Filmhandlung und Hintergrund

Persönliche Dokumentation des populären britischen TV-Entertainers Stephen Fry über den umstrittenen Komponisten Richard Wagner.

Großbritanniens beliebtester Moderator und Entertainer Stephen Fry begibt sich auf die Spuren seines musikalischen Idols Richard Wagner, der bis heute für öffentliche Kontroversen sorgt. In seiner Dokumentation setzt Fry, der selbst jüdische Wurzeln hat, seine Faszination für den Musiker der Begeisterung Hitlers für den Komponisten entgegen, welcher Wagner zum deutschen Vorzeigekünstler erklärt hatte. Fry begleitet z. B. 2009 die Vorbereitungen der Festspiele in der Wagner-Stadt Bayreuth, um sich dem Komponisten dadurch anzunähern und begegnet dabei auch Wagners Enkelin Eva Wagner-Pasquier.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • „Wertvoll”

      Der englische Schauspieler, Komiker und Autor Stephen Fry erfüllt sich einen ganz persönlichen Wunsch. Er reist zu den Wagner-Festspielen nach Bayreuth, darf sogar hinter die Kulissen schauen. Sein ganzes Leben schon ist Fry ein Bewunderer von Wagners Schaffen, hat jedoch auch nie aufgehört, sich kritisch mit dem großen Musiker auseinanderzusetzen. Denn die Einbindung dessen Werke in die Propagandamaschine des Dritten Reichs und die Tatsache, dass Stephen Fry jüdischer Abstammung ist, lässt eine unbelastete Verehrung nicht zu. Fry nimmt den Zuschauer in der wunderbar leichtfüßig erzählten Dokumentation von Patrick McGrady mit auf die Reise zu den Spuren eines der größten Genies der Musikgeschichte. Dabei werden die unangenehmen Aspekte von Wagners Schaffen, wie etwa sein Antisemitismus, nicht außen vor gelassen. Fry reflektiert mit seiner sympathischen Art und vorurteilsfrei diesen Fragen und versucht eine Annäherung, ohne zu glorifizieren. Diese Musikdokumentation ist ein wunderbar unterhaltsamer Einstieg in die Welt von Wagner. Aber auch eingefleischte Experten werden hier neue Erkenntnisse gewinnen. So macht Musikunterricht Spaß - geistreich, kurzweilig und spannend.

      Jurybegründung:

      Der Filmtitel mag auf den ersten Anschein ein wenig anmaßend klingen, ist dann aber doch passend gewählt, denn tatsächlich geht es hier um das widersprüchliche Verhältnis zwischen Stephen Fry zu seinem Lieblingskomponisten. Als Jude, der viele Mitglieder seiner Familie während des Holocausts verloren hat, muss Fry seine Liebe zur Musik von Richard Wagner oft hinterfragt haben, und dieses komplizierte Verhältnis wird in WAGNER & ME sehr intelligent und einfallsreich untersucht. Schon in einer der ersten Sequenzen der Dokumentation verweist Fry auf „den anderen“, der auch Wagner liebte, und dazu wird zu historischen Aufnahmen von Adolf Hitler in Bayreuth geschnitten. Zu den dortigen Festspielen pilgert auch Fry in diesem Film. Im Jahr 2009 begleitete das Filmteam des Regisseurs Patrick McGrady den Schauspieler, Komiker und Schriftsteller nach Bayreuth, wo er in den Wochen vor dem Festival hinter die Kulissen blicken durfte. Die Kamera folgt dabei immer ihm, wenn er sich etwa leise in eine Probe der Sängerinnen einschleicht, die die Gesänge der Walküren schmettern, oder ein kurzes Gespräch mit der Wagner-Enkelin Eva Wagner-Pasquier führt. Wie ein jugendlicher Fan wendet er sich nach dem Händedruck zum Abschied begeistert zur Kamera hin und verkündet, welch eine Ehre es für ihn war, von „einer Wagner“ berührt worden zu sein. Es sind solche Momente, in denen Fry mit seinem ganz eigenen Humor dem Film seinen Stempel aufdrückt. Als ein kultivierter und sehr belesener Wagner-Kenner vermittelt er in seinem angenehm lockeren, selbstironischen Plauderton viele Informationen über den Komponisten und den Kult um ihn. Dabei ist seine Begeisterung immer wieder zugleich humorvoll gebrochen, aber doch auch mitreißend, wenn er etwa ein paar Töne auf dem Piano anspielt, dass Wagner selber gespielt hat, oder wenn er sich auf den Dirigentensitz im Orchesterboden des Festspielsaals in Bayreuth setzen darf. Durch seine kluge Moderation und entspannte Spontaneität vor der Kamera gelingt es ihm, auch solche komplizierten Details wie den Tristan-Akkord klar und erstaunlich unterhaltsam (mit dem von ihm falsch gespielten Ton als Pointe) zu vermitteln. Er reist zu den wichtigsten Punkten von Wagners Karriere, besucht den legendären Dirigenten Valery Gergiev im Mariinsky Theater von Petersburg, der ihm erklärt, warum Wagner auch das russische Publikum so fasziniert. Er fährt in die Schweiz, wo er jene Landschaften findet, die Wagner zu seinem Ring inspiziert haben und er läuft durch das Schloss Neuschwanstein, welches Wagners Förderer Ludwig II. von Bayern im Grunde als eine königliche Kulisse für die von Wagner geschaffenen Mythen bauen ließ. Und immer wieder kehren Fry und der Film dahin zurück, wo es wehtut: zu der Verbindung von Wagner und dem deutschen Faschismus. Fry besucht die Reste des Parteitagsgeländes von Nürnberg, wo heute Touristen auf der Empore für Fotos posieren, von der aus Hitler seine Reden hielt. Auch hier überzeugt seine Mischung aus klugem Kommentar und der persönlichen Reaktion auf den Ort (er kann es nicht über sich bringen, selber die Empore zu betreten). Ein weiterer emotioneller Höhepunkt des Films ist Frys Besuch bei der Auschwitz-Überlebenden Anita Lasker-Wallfisch, die im Lagerorchester Cello spielte. In gewisser Weise gibt sie Fry die Absolution für seine Leidenschaft. Der Film ist so durchtränkt mit Wagners Musik und Frys Liebe zu ihr, dass diese Begeisterung ansteckend wirkt. Ein schöner, kluger, tiefer und sehr musikalischer Film.

      Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
    1. Wagner & Me: Persönliche Dokumentation des populären britischen TV-Entertainers Stephen Fry über den umstrittenen Komponisten Richard Wagner.

      In einer kürzeren Fassung wurde der Dokumentarfilm bereits 2010 bei der BBC ausgestrahlt und kommt nun in einer abendfüllenden Version mit noch unveröffentlichtem Material in die Kinos. Die eigene Leidenschaft Frys für die Musik Wagners ermöglicht eine umso persönlichere Herangehensweise an den Mythos Wagner, so dass sich die Dokumentation deutlich von vorangegangenen Filmen über den Musiker abhebt. Gerade für Zuschauer, die schon alles über Wagner zu wissen glauben, wird der Film eine Bereicherung sein.

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