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Filmhandlung und Hintergrund

Trans Bavaria: Komödie und Roadmovie um einen bayerischen Jungrevoluzzer mit bester Abinote, der sich mit zwei Freunden aufmacht zum Roten Platz nach Moskau.

Ein 19-jähriger Pädagogenfilius und “Rebell” hat die Nase voll von der niederbayerischen Provinz und macht sich mit seinen zwei Kumpels nach der gesprengten Abiturfeier auf zum Roten Platz in Moskau, um Fidel Castros revolutionärer Rede zu lauschen. Durch eine unbrauchbare Landkarte strandet das Trio im Nirgendwo der Ukraine und erlebt auf dem Trip die skurrilsten Abenteuer. Dabei lernen die drei viel über Freundschaft, Idealismus und Heimat.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Konstantin Ferstl hat sich für seinen Abschlussfilm "Trans Bavaria" an der Hochschule für Fernsehen und Film in München ein Genre ausgesucht, das dankbar und undankbar zugleich ist. Denn die Heimatkomödie ist nicht nur stets dem Verdacht des Reaktionären ausgesetzt, Fidel und Che zum Trotz, sondern ist gerade in ihrer bayerischen Spielart 2006 von Marcus H. Rosenmüller mit "Wer früher stirbt ist länger tot" auf sehr erfrischende und durchaus kritische Art und Weise wiederbelebt worden. Und mit einer Besetzung, die mit Eisi Gulp, dem ehemaligen Lausbub Hansi Kraus und dem Original Ottfried Fischer aufwartet, weckt Ferstl ganz bewusst Erwartungen, die seinen Film in der regionalen Kulturgeschichte an einer ganz bestimmten Stelle verankern sollen – irgendwo in dieser ganz speziellen Gemütslage zwischen Gemütlichkeit und Bösartigkeit.

    Andererseits hat jeder Heimatfilm auch einen Sympathiebonus – zumal, wenn er auf solch eine Entstehungsgeschichte zurückblicken kann wie "Trans Bavaria": Denn Ferstl war selber mal ein Quirin, „mit einem Rucksack voll Papier, fünf Zigarren, zwei Litern Spezi und zu vielen Ideen“ im Gepäck unterwegs nach Peking mit der Transsibirischen Eisenbahn. Ein Film als Herzensangelegenheit also – das nötigt Respekt ab und geht dennoch häufig schief. Ferstl jedenfalls ließ sich von den – in Anbetracht des Themas eigentlich unerklärlichen – Absagen der einschlägigen Fördergremien und TV-Sender so wenig vom Kurs abbringen wie vom Ausscheiden der urspünglichen Produktionsfirma. Am Ende retteten einige private Spender, das Sparbuch von Ferstls Mutter und die Bereitschaft aller Beteiligten, auf ihre Gage zu verzichten, die Produktion.

    Ferstls biographische Nähe zeigt sich vor allem in den sorgfältig ausgearbeiteten und scharf konturierten Figuren. Ob es um den Idealisten Quirin geht, der keineswegs ein solcher Fanatiker ist, wie es scheinen mag, sondern ein ganz normaler Teenie auf der Suche nach seiner Identität oder um den lässigen Ironiker Joker und den skeptisch-bodenständigen Wursti – sie alle tragen einen Konflikt in sich, der so nachvollziehbar wie letztlich harmlos ist: Nah am Leben, nennt man so etwas wohl.

    An anderer Stelle freilich hätte Ferstl ruhig ein wenig fieser sein dürfen: Denn wo anfangs noch phantasievolle statische Tableaus die gescheiterte Zivilisationsgeschichte der Bajuwaren von den Römern bis zur Nachkriegszeit aus der Sicht eines jugendlichen Möchtegern-Revoluzzers auf die Schippe nahmen, steht am Ende die totale Versöhnung. Und die Geschichte hat längst in höchst konventionelle, vorhersehbare Bahnen gefunden.

    Auf seltsame Weise geht dem Plot, den Ferstl bis dahin mit einem guten Gespür für komisches Timing einerseits und dramatische Zuspitzung andererseits nach vorne getrieben hatte, spätestens in einer seltsam in die Länge gezogenen Schlussepisode die Puste aus. Um die Selbstfindung, das klassische Motiv eines jeden Road Movies, scheint es da gar nicht mehr unbedingt zu gehen – eher um die Heimfindung als Selbstfindung. Um mit dem Vergleich zu schließen, den Ferstl ebenso unausweichlich sucht wie er ihn hassen wird: Bei Rosenmüller war man da schon weiter.

    Fazit: Der Debütfilm "Trans Bavaria" von Konstantin Ferstl besticht durch sympathische Protagonisten und einen temporeich inszenierten Auftakt - doch unterwegs gehen der Geschichte Biss und Originalität verloren.
  • Weggehen, um anzukommen: Drei junge Bajuwaren entdecken auf der Reise ins ferne Russland ihre Liebe zur Heimat.

    Allein schon die Entstehungsgeschichte ist ein Abenteuer. Regisseur Konstantin Ferstl platzte wenige Wochen vor Drehbeginn die komplette Finanzierung, das Projekt stand vor dem Aus. Es gab keine Filmförderung, keinen Sender und keine Produktionsfirma. Jeder andere hätte vielleicht aufgehört, aber der Absolvent der HFF, der notgedrungen die Rolle von Produzent und Regisseur in Personalunion übernahm, sagte sich, “wenn Fidel Castro mit 70 Mann Cuba erobern kann, dann können wir auch diesen Film drehen”. Mit Hilfe der Münchner Filmhochschule und privaten Spendern war die Grundfinanzierung möglich.

    Fidel Castro ist auch der Held von Quirin, dem 19-jährigen Spross zweier liberaler Pädagogen in Niederbayern. Erst sprengt er zum Entsetzen seiner Eltern die ehrwürdige Abiturfeier, dann macht er sich klammheimlich mit seinen Kumpels Joker und Wursti auf zum Roten Platz in Moskau, wo der in Ehren ergraute kubanische Ex-Guerilla-Kämpfer eine Rede halten soll. Mangels genauer Landkarte und Sprachkenntnissen strandet das Trio im gestohlenen Metzgereitransporter mit einem Kasten Spezi als Proviant in der ukrainischen Pampa und lernt viel über Freundschaft, Idealismus und Heimat.

    Der Weg ist das Ziel in diesem witzig inszenierten Debütfilm voll gestopft mit absurden Situationen. Und manchmal braucht es eben Umwege, um bei sich anzukommen. Die zeichnet der begabte Newcomer mit viel Chuzpe und Charme, Witz und Warmherzigkeit und einer großen Portion Lust an der kleinen Anarchie. Sein Heimatfilm in der Leichtigkeit des frühen Marcus H. Rosenmüllers erzählt humor- und fantasievoll von innerer Heimatlosigkeit und der verkappten Liebe zum heimatlichen Bayern, von der Kollision zwischen Revolutionsromantik und Realität, und überzeugt dabei durch drei wunderbar schräge Laiendarsteller (Marcel Despas, Lukas Schätzl, Johannes Damjantschitsch) in den Hauptrollen, die neben Eisi Gulp, Nikolai Bogdanov oder Ottfried Fischer bestehen können. “Trans Bavaria” ist ein Sehnsuchtsfilm weit weg von Twitter-Revolution und Facebook-Anhängern, den man mit einem Lächeln auf den Lippen verlässt. mk.

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