Fakten und Hintergründe zum Film "U-900"

Kino.de Redaktion |

U-900 Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Mit Atze Schröder arbeitet Regisseur Sven Unterwaldt („7 Zwerge“, „Siegfried“) seit der zweiten Staffel von „Alles Atze“ zusammen. „Ich bin sehr eng mit Sven befreundet“, sagt Atze. „Ich finde, dass er der begabteste deutsche Regisseur ist. Wir haben bereits vier Filme zusammen gemacht, und für eine gemeinsame Folge von ,Alles Atze‘ bekamen wir den Deutschen Fernsehpreis.“

„Die Idee, einen gemeinsamen Kinofilm mit Atze als Star zu machen, hatten wir schon früh“, berichtet Unterwaldt. „Aber wir haben drei, vier Jahre nach einem geeigneten Sujet gesucht. Denn Atze unterscheidet sich in diesem Punkt von anderen Komikern, die sagen: ,Hauptsache Kino – egal was.‘ Atze wollte etwas ganz Besonderes – eben nicht irgendeinen Atze-Film. Natürlich liegt es nahe, Atze mit einer klassischen ,Fish out of Water‘-Situation zu konfrontieren – etwa im Sinn der berühmten ,Flodder‘-Filme nach dem Motto: Atze machte eine Erbschaft und benimmt sich in der wohlhabenden Gesellschaft daneben. Da Atze sich nun mal als Ruhrgebiet-Urgestein mit Mutterwitz profiliert hat, kann man durchaus auf eine solche Idee kommen. Doch die reicht letztlich nur für einen Fernsehfilm.“

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Weil Atze aber so sehr in der Gegenwart verwurzelt ist, kamen die Filmemacher zunächst nicht auf die Idee, in anderen Bereichen und Genres zu suchen. Doch eines Tages meinte Drehbuchautor Michael Gantenberg: „Was haltet ihr von ,Das Boot’?“

Dazu Unterwaldt: „Es dauerte bei uns einen Moment, bis der Groschen fiel: ,Wie jetzt? Atze im Zweiten Weltkrieg? Wie soll das funktionieren?‘ Doch dann ging uns ein Licht auf: ,Genau das ist es! Das ist genial!‘ Denn wir sind alle große Fans des Originalfilms ,Das Boot‘. Für mich ist er als U-Boot-Film nach wie vor unübertroffen. Als Kontrast dazu hat die populäre Figur Atze mit den Nazis, Autoritäten und Gehorsam so gar nichts am Hut. Umso toller erschien es uns also, Atze aufs Dritte Reich prallen zu lassen! Diese Kombination ist in unseren Augen weniger eine Parodie als vielmehr eine Hommage an Wolfgang Petersens Film.“

„Mit dem Titel ,U-900‘ weisen wir nur auf die Bezeichnung unseres U-Boots hin“, sagt Atze Schröder. „Es gibt keine Anspielung – darin sind keine satanischen Verse versteckt!“

Die Vorarbeit zum Drehbuch leisteten Autor Michael Gantenberg, Atze Schröder und Regisseur Unterwaldt. Das eigentliche Buch schrieben dann Gantenberg (der die ursprüngliche Idee zum Film hatte), Unterwaldt und Autor Oliver Ziegenbalg („Kein Bund fürs Leben“). „Oliver spricht ähnlich schnell wie ich, und wenn wir uns die Bälle zuwerfen, haben alle anderen anschließend Kopfschmerzen… Bei der Arbeit mit Ollie fangen wir unsere Sätze nur an und sagen sofort: ,Ja, ja, alles klar, schon verstanden.‘ So entwickeln wir in Windeseile neue Szenen. Wenn man an dramaturgische Knoten gerät, ist es sehr angenehm, sich auf diese Art gegenseitig zu befruchten. Wenn Oliver nicht so sehr beschäftigt wäre, würde ich ihn nie mehr von meiner Seite lassen! Jedenfalls bereiten wir schon ein weiteres Projekt vor.“

Verantwortlich für die Produktion sind Max Wiedemann und Quirin Berg, die mit „Das Leben der Anderen“ (2006) neben zahlreichen anderen Preisen den Oscar und sieben Deutsche Filmpreise gewonnen haben. Über „U-900“ sagt Berg: „Große Bilder, eine große Geschichte, viel Spaß – die Mischung aus Abenteuer und Komödie ist genau das, was einen Kinobesuch rechtfertigt. In ,U-900‘ schicken wir einen sehr Verrückten in eine sehr düstere Welt. Dabei widmen wir uns anspruchsvollen Themen genauso intensiv wie leichteren Themen – immer geht es darum, das Publikum zu packen und emotional anzurühren. Wenn der Zuschauer nach Hause geht, will er Gefühle spüren: Begeisterung, Trauer, Empathie. Das Genre ist dabei zweitrangig.“

„Max und Quirin haben alles aufs Spiel gesetzt, um unser Riesenbudget zu stemmen“, sagt Regisseur Unterwaldt. „Kompromisslos haben sie sich mit Haus und Hof in dieses Projekt gestürzt. Ich kenne die beiden seit einigen Jahren – damals erwähnten sie, dass sie große Atze-Fans sind. Als nun unser Projekt Gestalt annahm, wünschten wir uns junge Produzenten, die bereit sind, wirklich ihr letztes Hemd zu geben, um den Film auf die Beine zu stellen. Und ich lag genau richtig: Die beiden waren sofort Feuer und Flamme, wobei ich ihnen gleich gesagt habe: Das wird nicht billig, denn der Film muss so aussehen wie ,Das Boot‘ – mit beeindruckendem großen Kino-Look und visuellen Effekten. Das hat die beiden nicht abgeschreckt, denn im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen sind sie nicht ausschließlich Geschäftsleute, sondern seit ihren Teenagertagen auch ausgesprochene Filmfans.“

Dieses Attribut trifft genauso auf Sven Unterwaldt selbst zu, der sein Team immer wieder seine eigene Begeisterung für das Kino vermitteln kann. Und er beeindruckt alle Beteiligten mit seinem Knowhow und Engagement. „Sven weiß nicht nur, was er will, er weiß auch, wie er das umsetzen kann“, sagt Götz Otto, der den Oberleutnant von Stetten darstellt. „Das ist nicht dasselbe, und nicht allen Regisseuren gelingt das! Sven hat alle U-Boot-Filme gesehen, die jemals gemacht wurden. Und er kennt sich an Bord aus, als ob er 36 Jahre zur See gefahren wäre.“

Und Unterwaldt-Spezi Axel Neumann weiß: „Ein Film mit Sven ist immer ein Abenteuerspielplatz – da darf man im Dreck wühlen. Inzwischen verstehen wir uns fast blindlings. Ein Blick von ihm, und ich weiß Bescheid. Das macht Freude!“

Trotz der präzisen Vorstellungen, die der stets perfekt vorbereitete Regisseur am Set umsetzt, gelingt es ihm, auch den kreativen Input der Darsteller für das Projekt zu nutzen, wie Samuel-Darsteller Oliver Wnuk bestätigt: „Es ist Sven sehr wichtig, was wir als Darsteller einbringen, und er nimmt es gern an.“ Und Yvonne Catterfeld, die in der Rolle der Maria zu sehen ist, berichtet: „Wir sagten uns oft: Sven müsste mal in einem Film alle Rollen selbst spielen – denn das kann er! Wir merken, dass er seinen Traum auslebt – er ist mit voller Leidenschaft dabei.“

Produktion: Die Besetzung an Bord von U-900

„Atze Schröder an sich ist ein Phänomen, das unbedingt auf die Leinwand gehört“, weiß Produzent Quirin Berg. „Ihn reizte es aber, in einer Geschichte aufzutreten, die man nicht mit seinem Image assoziieren würde. Dadurch entsteht eine Spannung, weil der Zuschauer nicht von vornherein weiß, was ihn erwartet. Diese Vorstellung begeisterte auch uns: den Lockenkopf mit der großen Klappe in eine lebensgefährliche Situation am Ende des Zweiten Weltkriegs zu stellen.“ Und Produzent Max Wiedemann fügt hinzu: „Atzes Gags funktionieren nicht deshalb so gut, weil er sich über andere, sondern weil er sich über sich selbst lustig macht.“ Berg sieht das ganz ähnlich: „Atze ist nie despektierlich – man kann ihm einfach nichts übel nehmen. Diese Sympathie ist sehr wichtig.“

„Die Herausforderung für mich besteht darin, neben derart vielen hervorragenden Schauspielern aufzutreten, mitzuhalten und glaubwürdig zu wirken“, sagt Atze Schröder. „Ich muss mit den Kollegen auf Augenhöhe bleiben, muss im Gegensatz zu meinen Fernsehauftritten auch Emotionen wie Trauer und Angst ausdrücken.“

Quirin Berg ergänzt: „Atze bringt viel Bühnen- und Sitcom-Erfahrung mit, ist ein Naturtalent, aber es gelingt Sven, Dinge aus ihm herauszuholen, die Atze selbst nicht erwartet hätte. Unschätzbar ist Atzes Auftreten am Set: Er verbreitet gute Stimmung beim Drehen, ist professionell, diszipliniert und trotzdem locker.“

Atze findet sich in seiner Rolle durchaus wieder: „Ich muss ein U-Boot von links nach rechts lenken, ’ne Mannschaft führen, Fliegerangriffe abwehren – das entspricht alles durchaus meinem privaten Naturell.“ Yvonne Catterfeld dazu „Atzes Stärke liegt ja gerade darin, dass er Situationen meistert, in denen er sich überhaupt nicht auskennt“.

„Atze ist zwar ein Comedian, aber ich wollte nicht einen weiteren Comedian-Film drehen wie ,7 Zwerge‘ oder ,Siegfried‘“, sagt Regisseur Unterwaldt. „Ich möchte diesmal einen Schritt weiter gehen: Der Film ist keine reine Nummern-Show, sondern er soll auch als Geschichte funktionieren. Der äußere Konflikt in der Story ist klar: Wie im ,Hauptmann von Köpenick‘ trägt ein Mann eine falsche Uniform. Und der klaut dann ein U-Boot. Der innere Konflikt: Die Freundschaft zwischen Atze und seinem besten Freund Samuel wird von einer Lüge überschattet. Hier handelt unser Filmheld moralisch verwerflich – das ist ein großer Kino-Konflikt, der am zweiten dramaturgischen Wendepunkt der Story ausgetragen werden muss, wenn Atze diese Lüge um die Ohren fliegt. Diesen Konflikt nehmen wir sehr ernst, sodass die Spannung aus der Frage entsteht, wie Atze aus dem Schlamassel wohl wieder herauskommt. Die Lösung des Konflikts enthält sehr emotionale Szenen, die das Publikum hautnah einbeziehen. Da war ich als Regisseur gefragt, den Comedian in der Hauptrolle mit dieser Story zusammenzubringen. Deshalb habe ich die weiteren Rollen bewusst nicht mit Comedians, sondern mit gestandenen Schauspielern besetzt.“

„Es kommt schon gut, wenn all die Kollegen um mich herum superernst spielen – und mitten drin die blöde Fresse vom Atze… das bringt eine Menge positiver Spannung“, lacht Atze Schröder.

Bemerkenswert ist, dass Atze zwar eindeutig die Hauptrolle spielt, sich aber durchaus in ein Ensemble integriert und nicht jede Szene dominiert. „Mit diesem Konzept hatte ich bereits in ,7 Zwerge – Männer allein im Wald‘ Erfolg, denn nach fünf Otto-Filmen war Otto Waalkes bereit, sich die Leinwand mit sechs Comedian-Kollegen zu teilen“, berichtet Sven Unterwaldt.

„Da Atze an der Entwicklung der Grundidee zu ,U-900‘ beteiligt war, gab es immer Konsens über seine Rolle – ich musste ihn gar nicht überzeugen, weil auch er selbst keinen konventionellen Atze-Film machen wollte. Deshalb hagelt es auch nicht pausenlos Atze-Sprüche wie in seinem Bühnenprogramm. Stattdessen wollen wir eine Geschichte à la ,Zurück in die Zukunft‘ erzählen: Wie kommt Marty McFly in die Gegenwart zurück? Es geht um Action und Abenteuer, und Atze-Sprüche tauchen nur auf, wenn sie wirklich passen, nämlich wenn sie die Situationskomik ergänzen – also nie um der Sprüche selbst willen. Bei den Proben stellte sich heraus, dass wir oft weitere Atze-Sprüche strichen, wenn sie der Situation nicht voll gerecht wurden: Wenn Atze mit Frau Strasser in flagranti erwischt wird und der General an die Tür hämmert, dann hat Atze wirklich Todesangst – selbst ihm gehen in dieser gefährlichen Situation die Sprüche aus. Er springt einfach aus dem Fenster. Als Atze sich dann als U-Boot-Kommandeur ausgibt, entsteht daraus eine Situationskomik, die nichts mit seinen Sprüchen zu tun hat.

Atze Schröder ist wirklich vorbildlich, überhaupt keine Rampensau. Vielmehr sagt er: ,Ich möchte mich im Team wohl fühlen und dem Film dienen.‘ Das sagen zwar auch viele andere Stars – aber sie handeln nicht unbedingt danach. Atze will einen guten Film machen – er zählt nicht die Minuten, die er auf der Leinwand zu sehen ist.“

Das bestätigt auch Atzes Kollege und Albert-Darsteller Axel Neumann: „Obermaschinist Albert ist die Seele des Bootes – und Atze ist die Seele der Mannschaft. So viel Mensch ist bei kaum einem Comedian zu finden – doch bei ihm ist das einfach da.“

Atzes besten Freund, den Erfinder Samuel, spielt der im komischen und im dramatischen Fach erfahrene Oliver Wnuk. Dazu Unterwaldt: „Den Samuel haben wir sehr lange gecastet. Ich habe selten mit einem Schauspieler gearbeitet, der so authentisch ist wie Oliver. In Sekundenschnelle versetzt er sich in jede beliebige Situation – das ist fast gespenstisch. Mir lag sehr viel daran, den Samuel wirklich betroffen zu zeigen, weil er sich verantwortlich fühlt für die bedrohliche Situation, in die Atze gerät. Das geht ihm wirklich an die Nieren. Dabei müsste eigentlich Atze die Schuldgefühle haben! Daneben bringt Oliver durch seine ,Stromberg‘-Erfahrung sein ausgefeiltes Comedy-Timing mit. Er war in ,Der Schuh des Manitu‘ dabei, hat in ,Anatomie‘ den Mörder gespielt, zeigt also eine große schauspielerische Bandbreite. Beim Casting dauerte es nicht mehr als 30 Sekunden, bis allen Beteiligten klar war: Oliver ist Samuel. Ich würde jederzeit gern wieder mit ihm arbeiten!“

„Oliver ist ein grandioser Schauspieler, der auch mich glänzen lässt“, freut sich Atze Schröder. „Persönlich sind wir inzwischen gute Freunde, und ich hoffe, dass wir noch oft zusammenarbeiten.“

Die junge Schauspielerin Maria stößt unfreiwillig zum Duo Atze/Samuel – die beiden „requirieren“ sie einfach als Fahrerin des Lastwagens, den sie für ihren Coup beschlagnahmen.

Die Rolle der Maria übernimmt die beliebte Nachwuchsdarstellerin Yvonne Catterfeld. „Maria ist eine selbstbewusste, stolze, starke junge Frau, die mit beiden Beinen im Leben spielt und auch für ihre Überzeugungen kämpft und wegen ihrer Witze über die Nazis Berufsverbot bekommt“, sagt Catterfeld. „Die Rolle fordert von mir eine große Bandbreite – ich muss weiblich, aber auch männlich auftreten. Diese vielen Facetten machen sehr viel Spaß!“

„Yvonne hatte es beim Casting sicherlich am schwersten, denn unser Konzept war ursprünglich, Atze nur mit Film erfahrenen Schauspielerkollegen zu umgeben“, sagt Unterwaldt. „Yvonne hat zu Unrecht immer noch das Image des Soap-Stars, der Sängerin, der Seiteneinsteigerin. Dabei hat sie intensiv Schauspielunterricht genommen und ist sehr ehrgeizig. Aber ich gebe zu, dass auch ich sie anfangs nicht in dieser Rolle gesehen habe.

Die Besetzung zog sich hin – wir haben etwa 120 Schauspielerinnen vorsprechen lassen. Yvonne war bereits beim ersten Casting-Termin durchaus überzeugend – letztlich besser als alle Konkurrentinnen. Aber wir suchten trotzdem weiter und luden sie dann mehrfach zu weiteren Terminen ein, machten mit ihr Testaufnahmen in Uniform und als Mann verkleidet. Am Schluss mussten wir zugeben: Wir sollten die beste Leistung würdigen und das Image ignorieren. Weil ich immer das Ensemble im Auge behalte, haben wir Yvonne tatsächlich mit Atze und Oliver zusammen getestet, um festzustellen, dass die Chemie zwischen den dreien stimmt. Das hat sich inzwischen nicht nur auf der Leinwand bestätigt, denn Yvonne und Ollie sind seitdem auch privat ein Paar. Man spürte schon damals sofort, dass die drei sich mögen, und Yvonne zeigt als Maria eine echte Spitzenleistung – viele Leute, die sie heute noch auf Rosamunde-Pilcher-Niveau einstufen, werden große Augen machen, wenn sie ,U-900‘ sehen. Sie ist in unserem Film die Frau – und durchaus nicht das Frauchen, das nur das Beiwerk des Helden darstellt. Sie kann auch zickig sein, auf den Tisch hauen und den Männern zeigen, wo der Hammer hängt. Ich freue mich sehr, dass ihr aktuell mit der Romy-Schneider-Rolle ein weiterer großer Karrieresprung gelungen ist.“

„Ich muss gestehen: Ich habe sie anfangs falsch eingeschätzt“, sagt Atze Schröder. „Yvonne ist vor und hinter der Kamera eine tolle Kollegin, ein echter Teufelskerl. Ich habe es selten erlebt, dass eine Kollegin beim Dreh aus dem Lkw springt, der liegen geblieben ist, und im Kostüm mithilft, ihn anzuschieben. Yvonne hat das auf Malta ganz spontan gemacht.“

Über ihren Auftritt als Maria sagt Yvonne Catterfeld: „Ich fühlte mich an meine Kindheit erinnert, weil ich mich als Mädchen wie ein Junge verhalten, nur mit Jungs gespielt habe und oft sehr derb war. Das darf ich jetzt in manchen Szenen wieder ausleben.“

Die größte Bedrohung für Atze an Bord von U-900 stellt der linientreue Oberleutnant von Stetten dar, der von Götz Otto („Der Morgen stirbt nie“, „Der Untergang“, „Ossi’s Eleven“) gespielt wird. „Von Stetten hat überhaupt keinen Humor“, sagt Götz Otto. „Es tut einer Komödie immer sehr gut, wenn so ein Typ mit von der Partie ist!“

Dazu Unterwaldt: „Wir kennen uns schon eine ganze Weile und wollten gern zusammenarbeiten. Ich bin sehr froh, dass es jetzt geklappt hat, denn mir lag sehr daran, dass der Antagonist der Geschichte genau die Gefahr ausstrahlt, die in dieser Situation an Bord wichtig ist. So übt hauptsächlich die Figur von Stetten den Druck aus, von dem die Geschichte lebt. Und das macht Götz großartig.“

Auch Jensen-Darsteller Maxwell Richter war von Götz Otto beeindruckt: „Er ist sehr professionell – daran zeigt sich eben seine internationale Dreherfahrung.“

Sehr gefährlich für Atze wird es auch immer, wenn General Strasser auftaucht, der mit dem ehemaligen Schwarzmarkthändler ein persönliches Hühnchen zu rupfen hat. Die Rolle des zwielichtigen Generals übernimmt der renommierte Jürgen Schornagel. „Wir alle wissen: Der Gegenspieler ist genauso wichtig wie der Held“, sagt Regisseur Unterwaldt. „Ich wünschte mir für ,U-900‘ einen großen Schurken, der mit kleinen Gesten und Blicken alles auszudrücken vermag. Jürgen Schornagel verehre ich seit vielen Jahren – er ist einer der ganz großen deutschen Schauspieler. Schon beim Drehbuchschreiben habe ich Jürgen immer vor mir gesehen. Von unserer Casting-Agentur wusste ich allerdings, dass er nach etlichen Nazi-Rollen so etwas nicht mehr spielen will. Jürgen ist ein erdiger, ehrlicher Ruhrgebietstyp – er stammt aus Essen. Ich traf mich mit ihm in Berlin, und wir haben nicht viel mehr als eine halbe Stunde zusammen gesessen – da hatte ich ihn schon mit meiner Begeisterung angesteckt. Er sagte einfach: ,Weißt du, ich mach’ das – ich brauche gar nicht darüber zu schlafen. Mir gefällt, wie du die Rolle siehst, wie du den Film beschreibst. Ich sage dir jetzt sofort zu: Hier hast du meine Hand!‘ Ich freute mich natürlich riesig, weil er dem Film jene Dimension gibt, die ein Abenteuerstoff eben braucht.“

Über den Darsteller von Strassers Adjutant Leutnant Block sagt Sven Unterwaldt: „Auch Christian Kahrmann ist durch seine Auftritte im Fernsehen, in der ,Lindenstraße‘ vorbelastet, obwohl das wirklich schon lange her ist – immer noch wird er als ,Benny Beimer‘ angesprochen. Das ist allerdings sehr ungerecht, weil er seitdem hochkarätige Rollen gespielt hat, zum Beispiel in ,Bang Boom Bang‘ oder in ,Goldene Zeiten‘. Er ist ein großes komödiantisches Talent, und wenn er richtig eingesetzt wird, zeigt er überragende Leistungen. In ,U-900‘ spielt er den typischen Nazi-Mitläufer – den Bauern in Uniform. General Strasser sucht sich bewusst einen Adjutanten aus, der keine Karriereambitionen hat. Für den ehrlichen, treuen, naiven Leutnant Block bietet der Nationalsozialismus Sicherheit, Gemeinschaftsgefühl – der General ist für ihn eine Vaterfigur. So ergeben Strasser und Block fast ein Komik-Duo, und Christian wirkt als Adjutant unglaublich überzeugend. Seine Begegnung mit dem Heiligen Gral ist wohl das Beste, was er bisher gezeigt hat. Viele Schauspieler spielen den Dummen, indem sie augenzwinkernd deutlich machen, dass das nur gespielt ist. Die Kunst besteht darin, den Dummen wie jede andere Rolle ernst zu nehmen, sodass wir glauben müssen: Der ist tatsächlich so. Genau das gelingt Christian als Block.“

„Für mich ist Christian die große Entdeckung des Films – selten so gelacht!“, sagt Atze Schröder.

2008 ist das Jahr, in dem die Karriere von Messerschmidt-Darsteller Maxim Mehmet einen gewaltigen Schub bekommen hat – was Sven Unterwaldt nicht verwundert, sondern seine Einschätzung des jungen Schauspielers bestätigt: „Maxim ist der Shooting Star des Jahres mit drei großen Filmrollen. Nach der sehr großen Rolle in ,Der rote Baron‘ als enger Freund des Helden war er in der Hauptrolle von ,Fleisch ist mein Gemüse‘ zu sehen. Und jetzt auch noch ,U-900‘.

Ähnlich wie Ollie Wnuk wirkt Maxim sehr authentisch. Komödie oder Drama – diese Frage stellt sich ihm gar nicht: Er interessiert sich für die Rolle an sich, bewahrt sich dabei aber eine Leichtigkeit, die manchen seiner ähnlich ,ernsthaften‘ Kollegen fehlt. Denn ich als Regisseur muss auch Anweisungen geben können wie: ,Hier sollten wir das Comedy-Tempo etwas anziehen.‘ Das heißt, die Darsteller dürfen ihre Arbeit nicht nur aus der Rolle definieren, sondern müssen sich manchmal auch dem Gag unterordnen. Diese Mischung ist sehr schwer zu finden. Maxim hat sie, und unter anderem ist das sein Starpotenzial – ich glaube, dass er eine große Karriere vor sich hat.“

Produktion: Der Kurs

Dem Filmteam stand eine ungewöhnlich lange Produktionszeit von 50 Drehtagen zur Verfügung. Insgesamt verteilten sich die zehn Drehwochen auf drei Monate, in denen die 150 Mitwirkenden durch drei europäische Länder reisten. Nur zehn Tage war das Team in Deutschland (im Münchner Bavaria-Studio und am Starnberger See) im Einsatz, dann folgten 15 Drehtage auf Malta und schließlich 25 Drehtage in den römischen Studios von Cinecittà.

Für die real gefilmten Bombenruinen des im Krieg zerstörten Essen-Kray verwendete man in München das ehemalige Set des TV-Dauerbrenners „Marienhof“, der inzwischen in ein neues Set umgezogen ist. Vor dem Abriss dieses Originalsets wurde es vom „U-900“-Team kunstgerecht „zerbombt“ und in Essen verwandelt – eine Woche lang drehte die Crew in diesen Ruinen. Außerdem entstanden am Starnberger See bei München die Aufnahmen in und um Strassers Villa.

„Ursprünglich hätten wir auch gern in der noch vorhandenen U-Boot-Kulisse gedreht, die damals für Wolfgang Petersens Film im Bavaria-Studio entstanden ist und unser direktes Vorbild darstellt“, sagt Unterwaldt. „Doch erstens wird das Set nach wie vor für Publikumsführungen verwendet – es wäre sehr schwierig, es fünf Wochen lang für Dreharbeiten mit Beschlag zu belegen. Und zweitens: Petersen drehte auf einem Set in der Studiohalle, das aus drei Teilen bestand und auf einer hydraulischen Plattform montiert war. Inzwischen ist es zu einem Gesamtboot draußen auf dem Studiogelände zusammengeschweißt und daher für Kamerateams nur schwer zugänglich und viel zu eng, denn es lässt sich nicht mehr auseinandernehmen.“

Der Filmarchitekt Götz Weidner hat damals das Set des Petersen-Films im Bavaria-Studio gebaut – im Jahr 2000 wurde er als U-Boot-Experte von Produzent Dino de Laurentiis engagiert, um ein ganz ähnliches VIIC-U-Boot-Set zu bauen: für die 140-Millionen-Dollar-Produktion „U-571“ mit Matthew McConaughey. Der Film war kein Erfolg, aber das Set dieses Films steht in Cinecittà nach wie vor zur Verfügung – mit beweglichen, verschiebbaren Elementen, die für Kamerateams unabdingbar sind. Die Instrumente und der Motor funktionieren noch. Nach „U-571“ ist das Set für den TV-Film „Ghost Boat“ und den Action-Film „Submerged“ mit Steven Seagal verwendet worden.

„Wir mussten die Armaturen für unsere Zwecke anpassen und konnten uns auch die Hydraulik nicht leisten, weil wir über kein Hollywood-Budget verfügen“, berichtet Unterwaldt. „Trotzdem haben wir uns sehr eingehend auf alle Details konzentriert – tropfende Rohre, Schüttelanlagen – um das gesamte dramatische Potenzial auszuschöpfen: Für uns war dieses Set eine wahre Goldgrube.“

Der erfahrene Ausstatter Ari Hantke („Der neunte Tag“, „Der Stellvertreter“) leitete ein Team von hundert Mitarbeitern an, um die Innendekorationen und das in Malta ankernde Über-Wasser-Modell aus „U-571“ für die neue „Feindfahrt“ herzurichten. Dazu Hantke: „In einer Komödie sind die Inszenierung und Schauspieler lustig – aber der gesamte Rest des Teams muss umso ernsthafter arbeiten, damit das Ganze glaubwürdig im Sinne eines seriösen historischen Kriegsfilms wirkt.“

Ganze fünf Wochen war das Team in Cinecittà im stickigen Rumpf des Boots eingepfercht. „Nichts hat mich in den letzten zehn Jahren mehr angestrengt“, stöhnt Atze Schröder. „Es war irrsinnig heiß in der engen Röhre mit den 50 Darstellern, dem Team und den Scheinwerfern. Die Stimmung war so, dass wir dachten: ,Die englischen Bomben, die laut Drehbuch von oben auf uns herabtrudeln, sind noch das geringste Problem.‘ Aber: Je anstrengender der Dreh, desto besser das Ergebnis. ,No pain, no gain‘, wie die Amerikaner sagen. Schon allein deswegen haben wir einen tollen Film gemacht.“

Die meisten Außenaufnahmen entstanden auf der Mittelmeerinsel Malta. Unterwaldt berichtet: „Wir entschieden uns für diesen Drehort, weil wir nach langer Suche in allen Mittelmeerhäfen von Kroatien bis Spanien auf Malta ein Hafengelände fanden, das dem Hafen von Toulon im Jahr 1944 entspricht: Alle heutigen Häfen sehen viel zu nett und ansprechend aus. Denn Toulon war durchaus kein pittoresker Hafen, sondern ein heruntergekommener Industriehafen mit vielen Werften – in Toulon haben die Franzosen ihre eigene Flotte versenkt, damit sie den Deutschen nicht in die Hände fiel. Nur auf Malta gibt es noch ein Werftgelände mit den alten Kränen und Docks, die den Bildern des damaligen Toulon entsprechen – wir mussten sie allerdings mit etlichen Ausstattungselementen ergänzen.“

Und der Regisseur fährt fort: „Der zweite wichtige Grund für den Dreh auf Malta: Dort liegt nach wie vor die Über-Wasser-Version des Boots aus „U-571“. Dieses Boot schwimmt wie ein Ponton auf dem Wasser und entspricht in den Dimensionen genau den 67 Metern des Typs VIIC und damit der Innendekoration in Cinecittà. Es ist seetüchtig und lässt sich von einem Techniker manövrieren, der im Aufbau verborgen ist.“

Atze Schröder erinnert sich: „Als ich vor Malta im Baströckchen oben auf dem Außendeck des Boots tanzte, lief gerade das Kreuzfahrtschiff Aida in den Hafen von Valletta ein. Alle Passagiere samt Besatzung schauten mir zu, und die staunten nicht schlecht, als ich dann spaßeshalber die Bordkanone auf sie richtete… In Malta haben wir auch eine Szene gedreht, um speziell die Frauen ins Kino zu locken: 40 Mannschaftsmitglieder springen splitternackt ins Wasser, wobei wir all die Ärsche besonders abschwenken!“

Für diesen Schwenk wie für alle restlichen Aufnahmen zeichnet Kameramann Stephan Schuh verantwortlich, mit dem Regisseur Unterwaldt besonders gern zusammenarbeitet: „Stephan hat ein unglaubliches visuelles Gespür. Wer Bully Herbigs ,Der Schuh des Manitu‘ und „(T)Raumschiff Surprise – Periode 1“ sieht, merkt sofort, dass Stephan als Kameramann absolut amerikanisch denkt – das ist ein Look, der mir sehr gefällt.“

Schuh ergänzt: „Wir haben den Ehrgeiz, an das Original-,Boot‘ heranzureichen, ohne es zu kopieren, sodass wir uns also jede Menge Freiheiten nehmen können. In der engen Blechröhre ist man aber bei der Lichtsetzung sehr eingeschränkt. Doch wenn man so minimalistisch arbeiten muss, findet man oft auch sehr hübsche Lösungen für die Probleme. Kameramann Jost Vacano hat damals in ,Das Boot‘ Großartiges geleistet – in Bezug auf U-Boote hat das seither niemand erreicht. Bei manchen Szenen frage ich mich, wie er das gemacht hat, und einiges haben wir auf unserem Boot dann ,nachgespielt‘.“

Wegen der großen Enge drehte Schuh zwei Drittel des Films mit der Handkamera – sogar die sonst häufig eingesetzte Steadicam war an diesem Set zu sperrig. „Vacanos Team hat in der Bavaria ohne Ton gedreht. Doch bei einer Komödie ist es sehr wichtig, Originalton zu verwenden, weil sonst der spontane Comedy-Effekt durch die Nachsynchronisation leiden würde. Dadurch ist der Dreh auch kameratechnisch schwieriger, weil wir keine Kameras verwenden können, die Lärm machen.“

Zum authentischen Look des Boots gehören entsprechende Original-Uniformen, die in der Verantwortung der erfahrenen Kostümbildnerin Monika Jacobs („Lola rennt“, „Der Krieger und die Kaiserin“, „Die Luftbrücke“) lagen. Sie erzählt: „,U-900‘ war für uns eine echte Herausforderung, weil man zunächst glauben könnte, dass alle Uniformen gleich aussehen. Wir hatten aber den Ehrgeiz, den einzelnen Darstellern trotzdem ein individuelles Aussehen zu geben. Anhand von Lothar-Günther Buchheims Fotos, die das Leben an Bord des U-Boots zeigen, können wir belegen, dass der Uniform-Zwang unter den Seeleuten sehr lax ausgelegt wurde – sie sahen oft eher so aus wie bei Oma am Kaffeetisch. Es ist also durchaus möglich, dass der eine einen Pulli, der andere ein kariertes Hemd, der dritte eine Afrika-Uniform trägt. Gerade in Komödien muss man auf historische Exaktheit achten, bis hin zu den U-Boot-Päckchen (der Grundausrüstung für die Mannschaft an Bord).“

Weil die Schauspieler sowohl auf dem Studio-Set als auch auf See vor Malta damit rechnen mussten, nass zu werden, musste Jacobs’ Team nicht nur für die Hauptdarsteller, sondern auch für die Komparsen jeweils drei oder sogar vier identische Kostüm-Sets vorhalten, damit bei einer Szenenwiederholung ausreichend trockene Kleidung zur Verfügung stand. Das erforderte eine komplizierte, aufwändige Logistik, denn auf See mussten Darsteller und Team ständig zwischen dem Motiv (der U-Boot-Attrappe) und der Produktionsbasis auf einem Transportschiff mit Motorbooten hin- und hermanövrieren – und sei es nur, um die Toilette zu benutzen.

Trotz des sommerlichen Wetters und der glatten See wurden etliche Team-Mitglieder seekrank (was sich meist mit Tabletten beheben ließ). Aber auch schwere Erkältungen und Verletzungen durch Flaschendeckel, die durch den Druck in der Cola-Flasche zu gefährlichen Geschossen wurden, führten zu tagelangen Ausfällen im Team. Maxim Mehmet brach sich daheim in Deutschland den Arm und musste den Gips beim Dreh vor der Kamera verstecken.

Die Münchner Trickschmiede Scanline hat sich mit den visuellen Effekten zu Bully Herbigs „Der Schuh des Manitu“ und „(T)Raumschiff Surprise – Periode 1“, aber auch mit Wassereffekten in internationalen Filmen wie „Poseidon“ und „300“ profiliert. Zu „U-900“ steuert das Team unter anderem das zerbombte Essen-Kray und das New York von 1944 bei. Auch die Unterwassersequenzen in der Meerenge von Gibraltar stammen aus den Scanline-Rechnern.

Um die aufwändig gestalteten Bildpanoramen in „U-900“ angemessen zu untermalen, engagierten die Filmemacher ein 70 Mann starkes Symphonieorchester, wie Unterwaldt berichtet: „So bekommen wir 90 Minuten lang einen großen klassischen Score von Karim Sebastian Elias, der für mich schon die Musik zu ,Siegfried‘ geschrieben hat. Dadurch werden die großen Filmbilder um eine weitere entscheidende Dimension ergänzt und erweitert.“

Dustin Semmelrogge sagt abschließend: „Mein Vater hat im ,Boot‘ mitgewirkt, und ich habe schon im Kindergarten Szenen daraus mit meinen Freunden nachgespielt – ich bin damit aufgewachsen, und schon deshalb lag mir ,U-900‘ am Herzen – es ist eines der schönsten Projekte, an denen ich bisher mitgewirkt habe.“

Yvonne Catterfield erzählt dazu: „Ich bin richtig traurig, dass die Dreharbeiten vorbei sind – das habe ich bei der Arbeit nur sehr selten erlebt.“ Und über den Film sagt sie: „Das Publikum lacht und weint mit den Figuren, es bangt um sie, denn die Story ist sehr dramatisch. Eine Komödie setzt Wahrheit und Schmerz voraus – eine gute Komödie ist im Grunde auch eine Tragödie. Humor ist also eine Überhöhung der Wahrheit. Die komischen, überhöhten Elemente unserer Geschichte sind auch eine erzählte Wahrheit. Sie entstehen dabei nicht aus den Gags, sondern aus der Situation, aus der Konstellation der Figuren. Dadurch funktioniert die Story so gut.“ Mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu: „Die Zuschauer dürfen sich auf den schönsten Damenbart der Filmgeschichte freuen!“

Und Atze Schröder weiß: „Comedy hat viel mit Herz zu tun – das ist ein Ratschlag von Rudi Carrell, der mich sehr gefördert hat. Den Ratschlag habe ich immer beherzigt. Ob ,U-900‘ eine Botschaft hat? Ja: Dies ist ein U-Boot-Film. Wir tauchen auf 210 Meter: Tiefer kann eine Botschaft nicht sein.“

Der Regisseur über den Film

„Ich bin Jahrgang 1965 und fühle mich zur ,Generation Boot‘ zugehörig“, sagt Regisseur Sven Unterwaldt. „Wolfgang Petersens Film kam 1981 ins Kino und hat sicher dazu beigetragen, dass ich Regisseur werden wollte. Noch mehr begeisterte mich dann die fünfstündige Fernsehfassung, die ich in meiner Heimatstadt Lübeck sogar auf der Leinwand sehen konnte. Petersen war bereits Vorbild für mich, seit er sich mit berühmten ,Tatort‘-Episoden wie ,Reifeprüfung‘ profiliert hatte. Mit dem ,Boot‘ präsentierte er nun Weltkino, es folgten dann ,Die unendliche Geschichte‘ etc. – das machte richtig Lust, diesen Beruf zu ergreifen.“

Unterwaldt weiter: „Nach Papas Kino à la „Wenn die tollen Tanten kommen“ und dem jungen deutschen Film mit Wenders und Fassbinder war dies ein neues Kapitel im deutschen Film: ein großes, anspruchsvolles aufwändiges, packendes Kinoabenteuer auf internationalem Niveau. Das hatte es vorher nicht gegeben. ,Das Boot‘ lief in einer Zeit an, in der mich das deutsche Kino sehr wenig interessierte. Ich schaute mir lieber amerikanische Filme an. Umso begeisterter war ich, als mit dem ,Boot‘ ein Film in die Kinos kam, der in jeder Hinsicht Weltformat hatte.“

„Das Boot“ – ein deutscher Kinomythos

Petersen zeigt anfangs durchaus die Heldenverehrung, die die U-Bootfahrer erlebten, wenn sie in schicken Uniformen an Bord antraten und mit Marschmusik aus dem Hafen geleitet wurden. Der Kontrast zur anschließenden Realität des Krieges ist umso stärker. Es ging Petersen nicht darum, die Kriegsschuld zu diskutieren, die Soldaten als Kriegsverbrecher zu zeigen. Vielmehr stellt er eine Gruppe blutjunger Männer in den Mittelpunkt, die durch Propaganda verführt und für eine größenwahnsinnige Idee sinnlos geopfert werden.

Dafür steht besonders der begeisterte Kriegsberichterstatter Leutnant Werner (Herbert Grönemeyer), der zunächst vorhat, einen flammenden Heldenbericht über die U-Bootfahrer zu verfassen, bis er dem Tod ins Auge sieht und den Irrsinn des Konzepts erkennt.

Etliche Filmkritiker verrissen den Film, waren uneins, ob der Film als traditioneller „Kriegsfilm“ oder als „Anti-Kriegsfilm“ einzustufen sei. Doch das Publikum reagierte begeistert: 3,8 Millionen Zuschauer sahen den Film in den deutschen Kinos. Bei Produktionskosten von DM 25 Millionen spielte er 160 Millionen ein. Und auch in den USA erwies sich die Präsentation des Films bei der Uraufführung als wahrer Triumphzug: Als der Film in Los Angeles zum ersten Mal gezeigt wurde, klatschten die Zuschauer, als im Vorspann eingeblendet wird, dass von 40.000 deutschen U-Boot-Fahrern 30.000 nicht zurückgekehrt seien. Doch der Film kehrte dann die Stimmung des Publikums ins komplette Gegenteil: Petersen wurde anschließend begeistert gefeiert. Produzent Günter Rohrbachs Erklärung für den Erfolg: Das Boot ist eine Mischung aus Käfig, Tier und Waffe – diese ungewöhnliche Kombination trug zur außerordentlichen Publikumswirkung bei.

Der Film wurde 1983 in sechs Oscar-Kategorien nominiert: Regie, Drehbuch, Schnitt, Kamera, Ton und Tonschnitt. Nie zuvor hatte ein fremdsprachiger Film derart viele Oscar-Nominierungen auf sich vereinigt. Und nach wie vor hält „Das Boot“ den Rekord als erfolgreichster deutscher Film in den USA.

„Was mich so fasziniert: Petersen macht eine klare Aussage gegen den Krieg, verpackt das aber in eine mitreißende Story“, sagt Sven Unterwaldt. „Dagegen finde ich andere Filme wenig überzeugend, die ihr anspruchsvolles Thema so schwer verdaulich aufbereiten, dass sich nur Intellektuelle durchquälen mögen. Petersens Thema ist sehr wichtig, aber er gestaltet es mit Hollywood-Mitteln derart spannend, dass er damit ein viel größeres Publikum nicht nur erreicht, sondern auch beeindruckt. Denn wir werden unentrinnbar mit hineingezogen in die klaustrophobische Enge des Boots – vor allem nach der fünfstündigen Fassung kommt man aus dem Kino und atmet erstmal tief durch, fühlt sich wie befreit und freut sich, dass man festen Boden unter den Füßen hat. Das ist für mich eine Regieleistung, die mich ungeheuer beeindruckt, die Vorbildcharakter hat.“

Nicht nur die ,Boot‘-Story liefert Motive für „U-900“, auch bei der Besetzung „zitiert“ Unterwaldt sein Vorbild: Jan Fedder, der diesmal den legendären Kapitänleutnant Rönberg spielt, war im „Boot“ als Pilgrim zu sehen. Ebenso bewusst besetzte Unterwaldt zwei Söhne von inzwischen berühmten „Boot“-Veteranen: Martin Semmelrogges (II. Wachoffizier an Bord von U-96) Sohn Dustin spielt den Funker Tillkowski, und Ralph Richters (Frenssen an Bord von U-96) Sohn Maxwell ist in „U-900“ als Tillkowskis Kamerad Jensen zu sehen. Die beiden werden im Film bewusst als Duo präsentiert, das sich ständig streitet und den Außenseiter Messerschmidt (Maxim Mehmet; angelehnt an Leutnant Werner/Herbert Grönemeyer) aufs Korn nimmt.

Eine weitere direkte Anlehnung an das Original ist Maschinist Albert (Unterwaldt-Spezi Axel Neumann, der bereits in „Siegfried“ und „7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug“ dabei war), quasi eine Verbeugung vor Erwin Leder, der in „Das Boot“ das „Bordgespenst“ Johann spielte. In vielen Einstellungen wird Petersens Film zitiert, zum Beispiel wenn die Kamera den nackten Hintern eines Matrosen einfängt.

„Ich entwickelte mich im Laufe der Vorbereitung zu einem echten U-Boot-Experten“, berichtet Unterwaldt. „Wir haben umfangreich recherchiert über den U-Boot-Typ VIIC, den Petersen in ,Das Boot‘ verwendet und der der meist verbreitete Typ der deutschen Flotte war. Auch wir verwenden dieses Modell.“

Der U-Boot-Typ VIIC war 67 Meter lang und hatte an der breitesten Stelle einen Durchmesser von 6,5 Metern. Die vom Werk garantierte Tauchtiefe betrug 90 Meter. Bei normaler Überwasserfahrt hatte das Boot eine Reichweite von 8850 Seemeilen. Es konnte bis zu 14 Torpedos laden. Höchstgeschwindigkeit: über Wasser 17,3 Knoten (32 km/h), unter Wasser 7,6 Knoten (14 km/h). Besatzung: 50 Mann.

Lothar-Günther Buchheim, Autor des Romans, der Petersen als Vorlage diente, hatte den U-Boot-Krieg selbst erlebt – er verewigte sich in der Figur des Kriegsberichterstatters Leutnant Werner (Grönemeyer). Neben dem Roman veröffentlichte er drei Bildbände zum Thema, die Unterwaldt und sein Team als Anschauungsmaterial benutzten. Darin wird wirklich jede Einzelheit des Lebens an Bord erklärt: Was macht der Maschinengast, was macht der Dieselmaat? Wie funktioniert das Tiefenruder? Dem Filmteam stand zudem ein hervorragender Marinefachberater zur Verfügung, der selbst zur See gefahren ist und beim Dreh ständig dabei war. „Er musste mir jede Einzelheit minutiös erklären“, sagt Unterwaldt. „Denn genau wie Petersen habe ich den Ehrgeiz, auch Fachleute unter den Zuschauern in dem Sinne zu beeindrucken, dass alle Details stimmen.“

Unterwaldt wendet sich nach den Grimmschen Märchen in den beiden Zwergenfilmen und Tom Gerhardt als „Siegfried“ zum dritten Mal einem deutschen Mythos zu. Ist das Zufall oder Methode?

„Das habe ich mich auch schon gefragt“, sagt der Regisseur. „Als Lebensentwurf geplant war das jedenfalls nicht. Es liegt wohl eher daran, dass ich ein großer Filmfan bin. Einerseits bin ich heute Filmemacher, andererseits bleibe ich weiter begeisterter Filmkonsument – ähnlich wie Quentin Tarantino, der kein Hehl aus seiner Begeisterung für die B-Filme der 70er-Jahre macht. Ich mag sehr viele Genres, liebte damals die berühmten russischen oder tschechischen Märchenfilme wie ,Rumburak‘ – also machte ich einen Märchenfilm. ,Siegfried‘ entstand aus meinem Faible für die großen Heldenepen. Und ebenso schätzte ich ,Das Boot‘. Als Filmemacher versuche ich das umzusetzen, was mich als Kinozuschauer fasziniert hat.“

„Ich habe großes Glück, dass sich Filme mit meinem Anspruch an Ausstattung und Detail heute überhaupt realisieren lassen“, fährt Unterwaldt fort. „Vor zehn, 15 Jahren war das noch kaum denkbar. Damals sahen die erfolgreichen deutschen Filme wie Fernsehproduktionen aus: ,Männer‘, ,Der bewegte Mann‘, ,Nach fünf im Urwald‘, ,Workaholic‘. Die kosteten ein Drittel des Budgets meiner Filme heute. Doch derzeit schaut sich das Kinopublikum gern aufwändige Produktionen an, weil ja im Vergleich auch die Fernsehproduktionen viel besser geworden sind – ich erwähne in diesem Zusammenhang nur die tollen TV-Filme von Nico Hofmann. Daher muss man im Kino noch eine Schippe drauflegen, um die Zuschauer zu beeindrucken, um sie in fremde Zeiten und Welten zu entführen, sodass sie das Gefühl bekommen, dass sich das Kinoticket auch lohnt. Also: Für die Produzenten sind meine Filme nicht gerade Schnäppchen – ich versuche sie immer zu überzeugen, dass sich die Investition lohnt.“

Dürfen Nazis komisch sein?

„,U-900‘ ist keine politische Komödie, wir zeigen die Nazis eher im Stil von ,Indiana Jones‘, als pure Bösewichte“, sagt Unterwaldt. „Der Amerikaner Steven Spielberg darf das – aber dürfen wir als Deutsche das auch: Nazis ,nur‘ als Schurken in einer Abenteuerkomödie präsentieren?

Oder geht das nur als Satire wie in Dani Levys ,Mein Führer‘? Stilistisch war mein konkretes Vorbild eher Ernst Lubitschs ,Sein oder Nichtsein‘: Die Mitglieder der Schauspielertruppe in dieser klassischen Komödie sind keine Helden, sie wollen die Welt nicht verändern, haben keine politischen Absichten, sie wollen einfach Theater spielen und überleben – und werden dabei von den Nazis gejagt. Atze verhält sich ganz ähnlich: Er will sich einfach nur irgendwie durch diese Zeit wurschteln und sich möglichst aus allem heraushalten. Aber er merkt im Verlauf der Handlung: So einfach geht das nicht.“

Sven Unterwaldt weiter: „Ich bin überzeugt: Auch wir dürfen die Nazis komisch zeigen. Im deutschen Film erleben wir einerseits die politische Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich: ,Napola‘, ,Sophie Scholl‘, ,Der letzte Zug‘ und weitere sehr wichtige Filme. Aber man darf nicht vergessen: In diese Filme gehen nur Zuschauer, die ohnehin schon die richtige politische Einstellung haben. Dagegen machen wir Filme für Zuschauer, unter denen manche vielleicht sogar für rechtes Gedankengut empfänglich sind. Das heißt: Wir machen Popcorn-Kino, in dem wir aber klar Flagge zeigen nach dem Motto: Die Nazis sind die Bösewichte, die nicht einmal eine moralische Grundposition haben, denn wir machen sie nach Strich und Faden lächerlich. Selbst der Obernazi verrät am Ende seine Ideale. Sie haben keinerlei Anstand, taugen also überhaupt nicht als Vorbild.

Einfach gestrickte Zuschauer mögen oft denken: ,Bösewichte sind echt cool in ihren schwarzen Ledermänteln.‘ In diesem Sinne tauchen Nazi-Embleme zum Beispiel in ,Sin City‘ auf.

Solch ein Interesse wecken unsere Nazis dagegen überhaupt nicht. Unsere Schurken sind einfach nur dumm wie die Nazis in ,Blues Brothers‘, die von den Helden von der Brücke gefegt werden: Sie sind eindeutige Loser. Auch das ist ein Bekenntnis gegen Rechts. Ob im Popcorn-Kino oder Intellektuellenfilm – man darf keine Gelegenheit auslassen, um Stimmung gegen Rechts zu machen. Und wenn das auf die Aussage ,Nazis sind doof‘ reduziert wird, dann ist das meiner Meinung nach in diesem Fall genau richtig.“

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