Filmhandlung und Hintergrund

Gefühlvolle Coming-of-Age-Geschichte um ein Wunderkind.

Im zarten Alter von sechs Jahren gilt Vitus (Fabrizio Borsani) als hochbegabt. Der Junge spielt fabelhaft Mozart am Klavier, liest sich durch den Brockhaus und überfordert seine Eltern. Doch die ehrgeizigen Karrierepläne der Mutter (Julika Jenkins) und das einsame Außenseitertum an der Schule hinterlassen Spuren: Mit 12 rebelliert Vitus (Teo Gheorghiu) gegen das Elite-Dasein. Nur bei seinem urigen Opa (Bruno Ganz), einem schreinernden Flugzeugnarr, findet er die vermisste Freiheit. Und entwickelt einen blitzgescheiten Plan, dem Druck zu entkommen.

Der Schweizer Oscar-Vorschlag ist ein leises, augenzwinkerndes Drama, in dem ein verschmitzter Außenseiter seinen Weg findet. Fredi M. Murer („Höhenfeuer„) schlägt mit Feinsinn und Beharrlichkeit sanfte Feel-Good-Töne an.

In der Schule betrachten ihn die anderen als Außenseiter, seine Mutter will aus dem begnadeten Jung-Pianisten ein Wunderkind machen. Doch Vitus täuscht vor, seine Fähigkeiten verloren zu haben. Während die Eltern verzweifeln, macht Vitus bereits erfolgreich Bankgeschäfte per Internet.

In der Schule betrachten ihn die anderen als Außenseiter, seine Mutter will aus dem begnadeten Jung-Pianisten ein Wunderkind machen. Durch diese Rechnung macht der aufmüpfige Knabe jedoch einen Strich. Vitus ertrotzt sich einen Freiraum, in dem sein Großvater ihm ein Stück Normalität zurückgibt. Um sich vor den Anforderungen zu retten, gibt Vitus vor, seine außergewöhnlichen Fähigkeiten verloren zu haben. Während die Eltern verzweifeln, ist der schon lange flügge geworden und macht die gewagtesten Bankgeschäfte per Internet.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Mit „Vitus“ von Regisseur und Drehbuchautor Fredi M. Murer bewirbt sich die Schweiz um eine Oscar-Nominierung. Der 65-jährige Murer realisierte mit diesem Film über die Entwicklung eines Wunderkindes einen lange gehegten Wunschtraum, und man sieht es dem Film an, dass er in Ruhe reifen durfte. Bruno Ganz spielt den skurrilen, schwyzerdütsch sprechenden Großvater vom Lande, Teo Gheorghiu ist wie der zwölfjährige Vitus ein Meisterpianist. Als Sohn rumänisch-stämmiger Eltern in der Schweiz geboren und aufgewachsen, studiert er in London Klavier und gibt Konzerte.

      Eine überfürsorgliche Mutter, ein verstockter Junge, ein verständnisvoller Opa: Das sind die nicht spektakulären Ingredienzien zu dem keineswegs klischeefreien Drama über die Isolation, in die ein hochbegabtes Kind von wohlmeinenden Eltern, Förderungsfanatikern und genervten Lehrern getrieben werden kann. Und dennoch ist der stille, bedächtige Film ein bisschen anders: Er versucht nicht am Exempel zu verallgemeinern, was Wunderkinder so durchmachen, sondern bricht die gängigen Vorstellungen herunter zu einer einmaligen, ganz individuellen Geschichte.

      Vitus, der von zwei Schauspielern als Sechs-, dann als Zwölfjähriger dargestellt wird, ist kein Sympathieträger. Im Gegenteil, man glaubt ihm wegen seiner trockenen Verweigerung und Besserwisserei die Außenseiterkarriere in der Schule sofort. Seine stärksten Momente hat der immer ernste Teo Gheorghiu, wenn er selbstversunken, mit offenem Mund, dem erzählenden Opa lauscht. Da ist eine Wahrhaftigkeit zu spüren, die den Panzer des immer Klügeren durchbricht und mit einer Erkenntnis bereichert, die tief, sehr tief, sein Herz wie das des Zuschauers berührt.

      Großvater lebt als Schreiner in einem Landhaus voller Geheimnisse in der Werkstatt und mit tropfendem Dach. Vitus findet es cool, was sonst nicht sein Sprachgebrauch ist, wenn er den Opa endlich im Schuppen entdeckt, der sich dort seinen Traum vom Fliegen verwirklicht. Belebend ist auch die Idee, den kleinen Vitus an der Teenie-Welt von Popmusik, Tanz und Über-die-Stränge-Schlagen einer ganz und gar nicht hochbegabten Babysitterin teilhaben zu lassen. Später macht er seinem ersten Schwarm einen Heiratsantrag.

      Dieser Heiratsantrag im Nobelrestaurant ist ein einziges Klischee. Genauso wie Vitus’ Höhenflug an der Börse, denn es ist eh klar, dass ein kleines Genie die Geheimnisse der New Economy wie eine Haselnuss zu knacken verstehen sollte. Murers sorgfältige Annäherung schafft es dann aber wieder, diese Klischees mit Bauernschläue in trockenen Humor umzusetzen. Vitus und sein Großvater bleiben stets kantig und seriös genug, um ihre Echtheit gegenüber manchen ihrer Déja-Vu-Äußerungen zu behaupten.

      Fazit: Bedächtiger Schweizer Film über ein ernstes Wunderkind, das beim Großvater zu seinen Träumen findet.
    2. Vitus: Gefühlvolle Coming-of-Age-Geschichte um ein Wunderkind.

      Ein Wunderkind lässt sich mithilfe von Bruno Ganz als liebevollem Großvaters nicht von der Erwachsenenwelt vereinnahmen und nimmt sein Leben selbst in die Hand

      In der Schweiz war die eigenwillige und souverän verwobene Geschichte vom super-begabten Kind, das schon als Dreikäsehoch gerne im Brockhaus blätterte, ein Kassenhit. 20 Jahre nach „Höhenfeuer“ stellt Fredi M. Murer wieder einen ganz besonderen Jungen in den Mittelpunkt und schafft es, aus der üblichen Schablone dieses Themas auszubrechen, erzählt von Vitus, der mit seinem Großvater der Faszination des Fliegens erliegt und erst nach einigen Umwegen seinen Weg findet.

      In der Schule betrachten ihn die anderen als Außenseiter, er fühlt sich unterfordert und nervt Mitschüler und Lehrer durch penetrantes „Besserwissen“. Seine Mutter will aus dem begnadeten Jung-Pianisten ein Wunderkind machen. Durch diese Rechnung macht der aufmüpfige Knabe einen Strich. Statt bei einer Koryphäe Unterricht zu nehmen, ertrotzt er sich einen Freiraum, in dem sein Großvater ihm ein Stück Normalität zurückgibt. Um sich vor den Anforderungen der Erwachsenen zu retten, gibt Vitus nach einem Unfall vor, seine außergewöhnlichen Fähigkeiten verloren zu haben. Während die Eltern verzweifeln, der Vater seinen Job verliert und die Mutter ihre Aktivitäten nur noch auf den Heranwachsenden konzentriert, ist der schon lange flügge geworden und macht die gewagtesten und erfolgreichsten Bankgeschäfte per Internet.

      Das klingt zwar märchenhaft, passt aber in den trotz allem leichtfüßigen Kontext. Die erst sechs-, später zwölfjährige Hauptfigur träumt ihren Traum in dieser Liebeserklärung an die Kindheit und die versöhnliche Kraft der Musik. Ein Glücksfall ist der zwölfjährige Teo Gheorghiu, der an der Purcell-School in London für musikalisch hochbegabte Eleven studiert und mit dem Züricher Kammerorchester das im Film entscheidende Konzert vor 1400 Zuhörer spielt, nicht nur auf der Leinwand, sondern auch in Realität ein Genius. Ihn ergänzt Bruno Ganz, der lustvoll den widerborstigen Lebensphilosophen mimt, der mit Hut in der Schreinerei herumwerkelt und sich diebisch freut, wenn er seinen Enkel vor den Ansprüchen der Gesellschaft schützen kann und ihm sogar seine Finanzen anvertraut. Pate für diese verschrobene Figur, die auch im Alter nur so von Ideen sprüht und eine Wahnsinnsenergie ausstrahlt, waren Robert Walser und der Vater des Regisseurs mit seiner bodenständigen Betrachtung menschlicher Existenz. „Vitus“ trifft mit seiner Mischung aus feiner Melancholie, frischen Mut der Jugend und leiser Wehmut des Alters mitten ins Herz. mk.

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    • Fakten und Hintergründe zum Film "Vitus"

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      Kino.de Redaktion  

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