Filmhandlung und Hintergrund

Luis Mandokis ausgezeichnetes Drama spielt vor dem Hintergrund der Zwangsrekrutierung von Kindern für den Bürgerkrieg in El Salvador.

Als Mitte der 80er aus heiterem Himmel der Vater und Ernährer das Weite sucht, ist der elfjährige Chava (Carlos Padilla) aus dem Kuhdorf Cuscatazingo im mittelamerikanischen Unruheherd El Salvador der verantwortliche Mann im Haus. Bei der Suche nach Arbeit machen ihm nicht nur die schlechten Wirtschaftsverhältnisse, sondern vor allem der allgegenwärtige Bürgerkrieg zwischen Militärmilizen und Einheiten der Guerillafront FMLN zu schaffen. Weder die eine noch die andere Seite kennt Skrupel, schon die jüngsten Burschen für ihren Kampf zu rekrutieren.

Basierend auf autobiographischen Erinnerungen des Autors Oscar Orlando Torres schuf Regisseur Luis Mandoki diese realitätsnahe und aufrüttelnde Bestandsaufnahme vergangener und gegenwärtiger Missstände in Lateinamerika.

El Salvador in den 80er Jahren: Der elfjährige Chava übernimmt in seiner vaterlosen Familie die Rolle des Familienoberhaupts, geht fleißig zur Schule und verdient nebenbei das Geld. Dafür bleibt ihm noch ein Jahr, bevor ihm mit 12 die Zwangsrekrutierung droht und der Dienst an der Waffe gegen die aufständischen Bauern.

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Kritikerrezensionen

  • Voces inocentes: Luis Mandokis ausgezeichnetes Drama spielt vor dem Hintergrund der Zwangsrekrutierung von Kindern für den Bürgerkrieg in El Salvador.

    Basierend auf den Kindheitserlebnissen des Drehbuchautors Oscar Torres erzählt der in Mexiko geborene Luis Mandoki vom Schicksal des elfjährigen Chava in El Salvador zu Zeiten des Bürgerkrieges, von Kindern, die in Uniform gesteckt und zum Töten abgerichtet werden, von der allgegenwärtigen Gewalt. Der Eröffnungsfilm der Sektion 14plus spielt zwar in den 80er Jahren, hat aber nichts von seiner Brisanz verloren. Auch heute kämpfen noch 300.000 Kinder in 40 verschiedenen Ländern für die Armee.

    Er ist für seine romantischen, aber nie kitschigen Love-Storys wie „Frühstück bei ihr“, „Eine fast perfekte Liebe“ oder „Message in a Bottle“ bekannt. Mit „Inncocent Voices“ kehrt der seit 1990 in USA arbeitende Luis Mandoki zu seinen Wurzeln zurück, greift ein die Entwicklung Mittelamerikas prägendes Thema auf. In den 80er Jahren war El Salvador auch in Europa ein politisches Reizwort, der Kampf einer Armee gegen das eigene Volk (mit Unterstützung der USA) dauerte zwölf Jahre und forderte 75000 Tote, 8000 Menschen gelten als vermisst, fast eine Million Einwohner flüchteten ins Exil.

    Die Geschichte fokussiert sich auf den elfjährigen Chava, einen aufgeweckten Jungen, der in der vaterlosen kleinen Familie die Rolle des Familienoberhauptes übernimmt, nicht nur fleißig zur Schule geht, sondern auch noch Geld verdient. Nur nicht zwölf Jahre alt werden! Denn dann werden ihn die Soldaten zwangsrekrutieren, und mit der Waffe in der Hand gegen die aufständischen Bauern einsetzen. Ihm bleibt noch ein Jahr der Unschuld, der Freiheit, des Kindseins.

    Aus der naiven, aber unbestechlichen Sicht des Heranwachsenden, der mit seinen Freunden herumtollt und beim Anblick des Nachbarmädels Herzklopfen kriegt, blicken wir auf idyllisches Dorfleben, in das eine mordlustige Soldateska mit Schnellfeuergewehren, Granaten und Mörsern einbricht, kein Stein auf dem anderen lässt, weil der Ort strategisch wichtig zwischen den Fronten von Armee und Widerstandskämpfern der FMLN liegt.

    Die Marge zwischen unbeschwerten Momenten der Kindheit und Tod ist schmal, wie auch die zwischen Spielplatz und Schlachtfeld. Aber Chava und seine Freunde kosten jedes Stück noch so winziger Normalität aus, und wenn die Häscher nach Kanonenfutter suchen, legen sie sich flach auf die Dächer, wo sie niemand entdeckt.

    Luis Mandokis benötigt keine Polemik oder explizite Politik, die Bilder sprechen eine deutliche Sprache, wenn brutale Uniformträger die Zivilbevölkerung massakrieren, Frauen verschleppen und sogar vor dem Priester nicht Halt machen. „Innocent Voices“ ist eine unüberhörbare Stimme gegen jeden Krieg, ein Plädoyer für Menschlichkeit und Menschenwürde. Und dazu noch voller Spannung und Intensität inszeniert. mk.

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