Filmhandlung und Hintergrund

Berührendes Drama zwischen Sozialanklage und Melodram. Guillaume Depardieu spielt darin in einer seiner letzten Rollen einen ruppigen Aussteiger, der sich um ein Kind kümmert.

Neben dem berühmten Schloss von Versailles, wo Touristen den Prunk vergangener Zeiten bestaunen, leben im Wald in selbst gebastelten Behausungen die Ausgestoßenen und Aussteiger der Gesellschaft. Unter ihnen befindet sich Damian. Der nimmt eine Frau mit fünfjährigem Sohn bei sich auf, schläft mit ihr. Am nächsten Morgen ist sie verschwunden, hat ihr Kind, Enzo, aber dagelassen. Erst will Damian den Jungen loswerden, doch langsam entwickelt sich Zuneigung zwischen den beiden. Um Enzos willen versucht Damian den Schritt zurück in die Gesellschaft.

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Kritikerrezensionen

  • Versailles: Berührendes Drama zwischen Sozialanklage und Melodram. Guillaume Depardieu spielt darin in einer seiner letzten Rollen einen ruppigen Aussteiger, der sich um ein Kind kümmert.

    Guillaume Depardieu in einer seiner letzten Rollen versucht als ruppiger Aussteiger mit Herz die Rückkehr ins bürgerliche Leben.

    Das Schloss von Versailles ist prunkvolles Zeugnis von Barock und Blaublütlern, Zeichen von Reichtum und Dekadenz, Visitenkarte des Goldenen Zeitalters der „grande nation“ und Ziel von Touristen aus aller Welt. Nicht weit davon entfernt zeigt sich in den Wäldern der große Kontrast, Menschen, die sich kein Dach mehr über den Kopf leisten können, Aussteiger und Ausgestoßene, die in der Gesellschaft keinen Platz mehr finden.

    Zum jungen Damian, der in einer Hütte haust, stößt eine obdachlose Frau mit ihrem fünfjährigen Sohn. Nach einer Liebesnacht ist sie verschwunden und lässt den Jungen bei dem Wildfremden. Die Versuche, den kleinen Störfaktor loszuwerden, scheitern, nach und nach keimt zwischen den beiden eine zarte Freundschaft und Zuneigung. Als der Winter naht und auch eine Räumung durch die Gemeinde von Versailles, die ihr Image in Gefahr sieht, machen sich Mann und Kind auf den Weg zurück in die bürgerliche Gesellschaft.

    Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit war gestern, für Pierre Schoeller dominieren heute im urbanen Dschungel Ungerechtigkeit, Gleichgültigkeit und Egoismus, Frankreich ist für ihn immer noch eine Gesellschaft sozialer Klassen und Privilegien. Dem renommierten Drehbuchautor, der mit „Versailles“ sein Spielfilmdebüt vorlegt, gelingt es, das Thema Armut zu behandeln, ohne mit dem Zaunpfahl zu winken und in Larmoyanz zu versinken. Ein grandioser Guillaume Depardieu als überzeugter Einzelgänger mit Wut im Bauch, der Verantwortung und Fürsorge übernimmt, trägt den Film durch seine starke Präsenz auch über Schwachstellen hinweg, überzeugend unterstützt vom formidablen kindlichen Darsteller Max Baisette. Die Geschichte erzählt sich in kargen Dialogen und ohne visuellen Mätzchen oder Pathos vor allem durch die Authentizität der Bilder, gedreht im natürlichen Tageslicht oder im Schein des Lagerfeuers ohne Zusatzbeleuchtung. Schoeller verweigert sich der Schicksals-Schönfärberei, kaum gibt es Hoffnung, zerplatzt sie schon wieder. Zwischen Sozialanklage und Melodram gelingt es dem zutiefst zärtlichen Film mit dem doppeldeutigen und provozierenden Titel, tiefe Emotionen zu wecken und Tränen kullern zu lassen - wohlgemerkt ganz ohne falsches Sentiment. mk.

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