Twixt

  1. Ø 0
   2011
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Filmhandlung und Hintergrund

Twixt: Gothic Romance, Horrorwestern und verquere Philosophiestunde mit Val Kilmer als geplagtem Schriftsteller.

Ein drittklassiger, dem Alkohol nicht abgeneigter Autor von Gruselgeschichten macht auf seiner Lesereise in einer verschlafenen Kleinstadt Station. Der schrullige Sheriff des Orts erzählt ihm vom mysteriösen Mord an einem jungen Mädchen. In derselben Nacht erscheint dem Schriftsteller der Geist der jungen V, die ihn durch die Stadt führt und in deren dunkle Geheimnisse einweiht. Er ist sich nicht sicher, inwieweit sie mit dem Verbrechen zu tun hat, kommt aber durch sie mit seiner eigenen, ihn schwer belastenden Vergangenheit ins Reine.

Ein heruntergekommener Horrorbuchautor stößt in einer kleinen Stadt auf echten Spuk und düstere Geheimnisse. Kein geringer als Francis Ford Coppola inszenierte das originelle Spiel zwischen Filmkunst und Genreelementen.

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Kritikerrezensionen

  • Nach einer fast zehnjährigen Regiepause verkündete Francis Ford Coppolla ("Der Pate"), nur noch persönliche Herzensprojekte realisieren zu wollen. Finanziell abgesichert, interessieren den Mitbegründer des "New Hollywood"-Kinos inzwischen längst keine Mainstream-Blockbuster mehr, sondern nur noch ungewöhnliche, teils experimentelle Arbeiten, die er meistens selbst finanziert. Auf diesem Weg verweigertem ihm allerdings große Teile des Publikums und der Kritik die Gefolgschaft, was sowohl auf die surreale Literaturverfilmung "Jugend ohne Jugend" (2007) und das Familiendrama "Tetro" (2009) als auch auf den Spukthriller "Twixt" zutrifft. Leider gelangte das okkulte Spiel mit Genreversatzstücken und Wahrnehmungsebenen in kaum einem Land regulär ins Kino.

    Bei US-Festivaleinsätzen, nicht aber der Deutschlandpremiere auf dem Münchner Filmfest, lief das surreale Low-Budget-Drama in 3D. Francis Ford Coppolla drehte die beiden Traumsequenzen, in denen Schriftsteller Baltimore auf sein Idol Poe und das Vampirkind V trifft, in schwarzweiß und 3D, wobei er wie bei bei seinem Drama "Rumble Fish" von 1983 prägnante Elemente rot einfärbte. Das erweist sich nicht als einziger Verweis auf frühere Werke: Thematisch kehrt der vielseitige Filmemacher zu seinen Anfängen in Roger Cormans B-Picture-Schmiede zurück. Wie in seinem schwarzweißen Debüt "Dementia 13" von 1963 dreht sich die verschlungene Geschichte um eine bizarre Mordserie und die Bewältigung des Todes einer Tochter. Mit Bruce Dern als aufdringlich-übereifriger Sheriff gibt es ein Wiedersehen mit einem einstigen Star der Corman-Talentfabrik. Beide Künstler verdienten sich erste Meriten in dem auf Autokino-/“Exploitation“-Ware ausgerichteten Studio, wobei Coppolla seinem Förderer die nachträglich eingefügten Gewaltszenen bei "Dementia 13" übel nahm.

    Solche Splattereinlagen benötigt die surreale Spukstory "Twixt" keinesfalls. So bekommt man etwa die Leiche des toten Kindes im Obduktionsraum des Sheriffbüros, wo letztlich alle Fäden zusammen laufen, nie zu Gesicht. Allmählich verbindet sich die historische Greueltat um das Massaker an jungen Mädchen mit der aktuellen Mordserie. Richtig gruselig wirkt die mysteriöse Story um die Kirche mit sieben Uhren, die eine Reise in die düstere Vergangenheit und ihre ungelösten Geheimnisse ermöglicht, allerdings nie. Dass der Plot reichlich unausgegoren ausfällt, merkt man spätestens am abrupten Finale.

    Warum es ausgerechnet Val Kilmer in der Rolle des Trivialpoeten auf dem absteigenden Ast sein musste, bleibt zudem ein Rätsel. Zumindest liefert er eine witzige Performance für Batimores Schreibblockade: Der bezopfte Autor konzentriert sich eines Nachts stärker auf seine Schnapspulle als auf sein Notebook - ein in Jump Cuts erzählter Beleg für seinen Niedergang. Doch Coppollas Thriller dreht sich nicht allein um Probleme des kreativen Prozesses, sondern schneidet nebenbei zahlreiche weitere Sujets an wie die Serienkillerjagd, den Übergriff der Fiktion auf die Realität, der Vergangenheit auf die Gegenwart, Pädophilie und den Umgang mit dem Tod.

    Hall Baltimore selbst verlor seine Tochter, was sich negativ auf sein Schaffen und seine Ehe auswirkt. Daher erscheint das mysteriöse Geistermädchen wie eine Art Ersatztochter für den recherchierenden Autor, wobei sie ihre bedrohliche Aura nie verliert. Ebenso stellte der Tod seines Sohns die Ausgangslage für Francis Ford Coppollas Drehbuch dar, was er mit Erinnerungen an einen Traum in Istanbul verknüpfte.

    Darauf aufbauend erzeugt "Twixt" eine alptraumhafte Atmosphäre, und wie in einem eigenen Traum passen am Ende viele Versatzstücke nicht mehr richtig zusammen.

    Fazit: "Twixt" vermixt Elemente des komödiantischen Kleinstadtthrillers, des surrealen Horrordramas und philosophische Fragen zu einem teils amüsanten, teils überfrachteten Experiment.
  • Gothic romance, Horrorwestern, Philosophiestunde – Francis Ford Coppola sprengt die Grenzen des konventionellen Erzählkinos und Val Kilmer irrt durch die Handlung.

    Bevor er mit „Der Pate “ den Gangsterfilm neu definierte, ehe er mit „Apocalypse Now“ das ultimative Werk zum Vietnamkrieg schuf, arbeitete er an kleinen Horrorfilmen in Roger Cormans Talentschmiede: Francis Ford Coppola. Nun ist Coppola, einer der Köpfe des New Hollywood, mit „Twixt“ zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Als Produzent, Drehbuch und Regisseur in Personalunion erzählt er von einem drittklassigen Schriftsteller – ideal besetzt mit dem übergewichtigen, pausbäckigen Val Kilmer -, der auf Lesereisen durchs amerikanische Hinterland seine Spukgeschichten zu verkaufen versucht. Wenig Erfolg ist ihm dabei beschieden; da kommt ihm am Bücherständer eines Gemischtwarenladens die zündende Idee: Untote sind angesagt, über sie will er fortan schreiben – und einen Titel hat er schnell parat: „The Vampire’s Execution“.

    Wie zuletzt schon „Tetro“ und „Jugend ohne Jugend“ ist auch Coppolas jüngster Film eine ganz persönliche Angelegenheit, eine Spielerei, bei der er die Möglichkeiten des Mediums nutzt. Von den Schriften Poes und Hawthornes ist dieser Trip ins alkoholumnebelte Gehirn eines geplagten Autors beeinflusst, die Grenzen zwischen Realität und (Alb-)Traum sind schwer auszumachen – ein filmisches Experiment weit entfernt von Hollywoods Mainstream. Mal sind die Bilder schwarzweiß, dann wieder bunt, zwei längere 3D-Sequenzen werden mit einer auf der Leinwand erscheinenden Brille angekündigt und beendet.

    Elle Fanning wandelt als Untote (?) durch den nebeligen Wald, Ben Chaplin gibt sich als Edgar Allen Poe die Ehre und der schrullige Hinterwäldler-Sheriff Bruce Dern hängt irgendwann tot von der Decke seines Büros. Der Glockenturm des Provinzkaffs hat sieben Uhren, die Gebäude sehen aus, als wären sie Überbleibsel eines John-Ford-Westerns und man wäre auch nicht verwundert, würde Stephen King plötzlich durchs Bild marschieren. Gothic romance, Horrorwestern und verquere Philosophiestunde, ein kurzweiliges Hirngespinst, eine Leinwandposse. Coppola wollte sich wohl, frei nach Nestroy, einen Jux machen. geh.

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