Filmhandlung und Hintergrund

Zwei Jungs und ein Mädchen, eine Kleinstadt in Ostdeutschland. Eine Geschichte über Zukunftsträume und triste Realität.

Eine Kleinstadt in Ostdeutschland. Drei Jugendliche schmieden Pläne für die Zukunft. David, der wie Benno in Anna verliebt ist, träumt von einer Fotografen-Karriere, landet jedoch als Verkäufer in einem Großmarkt. Bennos Gebrauchtwagenhandel läuft nicht, also lässt er sich mit Autoschiebern ein. Anna geht zwar auf eine Berliner Schauspielschule, bekommt jedoch keine Rollen.

David und Benno sind die besten Freunde und verlieben sich gleichzeitig in die hübsche Anna, die sich zunächst für Benno entscheidet. Dann beginnen sie an ihrer Zukunft zu basteln. Doch die Kluft zwischen Wunsch und Realität ist tief. Während „Schauspielerin“ Anna primitive TV-Serien synchronisiert, gerät „Gebrauchtwagenhändler“ Benno an eine Autoschieberbande und „Fotograf“ David muss sich um seinen schwerkranken Vater kümmern. Als sich Anna mehr und mehr zu David hingezogen fühlt, kommt es innerhalb des Trios zu massiven Konflikten…

David und Benno sind beste Freunde und verlieben sich in dasselbe Mädchen: Anna. Vanessa Jopp fängt in ihrem Regiedebüt die Kleinstadt-Tristesse im Osten perfekt ein, ohne den Film in Sozialkritik zu ersticken.

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Kritikerrezensionen

  • Vergiss Amerika: Zwei Jungs und ein Mädchen, eine Kleinstadt in Ostdeutschland. Eine Geschichte über Zukunftsträume und triste Realität.

    Ein Film aus Deutschland, Ost. Mit viel Kinogespür und Realitätssinn inszeniert von der Münchner Filmhochschul-Absolventin Vanessa Jopp. Freundschaft und Liebe und all die zerplatzenden Träume vom Leben nach eigenen Wunschvorstellungen. Jugendliches Lebensgefühl und Jahrtausendwende: gebremste Romantik, hoffnungsvolle Melancholie. Ein klarer Gewinner des Hypovereinsbank-Förderpreises beim Münchner Filmfest.

    Weder Schickimicki-Villen-Ambiente noch Obdach- oder Arbeitslosen-Milieu verstellt den Blick auf Alltagswahrheiten, über die man sich auch im wirklichen Leben nicht hinweg mogeln kann. Vanessa Jopp und ihre Drehbuchautorin Maggie Peren erzählen von jungen Leuten der bürgerlichen Mittelklasse in einem Provinznest in der Nähe von Halle. Die beiden Freunde David (Marek Harloff in der überzeugend anrührenden Studie eines emotional sensiblen, zurückhaltenden Romantikers) und Benno (Roman Knizka als extrovertierter Aufreißer-Charmeur mit Schwerenöter-Touch) verlieben sich in Anne (Franziska Petri mit mädchenhaft entschlossener Frische). Wer nun gleich wieder an Jules und Jim denkt, ist nur bedingt auf der richtigen Fährte. Denn wo Truffaut seinerzeit mit der verklärenden Nostalgie einer Literaturverfilmung mehr essayistische Akzente setzte, erzählt Vanessa Jopp bodenständig von Hier und Heute und Realitäten, mit denen sich jeder Zuschauer identifizieren kann. Manchmal scheint sie zwar im Inszenierungsstil ein wenig der Biederkeit des provinziellen Milieus zu erliegen, das sie beschreibt Doch das sind vielleicht Unsicherheiten eines Erstlings, von denen sie sich in ihrem zweiten Film den sie im Herbst in Köln dreht, freischwimmen könnte.

    Jedenfalls ist es ausgesprochen erfreulich, im Kino eine Geschichte zu sehen, die ganz vital, gradlinig und ohne prätentiöse Mätzchen erzählt, wie es so zugeht und wie wir miteinander umgehen in der Welt, in der wir leben. Natürlich ist Benno, der in der Kleinstadt ein Geschäft mit amerikanischen Autos eröffnet als Draufgänger erfolgreicher bei Anna als David, der zuerst mal ein leidenschaftlicher Beobachter ist und deshalb am liebsten ein großer Fotograf werden möchte. Anna hingegen träumt von einer Karriere als Schauspielerin und nimmt in Berlin Unterricht. Die Trennung der Drei – Benno macht Wehrdienst bei den Fallschirmspringern, David Zivildienst im Vogelschutzgebiet auf Rügen – kommt zum richtigen Moment, als die Freundschaft auf eine harte Probe gestellt wird, weil auch Anna sich mehr Benno zuwendet. Eines Tages aber treffen sie sich in ihrem Kaff wieder: Anna bekommt keine Rollen, höchstens Synchronangebote in Pornofilmen; Benno verkauft kein Auto und lässt sich mit polnischen Autoschiebern ein; David verliert seinen Job als Fotograf und landet schließlich als Verkäufer in der Fischabteilung eines Supermarktes. Es sind keine rosigen Zeiten in der ostdeutschen Provinz. Dennoch versteht Vanessa Jopp, ihren Film nicht in Hoffnungslosigkeit, Depression und Pessimismus ersticken zu lassen. Mit großer Behutsamkeit und unaufdringlich vermittelt sie das Gefühl, dass dieser Stand der Dinge trotz allem nicht endgültig sein muss. Auch die Katastrophe, die mit tödlicher Sicherheit schließlich doch noch passiert, kann die Kraft dieser Kinogeschichte nicht zerstören. Ihr dürfte ein großes Arthaus-Publikum sicher sein, wobei Mundpropaganda eine wichtige Rolle spielen sollte. fh.

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