Filmhandlung und Hintergrund

Die fesselnde Fallstudie über die Folgen eines Verbrechens wurde beim Hamburger Filmfest mit dem Produzentenpreis ausgezeichnet.

Nach dem Tod ihres jüngeren Bruders kehrt Krankenschwester Nina in ihre oberbayerische Heimat zurück. Florian hat sich angeblich ganz allein zu Tode gesoffen. Nina will das nicht glauben und sorgt mit ihren Fragen für viel Unruhe im Dorf. Der Einzige, der rückhaltlos auf ihrer Seite steht, ist Polizist Georg. Nina verliebt sich in den verständnisvollen Mann, der so gut zuhören kann. Sie hat keine Ahnung, dass er ein furchtbares Geheimnis hütet.

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Kritikerrezensionen

  • Tödlicher Rausch: Die fesselnde Fallstudie über die Folgen eines Verbrechens wurde beim Hamburger Filmfest mit dem Produzentenpreis ausgezeichnet.

    Der Österreicher Johannes Fabrick ist Spezialist für Dramen der besonderen Art. Er verfasst die Drehbücher zwar nur in Ausnahmefällen selbst, aber seine Filme (zuletzt „Ich habe es dir nie erzählt“) zeichnen sich dennoch gern durch ganz spezielle Beziehungskonstrukte aus. Nicht selten geht es dabei um eine Schuld, die zwischen zwei Liebenden steht. Autorin Claudia Kaufmann, die für Fabrick auch schon „Die Tochter des Mörders“ geschrieben hat, verpackt ihre Geschichte zwar als Krimi, doch auch „Tödlicher Rausch“ ist eine dieser für Fabrick so typischen Studien der menschlichen Natur.

    Dank einer cleveren Besetzung gelingt es dem Regisseur sogar, Sympathie für seine Hauptfigur Georg zu erwecken, obwohl sich der Mann eines ungeheuerlichen Vergehens schuldig gemacht hat. Und weil man die ganze Zeit weiß, welch‘ doppeltes Spiel er treibt, bleibt man nicht bloß Beobachter, sondern wird Mitwisser und so quasi auch Mittäter. Dass Georg Polizist ist, vergrößert die moralische Fallhöhe naturgemäß noch.

    Die Geschichte beginnt mit einem Wettkampftrinken zwischen einem Erwachsenen und einem Jungen. Der heißt Florian, hat Geburtstag und ist 16 geworden. Der Ältere hätte ihn vermutlich ohnehin unter den Tisch getrunken, doch der Wirt füllt seine Schnapsgläser mit Leitungswasser. Am nächsten Morgen liegt der Junge im Straßengraben; Tod durch Alkoholvergiftung. Seine Schwester Nina fühlt sich zweifach schuldig: weil sie ihren kleinen Bruder nach dem Tod des Vaters in dem oberbayerischen Dorf zurückgelassen hat, als sie nach München gezogen ist; und weil sie nicht zu seinem Geburtstag gekommen ist. Sie kann und will nicht glauben, dass sich Florian, wie man ihr sagt, ganz allein bis zur Besinnungslosigkeit betrunken hat. Doch Nina stößt auf eine Mauer des Schweigens. Einer allerdings hat ein offenes Ohr für ihren Kummer. Er ist ein ausgezeichneter Zuhörer. Die beiden kommen sich näher, verlieben sich sogar; und Nina hat keine Ahnung, dass Georg ein furchtbares Geheimnis hütet.

    Claudia Kaufmanns Geschichte ist eine geschickte Mischung aus Krimi, Drama und Romanze. Gäbe es den Prolog nicht, Fritz Karl wäre wie stets der perfekte Sympathieträger. Mag sein, dass Georg die Nähe Ninas (Lisa Maria Potthoff) anfangs nur sucht, um herauszufinden, ob sie durch ihre Nachforschungen womöglich die Wahrheit entdeckt; doch je mehr Zeit sie miteinander verbringen, desto tiefer und echter wird seine Zuneigung. Allerdings ist die Neugier der jungen Frau nicht Georgs einziges Problem: Als Nina feststellt, dass der Wirt (Heinz-Josef Braun) Schnaps an Minderjährige ausschenkt, will sie sein Lokal schließen lassen. Prompt erpresst der Kneipier den Polizisten, die Anklage verschwinden zu lassen. Als sich eine günstige Gelegenheit ergibt, lädt Georg noch mehr Schuld auf sein Gewissen.

    Fast schon gelassen, betont unspektakulär und eher beobachtend als inszenierend schildert Fabrick, wie sich ein Mann immer tiefer ins Unheil manövriert. Ähnlich wie in Kriminalgeschichten, bei denen man von Anfang an weiß, wer der Mörder ist, entsteht die Spannung aus der Frage, ob und wie Georg aus der Sache wieder rauskommt. Zusätzlichen Reiz bekommt der Film durch die Übersichtlichkeit des Handlungsorts: In einem Dorf kennt jeder jeden. Im Gegensatz zu vielen Provinzkrimis, die auf skurrile Figuren und entsprechenden Humor setzen, ist diese Geschichte auch dank der atmosphärischen frühwinterlichen Bilder (Kamera: Helmut Pirnat) vor allem Liebes- und Heimatdrama. „Tödlicher Rausch“ wurde beim Hamburger Filmfest mit dem Produzentenpreis ausgezeichnet. tpg.

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