Wege in die Nacht

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   1999
Wege in die Nacht Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Wege in die Nacht: Melancholisch stilisierte Schwarzweiß-Ballade über einen verzweifelten und Amok laufenden Verlierer der Gesellschaft.

Der 55jährige Fabrikleiter und Ex-Kommunist Walter hat nach der Wende fast seine gesamte Existenz verloren und leidet darunter, von seiner Frau mit ihrem Kellnerinnen-Verdienst miternährt zu werden. Unbedingt will er etwas Positives tun – auch wenn er es mit Gewalt durchdrücken will. So zieht er mit zwei jungen Leuten los, um in den Berliner S- und U-Bahnen für Recht und Ordnung zu sorgen.

Der 55jährige Fabrikleiter, Ex-Kommunist und Idealist Walter wird mit seinem Leben nicht mehr fertig. Er hat im wiedervereinten Deutschland nicht nur seinen Job, sondern damit auch seine Existenz verloren. Um seinem Dasein noch irgendeinen Sinn zu geben, beschließt er, mit aller Gewalt “Gutes” zu tun. Zusammen mit zwei jungen Leuten sorgt er nachts in der Berliner U- und S-Bahn handgreiflich für Recht und Ordnung. Als er begreift, dass er auch dort nicht wirklich gefragt ist, wird er für sich und seine Umwelt zur Gefahr…

Der nach der Wende aus der Bahn geworfene Walter will seinem Leben wieder einen Sinn geben, indem er mit zwei jungen Männern nachts in der Berliner U- und S-Bahn für Recht und Ordnung sorgt. Doch auch dieser Versuch der Sinnstiftung gelingt ihm nicht… In Schwarzweiß gehaltenes, minimalistisches Portrait einer gescheiterten Existenz.

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Kritikerrezensionen

  • Zum ersten Mal hat ein deutscher Film die Quinzaine des Réalisateurs in Cannes eröffnet und sich dem Auswahlterror von Gilles Jacob widersetzt: Andreas Kleinert selbst hat sich für seine “Wege in die Nacht” die Alternativreihe zur Selection Officielle gewünscht. Seine melancholisch stilisierte Schwarz-Weiß-Ballade vom verzweifelten und Amok laufenden Verlierer in einer neuen deutschen Wirklichkeit ist psychologisch spannend und emotional bewegend erzählt – für ein Publikum, das sich gern von intelligenten Geschichten aufrütteln läßt.

    Kino, das sich mit der Realität auseinandersetzt, ist durch die entschlossenen Dogma-95-Dänen wieder interessant geworden. Andreas Kleinert gibt seinem Unbehagen an der Welt von heute ungewöhnlich poetisch und doch realistisch Ausdruck. Zusammen mit Autor Johann Bergk und dem wunderbaren Kameramann Jürgen Jürges gelingt Kleinert ein Autorenfilm, wie man ihn seit der Nouvelle Vague so klassisch kaum mehr gesehen hat. Vor allem auch der Hauptdarsteller Hilmar Thate ist in seiner bedrohlich introvertierten Intensität wie die lebendig gewordene Projektion der Beunruhigung des Filmemachers.

    Bestechend minimalistisch erzählt Kleinert von der inneren Emigration eines 55jährigen Fabrikleiters, Ex-Kommunist und Idealist der seinen Job, seine Position, eigentlich fast seine Existenz im Nach-Wende-Deutschland verloren hat. Walter wird damit nicht fertig, und die Liebe in seiner ein wenig in die Jahre gekommenen Ehe ist harten Prüfungen ausgesetzt. Für Walter ist es unerträglich, daß er von dem Kellnerinnen-Verdienst seiner Frau leben soll. Er, der früher mit einer gewissen Macht und Funktion ausgestattet war, sieht sich außerstande, seinem Leben einen Sinn abzugewinnen und sich mit der gegenwärtigen Wirklichkeit zu arrangieren. Dennoch ist ihm ein Rest seines alten Idealismus geblieben, hat er den Glauben an eine bessere Welt noch nicht verloren. Unbedingt will er etwas tun, das Positives bewirkt, dem Verlust und der Haltlosigkeit entgegenwirken kann. Und notfalls will er dieses “Gute” auch mit Gewalt durchsetzen. Mit zwei jungen Leuten, fabelhaft gespielt von Henriette Heinze und Dirk Borchardt, zieht er durch die Nacht von Berlin und praktiziert in U- und S-Bahn handgreiflichen Einsatz für Recht und Ordnung. Und er wird sich selbst und seiner Umwelt gefährlich, je mehr ihm klar wird, daß seine Mission nicht gefragt ist.

    Seinen ernsten, düster melancholischen und trotz allen Pessimismus vitalen, nie lamentierenden Film hat Andreas Kleinert mit großer Rigorosität inszeniert. Es scheint bezeichnend, daß dieser gnadenlose und durchaus subjektive Blick auf deutsche Wirklichkeit von einem Ostberliner Filmemacher kommt. Im Osten Deutschlands ist man für die Veränderung anders sensibilisiert als im Westen, wo sich zumindest oberflächlich, nicht so viel geändert hat. Und das Schöne ist – wie auch schon Andreas Dresens Berlinale-Film “Nachtgestalten” -, daß Kleinert ein Filmemacher ist, der sich für Menschen interessiert, für Biografien, Figuren, die Brüche in sich und Schmerzen hinter sich haben. Sein Film ist frei von Provinzmief. Die Tatsache, daß er in Berlin spielt, vor dem Hintergrund ostdeutscher Vergangenheit, gibt ihm den nötigen authentischen i-Punkt. Das größte aktuelle eigentlich internationale Thema des Films aber ist der Verlust der Werte, die Ohnmacht, die Welt nicht verändern zu können. Augenblicke der Wahrheit im Kino. fh.

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