Underdogs Poster

Fakten und Hintergründe zum Film "Underdogs - Harte Jungs habens echt nicht leicht"

Kino.de Redaktion  

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Produktionsnotizen

Häftlinge und Hunde – dass die Erziehung der treuen Tiere positive Auswirkungen auf Menschen hat, wurde in us-amerikanischen Programmen wie dem in New York ansässigen Projekt „Puppies behind bars“ (Welpen hinter Gittern) zur knastinternen Blindenhundausbildung bewiesen. „Underdogs“-Regisseur und Hundehalter Drevs hat 2001 einen Dokumentarfilm über dieses Projekt gedreht, bei dem Schwerverbrecher ihre Emotionalität und die Hunde ihren Spaß am (räumlich recht eingegrenzten) Apportieren entdecken. Vom Thema seitdem fasziniert, arbeitete Drevs seine Erfahrungen ein paar Jahre später zu einem Drehbuch für einen Spielfilm um, in dem ein unzugänglicher Häftling von seiner Zuneigung zum Tier überrascht wird.

Der schweigsame Einzelgänger Mosk sträubt sich anfangs gegen seine Rolle als verantwortungsvolles Herrchen, lehnt jeden Körperkontakt mit der tapsigen Welpe ab, und will sich auf gar keinen Fall von treuen Hundeaugen einwickeln lassen – das Image des gefährlichen Gangsters passt nun mal nicht zum Streichelzoo. Doch in Drevs’ Film geht es nicht nur um Hündchen, Knochen und Gehorsam. Denn vor allem die Beschäftigung mit wiedergefundenen – oder neu entwickelten – Gefühlen birgt Probleme für Menschen, die hinter schwedischen Gardinen sitzen: Wie sollen sie sie ausleben, wenn sie am Ende des Tages doch alleine bleiben? Und weder mit dem Hund noch mit dem Frauchen schmusen können?

Ein „harter“ und ein „kleiner Hund“ erleben in „Underdogs“ eine wechselhafte Beziehung, die dem Menschen einige neue Erkenntnisse über sich und seine Gefühlswelt beschert. Und so manchen nassen Fleck auf dem Zellenboden.

Interview mit Regisseur Jan-Hinrik Drevs

Erzählen Sie bitte, wie der Film zustanden gekommen ist!

Ich habe im Jahr 2000 einen von drei Filmen der Reihe „Dogsworld“ für die ARD gedreht. Darin ging es um die besonderen Eigenschaften von Hunden. Wir haben herausragende Leistungen gefilmt: Hunde, die Epilepsieanfälle voraussagen, oder Hunde, die Krebsgeschwüre riechen können. Und dabei trafen wir auch auf dieses spezielle Programm, bei dem Insassen in einem New Yorker Gefängnis Blindenführhunde ausbilden. Als ich dieses Gefängnis betrat, dachte ich zuerst: Oh Gott, wie kann man in einer solchen Hochsicherheitswelt Hunde halten? Dann kamen wir in einen weiter hinten liegenden Abschnitt des Gebäudes, in dem die Insassen untergebracht waren, die Hunde hatten. Und dort herrschte eine vollkommen andere Atmosphäre als im restlichen Knast! Das war schon sehr beeindruckend. Nach der ersten Begeisterung für das Programm, als wir ein paar Tage dort gedreht hatten, merkte man, dass noch viel mehr dahinter steckte: Diese Leute bauen eine sehr enge Beziehung zu den Tieren auf, teilweise mehr als sie es wollen. Und dann müssen sie das Tier abgeben, wenn es ausgebildet ist. Als ich mit den Insassen sprach, merkte ich, dass deswegen sehr große emotionale Konflikte entstehen können. Das hat mich so sehr bewegt, dass ich unbedingt etwas Längeres darüber machen wollte – einen Spielfilm. Mit dieser Idee ging ich zu Wüste Film, und sie konnten sich das auch vorstellen!

Sind Sie selbst Hundebesitzer?

Ja, wir haben zwei Hunde. Holle, das ist die Hündin die mir damals quasi den Job verschafft hat, „Dogsworld“ zu drehen, weil sie mir die Hundewelt sozusagen erst eröffnet hat. Und während des Drehs von UNDERDOGS haben wir uns noch einen zweiten Hund angeschafft – Klaus, einen der Filmhunde. Wobei man eher sagen sollte, er hat sich uns angeschafft.

Muss man denn nicht auch Angst haben, dass die Häftlinge den Hunden etwas antun, wenn sie früher gewalttätig waren?

Generell herrscht im Knast natürlich eine große Härte und eine latente Gewaltbereitschaft. Das stimmt. Gefühle sind eigentlich tabu. Das sagt dir da jeder. Wenn du Gefühle zeigst, zeigst du Schwäche. Dementsprechend ist das Motto der Häftlinge: Halt` dich hart und lass dich nicht knacken. Wenn jetzt aber einem so ein Hund auf dem Schoß sitzt, der einfach eine große Liebe hat, und dem es völlig egal ist, was man früher gemacht hat, jemanden getötet oder Einbrüche getätigt, dann kann man gar nicht anders, als eine Beziehung aufzubauen. Und das ist manchmal viel mehr als die Gefangenen erwarten… Ich habe in all den Recherchen und Gesprächen, die wir dort geführt haben, nie gehört, dass es in den Ausbildungsprogrammen Gewalt gegenüber den Hunden gegeben hätte. Nirgendwo. Weil… das einfach ein sehr unerwarteter Freund ist. Außerdem werden die Gefangenen für die Programme auch sehr genau ausgewählt – danach, wie sie sich verhalten haben, was sie gemacht haben. Sie müssen auch mindestens noch zwei Jahre sitzen, damit sie überhaupt eine Beziehung aufbauen können zu dem Hund…sie werden also streng überprüft. Und wenn so etwas auch nur ansatzweise passieren würde, fliegen sie sofort aus dem Programm.

Was haben Sie über Hunde gelernt bei dem Dreh?

Das eine, was ich über Hunde gelernt habe, ist, dass Hunde sozusagen „Routinejunkies“ sind. Dieses Projekt ist deshalb so erfolgreich, weil es nirgendwo sonst auf der Welt eine größere Alltagsroutine gibt, als im Knast. 5 Uhr aufstehen, 6 Uhr Training, 11 Uhr Mittagessen, 13 Uhr Training und so weiter. Und Hunde lieben nichts mehr als Regelmäßigkeit. Darauf können sie sich einstellen, da können sie gut lernen… und sie haben hier eine hundertprozentige Bezugsperson – ebenso wie nachher als Blindenhund – das ist eine wunderbare Voraussetzung. Aber es gibt noch so viel über Hunde zu lernen. Das Spannendste für mich war: Wie kann ein Tier einen Menschen verändern, ihn erst zum Menschen werden lassen? Darum geht es ja in unserem Film.

So wie bei Mosk, der ja durch den Hund den Weg zu seinen Gefühlen findet…

Genau. Die Figur des Mosk war inspiriert durch jemanden, den ich in den USA bei diesem Programm kennen gelernt hatte und vor dem ich erstmal Riesenrespekt hatte: Er ist ein Riesenkerl mit breiten Schultern, tätowierten Unterarmen – das Klischee eines Schwerverbrechers. Aber als ich mit ihm unterhielt, merkte ich, dass er ein butterweicher Kerl war, der – mittlerweile – zu seinen Gefühlen steht. Er hat erzählt, dass das anfangs nicht so war, dass sich das geändert hat durch den Hund. Und diese Geschichte erzählen wir auch bei Mosk. In einem Film muss es immer eine Entwicklung geben, das versuchen wir darzustellen. Aber nicht so, dass aus dem Teufelchen ein Engelchen wird, sondern dass es innerhalb seiner Persönlichkeit eine Entwicklung gibt… dass er sich emotional öffnet, erst dem Tier und dann ansatzweise auch Menschen gegenüber. Man kann sich vorstellen, dass sich durch den Hund sein Leben verändert.

Wie würden Sie die Beziehung zwischen Mosk und der Direktorin Gloria beschreiben?

Die Geschichte zwischen den beiden steht immer an der Schwelle zu einer Liebesgeschichte. Er ist ihre Herausforderung, und sie seine. Da man mit den Hunden nur bedingt reden kann, braucht man eine Figur, mit der er konfrontiert wird, von der er gespiegelt wird. Und das ist die Direktorin. Sie etabliert das Programm, sie ist für ihn der Kontakt zur Außenwelt. Aber die wahre Liebesgeschichte ist eben zwischen Mosk und Grappa, seiner Hündin. Daneben hat keine andere Beziehung wirklich Platz. Das ist wie bei King Kong. Mensch und Tier lieben sich. Nur dass unser Tier etwas freundlicher ist…

Bei guten Filmen möchte man ja immer wissen, was mit den Figuren passiert, wenn der Film zu Ende ist…

Vielleicht erfahren wir das in UNDERDOGS II? Nein, Mosk wird seine Strafe absitzen, das wird noch ein paar Jahre dauern, und er wird durch das Programm neues Selbstbewusstsein bekommen.

Haben sich alle Schauspieler mit den Hunden gut verstanden?

Ja, bevor der Dreh losging hatten wir gemeinsame Trainingseinheiten mit Hunden und Schauspielern. Denn mir war es sehr wichtig, dass die Hunde nicht permanent zum Hundetrainer schauen! Der Anspruch war, dass Schauspieler und Hunde sich aneinandergewöhnen, sich kennen lernen und auch gemeinsam lernen, was sie für die Geschichte können müssen. Dafür mussten wir uns teilweise ein bisschen anstrengen. Wir hatten aber einen tollen Hundetrainer und das hat alles prima geklappt.

Sagen Sie bitte etwas zum Casting – auch die kleineren Nebenrollen wie Kiriakov mit dem russischen Dramaturgen, Schauspieler und Regisseur Wladimir Tarasjanz sind ja hervorragend besetzt.

Kida Ramadan, Torsten Merten, Ingo Naujoks und, und, und. Wir sind sehr glücklich und stolz auf unseren Cast. Das Ensemble ist großartig. Aber die größte Herausforderung war natürlich die Hauptfigur, nach der haben wir sehr lange gesucht. Wir hatten das Glück, dass wir großartige Schauspieler casten konnten, denn das Drehbuch kam extrem gut an. Wir mussten aber jemanden finden, der sowohl von der Figur, als auch vom Alter und seinen spielerischen Fähigkeit da hinein passt. Thomas Sarbacher ist nicht nur ein fantastischer Schauspieler, sondern er brachte auch noch die ganze Körperlichkeit mit. Er war gewillt, eine Menge Krafttraining auf sich zu nehmen, was er jetzt immer noch merkt – an einigen Verletzungen, die er sich dabei geholt hat… Er zeigte sehr großes Engagement und passte einfach wie die Faust auf´s Auge in diese Rolle.

Sie haben in einer echten JVA gedreht…

Wir haben in der JVA Bützow gedreht, nach langem Suchen war das die beste Anstalt für unsere Zwecke. Denn das ist nicht nur ein typisches und visuell sehr spannendes Gefängnis, es hat auch eine engagierte Direktorin, die den Mut hatte, uns da rein zu lassen. Wir haben knapp 20 Tage im geschlossenen Vollzug gedreht! Meiner Kenntnis nach so viel, wie kein anderes deutsches Filmteam vor uns. Das bedeutet: Morgens reinschließen, mittags rausschließen, nachmittags wieder reinschließen, abends rausschließen lassen – das hätten sich nicht viele Gefängnisdirektoren zugetraut, weil es auch ein großes Risiko ist. Uns war dieses Risiko bewusst, und wir haben uns bemüht, die Häftlinge so viel in die Dreharbeiten mit einzubeziehen, wie es nur irgendwie ging. Zum einen haben wir sie als Statisten gebucht: In allen Massenszenen, immer wenn außer unseren sechs Darstellern Gefangene zu sehen sind, sind das echte JVA-Bützow-Insassen. Diese haben ein Casting durchlaufen und dann mit großer Euphorie mitgemacht! Obwohl wir ihnen nicht soviel bezahlen durften, denn die Gefängnisgesetze besagen, dass die Gefangenen mit gefängnisinterner Arbeit nur eine bestimmte Summe einnehmen dürfen, weniger, als wir normalerweise unseren Statisten gezahlt hätten. Also gab es noch Naturalien obendrauf – nach dem Dreh bekam jeder Statist immer Tabak und ein Paket Kaffee… Darum waren wir wohl auch relativ gut gelitten in dem Knast… nach der letzten Szene standen sie dann an den Fenstern und haben geklatscht…wir haben zurückgeklatscht. Das war alles sehr positiv, sie haben fantastisch mitgearbeitet. Und zum anderen haben sie auch Kulissen gebaut, eine ganze Zelle, die wir dann nutzten, um im Studio zu drehen. Wer baut schon bessere Zellen, als Knackis selbst?

Sie haben auch selbst als Schauspieler gearbeitet – hilft das beim Inszenieren?

Ich halte es für extrem wichtig, dass Regisseure auch die andere Seite der Kamera kennen lernen, in irgendeiner Form, und wenn es nur als Statist ist – ich mache das immer wieder in kleinen Rollen, einfach auch, um mich daran zu erinnern, was es für die Schauspieler bedeutet, stundenlang zu warten, um dann plötzlich voll da sein zu müssen. In absolut jeder Situation das Beste zu geben. Ich finde das wichtig für mich als Regisseur, um zu sehen, was man falsch und richtig machen kann. Es gibt ja viel zu lernen: von den Kollegen, oder durch die immer anderen Situationen am Set. Und außerdem macht’s mir richtig Spaß!

Interview mit dem Hundetrainer Marco Heyse

Kannten Sie das Projekt „Welpen hinter Gittern“ schon vorher?

Ich wusste von Projekten, bei denen Hunde in einem New Yorker Gefängnis ausgebildet werden, allerdings auch nicht mehr.

Wieso eignen sich gerade Hunde dazu, in diesem Umfeld ausgebildet zu werden?

Hunde sind einfacher zu trainiren als andere Tiere, und sind meiner Meinung nach die einzige Tierart, die wirklich sinnvoll als Blinden- oder Behindertenführhund in Frage kommt. Hunde sind da am sozialsten und einfachsten zu handeln. Aber grundsätzlich ist es natürlich nicht besonders gut, hinter Gefängnismauern zu leben.

Aber es macht ihnen weniger aus, weil sie die Routine mögen…

Ich glaube schon, dass man die Hunde dort gut betreuen und ihnen viel Abwechslung bieten kann. Aber es ist schon mit mehr Aufwand verbunden, als wenn man sie einfach über eine Wiese toben lassen kann, wobei es auch in vielen Gefängnissen große Sportplätze gibt… darauf muss eben geachtet werden.

Merkt ein Hund, dass er im Gefängnis ist? Oder entwickelt er sich anders, weil er doch weniger Auslauf hat als ein Hund draußen?

Mit Sicherheit nicht. Weil ein normaler Hund ja oft auch die meiste Zeit seines Lebens das eingezäunte Grundstück erlebt, und für den ist der ein Meter hohe Zaun genau das Gleiche wie eine 3,50 Meter hohe Gefängnismauer mit Stacheldraht und Selbstschussanlage… das ist für einen Hund kein Unterschied. Er wird ja da rausgeführt, um mit der Umwelt zurechtzukommen. Hunde müssen Leute, Autos, Einkaufszentren und so weiter kennenlernen, nichts anderes ist es mit Hunden, die auf dem Dorf aufwachsen: Die sind die meiste Zeit hinter dem heimischen Gartenzaun, und kommen vielleicht einmal die Woche mit, wenn es irgendwohin zum Einkaufen geht.

Welche Hunde eignen sich am besten für die Ausbildung zum Blindenführhund?

Es gibt verschiedene Rassen, die aufgrund ihrer Eigenschaften bevorzugt genommen werden. das sind zum Einen die Labradore, die, finde ich, sehr gut arbeiten, und die sehr viel Spaß dabei haben, darauf kommt es natürlich an – dass die Hunde sich anbieten und jemandem gefallen wollen. Und dann nimmt man gern noch Schäferhunde, Riesenschnautzer und Großpudel. Die häufigste Hunderasse ist aber der Labrador.

Inwiefern merkt denn der Blindenführhund eigentlich, dass der Mensch versehrt ist, mit dem er zu tun hat?

Ich denke mal, der Hund weiß nicht, dass sein Herrchen eine Behinderung hat – dafür fehlt ihm der Intellekt. Der Mensch ist ja immer noch die führende Person und sagt dem Hund, was er machen soll – der Blinde führt den Hund an. Der Hund hilft ja nur, er sagt nicht wo es lang geht. Der Hund hat also immer noch das Gefühl, eine Autorität vor sich zu haben. Er unterscheidet vielleicht: der Nachbar spielt anders mit mir, da darf ich auch mal frei herumlaufen. Er wird merken, dass diese Person eine andere Führung braucht. Aber warum – dass kann er nicht verstehen.

Es geht im Film sehr stark um die Beziehung zwischen Gefangenen und Hunden, und dass die Insassen durch die Tiere zu ihren Gefühlen finden – wie ist es denn von Hundeseite aus, wenn die Bezugsperson wechselt? Wir haben es ja im Film von der Menschenseite aus gesehen…

Das ist in der Tat so ein bisschen der menschliche Egoismus, wenn man sagt, mein Hund fühlt sich nur bei mir wohl – das ist mit Sicherheit nicht so! Es gibt Hunde, bei denen das stimmt, die ein bisschen ängstlich sind, und sich bei anderen nicht so gut fühlen. Doch die Tiere, die man als Blindenhunde ausbildet, das sind offene Tiere, mit vielen Kontakten, die in der Prägephase – das sind die ersten Lebenswochen – schon viele Menschen kennengelernt haben, und aus Züchtungen kommen, die ausgesucht offene und kontaktfreudige Hunde hervorbringen, und diesen Hunden macht das tatsächlich nichts aus. Die freuen sich über jede neue Person, und sollen sich ja auch von anderen Personen leiten lassen – erst vom Trainer, dann von der blinden Person, und wahrscheinlich noch von einer dritten Person, die den Hund nochmal hin und wieder mitnimmt und frei laufen lässt… ich erleben das ja jeden Tag, auch die Hunde im „Underdogs“-Film gehörten mir nicht alle, die sind in einer Familie, gehen dann aber mit mir mit, haben mit mir Spaß, arbeiten dann noch mit dem Schauspieler, haben mit dem auch Spaß, und gehen dann wieder nach Hause.

Also die Geschichten von den Hunden, die ewig traurig am Grab ihres Herrchens heulen…

…die halte ich ganz einfach für Geschichten!

Wie dreht man eigentlich so eine Szene, wie die im Film, als der kleine Hund von Mosk recht brutal vom Bett weggeschleudert wird?

Das geht natürlich nur über das Spiel. Das war eine ganz empfindliche Szene, für die wir lange überlegt haben, wie wir sie am besten machen. Und ich bin sehr glücklich damit, denn sie sieht zwar brutal aus, machte dem Hund aber überhaupt nichts – wenn man mal genau drauf achtet, sieht man, dass der Hund beim Aufstehen schon wieder anfängt, zu wedeln und das lustig findet – das war auch das Problem. Man musste eben sofort schneiden, damit die Dramatik erhalten wird. Die Geräusche, das laute Scheppern, sind drunter gelegt. Der Hund wurde ganz wild aufs Spielen gemacht, wir haben einen genommen, der grundsätzlich auch eher gern ein bisschen rauhbeiniger war beim Spielen, den haben wir ein bisschen auf dem Boden hin und her geschoben. Und dann – das wurde natürlich auch geschnitten, man sieht also, dass Mosk den Hund greift, dann kommt ein Schnitt, und der Hund fliegt durch die Gegend. Das war dann ich, und ich weiß genau, wie ich das dosieren muss, hinter dem Hund war eine Decke, in die er reingerutscht ist. Der ist dann auch sofort angekommen und wollte nochmal. Aber es sieht wirklich schlimm aus, ich hab mich selber erschrocken, als ich das gesehen hab!

Haben sich beim Dreh auch Hunde und Schauspieler angefreundet?

Ja, wir hatten vorher ein Trainingswochenende, weil es in diesem Fall so war, dass die Schauspieler auch wirklich trainerisch mit dem Hund agieren mussten. In der Regel ist es ja so, dass ich bei einem Dreh hinter dem Schauspieler stehe, und der nur so tut, als ob er den Hund ruft. Das kann ich aber nicht mit sechs Hunden gleichzeitig machen, und bei einer Totale mit ganz vielen Leuten und Hunden geht das schon gar nicht. Bei diesem Trainingswochenende wurden die Hunde an die Schauspieler rangeführt, und den Menschen wurde gesagt, wie sie reagieren müssen, wenn die Tiere mal etwas falsch machen, so dass es am Ende gar nicht mehr schlimm war, wenn mal etwas nicht geklappt hat – denn im Film sollten das ja auch oft Trainingssituationen sein, wo es dann ganz gut gepasst hat, wenn der Hund nicht gleich richtig agiert. Das war also eine sehr schöne Zusammenarbeit! Am Ende musste ich nur noch drauf achten, dass die Schauspieler die Kommandos richtig geben, um die Hunde brauchte ich mich fast gar nicht mehr zu kümmern.

Die Schauspieler haben alle sehr gut mit den Tieren gearbeitet, ich glaube, die mochten ihre Hunde sehr gerne. Am Anfang hatten wir ein Pärchen, bei dem es etwas schwieriger war – Kida Ramadan mit seinem Hund, er hatte ein bisschen Berührungsängste. Aber nachher war er einer der besseren!

Stimmt das denn, dass Hunde das nicht leiden können, wenn man sich breitbeinig über sie stellt?

Na ja, das ist zwar eine Dominanzgeste. Es wurde aber etwas dramatisiert. Es ist so, dass die meisten erwachsenen Hunde das nicht so gerne mögen, junge Welpen haben damit aber eigentlich kein Problem.

Wenn man einem Hund einen Film zeigt, in dem er vorkommt, kann er das eigentlich irgendwie erkennen?

Nein, kann er nicht. Vielleicht kann er im besten Falle erkennen, dass da ein Hund ist, aber sich selbst erkennt er nicht. Eventuell reagiert er trotzdem drauf, weil er die Stimme erkennt, weil er gerufen wird oder er ein Bellen hört. Aber den Film genießen kann er nicht.

Über die Produktion

Eine einfache Geschichte: Gemeingefährlicher Knacki wird durch einen kleinen Hund zu einem besseren Menschen. Klingt wie ein schönes Märchen. Doch diese Geschichte ist wahr – mindestens in ihrem Kern. Denn das in UNDERDOGS vorgestellte Resozialisierungs-Programm, in dem Häftlinge Blindenhunde ausbilden, existiert in den USA tatsächlich. Jan Hinrik Drevs hat darüber eine Dokumentation gedreht, die ihn auf die Idee zu seiner Geschichte brachte. Wie unsere gemeinsamen Recherchen in verschiedenen Gefängnissen ergeben haben, wäre ein ähnliches Programm auch in Deutschland denkbar und wünschenswert.

Gute Geschichten sind häufig einfach. Was uns darüber hinaus jedoch an Drevs’ Geschichte so beeindruckt hat, ist die Mischung aus starken Emotionen und genauer Detailkenntnis, durch die die Läuterung des anfangs hermetisch-verschlossenen Häftlings Mosk erst glaubwürdig wird. Weil Drevs sich im Knast auskennt, wirkt Mosks Entwicklung dabei nicht behauptet. Und weil Drevs sich mit dem Erzählen ebenfalls bestens auskennt, ist diese Entwicklung so ergreifend.

Drevs ist von Haus aus Dokumentarfilmer, insofern mag die Genauigkeit seines Blicks nicht überraschen. Jedoch begnügt sich UNDERDOGS keineswegs mit einer realistischen Milieuzeichnung oder einem Plädoyer für humanen Strafvollzug, sondern wartet mit starken emotionalen Konstellationen auf: So wird das Melodram um Mann und Hund gespiegelt an der spannungsvollen Beziehung zwischen Häftling und Gefängnisdirektorin. Wir sind sehr froh, mit Thomas Sarbacher als desillusioniertem Knacki und Clelia Sarto als gestandener, aber immer noch idealistischer Direktorin eine Idealbesetzung gefunden zu haben. Zudem ist es aufgrund der liebevollen Zeichnung der einzelnen Charaktere gelungen, ein überzeugendes Ensemble zusammenzustellen: Mit Hark Bohm als Hundetrainer und Ingo Naujoks, Kida Ramadan, Thorsten Merten, Philipp Baltus und Wladimir Tarasjanz als weiteren Teilnehmern in dem Programm. Selbst für kleine Rollen konnten wir so talentierte Darsteller wie Peter Jordan, Patrycia Ziolkowska und Christoph Grunert gewinnen.

Der Dreh mit den Hunden stellte eine besondere Herausforderung dar. Doch neben einem erfahrenen Dokumentarfilmer (und Hundeliebhaber!) als Regisseur war mit Peter Przybylski ein Kameramann an Bord, der in hohem Maße Kreativität und Erfahrung mit einbrachte. Unter Anleitung unseres Hundecoaches wurden Welpen und Junghunde schon geraume Zeit vor dem Dreh ‚gecastet’ und anschließend trainiert – eine Vorbereitung, die sich am Set positiv niederschlug. Auch bei der Suche nach einem Drehort hatten wir Glück: Nach langer ergebnisloser Motiv-Suche stießen wir endlich auf die JVA Bützow, wo man dem Projekt von Anfang an sehr wohlwollend gegenüber stand. Die Offenheit und Kooperationsbereitschaft sowohl der dortigen Angestellten, als auch der Insassen vor und während des Drehs war größer, als wir uns je zu träumen gewagt hätten. Ohne diese Unterstützung hätte der Film so nicht entstehen können.

Die Größe der Gefühle, die Glaubwürdigkeit und Relevanz der Geschichte, die Attraktivität der Besetzung, der unwiderstehliche Charme der jungen Hunde – wir sind der Überzeugung, dass UNDERDOGS das Zeug zum Publikumsrenner nicht nur für Hundefreunde hat!

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