Unkenrufe - Zeit der Versöhnung

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   2005
Unkenrufe - Zeit der Versöhnung Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Unkenrufe - Zeit der Versöhnung: Heiter-melancholische Liebesgeschichte zwischen einem Deutschen und einer Polin nach Günter Grass.

Im Jahre 1989 trifft der Kunsthistoriker Alexander Reschke aus Bochum (Matthias Habich) auf dem Markt der ehemals deutschen und nunmehr polnischen Hafenstadt Danzig auf die polnische Restauratorin Aleksandra Piatowska (Krystyna Janda). Nach anfänglichem Streit kommt man sich näher, entdeckt Gemeinsamkeiten, schmiedet Pläne. Warum nicht einen Friedhof für Deutsche in Danzig schaffen? Weil aber im Bestattungstourismus kommerzielles Potential schlummert, treten bald Personen auf den Plan, mit denen das idealistische Paar nicht gerechnet hat.

Vom Fall des ehernen Vorhangs, einer versöhnlichen Love Story und natürlich dem Amoklauf des Kapitalismus sang 1992 der in Danzig geborene Literaturnobelpreisträger Günter Grass ein schaurig Lied. Der polnische Regisseur Robert Glinski schuf nun einen Film daraus.

Alexander Reschke aus Bochum trifft 1989 bei einem Besuch in Danzig, der Stadt seiner Kindheit, auf dem Markt Aleksandra Piatowska. Auch sie musste in früher Jugend den Ort verlassen, an dem sie geboren wurde – das litauische Wilna. Die beiden nähern sich einander an und entwickeln eine grandiose Idee. Warum nicht eine Stiftung gründen, die einen Friedhof für Deutsche in Danzig und Polen in Wilna möglich macht?

Der verwitwete Alexander und die seit dem Tod des Mannes ebenfalls alleinstehende Aleksandra lernen sich auf dem Markt in Danzig kennen, wo der Kunsthistoriker seine Kindheit verbrachte. Auch die Restauratorin musste früh ihre eigentliche Heimat Wilna verlassen und so kommen die beiden auf die Idee, in Danzig einen völkerversöhnenden deutsch-polnischen Friedhof zu eröffnen. Das Ganze wird ein voller Erfolg, doch Geldgier treibt bald schon einen Keil zwischen die beiden Idealisten und ihr Symbolprojekt.

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Kritikerrezensionen

  • Vom Regisseur selbst als „unkende Liebestragikomödie“ bezeichnet, hat sich „Unkenrufe“ eines aktuellen und brisanten Themas angenommen. Deutsch-polnische und polnisch-deutsche Aussöhnung nach Krieg und Vertreibungen. Ein Heilungsprozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist. So ernst das klingt, verhindert der sanfte und ironische, zuweilen schwarze Humor des Films, dass es wirklich wehtut, wenn der Finger in der alten Wunde liegt.

    „Unkenrufe“ erzählt dabei nicht nur vom Zusammenbruch des Kommunismus und vom Siegeszug des Kapitalismus, sondern auch von einer Liebe, die über den Nationalitäten und den Konflikten der Geschichte steht und die auf diese Weise zumindest für kurze Zeit Hoffnung macht, dass eine gemeinsame Zukunft doch möglich ist.

    Krystyna Janda und Matthias Habich spielen dabei herzerfrischend natürlich die Rollen des Liebespaares, das sich zwischen Eros und Thanatos findet. Dabei stolpern sie auf amüsante Weise immer wieder über Vorurteile des ‚typisch deutschen’ und des ‚typisch polnischen’. Beide sind mit Kindheitserinnerungen ausgestattet, die sie empfänglich machen für den Wunsch, ihrem Heimatgefühl nachzugeben. Im Endeffekt müssen sie jedoch lernen, dass auch dieser Wunsch relativiert werden kann.

    Denn das berechtigte Gefühl auf Heimat und die humane Idee des „Versöhnungsfriedhofs“ kann von falschem Nationalstolz und der Respektlosigkeit kapitalistischer Marktgesetze schnell verschlungen werden. Die Wendungen der Geschichte werden im Film kommentiert von einer quakenden Unke, die wie eine mahnende Kassandra Unheil verkündet, und der weisen und heiteren alten Erna Brakup, die als „echte Danzijerin“ zwischen den Stühlen ihren Platz findet. Sie leitet und kommentiert die Handlung wie eine Moderatorin.

    Insgesamt ist aus „Unkenrufe“, der auf einer Erzählung von Nobelpreisträger Günther Grass basiert, ein ziemlich heiterer Film geworden. Ausgestattet mit guten Darstellern und mit solider Bildsprache umgesetzt, könnte der Film tatsächlich ein kleiner Beitrag in der Völkerverständigung zwischen Polen und Deutschen sein.

    Fazit: Ein amüsanter, gelungener Film über deutsch-polnische / polnisch-deutsche Aussöhnung und kapitalistische Auswüchse.
  • 13 Jahre nach Erscheinen von Günter Grass‘ Erzählung „Unkenrufe“, verfilmt der Pole Robert Glinski in dieser deutsch-polnischen Koproduktion die heiter-melancholische Liebesgeschichte zwischen einem Deutschen und einer Polin, die einen „Versöhnungsfriedhof“ im ehemaligen Danzig gründen und an der ungeahnten Kraft des Kapitalismus scheitern. Kurz nach der Wende siegt die harte deutsche Mark über Idealismus.

    Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass zeigte 1992 in seiner Novelle mit gepflegter Selbstironie die feinen Risse unter der Haut von Menschen, die ihre Heimat und ihre Wurzeln verloren haben. Der Kunsthistoriker Alexander Reschke aus Bochum trifft 1989 bei einem Besuch in Danzig, der Stadt seiner Kindheit, zufällig auf dem Markt die polnische Restauratorin Aleksandra Piatowska. Auch sie musste in früher Jugend den Ort verlassen, an dem sie geboren wurde – das litauische Wilna. Nach Zoff kommt Zärtlichkeit, die beiden (beste Chemie zwischen Krystyna Janda und Matthias Habich) nähern sich einander an und entwickeln eine grandiose Idee. Warum nicht eine Stiftung gründen, die einen Friedhof für Deutsche in Danzig und Polen in Wilna möglich macht? Die Mitkämpfer sind bald überzeugt, leider alles andere als Idealisten – vom deutschen Business-Mann über eine Vertriebenen-Vertreterin und einen merkantil kalkulierenden Priester bis zu polnischen Honoratioren mit DM-Zeichen in den Augen ist alles vertreten, da kann auch die bodenständige Marktfrau aus der Gegend kein Gegengewicht im Stiftungs-Vorstand bilden. Nach den ersten Bestattungen geht das Gefeilsche los, bald boomt das Geschäft mit Toten und deutschstämmigen Alten, die in frisch gebauten Seniorenheimen dem Sterben entgegentanzen und – singen, zum letzten Mal den Golfschläger schwingen. Angewidert ziehen sich Alexander und Aleksandra zurück, retten ihre Liebe, die in einer Kurve beim Italienbesuch tragisch endet. Sehr gut vermittelt diese Literaturverfilmung das perfektionierte Chaos, in dem die Menschen vergeblich versuchen, eine Linie zu finden.

    Wie in der Vorlage spielt Glinski die Wirklichkeit gegen den Wahnsinn aus, wobei der Wahnsinn eigentlich die Wirklichkeit ist. Wenn die Geldgier jegliche Pietätsschranken durchbricht, nur noch materielle Werte zählen und plötzlich mitten in Polen Nostalgiker-Gruppen deutsches Liedgut schmettern, das trägt schon absurde Züge. Durch kurze und immer wiederkehrende Rückblenden in die Vergangenheit der Protagonisten, wird der Bogen zur Gegenwart gezogen, das Heute und Gestern miteinander verknüpft. Schmunzeln macht die Konterkarierung der üblichen Vorurteile (Arrogante Deutsche kaufen alles, Polen klauen alles). „Unkenrufe“ ist keine Mainstream-Ware zum schnellen Konsum, sondern verlangt Zuhören und Zusehen. Das sollte einem erwachsenen Publikum bei dieser Mischung aus Geschichts-Rekurs, bissiger Satire und bewegender Love-Story nicht schwerfallen. mk.

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