Für Links auf dieser Seite erhält kino.de ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder blauer Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.
  1. Kino.de
  2. Filme
  3. Café Society
  4. News
  5. „Café Society“ – die Kritik

„Café Society“ – die Kritik

Alexander Jodl |

Café Society Poster

Bildstark und elegant: Woody Allen schickt Jesse Eisenberg als junges Alter Ego auf Glücksuche ins Hollywood der 30er Jahre.

Wenn Woody Allen auf dem Regiestuhl Platz nimmt, weil eine neue Geschichte erzählt werden muss, wird es immer hintergründig heiter, manchmal etwas verstiegen – und nie banal. Dazu eignen sich weder die von ihm aufgegriffenen Themen, noch seine Art, sie zu erzählen. Sehnsucht, Hoffnung, Hilflosigkeit – und Entscheidungen, die letzten Endes meist genau davon wegführen.

Daran hat sich auch mit seinen mittlerweile 80 Jahren nichts geändert. Denn in diesem Alter hat er jetzt sein neues Werk „Café Society“ auf die Leinwand gezaubert. Auf eine Art also sicher ein Alterswerk – aber keines, dem man Altersmilde oder gar Altersmüdigkeit nachsagen könnte. Dafür aber eine optische Eleganz, die ohne solche kreative Reife kaum möglich wäre. Natürlich mit ein Verdienst seines immerhin auch schon 76-jährigen Kameramannes Vittorio Storaro, dessen exquisite Bilder durch Wärme, Tiefe und fast magische Atmosphäre begeistern.

Die Glückssuche von Woody Allens Helden Bobby – eine von Jesse Eisenberg gespielte junge Version seiner selbst – beginnt noch dazu im Hollywood der 30er Jahre. Ausgerechnet. Wo doch jeder weiß, dass hier – außerhalb der Studios, wo sie geschaffen werden – Träume bestenfalls zerbrechen können. Als junger Neurotiker auf der Flucht vor seiner dysfunktionalen (natürlich jüdischen) Familie landet er zunächst bei seinem Onkel und danach in den emotionalen Schlingen von dessen Geliebter Vonnie. Diesen Männertraum von einer Sekretärin spielt Kristen Stewart so charmant, dass es fast schon zwangsläufig ist, dass Bobby sein Herz an sie verliert. Und amouröse Dreieckssituationen liebt Woody Allen ja schon immer. So sehr, dass er sie in der zweiten Hälfte von „Café Society“ sogar zum Quartett ausbaut…

Der Rest ist Woody Allen im Retro-Style: kuriose Szene, zugespitzte Dialoge – Neurosen-Zucht mit Stil und der Virtuosität eines alten Meisters. Wenn man dem Werk unbedingt etwas Negatives unterstellen möchte, dann höchstens das Fehlen von dramaturgischen Überraschungen – und einen gewissen Mangel an Biss, den der Filemacher ja durchaus auch an den Tag legen kann.

Insgesamt fühlt sich sein neues Werk daher etwas an wie Woody Allen in der Lightversion: Zuschauen, Entspannen, Wohlfühlen – und dabei ein erkleckliches Trüppchen bekannter Stars in stimmiger Vorstellung beobachten, bei der sich vor allem Steve Carell als sein Medien-Macho Onkel Phil nachhaltig ins Gedächtnis spielt.

William Shakespeare schrieb einst: „Das Leben ist ein Märchen, erzählt von einem Narren“. Jesse Eisenberg als Woody Allens Alter Ego Bobby wandelt das ab in; „Das Leben ist eine Komödie, geschrieben von einem sadistischen Humoristen“. Verfilmt von einem begnadeten Regisseur wie Allen, wird diese Komödie dann zu 96 Minuten bester Unterhaltung mit Stil, Witz und Eleganz. Was Shakespeare ganz sicher auch gutgeheißen hätte.

 Der Trailer zu „Café Society“

 

 

 

 

 

Hat dir dieser Artikel gefallen? Diskutiere mit uns über aktuelle Kinostarts, deine Lieblingsserien und Filme, auf die du sehnlichst wartest – auf Instagram und Facebook.

News und Stories

  • Lustige Filme 2016 – die besten Komödien des Jahres

    Lustige Filme 2016 – die besten Komödien des Jahres

    Helena Ceredov03.11.2017

    Schenkelklopfer, bei denen wir Tränen lachten, Indie-Komödien, die mit kreativem Humor überraschten, Feel-Good-Movies, die uns richtig abschalten ließen – und ein neues Subgenre, welches das Jahr 2016 kennzeichnete: Die Integrations-Komödie. Das waren die witzigsten Filme 2016.

  • „Café Society“ – die Kritik

    „Café Society“ – die Kritik

    Alexander Jodl09.11.2016

    Bildstark und elegant: Woody Allen schickt Jesse Eisenberg als junges Alter Ego auf Glücksuche ins Hollywood der 30er Jahre.