Fakten und Hintergründe zum Film "Was will ich mehr"

Kino.de Redaktion |

Was will ich mehr Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Interview mit Silvio Soldini (Regie)

Was hat Sie zu „Was will ich mehr“ inspiriert“?

Wie schon in „Tage und Wolken“ (Giorni e nuvole) wollte ich aus der Perspektive ganz normaler Menschen erzählen. Mir war es wichtig, die Geschichte einer Leidenschaft so direkt wie möglich zu erzählen und die Liebenden in jedem Moment ihrer emotionalen Reise zu begleiten. Zum ersten Mal ist eine Episode aus dem wirklichen Leben der Anlass zu einem meiner Filme. Entstanden ist die Idee, als mir eine Freundin von ihrer schwierigen, aber leidenschaftlichen Liebesgeschichte berichtete, die sie parallel zu ihrem Alltag lebt.

Bilderstrecke starten(7 Bilder)
Alle Bilder und Videos zu Was will ich mehr

Was hat Sie an dieser Liebesgeschichte interessiert?

Die Erfahrung meiner Freundin hat mir stark den Eindruck eines Mangels vermittelt: an Zeit und Raum, sich zu treffen, und letztendlich auch an Geld… Genau das wollte ich zeigen. Eine große, unvermeidbare Leidenschaft und Verliebt sein, aber in konkretem Kontext. Die Geschichte spielt vor familiärem, sozialem und kulturellem Hintergrund mit all seinen Konditionierungen. Im Kino sind die Geschichten meist losgelöst von dem, was drum herum passiert. Die Personen sind frei, sie haben keine großen Hindernisse zu konfrontieren: es wird nur von großen Gefühlen gesprochen. Gemeinsam mit meinen Drehbuchautoren wollte ich hingegen reale Figuren entwickeln, d.h. Personen mit Problemen, die wir alle kennen und durchleben.

Anna und Domenico, die Liebenden in Ihrem Film, sind in sich gespalten…

Ja. Einerseits wollen sie sich ihrer Liebe und ihrer Leidenschaft hingeben, auf der anderen Seite steht ihre Angst und die Verantwortung für ihr bisheriges Leben, ihre Familie…

Auch das Publikum wird emotional hin und hergerissen sein…

Der Film zeigt die Vielfalt menschlicher Möglichkeiten, auf bestimmte Ereignisse zu reagieren. Er ergreift keine Partei. Das Publikum hat die Chance, sich mit allen Charakteren zu identifizieren. Dass Alessio, der Lebensgefährte von Anna, und Miriam, die Ehefrau von Domenico, gezwungenermaßen in Kontrast zu dem stehen, was Anna und Domenico wollen, macht aus ihnen keine negativen Figuren. Sie sind einfach menschlich.

Haben Ihnen die Sex-Szenen Angst bereitet?

Nein. Mir gefällt es, mich mit jedem Film unterschiedlichen Herausforderungen zu stellen, und Themen zu behandeln, die ich zuvor noch nicht beleuchtet habe. Vor einiger Zeit hätte ich vielleicht sogar Schwierigkeiten gehabt, einen Sonntag im Kreise der Familie zu inszenieren, mit all den Schauspielern rund um einen Tisch… Sagen wir, es war der Moment gekommen und ich war bereit dazu. Ich dachte an „Intimacy“ von Patrice Chéreau, in dem Sexualität sehr direkt gezeigt wird: grausam, aber auch spielerisch, aber nie mit voyeuristischem Auge. In „WAS WILL ICH MEHR“ wird Sex genauso wie alle anderen Momente der Geschichte abgebildet, auf natürliche Weise. Das ist notwendig, um zu zeigen, wie sich die Beziehung zwischen Anna und Domenico langsam verändert. Ein Versuch, sich einzufühlen also - keine Erotik. Alba und Pierfrancesco haben sich komplett und mit großer Professionalität darauf eingelassen. Oft werden solche Szenen für Filme nicht geprobt, um Verlegenheiten zu vermeiden, aber dann kommt der Moment des Drehs, ohne genau zu wissen, was passieren soll und die Ergebnisse sind meist enttäuschend. Wir haben die Szene geprobt, wie die anderen auch, und haben sie dann ohne Unterbrechung gedreht. Natürlich waren nur wenige Leute im Raum, ich habe selbst die Kamerafahrten gemacht.

Warum haben Sie gerade diese Schauspieler gewählt?

Erst hatte ich keine klare Idee zur Besetzung der Figuren. Anna sollte eine Frau um die 30 sein, kraftvoll, sinnlich und in der Lage, die Initiative zu ergreifen. Weil sie der Motor ist, der alles ins Laufen bringt. Eine Frau, die ich mir anders vorgestellt habe als das Bild, das ich von Alba Rohrwacher im Kopf hatte. Sie ist eine Schauspielerin, die mir sehr gefällt, und mit der ich bereits in „Tage und Wolken“ gearbeitet hatte. Aber dort hat sie die 20-jährige Tochter der Familie gespielt. Dass ich sie letztendlich ausgesucht habe, ist allein ihr Verdienst. Sie hatte große Lust, diese Rolle zu spielen, weil sie weit von denen entfernt war, die ihr bisher angeboten wurden. Nach fünf Proben wusste ich, dass ich mit ihr Anna gefunden hatte und Alba das schaffen würde. Pierfrancesco Favino kannte ich vorher nicht, aber es war sofort ein schönes Treffen. Wir haben mit ihm geprobt und als wir ihn zusammen mit Alba gesehen haben, war klar, dass die Besetzung stimmt. Mit Teresa Saponangelo hatte ich bereits in „Die Akrobatinnen“ gearbeitet und die Rolle der Miriam schien mir perfekt für sie. Giuseppe Battiston ist letztendlich der einzige, den ich schon im Kopf hatte, als ich mit dem Drehbuch begonnen habe. Mit ihm besteht eine Verbindung über alle meine Filme hinweg, außer dem ersten. Es gefällt mir, ihm immer neue Charaktere anzubieten, um unseren künstlerischen Diskurs fortzusetzen. Es macht mir großen Spaß, mit ihm zu arbeiten.

Nach zwei Filmen, die in Genua spielen, sind Sie nach Mailand zurückgekehrt, wo Sie seit 1993 nicht gedreht haben. Warum?

Eine Geschichte wie diese konnte nur in Mailand spielen. Anna wohnt am Stadtrand und nimmt jeden Tag den Zug ins Zentrum, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen. Auch ihre Eltern leben am Stadtrand und betreiben dort eine Reinigung. Genauso wie Domenico, der mit seiner Familie in einem Hochhaus in der Peripherie lebt. Es gefiel mir, unterschiedliche urbane Räume zu zeigen und Stadtrand und Zentrum in Beziehung zu setzen: die Einkaufszentren, die Baustellen, neben der Architektur von früher… Die haben sich in den letzten Jahren sehr verändert: sowohl vom soziologischen als auch vom pittoresken Gesichtspunkt aus gesehen.

In „Was will ich mehr“ nehmen Sie den Dokumentarstil aus „Tage und Wolken“ wieder auf. Hat die Story den Stil bedingt?

Ja, man soll die Inszenierung nicht wahrnehmen. Das Publikum soll das Gefühl haben, die Realität so zu sehen, als ob im Moment der Dreharbeiten alles genau so passieren würde. Ramiro Civita, der Kameramann, hat mit einem sehr natürlichen Licht gearbeitet, durch das sich die Schauspieler frei im Raum bewegen konnten. Darüber hinaus benutzt er die Handkamera in grandioser Weise: sie fügt mit ihrer Unvollkommenheit einen weiteren Moment der Wahrheit zu dem Erzählten hinzu.

Inwiefern beeinflusst Ihre Art der Inszenierung die Arbeit der Schauspieler?

Die Kamera folgt den Schauspielern. Sie ist immer auf gleicher Höhe mit ihnen, komplizenhaft, und an ihren Handlungen teilnehmend. Oft nimmt sie die Schauspieler von hinten auf um ihnen nahe zu sein, ohne sie zu bewerten. Immer öfter komme ich ans Set und habe eine klare Vorstellung von dem, was ich erzählen will, weiß aber nicht genau wie. Es ist mir wichtig, gemeinsam mit den Schauspielern in dem jeweiligen Ambiente zu arbeiten. Ich rufe sie oft auch aus der Maske, um die Szene zu proben, die wir zuvor woanders schon probiert haben, wenn auch nur eine Viertelstunde, um zu wissen, wie sie im Raum wirkt. Am Anfang meiner Arbeit bin ich von der Bewegung der Kamera ausgegangen, von der Einstellung. Jetzt gehe ich von der Bewegung der Schauspieler aus.

In Ihren Filmen kommt auch den sogenannten Nebenrollen eine besondere Bedeutung zu.

Eine Lektion, die ich vom amerikanischen Kino gelernt habe. Dort gibt es oft Nebenrollen, die man besser in Erinnerung behält als die der Protagonisten. Ich entwickle die kleinen Figuren wie die großen sehr sorgfältig und probe auch Szenen, die man vielleicht nur einige Sekunden lang auf der Leinwand sieht. Der Begriff „Nebenrolle“ gefällt mir nicht. Eine Rolle ist vielleicht geringer in Bezug auf ihre Dauer, aber meist nicht für die Geschichte an sich.

Die Filmmusik von Giovanni Venosta ist dieses Mal rockig….

Ja, mit Giovanni ist es jedes Mal ein neues Abenteuer. Was uns beiden nicht gefällt, ist, wenn ein Film eine Musik hat, die man schon gehört hat. Und davon gibt es viele. Wir suchen immer erst einen Ausgangspunkt. In „Brot und Tulpen“ sind wir von dem Tango ausgegangen, den er für die Schlussszene komponiert hat, in “Tage und Wolken“ von den Klängen des Buzuki, die uns zu mediterranen Klängen gebracht haben. Diesmal sind wir sofort von einem Rocksound von Giovanni ausgegangen, den ich für die Szene ausgesucht habe, in der Anna zum Hotel fährt.

Sie arbeiten mit dem Produzenten Lionello Cerri seit „Brennen im Wind“ Eine Solidarität, die sich im Laufe der Zeit gefestigt hat…

Inzwischen kennen wir unsere Stärken und Schwächen. Wir können sogar streiten, ohne dass das unsere Beziehung gefährdet. Es ist nicht immer einfach, sich mit einem Produzenten gut zu verstehen, da die Meinungen nicht immer gleich sind. Aber wichtig ist, einander zu vertrauen und ehrlich miteinander umzugehen. Und mit Lionello ist es so.

Zu den Kommentaren

News und Stories

  • Fakten und Hintergründe zum Film "Was will ich mehr"

    Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

    Kino.de Redaktion  

Kommentare

  1. Startseite
  2. News
  3. Film-News
  4. Was will ich mehr
  5. Fakten und Hintergründe zum Film "Was will ich mehr"