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Fakten und Hintergründe zum Film "True Grit"

Fakten und Hintergründe zum Film "True Grit"
Poster True Grit - Vergeltung

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Über die Produktion

Die Leser der amerikanischen Wochenzeitschrift „Saturday Evening Post“ hatten 1968 als erste das Vergnügen, eine Geschichte kennenzulernen, der man sofort ansah, dass man sie einst zu den großen Klassikern der amerikanischen Literatur zählen würde. Die Geschichte, die als Fortsetzungsroman erschien und die Leser von der ersten Folge an so sehr fesselte, war Charles Portis’ „True Grit“. Die Story (in Deutschland ursprünglich unter dem Titel „Die mutige Mattie“ erschienen) erzählt von einem außerordentlich tapferen jungen Mädchen, das den Tod seines Vaters rächen will und dem dabei ein abgetakelter Provinz-Marshal und ein aufrechter Texas Ranger zur Seite stehen; gemeinsam reisen die drei ins Indianergebiet, um den Mörder aufzuspüren.

„True Grit“ entwickelte sich über die Jahrzehnte zum Bestseller, auch dank einer treuen Leserschaft, die das Wissen um den Wert des Buches stets von Neuem weitergab. Der Roman wurde zur Schullektüre; und er wurde bereits 1969 – mit John Wayne in der Rolle des Marshals – verfilmt.

Auch der Titel „True Grit“ wurde im Englischen zu einem feststehenden Begriff: „true grit“ – diese beiden Wörter stehen für eine Mischung aus Eigensinn, unbedingtem Durchhaltewillen und einem gewissen Maß an Selbstüberschätzung, die Menschen einen Weg aus noch so widrigen Umständen weist. Man könnte auch sagen, „True Grit“ umschreibt den Kern des amerikanischen Pioniergeistes. Aber in Portis’ Geschichte geht es um mehr als nur um Mut. Die Erzählerin ist, viele Jahre nach den Ereignissen, eine gealterte Mattie Ross, eine alte Jungfer, die nicht den geringsten Sinn für Sentimentalitäten hat. In dieser Figur findet sich auch etwas von der Ruhelosigkeit des amerikanischen Nationalcharakters, in dem der unauflösbare Widerspruch zwischen der Sehnsucht nach Abenteuern und dem Wunsch nach einem Zuhause angelegt ist. Die Personen Mattie, Rooster Cogburn und LaBoeuf tragen nicht nur untereinander – und mit den Schurken, die sie verfolgen – Konflikte aus, sondern auch in ihren Herzen, da sie nun einmal zwischen ungezähmter Wildheit und Rechtschaffenheit hin- und herschwanken.

Vor allem aber ist es Matties einzigartige Erzählstimme, die den Roman ausmacht, wie es etwa der Bestsellerautor George Pelecanos 1996 in einem Interview mit dem US-Radiosender NPR erläuterte: „Matties Stimme, ironisch und selbstsicher zugleich, ist eine der ganz großen Schöpfungen der modernen Literatur. Ich würde sie, ganz ohne Übertreibung, mit der von Huckleberry Finn auf eine Stufe stellen. Besonders wichtig ist, dass sie ganz unterschiedliche Leser anspricht, ob alt oder jung, ob gebildet oder ungebildet, ob reich oder arm. Sie ist ein Kunstwerk, das diese Unterschiede aufhebt.“

Portis schrieb insgesamt fünf Romane; „True Grit“ war nach seinem Debüt „Norwood“ sein zweiter. Portis’ typische Verbindung von volksnahem Humor mit großen moralischen Fragen fand immer wieder begeisterte Leser. Zu denen gehörten auch Joel und Ethan Coen, die ihrerseits eine Gabe für Geschichten besitzen, die das Publikum gleich in ihren Bann ziehen, beginnend mit ihrem ersten Film, dem Neo-noir BLOOD SIMPLE („Blood Simple – Eine mörderische Nacht“, 1984) und weiter mit so unterschiedlichen Werken wie RAISING ARIZONA („Arizona Junior“, 1987), MILLER’S CROSSING („Miller’s Crossing“, 1990), BARTON FINK („Barton Fink“, 1991), dem Oscar®-Gewinner FARGO („Fargo – Blutiger Schnee“, 1996), O BROTHER, WHERE ART THOU? („O Brother, Where Art Thou? – Eine Mississippi-Odyssee“, 2000), THE MAN WHO WASN’T THERE („The Man Who Wasn’t There“, 2001), dem Oscar®-prämierten NO COUNTRY FOR OLD MEN („No Country For Old Men“, 2007) und A SERIOUS MAN („A Serious Man“, 2009).

„Wir haben alle Bücher von Charles Portis gelesen“, erzählt Ethan Coen über die Entscheidung, „True Grit“ zu verfilmen, „aber dieser Roman schien uns besonders gut geeignet, einen Film daraus zu machen.“

Was die beiden Brüder besonders anzog und ihrem Sinn für das, was außerhalb der Norm liegt, entsprach, war Portis’ mutige Entscheidung, in den Mittelpunkt einer Geschichte voller Brutalität, bitterer Ironie und grausamer Wahrheiten ein einfaches Mädchen zu stellen, das sich nicht unterkriegen lässt. Matties Geschichte hat zweifellos einiges von der schonungslosen Darstellung menschlichen Verhaltens und von dem tiefschwarzen Humor, der das künstlerische Schaffen der Coens auszeichnet – und doch ist TRUE GRIT für sie eine Abkehr vom Gewohnten: Noch nie haben sie eine Geschichte so geradlinig, emotional und unironisch erzählt.

Joel Coen sagt: „Die Geschichte gehört für mich auf jeden Fall zu diesem merkwürdigen Genre Jugendliteratur.“ Und Ethan Coen ergänzt: „Sie wird von diesem sehr selbstbewussten 14-jährigen Mädchen erzählt; und genau das macht dieses Buch so seltsam und auch so humorvoll. Aber die Story hat auch etwas von ,Alice im Wunderland‘, weil sich das Mädchen in einer Umgebung wiederfindet, die aus heutiger Sicht absolut exotisch ist.“

Ethan Coen: „Was noch hinzukommt: Es sind exotische Schauplätze, aber es wird auch klar, dass sich Portis ganz genau mit dem Land und mit der damaligen Zeit auskannte. Er präsentiert die Details so unglaublich lebendig und echt, dass das Ganze schon wieder surreal wirkt.“

Der Roman ist zudem ein Western, und dieses Genre gehen die Coen-Brüder nun zum ersten Mal direkt an. Auch wenn manche NO COUNTRY FOR OLD MEN als Western sahen, ist jener Film für die Coens doch in erster Linie ein moderner Thriller. Der Tonfall der Filme unterscheidet sich, wie Joel erklärt: „NO COUNTRY FOR OLD MEN spielte in Texas, aber es war ein Film über das Hier und Heute. Niemand hat darin ein Pferd geritten, außer Leuten, die das auch jetzt noch tun, um durch die Wildnis zu kommen. Aber das hat es aus unserer Sicht noch lange nicht zum Western gemacht.“

Das Drehbuch blieb Portis’ Roman auch insofern treu, als dass Mattie im Zentrum steht und sich mit den Szenen, in denen sie als ältere Frau in einer angestaubten Wildwest-Show in Memphis nach Rooster Cogburn sucht, der Kreis der Geschichte schließt. Wie Portis im Roman, ging es auch ihnen im Film darum, Matties klarer, unverwechselbarer Stimme genug Raum zu geben und so ihre faszinierenden Mitstreiter Rooster Cogburn und den Texas Ranger LaBoeuf durch ihre Augen zu porträtieren, mit aller Entschlossenheit und Wahrhaftigkeit, die sie in ihnen sieht.

Für Jeff Bridges, der Cogburn spielt, war es die Vorstellung, wie die Coen-Brüder ihren eigenen cineastischen Stil mit dem unverwechselbaren Tonfall des Buches verbinden würden, die es für ihn so aufregend machte, eine so markante Figur auf neue Art und Weise anzugehen: „Als die Coens mir erstmals davon erzählten, dass sie TRUE GRIT machen wollten, sagte ich: Hm, gibt’s den Film nicht schon? Warum wollt ihr den noch mal machen?‘ Und sie sagten: ,Wir machen kein Remake, wir verfilmen den Roman neu!‘ Also habe ich das Buch gelesen und auch gleich kapiert, was sie meinten. Es ist wirklich die perfekte Vorlage für einen Coen-Brüder-Film. Und weil sie noch nie einen echten Western gemacht haben, ist es außerdem eine schöne Überraschung.“

Matt Damon, der LaBoeuf spielt, fügt hinzu: „Ich kannte das Buch überhaupt nicht, bevor die Coens es mir zu lesen gaben, aber es hat es wirklich verdient, als großer amerikanischer Roman anerkannt zu werden. Und ihre Fassung war einfach großartig. Sie haben so viel von den Dialogen übernommen und dabei genau eingefangen, wie authentisch Charles Portis seine Figuren sprechen ließ. Ich war absolut hingerissen. Und weil die Coens nun einmal solche herausragenden Künstler sind, erkennt man dahinter doch auch immer ihren ganz speziellen Tonfall.“

Barry Pepper, der den Verbrecher Lucky Ned spielt und der in TRUE GRIT zum ersten Mal für die Coens vor der Kamera stand, sagt: „Die Dialoge im Buch klingen, als ob Shakespeare Gedichte für Cowboys geschrieben hätte. Die Coen-Brüder haben den Rhythmus raus, sie haben ein ganz präzises Gespür für die Musikalität der Sprache. Besonders bemerkenswert an ihrer Fassung finde ich, wie außergewöhnlich und wie echt die Sprache wirkt. Was sie mit filmischen Mitteln aus dem gemacht haben, was Portis in seinem Roman angelegt hat, ist einfach wunderschön und etwas ganz Besonderes.“

Produktion: Die Besetzung

Da TRUE GRIT neben der Handlung von seinen starken Charakteren lebt, war das Casting der Darsteller von zentraler Bedeutung – und wie so oft bei Filmen der Coen-Brüder zog das Projekt viele renommierte und preisgekrönte Schauspieler an. Die Hauptrolle ging jedoch an eine Newcomerin: Hailee Steinfeld übernahm die Aufgabe, die überlebensgroße Figur der hartnäckigen Heldin Mattie Ross in Fleisch und Blut auf die Leinwand zu bringen – ein ungewöhnliches Mädchen, das mit seinen Ansichten nicht hinter dem Berg hält und sich von niemandem von seinem Ziel abbringen lässt.

Die richtige Besetzung für Mattie zu finden, stellte sich als nicht ganz einfach heraus. Mattie gehört zu der nicht besonders langen Liste starker Frauenfiguren in amerikanischen Literaturklassikern und ist tatsächlich eine Klasse für sich. Wegen ihres unerschütterlichen Eigensinns und ihrer zutiefst amerikanischen Geisteshaltung ist sie des Öfteren – u. a. von Walker Percy und Donna Tartt – mit Huckleberry Finn verglichen worden, und doch ist sie keineswegs mit einem Jungen zu verwechseln. Sie ist gewitzt, scharfzüngig und steht zu ihrem Wort und ist doch noch ein Kind. Wie Dorothy in THE WIZARD OF OZ („Der Zauberer von Oz“, 1939) ist sie weit, weit weg von zu Hause, und Matties Weg zurück wird nicht ohne Blutvergießen sein.

Die Herausforderung bestand darin, eine Schauspielerin zu finden, die gleichermaßen Matties Unschuld und Aufsässigkeit, ihre kindliche Verletzlichkeit und ihre Willensstärke zeigen könnte. Die Casting-Agentinnen Ellen Chenoweth und Rachel Tenner verbrachten Monate damit, überall in den USA offene Castings abzuhalten und dabei Tausende von Mädchen zu begutachten – eine sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Die Idealbesetzung wurde erst im allerletzten Moment gefunden: Die 13-jährige Hailee Steinfeld beeindruckte die Filmemacher mit ihrer starken Persönlichkeit und mit ihrer Furchtlosigkeit.

Joel Cohen kommentiert: „Wir haben uns Mädchen von überall her angeschaut, und am Ende sind wir im Großraum Los Angeles gelandet – da sieht man’s mal wieder. Wir haben Hailey erst ganz kurz vor Drehstart gecastet und können uns glücklich schätzen, sie gefunden zu haben.“

Ethan Coen sagt: „Sie hat einiges von ihrer Filmfigur: Sie ist vollkommen unbeirrbar und lässt sich von nichts und niemandem einschüchtern.“

Steinfeld sagt ganz offen, wie sehr sie ihre Figur liebt: „Gibt es jemanden, der sich nicht zu Mattie hingezogen fühlen würde?“, fragt sie: „Sie ist tough, sie hat Witz, und dabei ist sie erst 14, wirklich unglaublich. Sie verfolgt ein Ziel: den Mörder ihres Vaters zu finden. Sie hat sich vorgenommen, erst dann wieder ein eigenes Leben zu führen, wenn das erledigt ist – und dann legt sie los. Das haben wir beide gemeinsam: Uns hält nichts auf, wenn wir etwas wirklich wollen.“

Und Hailee wollte genau diese Rolle. Dafür erschien sie beim letzten Vorsprechen sogar in einem Rock und Oberteil aus Sackleinen, das ihre Mutter von Hand aus Kleidungsstücken der Heilsarmee genäht hatte. „Ich las zusammen mit Jeff Bridges und Barry Pepper und ich fühlte mich bereit für die Rolle. Das war ein sehr schönes Gefühl“, sagt sie.

Dennoch gab es für Steinfeld noch viel zu lernen, nicht zuletzt Reiten und Schießen; ihre Figur Mattie ist schließlich in beidem außerordentlich begabt. Hailee konnte reiten, allerdings nur im englischen Stil. „Ich nahm Unterricht, um das Westernreiten hinzubekommen“, erinnert sich Steinfeld: „Und eine Pistole abzufeuern, war für mich etwas völlig Neues; deswegen bin ich mit meinem Vater zu einem Schießplatz gegangen, um damit ein wenig vertrauter zu werden. Das hat auch wirklich geholfen, weil ich viel über den Rückstoß gelernt habe. Wenn man mit Platzpatronen schießt, gibt es keinen Rückstoß, aber Mattie wird davon in einer Szene nach hinten geschleudert und ich musste wissen, wie sich das anfühlt.“

Für Steinfeld war eine der größten Überraschungen, die schauspielerischen Leistungen ihrer Kollegen aus allernächster Nähe mitzubekommen. „Es war so: Man liest das Buch und hat eine Vorstellung davon, wie das alles aussehen wird, aber dann machen diese Jungs ihr Ding, und es ist ganz anders, als man erwartet hat. Es war eine großartige Erfahrung, denn dahin möchte ich als Schauspielerin auch kommen“, sagt sie.

In einer Szene musste Steinfeld eine ordentliche Tracht Prügel von Matt Damon als LaBoeuf einstecken, aber auch dabei war sie unerschrocken: „Nach jedem Durchgang fragte Matt: ,Ist alles okay? Ich hab dir nicht wehgetan, oder? Du sagst Bescheid, wenn, ja?‘ Aber für mich war das alles ein großer Spaß“, sagt sie.

Sie fasst ihre Erlebnisse so zusammen: „Ich musste mir überhaupt erst einmal darüber klar werden, dass ich diesen Film mit diesen wundervollen Schauspielern zusammen machte. Ich fühlte mich geehrt und war einfach dankbar, da zu sein, wo ich immer hin wollte.“

Die Besetzung der männlichen Hauptrollen dagegen verlief ohne Umwege. Schon sehr früh wussten die Coens, dass sie Jeff Bridges für die Rolle des Rooster Cogburn wollten. Bridges, der gerade einen Oscar als Bester Hauptdarsteller für seine Rolle als abgehalfterter Countrysänger in CRAZY HEART („Crazy Heart“, 2010) gewonnen hatte, hatte schon 1998 für THE BIG LEBOWSKI („The Big Lebowski“) mit den Coens zusammengearbeitet und dabei die Kultfigur des „Dude“ geschaffen.

In seiner Selbstbeschreibung ist Cogburn ein „fetter, einäugiger Mann“, und sein Ruf, der ihm vorauseilt, mag zu Matties Faszination beitragen, aber zu Beginn vermittelt er nicht gerade den Eindruck von Kompetenz. Er ist ein Säufer, er ist unhöflich und als jemand, der eine Randexistenz im Hinterzimmer des General Store verbringt, wirkt er nicht gerade wie Matties Retter, als sie zu ihm kommt, um sich seiner Fähigkeiten beim Aufspüren von Flüchtlingen zu bedienen. Er begeistert Mattie, und dann enttäuscht er sie wieder – und dennoch wird er zu ihrem respektvollen, zuverlässigen und geradezu ergebenen Partner auf der Reise.

Bridges ging völlig unvorbelastet an die Rolle heran, indem er John Waynes Darstellung, die aus einem sehr anderen Film und aus einer sehr anderen Epoche stammt, einfach ignorierte. Stattdessen waren es seine lebenslange Liebe zum Westerngenre (schon sein Vater Lloyd Bridges hatte in zahlreichen Western mitgespielt) und seine große Erfahrung mit Pferden (Jeff Bridges reitet seit dem Kindesalter und hat sich auch in zahlreichen seiner Filme als sattelfest erwiesen), die für ihn die Grundlage waren, sich ganz darauf zu konzentrieren, die unterschiedlichen Schichten seiner Rolle des Rooster Cogburn herauszuarbeiten – vielleicht der am schwersten greifbare Charakter all seiner Filmfiguren.

„Cogburn steht sozusagen auf beiden Seiten des Gesetzes gleichzeitig – mit einem Fuß bleibt er im Rahmen, mit dem anderen steht er außerhalb“, merkt Bridges an: „Aber Mattie sucht einen Mann, der wahre Entschlusskraft hat – und die hat er, massenhaft. Er ist so drauf, dass er Dinge zu Ende bringt, egal, welche Schwierigkeiten sich ihm dabei in den Weg stellen.“

Für Bridges bestand der Spaß, Cogburn zu spielen, auch darin, Hailee Steinfeld zu necken und sich mit ihr zu streiten, während sie Seite an Seite reiten – und dabei Cogburn zur Erkenntnis kommen zu lassen, dass ihn dieses Mädchen zu Taten drängt, von denen er nicht gedacht hätte, dass er sie noch vollbringen könnte. „Matties Rolle stellt die größte Herausforderung im Film dar, sagt Bridges: „Das ganze Skript dreht sich nur um sie. Ich machte mir anfangs ein wenig Sorgen um Hailee, weil dies ja nun ihr erster Film war, aber schon am Ende des ersten Drehtages sagte ich nur: Ein Glück, dass wir sie haben! Ihre unglaublich herzliche Art verbirgt sie hinter der rauen Fassade ihrer Filmfigur. Sie hat das so wunderbar hinbekommen, dass sie so gut wie keine Ratschläge von anderen brauchte.“

Neben Bridges als Rooster wurde der Oscar®-nominierte Matt Damon, der zuletzt als südafrikanischer Rugbyspieler in Clint Eastwoods INVICTUS („Invictus – Unbezwungen“, 2009) zu sehen war, in der Rolle des Texas Rangers LaBoeuf besetzt. Für die Rolle des feigen Mörders Tom Chaney, der die Jagd auslöst, entschieden sich die Coens für Josh Brolin, ihren Hauptdarsteller in NO COUNTRY FOR OLD MEN.

„Wir dachten, es könnte ganz interessant sein, Josh und Matt zusammen spielen zu sehen,“ sagt Joel: „Bei Stars von diesem Kaliber ist die Hauptarbeit, es hinzubekommen, dass beide zur selben Zeit verfügbar sind“ – in diesem Fall passte es tatsächlich, und Damon und Brolin kamen an Bord.

Beide brachten noch etwas mit, zusätzlich zu ihrem Ruf als ausgezeichnete Charakterdarsteller: beträchtliche Reitkünste. Ethan Coen sagt: „Wir wussten wohl, dass beide reiten konnten, aber das gab bei der Besetzung nicht den Ausschlag. Es stellte sich allerdings heraus, dass wir vor allem genau darauf hätten achten müssen: Es wäre absolut unmöglich gewesen, wenn die beiden nicht so gute Reiter gewesen wären.“

Damon hatte schon lang mit den Coens zusammenarbeiten wollen, aber es hatte sich, bis er die Rolle des LaBoeuf angeboten bekam, nie die Chance zur Zusammenarbeit ergeben. Die Figur sprach Damon sofort an: „Er ist ein Texas Ranger, der ziemlich von sich eingenommen ist; der Typ Windbeutel, der es versteht, Leute um sich zu scharen und Hof zu halten. Ein wenig erinnerte er mich an Tommy Lee Jones, und wir dachten auch an Bill Clinton: Leute, denen man gern zuhört, egal, was gerade das Thema ist. Dass er so überaus gesprächig ist, wird zu einem ständigen Witz, weil er Rooster Cogburn in den Wahnsinn treibt, und wir treiben das auf die Spitze: Selbst als er sich fast die Zunge abbeißt, hält ihn das nicht davon ab, weiterzureden.“ – Für die zweite Hälfte des Films klappte Damon seine Zunge mit einem Haargummi nach hinten, um so LaBoeufs sprachliches Handicap darzustellen.

Während sie beide aus jeweils eigenen Gründen Tom Chaney suchen, werden Cogburn und LaBoeuf zu Partnern – zu solchen allerdings, die sich streiten, gegeneinander anargumentieren und stets darauf aus sind, dem anderen eins auszuwischen, ungeachtet der Tatsache, dass sie eine gemeinsame Schutzbefohlene dabeihaben. „Sie sind wie Öl und Wasser“, sagt Damon. „Rooster hält nicht viel von LaBoeuf, und der wiederum ist sehr von sich eingenommen. Er versucht, Rooster zu beeindrucken, und ist angefressen, dass Rooster sich nicht um seinen Status als Texas Ranger schert – was LaBoeuf natürlich viel bedeutet. Es ist sehr amüsant, die Beziehung der beiden zu beobachten, das Macho-Gehabe, das ewige Hin und Her. Aber man kriegt auch Einblick in ihre wahren Charaktere, wenn sie gerade einmal nicht damit beschäftigt sind, sich aufzuplustern.“

„Diese Rivalität gemeinsam mit Bridges spielerisch auszufechten, brachte viele einmalige Momente“, sagt Damon. „Jeff ist für mich der klassische amerikanische Kinoheld, weil er auf perfekte Art und Weise unvollkommen ist. Er ist lustig, er ist dynamisch und er bringt eine Arbeitsfreude mit, die einfach ansteckend ist.“

Besonders war Damon auch von Hailee Steinfeld und der Art, wie sie ihren Mann stand, beeindruckt. „Sie bringt eine unglaubliche Leistung, was natürlich auch Joel und Ethan zu verdanken ist, weil sie sie gut angeleitet haben. Sie haben sie nicht anders behandelt als Jeff oder mich, weil sie wussten, dass sie damit umgehen kann.“

Damon weiter: „Es entsteht eine sehr interessante Dynamik zwischen Mattie, Rooster und LaBoeuf. Sie wächst in dieser unbarmherzigen Welt auf, und die beiden sind wie große Brüder oder Väter zu ihr, beide versuchen, sie zu beeindrucken, ihr zu zeigen, dass sie der Boss sind. Und doch erweisen sich beide am Schluss als wahre Ehrenmänner.“

Bridges machte es besonderes Vergnügen, Damon in seiner Rolle zu beobachten: „Er ist ein toller Texas Ranger“, kommentiert er. „Er bringt viel Komik und viel Charakter in diese Rolle, und er reitet super. Sein Spiel war einfach großartig, und immer, wenn man mit einem Schauspieler arbeitet, der so viel gibt, verbessert das auch dein eigenes Spiel und das von allen anderen.“

Ebenso ging es Barry Pepper, der Lucky Ned spielt, den Anführer der Gangsterbande, der sich Tom Chaney anschließt. Für ihn war es etwas ganz Besonderes, mit Brolin zu arbeiten: „Zuzuschauen, wie Josh diese Figur formt, war faszinierend, weil Tom dieser gorillaartige Schlägertyp ist, und wenn Josh ihn sich aneignet, dann bleibt absolut nichts von seinem wahren Ich zurück. Er war bereit, die Figur mit all ihren Fehlern darzustellen. Das hat mich wirklich schwer beeindruckt.“

Der Kanadier Pepper, der einem breiten Publikum mit SAVING PRIVATE RYAN („Der Soldat James Ryan“, 1998) bekannt wurde und jüngst in CASINO JACK („Casino Jack“, 2010) zu sehen war, kam spät ins Ensemble. Joel Coen: „Wir hatten Barry gar nicht auf dem Schirm, als wir mit der Besetzung begannen, aber er ist wunderbar und passte von seiner Ausstrahlung her einfach großartig hinein. Er ist wirklich interessant in der Rolle.“

Pepper erklärt seine Figur so: „Ned ist der Chef einer Bande von Halunken, Zugräubern und Banditen. Seine und Roosters Wege haben sich schon einmal gekreuzt, und es endete damit, dass er einen Schuss ins Gesicht abbekam, sodass er – ähem – interessant aussieht. Aber er hat es immer geschafft zu entkommen, und daher hat er seinen Spitznamen.“

Aber Lucky Ned ist nicht nur durch und durch böse. „Er ist kein kaltblütiger Mörder“, sagt Pepper: „Er ist mehr wie ein Wolf im Schafspelz. Ich glaube, dass er Mattie schließlich sogar bewundert, weil sie den Mumm hat, sich ihm entgegenzustellen. Er ist aus anderem Holz geschnitzt als Tom Chaney. Deswegen trennen sich ihre Wege schließlich auch, und deswegen gibt er Rooster Mattie zurück. Auf seine Weise zeigt auch Ned zumindest ein kleines bisschen Charakterstärke.“

Damit Lucky Neds kaputtes Gebiss und zerstörter Kiefer möglichst echt wirkten, trug Pepper eine Gesichtsmaske, die Make-up-Designer Christien Tinsley gestaltet hatte. „Er modellierte eine ganz fantastische Maske, komplett mit Kinn- und Schnurrbart wie bei General Custer. Wenn ich morgens aus dem Wohnwagen kam, erkannte mich keiner mehr wieder. Das hat auch beeinflusst, wie Ned seine Dialoge spricht“, sagt Pepper.

Zum weiteren Cast gehören Bruce Green als Harold Parmalee, Elizabeth Marvel als die erwachsene Mattie Ross, Domnhall Gleeson und Paul Rae als die Gauner Moon und Emmett Quincy, Ed Lee Corbin als der geheimnisvolle Reisende Bear Grit und schließlich Dakin Mathews als gerissener Pferdehändler Colonel Stonehill, dem Mattie eine Lektion in Sachen Geschäftstüchtigkeit erteilt.

Produktion: Setting und Design

Gerechtigkeit und Rache, Wildnis und Zivilisation, Individualität und Loyalität, Wahrheit und Legende, all diese großen Themen, die in TRUE GRIT nebeneinanderstehen, sind wahrhaft zeitlos – und doch ist die Handlung an einem ganz bestimmten Ort zu einer ganz bestimmten Zeit angesiedelt; in einer Ära, die wie keine andere die amerikanische Fantasie angeregt hat: die letzten Tage, in denen es noch eine wahre Westgrenze der USA gab. Die Geschichte beginnt 1878, als Mattie den Fluss zum Indianerterritorium überquert und ihr Abenteuer seinen Lauf nimmt. Zu dieser Zeit bestanden die USA erst aus 38 Bundesstaaten, und die Stadt, in der ihr Vater ums Leben kommt – Fort Smith in Arkansas – lag an der Westgrenze des Landes; es war die letzte Stadt in der Zivilisation, hinter der die „offiziellen“ Vereinigten Staaten in ungezügelte und daher gefürchtete Wildnis übergingen.

Gleich hinter der Grenze begann das Indianergebiet – ein Bereich, der durch den „Indian Intercourse Act“ gesetzlich den amerikanischen Ureinwohnern überlassen worden war (und erst 1907 zum Bundesstaat Oklahoma wurde). Dieses „Niemandsland“ zog Flüchtlinge, entlaufene Sklaven und viele andere an, die hofften, so von der Bildfläche verschwinden zu können. Einige von ihnen suchten Zuflucht in den Wäldern und im rauen Winding-Stair-Gebirge, 100 Kilometer von Fort Smith entfernt. So wurde Fort Smith auch zu einem wichtigen Einsatzort für die Polizeikräfte der U.S. Marshals, einer bunten Truppe, beauftragt, flüchtige Kriminelle zurückzubringen – tot oder lebendig.

Fort Smith galt als Verbindungstor zwischen den beiden Welten, und ein bekanntes Sprichwort lautete: „Westlich von St. Louis gibt es kein Gesetz mehr, und westlich von Fort Smith auch keinen Gott.“

Um das Leben auf beiden Seiten dieses konfliktbeladenen Grenzgebiets, das jederzeit wie ein Pulverfass hochgehen konnte, nachzustellen, arbeiteten die Coens mit einem vertrauten Team, zu dem Kameramann Roger Deakins und Produktionsdesigner Jess Gonchor gehörten. Beide machten sich schon sehr früh daran, ausführlich zu recherchieren und auf die Suche nach geeigneten Locations zu gehen, an denen man das späte 19. Jahrhundert, so wie es Mattie und Rooster Cogburn erleben, nachbauen konnte. Gesucht wurde ein Ort, an dem man auch noch im späten Frühling eine winterliche Szenerie hatte, und so zog man von Arkansas aus in nordwestlicher Richtung nach New Mexico und ins westliche Texas.

Joel Coen erklärt. „Die Geschichte spielt eigentlich in Arkansas und dem Oklahoma-Territorium, aber weil dies nun einmal ein Winterfilm ist und wir echten Schnee auf dem Boden brauchten, waren wir gezwungen, uns weiter nach Norden zu orientieren. Die meisten Außenszenen drehten wir in New Mexico und die meisten Szenen, die in Fort Smith spielen, haben wir in Granger, Texas, gedreht, in der Nähe von Austin.“

Roger Deakins hatte vor nicht allzu langer Zeit einen anderen Film gedreht, der zur selben Zeit im Wilden Westen spielte – Andrew Dominiks THE ASSASSINATION OF JESSE JAMES BY THE COWARD ROBERT FORD („Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“, 2007) – und außerdem für die Coens NO COUNTRY FOR OLD MEN. Diese beiden so unterschiedlichen Filme brachten ihm nicht nur Oscar®-Nominierungen ein, sondern bereiteten ihn auch gründlich auf die Arbeit an TRUE GRIT vor. „Für mich ist dieser Film eine Vermischung des reinen Realismus von JESSE JAMES mit dem poetischen Realismus der Cormac-McCarthy-Geschichte“, erklärt er: „Ich bin sehr froh, diese beiden Filme gemacht zu haben, bevor die Arbeit an TRUE GRIT begann.“

Deakins sagt, die folkloristische Anmutung des Films ergab sich nach und nach ganz natürlich, als er und die Coens sich an die Vorbereitungen machten. „Zuerst las ich das Buch, das so ergreifend ist und einem ein intensives Gefühl für diese Zeit vermittelt. Die Vorstellung, dass ein junges Mädchen erwachsen wird, indem es auf einen Rachefeldzug geht, ist brutal, aber dabei auch melancholisch. Doch weil die Geschichte tatsächlich auf den Erinnerungen des Mädchens basiert, bekommt sie eine ganz neue Dimension. Danach las ich das Drehbuch, und natürlich hatten die Coens das Ganze wie immer sehr bildhaft geschrieben. Sie hatten den Weg durch die Geschichte mit Storyboards vorbereitet, aber der Look des Films entstand wirklich erst nach und nach, von Szene zu Szene. Die Szene mit dem Galgenbaum zum Beispiel haben wir immer und immer wieder überabeitet. Ursprünglich sollte der Baum ganz frei inmitten der Wildnis stehen, aber dann fanden wir diese Ansammlung von Pappeln, die noch ganz kahl waren, aber kurz vorm Aufblühen standen. Dieser Hintergrund hat den Aufbau der ganzen Filmsequenz beeinflusst.“

Deakins und die Coens haben über die Jahre einen gemeinsamen Rhythmus der Zusammenarbeit gefunden, und doch war TRUE GRIT wieder etwas gänzlich Neues, wie Deakins sagt: „Der Film hat eine andere Ausstrahlung. Er fließt ganz geradlinig dahin. Es gibt nichts Kompliziertes oder besonders Ausgeklügeltes darin. Unser Ziel war, ganz schnörkellos zu erzählen. So wie der Film beleuchtet wurde, wie die Einstellungen aussahen, wie die Kamera in Beziehung zur Geschichte und zu den einzelnen Figuren steht – all das beruhte im Wesentlichen auf Bauchgefühl und unserer persönlichen Interpretation.“

Deakins erzählt weiter: „Die größte Herausforderung bestand darin, die extreme Weite der Drehorte einzufangen – und außerdem die Logistik für die ganzen Nachtdrehs hinzubekommen. Den Jungs war es sehr wichtig, die Landschaft bei Nacht im Bild zu haben, aber es ist sehr schwierig, diese Art von Landschaft bei nur sehr wenig Licht einzufangen. Ich wollte auch in den Nachtszenen ein wenig mit den Farben spielen, etwas stärker ins Blauspektrum gehen, als ich das normalerweise tue, oder mit dem Widerschein des Feuers in den Szenen am Lagerfeuer spielen, um so das harte Tageslicht von der geheimnisvollen Nachtstimmung abzugrenzen.“

Eine von Deakins’ Lieblingsszenen spielt sich jedoch bei Sonnenlicht ab: eine Szene noch zu Beginn des Films, in der Rooster Cogburn im Gericht von Fort Smith seine Schießwütigkeit rechtfertigt und dabei vom Lichteinfall durch ein großes Fenster in dramatische Schatten gehüllt ist. „Ich finde es toll, wie Rooster eingeführt wird: Es beginnt als Silhouette, und dann trifft ihn ein Lichtstrahl, sodass Mattie ihn erkennen kann“, sagt er: „Aber natürlich ist es etwas anderes, sich so eine Szene auszudenken, als sie dann auch tatsächlich in den Kasten zu bekommen.“

Auch auf den Szenenbildner Jess Gonchor wartete ein Haufen Arbeit. Seine Aufgabe war es, die Ideen der Coens in konkrete, echte Sets umzusetzen. Gleich als er Charles Portis’ Buch las, wurde ihm klar: Von zentraler Bedeutung würde es sein, den Zuschauer wirklich in das brutale Leben in der Grenzstadt Fort Smith hineinzuversetzen – dem Ort, wo Mattie mit dem Zug ankommt, entschlossen, den Tod ihres Vaters zu rächen.

Gonchor begann seine Recherche mit einer Reise in das heutige Fort Smith, das zur zweitgrößten Stadt von Arkansas gewachsen ist. Dort stand ihm das umfangreiche Archiv des örtlichen Heimatvereins mit zahllosen Fotos aus der Zeit des Wilden Westens zur Verfügung. So bekam Gonchor ein Gefühl dafür, wie der Ort damals ausgesehen haben musste. Als Nächstes begab er sich auf die Suche nach dem passenden Drehort, der für Fort Smith stehen sollte und an dem auch umfangreiche Bauarbeiten möglich sein würden – eine Reise, die ihn durch fünf Bundesstaaten führte. Die Wahl fiel schließlich auf das texanische Städtchen Granger, eine landwirtschaftlich geprägte Gemeinde in der Nähe von Austin. Granger hatte all das, wonach Gonchor suchte: Ziegelbauten aus der Zeit der Jahrhundertwende, historische Straßenzüge und vor allem den Anschluss an eine historische Eisenbahnstrecke, die noch aus den Zeiten der Union Pacific stammt.

Gonchor erzählt: „Granger ist wirklich wie aus der Zeit gefallen. Es gab Häuser, die in der Zeit nach dem Bürgerkrieg gebaut wurden, genau wie ich sie auf den alten Fotos gesehen hatte – und es gab den Bahnhof, der für uns so wichtig war: Wenn Mattie mit dem Zug ankommt, wollten wir ganz klar machen, dass Fort Smith das Ende der Strecke ist. Danach kommt nichts mehr.“

Granger bot Gonchors Team viele Möglichkeiten. „Man muss im Hinterkopf behalten, dass Fort Smith eine große Stadt war. Es war nicht bloß eine Bergwerkssiedlung oder ein Feldlager – es war ein Ort, an dem man den Geist der neuen Zeit spürte, ein Ort, an dem ständig Züge eintrafen, die neue Menschen in die Stadt brachten. Die Giebel der Häuser in Granger sind ganz fantastisch geformt. Historisch gesehen ist das zwar nicht ganz korrekt, aber man gewinnt dadurch großartige Motive und dramatische Schatten. Außerdem gab es in Granger immer wieder Stellen, an denen wir aufbauen konnten, was immer wir wollten. Ich konnte zum Beispiel sagen: Hier hätte ich gern Stonehills Scheune! Wir haben einen Riesenaufwand betrieben, die Stadt umzumodeln, aber wir hatten auch alle Freiheiten dabei.“

So schuf Gonchor aus einem Örtchen mit knapp 1.500 Einwohnern eine geschäftige Stadt, die voll vom Wirtschaftsaufschwung nach dem Bürgerkrieg erfasst wurde. „Wir haben auch ein paar digitale Effekte verwendet, um die Stadt zu vergrößern, aber nur sehr wenige“, sagt Gonchor. „Wir haben uns vor allem immer nach Möglichkeiten umgeschaut, wie wir die Stadt optisch größer wirken lassen konnten. Der entscheidende Punkt war für mich, als wir die asphaltierten Straßen mit Erde abdeckten. Dadurch wirkte der Ort gleich viel weitläufiger. Und das war der Moment, in dem ich wusste, dass wir es hinkriegen würden.“

Stonehills Scheune, wo Maggie um die Rückgabe der Ponys ihres Vaters feilscht, war eines von vielen Sets, die komplett mit Innenausstattung gebaut wurden; die Fläche diente vorher einer Autowerkstatt als Lagerplatz. Gonchor sagt: „Sie haben ihre Schrottautos weggeschafft – und wir haben Stonehills Scheune gebaut.“

Das Bestattungsinstitut entstand in einem entkernten alten Gebäude, das Gonchor mit großen Kisten aus Pinienholz füllte – Matties erste Unterbringung in Fort Smith. Die Pension, in die sie dann wechselt und wo sie sich das Bett mit einer schnarchenden Oma teilen muss, entstand in einem viktorianischen Ziegelbau in Granger.

Ein weiteres Set, das Gonchor besonders am Herzen lag, war Rooster Cogburns Schlafplatz im Hinterzimmer des Kaufladens, der in einem Studio in Santa Fe entstand. Gonchor erklärt: „Auch wenn es ein Studiobau war, wollten wir, dass das Ganze sehr natürlich und wie echt wirkt. Da lebt dieser Typ in einem völlig durchgelegenen Bett zwischen all dem Gerümpel, das sich im Laden angesammelt hat. Die Idee war, viele Schichten übereinanderzulegen. Wir haben immer mehr Sachen rangeschafft, und wenn jemand sie umgestellt hatte, um Platz für Neues zu schaffen, haben wir einfach alles so liegen lassen, wie es war. So bekamen wir ein Durcheinander hin, das richtig lebensecht wirkte.“

Dann gab es noch das Gericht, wo Mattie zum ersten Mal Rooster begegnet – dieses Gebäude tat Gonchors Team im Ort Blanco im texanischen Hill Country nördlich von San Antonio auf. „Es diente als Mehrzweckhalle und war wie ein Rohdiamant. Für uns war es perfekt, weil wir so ein perfektes Bild der eher improvisierten Gerichtsgebäude der Zeit bekamen.“

Ein Großteil des Films bestand jedoch aus Außenaufnahmen, und diese Schauplätze waren, so Gonchor, nicht weniger entscheidend für die Struktur der Geschichte als die Innenräume – und auch nicht minder herausfordernd. Einer der markantesten Schauplätze, der auch für die Atmosphäre der Geschichte wichtig war, war die Flussquerung, wo Mattie dem Fährmann entkommt und Cogburn und LaBeouf ans andere Ufer folgt. Den richtigen Ort hierfür zu finden, war alles andere als einfach. Gonchor: „Dies ist der erste Ort, an dem wir aus der Stadt heraus und wirklich in die Wildnis hinein kommen. Wir brauchten die genau richtige Art von Querung, eine Breite, die ein Pferd gut durchschwimmen konnte, und wir brauchten den Kontrast zwischen der einen gepflegten Uferseite und dem viel raueren anderen Ufer. Das hat uns viel Arbeit gekostet.“

Ein weiterer Lieblingsort war für Gonchor „Bagby’s Outpost“, die Handelsstation am Waldrand, am Fuß des Winding-Stair-Gebirges, wo sich Händler treffen, um Waren und vor allem Neuigkeiten auszutauschen. Gonchor nennt sie „das rustikalste Ding im ganzen Film“.

Er kommentiert: „Ich liebe es, weil dieser Ort einem wirklich zeigt, dass man nicht länger in der Stadt ist. Wir fanden den idealen Standort in Las Vegas, New Mexico, wo wir die Hütte bauen konnten. Ich ließ mich beim Design von einem Gebäude inspirieren, das ich bei der Recherche aufgespürt hatte und das um einen Mast herum gebaut worden war. So etwas hatte ich noch nie gesehen, und es war genau das, was wir für die Einstellungen brauchten, die wir haben wollten. Man kriegt nie die Chance hineinzuschauen – ebenso, wie man niemals Matties zu Hause im Bild sieht. Mir gefällt, dass solche Fragen in der Geschichte offenbleiben.“

Eine weniger stabil wirkende Hütte wurde als das Haus von Greaser Bob errichtet; der Ort, an dem Mattie und Cogburn Lucky Neds Bande in einen Hinterhalt treiben wollen. Nach langer Suche fand Gonchor einen Canyon mit nur einem einzigen Zugang auf der San Cristobal Ranch in Lamy, New Mexico, der alle Voraussetzungen erfüllte. „Es war eine längliche Schlucht, die von Felswänden begrenzt war. Wir kamen auf die Idee, unsere Hütte zwischen den Felsen zu vergraben. Sie sollte wie ein echtes Versteck wirken: Dazu mussten wir ein Häuschen bauen, das man beheizen konnte und das Leuten als Unterschlupf dienen konnte.“

Während des Drehs der Szenen bei Greaser Bob hatte die Produktion das unverhoffte Glück, dass Schneefall einsetzte; so kam die beeindruckende Einstellung zustande, in der die Leichen, die Rooster, LaBoeuf und Mattie an die Außenwand der Hütte gelehnt zurücklassen, langsam von Schneeflocken zugedeckt werden.

Der Felsvorsprung, auf dem Lucky Ned und seine Bande campieren, und das Grasland, auf dem sich Rooster mit der Bande duelliert, fanden sich auf der Charles R. Ranch in der Nähe von Las Vegas, New Mexico. Die historische Handelsroute des Santa-Fe-Trail verläuft genau durch diese Besitzung, und die Spurrillen, die die Räder der Pferdwagen vor vielen, vielen Jahren hinterlassen haben, sind immer noch zu sehen, was die besondere Atmosphäre des Ortes noch steigerte.

An diesem Ort stürzt Mattie schließlich auch in die Schlangengrube. Charles Portis’ Vorbild dafür war die echte „Rattlesnake Cave“ in der Nähe von Fort Smith, wo in den 1880er-Jahren ein Deputy Marshal namens John Spencer zu einer lebenden Legende wurde, nachdem er sich bei den Ermittlungen zu einem Mordfall einen Kampf auf Leben und Tod mit mehreren Klapperschlagen geliefert hatte. Die Außenaufnahmen der Schlangengrube fanden in einer alten Mine statt, in der früher Türkisgestein abgebaut worden war, das Innere der Grube wurde allerdings im Studio in Austin nachgebaut. Der Produktionsdesigner sagt. „Wir brauchten einen stabilen und sicheren Ort, allein schon deswegen, weil wir in dieser Szene so viele Nahaufnahmen haben. Wir haben ein riesiges Set aufgebaut mit einer Gesamthöhe von 20 Metern – das größte Set im ganzen Film – und haben die Höhle dann aus dem Bauschaum herausgekratzt. Sie musste eng und beängstigend sein, aber dabei der Kamera auch erlauben, aus Matties Perspektive zu zeigen, wie die Schlangen aus den daliegenden Skeletten herausgleiten.“

Die letzten Szenen des Films bedeuteten für die Produktion einen Zeitsprung, als es um die Sequenz ging, in der die erwachsene Mattie auf der Suche nach Rooster ist, der in einer Wild-West-Show in Memphis auftreten soll. Gonchor hatte dabei stets im Blick, wie sehr sich die Welt in den 25 Jahren seit Matties Abenteuern in der Wildnis verändert hatte.

„Selbst als wir noch an Fort Smith bauten, dachte ich schon darüber nach, wie unser Memphis aussehen müsste, das wir 25 Jahre später zeigen“, sagt Gonchor: „In der einen Einstellung, in der Mattie mit dem Zug ankommt, können wir sehen, dass die Häuser jetzt geschwungene Bögen haben, dass in größerem Maßstab gebaut wird und dass die ganze Stadt vom technischen Fortschritt durchdrungen ist. Und dort stößt sie auf die Wildwest-Show, was sie in die alte Zeit zurückversetzt.“

Gonchor erforschte die Geschichte der Wildwest-Shows, die das Leben im Westen dem Publikum im Osten des Landes in glamouröser und stark übertriebener Form präsentierten; als Mischung aus exakten Nachbildungen und reiner Fantasie. Er sagt: „Es war wie die Westernversion eines Wanderzirkus. Das Schönste für mich war es, all diese wunderbaren Flaggen und Banner und die Wagen zu entwerfen. Wir wollten genau diese Art von staubiger, sonnengebleichter und in die Jahre gekommener Wildwest-Show zeigen, in der Rooster Cogburn enden würde – nichts Tolles, nichts Glitzerndes, nichts Glamouröses. Alles sieht so aus, als ob es mindestens zehn Jahre lang Sonne und Regen abbekommen hat. Das reicht schon, um in Mattie die Gefühle wieder auszulösen, die sie damals gegenüber Rooster hatte.“

Am Ende waren es all die sorgfältig geplanten Details des Szenenbildes, durch die die Geschichte erst den echten Charakter einer amerikanischen Legende annehmen konnte, in all ihrer epischen Weite. Roger Deakins fasst es so zusammen: „So hart unsere Arbeitstage und Nächte auch waren: Das Fantastische an diesem Dreh war, dass wir wussten, am Ende entsteht etwas ganz Besonderes, und wir wussten ja auch, dass keiner härter daran gearbeitet hatte, diese Welt zu erschaffen, als die Coens selber.“

Produktion: Die Kostüme

Die 1870er-Jahre, in denen TRUE GRIT angesiedelt ist, forderten Kostümbildnerin Mary Zophres (die bereits zum zehnten Mal mit den Coen-Brüdern zusammenarbeitet) heraus und stachelte sie zu Höchstleistungen an – und die Darsteller wussten zu schätzen, was Zophres’ intensive Recherche und die detaillierten Überlegungen, was für Kostüme zu welcher Figur passen, ergab.

Jeff Bridges sagt: „Ich hatte mit Mary schon bei THE BIG LEBOWSKI zusammengearbeitet, und ich bewundere ihr Können. Sie gab mir wunderbare Bücher, in denen ich alle möglichen Stile fand, wie sich jemand wie Rooster gekleidet haben könnte. Dann suchten wir zusammen den richtigen Hut, die richtige Augenklappe und die richtigen Stiefel aus – die Stiefel sind sehr wichtig – und das versetzt einen wirklich in diese Zeit zurück.“

Hailee Steinfeld fügt hinzu. „Einfach schon diese Sachen anzuziehen, macht einen großen Unterschied aus, und das zeigt sich dann auch beim Spielen.“

Barry Pepper war besonders von den wuchtigen weißen Wollchaps beeindruckt, die Zophres für ihn extra anfertigen ließ. „Ich wusste nicht recht, ob das funktionieren würde, diese monströsen Dinger die ganze Zeit zu tragen, aber sie erklärte mir, dass sie bis zum Dreh richtig abgenutzt und ausgewaschen aussehen würden, weil die Coen-Brüder eben alles so realistisch wie nur möglich haben wollen. Dann suchten wir Hüte, Gürtelschnallen und Sporen aus; all diese Sachen sagen einiges über denjenigen aus, der sie trägt.“

Zophres behauptet zwar im Scherz, das Geheimnis eines Westers seien einfach zwei Dinge, nämlich Hüte und künstliche Alterung – dennoch begann sie ihre Arbeit an TRUE GRIT mit der gründlichsten Recherche, die sie jemals für ein Filmprojekt betrieben hatte.

„Ich finde das Buch atemberaubend gut – wir haben es in meinem Buchclub besprochen“, erklärt Zophres: „Nach einem kurzen Gespräch mit den beiden Coens habe ich angefangen zu recherchieren. Ich habe jeden Nachmittag die Western Research Library in Los Angeles besucht, und die wundervolle Bibliothekarin dort stellte den Kontakt zum Heimatverein von Fort Smith her. Ich habe mir alles über diese Zeit angeschaut, was ich nur kriegen konnte.“

Fotos aus der Zeit waren eine große Hilfe, aber Zophres sagt, dass sie immer im Hinterkopf behalten musste, wie gestellt Fotografien damals in der Regel waren. „Es gibt nur wenige ,ehrliche‘ Fotos aus der damaligen Zeit. Hauptsächlich gibt es Porträts, für die die Leute posiert haben“, sagt sie. „Ich fand Massen an Fotos von Gaunern und Kriminellen, aber auch die waren mit Vorsicht zu genießen. Also habe ich mich nicht nur auf Fotos beschränkt, sondern auch sehr viel gelesen, Tagebücher beispielsweise und historische Darstellungen. Ich habe auch The Calico Chronicles verwendet, eine unschätzbare Übersicht über Damenmode im späten 19. Jahrhundert. Ich nahm mir die Zeit, mich gründlich einzulesen, und dann machte ich die ersten Entwürfe für die Figuren, die ich dann mit Joel und Ethan diskutierte.“

TRUE GRIT bildet eine Epoche ab, in der Kleidung vor allem zweckmäßig zu sein hatte; sie sollte warm halten und haltbar, aber nicht bequem oder gar modisch sein. Und doch zeigt sich in Zophres’ Arbeit, wie sich die Persönlichkeiten der Hauptfiguren auch in dem, was sie tragen, widerspiegeln. „Ich hatte die Vorstellung, jeder Figur eine ganz typische Silhouette zu verleihen“, sagt sie: „Ich kann zu jedem Fetzen Kleidung, die im Film vorkommt, die Gründe und die Entstehungsgeschichte nennen.“

Was Mattie betrifft, überlegte sich Zophres, dass sie in einem Kleid in die Stadt fährt, das ihre Mutter ihr genäht hatte. „Ihr Kleid ist aus Plaidtuch und typisch für damalige Kinderkleidung“, sagt sie: „Wir haben für Hailee auch Seidenstrümpfe angefertigt – die sind zwar wunderhübsch, aber meine Garderobieren waren ständig damit beschäftigt, sie zu flicken. Wenn Mattie sich an die Verfolgung des Schurken macht, trägt sie die Hose und den Mantel ihres Vaters und auch den großen Stetson. Ich finde ihren Hut großartig; selbst wenn sie Meilen entfernt ist, weiß man sofort, dass das Mattie ist.“

Zophres weiter: „Mattie trägt ein Stetson-Modell, das sich „Herr der Prärie“ nannte, ein Hut mit extra breiter Krempe, der in Texas sehr beliebt war. Es ist tatsächlich so, dass es ,den’ Cowboyhut damals gar nicht gab. Alle trugen Stadthüte, nur dass sie in der Wildnis anders aussahen, weil die Elemente ihnen übel mitgespielt hatten.“

Rooster Cogburn ist das Gegenbild eines Mannes, der Wert auf sein Äußeres legt, aber auch er hat einen klar erkennbaren Kleidungsstil. Zophres erklärt es so: „Rooster ist ein Faulenzer und ein Trinker, ihm ist es egal, wie er aussieht, und außerdem besitzt er ohnehin nicht sehr viele Sachen. Er hat den einen Anzug, den er immer dann benutzt, wenn er vor Gericht aussagen muss. Den hat er an einem Kleiderhaken und holt ihn hervor, wenn er ihn braucht. Auf der Suche nach Chaney trägt er einen einfachen Pullover, den es damals millionenfach gab, weil er auch für die Armee hergestellt wurde, und dazu trägt er einen Ulster, einen schweren Mantel, der hinten geschlitzt war, um damit gut reiten zu können, und einen Hut, der so aussieht, als ob er ein paarmal zu oft in den Regen gekommen ist. Seine Stiefel sind Kavalleriestiefel aus dem Bürgerkrieg, aber er lässt die Schlaufen oben herausgucken. Nichts an ihm ist kultiviert. Er ist schlampig angezogen, und Jeff hat sich diese Art wunderbar zu Eigen gemacht.“

Roosters besonderes Erkennungsmerkmal ist seine Augenklappe. Dabei bot Zophres Jeff Bridges mehrere Modelle zur Auswahl, die alle auf ihren Recherchen beruhten. „Jeff war instinktiv zu dem Modell hingezogen, das besonders rau und handgemacht aussah – als ob es einfach ein Stück Leder gewesen sei, das Rooster selbst gegerbt und sich vors Auge gebunden hätte“, lacht sie. „Joel und Ethan ließen ihm dann die Wahl, welches Auge Rooster überhaupt verloren hatte.“

Zophres fügt hinzu: „Jeff ist jemand, der sich gern schon sehr früh mit den Kostümen vertraut macht und richtig mit ihnen arbeitet. Es hat mir sehr viel bedeutet zu sehen, welche Aufmerksamkeit Jeff seiner Kleidung im Film schenkte.“

Matt Damons LaBoeuf ist vom Stil her das genaue Gegenteil von Rooster Cogburn. „Er ist der einzige Dandy im ganzen Film, der einzige, der etwas auf sein Aussehen gibt“, sagt Zophres. „Deswegen haben wir ihn auch Wildleder mit Fransen tragen lassen. Die Texas Rangers hatten damals keine Uniform, sie trugen, was immer sie wollten. Bei LaBoeuf gaben wir uns besondere Mühe, dafür zu sorgen, dass niemand sonst im Film auch nur im Entferntesten so aussieht wie er. Selbst sein Hut ist noch angeberisch.“

Für den Feigling Tom Chaney dagegen stellte sich Zophres vor, dass er eine Jacke trug, „die er jemandem abgenommen hat“: „Seine Jacke sitzt so erbärmlich schlecht, dass er immer etwas gebückt geht. Das war alles andere als bequem, aber Josh Brolin hat das klaglos mitgemacht.“

Eine der größten Herausforderungen war es, den rätselhaften Fremden namens Bear Grit einzukleiden, der bei seiner ersten Begegnung mit Mattie und Rooster wie ein echter Bär wirkt, der ein Pferd reitet.

„Er wird in Charles Portis’ Buch beschrieben, und Joel und Ethan hatten die Idee, dass er so aussehen sollte wie ein Obdachloser des 19. Jahrhunderts, wie ein echter Vagabund. Ed Corbin, der ihn spielt, ist sehr groß gewachsen, also brauchten wir nicht weniger als vier Bärenhäute für sein Kostüm – weswegen wir in größter Eile noch zu einem Tierpräparator nach Albuquerque rasen mussten! Dies war sicher das schwierigste Kostüm im ganzen Film, weil es so exakt zugeschnitten werden musste. Wir haben sogar einen Spezialisten angeheuert, der Zähne und Klauen an seine Mokassins genäht hat, und diese Handwerker kann man nicht hetzen oder per Kurier einfliegen lassen. Da muss man sich auf eine andere Zeitwahrnehmung einlassen.“ Aber, wie sie sagt, „die Wirkung des Kostüms ist gleichzeitig irritierend und lustig – ich glaube, es ist genau so geworden, wie Joel und Ethan es sich vorgestellt hatten.“

Auch die Kostüme der Nebendarsteller sind voller authentischer Details. Zophres sagt. „Jede Figur, die im Film auftritt, trägt etwas, das einen Teil der Geschichte erzählt. Selbst der Fährmann, der Mattie aufzuhalten versucht, hat ein ganz spezielles Outfit: einen Gummimantel, den die Firma Goodyear im 19. Jahrhundert herausbrachte, und dazu einen Seemannshut.“

Der Realismus erstreckte sich auch auf die Gewehre. Requisiteur Keith Walters, ein Veteran vieler Western und eine Autorität auf dem Gebiet historischer Schusswaffen, suchte nach Nachbildungen von Colts, Winchester- und Sharps-Gewehren, die die Männer bei sich tragen. Cogburn, als früherer Südstaatenmilizionär, trägt an seinem Sattel zwei „Dragoon“-Revolver von Colt, Überbleibsel aus dem Bürgerkrieg, von denen jeder zwei Kilo wog. Er hat außerdem einen .45er-Revolver dabei, das berühmte „Single Action Army“-Modell von Colt, auch bekannt als „Peacemaker“, das Modell, das Ende des 19. Jahrhunderts auch Teil der Standardausrüstung des Militärs wurde. LaBoeuf, als Scharfschütze, trägt einen Sharps-Karabiner. Die großzügig verzierten Pistolen von Lucky Ned entwarf und baute Walters dagegen selber.

Ein weiteres essenzielles Element des Films waren Bärte – und zwar viele. „In dieser Zeit im Westen ging es um Gesichtsbehaarung“, sagt Zophres: „Wenn es dir wuchs, dann hast du es auch getragen. Es war ein Zeichen von Männlichkeit. Also baten wir alle Männer in Ensemble schon lange vor Beginn der Dreharbeiten, es wachsen zu lassen.“

Zophres fasst zusammen: „In vielerlei Hinsicht war das der schwierigste Film, den ich zusammen mit den Coens gemacht habe, aber es war auch die großartigste Erfahrung für mich als Kostümbildnerin.“

Produktion: Due Stunts

Matties eigentlich fröhliche, sogar ausgelassene Reise ins Indianerterritorium wird immer wieder von gefährlichen und gewaltvollen Episoden unterbrochen. Für die Koordinierung der Schießereien und der Jagdszenen hoch zu Ross war Stuntkoordinator Jerry Hewitt zuständig, der in diesen Szenen so oft wie möglich die Schauspieler selbst einsetzte.

Seine größte Herausforderung war die Schießerei zwischen Rooster und Lucky Neds Bande auf der Wiese – Rooster reitet auf die Männer zu, die Zügel zwischen den Zähnen, einen Sechsschüsser in jeder Hand – das erforderte spezielle Haltegeschirre, ein mechanisches Pferd, das auf einem Kranausleger angebracht war, und Stuntdoubles für die Totalen. Aber das Herzstück der Szene war Bridges selbst, der selbst ritt und auch höchstpersönlich beidhändig schoss.

Alle Schauspieler beeindruckten die Crew mit ihren Stunt-Fertigkeiten, angefangen bei Hailee Steinfeld, die etwas Derartiges vorher nicht einmal im Entferntesten gemacht hatte, bis zu Matt Damon, dem Veteranen der „Bourne“-Actionthriller. Und was Josh Brolin betrifft, sagt Hewitt: „An ihm ist wirklich ein Stuntman verloren gegangen. Er gehört zu meinen absoluten Lieblingsschauspielern, weil er ein so großes Verständnis dafür hat, wie Stunts funktionieren. Auch wenn er etwas noch nie vorher gemacht hatte – es war ihm egal, er war dabei. Ein geborener Athlet.“

Hewitt weiter: „Barry Pepper hat mit seinen Reitkünsten überrascht, und auch die Szene direkt nach der Schießerei am Fluss mit Rooster, in der er sich Hailee vornimmt, hat er mit Bravour gemeistert. Er muss sie sich schnappen, zu Boden werfen und ihr seinen Fuß ins Genick drücken – das hat er toll hinbekommen, und Hailee auch, denn sie ist es, die seinen Fuß dabei lenkt.“

Auch Hailee war mit Begeisterung bei allen Stunts dabei: Sie feuerte Pistolen ab, stürzte sich in den Fluss und in die Schlangengrube und wurde in einem Tragegeschirr in einen Baumwipfel hochgezogen. Hewitt sagt: „Ich war von ihr als Schauspielerin beeindruckt, aber ihre Leistung bei den eigenen Stunts war ebenso großartig.“

Einer der aufwendigsten und schwierigsten Stunts war, wie Mattie auf dem Rücken ihres Pferdes Little Blackie den Fluss durchquert. Es brauchte viel Vorbereitung und Training, damit der Stunt-Reiter und die Pferde diese Szene spielen konnten, zumal Pferde Wasser meiden. „Es mag Umstände geben, wenn Pferde in freier Wildbahn gezwungen sind zu schwimmen, und das machen sie dann auch sehr gut – es passiert aber einfach nicht sehr oft“, lacht Pferdetrainer Rusty Hendrickson: „Es ist für den Menschen auf dem Pferderücken nicht ungefährlich, mit dem Tier durch tiefes Wasser zu schwimmen.“

Sicherheit war natürlich die oberste Priorität. Daher suchten Taucher zunächst den Boden des Flusses nach Geröll und Unrat ab und prüften auch, ob er gleichmäßig tief war. Dann bauten sie als Spezialanfertigung eine Rampe, die für das jenseitige Flussufer gebraucht wurde, das zu schlammig und zu steil war, als dass das Pferd den Anstieg allein hätte schaffen können. Der Schwimmunterricht für die Pferde begann in einem speziellen Becken in Austin, in dem normalerweise Rennpferde im Rahmen ihres Konditionstrainings Schwimmstunden bekommen.

Hendrickson erklärt: „Damit haben wir angefangen und dann jeden Tag die Strecke, die sie schwimmen mussten, verlängert. Als wir sie so weit hatten, dass sie samt Sattel und Reiter die doppelte Distanz bewältigen konnten, wussten wir, wir konnten es wagen.“

Auf der anderen Seite des Flusses erwartet Mattie eine völlig neue Welt: roh, brutal und unerbittlich, aber auch inspirierend und von atemberaubender Schönheit. Dies ist die Essenz dessen, was Portis geschrieben hat – die Momente unerwarteter Schönheit, Mitmenschlichkeit und sogar Zärtlichkeit, die immer wieder in dem so harten und von schwarzem Humor geprägten Westernabenteuer auftauchen – und die die Coen-Brüder, wie alle Darsteller versichern, mit ihrer Filmfassung des Buches perfekt eingefangen haben.

„Der Film sieht unglaublich gut aus“, sagt Matt Damon: „Die Schauplätze und der Aufbau der Bilder geben einem wirklich das Gefühl, in einer anderen Welt gelandet zu sein.“

„Ob es nun das Licht oder die Drehorte waren, alles war einfach wunderschön“, sagt Jeff Bridges abschließend: „Die Coens kamen jeden Tag mit Cowboyhüten zum Set, was lustig aussah, aber damit sorgten sie auch für eine gute Arbeitsatmosphäre, und das hat sicher auch den Tonfall von TRUE GRIT bestimmt.“