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Fakten und Hintergründe zum Film "Waffenstillstand"

Fakten und Hintergründe zum Film "Waffenstillstand"

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Anmerkungen des Regisseurs

In WAFFENSTILLSTAND geht es um Menschen, die bereit sind, wirklich etwas zu riskieren, um für das zu kämpfen, an was sie glauben: Menschen, von denen man sonst nur in Randnotizen der Nachrichten hört. Für mich gerade in der heutigen Zeit ein außergewöhnlicher und erzählenswerter Lebensentwurf.

Gleichzeitig fragt WAFFENSTILLSTAND, was uns – in Mitteleuropa - internationale Konflikte angehen. Und wie wir uns da als Deutsche, als Europäer, dazu verhalten sollen. Kann und sollte man sich einmischen oder versuchen zu helfen?

Auch fand ich es wichtig, einen Film über den Irakkrieg zu machen, der nicht wie die meisten anderen Filme zu dem Thema – fast ausschließlich amerikanische Produktionen - aus einer Soldatenperspektive erzählt wird, sondern aus einer anderen Sicht: in dem Fall der von Helfern und Journalisten.

Neben dieser politischen Dimension erzählt der Film aber auch einfach eine sehr spannende und emotionale Geschichte und versucht dabei möglichst dicht dran zu sein an den sehr unterschiedlichen, faszinierenden Charakteren. Diese Mischung macht WAFFENSTILLSTAND für mich zu etwas Besonderem.

In einem Mix aus Drama, Roadmovie, Politthriller und psychologischem Kammerspiel ist der Zuschauer der sechste Mitfahrer auf der Fahrt von Bagdad nach Falludscha.

Über die Produktion

2004 las ich einen Artikel über eine junge Helferin im Irak, die auf eigene Faust einen Medikamenten-Transport organisiert hatte. Ihr Mut hat mich ungeheuer fasziniert und so kam ich auf die Idee zu WAFFENSTILLSTAND. Zweieinhalb Jahre habe ich dann am Buch gearbeitet.

WAFFENSTILLSTAND beruht in vielen Punkten auf wahren Begebenheiten. Um so authentisch wie möglich zu bleiben, lag unser Hauptaugenmerk vor allem auf der Recherche. Zum Glück hatten wir eine Reihe von kompetenten Unterstützern gefunden: darunter Journalisten, die zu der Zeit in Falludscha waren, wie Tomáš Etzler von CNN. Sprachliche und kulturelle Brücken in die arabische Welt baute uns Husam Chadat von Al Jazeera, der später im Film die Rolle des Fahrers übernahm.

Seit einigen Jahren werden wir täglich mit 30 Sekunden-Nachrichten aus dem Irak versorgt. Eine Autobombe jagt die andere, ein Attentat folgt dem nächsten. Wenn wir von Helfern oder Journalisten dort hören, dann eigentlich nur, wenn wieder einer geköpft oder entführt wird. „Selber schuld“ ist meistens das Urteil der Öffentlichkeit. Was treibt er oder sie sich dort auch rum? Man weiß doch, dass der Irak lebensgefährlich und nicht unser Problem ist. Schließlich führen dort fanatische Iraker mit ölbesessenen Amerikanern Krieg.

Wie sollen wir uns da als Deutsche bzw. Europäer verhalten? Können, oder dürfen wir uns raushalten; und was bedeutet das? Ich finde dieses Thema sehr spannend. Denn während die Welt einerseits immer weiter zusammen wächst, ist es gleichzeitig so, dass im Bewusstsein hier die Menschen auf der anderen Seite der Welt immer weiter aus dem Blickfeld rücken - solange es uns selbst nicht mit Bomben in unseren Städten betrifft. Insofern ist es eben doch ein deutsches Thema, auch wenn es oft nicht als ein solches gesehen wird.

Die irakische Bevölkerung erlebt seit Ende des Krieges ein furchtbares Drama. Ich glaube, im Film wird das sehr klar: Verletzte, die sich um die Behandlung prügeln, die Not und Angst der Familie von Abu Ali, die weder Wasser noch Strom hat, aber ihr weniges Essen mit den Fremden teilt, weil das das Gebot der Gastfreundschaft gebietet. Flüchtlinge, die mit wenig Hab und Gut aus der Stadt fliehen und natürlich die persönliche Geschichte von Husam, dem Fahrer. Nachrichtensendungen zeigen meistens die Toten, ein Spielfilm kann die Menschen zeigen, die übrig bleiben.

Das „abstrakte“ Thema Krieg wird so zum persönlichen Schicksal. Mir selbst ging ein Bild aus dem Irakkrieg besonders nah, eine Szene aus „Fahrenheit 9/11“: Eine Mutter schildert, wie ihr Sohn gestorben ist - im Hintergrund steht ein halb zerstörtes Haus. Das berührte mich mehr als alle Nachrichten über hunderte Tote durch Anschläge. WAFFENSTILLSTAND erzählt natürlich eine Geschichte von Europäern, aber so bekommen wir ein Verständnis, was es bedeutet, wenn wir bei dem, was seit Ende des Irakkriegs passiert, einfach wegsehen.

Ein zweiter mir sehr wichtiger Punkt ist die Frage nach der Berichterstattung. Denn aufgrund ihrer Struktur führt die Form der (Kurz-) Berichte auf Dauer meiner Meinung nach eher zu Desinteresse als zu Anteilnahme. Wie viel Risiko darf man eingehen, für einen Beitrag, noch dazu, wenn der dann wahrscheinlich nur 30 Sekunden lang wird? Und was nützen solche Bilder überhaupt? Und wie könnte ein Beitrag aussehen, der wirklich etwas bewirkt? Natürlich können und sollen diese Fragen nicht abschließend ausdiskutiert werden im Film: Vieles wird nur angedeutet, denn weder möchte ich den Zuschauer belehren, noch maße ich mir an, dass ich eine Patentlösung für den Irakkonflikt hätte, oder wüsste, was man tun muss - außer, dass es nicht richtig sein kann, die Menschen dort einfach sich selbst zu überlassen.

Grundsätzlich sind diese Fragen nicht auf den Irak beschränkt, sondern lassen sich mit leichten Abwandlungen auf viele internationale Konflikte übertragen, was dem Film und seine Fragestellung eine Gültigkeit gibt, die über den konkreten Konflikt hinaus weist.

(Lancelot von Naso, Berlin im September 2009)

Über die Personen im Film

WAFFENSTILLSTAND lebt durch die Verschiedenartigkeit der Charaktere. Sowohl ihre Lebenssituation, als auch ihre Ziele sind sehr unterschiedlich. Bei ihrem unfreiwilligen Aufeinandertreffen in der Enge des Busses prallen sie aufeinander:

Alain Laroche (63) ist ein pensionierter Traumachirurg und schon seit Jahren für die Hilfsorganisation Medica Mundi weltweit immer dort im Einsatz, wo es eigentlich keine medizinische Versorgung mehr gibt. Nun in Falludscha. Er ist Ritter der Ehrenlegion und ein Idol für andere Helfer. Doch die extremen körperlichen Belastungen und die ständige Konfrontation mit Leid und Tod haben Spuren hinterlassen.

Kim (33) ist eine attraktive Holländerin. In Amsterdam geboren, spricht sie sehr gut Deutsch, Englisch und ein - wie sie sich ausdrückt - „ordentliches Arabisch“. Kim arbeitet als leitende Logistikerin der Hilfsorganisation Medica Mundi im Irak. Sie ist die treibende Kraft hinter der Mission, nach Falludscha zu fahren, um Blutkonserven und Medikamente zu überbringen. Die Versorgung der Verletzten ist ihr fast jedes Risiko wert. Darüber hinaus braucht sie dringend einen Publicityträchtigen Erfolg. Denn im globalen Wettkampf der Hilfsindustrie um Spendengelder kann nur bestehen, wer im Fernsehen präsent ist. Das hat sie schmerzlich erfahren müssen, als sie ein von ihr aufgebautes Krankenhaus aus Geldmangel schließen musste. Nie wieder will sie das erleben.

Oliver (30), ein ehrgeiziger junger Fernsehjournalist, hat die Ziele, für die er mal angetreten war - guten Journalismus zu machen – wohl zu sehr dem eigenen Erfolg geopfert und ist auf der Suche nach einem journalistischen Coup. Er ist von seiner Berufung überzeugt: Er hasst den immer gleichen Häppchen-Journalismus seiner Kollegen und will etwas bewegen. Deswegen ist er in den Irak gegangen. Für ihn gibt es nur richtig oder falsch. Sich sieht er natürlich auf der richtigen Seite. Aber das Tagesgeschäft ist zäh und mit Ralf, seinem Kameramann, hat er Probleme. Die Lage in Bagdad wird immer gefährlicher und dadurch die Arbeit zunehmend schwierig. Als Kim ihn einlädt, den Hilfstransport nach Falludscha zu begleiten, sieht er endlich seine große Chance gekommen.

Kameramann Ralf (48) macht seinen Job in Krisenregionen schon lange und hat es sich dabei mit einer gehörigen Portion Zynismus so bequem wie möglich eingerichtet. Seine Frau Susanne lebt mit Tochter Lara (9) seit zwei Jahren getrennt von ihm in Süddeutschland. Aber der Jazzliebhaber hofft, dass das wieder wird, wenn er erst heimkehrt. Er macht einfach seinen Job und hat keine Lust „seinen Arsch zu riskieren“ für die Karriereträume des Greenhorns Oliver oder der „naiven Weltverbesserin“ Kim. Aber Oliver setzt ihm die Pistole auf die Brust: Wenn Ralf in Bagdad bleibt, statt mit zu reisen, dann kann er seine Sachen packen.

Husam (39) ist der etwas geheimnisvolle Fahrer des Hilfstransportes. Ralfs Misstrauen erträgt er mit Gleichmut. Vorurteile von Amerikanern und Europäern ist er gewohnt. Husam, eigentlich Geographielehrer, ist gläubiger Sunnit aus Falludscha. Er hat einen für viele Iraker typischen Galgenhumor, der hilft, nicht die Moral zu verlieren. Da man als Lehrer zur Zeit des Embargos keine Familie ernähren kann, versucht er sich nach Ende der Kampfhandlungen in Bagdad als Fahrer für Ausländer. Auf den ersten Blick eine normale irakische Biographie, wenn sie denn auch so stimmen würde…

Produktionsbericht

Wie alles anfing

Nach einer Vielzahl gemeinsam realisierter Kurzfilme und Werbespots kam Lancelot von Naso im August 2005 erstmals mit der Idee zu dem Spielfilm WAFFENSTILLSTAND auf uns zu. Zusammen mit den Autoren Kai Uwe Hasenheit und Collin McMahon (ehemaliger Kriegsberichterstatter im Balkan) schrieb er dann auch das Drehbuch des Films.

Recherchen und Locationsuche

Wie Lancelot von Naso war uns Authentizität sehr wichtig, daraus folgte eine intensive Recherchearbeit mit Hilfe von Journalisten, sowie Mitarbeitern von Hilfsorganisationen und ausländischen Botschaften im Irak, und eine wohl überlegte Wahl der Motive. Mit der Service-Produktion Kasbah Films erkundeten wir 2007 im heißesten Monat Juli Marokko geeignete Schauplätze und fanden mit dem Wüstenort Erfoud, dem Großstadt-Moloch Casablanca und dem Slum von Salé Drehorte, die geeignet schienen, mit überschaubarem Aufwand Krieg und Zerstörung zu erzählen und gleichzeitig landschaftlich dem Irak nahe zu kommen.

Finanzierung

Trotz einer für einen Debütfilm maximalen Beteiligung von ZDF/ARTE, Beta Cinema und des FFF Bayern reichten die generierten Gelder nicht aus, um den aufwendigen Auslandsdreh vollständig zu finanzieren. Der Drehbeginn musste von Januar 2008 auf Oktober 2008 verschoben werden. In DCM Mitte Productions (Dario Suter, Christoph Daniel, Marc Schmidheiny) und Erfttal Film (Klaus Dohle) wurden dann zusätzliche Produzenten, in Creado Film und König Film Invest Koproduzenten gefunden. Mit der rtv media group / Deutscher Supplement Verlag konnte eine Kooperation vereinbart werden. So stand endlich die Finanzierung.

Unser Team

Mit Thekla Reuten (Kim), Hannes Jaenicke (Ralf), Matthias Habich (Alain), Max von Pufendorf (Oliver) und Husam Chadat (Husam) aber auch Larbi Sassy, Meriam Raoui, und nicht zuletzt Peter Gantzler konnten wir einen großartigen, internationalen Cast gewinnen. Unser Team bestand halb aus marokkanischem und halb aus deutschen Mitgliedern: Dreharbeiten in Deutsch, Englisch, Französisch und Arabisch mit einem polnischen Innenrequisiteur und einem gemeinsamen Ziel: trotz kleinem Budget mit viel Herzblut einen Kinofilm zu machen.

Die Dreharbeiten

Nach fast vierjähriger Vorbereitung wurde am 3. Oktober 2008 in Marokko die erste Klappe geschlagen. Leider gerieten wir mitten in eine historische Wetterkatastrophe, Wüstenstraßen wurden unpassierbar, Motive mussten kurzfristig geändert und neue Drehpläne improvisiert werden. Kreativität bekam eine ganz neue Bedeutung, als dann auch noch der marokkanische König seinen Besuch in Erfoud ankündigte und die wenigen befahrbaren Straßen gesperrt werden sollten.

Auch die spektakulären Motive in der Innenstadt von Casablanca oder in den Slums von Salé stellten an Filmteam und Produktion große Herausforderungen. An einigen Drehorten gab es Hunderte Schaulustige, die möglichst nah beim Dreh dabei sein wollten. Ungewohnt war für uns Europäer überhaupt ein Dreh in einem islamischen Land mit völlig anderen Bräuchen und Regeln.

So fiel ein großer Teil unserer Vorbereitungszeit genau in den Ramadan, was dazu führte, dass zum Beispiel das marokkanische Bauteam der Ausstattung auch in der Wüste tagsüber weder essen noch trinken durfte. Die Gastfreundschaft von marokkanischen Familien und Locationgebern blieb aber auch in dieser Zeit ungebrochen. Erstaunt waren wir vor allem über die Flexibilität der marokkanischen Behörden: Spontane Motivwechsel oder auch das Drehen an weiträumig ruhig zu stellenden Motiven wie dem Souk (Markt) von Erfoud, an dem von morgens sechs bis abends neun reger Betrieb herrschte, schien uns aus europäischer Sicht völlig unmöglich, liess sich durch viel Verhandlungsgeschick unserer marokkanischer Serviceproduktion dann aber letztlich doch meistens realisieren.

Viel Gedanken haben wir uns über die Fahrtaufnahmen gemacht. Die dreiachsige Konstruktion der Firma Moviechecker rund um den Minibus brachte die optimale Lösung. So waren unterschiedlichste Lampen- und Kamerapositionen einzurichten. Für die „lenkenden“ Schauspieler gewährleistete eine Schleppstange zwischen Spiel- und Zugfahrzeug größtmögliche Freiheit. Auch Explosionen und Schusswechsel waren schwierig zu organisieren, da in Marokko der Import von Sprengmaterialien nur mit extremen Auflagen möglich ist. Durch die Unterstützung des marokkanischen Militärs und einem eigens eingeflogenen SFX-Team aus Deutschland konnten aber alle geplanten Szenen realitätsgetreu aufgenommen werden.

Am 14. November 2008 hatten wir die Dreharbeiten in Marokko nur vorläufig zu einem glücklichen Abschluss gebracht. Aufgrund von Materialschäden und krankheitsbedingten Ausfällen kam es zum Nachdreh im Januar 2009. Letzter Drehtag war am 22. März 2009 mit den Innenaufnahmen im Hotel Palestine. Ein glaubhaftes Pendant zum Original in Bagdad hatten wir im stillgelegten Alliiertenhotel des Flughafens Berlin-Tempelhof gefunden.

Welturaufführung

Nach einer eng gesteckten Postproduktion, hielten wir am 25. August 2009 endlich die erste fertige Kopie in den Händen. Am nächsten Tag ging es in den Flieger und am 30. August wurde WAFFENSTILLSTAND beim 33. Festival des Films du Monde in Montréal uraufgeführt und gewann den Interfilm-Preis der ökumenischen Jury. Die Europapremiere folgt beim 5. Zurich Film Festival.

(Florian Deyle und Martin Richter, DRIFE, München im September 2009)

Produktion: Über die schweizer Koproduktion

Die Nachrichten, die im März 2004 über die irakische Stadt Falludscha um die Welt gingen, vermittelten - wie fast alle Nachrichten aus dem Irak - wenig über die Situation der Zivilbevölkerung.

Das Leid der Menschen drang kaum durch die nüchternen Zeilen. Nach einem Angriff irakischer Rebellen auf ein US-Fahrzeug, das Mitarbeiter der amerikanischen Sicherheitsfirma Blackwater hätte schützen sollen, waren die vier Amerikaner in Falludscha von einem wütenden Mob gelyncht worden. Darauf folgte eine Großoffensive der US-Armee in der Hochburg des sunnitischen Widerstandes: 36 US-Soldaten, rund 200 Aufständische und 600 Zivilisten verloren ihr Leben.

Ein Jahr zuvor hatte ich die Entwicklung der Kriegsberichterstattung anhand der Golfkriege 1991 und 2003 für meine Diplomarbeit untersucht, an der Hochschule für Wirtschafts- Rechts- und Sozialwissenschaften (HSG) der Universität St. Gallen, moderiert von Professor Dr. Peter Glotz, dem streitbaren Politiker und Publizisten.

1991 kam es geradezu einer medialen Revolution gleich, als der amerikanische Nachrichtensender CNN erstmals das Konzept der Live-Berichterstattung von einem Kriegsschauplatz realisierte. Eine der Hauptaufgaben des Journalismus, die Trennung wesentlicher von unwesentlichen Geschehnissen, wurde plötzlich dem Zuschauer selbst überlassen: CNN lieferte live Bilder von Bombardements auf Bagdad, die eine neue Form vermeintlicher Authentizität vermittelten.

Bis 2003 gab es zwei neue Ebenen der Kriegsberichterstattung: so genannte „embedded journalists“ in den Reihen der US-Armee, die direkt von der Front berichteten, und mit Gründung des Nachrichtensenders Al Jazeera in Qatar eine arabische Perspektive. Die Berichterstattung von Al Jazeera fokussierte sich im Gegensatz zu CNN auf die andere Seite der Front und auf ihre Opfer. Mit dieser Mischung gestaltete sich die Fernsehberichterstattung zum Golfkrieg 2003 zu einer Art Reality-TV, bei dem an allen Fronten in Konferenzschaltungen live gekämpft und live gestorben wurde.

Wenige Monate nach der ersten Großoffensive 2004 las Lancelot von Naso den Bericht einer jungen englischen Rechtsreferendarin über die Verzweiflung der Bevölkerung in Falludscha und über eine Gruppe von Menschen, die nicht nur helfen wollte, sondern es tat – trotz größter Gefahr. Ihre Haltung, ihre unglaubliche Energie fesselten Lancelot. Er begann, ein Drehbuch zu schreiben. Zufällig lernten Lancelot von Naso und ich uns im September 2007 während eines Fluges von Berlin nach Zürich kennen, als das Buchungssystem der Lufthansa uns nebeneinander setzte. Wir fanden schnell einen gemeinsamen Gesprächsstoff. So unterschiedlich unsere Motivation auch war, wir hatten uns beide seit Jahren intensiv mit dem selben Thema beschäftigt: Kriegsberichterstattung und der Krieg im Irak.

In Zürich teilten sich unsere Wege: Lancelot ging zur Hochzeit eines Freundes, ich traf mich mit meinem Cousin Christoph Daniel und dessen besten Freund Marc Schmidheiny, um sie für WAFFENSTILLSTAND zu gewinnen. Es war nicht schwer, denn auch sie teilten seit der gemeinsamen Schulzeit das leidenschaftliche Ziel: Filme machen!

Wir beschlossen, WAFFENSTILLSTAND zu unserem ersten gemeinsamen Filmprojekt zu machen und gründeten hierfür unsere Firma DCM Mitte Productions mit Sitz in Rapperswil/Jona am Zürichsee und in Berlin. So entstand eine deutsch schweizerische Koproduktion.

Dieser Zufall, dass Lancelot von Naso und ich uns damals im Flugzeug getroffen haben, gehört zu den Momenten meines Lebens, die ich als kostbares Geschenk empfinde.

(Dario Suter, DCM Mitte Productions, Zürich im September 2009)