Vielleicht in einem anderen Leben

  1. Ø 0
   2010

Vielleicht in einem anderen Leben: Verfilmung des Theaterstücks "Jedem das Seine", das eine Gruppe von jüdischen Gefangenen begleitet, die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs auf einem Todesmarsch von Ungarn durch Österreich getrieben wird.

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Filmhandlung und Hintergrund

Vielleicht in einem anderen Leben: Verfilmung des Theaterstücks "Jedem das Seine", das eine Gruppe von jüdischen Gefangenen begleitet, die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs auf einem Todesmarsch von Ungarn durch Österreich getrieben wird.

Im April 1945 gelangt eine Gruppe ungarischer Juden auf ihrem Todesmarsch aus Budapest ins KZ Mauthausen in ein kleines Dorf der Ostmark (Österreich). Die ausgezehrten Gestalten rund um den Opernsänger Lou Gandolf werden in der Scheune von Stefan Fasching eingesperrt, wo sie zum ersten Mal seit langer Zeit von seiner barmherzigen Frau Traudl Nahrung erhalten. Zunächst zetert der rassistische Bauer gegen diese Milde, schließlich hilft er, mit den Häftlingen eine Operette zu proben, um damit dem Lynchmob, der bereits seine Messer wetzt, zu entgehen.

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Kritikerrezensionen

  • Das Drama „Vielleicht in einem anderen Leben“ erinnert an die Todesmärsche ungarischer Juden durch die österreichische Provinz in den letzten Kriegswochen 1945. Damit sie nicht von der vorrückenden sowjetischen Armee befreit werden konnten, ließ die SS die Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge aus Gebieten in Frontnähe ins Konzentrationslager Mauthausen deportieren. Die österreichische Regisseurin Elisabeth Scharang hat ihren ersten Kinospielfilm basierend auf dem Theaterstück „Jedem das Seine“ von Silke Hassler und Peter Turrini inszeniert.

    Das kleine Dorf inmitten der Felder und Wiesen sieht aus wie eine beschauliche Idylle fernab des Krieges. Aber in der sonntäglichen Messe wird für die Gefallenen aus dem Ort gebetet und ein junger SS-Mann quartiert sich im Haus eines Adeligen ein. Kurz zuvor hat er einen Mann aus dem Treck der Zwangsarbeiter erschossen. Der Ortsgendarm führt die anderen 18 Häftlinge in die Scheune von Bauer Stefan Fasching (Johannes Krisch) vor das Dorf. Ihm ist nur daran gelegen, die Gruppe ordnungsgemäß für den Weitertransport zu übergeben, aber bald stellt sich heraus, dass die Gefangenen nicht abgeholt werden. Im Wirtshaus redet der Nazi-Ortsgruppenleiter bald unverblümt von Selbstjustiz.

    Die junge Magd Poldi (Franziska Singer) berichtet der Bäuerin, dass in der Scheune eine Frau umgekippt sei. Die immer finster dreinblickende Traudl Fasching (Ursula Strauss) geht daraufhin mit einem Brot zu den Häftlingen, das ihr die halb Verhungerten gleich aus der Hand reißen. Sie beschließt, noch mehr Essen zu bringen. Der Budapester Opernsänger Lou Gandolf (Péter Végh) erkennt ihre Vorliebe für Musik und bietet ihr zum Dank eine gemeinsame Operettenaufführung an. Der Walzer „Wiener Blut“ wird zum Leitmotiv der Geschichte, er soll die Lebenskraft der todgeweihten Häftlinge mobilisieren und sie vor der Verzweiflung bewahren. Auch in der Seele der Bäuerin weckt er verschüttete Lebenslust und verleiht ihr auf einmal ungeahnten Mut.

    Die Idee, der drohenden Vernichtung mit einer Operette als Ausdruck der Lebensfreude zu trotzen, erweist sich für den Film durchaus als problematisch. Der extreme Gegensatz betont die Absurdität der realen Welt theaterhaft, mutet aber den Charakteren zu viel zu. Denn der Ton des Films ist keineswegs satirisch-leicht, das Operettenensemble siecht in der Scheune dahin, in der Ecke liegen bald zwei Tote. Wie die einzelnen Figuren dann vom Leiden zum plötzlichen Ausdruck heiterer Stimmung wechseln müssen, gerät arg plakativ und verkürzt. Die Rollen der Häftlinge werden nicht weit genug ausgearbeitet, um die einzelnen Persönlichkeiten sichtbar zu machen.

    Im Gegensatz dazu wird das Ehepaar Fasching mit seinem Streit zur tragenden Säule der Geschichte. Die Bäuerin sieht in den jüdischen Gefangenen nur normale Menschen, der Bauer verharrt eine ganze Weile in der herrschenden Rassenideologie und ihren Kontaktverboten. Die Wortgefechte des Paares gehören mit ihrem schlagfertigen Witz im österreichischen Dialekt zu den Höhepunkten des Films. Aber auch in den stummen Szenen teilen die Eheleute viel von ihrem inneren Aufruhr als verwaiste Eltern mit. Kameramann Jean-Claude Larrieu („Eine Karte der Klänge von Tokio“) liefert atmosphärisch dichte Aufnahmen der ländlichen Kargheit. Der Frieden, den sie atmen, erstreckt sich nicht auf alle Dorfbewohner. Die historische Wirklichkeit lautet, dass die ländliche Bevölkerung mancherorts Grausamkeiten und Gräueltaten beging, sogar noch bis Anfang Mai 1945.

    Fazit: Mit atmosphärisch dichten Bildern ländlicher Stille und einer bühnenhaften inhaltlichen Polarisierung erinnert „Vielleicht in einem anderen Leben“ an ein unrühmliches Kapitel aus der österreichischen Geschichte.
  • Beklemmendes Drama nach dem Theaterstück „Jedem das Seine“, in dem deportierte Juden vier Tage lang in einem kleinen Dorf zwischen Hoffen und Bangen schweben.

    April 1945, der Krieg hat seine Wunden selbst in ein kleines Dorf der Ostmark gerissen, die sonntägliche Predigt besteht aus der Verlesung gefallener Soldaten. Seit auch ihr Sohn starb, ist die Ehe von Traudl und Stefan Fasching (Ursula Strauss und Johannes Krisch) zerrüttet und nun hat ein junger SS-Unterscharführer auch noch eine Gruppe ungarischer Juden auf ihrem Todesmarsch ins KZ Mauthausen in ihrer Scheune einquartiert. Während sich der Lynchmob vom Stammtisch bereits munitioniert, versorgt die barmherzige Bäuerin die halb verhungerten Elendsgestalten mit Nahrung, wofür es ihr der Budapester Opernsänger Lou Gandolf (Péter Végh) mit einer kleinen Operettenaufführung danken möchte.

    Der Hass auf die „Volksschädlinge“ ist so alltäglich geworden wie die Arbeit auf dem Hof und so ist dieser Akt der Mitmenschlichkeit etwas Unerhörtes im allgemeinen Hitler-Wahn. Das ländliche Soziotop beschreibt Elisabeth Scharang ähnlich wie Michael Haneke in „Das weiße Band“, wenn auch grober gestrickt. Mit naturbelassenen Bildern und einer gewissen Lakonie, in der ihre Erfahrung als Dokumentarfilmerin durchscheint, destilliert die Österreicherin mitfühlend das menschliche Drama aus dem 2007 aufgeführten Theaterstück „Jedem das Seine“ und dimmt dessen absurden Aberwitz.

    Wenn die Gruppe Gefangener in ihrem Heustadl auf den Tod wartet, während der Frühling kommt, pendelnd zwischen Hoffen und Verzweifeln, sich zu einer letzten Vorstellung von „Wiener Blut“ entschließt, geht es – ganz nach Lubitsch – um Sein oder Nichtsein. Ihre Sehnsucht nach Leben bildet ein frappierendes emotionales Zentrum, das sich zwischen „Die Fälscher“ und „Das Leben ist schön“ einpendelt. Die ausschließlich on screen gespielte Musik, nachdem man die in der Scheune versteckten Instrumente gefunden hat, ist eine traurige Weise, die vom Schauspielerensemble beklemmend und anrührend interpretiert wird. Aus der Zerrissenheit des Dorfes zwischen Barmherzigkeit und Hass entspringen Verzweiflungstaten, deren bittere Tragik vom schwarzen Humor nur notdürftig gemildert wird.

    tk.

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