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Unterm Birnbaum

  

Filmhandlung und Hintergrund

Das Drama mit Julia Koschitz und Fritz Karl ist eine gelungene Adaption der gleichnamigen Fontane-Novelle als moderner Krimi. Die Vermutung, dass der vor 200 Jahren zur Welt gekommene Theodor Fontane heute zumindest auch Kriminalromane schreiben würde, ist nicht so abwegig, wie sie angesichts von Dramen wie „Effi Briest“ oder „Irrungen, Wirrungen“ zunächst scheint. Seine Novelle „Unterm Birnbaum“ ist purer Krimistoff...

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Kritikerrezensionen

  • Das Drama mit Julia Koschitz und Fritz Karl ist eine gelungene Adaption der gleichnamigen Fontane-Novelle als moderner Krimi.

    Die Vermutung, dass der vor 200 Jahren zur Welt gekommene Theodor Fontane heute zumindest auch Kriminalromane schreiben würde, ist nicht so abwegig, wie sie angesichts von Dramen wie „Effi Briest“ oder „Irrungen, Wirrungen“ zunächst scheint. Seine Novelle „Unterm Birnbaum“ ist purer Krimistoff: Ein Mann entledigt sich seiner Spielschulden, indem er seinen Gläubiger ermordet. Mittels eines raffinierten Plans gelingt es ihm zunächst, jeden Verdacht überzeugend von sich zu weisen, aber den Fluch der bösen Tat wird er nicht mehr los. Dank des universellen Themenkomplexes Schuld und Sühne ist die Geschichte schon mehrmals verfilmt worden; die bekannteste Adaption ist ein Defa-Film aus dem Jahr 1973. Angesichts der Reibungslosigkeit, mit der Léonie-Claire Breinersdorfer die Geschichte in die Gegenwart übertragen hat, ist es allerdings erstaunlich, dass nicht schon längst jemand auf diese Idee gekommen ist. Sie hat einige moderate, aber sehr schlüssige Änderungen vorgenommen, und die Geschichte geschickt um einige Details bereinigt, die heute nicht mehr zeitgemäß wären.

    Dem Kern der Vorlage ist die Autorin jedoch treu geblieben: Abel Hradschek (Fritz Karl) führt irgendwo in einem verlassenen brandenburgischen Nest einen Landgasthof, der seine beste Zeit schon lange hinter sich hat. Damit könnte sich der Gastwirt vermutlich sogar arrangieren, wenn die aus Berlin stammende Gattin Ursel (Julia Koschitz) nicht so sehr über ihre Verhältnisse leben würde. Der Betrieb ist pleite, eine überfällige Renovierung hat das Haus zur Dauerbaustelle werden lassen, und Ursel bestellt immer wieder neue teure Kleidungsstücke im Internet; es muss dringend ein Wunder geschehen, zumal die Gattin als Kontoführerin der evangelischen Pfarrgemeinde regelmäßig Geld unterschlagen hat. Ihr Mann ist auch nicht besser: Der Gastwirt veranstaltet regelmäßig Pokerabende, zu denen sich die Honoratioren des Dorfes (Peter Prager, Stephan Grossmann, Hilmar Eichhorn) gern einfinden. Weil ihm das Glück auch im Spiel nicht hold ist, schuldet er dem Geldverleiher Schulze (Peter Schneider) eine stattliche Summe. Die rettende Idee kommt Hradschek, als er zufällig unterm Birnbaum das Skelett eines Rotarmisten aus dem Zweiten Weltkrieg findet: Den nächsten Besuch im Gasthof wird Schulze nicht überleben.

    Die Rolle des Skeletts im perfiden Plan des Mörders zeugt von großer Heimtücke, zumal Hradschek die notorische Neugier seiner alten Nachbarin (Katharina Thalbach) ebenso in seine Überlegungen miteinbezogen hat wie den Dorfpolizisten: Geelhaar (Devid Striesow) glaubt nicht eine Sekunde lang daran, dass der Geldverleiher infolge eines Unfalls mit seinem Auto in der Oder gelandet ist, zumal die Leiche unauffindbar bleibt. Mit Hradschek hat er ohnehin noch eine Rechnung offen, denn er hat Hausverbot im Gasthof, seit er Ursel „nachgestiegen“ ist. Dank Hradscheks Raffinesse blamiert sich der Polizist jedoch bis auf die Knochen, als er seinen Verdacht öffentlich äußert. Nicht einkalkuliert hat der Gastwirt allerdings Gewissensbisse: Die Schuld ihrer Mittäterschaft raubt Ursel auch noch den letzten Rest Lebensfreude.

    Uli Edel („Der Baader Meinhof Komplex„, „Das Adlon“) trifft den Geist der 1885 erschienenen Novelle ebenso perfekt wie die Autorin. Der Film ist daher eher Drama als Krimi, selbst wenn einige Szenen für ein bisschen Nervenkitzel sorgen. Die Bildgestaltung von Hannes Hubach, der für Edel zuletzt schon bei „Der Club der singenden Metzger“ für schmerzlich-schöne Bilder gesorgt hat, ist erlesen wie stets, und Sebastian Fillenberg hat eine Musik geschrieben, die an große Psycho-Klassiker erinnert. Trotzdem lebt „Unterm Birnbaum“ in erster Linie von seiner im Grunde einfachen Geschichte, die letztlich das Psychogramm einer Ehe ist. tpg.

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