We Want Sex Poster

Fakten und Hintergründe zum Film "We want Sex"

Kino.de Redaktion  

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

„Die Idee zu WE WANT SEX entstand, während ich auf Radio 4 die Sendung The Re­union hörte“, erinnert sich Produzent Stephen Woolley. „Darin werden immer ein paar Leute zusammengebracht, die an einem historischen Ereignis beteiligt waren. Diesmal ging es um den Streik aus dem Jahre 1968. Die Frauen arbeiteten damals unter entsetzlichen Bedingungen in der Ford-Fabrik. Aber da sie nur einen verschwindend geringen Anteil der Arbeiterschaft ausmachten, ignorierte der Konzern ihre Forderungen. Bis sie schließlich begannen, für ihre Rechte zu kämpfen. Ihre Geschichte faszinierte mich und besonders beeindruckend fand ich, wie unschuldig und unpolitisch sie eigentlich waren. Sie wollten einfach nur fair behandelt werden. Es ging ihnen um den gesunden Menschenverstand, nicht um radikalen Aktionismus.“

Gemeinsam mit seiner Number 9-Produktionspartnerin Elizabeth Karlsen fuhr Woolley nach Dagenham, um die ehemaligen Arbeitskämpferinnen zu treffen. „Sie waren großartig, wirklich witzig“, konstatiert Woolley. „Aber es wurde uns sehr schnell klar, dass keine der Frauen herausstach. Hätten wir uns nur auf eine von ihnen konzentriert – ihre Geschichte, ihre Ehe, ihre Kinder – wäre uns das wie ein Anschlag auf ihre Privatsphäre vorgekommen. Also haben wir eine Figur erschaffen, die Elemente von zwei oder drei Frauen in sich vereint. So entstand Rita – eine fiktive Mischung aus mehreren Vorbildern. Zugleich haben wir uns aber eng an die historischen Fakten gehalten. Der Streik und das Treffen mit Barbara Castle haben genau so stattgefunden.“

Woolley und Karlsen machten sich auf die Suche nach einem Autor, der in der Lage sein würde, die unbeugsamen Heldinnen von damals zu neuem Leben zu erwecken. Sie fanden ihn in William Ivory, der sich bis dahin vor allem als Bühnen- und TV-Autor einen Namen gemacht hatte. Als nächstes wurde Nigel Cole als Regisseur verpflichtet. „Nigel wuchs zur Zeit des Streiks in der Nähe von Dagenham auf“, sagt Woolley, „also war er mit den Menschen und ihrer Geschichte bereits vertraut. Außerdem hatte er sein Talent im Umgang mit brillanten Schauspieler-Ensembles bereits mit KALENDER GIRLS unter Beweis gestellt.“

Cole war auf Anhieb von Ivorys Drehbuch begeistert. „Ich wusste sofort, dass es sich hier um meine Art Film handelte“, erinnert er sich mit einem Lächeln. „Es ist genau die Mischung aus Humor, Komödie und Drama, nach der ich immer Ausschau halte. Reine Komödien drehe ich nicht, weil ich möchte, dass meine Filme einen gewissen Tiefgang besitzen. Und für ernste, düstere Dramen bin ich einfach zu flapsig. Am liebsten ist mir eine Mixtur aus Wärme, komödiantischen Anteilen und starkem Drama und genau das fand ich hier vor. Aus Gründen, die mir unerklärlich sind, interessieren mich außerdem Geschichten über Frauen einfach mehr als Geschichten über Männer.“

Cole sieht einige Parallelen zwischen WE WANT SEX und KALENDER GIRLS, seinem Hit aus dem Jahr 2003. „Wieder geht es um ganz gewöhnliche Frauen, die in etwas verwickelt werden, das größer ist als sie selbst“, erklärt er. „Sie wachsen daran und lernen, mit Dingen umzugehen, die über ihren bisherigen Horizont hinausgehen. Auch der Ton des Films ist ähnlich. Andererseits handelt es sich um andere Frauen als in KALENDER GIRLS: ganz andere Charaktere und eine ganz andere Story.“

Bei der Suche nach geeigneten Drehorten spielte die Fabrik die wichtigste Rolle. „Die Fabrik ist das Rückgrat des Films“, konstatiert Karlsen. „In Dagenham sind die alten Gebäude längst verschwunden und so fanden wir schließlich eine alte Hoover-Fabrik in Merthyr Tydfil in Wales. Sie war für die Dreharbeiten perfekt geeignet, denn sie ist nicht mehr in Betrieb. Früher arbeiteten dort 5.000 Menschen, aber leider wurde sie ein paar Monate vor Produktionsbeginn stillgelegt.“ Die Auswirkungen auf die walisische Gemeinde wiesen durchaus Parallelen zu den Ereignissen des Films auf. „Das Herz Merthyrs wurde herausgerissen“, erklärt Cole. „Tausende Arbeiter sind arbeitslos, was uns alle auf die Barrikaden brachte und außerdem zeigte, dass dieser Film echte Relevanz besitzt. An Originalschauplätzen zu filmen war wirklich hilfreich, denn so erfuhr jeder am eigenen Leib, was es bedeutet, an solch einem Ort zu arbeiten. Wir haben so viele Einheimische wie möglich beschäftigt, ungefähr fünfzig streikende Arbeiterinnen werden von Frauen aus Merthyr gespielt. Sie drehten auch Szenen in London und hatten dabei richtig Spaß.“

Hauptdarstellerin Sally Hawkins sah sich im Zuge ihrer Recherchen für den Part der Rita auch das alte Fabrikgelände in Dagenham an. „Es ist wirklich traurig, wie eine alte Geisterstadt“, sagt sie. „Aber zugleich auch hochinteressant, weil die ganze Gegend so geschichtsträchtig ist. In den Sechzigern strömten die Leute wegen Ford nur so nach Dagenham. Die Fabrik schuf tausende Jobs. Ich wollte diese Frauen persönlich kennenlernen, schließlich wurzeln Story und Figuren in der Realität. Sie waren wirklich entzückend. Um Rita spielen zu können, musste ich ihre Art zu denken verstehen. Dabei wurde mir klar, wie glücklich sich die Frauen von heute schätzen dürfen. Uns bieten sich so viele Möglichkeiten, die diese Frauen nie besaßen.“

Den Casting-Prozess beschreibt Stephen Woolley so: „Das Wichtigste für uns war, Rita zu finden. Nachdem wir Sally gewinnen konnten, bestand der Job im wesentlichen darin, die Rollen um sie herum zu besetzen. Aufgrund der Stärke des Drehbuchs gelang es uns, fantastische Schauspielerinnen auch für kleinere Parts zu verpflichten – wie etwa Andrea Riseborough und Miranda Richardson.

Hawkins erklärt, dass es gerade Ritas erstaunliche Entwicklung war, die sie an ihrer Rolle reizte. „Diese Frau steht plötzlich an der Spitze einer Bewegung“, erklärt sie, „sie muss den Bonzen und Anzugträgern als Ebenbürtige gegenübertreten. Sie muss das alles lernen während sie es tut, denn sie hat so etwas noch nie gemacht und auch nicht geglaubt, es überhaupt zu können. Plötzlich sind Kameras auf sie gerichtet und sie muss seriöse Interviews geben. Für sie ist das alles zugleich abenteuerlich, furchterregend und großartig. Sie ist so voller Leidenschaft.“

Produktion: Die Dreharbeiten

Die 40-tägigen Dreharbeiten bereiteten Hawkins eine Menge Spaß. „Ich habe einige wirklich tolle Freundschaften geschlossen“, berichtet sie. „Diesen Sinn für weibliche Kameraderie und Freundschaft findet man selten auf Filmsets. Die Fabrikarbeiterinnen kümmerten sich umeinander, weil sie einander sehr mochten, und genau so haben wir es am Set auch gehalten. Die anderen Schauspielerinnen sind eine Truppe von hinreißenden, brillanten Frauen, die ihre Rollen total verinnerlichten. Ich habe noch nie so viel gelacht während eines Drehs. Und die Männer waren auch großartig: Daniel Mays, der meinen Mann spielt, ist mit Leidenschaft bei der Sache. Und Nigel Cole ist einfach umwerfend: brillant und komisch. Er war immer bereit, nach neuen und anderen Lösungen zu suchen und trieb uns damit zu Höchstleistungen. Ich war froh, ihn als Steuermann dabei zu haben, denn man muss den Menschen, mit denen man zusammenarbeitet, komplett vertrauen können und das war hier definitiv der Fall.“

Kollegin Andrea Riseborough ergänzt: „Diese Dreharbeiten gehören zu den freudvollsten und schönsten Erfahrungen, die ich bislang an einem Set gemacht habe. Es ist bereits mein dritter gemeinsamer Film mit Sally und es ist immer großartig, mit ihr zu arbeiten. Die anderen Frauen kannte ich vorher noch nicht, aber wir wurden schnell zu einer verschworenen Gemeinschaft und hatten das Gefühl, immer mehr mit unseren Figuren zu verschmelzen. Nigel Cole schafft es, dem ganzen Cast – von den Haupt- bis zu den kleinsten Nebendarstellern – das Gefühl zu geben, dass ihre Rollen für das ganze Projekt von größter Bedeutung sind. Die Gelegenheit mit ihm zu arbeiten, sollte sich kein Schauspieler entgehen lassen.“

Auch Riseborough stellte intensive Recherchen über die Frauen von Dagenham an. „Es gibt stundenlanges Archivmaterial, anhand dessen man sich ein Bild machen kann. Sie berichten von ihrem Kampf und seinen Auswirkungen. Man bekommt dadurch nicht nur ein Gefühl für die Historie, sondern auch für ihre Physis, ihre Art zu sprechen und sich auszudrücken“, erklärt sie. „Wir haben uns alles angesehen, auch die Häuser, in denen sie lebten, und wurden in die schweren Maschinen eingewiesen, mit denen sie die Autositze nähten. Es war eine faszinierende und wertvolle Erfahrung. Die Frauen arbeiteten damals lange und hart unter vorsintflutlichen Bedingungen in der schlimmsten Halle des Fabrikgeländes.“

Rosamund Pike spielt Lisa, die Ehefrau des Fabrikchefs. Sie ist vor allem von der emotionalen Seite der Geschichte beeindruckt. „Der Film ist sehr bewegend“, erklärt sie. „Sally ist als Rita absolut brillant, eine Frau, die sich zum Äußersten getrieben sieht. Sie ist gezwungen, die Grenzen ihrer Tapferkeit und Stärke, ihres Muts und ihrer intellektuellen Fähigkeiten auszuloten. Sie wächst an ihren Aufgaben, aber das geht nicht ohne Schmerzen vonstatten.“

Auch die männlichen Akteure waren von dem Projekt begeistert. „Nigel verfügt über die Fähigkeit, jedem das Gefühl zu geben gleich wichtig zu sein“, bestätigt Daniel Mays. „Die Story ist einfach inspirierend: Sie handelt von der ursprünglichen Girl Power! Es ist ungewöhnlich, dass innerhalb eines Projekts so viele fantastische Rollen für so viele brillante Schauspielerinnen geschrieben werden. Sie entfalteten eine wunderbare Energie. Auch als Gruppe haben sie sich wunderbar verstanden und das sieht man dem Film an. Aber auch unter meinen männlichen Kollegen war ich in bester Gesellschaft: Bob Hoskins, Roger Lloyd Pack und Kenneth Cranham sind Legenden, nationale Institutionen.“

Bob Hoskins genoss es besonders, mit den walisischen Fabrikarbeiterinnen zusammenzuarbeiten. „Es war toll, einer der wenigen Männer am Set zu sein“, lacht er. „Die Statistinnen in der stillgelegten Fabrik waren alle ehemalige Arbeiterinnen und sie veranstalteten einen ganz schönen Zirkus um mich. Sie haben mir in den Hintern gekniffen! Diese Frauen hatten ihre Jobs verloren, deshalb war es großartig, dass sie an unserem Film mitwirken konnten.“

Produktion: Der Stil des Films

„Meine Produktionspartnerin Elizabeth Karlsen und ich strebten für den Film einen hellen und sonnendurchfluteten Look an. Keineswegs sollte er bedrückend oder monoton aussehen“, erklärt Stephen Woolley. „Wir wollten den Charakter dieser Frauen reflektieren. Wir waren uns mit Nigel einig, dass Kostüme, Setdesign und Beleuchtung die positive Weltsicht der Frauen widerspiegeln sollten und nicht die Grimmigkeit ihrer Realität. Sie lebten in winzigen Sozialwohnungen und arbeiteten unermüdlich unter härtesten Bedingungen, aber sie waren daran gewöhnt und schätzten sich glücklich. Auch das wollte Nigel zeigen – im Cinemascope-Gefühl der Zeit.“

Kostümdesignerin Louise Stjernsward beschreibt Ritas Garderobe so: „Für mich ist Rita eine intelligente Frau, die in der endlosen Routine von Kindererziehung und Job gefangen ist. Sie zieht an, was sie sich leisten kann, praktisch orientiert, aber im Lauf der Geschichte steht sie zunehmend in der Öffentlichkeit und orientiert sich mehr an der zeitgenössischen Mode. Je mehr ihr Selbstbewusstsein wächst, desto mutiger und vorteilhafter kleidet sie sich.“

Obwohl der Film 1968 spielt, unterscheidet sich der Look der Fabrikarbeiterinnen vom Carnaby-Street-Klischee aus den Sechzigern, das man in so vielen Filmen sieht. „Ich habe mir Fotografien und Magazine aus der Zeit angeschaut“, erklärt Stjernsward, „aber am besten habe ich die Welt von Dagenham verstanden, nachdem ich mich in der Trades Union Congress Library umgesehen und die Publikationen der Ford-Fabriken studiert habe. Dann habe ich mich mit dem Produktionsdesigner abgestimmt, so dass die Farben mit dem Gesamtkonzept des Films harmonieren würden. Rosamund Pikes Figur entstammt einer höheren Schicht, ihre Garderobe durfte also modischer sein als die der anderen Charaktere. Obwohl auch sie als Vorstadt-Hausfrau nicht ganz auf der Höhe der Swinging Sixties ist.“

Nicht, dass Rosamund Pike sich beschweren wollte. „Ich durfte einige wunderbare Kleider tragen“, schwärmt sie. „Es gibt ein sehr wichtiges Kleidungsstück im Film, denn Lisa leiht Rita eins ihrer Kleider, wenn sie nach London fährt, um Barbara Castle zu treffen. Wenn Rita Lisa am Schultor sieht, kommt sie ihr zunächst unerreichbar vor. Rita steht klatschnass im Regen, während ich stilvoll in meinem brandneuen Ford sitze und dieses fabelhafte Biba-Kleid trage. Ich lasse sie einsteigen, weil ich mit ihr darüber sprechen möchte, dass unsere Söhne in der Schule schikaniert werden. Rita glaubt stets, es gäbe eine unüberwindbare Kluft zwischen uns, während ich ständig versuche, diese Kluft zu überwinden und ihr klarzumachen, dass wir ebenbürtig sind. Wenn sie sich also dieses rote Biba-Kleid ausleiht, ist das eine Art Durchbruch, denn sie kommt zu mir und bittet um meine Hilfe. Es ist ein sehr, sehr cooles Kleid. Louise, unsere Kostümbildnerin, hat es den Biba-Modebüchern nachempfunden, um es so echt wie möglich aussehen zu lassen. Viele der anderen Kostüme wurden auf dem Flohmarkt in Portobello oder in anderen Trödelläden gekauft, es waren also Originale aus den Sechzigern. Aber dieses Kleid ist eine Kopie, denn es musste brandneu aussehen.“

Für Stjernsward war es von enormer Bedeutung, dass das Kleid absolut echt wirken würde. „Das Biba-Design war damals absoluter Kult“, erklärt sie, „es erreichte alle sozialen Schichten. Ich entschied mich für das rote Kleid mit dem Biba-Schnitt und den stilvollen Knöpfen, weil ich hoffte, dass es beiden Frauen stehen würde. Dass Rita überhaupt darum bittet und es bei einem so wichtigen Anlass anzieht, beweist wie mutig und draufgängerisch sie geworden ist.“

Und wie stand es um die Garderobe von Barbara Castle? „Wir haben uns Fotos von ihr angesehen. Obwohl sie keine 1:1-Kopie dessen trägt, was sie bei dem berühmten Treffen anhatte, habe ich versucht einen Look zu kreieren, der Barbara gerecht wird, aber auch zu Miranda Richardson passt.“

Andrea Riseborough genoss es, als Brenda Dinge zu tragen, die sie unter normalen Umständen nie anziehen würde: „Sie zeigt deutlich mehr Haut, als ich das normalerweise außerhalb meiner vier Wände tun würde“, lacht Riseborough. „Aber dieser Look gefiel mir an ihr: die billigen psychedelischen Paisleymuster ihrer Polyesterblusen am Anfang und der schwarze Regenmantel im Beatnik-Look gegen Ende. Solche Kostüme sind unbezahlbar, wenn es darum geht, die eigene Figur zum Leben zu erwecken.“ Aber nicht nur die Garderobe, auch die Frisur und das Make-up halfen ihr, sich in Brenda zu verwandeln. „Sie hat eine toupierte Hochfrisur, das spricht für sich“, lächelt Riseborough. „Und ihr Make-up geht in Richtung Orange – vermutlich werde ich mir so bald keine Schönheitstipps von ihr holen.“

Jaime Winstones Figur Sandra hat Model-Ambitionen und trägt die flippigste Garderobe des Films, sehr zu Winstones Vergnügen. „Der Sixties Look ist so cool“, schwärmt sie. „Am Anfang war ich mir in Bezug auf die blonden Haare nicht so sicher, aber nach einer Weile wurde mir klar, dass es perfekt war. Ich mag es, in Situationen versetzt zu werden, in denen man etwas tun muss, was man sonst nie täte. 1968 wollte jeder aussehen wie Twiggy und da Sandra Model werden will, macht sie keine Ausnahme. So war das damals eben. Es hilft einem, die Figur zu verstehen.“

Während der Produktion entwickelte Winstone neuen Respekt für die Frauen dieser Ära, die sich in einem Maße zurecht machten, das heutzutage für viele undenkbar wäre. „Wenn sie nach London fahren, versucht Sandra, besonders gut auszusehen mit den Reifenohrringen, der besonderen Frisur und dem außergewöhnlichen Make-up“, erklärt Winstone. „Diese Frauen gingen jeden Abend mit Lockenwicklern ins Bett, obwohl sie am nächsten Tag bloß zur Arbeit in die Fabrik mussten. Wirklich beeindruckend. Sandra interessiert sich für Mode und arbeitet mit den limitierten Ressourcen, die ihr zur Verfügung stehen. Diese Mädchen hatten nicht viel Geld, also bestand ihre Garderobe nicht aus luxuriösen Stücken. Aber sie sahen trotzdem erstaunlich aus.“

Produktion: Die Historie

„Zur damaligen Zeit waren die Ford-Werke in Dagenham die größte Fabrik Europas“, erklärt Regisseur Nigel Cole, der die Geschichte des Streiks für WE WANT SEX gründlich recherchierte. „Es ist kaum zu glauben, wie groß sie war mit rund 55.000 männlichen Arbeitern, die jedes Jahr eine halbe Million Autos bauten. 1968 waren nur einige wenige Frauen angestellt, sie nähten die Autositze zusammen. Vor kurzem hatte man sie auf den Status von ‚Ungelernten’ zurückgestuft und darüber waren sie fuchsteufelswild. Was man verstehen kann, denn sie waren besser ausgebildet als viele der Männer. Der Streik weitete sich immer mehr aus und da keine Autositze mehr fertig wurden, kam es soweit, dass Ford keine Autos mehr ausliefern konnte. Die komplette Fabrik wurde in die Knie gezwungen. Tausende Männer wurden zeitweilig arbeitslos und das Ganze entwickelte sich zu einer bedeutenden nationalen Krise.“

Wenn man weiß, wie die Geschichte ausging, fällt es nicht schwer, den Stellenwert des Streiks einzuordnen. Die Frauen damals mussten jedoch erst einmal damit klar kommen, welche ungeheuren Auswirkungen ihr Tun hatte, besonders nachdem sie den Rückhalt ihrer Männer, Väter und Söhne verloren hatten, die fast alle in der Fabrik arbeiteten. „Zunächst hatten sie die Männer auf ihrer Seite“, sagt Cole. „Am Anfang amüsierten sich die Männer sogar ein wenig, die Frauen waren ja noch nie in den Streik getreten. Und damals, im Grunde noch heute, galt die Arbeit der Frauen weniger als die der Männer. Als die Lage ernster zu werden begann und die Männer freigestellt wurden, wendeten sich einige von ihnen von den Frauen ab. Sie waren der Meinung, sie sollten nachgeben und die Männer ihre Jobs machen lassen.“

Am Ende verbesserte der Streik nicht nur die Arbeitsbedingungen in der Fabrik, sondern die Stellung der Frauen im ganzen Land. „Es kam zu dem Punkt, an dem mit Barbara Castle die bedeutendste Politikerin der Zeit in die Sache involviert wurde“, fährt Cole fort. „Sie führte eine Einigung mit den Frauen herbei und daraus entwickelte sich der Equal Pay Act von 1970. So fanden sich diese ganz gewöhnlichen Frauen, die nie zuvor politisch aktiv gewesen waren, plötzlich im Parlament wieder, verhandelten mit einer führenden Politikerin und setzen eine Revolutionierung der Frauenrechte in Gang.“

Produzent Stephen Woolley ergänzt, dass der Streik sich in einem Jahr ereignete, das von politischen Unruhen und Umwälzungen geprägt war. „1968 war das Jahr des Pariser Aufstands und eine Stimmung des Wandels lag in der Luft“, sagt er. „Dieser kleine Vorfall in Dagenham wurde eine große Sache. Am Anfang ging es nur um die Anerkennung als Facharbeiterinnen, aber dann beschlossen sie, gleiche Bezahlung zu verlangen: Das war es, was den Aufruhr verursachte und für weltweites Aufsehen sorgte. Den großen Firmen gefiel der Gedanke überhaupt nicht, dass sie zukünftig den Frauen die gleichen Gehälter zahlen sollten wie den Männern.“

Ein Aspekt der Geschichte, der Woolley besonders gut gefiel, sind die Unschuld und Aufrichtigkeit, mit denen die Frauen agierten. „Sie hatten keine Vorstellung davon, wie bedeutend ihr Handeln war“, erklärt er. „Sie waren nicht berechnend und sie wollten sich auch nicht dem System widersetzen. Sie sahen lediglich, dass im ganzen Land Männer aus wesentlich kleineren Beweggründen in den Streik traten. Ihre Arbeitsbedingungen waren einfach furchtbar: Sie arbeiteten in einer Halle mit kaputtem Dach, in der es im Winter eiskalt und im Sommer kochend heiß war und man gestand ihnen bedeutend weniger Rechte zu als ihren männlichen Kollegen.“

Woolley hatte mit SCANDAL (1989), BACKBEAT (1994) und STONED (2005) bereits einige Filme produziert, die in den sechziger Jahren spielen. Diesmal ging es ihm darum, die weniger schillernde Seite der Epoche zu beleuchten. „Der Film erinnert daran, dass die Sechziger für viele Menschen eine Zeit der Unterdrückung waren, in der es nicht sonderlich glamourös zuging“, erklärt Woolley. „Was nicht heißen soll, dass wir es hier nur mit Not und Elend zu tun haben. Diese Frauen waren voller Energie. Sie sehen immer auch die komische Seite, egal, was sie durchgemacht haben. Sie haben die Fünfziger miterlebt, in denen Lebensmittel noch rationiert wurden. Ihre Männer waren aus dem Krieg zurückgekehrt, hatten furchtbare Dinge erlebt und waren teilweise nicht mehr arbeitsfähig. In den Sechzigern änderten sich die Dinge allmählich, die Popmusik trat ihren Siegeszug an, die Haare wurden länger und die Röcke kürzer. Die Frauen hielten alles zusammen, mussten sich oft mit ziemlich kraftlosen Männern arrangieren. In WE WANT SEX geht es natürlich auch um Politik, aber wir wollten keinen streng politischen Film drehen. Vielmehr geht es um die persönliche Sicht dieser Frauen und um ihre Geschichten.“

Viele der Cast- und Crewmitglieder waren überrascht, dass sie vor der Lektüre des Drehbuchs noch nie von den historischen Ereignissen rund um den Frauenstreik gehört hatten. „Ich habe mich fast geschämt, so wenig gewusst zu haben über die Revolution, die in Dagenham ihren Anfang genommen hatte“, gesteht Andrea Riseborough. „Und ich fühlte mich auch ein wenig betrogen, denn obwohl ich auf einer Mädchenschule gewesen war, war ich nie darauf hingewiesen worden, wie wichtig diese Frauen für die Gleichstellungsgesetze der späten Sechziger und frühen Siebziger gewesen waren. Dies und die Tatsache, dass meine eigene Großmutter den größten Teil ihres Lebens extrem unterbezahlt in einer Fabrik geschuftet hat, bewogen mich dazu, in diesem Film mitspielen zu wollen.“

Einige der Schauspieler verfügten über eine direkte Verbindung zur Geschichte der Frauen von Dagenham. „Ich bin in Essex aufgewachsen, kannte also die Fabrik, in der einige Verwandte meiner Mutter tatsächlich arbeiteten“, erinnert sich Daniel Mays. „Über die konkrete Historie wusste ich allerdings nichts, weshalb es sehr erhellend war, bei diesem Film mitzuarbeiten. Es ist eine Geschichte, die einfach erzählt werden muss und deshalb bin ich froh, dass wir die Gelegenheit dazu erhielten.“

Das sieht auch Bob Hoskins so. „1968 las ich im hinteren Teil der Zeitung einen Artikel über Frauen, die für gleiche Gehälter streikten“, erinnert er sich. „Und ich weiß noch, wie ich dachte: ‚Wieso ist das keine Schlagzeile auf der ersten Seite? Selbstverständlich müssen sie die gleichen Gehälter bekommen wie die Männer!’ Ich habe diese Geschichte nie vergessen und als ich das Drehbuch las, war ich sofort dabei. Meine Gefühle über den Kampf dieser Frauen waren genau die gleichen wie die von Albert.“

Jaime Winstone ist ähnlich stolz auf den Film. „Meine Mutter arbeitete in einer Fabrik, genauso wie meine Oma, die in einem Nähereibetrieb tätig war“, erklärt sie. „Meine Oma hat mir sogar für diese Rolle beigebracht, wie man mit einer Nähmaschine umgeht. Dabei wurde mir klar, dass die Fertigung der Autositze die schwerste Arbeit in der ganzen Fabrik war. Als die Frauen streikten, merkten die Bosse, dass die Männer diesen Job nicht übernehmen konnten, weil sie keine Ahnung davon hatten. Trotzdem galten die Frauen als ‚ungelernt’ und bekamen den gleichen Lohn wie die Leute, die den Boden wischten. Und die Bedingungen, unter denen sie arbeiteten, waren unglaublich. Tote Tauben fielen auf sie herab! Und die Männer arbeiteten gleich nebenan in einem glänzenden neuen Fabrikgebäude.“

Wie ihre Kolleginnen und Kollegen ist auch Hauptdarstellerin Sally Hawkins sehr stolz auf die Produktion. „Ich empfinde es als großes Glück, Teil eines Films sein zu dürfen, der so wunderbare und starke Frauenfiguren präsentiert“, sagt sie. „So etwas ist tatsächlich sehr rar. Leider kämpfen wir heute noch um Gleichberechtigung. Auch in der Filmindustrie haben die Männer wie eh und je das Sagen. Ich empfinde das als sehr frustrierend. Die Botschaft des Films lautet, dass man sich selbst stets aufs Neue antreiben und fordern soll. Wir alle können diese Stimme in uns finden. Die Frauen von Dagenham haben uns gezeigt, wie wichtig es ist, für das zu kämpfen, was man für richtig hält – selbst wenn man es dabei manchmal mit der Angst zu tun bekommt.“

Zu den Kommentaren

News und Stories

Kommentare