Töte mich

  1. Ø 4
   2011
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Filmhandlung und Hintergrund

Töte mich: Unkonventionelles Psychogramm zweier radikaler Charaktere von der Berliner Regisseurin und Autorin Emily Atef.

Die 13-jährige Adele hat den tragischen Tod ihres Bruders nie verwunden. Jetzt will sie ihrem Leben selbst ein Ende setzen. Da taucht plötzlich der 39-jährige Vatermörder Timo auf dem Hof ihrer Eltern auf. Er ist aus dem Gefängnis ausgebrochen und sucht Unterschlupf vor der Polizei. Als Adele dessen prekäre Situation erkennt, bietet sie ihm einen makabren Pakt an: Als Gegenleistung, dass sie ihm zur Flucht verhilft, muss er sie von ihren irdischen Leiden erlösen und sie töten. Ein ungewöhnlicher Trip, der die zwei bis nach Marseille führt, beginnt.

Ein Mädchen schlägt einem Flüchtigen einen Pakt vor: Sie hilft ihm bei der Flucht, er soll sie töten. Unkonventionelles Psychogramm zweier radikaler Charaktere von der Berliner Regisseurin und Autorin Emily Atef.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Arbeit auf dem Bauernhof. Die 15jährige Adele arbeitet hart, das ist so in einem familiengeführten Betrieb. Doch sie ist nicht bei der Sache, sie bekommt es nicht hin; sie verliert eine Kuh auf dem Weg von der Weide zum Stall. Im Haus herrscht die herbe, harsche Welt des Bauern. Liebe vielleicht, ja, aber keine Herzlichkeit, sondern Praktikabilität und Pragmatismus. Man redet nicht viel miteinander. Sind das Klischeebilder des derben Bauernstandes? Ja; aber begründet. Denn ein Zimmer im Bauernhaus ist verlassen, darin, unterm Bett, ein rotes T-Shirt, eine Erinnerung an bessere Zeiten, an fröhlichere Zeiten.

    Wie eine Urgewalt ist da plötzlich ein grobschlächtiger, wilder, bärtiger Bär von einem Mann im Haus, der sich versteckt, der Adele in seine Gewalt bringt - in seinen Bann zieht. Er ist ein Flüchtiger, aus dem Gefängnis ausgebrochen, wo er wegen Totschlags einsaß. Er ist für Adele ein Geschenk des Himmels, ein Ausweg aus dem tristen Leben: und sie schließt mit ihm einen Pakt. Sie verhilft ihm zu Flucht, er wird sie im Gegenzug töten - den Selbstmord, den Sprung von der Klippe schafft sie nicht aus eigener Kraft. Ein teuflischer Vertrag ist das, und natürlich unerfüllbar - würde er sie töten, wäre er der Mörder seiner Geisel. Sie ziehen gemeinsam los, er muss raus, sie muss raus. Und sie machen sich auf den Weg durch den Wald Richtung Frankreich, weiter durch das fremde Land bis Marseille.

    Ein Roadmovie nimmt seinen Lauf - den Regisseurin Emily Atef in ihrem dritten Spielfilm geschickt um die Gefahren von Klischees und Formelhaftigkeiten herumführt. Das lieblose Leben auf dem Bauernhof? Die Familie lebt in Trauer. Die Begegnung mit einer hilfreichen Frau in Frankreich, die auch eine erotische ist zwischen ihr und Timo, dem entlaufenen Sträfling? Er hat etwas Animalisches, sie hat keine Konsequenzen zu befürchten: also nicht völlig an den Haaren herbeigezogen; zumal ja auch Adele beginnt, für Timo zu schwärmen, Stockholm-Syndrom, gemeinsames Ziel und pubertäre Schwärmerei in einem.

    Langsam lüften sich die Geheimnisse, die die Figuren umgeben; langsam wachsen die beiden zu einer Gemeinschaft zusammen, wenn auch zu einer auf Zeit; und immer ist da der Wunsch, die Verabredung, sie zu töten. Einmal ist sie krank, eine Lebensmittelvergiftung - er könnte sie sterben lassen und tut es nicht.

    Es geht um Flucht, auch aus einem Leben, das man nicht mehr will; und um Hoffnung, die in Marseille liegen könnte, bei Timos Bruder, der das Geld für eine Überfahrt nach Marokko herausrücken soll. Und um eine Gemeinschaft, die besteht, weil sie im Tod, in der endgültigen Trennung enden soll. Atef setzt diesen Film, diesen Weg, den die beiden miteinander gehen, in hervorragende fotografierten, suggestiven Bildern um, mit Darstellern, die in ihren Rollen aufgehen. Maria Dragus spielt ihre Rolle der Adele als eine Unsichtbare, eine Verschwindende - Roeland Wiesnekker ist die pure körperliche Präsenz, der Drang nach vorne, weg. Ihre Gegensätzlichkeiten fügen sich im Film zusammen; und dabei ist beim gemeinsamen Fortkommen doch stets die Fragilität einer möglichen Erfüllung des Paktes gegeben.

    Fazit: "Töte mich!" ist ein kraftvoller und hervorragend fotografierter Roadmovie um eine Teenagerin mit Todeswunsch und einen Häftling mit Freiheitswillen.
  • Mit dem unkonventionellen Psychogramm zweier radikaler Charaktere setzt Emily Atef nach „Das Fremde in mir“ ihr Bemühen um einen eigenen Stil, erfolgreich fort.

    Wie schon in ihren preisgekrönten ersten beiden Kinoarbeiten „Molly’s Way“ (Förderpreis Deutscher Film für das beste Drehbuch) und „Das Fremde in mir“ (Förderpreis Deutscher Film für Hauptdarstellerin Susanne Wolff) erweist sich Emily Atef auch dieses Mal als versierte Zeichnerin komplizierter (weiblicher) Charaktere. „Töte mich“, auf den 45. Internationalen Hofer Filmtagen 2011 uraufgeführt, hätte eine Melange aus actionreichem Krimi und tempogeladenen Roadmovie werden können, doch die Berliner Regisseurin und dffb-Absolventin schert sich nicht um die Konventionen des Mainstream-Kinos, ist vielmehr am Innenleben ihrer beiden Hauptfiguren interessiert. Und diese sind fürwahr außergewöhnlich.

    Da ist zum einen die 13-jährige Adele, die den tragischen Tod ihres Bruders nicht verwinden kann und deshalb ihrem Leben ein Ende setzen will, zum anderen der 39-jährige Vatermörder Timo, der aus dem Gefängnis ausgebrochen ist und ausgerechnet auf dem Hof von Adeles Eltern Unterschlupf sucht. Als das junge Mädchen Timos prekäre Situation erkennt, bietet Adele ihm folgenden makabren Pakt an: Als Gegenleistung, dass sie ihm zur Flucht verhilft, muss er sie, der Filmtitel lässt es bereits erahnen, töten. Aus dieser höchst originellen wie bizarren Ausgangskonstellation entspinnt Atef das Psychogramm von zwei krass gegensätzlichen Charakteren, gesellschaftlichen Außenseitern, die auf ihrem gemeinsamen Trip (er wird sie bis nach Marseille führen) einander näher kommen als man anfangs vermuten konnte.

    Dabei verzichtet die Regisseurin auf Dialoge (die wenigen wirken etwas gekünstelt), die Kommunikation zwischen den beiden findet überwiegend durch Gesten, Mimik und Aktionen statt, was die Darsteller an die Grenzen ihrer Schauspielkunst treibt. Während Filmpreisträgerin Maria-Victoria Dragos („Das weiße Band“) und Roeland Wiesnekker („Ich habe es Dir nie erzählt“) ihre schwierige Aufgabe noch ganz gut meistern, macht Atef, die auch als Autorin fungiert, indes zu wenig aus ihrer spannenden Grundidee. Während sie die Kamera in schönen Landschaftsaufnahmen schwelgen lässt, tritt ihre Story auf der Stelle, es findet kaum noch eine Entwicklung statt und einige Unglaubwürdigen bremsen die Handlung zusätzlich aus. Obwohl Atef am Ende dann doch wieder konventionelles Kino macht (eine Pistole muss für die nötige Dramatik sorgen), ist ihr Bemühen um einen eigenen Stil, eine eigene Handschrift erkennbar und lässt für die Zukunft auf noch konsequenter ausgeführte Arbeiten hoffen. lasso.
  • Solange es Filme wie diesen von Emily Atef gibt, sieht man, dass der europäische Film nicht verloren ist und wir uns gegen die Überflutung aus Hollywood erfolgreich wehren können.
    Hier hat sie eine Außenseiterballade gedreht. Und wie schon in ‘Molly’s Way‘ ist ihr Kennzeichen die äußerst behutsame Annäherung an ihre ‘Antihelden‘ mit der Offenlegung von Leid. Ein seltsamer Deal steht am Anfang: Adele (Maria Dragus) hilft ihm, Timo (Roeland Wiesnekker) soll sie dafür in den Tod schubsen. Er ist auf der Flucht und sie will nur von zu Hause weg und aus diesem freudlosen Leben scheiden.
    Eine Symbiose, die schief gehen, aber auch gelingen kann. Die harte Schale, die beide Charaktere umgibt, muss erst aufgeweicht werden. Es dauert bis die erste Träne rollt. Und dann wird es nach kurzer Überraschung (Ist Timo weg oder doch wieder da?!) nochmal spannend. Ein Einschub aus der Gangsterwelt, der aber das vorhersehbare Ende andeutet. Inzwischen ist aber jedem klar, dass Adele eigentlich nicht mehr so sehr den Suizid anpeilt. Das macht aber nichts, denn da ist kein Honigtopf, kein amouröses Spielchen mit einem Zuckereffekt. Timo bleibt kantig, wortkarg und unheimlich. Adele schaut und schweigt und lässt Hoffnung aufkeimen. In jeder Ruppigkeit der beiden kann eine Annäherung stecken. Es ist bald keine Frage mehr des Ob, sondern nur des Wann denn nun? Im Gegensatz zum vorher Gesehenen ist die letzte Einstellung bewusst weich und harmonisch. Also doch ein wenig Puderzucker. Aber nur kurz. Im Hinblick auf den Titel hieß es im ‘Kleinen Prinzen‘ noch ‘zähme mich!‘ Kann das Gleiche sein…
    Solche Filme brauchen wir einfach – mit allen Unzulänglichkeiten. Sie zeigen einfach etwas ganz anderes als das amerikanische Kino.
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