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Fakten und Hintergründe zum Film "Vielleicht lieber morgen"

Fakten und Hintergründe zum Film "Vielleicht lieber morgen"

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Über die Produktion

Im Jahre 1987 kam es in Pittsburgh zu einer schicksalhaften Begegnung: Der damals 17 Jahre alte Stephen Chbosky traf auf einem Filmfestival im Fulton Theater einen der berühmtesten Söhne der Stadt – George A. Romero, den König des Horrors. Chbosky, der davon träumte, Drehbuchautor und Regisseur zu werden, bat Romero, ein Poster für ihn zu signieren. Das Poster, auf dem geschrieben steht: „Steve, bleib ängstlich, ich hoffe, dein erstes Drehbuch wird verfilmt. Gezeichnet: George A. Romero“, hängt heute in Chboskys Büro. Auch wenn sein erstes Drehbuch es letztendlich nicht auf die große Leinwand schaffte, erschien Chboskys Romandebüt „The Perks of Being a Wallflower“ (auf Deutsch unter dem Titel „Das also ist mein Leben“) 1999 und erwarb sich schnell eine begeisterte Anhängerschaft unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Als echtes Kultbuch wurde es in manchen Schulen zur Pflichtlektüre – und in anderen Schulen verboten.

Nun hat Chbosky seinen Roman nach einem eigenen Drehbuch verfilmt, und natürlich steht auch hier wieder der 16-jährige Charlie im Mittelpunkt, der ein aufregendes, schreckliches und am Ende doch triumphales erstes Jahr an der Highschool erlebt. Chbosky, der den renommierten Drehbuch Studiengang an der University of Southern California belegt hatte, schrieb schon an seinem Buch, als er noch am College war, schloss es aber erst einige Jahre später ab, als er schon in New York lebte. „Es waren sehr persönliche Gründe, aus denen ich das Buch geschrieben habe“, sagt er. „Ich machte privat eine harte Zeit durch. Aber ich war an einem Punkt in meinem Leben angekommen, an dem ich so weit war, darüber schreiben zu können, warum den netten Leuten immer so viel Böses passiert und wie sehr einem Freunde dabei helfen, damit fertig zu werden. Ich habe nach Antworten gesucht, und es war so, als ob Charlie mir auf die Schulter geklopft und gesagt hätte: Ich bin bereit, dir meine Geschichte zu erzählen’.“

Ironischerweise ist es genau der persönliche Blickwinkel der Geschichte, der dazu führt, dass sich so viele Leute von ihr angesprochen fühlen, wie er sagt: „Ich habe nie versucht, irgendjemandem damit zu gefallen. Ich habe einfach nur meine eigene Wahrheit darstellen wollen. Mir ging es nicht darum, ein möglichst großes Publikum anzusprechen. Ich habe meine Geschichte ganz ehrlich auf meine Weise erzählt, und ich glaube, dass die Leute genau das respektieren.“

Der bemerkenswerte Erfolg des Buches führte zu einigen Angeboten, sein Buch fürs Kino zu adaptieren. Stattdessen aber ging Chbosky nach Los Angeles, um sich anderen Projekten zu widmen, darunter dem Drehbuch für die Kinofassung des Broadwaymusicals „Rent“ und die Fernsehserie „Jericho“ für den US-Sender CBS. Er wusste aber, dass er eines Tages auf Charlie zurückkommen würde. „Ich wollte immer aus meinem Buch einen Film machen“, sagt er. „Ich sah die Bilder so klar vor meinen Augen, als ich es schrieb. Aber ich brauchte die Zeit und den Abstand, um es auch richtig hinzubekommen. In der Zwischenzeit habe ich an vielen unterschiedlichen Drehbüchern gearbeitet. Das war eine gute Übung, um mir schließlich mein eigenes Buch wieder vorzunehmen.“

Chbosky fühlte sich dabei auch den zahllosen Fans des Buches verpflichtet: „In den 13 Jahren seit dem Erscheinen habe ich hunderte von Briefen und E-Mails bekommen“, erklärt er. „Manche haben mir wirklich das Herz gebrochen. Es wird einem erst so richtig klar, wie viele junge Menschen da draußen sich einsam fühlen. Sie glauben, dass ihnen niemand zuhört und sich niemand für sie interessiert. Manche von ihnen waren schon so weit, Schluss zu machen, lasen dann aber das Buch und entschieden sich doch dagegen. Wenn man so etwas hört, lässt das einen nicht kalt, und man kapiert, welch große Verantwortung man eigentlich hat.“ Das Buch ist ein Briefroman: Briefe, die Charlie an einen Freund schreibt, den er nie beim Namen nennt. In diesen Briefen erzählt Charlie offen von seinen Problemen – Themen, die Teenager auch ein Jahrzehnt später genauso beschäftigen. Einige der Probleme hängen mit Alkohol, Drogen und Sex zusammen, was dazu geführt hat, dass das Buch kontrovers diskutiert wurde. „Jedes Mal, wenn das Buch irgendwo auf den Index gesetzt wurde, empfanden die Fans das auch als eine Art von Auszeichnung“, sagt der Autor. „Mich machte es eigentlich immer traurig. Ich habe das Buch geschrieben, um das Schweigen zu beenden. Ich möchte, dass Eltern und Kinder darüber sprechen, was sie bewegt. Zensur und Buchverbote würgen die Diskussion aber einfach ab.“

Für ihn, so der Autor, sind aber die Hauptfiguren ohnehin wichtiger als einzelne Geschehnisse im Buch. Daher straffte er den Plot beim Ausarbeiten des Drehbuchs auch stark und konzentrierte sich ganz auf die Beziehung zwischen Charlie und seinen neuen Freunden an der Schule, allen voran Sam und deren Stiefbruder Patrick, die in ihm eine verwandte Seele entdecken. „Manches musste ich streichen, aber das eigentliche Thema blieb unverändert“, sagt Chbosky. „Der Freundeskreis und die Beziehung zwischen Charlie, Sam und Patrick waren wesentlich für das Ganze. Ich habe schließlich einiges weglassen müssen, was im Buch zu den schönsten Stellen gehört, aber einfach nicht in die Filmhandlung passte. Wenn ich jede Szene aus dem Roman ins Drehbuch übernommen hätte, wäre der Film vier Stunden lang geworden.“

Auch im Film wird die Geschichte aus Charlies Blickwinkel erzählt, aber Chbosky änderte die Perspektive behutsam so, dass er die Geschichte so effektiv wie möglich erzählen konnte. „Im Buch gewinnen wir Charlies Freunde lieb, weil er sie so sehr mag“, sagt er. „Aber im Kino funktioniert das nicht. Ich musste objektiv zeigen können, was Charlie subjektiv empfindet. Also musste beispielsweise eine Figur wie Patrick viel komischer werden, weil es einfach nicht reichte, wenn Charlie nur sagt, wie komisch er ist. Er musste sich das selber verdienen.“

Als bekannt wurde, das Chbosky seinen Roman zu einem Drehbuch umschrieb, wandten sich Lianne Halfon, Russell Smith und John Malkovich, die gemeinsam die Produktionsfirma Mr. Mudd betreiben, an den Autor. Die Firma hat u. a. Spielfilme wie den Oscar®-nominierten JUNO (2007), GHOST WORLD (2001), ART SCHOOL CONFIDENTIAL (2006), ABEL (2010) und JEFF, WHO LIVES AT HOME („Jeff, der noch zu Hause lebt“, 2011) produziert und darüber hinaus Dokumentationen wie WHICH WAY HOME (2009). Die Partner waren sich einig, dass für den Regie-Job einzig Chbosky selbst in Frage käme, selbst wenn dies bedeuten würde, schwieriger zu einem Vertriebsdeal zu kommen. „Wir fanden alle, dass wir uns erst dann mit einem Drehbuch auf die Suche nach einer Finanzierung machen würden, wenn wir eines hätten, das den Roman perfekt wiedergab“, sagt Smith. „Alle Zutaten mussten stimmen, weil ein Regiedebütant nun einmal eine unbekannte Größe ist. Aber wir waren uns einig, dass Stephen diesen Film selbst drehen müsste. Und weil Stephen einen so wunderbaren Roman und ein so wunderbares Drehbuch abgeliefert hatte, waren wir zuversichtlich, dass er es hinkriegen würde.“

Das Produzententeam war eng an allen Entscheidungen beteiligt, was dem Erstlings Regisseur nur entgegenkam: „Ich hätte mir keine besseren Produzenten wünschen können“, sagt Chbosky. „Sie waren jeden Tag am Set und auch jeden Tag in der Postproduktion vor Ort. Sie haben immer offen mit mir geredet, und ihre Anmerkungen und Ratschläge waren unbezahlbar.“

John Malkovich gab Chbosky noch einen Rat mit auf den Weg, bevor die Dreharbeiten begannen. „John sagte mir, der Grund, warum er das Drehbuch so liebte, sei, dass es von Herzen kommt. Und weil es Herz habe, bräuchten wir keine Gefühlsduselei. Er sagte: ,Nimm immer den harten Take’, und das habe ich nie vergessen. Ich bin eigentlich ein Softie und würde wahrscheinlich immer den Take wählen, der am romantischsten ausgefallen ist, aber dieser einfache Ratschlag hat uns immer wieder davor bewahrt, sentimental zu werden.“ Chbosky nennt den fertigen Film eine unübliche Liebesgeschichte. „In meinem ersten Entwurf des Buches stand der Satz: ,Wir nehmen uns die Liebe, von der wir glauben, dass wir sie verdienen’“, sagt er. „Das wurde zum eigentlichen Thema, zunächst des Romans, und dann auch des Films. Es geht nicht bloß um romantische Liebe, es geht auch um Freundschaft und darum, wie man zu sich selbst ist. Es geht darum, dass man ein großartiges Leben haben kann, wenn man nur bereit ist, die Welt zu sich hereinzulassen.“

Auch wenn sehr viele Teenager unter den Lesern des Buches sind, ist Chbosky doch zuversichtlich, dass der Film Menschen aller Altersgruppen ansprechen wird. „Als Erwachsener mag einem nostalgisch zumute werden, wenn man sich den Film anschaut“, sagt er. „ Ein Zwölfjähriger hingegen, der die Highschool erst noch vor sich hat, mag darin vielleicht einen Wegweiser sehen. Und jemand, der gerade mittendrin in diesem Alter steckt, kann vielleicht genau diese Bestätigung brauchen, dass andere dasselbe durchmachen. Ich würde mich freuen, wenn sich eine Mutter den Film anschaut und sich an ihre Jugend erinnert, und wenn sich ihre Tochter in ihrem Lebensgefühl bestätigt fühlt. Schön wäre es, wenn beide nach dem Film gar nicht anders können, als sich darüber auszutauschen, wie sie es erlebt haben. Mehr will ich gar nicht.“