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Fakten und Hintergründe zum Film "W?chter der W?ste"

Fakten und Hintergründe zum Film "W?chter der W?ste"
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Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Die beeindruckende Tierdokumentation WÄCHTER DER WÜSTE („The Meerkats“) entstand aus dem schon länger bestehenden Wunsch nach einer Zusammenarbeit zwischen BBC Films und der renommierten BBC Natural History Unit. Joe Oppenheimer, Produzent von BBC Films, erklärt: „Ich vertrete schon lange die Meinung, dass Naturdokumentationen einen Platz auf der Kinoleinwand verdienen. Es geht um spektakuläre Bilder und ein Eintauchen in fremde Welten. Wir waren schon eine Weile mit der Natural History Unit ganz allgemein im Gespräch darüber, wie man so etwas anstellen könnte.“

Inspiriert durch den Kinoerfolg der Dokumentation LA MARCHE DE L’EMPEREUR („Die Reise der Pinguine“, 2005) beschlossen sie, dass die Zeit reif sei, ein gemeinsames Projekt für die Kinoleinwand zu realisieren. „Uns war klar, dass es keinen Sinn machte, länger zu warten, und wir entschlossen uns, umgehend mit der Entwicklung eines hochkarätigen Dokumentarfilmprojekts für die internationale Kinoauswertung zu beginnen.“ Oppenheimer diskutierte gerade über einen anderen Film mit dem Regisseur James Honeyborne, der jahrelange Erfahrung in der Zusammenarbeit mit einigen der besten Tierdokumentarfilmern hatte und bereits mehrere Filme mit Sir David Attenborough realisierte.

Sofort war er die erste Wahl als Regisseur dieses Projekts. Erzählt werden sollte eine dramatische Geschichte unter Wildtieren, die auf sorgfältig recherchierten wissenschaftlichen Fakten beruht. Honeyborne erinnert sich, warum ausgerechnet Erdmännchen zu den Stars des Films erwählt wurden: „Alle hatten gerade mit großen Augen den Erfolg von DIE REISE DER PINGUINE zur Kenntnis genommen und wir machten uns Gedanken, welche anderen Tiere charismatisch und populär genug für die große Leinwand sein könnten. Als Joe anrief und Erdmännchen vorschlug, hielt ich es im ersten Moment für eine Schnapsidee. Wir schnitten dann aus existierendem Material über Erdmännchen ein kurzes Band zusammen, um zu zeigen, wie es aussehen könnte. Joe war begeistert und das war der Beginn einer sehr langen und aufregenden Reise.“

DIE REISE DER PINGUINE hatte Oppenheimer geholfen, seine Ideen auf den Punkt zu bringen. „Anfangs setzten wir uns etwas zu kompliziert mit dem Thema auseinander. Ich fragte mich, warum wir uns so bereitwillig mit den Pinguinen identifizieren und warum sie so uns so ansprechen. Mir wurde klar, dass wir sie lustig und süß finden, weil sie auf ihren Hinterbeinen laufen, was im Tierreich relativ selten vorkommt - und dadurch aussehen wie kleine Menschen. Erdmännchen sind etwa 30 cm groß und ihre Welt ist eine Miniaturwelt. Wir wollten eine Geschichte erzählen, die den Zuschauer in diese eigene Welt eintauchen lässt– und gleichzeitig zeigen, was um sie herum passiert“, erzählt Oppenheimer. „Die wenigen Dokumentationen über Erdmännchen, die es bislang gab, beschäftigen sich mit ihnen und ihren Umgang untereinander, was natürlich auch einen großen Teil unseres Films ausmacht. Aber wir dachten, es wäre noch faszinierender, sie in der Auseinandersetzung mit ihren direkten Feinden, den Adlern und Schlangen ebenso zu zeigen, wie mit ihren Beutetieren, den Skorpionen, Käfern und Tausendfüßlern. Und nicht zuletzt mit den großen Tiere, mit denen sie zusammen leben: Straußen, Giraffen und Löwen. So weit uns bekannt ist, wurden Erdmännchen und Löwen niemals zuvor zusammen gefilmt.“

Als dramatisierte Dokumentation brauchte der Film eine erzählerische Struktur und Regisseur Honeyborne begann, an einer Storyline zu arbeiten. „Nach intensivem Gedankenaustausch mit diversen Erdmännchen-Experten starteten wir mit einem ersten Grundentwurf von Ideen, die man filmisch umsetzen konnte. Wir wussten nun, welche Verhaltensmuster wir drehen und wie wir sie in eine Geschichte einarbeiten konnten, die den Zuschauern gefallen würde. So erdachten wir eine Geschichte, die der klassischen Drei-Akt-Struktur entspricht, also einen Anfang, einen Mittelteil und einen Schluss hat. Wir erzählen die Geschichte von Kolo, einem Erdmännchenbaby, das – wie alle Kinder – eine ziemlich egoistische Sicht auf die Welt hat und versucht, diese zu verstehen und sich untertan zu machen. Mehr und mehr realisiert er jedoch, dass er Teil seiner Familie ist und diese Gruppe mindestens so dringend braucht, wie sie ihn. Das ist die Bewusstseinswerdung, die er durchläuft – von einem eigenwilligen kleinen Erdmännchenbaby zu einem vollwertigen Mitglied der Tiergemeinschaft.“

Für Produzent Oppenheimer war es wichtig, dass Kinder und Erwachsene den Film gleichermaßen mögen würden. „Dies ist ein echter Familienfilm. Er handelt von der Beziehung, die Kinder zu ihren Eltern und Erziehern haben, ein Aspekt, der Erwachsene ansprechen dürfte, aber er erzählt auch von den zauberhaften afrikanischen Tieren, über die wir in den Abenteuerbüchern lesen. Es ist einfach ein bezauberndes Abenteuer.“ Nachdem das Drehbuch soweit verabschiedet war, begab sich das Produzententeam auf die Suche nach den besten Filmcrews aus dem Bereich des Natur- und Tierfilms, die dieses anspruchsvolle Konzept umsetzen konnten.

Honeybornes Erfahrung bei der Arbeit mit TierfilmSpezialisten brachte es mit sich, dass er nicht lange überlegen musste, wen er in seiner Mannschaft haben wollte: „Die mit Abstand wichtigste Funktion in einer Naturdokumentation ist die Kameraarbeit. Wir wollten die besten Spezial-Kameraleute für dieses Fach haben, aber uns war auch klar, dass so ein Projekt die Festlegung für eine ungewöhnlich lange Zeit bedeutet. Darüber hinaus sind die Arbeitsbedingungen ziemlich unangenehm, denn es ist heiß und staubig und die Drehorte durchweg sehr schwierig. Dafür braucht man robuste Kameraleute mit guter Konstitution, denn im Hochsommer steht man um 3.45 Uhr auf und dreht bis 8.00 oder 9.00 Uhr morgens und dann am Nachmittag noch mal. Erdmännchen neigen dazu, sich tagsüber in ihre Höhlen zu verkriechen und dann gibt’s wirklich nicht viel zu filmen. Die Nachmittagsdrehs können durchaus bis in die Abendstunden dauern und an viel Schlaf ist dann einfach nicht zu denken. Ich war sehr erleichtert, als ich erfuhr, dass Barry und Mark Lust hatten, den Film zu machen.“

Die beiden Kameramänner Barry Britton und Mark Payne Gill brachten ganz einzigartige Fähigkeiten in das Projekt ein. Honeyborne erklärt: „Barry ist der typische Naturfilm-Kameramann und sicherlich einer der besten der Welt. Er ist geduldig und versteht sich darauf zu beobachten und nichts zu verpassen, wenn es plötzlich losgeht. Man muss bedenken, dass Erdmännchen winzig sind: die Babys sind etwa 8 cm und die ausgewachsenen Tiere 30 cm groß. Das sind kleine Tiere, und man dreht in einer Mikro-Welt. Etwas so Kleines vor dem Hintergrund der realen Welt zu filmen, ist eine große Herausforderung. Da ist gutes Handwerk gefragt, und Barrys Umgang mit Licht ist beeindruckend. Seine Bildkomposition ist erstaunlich und schon seine Muster sehen aus, als kämen sie direkt aus dem Schneideraum. Mit Mark hatte ich vorher bei ornithologischen Filmen zusammen gearbeitet. Er hat einfach die schnellste Koordination von Hand und Auge, die ich in diesem Beruf je erlebt habe. Er kann einen Vogel in rasantem Flug filmen, ohne die Schärfe zu verlieren. Für diesen Film hatte der Adler natürlich eine herausragende Bedeutung, und es war immer sehr aufregend, Mark zu beobachten, wenn er den majestätischen Vogel mit der Kamera verfolgte.“ Die Dreharbeiten dauerten mehr als sieben Monate und fanden im Tswalu Kalahari Reservat statt, einer beeindruckenden Landschaft, die vom roten Sand der Kalahari-Wüste, von Hügeln und dem unendlichen blauen afrikanischen Himmel geprägt ist, unter dem die Erdmännchen-Familien gemeinsam mit afrikanischem Großwild wie Geparden, Nashörnern, Büffeln und Giraffen leben.

Oppenheimer erklärt, wie der Drehort ausgewählt wurde: „Aus verschiedenen Gründen fiel unsere Wahl bereits sehr früh auf Tswalu. Es bot uns eine fantastische landschaftliche Vielfalt – die Kalahari ist überwiegend flach, und es ist deshalb nicht ganz einfach, Tiefe in die Bilder zu bekommen. Das Reservat ist einzigartig, denn es ist rund herum von Hügeln umgeben. Wir wollten die Erdmännchen in ihrer Realität zeigen, inmitten von anderen Tieren. In Tswalu hatten wir es mit einer wilden Erdmännchen-Population zu tun und mussten herausfinden, ob wir sie an unsere Arbeit gewöhnen konnten.“ Vor dem Beginn der Dreharbeiten verbrachte die Crew Monate damit, die Tiere an ihre Anwesenheit zu gewöhnen, damit sie sich zu Beginn des eigentlichen Drehs vor der Kamera natürlich bewegen würden. Oppenheimer erklärt, wie das gelang: „Wir versuchten, die eigentlichen Dreharbeiten vorweg zu nehmen. Darum bauten wir Kamera-Attrappen in der Nähe ihrer Höhlen auf und ließen Fahrzeuge in der Nähe ihrer Unterschlupfe und Wasserstellen zurück.

Krach war ein weiteres Problem, deshalb mussten wir sie daran gewöhnen, die Kamerapositionen zu ändern, ohne dass sie sich gestört fühlen. Wir probierten verschiedene Techniken und schließlich hatte sich ein Rudel wilder Erdmännchen völlig an unsere Anwesenheit gewöhnt. Sie liefen auf der Futtersuche um unsere Stative herum, als wäre es das Natürlichste der Welt.“ Erdmännchen-Expertin Sophie Lanfear beschreibt die Geduld, die der Gewöhnungsprozess allen Beteiligten abforderte.

„Sie so weit an uns zu gewöhnen, dass wir sie filmen konnten, dauerte drei Monate, aber sie waren auch dann noch sehr schreckhaft, wenn wir uns bewegten. Wirklich wichtig ist, dass man der Erste ist, den sie am Morgen sehen. Also sucht man sich eine Gruppe und besucht sie an möglichst vielen aufeinander folgenden Morgen. Man steht oder sitzt in einer Entfernung, in der sie einen sehen, sie aber nicht ängstigt, und dann rückt man langsam immer näher.“ Die Erdmännchen wurden zusätzlich durch Imitationen ihrer eigenen Laute an die Gegenwart der Filmemacher gewöhnt. Die Expertin erklärt: „Dadurch wussten sie immer, wo wir uns aufhielten und waren weniger argwöhnisch. Sie gewöhnten sich an unsere Stimmen. Erdmännchen verfügen über eine große Vielfalt an Lauten, sie sind soziale Wesen und stehen ständig in Kontakt miteinander. Sie haben Alarmschreie für jede Art von Gefahr. Der Ruf bei einer Bedrohung auf dem Boden klingt anders als der bei einem Angriff aus der Luft. Es ist erstaunlich, wie viele Variationen es gibt und es war hochinteressant, sie zu untersuchen und zu lernen, sie zu unterscheiden.“

Nach einigen Monaten der Gewöhnung traf das Team ein, um mit den eigentlichen Dreharbeiten zu beginnen. Um die Erdmännchen so intim wie möglich vor das Objektiv zu bekommen, musste man sich auf ihre Augenhöhe begeben. Regisseur Honeyborne erläutert die Arbeitsweise: „Es macht keinen Sinn, ein Erdmännchen aus der Hüfthöhe zu drehen, das wäre einfach absurd. Wir wollten die Zuschauer in die Welt der Erdmännchen hineinziehen, sie sollten erfahren, was es für die Tiere bedeutet, in der harten Welt der Kalahari zu überleben. Die einzige Möglichkeit, das zu erreichen, war, die Kamera auf ihrer Ebene zu positionieren. Also gruben wir Löcher in die Erde und stellten die Stative hinein, was unsere Arbeit nicht gerade erleichterte. Aber man kann ihre Welt nur verstehen, wenn man sich auf ihre Perspektive einlässt. Das war entscheidend für das Funktionieren dieses Films.“ Kameramann Mark Payne Gill erinnert sich: „Meine Vorstellung von der Größe der Erdmännchen war völlig falsch. Von Fotos und aus Filmen, in denen ich sie gesehen hatte, dachte ich sie wären erheblich größer. Ich war überrascht, wie klein und niedrig sie sind. Um auf ihre Ebene zu kommen, mussten wir die Kameras ganz tief einrichten und sogar in den Boden eingraben.“

Barrie Britton erläutert einige der Überlegungen bezüglich der Kameraarbeit: „Man muss sich in die Wahrnehmung der Tiere hineinfühlen, eine Aufgabe, die mir besonders viel Spaß macht. Wenn man die Kamera erst anstellt, wenn sich etwas tut, ist es normalerweise zu spät. Man muss bereit sein, bevor etwas passiert. Deshalb muss man versuchen zu verstehen, was in ihnen vorgeht und ahnen, was sie als nächstes tun werden. Ein echtes Problem sind Großaufnahmen. Meistens laufen sie horizontal auf allen Vieren, was sich hervorragend für das Cinemascope-Format eignet, weil sie lang und dünn sind. Aber sie haben die Angewohnheit sich plötzlich aufzurichten um zu schauen, was um sie herum passiert – und schon ist ihr Kopf aus dem Bild. Das war eine wirkliche Herausforderung, denn jedes Mal muss man sich entscheiden, ob man wartet, bis sie wieder runterkommen oder man sie mit der Kamera nach oben verfolgt. Und fast immer entscheidet man sich falsch.“

Selbst mit ausgezeichneten Kameramännern und mehreren Monaten Zeit gelang es nicht immer, alle Sequenzen zu drehen, die für die dramatische Storyline gebraucht wurden. Honeyborne erinnert sich: „Wenn man eine Kamera zu Fuß durch die Hitze und den Sand der Wüste trägt und einigen der durch den Busch tobenden wilden Tierchen folgt, ist es einfach nicht immer möglich, alle Einstellungen und Positionen zu bekommen, die man braucht. Da wir ein wirklich mitreißendes Erlebnis vermitteln wollten, bei dem man die Lebensbedingungen der Tiere nachvollziehen kann, entschlossen wir uns, einige beobachtende Aufnahmen durch ausgewählte inszenierte Sequenzen zu ergänzen und zu verstärken.

Als Dokumentarfilmer wirst du ständig mit der Frage konfrontiert, wie man den Zuschauern die biologische Wahrheit am besten vermittelt. In diesem Fall fanden wir, dass eine Inszenierung bestimmter Szenen der beste Weg wäre. Der Adler ist ein gutes Beispiel: Aus wissenschaftlichen Untersuchungen wissen wir, dass die räuberischen Adler die gefährlichsten Feinde der Erdmännchen sind. Aber Adler haben eine angeborene, tief sitzende Angst vor Menschen, von denen sie seit Jahrhunderten verfolgt worden sind. Es ist deshalb schwierig, sich ihnen zu nähern. Uns gelangen gute Aufnahmen von wilden Adlern bei der Jagd, die erlegte Erdmännchen zurück zum Horst bringen, um ihren Nachwuchs zu füttern. Trotzdem fehlten uns einige Aufnahmen, die wir für komplette Action-Sequenzen brauchten. Um beispielsweise die ganze Geschichte vom Tod des Bruders zu erzählen, trainierten wir einen für die Falknerei ausgebildeten Vogel, um mit ihm Teile der Action zu inszenieren - parallel zur Crew zu fliegen und sogar im Sturzflug die Kamera zu attackieren.“

Einige der außergewöhnlichen Bilder des Films entstanden mit Unterstützung modernster Technik. „Die Technologie ist so entwickelt, dass wir kleine Kameras benutzen können, um damit in die unterirdischen Labyrinthe zu kommen und Infrarotkameras, die das Restlicht verstärken. Damit konnten wir im Bau drehen, ohne die Tiere zu stören“, erklärt Mark Payne Gill. Regisseur Honeyborne ergänzt: „Besonders für die Nachtszenen haben wir eine Menge brandneuer Technik eingesetzt. Um die Tiere nicht durch die gleißenden Lichtkegel zu irritieren, haben wir Infrarot-Beleuchtung benutzt.

Dadurch gelang es uns sogar, die Erdmännchen im Bau zu filmen, wie sie sich beim Aufwachen strecken und gegenseitig kitzeln. Das ist alles sehr intim und wäre mit normalem Licht und konventionellen Kameras nicht zu machen gewesen. Ein besonders wertvolles Ausrüstungsstück war die Hubschrauberaufhängung, eine kugel- und kreiselgelagerte Kamerabefestigung, die es möglich macht, mit dem Helikopter bis zu einem Kilometer über beispielsweise einem Löwen zu schweben, ganz dicht an ihn heran zu zoomen und dabei ein nicht verwackeltes Bild zu erhalten. Diese Aufhängung ist erstmals bei der Serie PLANET EARTH („Planet Erde“, 2006) zum Einsatz gekommen und ermöglicht uns einen Adleraugen-Blick auf die Welt.“

Die Crew hatte einen Cutter und eine Schnitteinheit vor Ort, was für Tierfilme ungewöhnlich ist. Der Regisseur erklärt, warum diese Methode so hilfreich war: „Ein wesentlicher Teil der Regiearbeit fand in den Planungsphasen statt, vor und nach dem Dreh, bei der Planung und Diskussion, was man drehen will, wie man es zu erreichen glaubt, welche Ausrüstung man dazu braucht. Während des Drehs hängt alles davon ab, was die Tiere gerade machen, die Geschichte wird später im Schneideraum erzählt. Wir wollten nicht nach der üblichen Tierfilmroutine arbeiten: Kameracrew zieht los, dreht, kommt zurück und dann wird geschnitten. Wir wollten den Film während unserer Arbeit entstehen sehen und hatten zwei Schnitteinheiten dabei. Bei Naturdokumentationen verdreht man unendlich viel Material, weil man nie weiß, was die Tiere so vorhaben. Hat man einen Cutter vor Ort, kann der dem Kameramann gleich vorführen, was schon im Kasten ist und welche Einstellungen noch gebraucht werden.“

Justin Krish war als Cutter vor Ort. Seine umfassende Erfahrung als Schnittmeister von Spielfilmen war eine wichtige Unterstützung für die narrative Ebene des Films. Honeyborne erläutert, warum er sich für Krish entschied: „Wir sprachen mit einigen Cuttern, bevor uns klar wurde, dass Justin der richtige Mann für den Job ist. Ich war angetan von ihm, weil er die interessantesten Fragen stellte, das Projekt von vorne bis hinten durchdacht hatte und für unsere Diskussion bestens vorbereitet war. Es gibt sehr festgefahrene Meinungen, was stilistische und inhaltliche Fragen im Naturdokumentarfilm angeht. Er erzählte, was er beitragen könnte, und er hatte viel Erfahrung und Lust, Neues auszuprobieren. Aber er hatte überhaupt keine Ahnung von Erdmännchen und wilden Tieren, was ich für eine gute Voraussetzung hielt. Er ist ein Cutter, der weiß, wie man Geschichten erzählt; und er blieb ganze sechs Monate bei uns in der Kalahari.“ „Erdmännchen lesen keine Drehbücher und wissen nicht, was man von ihnen erwartet“, scherzt Cutter Justin Krish. „Erfreulicherweise steht viel im Drehbuch, was Erdmännchen so den lieben langen Tag machen und man kann sich daher darauf verlassen, dass sie automatisch Teile des Drehbuchs umsetzen – aber ganz sicher niemals eine Szene in einem Take! Dadurch dauert die Montage von Sequenzen ziemlich lange und es kommt vor, dass man einen Teil einer Szene, der vor Monaten gedreht wurde, an einen Schuss schneidet, der gestern entstand. Der Film erzählt seine Geschichte durch Bilder und nicht durch Dialoge. Das bedeutet, dass der Zuschauer Interaktionen dadurch vermittelt bekommt, dass er den Blicken und Gesten der Tiere folgt. So gesehen ist der Film ähnlich geschnitten wie ein Spielfilm.“

Krish hatte im Schneideraum ausreichend Gelegenheit, das Verhalten der Erdmännchen zu beobachten und er begann, ihre menschlichen Qualitäten zu schätzen. „Es sind Tiere, mit denen sich der Mensch gut identifizieren kann. Wir mögen es, uns in den Wesen ein wenig wieder zu erkennen, und in Erdmännchen-Familien entdecken wir immens viel Ähnlichkeit mit uns selbst – nicht zuletzt, weil sie dem Leben und der Welt mit Spaß und Humor begegnen.“ Das Drehbuch einer Naturdokumentation muss flexibel genug sein, um alltägliche Überraschungen verarbeiten zu können.

Dazu sagt Joe Oppenheimer: „Die Story veränderte sich im Verlauf der Dreharbeiten mehr als einmal. Es gibt einige Szenen, die nie im Script standen. Die Sequenz mit dem Raubvogel beispielsweise kam hinzu, nachdem wir zufällig auf sein Nest gestoßen waren. Adler haben normalerweise alle drei Jahre ein Junges und auf 250 Quadratkilometer kommt in der Regel ein Adlerhorst. Natürlich haben wir nie auf diese Bilder spekuliert, aber die Gelegenheit war zu günstig, um auf sie zu verzichten.“

Der Adler und die Löwen wurden zu wichtigen Figuren der Geschichte, und es erforderte eine Menge Geduld, sie auf Film zu bannen. Barrie Britton beschreibt diesen Prozess: „Das Problem mit Adlern ist, dass sie sich viel Zeit lassen zwischen ihren Besuchen im Nest und man manchmal Tage warten muss, bis sie zurückkommen. Wir wollten unbedingt drehen, wie der Adler zum Nest zurückkehrt. Da niemand weiß, wann sie auftauchen, saß ich in meinem Turm, die Kamera auf den Horst gerichtet. Eine Menge Leute lagen überall auf der Lauer.“

Verity White, der Regisseur der Second-Unit, ergänzt: „Wir hatten großes Glück, gleich zu Anfang des Drehs auf das Raubvogelnest zu stoßen. Zwei Wochen lang verbrachten wir 14 Stunden täglich damit, das Nest zu beobachten, denn es saß ein Jungvogel darin und wir wollten filmen, wie der Adler anfliegt, um es zu füttern. Aber der Zeitpunkt lässt sich nicht bestimmen und sie lassen sich oft nur zwei Mal in der Woche sehen.

Mark und Barrie wechselten sich in ihrem Versteck ab, und ich lauerte einen halben Kilometer entfernt auf den Vogel. Als er endlich auftauchte, hatte er zu unserer Überraschung tatsächlich ein Erdmännchen in den Klauen - bedauerlich für das Erdmännchen, aber extrem hilfreich für unseren Film.“ Regisseur Honeyborne hatte schon früh mit dem Gedanken gespielt, Löwen mitspielen zu lassen. „Als ich das Buch schrieb, waren die majestätischen Tiere eher ein Wunsch, blieben lange ein großes Fragezeichen und schließlich wurden sie zu einem wichtigen Teil der Geschichte. Eine Gruppe Erdmännchen lebte in der Nähe der Löwen, aber ich habe nie damit gerechnet, beide gemeinsam vor die Kamera zu kriegen – schon gar nicht in der Interaktion, wie wir sie schließlich drehen konnten. Es ist unglaublich zu beobachten, auf welche Machtprobe es die kleinen Wesen mit dem König der Tiere ankommen lassen.“

Kameramann Barrie Britton fing die Momente zwischen beiden Tieren ein: „Wir haben ein paar schöne Einstellungen von unten über die Schulter der Erdmännchen auf die Löwen, die einen guten Einblick in die Sichtweise der Erdmännchen auf die Welt und diese riesigen Feinde bieten: Kaum zu glauben, wie klein die Erdmännchen sind, sie wirken wie winzige Menschen in einer Szene aus Gullivers Reisen. Diese Miniaturwesen, die aus ihrem Versteck hinter den Büschen die beeindruckend großen Löwen beobachten, die sich bedrohlich im Vordergrund abzeichnen. Das war ein unvergesslicher Moment.“

Der Ton war ein entscheidendes Element im Bemühen, die Zuschauer in das Herz der Wüste zu versetzen. Regisseur Honeyborne meint: „Offensichtlich nimmt einen die Fotografie dorthin mit, aber um das Gefühl zu haben, wirklich dort zu sein, ist der Ton von größter Wichtigkeit. Wir hatten das Glück, mit dem besten Tonmeister überhaupt zu arbeiten, und er hat wirklich ganze Arbeit geleistet. Er fing die Töne aus den außergewöhnlichsten Winkeln und Richtungen ein. Warum er sogar Mikrofone unter der Erde installierte, um Töne aufzunehmen, die über der Erde entstehen, weiß ich nicht. Aber es klingt einfach unbeschreiblich, wenn man auf diese Weise eine Schlange zubeißen hört. Er installierte Mikros bei Wasserlöchern und in Bäumen, es gab einfach überall Mikros und ich hoffe, dass der Ton die Zuschauer mitten hinein zieht in die laute Welt der Erdmännchen der Kalahari.“ Tonmeister Chris Watson war unschlagbar, wenn es darum ging, die vielfältigen Geräusche der Wüste einzufangen. „Der Soundtrack besteht im Wesentlichen aus dem Geräusch der Erdmännchen selbst, zusammen mit den anderen Tieren der Kalahari sind sie schließlich die Hauptdarsteller des Films. Mein Job ist es, in diese Welt einzusteigen, ihre alltägliche Kommunikation untereinander aufzuzeichnen und später in den Soundteppich der verschiedenen Lebensräume einzuweben - die Steppe, die Hügellandschaften, die Dornenbüsche und den unterirdischen Erdmännchenbau. Letztlich ist ein wirklich dicht gewobener Filmsoundtrack immer eine gelungene Zusammenarbeit von Ton und Bild.“

Watson arbeitete eng mit einem Erdmännchen-Experten zusammen, der in der Lage war, all die zarten Laute, die Rufe und die Kommunikation der Tiere zu interpretieren, damit die Töne auch den entsprechenden Verhaltensmustern zugeordnet werden konnten. Es gelang ihm perfekt, den Klang der Bewegungen von unten aufzuzeichnen. „Wir bemerkten, dass Töne sich sehr effektiv im Untergrund fortpflanzen, oftmals effektiver als in der Luft. Ich bin mir sicher, dass Erdmännchen fähig sind, die Bewegungen von Insekten und anderen kleinen Tieren auf dem Boden über sich zu hören. Wir fanden es wichtig, diesen Aspekt im Film sichtbar und hörbar zu machen. Ich setzte Unterwasser-Mikrofone ein, die in der Kalahari auf den ersten Blick ziemlich deplaziert erscheinen. Aber sie eignen sich hervorragend, um Geräusche unterirdisch aufzunehmen und es war sehr aufregend, mit ihnen den Sound von Tausendfüßlern und anderen winzigen Insekten einzufangen.“ Dem Toningenieur kam die Abgeschiedenheit der Gegend sehr gelegen. „Die Kalahari ist eine der seltenen Gegenden der Erde, die wirklich ruhig ist und von keinerlei Lärmverschmutzung betroffen ist. Man kann hier wirklich in die Umwelt eintauchen und ungestört in die Ferne lauschen. Ich habe an genügend Tierfilmen mitgearbeitet, um zu wissen, dass es wenige Orte auf der Erde gibt, die eine solche Reinheit des Tons aufweisen. Es ist ein wirklich wunderschönes Erlebnis.“

Nachdem die umfangreichen Dreharbeiten abgeschlossen waren, begann die Nachbearbeitung, um dieses außergewöhnliche Filmmaterial in einen Spielfilm zu verwandeln. Der Autor Alexander McCall Smith, der eine Serie erfolgreicher Romane verfasst hat, die in Botswana angesiedelt sind, wurde gleich zu Beginn der Schnittarbeiten engagiert, um den Erzählkommentar zu schreiben.

Oppenheimer erklärt, warum er ihn für die perfekte Wahl hält: „Die Idee des Films faszinierte ihn und wir suchten einen Autor, der gleich eine ganze Palette von Qualifikationen mitbrachte: Jemand, der Ahnung hat von der Welt, die wir gefilmt hatten, der viel von Tieren versteht und eine einfache, aber plastische Prosa schreibt, die Menschen aller Altergruppen ansprechen würde. Alexander verfügte über alle diese Qualifikationen. Er ist ein ausgewiesener Kenner der Kalahari, er hat eine Serie von Tiergeschichten für Kinder und erfolgreiche Romane geschrieben, er versteht sich auf eine stilistisch liebenswerte, einfache Prosa und ist in der Lage, ungeheuer schnell zu arbeiten. Den richtigen Ton für den Erzählkommentar zu treffen war eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, die Alexander voll und ganz gemeistert hat.“

Für die deutsche Fassung konnte mit Rufus Beck, der Hörbuchstimme von Harry Potter, ein erfolgreicher Schauspieler, Synchronsprecher und einer der meistbeschäftigten und besten deutschen Hörbuchsprecher als Erzähler gefunden werden.

Über Erdmännchen - Suricata suricatta

„Wenn es Tag wird in der Savanne im südlichen Afrika, zeigt sich ein gar possierliches Bild. Aus den Löchern von Erdbauten kriechen Erdmännchen, setzen sich aufrecht auf den Boden und lassen sich den Bauch von der Sonne erwärmen“, so schrieb Herbert Cerutti in der NZZ Folio Ausgabe 8/07. Erdmännchen sind Schleichkatzen aus der Familie der Mangusten, die nach ihrer Gattung auch als Surikaten bekannt sind. Meerkats (in Afrikaans) nennen die Einheimischen diese Tiere, deren Bezeichnung ins Englische übernommen wurde.

Die naheliegende Übersetzung mit „Meerkatze“ ist falsch, denn so bezeichnet man im deutschen Sprachraum eine Affenart (Cercopithecus), die mit den Erdmännchen nichts zu tun hat. Erdmännchen leben in der steinigen trockenen Landschaft Südafrikas, und ihre schwarzen Augenringe und die kleinen dunklen Ohren verleihen ihnen ihren so typischen Charakter. Sie leben in Kolonien von bis zu 30 Tieren, die aus einer oder mehreren Familien bestehen können, meist unter der Führung eines dominanten Pärchens, das auch den meisten Nachwuchs zeugt. Der Rest der Gruppe hat andere Aufgaben, denn innerhalb der Kolonie sind die Erdmännchen sehr sozial und arbeitsteilig.

Kinderlose weibliche Erdmännchen stellen sich den Müttern als Babysitter zur Verfügung, Onkel und Tanten wechseln sich im Unterricht ab und Wachdienst, Bau- und andere Arbeiten werden in Absprache abwechselnd von den Gruppenmitgliedern erledigt. Erdmännchen leben von Kleintieren, besonders von Insekten und Spinnen und graben mit ihren Klauen nicht nur nach Nahrung, sondern buddeln sich auch mit rasender Geschwindigkeit riesige Höhlensysteme. Noch lieber werden sie friedliche Untermieter bei den Erdhörnchen, mit denen sie zwar nicht verwandt sind, deren Vorarbeiten sie aber gerne nutzen und gefundene Höhlensysteme gewaltig vergrößern und bewohnen.

Was die Erdmännchen aber so besonders macht, sind nicht ihre Lebensumstände und ihr manchmal so „menschliches“ Äußeres, sondern ihr Verhalten, das sie von fast allen anderen Tieren unterscheidet: Die britischen Forscher Alex Thorton und Katherine McAuliffe entdeckten erst 2006, dass Erdmännchen ihren Nachwuchs regelrecht darin unterrichten, wie man Beutetiere fängt und tötet, und dass die Schüler dem Lehrer ihr Alter und ihren Ausbildungsgrad durch ihren Bettelruf signalisieren, der sich mit zunehmendem Alter charakteristisch verändert. Der Lehrer kann so sein Pensum der Kenntnis des Schülers anpassen. Doch auch das Erdmännchen hat Feinde. Warnt ein Wächter mit gellendem Schrei vor dem Adler, dann flüchtet der gesamte Clan in die rettende Höhle.

Wenn Erdmännchen bellen, dann nähert sich ein Feind auf der Erde und wenn der schon zu nahe ist, um mit einem Sprung im Erdloch zu verschwinden, dann richten sie ihre 30 cm Körpergröße hoch auf, sträuben das Fell und stellen sich dem Angreifer in geschlossener Formation entgegen. Greift der Gegner an statt zu flüchten, werfen sich die Erwachsenen schützend über die Kinder und und verteidigen sich mit spitzen Krallen und gefletschten Zähnen.Der Familienverbund steht bei Erdmännchen an oberster Stelle.