ersetzten grüne Hintergründe, vor denen die Schauspieler in einigen Szenen agieren mussten, digital durch Meeresfluten und Eiswüsten. Als eine der weltweit führenden Effektschmieden, die am Computer täuschend echte Bilder von Wasser und Wellen erzeugen können, wurde Scanline damit beauftragt, die Schlucht des Odin zu erschaffen, die das Wikingerschiff im Film mit schwerwiegenden Folgen passieren muss. Die Burg des Schrecklichen Sven kam von einem weiteren Weltmarkführer im Effektbereich: Arri VFX.

Diesmal mussten die visuellen Effekte noch gründlicher sein als bei bisherigen Filmen, denn die dritte Dimension stellte auch die Effektkünstler vor völlig neue Aufgaben. Was immer sie künstlich erschufen, musste dreidimensional und somit besonders realistisch wirken. Anders als beim zweidimensionalen Film „versendet“ sich bei 3D nichts. Als „Effektschlacht“ will Produzent Christian Becker WICKIE AUF GROSSER FAHRT aber keinesfalls verstanden wissen. „Die meisten Effekte sind so geschickt in den Film eingearbeitet, dass sie dem Zuschauer gar nicht auffallen.“

Produktion: Die 3D-Technik

„Wir schreiben technische Filmgeschichte“, sagt Produzent Christian Becker nicht ohne Stolz. „WICKIE AUF GROSSER FAHRT ist der erste deutschsprachige 3D-Realfilm. Wann immer in Zukunft an Filmhochschulen neue Kameratechniken gelehrt werden, wird in diesem Zusammenhang der Titel unseres Films fallen.“ Eigentlich sollte 2008 schon WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER in 3D gedreht werden. „Doch damals steckte die Technik noch in den Kinderschuhen“, weiß der Produzent, der ab Herbst 2009 intensiv in der ganzen Welt nach der perfekten 3D-Technik forschte. Unterstützung erhielt er von Regisseur Christian Ditter und Kameramann Christian Rein. „Die beiden bringen eine große Affinität zu neuen Techniken mit und scheuen keine Mühen, um sich das nötige Wissen anzueignen“, lobt die Ausführende Produzentin Lena Schömann und ergänzt: „Genau solche Leute braucht man für die Pionierarbeit, die wir mit WICKIE AUF GROSSER FAHRT geleistet haben.“

Kameramann Christian Rein erklärt den ersten Arbeitsschritt: „ Um die Gesetze zu verstehen, denen ein guter 3D-Film folgt, muss man sich alle Filme anschauen, die mit dieser Technik gedreht wurden.“ Die meisten großen US-Produktionsfirmen erwiesen sich als kooperativ und stellten den deutschen Kollegen Kopien ihrer 3D-Filme zur Verfügung. Christian Ditter und Christian Rein schauten sich James Camerons AVATAR und viele weitere Filme immer und immer wieder an. Meist ohne Ton, um sich allein auf die Bilder konzentrieren und die Aufnahmetechniken diskutieren zu können. Dann sah der Kameramann das Animationsabenteuer DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT von Dreamworks. „Ich wusste sofort: Das ist unsere Blaupause!“, sagt Christian Rein. „So wie dieser Film animiert und aufgelöst war, wollte ich auch WICKIE AUF GROSSER FAHRT als Realfilm umsetzen. Ich habe den Film Christian Ditter und Christian Becker gezeigt und als Marschrichtung für unser Projekt vorgeschlagen. Dass es darin lustigerweise auch um einen kleinen Wikingerjungen geht, war purer Zufall.“

Christian Ditter und Christian Rein besuchten eine Technikmesse im kanadischen Toronto, um sich über neueste 3D-Möglichkeiten zu informieren. Zudem konnten sie am Set der 3D-Filme DRIVE ANGRY mit Nicholas Cage oder RESIDENT EVIL: AFTERLIFE mit Milla Jovovich weitere Erfahrung mit internationaler 3D-Technik sammeln. „Irgendwann haben wir gemerkt, dass die internationalen Kollegen auch nur mit Wasser kochen“, sagt Produzent Christian Becker. „So wurde unser Wunsch immer größer, WICKIE AUF GROSSER FAHRT nur mit deutscher Technik zu produzieren.“ Denn inzwischen hatte Christian Becker den Stereographen Florian Maier kennengelernt, der sich bereits seit vielen Jahren mit 3D beschäftigt und dessen Firma Stereotec sich bereits international einen Namen in der 3D Branche gemacht hatte. Mit der Münchner Firma Arri war er gerade dabei, ein neuartiges 3D-Aufnahmesystem für die neue Kamera von Arri zu entwickeln.

Für den Stereographen Florian Maier ist 3D viel mehr als eine Efffekthascherei, die bislang in Wellenbewegungen ins Kino schwappte und schnell wieder verschwand. „Unser Ziel ist es, die räumliche Tiefe der Bilder zu nutzen, ohne dabei aufdringlich zu sein“, sagt der Stereographer. „Ein guter 3D-Film zeichnet sich meines Erachtens dadurch aus, dass der Zuschauer nach einer gewissen Zeit vergessen kann, in einem 3D-Film zu sitzen – dann nämlich ist 3D nicht aufdringlich. Allerdings mit dem enormen Unterschied, dass er nicht nur stiller Beobachter des Geschehens ist, sondern emotional viel stärker in die Handlung hineingezogen wird, ja Teil des Ganzen wird.. Im Mittelpunkt muss immer die Geschichte stehen.“

Regisseur Christian Ditter ließ sich schnell von Florian Maiers Ideen und seiner Technik überzeugen: „Die Qualität der stereographischen Bilder gehört zum Besten, was ich je gesehen habe.“ Ein entscheidender Grund dafür ist neben der 3D Gestaltung die aus Kohlenfaser hergestellte 3D-Aufnahmeapparatur. Das so genannte Rig gibt den beiden Alexa-Kameras aus dem Hause Arri, die das Bild für das linke und für das rechte Auge filmen, einen festen Halt und liefert dadurch perfekt aufeinander abgestimmt Bilder. „Das Gesamtbild darf später keinerlei Ungenauigkeiten aufweisen, die von unserem Gehirn schwer zu kompensieren sind“, erklärt Florian Maier.

Kameramann Christian Rein wertet die Leistung der Firmen Stereotec und Arri als wahre Pionierarbeit: „Die haben so manche Nacht durchgearbeitet, damit das alles funktionieren konnte. Wir mussten diese einzelnen Bausteine dann alle nur zusammenpicken, um damit einen Film zu drehen.“ Dennoch beschreibt Regisseur Christian Ditter die Arbeit mit der neuen Technik als ein großes Abenteuer: „Von Woche zu Woche haben wir faszinierende neue Dinge gelernt und immer mehr Erfahrung sammeln können. Das hatte etwas von Chemieunterricht. Wenn ich das eine Element mit dem anderen mische, macht es dann Puff oder kommt am Ende was ganz Tolles dabei heraus? So haben wir auch bei den Aufnahmen experimentiert, um das schönste Bild und den besten Effekt zu erzielen.“

Wenn Produzent Christian Becker auf diese Experimente zurückblickt, fällt ihm vor allem eines ein: „Stress, Stress, Stress… und viel Arbeit!“ Allerdings wusste der Produzent, warum es sich lohnen würde, die „knallharte Arbeit“ an diesem Film auf sich zu nehmen: „Ich habe dem Team von Anfang an gesagt: Wir wollen in Sachen 3D Neil Armstrong sein, also der erste Mann auf dem Mond, und nicht Buzz Aldrin, der als Zweiter seinen Fuß auf den Mond setzte. Wir wollten nicht nur den ersten deutschen 3D-Realfilm drehen, sondern gleichzeitig auch einen der besten. Das Ergebnis kann sich mit allen internationalen Filmen messen, aber der Weg dahin war alles andere als ein Spaziergang.“

Der Produzent Christian Becker blickt dennoch höchst zufrieden auf die Dreharbeiten zurück und Ausführende Produzentin Lena Schömann ergänzt: „Alle Ängste, die wir am Anfang hatten, konnten wir nach wenigen Wochen getrost über Bord werfen. Nach kurzer Zeit hat alles super funktioniert und wir haben einen Film gedreht, der inhaltlich und technisch in der höchsten Liga spielt. Mit diesem Wissen können wir schon bald unseren nächsten 3D-Film drehen.“ Vorausgesetzt, die Produzenten sind bereit, mehr Geld als in ein herkömmliches 2D-Projekt zu investieren. „Natürlich bedeutet ein 3D-Film erst einmal mehr Aufwand, weil man die doppelte Menge an Kameras und Optiken benötigt, außerdem mehr Licht, einen anderen Support und das Knowhow der Spezialisten“, räumt Stereograph Florian Maier ein. „Trotz alledem kann man es mit einem richtig eingespielten Team schaffen, den Aufwand für 3D in Grenzen zu halten und die Drehzeit und das Budget an einen aufwändigeren zweidimensionalen Film anzunähern. 3D wird nicht günstiger sein können als 2D, aber die Technik eröffnet der Filmbranche ganz neue Gestaltungs- und letztlich auch Gewinnmöglichkeiten.“

Produzent Christian Becker rechnet am Beispiel von WICKIE AUF GROSSER FAHRT vor, wie der Mehraufwand in Grenzen gehalten werden kann: „Eigentlich gilt die Faustregel: Wenn man einen Film in 3D dreht, braucht man 25 Prozent mehr Zeit, mehr Aufwand und mehr Technik. Wir haben aber die Auflösung geändert. Statt viele Szenen mit Schuss und Gegenschuss zu drehen, haben wir viel mit Kamerafahrten und aufwendigen Plansequenzen gearbeitet. Die Kamera wiegt zwischen 35 und 40 Kilo, die kann man nicht mehr so schnell hier und da einsetzen. Deshalb kann man auch nicht die üblichen 25 bis 30 Einstellungen planen, die man sonst an einem Drehtag schafft. Also macht man nur noch 10 bis 20 Einstellungen. Weil wir die gleich richtig geplant, die Kameras immer mit Krähnen bewegt und in der Bildgestaltung viel komplexer aufgelöst haben, konnten wir unsere Mehrkosten auf ungefähr zehn Prozent des normalen Budgets reduzieren.“

Dafür war es wichtig, den Stereographen frühzeitig in alle Vorbereitungen einzubeziehen. „Ich kann schon in der Drehbuchphase des Projekts, spätestens aber beim Erstellen des Storyboards beraten und ein Tiefenscript erstellen“, sagt Florian Maier. „Ich gehe mit dem Regisseur und dem Kameramann das gesamte Drehbuch durch und rege an, in welcher Szene wir mehr auf Effekte setzen oder wo wir den Augen besonders viel Ruhe gönnen sollten. Der Zuschauer kann Personen und Objekte auf verschiedenen Tiefebenen erkunden. Anders als beim 2D-Film ist man im 3D-Film also nicht auf so viele Einstellungen und Schnitte angewiesen. Wir setzen mehr auf längere Einstellungen und Kamerafahrten und sind damit näher dran am natürlichen Sehen.“

Allen Beteiligten ist wichtig, dass WICKIE AUF GROSSER FAHRT nicht nur wegen seiner 3D-Technik ein unvergessliches Kinoerlebnis sein soll. „Der Film wird sowohl in 2D als auch in 3D funktionieren, weil die tolle Geschichte und die großartigen Bilder im Vordergrund stehen“, betont Produzent Christian Becker. „Aber in 3D hat man noch mehr das Gefühl, dass man mittendrin ist, dass einem das Segel direkt um die Nase weht, dass einen der Drachenkopf des Schiffes quasi umhaut.“ Regisseur Christian Ditter ergänzt: „Ein Film funktioniert zuallererst über seine gute Geschichte. Wenn der Zuschauer lachen kann, wenn er mit fiebert, wenn er tief berührt ist, dann spielt die Aufnahmetechnik keine Rolle. 3D ist aber eine super Möglichkeit, den Zuschauer noch weiter in das Geschehen hineinzuziehen. WICKIE AUF GROSSER FAHRT hat die vorrangige Aufgabe, eine gute und spannende Geschichte zu erzählen. Dass man den Film auch in 3D sehen kann, ist das i-Tüpfelchen.“

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