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Wenn Frauen ausziehen

Filmhandlung und Hintergrund

Die deftige Komödie hätte eine richtig gute Heimatsatire werden können, schießt aber ständig übers Ziel hinaus. Von Ferne grüßt kein Geringerer als Aristophanes: Weil es die Frauen in einem kleinen oberbayrischen Dorf satt haben, ständig nach der Pfeife ihrer Männer zu tanzen, beschließen sie eine Totalverweigerung. Eine ganz ähnliche Geschichte hat der griechische Dichter in seiner Komödie „Lysistrata“...

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Kritikerrezensionen

  • Die deftige Komödie hätte eine richtig gute Heimatsatire werden können, schießt aber ständig übers Ziel hinaus.

    Von Ferne grüßt kein Geringerer als Aristophanes: Weil es die Frauen in einem kleinen oberbayrischen Dorf satt haben, ständig nach der Pfeife ihrer Männer zu tanzen, beschließen sie eine Totalverweigerung. Eine ganz ähnliche Geschichte hat der griechische Dichter in seiner Komödie „Lysistrata“ erzählt: Um endlich den Krieg zwischen Athen und Sparta zu beenden, gehen die Frauen in einen Sexstreik. Moderne Adaptionen des Klassikers lassen es mitunter ganz schön krachen, und leider gilt das auch für die Variante, die Christian Jeltsch für „Wenn Frauen ausziehen“ ersonnen hat. Das ist ausgesprochen bedauerlich, denn der Stoff hat die Zuspitzung gar nicht nötig. Autor Jeltsch und Regisseur Matthias Tiefenbacher sind auch die Schöpfer von „Schwarzach 23“, doch vom hintergründigen Humor der ZDF-Krimireihe ist dieses deftige Lustspiel weit entfernt. Schon der Schauplatz ist ein Wink mit dem Zaunpfahl: Die Ortschaft heißt Gendering.

    Die Handlung ist im Grunde einfach: Ein Investor wäre bereit, für das malerisch gelegene oberbayerische Dorf 18 Millionen Euro zu bezahlen, um dort einen Wellness-Park zu errichten. Die Frauen sind ganz aus dem Häuschen, weil sie sich nun endlich ihre lang gehegten Wünsche erfüllen können; doch dummerweise spielen die Männer nicht mit. Also schließen beide Seiten jeweils einen Pakt: Die einen rufen den Generalstreik aus, die anderen schwören, den Vertrag nicht zu unterschreiben; aber die listigen Damen kennen natürlich die Schwachstellen ihrer Gegner und bringen einen nach dem anderen dazu, den Schwur zu brechen.

    Das ist als Geschichte gar nicht schlecht und hätte im Rahmen einer skurrilen Heimatkomödie eine schöne Satire über die vielen Facetten des Beziehungslebens werden können. Jeltsch, Autor Dutzender guter Drehbücher und mit den wichtigsten TV-Preisen ausgezeichnet (Grimme-Preis für „Einer geht noch„, Deutscher Fernsehpreis für die „Bella Block„-Episode „Das Glück der Anderen“), wäre eigentlich genau der Richtige, um die Figuren diesen Zweikampf der Geschlechter mit feiner Klinge führen zu lassen; stattdessen prügeln sie mit Knüppeln aufeinander ein. Auch sonst lässt es Tiefenbacher, der ebenfalls für anspruchsvolles Fernsehen steht, eher deftig zugehen. Schade ist es vor allem um das namhafte Ensemble. Im Zentrum des Lustspiels steht Wirtin Paula (Anna Maria Mühe), die einst mit Max (Max von Thun) die Welt bereisen wollte, sich aber seit dem Tod der Mutter um die Wirtschaft und ihren lebensmüden Vater (Friedrich von Thun) kümmern muss. Der alte Alfons ist die tragische Figur der Geschichte und wandert bei jedem Gewitter zum Gedenkkreuz für seine Frau, um sich wie sie vom Blitz erschlagen zu lassen. Paula verhindert das regelmäßig, indem sie mit Hilfe von Heliumballons einen mobilen Blitzableiter in den Himmel steigen lässt. Rührende und zudem spektakulär fotografierte Einfälle wie dieser zeigen, dass „Wenn Frauen ausziehen“ auch ein Film im Stil von Marcus H. Rosenmüllers Komödie „Wer früher stirbt, ist länger tot“ hätte werden können; dafür sprechen auch beiläufig inszenierte Momente wie jener, als Jesus am Kreuz einen kurzen Seitenblick zu einem küssenden jungen Paar wirft. Echten Eingeborenen wird außerdem nicht verborgen bleiben, dass sich einige der Mitwirkenden am Dialekt versuchen, obwohl sie ganz woanders aufgewachsen sind. Immerhin ist das Mundartimitat gerade von Anna Maria Mühe gut genug, um im Rest der Republik als Bairisch durchzugehen. tpg.
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