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Über die Produktion

„Wall Street: Geld schläft nicht“ erzählt vom Geschäftemachen um jeden Preis und von Menschen, die alles tun, um Einlass in diesen höchst exklusiven Klub des großen Reichtums und der großen Macht zu erhalten. Gleichzeitig erzählt der Film aber auch die Geschichte eines Mannes, der verzweifelt versucht, sich seiner Tochter wieder anzunähern. Eine Annäherung, die er selbst gefährdet, weil er mit der gleichen Entschlossenheit wieder Zugang zu einer Welt sucht, die ihn ausgeschlossen hat.

Zweiundzwanzig Jahre nachdem Regisseur Oliver Stone, Produzent Edward R. Pressman und Hauptdarsteller Michael Douglas gemeinsam „Wall Street“ („Wall Street“, 1987) realisierten, kehrte das kreative Triumvirat wieder nach New York zurück, um dort die Fortsetzung zu drehen.

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Oliver Stone, der mittlerweile dreimal mit dem Oscar® ausgezeichnete Regisseur des Klassikers, gehört heute zu den begehrtesten und erfolgreichsten Filmemachern überhaupt. Der Zeitpunkt für eine Rückkehr in die Welt, die er 1987 mit „Wall Street“ so denkwürdig auf die Leinwand gebracht hatte, erschien Oliver Stone jetzt gerade richtig.

Darüber hinaus bot ihm der Film die Gelegenheit, neues Terrain zu erforschen. „Meiner Ansicht nach erzählt dieser Film eine verdammt unterhaltsame Geschichte und er macht einfach Spaß“, erklärt Stone. „Ich glaube nicht, dass ich die Arbeit an „Wall Street: Geld schläft nicht“ genossen hätte, wenn nicht eine völlig neue Geschichte damit erzählt worden wäre. Dass 22 Jahre seitdem vergangen sind, macht einen riesigen Unterschied aus. Dadurch erschien mir alles ganz neu und unverbraucht.“

Michael Douglas ist wieder als Gordon Gekko zu sehen, in der Rolle, die ihm einen Oscar® eingebracht hat. Gekkos unvergessliches Leitmotto „Gier ist gut“ und seine riskanten Firmenübernahmen machten diese Figur zum Rockstar unter den Titanen der Finanzwelt. Douglas wurde für seine Arbeit als Schauspieler und als Produzent erst kürzlich vom American Film Institute mit dem Life Achievement Award ausgezeichnet.

Das Drehbuch für die Fortsetzung schrieben Allan Loeb und Stephen Schiff, basierend auf Figuren, die Stanley Weiser und Oliver Stone entwickelten. Die Produzenten des Films sind Edward R. Pressman und Eric Kopeloff.

Nach dem Erfolg von PLATOON („Platoon“, 1986), einem Oscar®-gekrönten Drama über den Vietnamkrieg, das tief betroffen machte, wählte Autor-Regisseur Oliver Stone das Schlachtfeld der amerikanischen Geschäftswelt als Schauplatz für sein nächstes Projekt. WALL STREET, der 1987 in die Kinos kam, erzählte die Geschichte eines jungen, von Charlie Sheen gespielten Brokers, der in der Finanzwelt unbedingt erfolgreich sein wollte und dabei vom mächtigen und brillanten Börsenhai Gordon Gekko, verkörpert von Michael Douglas, korrumpiert wurde.

„Mit WALL STREET wollte ich unbedingt den Krieg in der Heimat zeigen, um es mal so zu sagen. Den Krieg also im Finanzdschungel New Yorks, meiner Heimatstadt“, erklärt Oliver Stone. Tatsächlich ist Stones Vater selbst Broker in New York gewesen, weshalb der Regisseur auch mit der Wall Street sehr vertraut war, als er den gleichnamigen Film drehte.

Michael Douglas und seine Kult-Figur Gordon Gekko, die Stone und sein Koautor Stanley Weiser bei WALL STREET erfanden, sind untrennbar miteinander verbunden. Deshalb mag es überraschen, dass mit Douglas’ Besetzung damals niemand gerechnet hatte. „Michael hatte eine solche Rolle wie Gekko noch nie zuvor gespielt“, erinnert sich Stone. „Meistens sah man ihn in romantischen oder komischen Hauptrollen, aber in WALL STREET musste er eine Figur interpretieren, die offen gesagt absolut böse und verdorben war.“

In WALL STREET hält Gekko auf einem Aktionärstreffen eine Rede, in der er die Gier als positive Triebkraft im amerikanischen Kapitalismus anpreist: „Gier – leider gibt es dafür kein besseres Wort – ist gut“, proklamierte Gekko. „Die Gier ist richtig. Die Gier funktioniert. Die Gier klärt die Dinge, durchdringt sie und ist der Kern jeden fortschrittlichen Geistes. Gier in all ihren Formen, die Gier nach Leben, nach Geld, nach Liebe, nach Wissen, hat die Entwicklung der Menschheit geprägt.“

Diese Rede ist in der Filmgeschichte unvergessen. Bis zum heutigen Tag wird „Gier…ist gut“ immer wieder zitiert in der nicht enden wollenden Berichterstattung der Medien über die aktuelle Finanzkrise. Für seine Darstellung des Gordon Gekko erhielt Michael Douglas den Oscar® als „Bester Hauptdarsteller“, während die von ihm gespielte Figur fortlebte, Teil der amerikanischen Populärkultur und einer der großen Bad Guys des Kinos wurde. Nachdem über zwei Jahrzehnte vergangen sind und er Gekko in WALL STREET: GELD SCHLÄFT NICHT erneut verkörpert hat, ist Michael Douglas erstaunt über die unveränderte Anziehungskraft und Bedeutung dieser Figur. „Von allen Rollen, die ich in meiner Karriere gespielt habe, werde ich auf Gekko am meisten angesprochen. Die Leute lieben Gekko einfach, was mich immer überrascht hat, denn er ist wirklich böse.“

Andererseits, so Douglas, ist „die Wall Street wie Theater. Die Leute lieben Geschichten über Macht. Sie werden von ihr verführt. Das sind meines Erachtens die Gründe, warum Gekko und der Film WALL STREET das Publikum über all die Jahre fasziniert haben.“

„Auf Gordon Gekko ist unzählige Male in Zeitungen und Zeitschriften verwiesen worden, die Figur ist eine Ikone geworden“, führt Produzent Pressman weiter aus, der neben WALL STREET mit Oliver Stone auch mehrere andere Filme realisierte. „In WALL STREET wurde diese Idee von einer eigenen Kultur dieses Finanzzentrums kreiert. Das hatte zur Folge, dass die Menschen, die dort arbeiteten, tatsächlich davon beeinflusst wurden, sich auf eine bestimmte Weise zu verhalten und zu kleiden.“

In der Tat machten Gekkos Charisma und seine Art, beim Geschäftemachen und Geldanhäufen „keine Gefangenen zu machen“, sondern über Leichen zu gehen, die Figur bei vielen Zuschauern zum Helden. Nicht nur, dass junge Männer von der Wall Street Gekkos Markenzeichen, das mit Gel nach hinten geglättete Haar und seine Hosenträger, übernahmen, sie beherzigten auch sein berühmtes Mantra „Gier ist gut“.

„Der Film hat über die Jahre an Popularität zugelegt“, fügt Stone hinzu, der anfangs überrascht davon war, wie sehr die Zuschauer Gekko mochten. „Ich habe WALL STREET als sehr moralische Geschichte angelegt, und viele haben den Film einfach missverstanden. Es verblüfft mich noch immer, wie viele Menschen in all den Jahren auf mich zugekommen sind und gesagt haben ‚Wegen Ihres Films bin ich an die Wall Street gegangen, um dort Karriere zu machen’. Viele von ihnen sind jetzt in den Dreißigern oder Vierzigern und schlagen sich an der Wall Street ziemlich gut – als ehrliche Börsenhändler, sollte ich hinzufügen.“

Aber nicht einmal Stone hätte sich die Ereignisse ausmalen können, die die Gordon Gekkos dieser Welt völlig unbedeutend erscheinen lassen und schließlich zur schlimmsten weltweiten Finanzkrise seit der Großen Depression führten.

Nach WALL STREET drehte Stone noch weitere bedeutende Filme, darunter BORN ON THE FOURTH OF JULY („Geboren am 4. Juli“, 1989), NATURAL BORN KILLERS („Natural Born Killers“, 1994), JFK („JFK - John F. Kennedy - Tatort Dallas“, 1991) und zuletzt W („W. - Ein missverstandenes Leben“, 2008). In der Zwischenzeit wurden die Herrscher der Finanzwelt immer reicher. „Ich war geschockt, dass sich diese exponentiell wachsende Vermehrung von Reichtum bis in die Neunzigerjahre und das neue Jahrtausend fortsetzte“, erzählt Stone. „Die Zahlen wuchsen und wuchsen, so wurden aus Millionen von Dollar schließlich Milliarden. Und die Gier von Gordon Gekko wurde noch übertroffen von der Gier der Banken.“

„2008 gab es keine Gordon Gekkos mehr“, fährt Stone fort. „Solche Typen, diese Art Freibeuter, gehörten nun der Vergangenheit an, und wurden ersetzt von Institutionen, die früher reguliert worden waren. Früher war eine Bank eine Bank und eine Versicherungsgesellschaft eine Versicherungsgesellschaft. 2008 veränderte sich das alles. Die schützenden Grenzen zwischen diesen Geschäftsbereichen wurden von den Deregulierungsmaßnahmen der Achtziger- und Neunzigerjahre zerstört.“

Während dieser realen Entwicklungen an der Wall Street begann die Arbeit an einem Drehbuch, das sich Jahre nach den Ereignissen von WALL STREET wieder mit Gekko beschäftigte. Zu diesem Zeitpunkt war Stone noch nicht in den Film involviert, und es dauerte bis zum Frühjahr 2009, als er Allan Loebs Drehbuch für WALL STREET: GELD SCHLÄFT NICHT las und in Erwägung zog, einen neuen Film über die Figuren und die Welt in Angriff zu nehmen, die er in WALL STREET zum Leben erweckt hatte.

„Allan Loeb konnte auf persönliche Erfahrungen in der Finanzwelt zurückgreifen und er entwickelte einen Ansatz, der das letzte Jahr an der Wall Street und in der gesamten Weltwirtschaft auf den Punkt brachte“, erklärt Produzent Edward Pressman. „Auf der Grundlage dieses Drehbuchs kehrte Oliver zu dem Projekt zurück, denn er konnte in Allans Skript erkennen, dass daraus ein relevanter und aufregender Film werden kann.“

„2008 ereignete sich der große Crash, und das machte alles plötzlich sehr spannend, denn jetzt konnte man die ganzen Fehler im System sehen“, erklärt Stone. „WALL STREET: GELD SCHLÄFT NICHT ist wirklich eine Abrechnung mit diesen Ereignissen.“ Ähnlich sieht es auch Michael Douglas, der hinzufügt: „Um die Mechanismen der Finanzwelt zu erforschen ist diese Zeit sicher noch viel interessanter, als die Zeit zur der WALL STREET spielte.“ Und Eric Kopeloff, der Stones Film W („W. – Ein missverstandenes Leben“, 2008) produziert hatte und zusammen mit Pressman als Produzent zu WALL STREET: GELD SCHLÄFT NICHT stieß, nachdem sich Stone an den Film gebunden hatte, betont ergänzend: „Wenn es eine Zeit gibt, um sich erneut einer Geschichte von der Wall Street zuzuwenden, dann ist sie jetzt gekommen.“

Ende 2008 engagierte Pressman Allan Loeb einen lizensierten Broker, Aktienhändler und selbst ernannten Finanzjunkie, um am Drehbuch von WALL STREET: GELD SCHLÄFT NICHT zu arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt hatte der preisgekrönte Filmkritiker und Drehbuchautor Stephen Schiff bereits mehrere Drehbuchfassungen abgeliefert. Damit betrieb Loeb einen Großteil seiner Recherche genau in der Phase, als der ökonomische Zusammenbruch dieses Jahres seinen Höhepunkt hatte. „Ich traf mich mit großen Namen aus der Finanzwelt, während der Crash sein größtes Ausmaß erreichte“, erinnert sich Loeb. „Viele dieser Wall-Street-Player durchlebten so etwas wie eine spirituelle Phase, es war also sehr interessant, sich mit ihnen zu unterhalten.“

Für seine Recherche traf sich Loeb mit Managern von Hedgefonds und großen Banken und verbrachte darüber hinaus viel Zeit mit einem Wertpapier-Händler, der früher bei einer der größten amerikanischen Firmen angestellt war. Wovor Loeb aber am meisten Respekt hatte, war die Aussicht, seine Story „Gordon Gekko“ höchstpersönlich, also Michael Douglas, „verkaufen“ zu müssen. Denn nur auf der Grundlage einer guten Geschichte hatte Douglas Interesse angemeldet, noch einmal in die preisgekrönte Rolle zu schlüpfen.

„Es gab da diesen Moment, an dem ich mich wie Bud Fox fühlte. Denn ich sollte, wenn man so will, den großen Gordon Gekko treffen und ihm seine eigene Geschichte verkaufen“, erinnert sich Loeb. „Das ging schon etwas an die Nerven, Michael Douglas, der so ein legendärer und wunderbarer Schauspieler ist und dem ich zuvor nie begegnet war, diese Story vorzustellen.“

Das Drehbuch, das Loeb und Schiff für WALL STREET: GELD SCHLÄFT NICHT schrieben, verdeutlicht nicht nur, was Ende 2008 mit der amerikanischen Wirtschaft passierte, sondern erzählt auch die faszinierende, dramatische Geschichte von Gordon Gekko, der sich nach Jahren im Gefängnis und nach einer noch längeren Zeit als Außenseiter an der Wall Street verändert hat. Douglas jedenfalls war beeindruckt vom Drehbuch und unterschrieb den Vertrag.

Die Geschichte nimmt ihren Anfang als Gekko 2001, nach acht Jahren in Haft, aus dem Gefängnis entlassen wird. In seiner Abwesenheit ist sein Sohn gestorben, seine Frau hat sich scheiden lassen und seine Tochter Winnie, das einzige für ihn noch erreichbare Familienmitglied, hat den Kontakt zu ihm abgebrochen. Denn sie gibt ihrem Vater die Schuld, die Familie zerstört zu haben. „So dynamisch und mit Macht ausgestattet Gekko im ersten Film war, so tief ist er zu Beginn der Fortsetzung gesunken“, erklärt Michael Douglas.

„Gekko ist gedemütigt“, fügt Loeb hinzu. „Er hat seine Familie verloren und, nicht weniger wichtig für ihn, ging er als Betrüger ins Gefängnis. Er war ein Major Player in einem Riesenspiel, er hatte die Fäden in der Hand. Er ist vielleicht mit etwa 50 Millionen Dollar Vermögen ins Gefängnis gegangen, verlässt es aber Anfang der folgenden Dekade mit nichts - und betritt eine veränderte Welt. Gordon Gekko ist nicht mehr im Spiel und ohne Bedeutung. Und das ist für ihn die größte Demütigung.“

Im Gefängnis hat Gekko eine Menge gelernt, wie Douglas bestätigt: „Er hatte viel Zeit zum Nachdenken, sieht alles jetzt viel klarer. Was in der Finanzwelt passiert ist, beurteilt er pessimistisch. Er kann objektiv die Probleme betrachten und sehen, wie schwerwiegend sie wirklich für uns sind.“

Nach seiner Entlassung aus der Haft ist Gekko entschlossen, sich wieder als Powerbroker an der Wall Street zu etablieren. Aber es geht ihm um mehr als nur um die Anhäufung großer Geldsummen: „Gekko sucht Anerkennung“, erklärt Douglas. „Das ist auch einer der Gründe, warum er ein Buch geschrieben hat.“

Mit ähnlicher Entschlossenheit versucht Gekko auch, die Liebe seiner Tochter Winnie zurück zu gewinnen und die Familie wieder zusammenzuführen, die er selbst auseinander gerissen hat. Dieser Gegensatz von Gekkos beruflichen Ambitionen und seinem privaten Engagement, den Kontakt zu seiner Tochter wieder aufzunehmen, sorgen für einige der dramatischsten und emotionalsten Momente im Film.

Um diese Ziele zu erreichen, schließt sich Gekko mit Jake Moore, Winnies Verlobten, zusammen. Jake personifiziert einen der, in neuen Technologien versierten, jungen Männer, die 2008 Millionen verdienten, bevor sie überhaupt das 30. Lebensjahr erreicht hatten. Gekko benutzt Jake, um sich Winnie wieder nähern zu können – und Jake sucht Gekkos Rat, um die Oberhand über Bretton James zu gewinnen, einen skrupellosen Investmentbanker, den Jake für den Niedergang seines Mentors und dessen Firma verantwortlich macht.

Die Rolle des Jake besetzte Oliver Stone mit Shia LaBeouf, den Star der enorm erfolgreichen TRANSFORMERS-Filme wie auch von INDIANA JONES AND THE KINGDOM OF THE CRYSTAL SKULL („Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“, 2008) sowie des Thrillers DISTURBIA („Disturbia“, 2007). „Er erinnert mich an den jungen Tom Cruise “, erzählt der Regisseur. „Er bringt den gleichen Elan, die gleiche Arbeitsmoral und die gleiche Energie mit.“

Für LaBeouf gibt es mehrere Gründe, die die Rolle für ihn attraktiv machten. Einer davon ist seine Bewunderung für Stones Gesamtwerk. „Ich liebe WALL STREET, deshalb wollte ich dabei sein“, erzählt der Schauspieler. „Als Filmfan kann man viel von Olivers Filmen lernen. Man bekommt eine Menge Fakten, aber auch Entertainment präsentiert.“ Darüber hinaus bedeutete die Hauptrolle in einem Oliver-Stone-Film auch einen Kurswechsel für den Jungstar. „Ich habe in der letzten Zeit einige Fantasy-Filme gedreht und suchte etwas, das Biss hatte. Solche Filme dreht Oliver Stone.“

LaBeouf beschreibt Jake als jungen Mann, der aus bescheidenen Verhältnissen kommt und als Golf-Caddie für Louis Zabel, den Kopf der angesehenen Investmentbank Keller Zabel, arbeitete. Dies führte schließlich zu weit größeren Aufgaben. „Jake kommt aus dem Nichts, aus Long Island, und sein Vater war nie für ihn da“, erklärt LaBeouf. „Jake wird direkt aus der Wirtschaftsschule von Keller Zabel als Wertpapierhändler eingestellt und handelt sofort mit seinem eigenen Verkaufskonto. Er arbeitet sich die Karriereleiter hoch und wird in jungem Alter Zabels rechte Hand.“

„Als ich die Rolle annahm“, führt LaBeouf weiter aus, „wusste ich wenig über die Finanzwelt. Ich wusste nicht, was ein Derivat ist, kannte mich mit Aktien und festverzinslichen Wertpapieren nicht aus. Oliver sagte: ‚Wenn du diese Figur spielen willst, musst du die Sache super beherrschen .’ Also ging ich in eine Brokerfirma und bat die Verantwortlichen, mir ein eigenes Verkaufskonto einzurichten.“

Danach stürzte sich LaBeouf mit größtem Eifer auf die Recherche. Nach finanzwirtschaftlichen Intensivkursen bei verschiedenen Investment- und Trading-Firmen, gelang es LaBeouf den Wert einer bescheidenen Investition exponentiell zu steigern. Er bestand auch sein Series-7-Examen und darf sich nunmehr lizensierter Broker und Händler nennen.

„Shia hatte diesen unglaublichen Antrieb und wollte so viel möglich über diese Welt lernen“, erinnert sich Prodzent Eric Kopeloff. „Und das hat Oliver wirklich beeindruckt.“

Tatsächlich ist auch Stone selbst für seine intensiven Recherchen bekannt. „Was den ersten Film vor allem auszeichnet, ist, dass er selbst den anspruchsvollsten und smartesten Wall-Street-Insidern glaubhaft erschien“, erklärt Produzent Edward Pressman. „Meiner Meinung nach ist es Olivers wichtigstes Anliegen, dieses Niveau an Authentizität zu erreichen, so dass sein Film in New York genauso gut ankommt wie in der Kleinstadt Peoria.“

„Was ich sofort über Oliver lernte, ist, dass er kompromisslos auf Glaubwürdigkeit besteht“, fügt Drehbuchautor Allan Loeb hinzu. „Er insistierte immer auf Authentizität und das war eine große Hilfe und hob das Drehbuch wie auch den ganzen Film auf ein höheres Niveau. Wer den Film sieht, wird sagen: ‚Ja, das ist die Wall Street von heute.“

Für seine Recherchen besuchten Stone und sein Team Investmentbanken und Hedgefonds-Manager und trafen sich dabei mit einigen der größten Player der Finanzwelt. „Wir haben mit so vielen Leuten gesprochen wie nur möglich“, erzählt der Regisseur, „darunter auch mit einigen der bekanntesten Finanzzauberern und Politikern.“ Und Eric Kopeloff fügt hinzu: „Wir schlugen die New York Times und das Wall Street Journal auf und stellten eine Liste interessanter Personen zusammen, mit denen wir uns treffen wollten. Es war unglaublich, denn die meisten waren sofort bereit, mit uns über die heutige Situation an der Wall Street zu sprechen – ob nun offiziell oder inoffiziell. Und ihre Offenheit hatte vor allem einen Grund: Sie lieben WALL STREET und Gordon Gekko.“

Im neuen WALL-STREET-Film stehen global operierende Investmentbanker im Mittelpunkt, die statt zehn nun hunderte Millionen Dollar verdienen und die die Manager der achtziger Jahre, die noch Firmen übernahmen und die Gordon Gekko repräsentierte, verdrängt haben. Bretton James, Partner bei der mächtigen Investmentbank Churchill Schwartz, personifiziert diesen Reichtum, der außer Kontrolle geraten ist. Er wird von Josh Brolin gespielt, der in Oliver Stones letztem Film W („W.- Ein missverstandenes Leben“, 2008) die Hauptrolle übernommen hatte. „Bretton ist, so wie ihn Josh verkörpert, der Hauptgegenspieler im Film“, erklärt Stone. „Denn er gehört der neuen Generation an, ist 40 Jahre alt, ein aufsteigender Stern am Bankerhimmel, der ganz oben mitmischt. Er ist sehr reich und arrogant, einer von vier oder fünf Partnern in einer großen Investmentbank.“

Brolin, der früher einmal als Tageshändler tätig war, freute sich über die Gelegenheit, wieder mit Regisseur Oliver Stone drehen zu können. „Wir arbeiten sehr gut zusammen“, erzählt Brolin. „Ich hatte selbst einige Jahre eine Trading-Firma und denke, das ist Recherche genug. Ich bin fasziniert von der Finanzwelt.“

Sein Selbstbewusstsein und sein Können bringen Bretton James und seiner Company schließlich Erfolge ein, darunter fällt auch die Übernahme von Keller Zabel. „James nutzt sehr geschickt eine Situation aus, in der eine andere Investmentbank sehr angreifbar wird, und übernimmt schließlich diese Bank“, führt Brolin aus.

Bretton James hat schon einmal seine Kräfte mit Gordon Gekko gemessen. Jake will Gekkos Wissen über mögliche Schwächen des beeindruckenden Investmentbankers anzapfen und so Rache nehmen für die Vernichtung seines Arbeitgebers und Mentors, dessen Firma ebenfalls von James’ Machenschaften ruiniert wurde. Aber Gekko fordert eine Gegenleistung für diese Informationen: Jake soll ihn wieder mit seiner Tochter Winnie, Jakes Verlobter, zusammenbringen, die seit Jahren jeglichen Kontakt zu ihrem Vater verweigert. „Durch seine Zusammenarbeit mit Gekko widersetzt sich Jake Winnies Wünschen“, erzählt Shia LaBeouf. „Jake weiß, dass Gekko ein unglaublich kluger Kopf ist und bittet ihn bei einigen hoch riskanten Finanzmanövern um Hilfe. Und er unterstützt Gekko dabei, seine Beziehung zu Winnie wieder aufzubauen.“

Für die Rolle der Winnie entschied sich Stone für ein neues Gesicht und besetzte Carey Mulligan, die ihn mit ihrer hoch gelobten Darstellung in AN EDUCATION („An Education“, 2009) schwer beeindruckt hatte. „Ich rief Carey an“, so Stone, „und sagte zu ihr ‚Ich möchte unbedingt, dass Du das liest, ich glaube, Du wärest großartig als Winnie.’ Und sie war richtig geschockt, dass sie für diese Rolle überhaupt nicht vorsprechen musste.“

„Sie hatte es wirklich nicht leicht“, beschreibt die junge Schauspielerin die Vergangenheit ihrer Figur. „Ihr Vater war in ganz New York berüchtigt, und jeder wusste, was mit ihm passiert war, was er getan hatte. Über ihrer ganzen Kindheit hingen also düstere Wolken - durch die vielen Prozesse und die Trennung ihrer Familie.“

Als Reaktion darauf hat Winnie jeden Kontakt mit ihrem Vater abgebrochen, wurde schließlich Journalistin und arbeitet jetzt für eine politisch progressive Website. „Sie hat einen völlig anderen Weg als Gekko eingeschlagen“, erklärt Mulligan, „sie ist eher selbstlos und hat echte Wertvorstellungen, die er gar nicht besitzt. Trotzdem hat sie mit Gekkos Problemen zu kämpfen, auch wenn sie an seiner Welt überhaupt nicht interessiert ist.“

Mulligan bewundert das hohe Maß an Authentizität im Film - nicht nur in der Abbildung der jüngsten Ereignisse an der Wall Street, sondern auch in der Art und Weise, wie die Geschichte das Privatleben der Charaktere zeigt. „Es gibt ein Gleichgewicht. Wenn man also Szenen mit einer großen Vorstandssitzung hat, dann sieht man auch, was mit diesen Figuren geschieht, wenn sie nach Hause kommen. Es ist wunderbar, dass wir diese menschliche, emotionale Seite zeigen, und dabei genauso authentisch bleiben. “

Eine andere Frau in Jakes Leben, seine Mutter Sylvia Moore, geriet in den Sog des Rausches, schnell Geld zu machen. „Ganz in der Tradition der Neunzigerjahre ist sie Immobilienmaklerin geworden“, erzählt Stone. „Schließlich hat sich Sylvia dabei übernommen und ist nun auf ihren Sohn angewiesen, sie da herauszuholen.“ Zunächst versucht Sylvia, Jake und Winnie ein Haus zu verkaufen, sie ist aber später gezwungen, sich von Jake Geld zu leihen, als ihre Immobilien an Wert verlieren.“

Oliver Stone besetzte Oscar®-Preisträgerin Susan Sarandon in dieser Rolle. „Mit Susan wollte ich schon immer zusammenarbeiten“, erzählt der Regisseur. „Ich habe sie aus der Ferne beobachtet und sie vorher nie richtig kennengelernt. Und dann wollte sie diese Rolle spielen und brachte genau die richtige Einstellung mit.“

Jakes Vaterfigur ist auch sein beruflicher Mentor: Louis Zabel, der angesehene Chef von Keller Zabel Investments. „Ich glaube, Jake sieht zu ihm auf und er bewundert, wofür Lou steht“, erklärt Frank Langella, der Zabel spielt. „Jake war ein Junge, der einen Mentor brauchte und er begegnete Louis genau zum richtigen Zeitpunkt. Es ist eine liebenswerte, sehr sanft gezeichnete Beziehung. Ich glaube, man fühlt, dass sie einander etwas bedeuten.“

Langella sagt, das Drehbuch ist „außergewöhnlich gut geschrieben und sehr intelligent in der Thematisierung dessen, was in der Welt vor sich geht.“ Tatsächlich glaubt der Schauspieler, dass der Film noch mehr Leute ansprechen wird als WALL STREET in den achtziger Jahren. „Wir wissen heute viel mehr über Wall-Street-Player, Banker und Versicherungsgesellschaften als damals. Deshalb wird die Resonanz auf diesen Film sogar noch größer sein als bei WALL STREET vor über 20 Jahren.“

Ein anderer Veteran in der Welt der Hochfinanz ist Julie Steinhardt, Seniorpartner bei Churchill Schwartz, dem sogar der mächtige Bretton James unterstellt ist. Er wird von Eli Wallach verkörpert, dessen Karriere als Schauspieler sieben Jahrzehnte umspannt. „Ich wandte mich an Eli“, so Oliver Stone, „weil ich glaubte, er könnte einen dieser alten Garde, der nicht unbedingt auch grundehrlich sein muss, spielen. Durch Elis Darstellung spürt man, dass sich auch hinter Julies Geschichte ein Verbrechen verbirgt.“

Eli Wallach sieht in seiner Figur einen Mann, der seinen Bankerkollegen mit klugen Ratschlägen dienen kann, hat er doch den Börsencrash von 1929 noch in Erinnerung. „Ich erzähle, wie es früher so war“, erklärt Wallach, „und hoffe, dass ich sie für die Zukunft auf den richtigen Weg führen kann. Aber manchmal funktioniert das einfach nicht. An diesem Film finde ich wunderbar, dass es um die Wall Street von heute geht. Und was dort mit dem Geld und den Banken geschieht, ist erschreckend.“

Produktion: Die Dreharbeiten

Am 9. September 2009 begannen die Dreharbeiten für WALL STREET: GELD SCHLÄFT NICHT. In einem TV-Studio in Midtown Manhattan wurden Szenen mit Sprechern eines Finanznachrichtensenders gedreht. Es war der einzige Tag in zwölf Wochen Dreharbeiten, an dem nicht an Originalschauplätzen in New York und der näheren Umgebung gedreht wurde. Für die Ausführende Produzentin Celia Costas, die als zweite Aufnahmeleiterin schon zum Team von WALL STREET („Wall Street“, 1987) gehört hatte, gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen den Dreharbeiten in den achtziger Jahren und 2009. „Mitte der achtziger Jahre war es etwas Ungewöhnliches, wenn in New York ein Film gedreht wurde. Worum es auch immer damals ging“, erklärt Costas, „immer war es so, als müsste das Rad neu erfunden werden. Die Lunch-Szene von WALL STREET im Club 21 zu drehen, war eine echte Herausforderung, und noch nie zuvor hatte jemand im Tagungszimmer des Vorstands im AT&T-Gebäude in der Madison Avenue, wie es damals noch hieß, Kameras aufgestellt.“

Ein Großteil der Szenen von WALL STREET entstanden an Originalschauplätzen, doch das wichtigste Set, der Handelssaal der Firma, bei der Bud Fox angestellt war, musste gebaut werden. „Wir hatten 7.620 Quadratmeter fertigen Büroraum und dort erschufen wir im Grunde unseren eigenen Handelssaal. Es gab überhaupt keine Möglichkeit, in einem echten Handelssaal zu drehen“, erinnert sich Costas.

Als Stone und sein Team bei ihrer Recherche zu WALL STREET: GELD SCHLÄFT NICHT nach Handelssälen suchten, wurden sie wesentlich freundlicher aufgenommen als noch vor zwei Jahrzehnten. „Wir fingen an, verschiedene Trading-Firmen aufzusuchen und wurden dort dann Zeugen dieser erstaunlichen Reaktion“, erinnert sich Produzent Eric Kopeloff. „Wenn wir in bestimmte Bereiche im Saal kamen – auf dem Parkett ging es sehr laut zu – verstummte alles für einige Augenblicke, da man mitbekommen hatte, dass Oliver anwesend war. Und dann standen 75 Menschen in diesem Raum auf und fingen an zu applaudieren.“

So gelang es dem Team von WALL STREET: GELD SCHLÄFT NICHT schließlich, in tatsächlich genutzten Handelssälen zu drehen. Als Fans von WALL STREET wollten echte Börsenhändler unbedingt im neuen Film dabei sein. „Wir drehten an den echten Schauplätzen an den Wochenenden, wenn nicht gehandelt wurde“, erklärt Costas. „Und viele echte Börsenhändler sind im Film zu sehen. Es war ein großartiges Gefühl, in einem authentischen Handelssaal drehen zu können.“

„Als ich mit der Suche nach passenden Drehorten begann, war ich überrascht, wie viele Leute tatsächlich im Tageshandel arbeiten“, fügt die mehrfach Oscar®-nominierte Produktionsdesignerin Kristi Zea hinzu. „Deshalb wollte ich den größtmöglichen Handelssaal, der auch am besten aussah, finden.“ Schließlich stellte das Team von WALL STREET: GELD SCHLÄFT NICHT die Kameras in verschiedenen Handelssälen auf. So unter anderem in der Royal Bank of Canada, die ihre Geschäftsräume im World Financial Center in Downtown Manhattan hat. Außerdem bei Creditex in Midtown Manhattan und schließlich auch bei Knight Capital in Jersey City, New Jersey.

„Seit WALL STREET haben sich die Handelssäle dramatisch verändert“, erklärt Kristi Zea. „Der technische Fortschritt seit dieser Zeit ist erstaunlich. Das betrifft die Geschwindigkeit der Transaktionen, die Notwendigkeit von schnellen, sofortigen Entscheidungen und den Einfluss des Computers auf die Finanzwelt.“

Shia LaBeouf entdeckte während seiner Recherchen, dass die Technologie nicht nur das Investmentgeschäft verändert hat, sondern auch dazu geführt hat, dass die Finanzwelt wie abgeschottet wirkt. „Man hat dort private Twitterkonten, verschickt auf diesem Weg Informationen“, erzählt LaBeouf. „Zum Beispiel kann jemand twittern, dass ein bestimmter Wert um zwei Basispunkte steigen wird. So unmittelbar kann diese Information keine Zeitung verbreiten. Wenn man es dort liest, sind es bereits Nachrichten von gestern.“

Der unbegrenzte Informationsfluss wird auch mit den allgegenwärtigen Bildschirmen verdeutlicht, auf denen kontinuierlich das Auf und Ab im Markt auf den aktuellen Stand gebracht wird. In eigens für den Film inszenierten „Reportagen“ und „Kommentaren“ sind auf diesen Bildschirmen einige der bekanntesten Finanzkommentatoren von heute zu sehen.

Wie LaBeouf schaute sich auch Josh Brolin in Handelssälen um. Er besuchte unter anderem auch den der New Yorker Börse, der nicht in WALL STREET: GELD SCHLÄFT NICHT zu sehen ist. Denn Hauptschauplatz des neuen Films ist nun die US Notenbank. „Ich habe mich auf dem Parkett mit Händlern unterhalten“, erzählt Brolin. „Es war toll zu sehen, wie das alles heute aussieht. Denn die Kommunikationswege sind heute digital, womit es für die Leute auf dem Parkett ziemlich langweilig werden kann. Sie erzählten mir also all diese Geschichten wie es früher war, als man kniehoch im Papier steckte, alle Aufträge notierte und auf die Kauf- und Verkaufsoptionen schaute. Alle sagten, man konnte die Aufregung im Saal geradezu fühlen.“

Unter den vielen Wall-Street-Managern und Finanzexperten, die Oliver Stone seinen Darstellern als Unterstützung für die Recherche vorstellte, waren Nouriel Roubini, Professor an der New York University, Autor und als „Dr. Doom“ bekannt, weil er den ökonomischen Zusammenbruch von 2008 vorausgesagt hatte. Zum Expertenteam gehörten außerdem der enorm erfolgreiche Investor George Soros, Sam Waksal, der Gründer von ImClone, James Chanos, Milliardär und Hedgefond-Manager, sowie Vincent Farrell Jr., der als Chief Investment Officer alle Investitionen von Soleil Securities steuert und als Berater für den Film engagiert wurde.

„Ich hatte vorher noch nie ein Drehbuch gelesen, aber das von WALL STREET: GELD SCHLÄFT NICHT gefiel mir sehr gut“, erinnert sich Farrell, der gebeten wurde, seine Fachkenntnisse beizusteuern, nachdem er am ersten Drehtag vor der Kamera eine vertraute Rolle gespielt hatte - die eines Finanzexperten. „Ich hielt es für sehr realistisch“, fährt Farrell fort, der schließlich am Set Fragen zu den Szenen in den Handelssälen beantwortete. „Wie sieht ein Handelssaal kurz vor, während und nach der Markteröffnung aus? Wer macht voraussichtlich was in diesen Phasen?“ An solche und ähnliche Fragen der Filmemacher kann sich Farrell erinnern, der „sehr beeindruckt war von den Bemühungen um absoluten Realismus.“

Für das Kostümdesign wandte sich Stone wieder an Ellen Mirojnick, deren Entwürfe für WALL STREET und insbesondere für Gordon Gekko zum Kult wurden. Mit Michael Douglas verbindet Mirojnick eine langjährige Arbeitsbeziehung, hatte sie doch auch bei zwei weiteren Douglas-Hits, FATAL ATTRACTION („Eine verhängnisvolle Afffäre“, 1987) und BLACK RAIN („Black Rain“, 1989), die Kleidung des Schauspielers entworfen. Mirojnick erinnert sich, dass sie während der Dreharbeiten zu WALL STREET die Atmosphäre an der echten Wall Street als sehr öffentlichkeitsscheu empfand und auch sehr der Tradition verpflichtet. „Man schirmte sich sehr ab“, erzählt Mirojnick. „Alles war sehr bieder, seriös und konservativ.“ Für Gordon Gekko aber stellte sich die Kostümdesignerin einen unverwechselbaren Look vor. „Er war der Schurke, und ich wollte ihn so verführerisch und mächtig wirken lassen wie nur möglich. Er sollte eher wie Cary Grant sein. Das Ziel war, den Stil der dreißiger Jahre auf die achtziger Jahre zu übertragen. Gutes Aussehen, Eleganz und Würde, das sollte vermittelt werden. Aber für die Wall Street war Gekkos Look purer Protz.“

Gekkos gelglatt nach hinten gekämmtes Haar in WALL STREET war Michael Douglas’ Idee, wie Mirojnick erzählt: „Michael brachte die Frisur von Pat Riley in den Film ein. Er mochte diesen Look und sagte ‚Lass es mich versuchen’ und genau das hat er getan. Danach fügte sich alles perfekt zusammen.“

2008 jedoch ist Gekko nicht mehr der Mann, der er einmal war und sieht auch nicht mehr so aus. Gekko, ein verurteilter Verbrecher und Außenseiter an der Wall Street, macht nun Werbung für sein Buch „Ist Gier gut?“. Darin sagt er schreckliche Konsequenzen für die Wirtschaft als Folge der zügellosen Spekulation an der Wall Street voraus. Gekko trägt jetzt teure, aber deutlich weniger förmliche Kleidung. „Eine bequeme Version von Gordon Gekkos Stil“, sagt Mirojnick. „Angenehm zu tragen und etwas salopp. Wie ein Wolf im Schafspelz.“

Shia LaBeouf und Josh Brolin tragen in ihren Rollen, Jake Moore und Bretton James, maßgeschneiderte Anzüge. „22 Jahre sind vergangen, es geht um noch größeren Reichtum in dieser Welt, ums ganz große Geld“, erklärt Mirojnick. „Testosteron wird hier hoch dosiert ausgeschüttet, jeder versucht, Maßgeschneidertes zu tragen. Deshalb haben wir jetzt einen Schneider für Hemden und einen für Anzüge.“

Carey Mulligans Figur Winnie Gekko jedoch trägt Kleidung, die weniger prahlerisch ist, was auch zu einer progressiven Bloggerin passt. „Careys Kleidung ist einfach und bequem“, so Mirojnick. Doch bei einer Wohltätigkeitsgala im Metropolitan Museum of Art trägt Winnie auch durchaus etwas sehr Teures: ein Abendkleid von Oscar de la Renta. Mehrere Charaktere des Films begegnen sich ganz unerwartet in dieser Szene. So trifft Gekko etwa auf einen früheren Gegenspieler, der den Reichtum und den Erfolg erreicht zu haben scheint, der ihm versagt blieb.

Die Gala wurde im großen Saal des ehemaligen Cunard Gebäudes am Lower Broadway gedreht, das durch seine klassizistische Architektur mit wuchtigen romantischen Bögen auffällt. Das Fest wird von der New Yorker High Society besucht, die das an der Wall Street gemachte große Geld verkörpert. „Oliver stellte sich die Gala vor wie die letzte Party auf der Titanic, bevor sie sank“, erklärt Produktionsdesignerin Kristi Zea. „Wir haben überall unzählige Lichterketten angebracht und Rodrigo Prieto hatte diese wunderbare Idee, alle Tische von unten zu beleuchten, so dass es aussah, als wären es leuchtende Kuppeln.“

Laut Produzent Edward Pressman lief die Zusammenarbeit von Oliver Stone und Prieto, der bereits bei Stones Epos ALEXANDER („Alexander“, 2004) und den Dokumentationen COMANDANTE („Comandante“, 2003), LOOKING FOR FIDEL (2004) und PERSONA NON GRATA („Persona Non Grata“, 20033) das Licht gesetzt hatte, sehr gut: „Rodrigo hat sich für einige Szenen ausgeklügelte Kamerachoreographien ausgedacht und diese auf seine sehr ruhige Art vermittelt. Ich denke, dass die Zusammenarbeit zwischen ihm und Oliver sehr harmonisch ist. Beide improvisieren sehr gerne bei ihrer Arbeit, wodurch eine Lebendigkeit und Dynamik entsteht, die schwer zu erreichen ist.

„Ich glaube“, fährt Pressman fort, „dass Oliver bei diesem Film das Steuer wirklich vollkommen in seiner Hand hatte. Seine große Erfahrung und Reife haben aus ihm einen wahren Könner gemacht.“

„In WALL STREET: GELD SCHLÄFT NICHT geht es nicht nur um Gier, sondern auch um Neid und Exzess“, erklärt Oliver Stone. „Neid ist ein wichtiges Wort. Besitzt man 50 Millionen Dollar, ist das eine Menge Geld. Das sollte eigentlich die eigene Gier sättigen. Wenn man aber über 50 Millionen Dollar nicht glücklich sein kann, weil der Kumpel 100 Millionen Dollar hat, dann ist das nicht Gier, sondern eben Neid.“

„Meines Erachtens lässt sich die Gier bis zur Bibel zurückverfolgen“, so Stone abschließend. „Sie ist tief im Menschen verwurzelt. Und jetzt ist sie auch noch ganz legal. Sie gehört zum Leben.“

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