Utøya 22. Juli

  1. Ø 4.1
   Kinostart: 20.09.2018

Utøya 22. Juli: Der norwegische Regisseur Erik Poppe verfilmt das Massaker von Utøya bei dem der rechtsextreme Attentäter Anders Breivik insgesamt 77 Menschen tötete.

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Filmhandlung und Hintergrund

Utøya 22. Juli: Der norwegische Regisseur Erik Poppe verfilmt das Massaker von Utøya bei dem der rechtsextreme Attentäter Anders Breivik insgesamt 77 Menschen tötete.

Der 22. Juli 2011 ist ein nationales Trauma für Norwegen. Nachdem er mit einer Bombe im Regierungsbezirk von Oslo acht Menschen tötete, fuhr der rechtsextreme Attentäter Anders Breivik als Polizist verkleidet auf die Insel Utøya. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich hier das Sommercamp der Jugendorganisation der norwegischen Arbeiterpartei. Breivik eröffnet schwerbewaffnet das Feuer auf die Jugendlichen. Breivik tötet 69 Menschen, verletzt 33.

Aus den Nachrichten erfahren die Jugendlichen auf Utøya von dem Bombenanschlag. Was ist geschehen und wer steckt dahinter? Am Telefon versucht Kaja (Andrea Berntzen) ihre Mutter zu beruhigen. Sie verspricht, auf ihre Schwester aufzupassen. Dann ertönen die ersten Schüsse aus der Ferne. Unter den Jugendlichen bricht Panik aus. Auf der kleinen Insel gibt es kaum eine Möglichkeit, sich zu verstecken. Das Grauen dauert 72 Minuten.

„Utøya 22. Juli“ — Hintergründe

Bei seiner Weltpremiere auf der Berlinale 2018 löste der Echtzeit-Thriller „Utøya 22. Juli“ eine hitzige Diskussion aus. Ist es erlaubt, ein Massaker zum Gegenstand eines Filmes zu machen? Was ist mit den Hinterbliebenen, den traumatisierten Opfern? Der Film von Regisseur Erik Poppe („The King’s Choice – Angriff auf Norwegen“) weiß natürlich, dass es sich um ein sensibles Thema handelt. Im Vorfeld sprach die Crew mit den Opfern des Anschlags. Die Geschichte ist fiktionalisiert und schildert nicht die Erlebnisse eines tatsächlichen Überlebenden, sondern einer Stellvertreter-Figur. Aus Rücksicht auf die realen Opfer werden im Film außerdem keine Toten gezeigt.

Trotzdem ist der dargestellte Überlebenskampf nichts für schwache Nerven. „Utøya 22. Juli“ zeigt die Ereignisse in Echtzeit — der Film ist 72 Minuten lang, so lang wie das Massaker. Gedreht wurde mit Laiendarstellern in einem One-Shot. Das heißt, der Film wurde von vorne bis hinten komplett ohne Schnitt in einer Einstellung abgedreht. Das Resultat bleibt so eng wie möglich an der Perspektive der Opfer.

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

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    UTØYA 22. JULI erzählt die Geschichte des Attentats vom 22. Juli 2011 in Norwegen, bei dem 69 Jugendliche ums Leben kamen, in nur einer Einstellung aus Sicht der Opfer und der Überlebenden.

    Kaja weiß, dass ihre Mutter sich Sorgen macht. Erst vor einer Stunde gab es dieses schreckliche Bombenattentat in Oslo. Alle sind in Panik. Doch Kaja versucht ihre Mutter zu beruhigen. Immerhin ist sie mit ihren Freunden auf einer Insel. Und das ist ja wohl der sicherste Ort der Welt. Doch kurze Zeit später sind Schüsse zu hören. Menschen schreien. Alle fangen an, wegzurennen. Auch Kaya. Sie weiß nicht, was hier gerade geschieht. Und sie weiß nicht, wo ihre jüngere Schwester ist, die sie aus den Augen verloren hat. Und von einem Moment auf den anderen ist alles anders. Am 22. Juli 2011 ermordete ein rechtsradikaler Fanatiker auf der kleinen vor Oslo gelagerten Insel Utøya 69 Jugendliche, die im Rahmen eines Jugendcamps auf der Insel zusammengekommen waren, um über Politik zu diskutieren und ein schönes und friedliches Wochenende miteinander zu verbringen. Der Anschlag dauerte 72 Minuten. 72 Minuten, in denen die Jugendlichen auf der Insel nicht wussten, woher die Bedrohung kam und ob sie sie überleben würden. Der Filmemacher Erik Poppe erzählt die Geschichte des Attentats aus Sicht der Opfer und wählt die (fiktive) Perspektive Kajas, eines jungen Mädchens, das stellvertretend für viele der jungen Menschen steht, die damals auf der Insel waren. Von Anfang an ist die Kamera bei ihr und folgt ihr in einer einzigen Einstellung. So ist der Zuschauer immer bei ihr, gemeinsam mit ihr gefangen in der Ungewissheit, auf der Suche nach ihrer Schwester und auf der Flucht vor einer Bedrohung, die Poppe nur als Umriss im Hintergrund andeutet. Der Film blendet die Perspektive des Attentäters aus, und doch ist er ständig präsent, auch durch die Tonebene, ein Klangteppich aus Schüssen, die aus allen Richtungen gleichzeitig zu kommen scheinen und dadurch die Desorientierung Kajas noch verstärken. Andrea Berntzen spielt Kaja mit einer solch eindringlichen Offenheit, die keine Distanz zulässt. Ein Blick in ihr Gesicht zeigt ihre Todesangst und doch auch den trotzigen Überlebenswillen, der sie nicht aufgeben lässt. Mit UTØYA 22. Juli ist Erik Poppe ein Film gelungen, der nicht nur eine Geschichte voller Spannung erzählt. Es ist ihm gelungen, etwas greifbar zu machen, was man nicht begreifen kann. Aus Sicht der Opfer und der Überlebenden. Weil ihre Geschichte erzählt werden muss, um nicht vergessen zu werden. Und somit ist UTØYA 22. JULI als Aufarbeitung eines schockierenden Ereignisses, das so viele Leben für immer veränderte, ein wichtiger Film.

    Jurybegründung:

    Angesichts eines so schrecklichen Geschehens wie des Anschlags auf der norwegischen Insel Utoya am 22. Juli 2011 muss man die Frage, ob darüber ein Spielfilm gemacht werden "darf", mit einem klaren Ja beantworten. Denn die Kunst kann es auch erreichen, dass den Menschen ein anderer, tieferer Blick auf solche Geschehen, die Teil des kollektiven Bewusstseins geworden sind, ermöglicht wird. Aber der Künstler hat natürlich eine besondere Verantwortung, wenn er sich dieser Herausforderung stellt. Wie solch eine Aufgabe sowohl ästhetisch wie auch menschlich angemessen gelöst werden kann, haben etwa Pablo Picasso mit dem Gemälde "Guernica" und Claude Lanzmann mit seiner Dokumentation SHOAH gezeigt. Erik Poppe war sich der Fallen, die sich für ihn bei dem Projekt stellten, offensichtlich bewusst und er hat einen künstlerisch überzeugenden Weg gefunden, sie zu vermeiden. Zum einen besteht die Gefahr, dass der Film dem Genre Thriller zugeordnet wird und entsprechend als Unterhaltung konsumierbar ist. Zum anderen könnte der Film auf eine perfide Weise im Sinne des Attentäters wirken, denn ein entscheidender Teil der Strategie eines terroristischen Anschlags besteht darin, dass er in der Öffentlichkeit als eine Schreckenstat, mit der der Täter seine Ideologie durchsetzen will, wahrgenommen wird. Poppe hat einerseits konsequent vermieden, den Konventionen des Genres zu folgen. So zeigt er eben nicht, wie Menschen erschossen werden und er folgt keiner gängigen Dramaturgie mit Spannungsbögen und der Art, wie Täter, Helden und Opfer in fiktiven Filmen in der Regel repräsentiert werden. Und Poppe verzichtet ebenso konsequent darauf, vom Täter zu erzählen. Dessen Name fällt im ganzen Film nicht - auch nicht in den abschließenden Textzeilen, die für eine Einordnung des Gesehenen unerlässlich und kein Stilbruch sind, da sie am Schluss des Films aus diesem herausführen. Von diesem Ende und der Collage von Medienbildern des ersten Anschlags in Oslo am Anfang des Films abgesehen, wird in einer einzigen Einstellung von den 72 Minuten erzählt, die der Anschlag gedauert hat. Und zwar aus der Perspektive einer der Schüler*innen, die in dem Ferienlager auf der Insel das Attentat miterlebt. Poppe zwingt die Zuschauer geradezu, das Geschehen aus ihrem Blickwinkel mitzuerleben. Sie können so unmittelbar und sehr authentisch nachempfinden, was die Protagonisten Kaja sieht, weiß, tut und vor allem empfindet, denn der Schock, die Angst und das Entsetzen werden nicht durch die in fiktiven Filmen sonst üblichen Distanzierungsangebote wie Stilisierung, Typisierung, Perspektivwechsel oder auch die Montage gefiltert. Sowohl ästhetisch wie auch inhaltlich erzählt Poppe radikal im Sinne der Opfer. Und dass zu denen auch die Überlebenden (auf deren Aussagen das Drehbuch basiert) gehören, macht er mit einer oft schwer zu ertragenden Intensität deutlich, wenn er zeigt, wie traumatisch diese 72 Minuten für die Beteiligten waren.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Rekonstruktion des Massakers, das ausschließlich aus der Sicht der Opfer geschildert ist.

    Manchmal muss Kino eben auch wehtun, unangenehm sein und unerbittlich, es muss einen an Orte mitnehmen, die man im Leben nicht besuchen will. Ein solcher Film ist „Utøya 22. Juli“. Und auch wenn ich ungern den Begriff „wichtig“ für einen Spielfilm verwende – was bedeutet das schon? -, halte ich es für angemessen, ihn hier anzubringen. Denn Poppe gelingt etwas Wichtiges mit seiner Rekonstruktion des Terroranschlags vom 22. Juli 2011, bei dem insgesamt 77 Menschen, 69 davon vornehmlich Kinder und Jugendliche auf der Insel Utøya, ums Leben kamen: Er entreißt die Tragödie der Inszenierung des Täters. Im Film bleibt er ungenannt und wird auch nur zweimal kurz und aus der Entfernung gezeigt – auch hier soll sein Name unerwähnt bleiben. Weil es darum geht, den Fokus auf die Opfer zu richten.

    Nach einer kurzen Einführung mit Archivbildern der Explosion eines Sprengsatzes in der Innenstadt Oslos, die so aussehen sollte, als handele es sich um einen Anschlag islamistischer Terroristen, um die Polizei des kleinen Landes Norwegen in die Hauptstadt zu locken, schwenkt die Handlung in das Ferienlager: In den nächsten 85 Minuten wird der Film ohne erkennbaren Schnitt in einer einzigen langen Einstellung bei den Schülern bleiben. Obwohl die Hauptfigur Kaja und ihre Tortur fiktiv sind, beruft sich Erik Poppe auf genaue Beschreibungen Überlebender , um den Zuschauer so hautnah, wie es im Kino möglich ist, miterleben zu lassen, wie es sich wohl angefühlt haben muss an diesem Tag, während des 72 Minuten währenden Angriffs des Einzeltäters dabei gewesen zu sein, die endlosen Schüsse gehört zu haben und ums Leben gelaufen zu sein.

    „Utøya 22. Juli“ ist kein voyeuristisches Spektakel. Man sieht nicht, wie Menschen von Schüssen durchsiebt werden. Man erlebt nur Chaos und Todesangst und Verzweiflung mit, während man der 15-jährigen Kaja dabei folgt, wie sie versucht, inmitten des Terrors ihre jüngere Schwester zu finden. Oft genug verharrt der Film mit seiner Hauptfigur in Verstecken, dass einem Zeit bleibt, ein Verhältnis zu finden, wie man sich fühlt, dass man diesen Film ansieht, ob es in Ordnung ist, ein derartiges Ereignis nachzustellen. In diesem Sinne ist „Utoya 22. Juli“ näher dran an „Son of Saul“ als an dem formal vergleichbaren „Victoria“. Es ist auch nicht wichtig, ob dieser Film sein Publikum findet, zumindest außerhalb von Norwegen ist wohl ziemlich egal. Es ist wichtig, dass er gemacht wurde. Dass man über ihn spricht. Und dass man die Opfer nicht vergisst. ts.

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