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Fakten und Hintergründe zum Film "?ber Wasser - Menschen und gelbe Kanister"

Fakten und Hintergründe zum Film "?ber Wasser - Menschen und gelbe Kanister"
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Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Interview mit dem Regisseur

Warum war es Ihnen wichtig, diesen Film zu machen?

Die Idee dazu gibt es seit sieben Jahren. Ich habe jahrelang Fernsehdokumentationen gedreht und war daher viel in sogenannten „3. Welt-Ländern“ unterwegs. Auf den Philippinnen gab es dann bei einem Dreh ein Problem mit Wasser, das sich massiv auf unsere Arbeit ausgewirkt hat. Auf den Reisen hast du ja oft eine Menge Zeit nachzudenken, und dabei – auf einem Schiff – kam mir die Idee, etwas Substantielles über Wasser zu machen. Wie Menschen anderswo mit etwas umgehen, das wir oft gar nicht mehr bewusst wahrnehmen. Mir persönlich war es zumindest gar nicht so bewusst. Es kommt mir nur nach einer langen Reise ins Bewusstsein, wenn ich zu Hause „das Wasser aufdrehe“ und weiß, dass ich es bedenkenlos trinken kann.

Wie leicht oder schwer war es, Menschen dafür zu begeistern, das Projekt zu unterstützen?

Schließlich ist Wasser nicht nur etwas Substantielles, sondern auch etwas durch und durch Selbstverständliches. Manche Dinge im Leben passieren ganz einfach und selbstverständlich. Ich hatte davor einen Fernsehfilm gemacht, den „Bergbauernwinter“, der ziemlich erfolgreich war, habe dem Produzenten Erich Lackner von meiner neuen Idee erzählt, und er war sofort begeistert. Und wenn er sich mal wo festhängt, lässt er nimmer los – da sind wir einander sehr ähnlich, glaube ich. Dann ist Michael Glawogger eingestiegen und hat am Drehbuch mitgearbeitet. Es war ein langer Prozess bis zum ersten Drehtag, die Idee hat aber von Anfang alle begeistert und sich bis zuletzt erhalten. Es hätte ja zunächst nur ein kleiner Film werden sollen, aber Erich wollte ihn sozusagen gleich richtig machen.

Auf die Drehorte sind Sie durch Ihre früheren Reisen gekommen?

Ich habe bewusst Länder ausgesucht, in denen ich zuvor noch nicht gewesen bin. Ich wollte unvorbelastet sein. Im Zuge der Recherche fiel uns dann Kasachstan auf – der Aralsee. Von dem sind wir ausgegangen, weil seine Geschichte in einem politisch-ökonomischen Film über Wasser erzählt werden muss. Der Rest war schon schwieriger. Bangladesch war die Idee von Michael Glawogger. Er hatte in Indien „Megacities“ gedreht und kannte die Wasserprobleme dort. Die dritte Geschichte sollte ursprünglich vom Staudamm am Jangtsekiang handeln. In der Recherche taten wir uns in Kasachstan recht leicht, in China aber war schnell klar, dass ich nicht so würde drehen können, wie ich es wollte. Wir würden entweder verhaftet werden oder mit leeren Händen heimfahren müssen. Auf der langen Suche nach einer Alternative kam mir während der Dreharbeiten für einen Film, den ich für „Ärzte ohne Grenzen“ im Sudan drehte, Afrika in den Sinn. Dabei ist in Afrika „Wasser“ eines der wichtigsten Themen, und heute wundere ich mich, dass wir da nicht gleich darauf gekommen sind…

Wieso wollten Sie eigentlich keine Geschichte aus der „westlichen Welt“ erzählen?

Themen würde es ja einige geben – das „heilige Wasser“ in Lourdes etwa oder der „Wasserüberschuss“ in Las Vegas. Aber im Westen handelt es sich um Probleme, die recht einfach lösbar wären, denn die finanziellen Mittel zur Lösung sind vorhanden. Daher habe ich bewusst Länder ausgewählt, in denen unsere Lösungsansätze nicht greifen. Bangladesch z. B. könnte man durchaus mit Holland vergleichen. Wenn man so viel Geld einsetzt wie in Holland, könnte man Dämme bauen und hätte ein wunderbares Land. Aber das Geld dafür ist einfach nicht da! Wir haben sehr darauf geachtet, Länder zu finden, die mit Problemen anders umgehen müssen, als es wohlhabende Länder tun können. Wir sehen im ersten Teil zuviel Wasser, dann zuwenig Wasser - und in der dritten Geschichte wird eine neue Ebene eingezogen, Wasser als Geschäft. Es geht im dritten Teil um die Macht – in Nairobi ist Wasser plötzlich ein Machtfaktor. Die Grundfrage, die als Überbau zu diesem Film gelten kann, lautet: „Ist Wasser ein Menschenrecht oder ein Wirtschaftsgut?“ Die Frage wird in der Zukunft beantwortet werden. Es gibt Konzerne, die es als Wirtschaftsgut behandeln, und NGOs, die Wasser als Menschenrecht propagieren. Diese grundsätzliche Frage wird in den nächsten 10 Jahren beantwortet werden.

Als Zuseher ist man überrascht, wie Häuser ganze schnell und einfach per Boot auf die Reise gehen können…

In Bangladesch haben die Menschen gelernt, sich mit der Natur zu arrangieren. Die Wellblechhäuser, die ganz schnell auf- und wieder abgebaut werden, sind da ein gutes Beispiel – und ein überraschendes Bild, das wir so nicht kennen. Ich wollte nicht nach Bangladesch reisen und - die bekannten Bilder von Überschwemmungen im Auge habend - Geschichten finden, die wir so erwartet hatten, also z.B. Menschen im Wasser, die jammern. Ich war dann trotzdem überrascht, dass plötzlich die Überschwemmung nicht mehr das Thema war, sondern die Erosion. Mich hat die Möglichkeit fasziniert, die Menschen ihre Geschichte selbst erzählen zu lassen.

Deswegen geben Sie auch nichts vor. Kein Off-Text.

Ja, das war ganz bewusst und wichtig. Ich sehe den Film nicht als abgeschlossene Arbeit, sondern als Kick-Off. Und ich hoffe, dass sich jetzt noch einiges bewegt. Es wird eine Homepage geben, und wer aus dem Kino kommt und mehr wissen möchte, kann auf die Homepage gehen, sich mit NGOs und Projekten verlinken, bei denen die Zuschauerinnen und Zuschauer aktiv weiter machen können. Dabei soll eine Plattform entstehen, auf der Infos zum Thema zu bekommen sind. „Über Wasser“ selbst soll neugierig machen und Gefühle hinterlassen, danach ist das Internet das bessere Medium. Ab da geht der Film in eine andere Ebene über.

Das heißt, die Arbeit am Film ist für Sie noch nicht zu Ende?

Doch, das Kind gebe ich jetzt ab. Mit dem Film weiter zu arbeiten, haben nun andere übernommen, die in Schulen gehen etc. Die können das auch besser als ich und entwickeln das Projekt weiter, was sehr wichtig ist.

Zur Arbeit selbst: Wie waren die Drehbedingungen?

In Kasachstan haben wir noch mit einem großen Team gedreht. Das hat auch toll funktioniert, ich habe da mit sehr guten Leuten zusammen gearbeitet. In Bangladesch ging diese Arbeitsweise aber nicht mehr auf. Um das an einem Beispiel zu veranschaulichen: Wir sind an einem Reisfeld vorbeigefahren. Die Gelegenheit war günstig, also haben wir den Dreh vorbereitet. Als die Vorarbeiten abgeschlossen waren, befanden sich plötzlich 250 neugierige Menschen vor diesem Reisfeld. Drehen war jetzt unmöglich. Ich hätte den Drehort nur noch mit Hilfe der Polizei räumen können, damit ich dann wieder 30 Leute dort reinsetze, die ja ursprünglich da gewesen waren und genau das gemacht hatten, was ich drehen wollte. Ich konnte und wollte so nicht arbeiten. Daraufhin haben wir das Team auf das Minimum verkleinert. Ich habe selbst die Kamera gemacht, und mit dem Tonmann und einem Regieassistenten haben wir schlussendlich zu dritt gedreht, und es hat toll funktioniert. Vor allem hatten wir so viel mehr Zeit. Wir konnten die Leute kennen lernen und ihnen etwas geben, was sie von Weißen sonst nie bekommen, nämlich Zeit. In den Slums z. B. haben wir die ersten Wochen überhaupt nichts gedreht, sondern uns nur zu den Leuten gesetzt. Da war es ganz wichtig, dass der Produzent dahinter stand und sagte: „Mit einem kleineren Team kannst du dir auch mehr Zeit lassen.“ So konnten wir in die Gemeinschaft aufgenommen werden. Ich glaube, dass man das in allen drei Teilen ein wenig spürt, dass die Leute offen sind. Es ist ja nicht selbstverständlich, in Bangladesch eine Moslemin vor der Kamera zu haben, die noch dazu die Männer offen kritisiert. Dass sie uns dieses Vertrauen geschenkt hat, hat sicher damit zu tun, dass wir genug Zeit hatten, um uns kennen zu lernen.

Interview mit dem Produzenten Erich Lackner

Wie kam es zu der Zusammenarbeit von Udo Maurer und Lotus Film?

Udo Maurers Verbindung zur Lotus Film währt schon viele Jahre. Udo und ich kennen uns aus jener Zeit, als er als Krisenreporter für verschiedene TV-Sender gearbeitet hat. Damals haben wir auch ein paar verrückte Geschichten in Jordanien für das legendäre „Jolly Joker“-Magazin produziert. Es folgte eine 45minütige TV-Dokumentationen über den Bergsteiger Thomas Bubendorfer, ein Film über den „American Way of Live“, am berührendsten schließlich: der „Bergbauernwinter“. In Michael Glawoggers Fußballfilm „Frankreich wir kommen!!!“ hat Udo die Außenstelle gebildet: er hat die short stories aus Kamerun, Chile und Rom beigetragen.

Was hat Sie von Beginn an am Projekt „Über Wasser“

fasziniert?

Im „Bergbauern-Winter“ gab es eine legendäre Szene, bei der ein Bauer, der in seinem Zweitberuf Lehrer ist, mit kunstvollen Schnitten und Handgriffen ein Schaf zerlegt. Udo hat dabei ruhig und ohne Unterbrechung der „Zerteilarbeit“ eine über zehnminütige Szene geschaffen. Bei dieser Sequenz und aus den Beiträgen in „Frankreich, wir kommen!!!“ ist mir klargeworden, dass Udo eine besondere Sicht auf die Dinge werfen kann und sich nicht scheut, auch unter dezidiert „nichteuropäischen“ Voraussetzungen Geschichten filmisch zu erzählen. Das Konzept zu „Über Wasser“ kenne ich schon lange. Es hat mehrere Jahre gedauert, bis einerseits die Marktlage die verstärkte Produktion von Kinodokumentarfilmen im allgemeinen und andererseits die beeindruckende Filmvita von Udo Maurer die Finanzierung dieses Filmes im speziellen möglich machte. Man darf dabei nicht übersehen, dass in dieser Zeit in Österreich damit begonnen wurde, Dokumentarfilme wie „Elsewhere“, „Darwin´s Nightmare“, „We feed the World“, „Workingman´s Death“ oder „Unser täglich Brot“ für das Kino zu finanzieren und zu produzieren. Einerseits war die Nachfrage nach solchen Geschichten da, und andererseits gab es Filmemacher, die ihre Geschichten jenseits des Fernsehens intensiv für das Kino entwickeln konnten und wollten.

Was hat sich von Beginn bis zur Fertigstellung noch alles am Konzept verändert?

Das Ausgangskonzept hat sich naturgemäß verändert. Wenn ein Dokumentarfilm über viele Jahre hinweg geschaffen wird, muss sich das Konzept einfach verändern. Der „Blick“ auf Ereignisse ist eines der wesentlichen Elemente beim Dokumentarfilm. Und dieser Blic ist abhängig vom Lauf und der Veränderung der Welt, auch oder trotz der Welt.

Was erhoffen Sie sich von diesem Film?

Der österreichische Dokumentarfilm boomt. Die guten Zahlen kommen auch von der großen Akzeptanz, die diese Filme über den klassischen Bereich des Arthouse-Kinos hinaus haben. Wir hoffen, dass wir mit „Über Wasser“ an die Erfolge der Filme von Michael Glawogger oder Nikolaus Geyrhalter anschliessen können – spricht „Über Wasser“ doch sehr die Emotionalität der Menschen an und ermöglicht eine Auseinandersetzung mit der eigenen Position. Die Antworten auf die Fragestellungen liefert nicht der Film, die entstehen in der Reflexion „über Wasser“ – und das ist unsere wichtigste Erwartung: dass möglichst viele Menschen den Film sehen, damit das Thema, die Frage der globalen Verteilung der zentralen Ressource Wasser, diskutiert werden kann.