Tödliche Entscheidung - Before the Devil Knows You're Dead

  1. Ø 4.5
   2007
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Filmhandlung und Hintergrund

Tödliche Entscheidung - Before the Devil Knows You're Dead: Hollywood-Drama mit Philip Seymour Hoffman, der seinen Bruder anstiftet, den Juwelierladen der Eltern auszurauben - mit bösen Konsequenzen.

Unternehmensboss Andy (Philip Seymour Hoffman) fährt ein rundes Managergehalt ein und ist mit Gina (Marisa Tomei) verheiratet. Sein Bruder Hank (Ethan Hawke) hat sich hoffnungslos verschuldet und pflegt eine Affäre mit Andys Frau. Doch bei Andy steht die Steuerfahndung vor der Tür und wenn Hank nicht den Juwelierladen der Eltern ausraubt, ist er bankrott. Der Raub geht schief, ihre Mutter (Rosemary Harris) stirbt, Vater Charles (Albert Finney) sucht die Mörder.

Eine Tragödie von griechischen Ausmaßen nimmt der neue Thriller-Streich von Altmeister Sidney Lumet („Die zwölf Geschworenen„, „Hundstage„) an, wenn auf dem Schlachtfeld Familie komplizierte Verwicklungen ihren fatalen Gang nehmen. Starke Darsteller sind ohnehin garantiert.

Andy erwartet eine unangenehme Steuerprüfung, daher plant er das scheinbar perfekte Verbrechen, das sein hoch verschuldeter Bruder Hank ausführt. Er überfällt den Juwelierladen der Eltern, doch alles läuft schief: Ihre Mutter stirbt und ihr Vater schwört Rache. Hank könnte alles auf seinen Bruder schieben, hätte er nicht mit dessen Frau eine Affäre.

Der großspurige Businessman Andy erwartet eine unangenehme Steuerprüfung, daher plant er das scheinbar perfekte Verbrechen, das er seinen hoch verschuldeten und verachteten Bruder Hank ausführen lässt. Er überfällt den Juwelierladen der Eltern, doch nichts läuft nach Plan: Unerwarteter Weise ist die Mutter der Brüder im Laden, die an einem Herzinfarkt stirbt und den fliehenden Hank mit zwei Schüssen verletzt. Der Vater ist am Boden zerstört und macht sich auf die Suche nach dem Mörder. Eine Tragödie zeichnet sich ab.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Altmeister Sidney Lumet („Hundstage“) beweist einmal mehr sein Gespür für kalte, trockene Höllenfahrten, denen immer auch das Groteske innewohnt. Während er aber noch bei „Family Business“ noch drei Generationen einer Familie auf Tour schickt und damit eine bissige Komödie zauberte, bleibt angesichts des Unerbittlichen, Gnadenlosen in „Tödliche Entscheidung“ nicht mal mehr ein Lachen im Halse stecken. (Auch wenn man sich über die dummdreiste Ärmlichkeit des deutschen Filmtitels schon amüsieren darf.)

    Lange Kameraeinstellungen, Schauplätze ohne jeden Glamour wie ein frühmorgendliches Einkaufszentrum, schäbige Büros und Mietwohnungen: Es ist eine lebensnahe, grausam gewöhnliche Welt, in der Lumet nach dem Buch von Kelly Masterson die fast überdimensional pessimistische Geschichte inszeniert. Deren Figuren schlagen einen auf besondere Weise in ihren Bann: Soll man sie hassen, verachten oder doch bemitleiden?

    Immer tiefer reitet sich vor allem Hank rein, den Ethan Hawke als fast unerträglich jämmerlichen Verlierer großartig verkörpert. Aber auch die anderen beiden Männerfiguren folgen den Schicksalsschnüren, die – und das ist die größte Kunst des Films – die Wucht einer griechischen Tragödie hat, aber umso mehr mitreißt, als alles so klein und erbärmlich und zufällig daherkommt. „Tödliche Entscheidung“ – hier wird tatsächlich entschieden, mehr aber noch geschieht etwas, irgendwie. Das ist das Grausame des Films.

    Von den Darstellern wird das alles geradezu beängstigend gut gespielt. Philip Seymour Hofmans „Andy“, der äußerlich so kalt und souverän wirkt, um die inneren Qualen zu kaschieren, die – wiederum – aus der Missachtung durch den Vater gespeist wird (in seiner fanatischen wie hilflosen Wut grandios: Albert Finney). Letztlich ist in dem komplexen, aber fast beiläufig gezeigten Netz der Beziehungen und Gewalt jeder Opfer und Täter zugleich. So vielschichtig hat man selten Charaktere gesehen. Allein die Beziehung der beiden unterschiedlichen Brüder wäre einen eigenen Film wert gewesen.

    Einzig der modische Kunstgriff – siehe „8 Blickwinkel“ –, gehörig Rückblenden zu nutzen, in den Zeiten zu springen, Momente doppelt- und aus anderer Perspektive noch einmal zu zeigen, verwundert. Denn: Was soll das? „Tödliche Entscheidung“ hat solche Mätzchen nicht nötig. Die tragische Wucht wird eher auf die Weise vermindert, all die fatalistische Gradlinigkeit nur gestört.

    Dann aber wieder fällt auf, wie scheinbar beliebig, gar lustlos in und über dieses Erzählen hin- und her, vor und zurück gesprungen wird. Und damit nur noch mehr die abgrundtiefe, traurige und finstere Familien- und Räuberstory als so begreiflich und doch unfassbar zur Geltung kommt, wie sie ist.

    Fazit: Atemberaubend finstere und abgründige Tragödie um eine Familie und ein Verbrechen, die von Altmeister Sidney Lumet nach vorzüglichem Buch und mit phantastischen Darstellerleistungen bei aller dramatischer Wucht aufreizend lakonisch und umso tiefer gehend präsentiert wird.
  • In seinem vertrackt-verschachtelten Thriller über physische, psychische und moralische Zerstörung paart Altmeister Sidney Lumet Neo-Noir mit griechischer Tragödie.

    Sidney Lumet hat in den 70ern zu Hochzeiten des „New Hollywood“ Alltagsrealität in den Polizeifilm eingebracht. „Serpico“ steht hierfür als perfektes Beispiel und natürlich auch „Hundstage“. Knallhart ging’s da zu, gnadenlos wie nun auch in seiner bitterbösen Film-noir-Variante „Tödliche Entscheidung – Before the Devil Knows You’re Dead“. Dabei zieht sich der Regisseur auf die anthropologische Position zurück, beobachtet analytisch aus der Distanz, bringt für keine seiner Figuren auch nur ein Fünkchen Sympathie auf. Lumet scheint hier primär an erzählerischer Ökonomie interessiert, an unbedingtem Stilwillen, hohem Tempo und vor allem an präziser Schauspielführung.

    Ein Überfall auf einen kleinen Juwelierladen setzt die Handlung in Gang. Die Besitzerin wird erschossen, den Dieb treffen zwei Kugeln und er stürzt durchs Schaufenster. Scherben und Blut ergießen sich über den Bürgersteig. Ein fehlgeschlagener Coup. Schnitt. Zurück geht’s in der Zeit, mosaikartig setzt sich die Story zusammen. Der erste Schock: die Tote ist die Mutter zweier Brüder, die den Überfall in Auftrag gegeben haben. Philip Seymour Hoffman und Ethan Hawke spielen die beiden. Hawke den ewigen Verlierer Hank, der seine Alimente nicht mehr zahlen kann, Hoffman den aalglatten, betrügerischen und drogensüchtigen Angestellten Andy. Und dann ist da noch die sexy Marisa Tomei als Andys Frau, die ein Verhältnis mit Hank unterhält, während Albert Finney als stets übellauniger Vater der missratenen Jungs alle Hebel in Bewegung setzt, den Mord an seiner Frau (Rosemary Harris) zu klären.

    Das klingt vertrackt und ist es auch. Doch Drehbuchautor Kelly Masterson hat seine Story fest im Griff. In Flashbacks stellt er anfangs die Personen vor – Hoffman etwa beim Sex, den teigigen Hintern in die Kamera gereckt -, erzählt von deren unterschiedlichen Erzählperspektiven wie es zum Verbrechen kam. Bis er im Jetzt landet und die Geschichte linear zu Ende führt. Der Kriminalfall mutiert zum Drama um eine dysfunktionale Familie, zum Melodram fast, macht im gnadenlosen Patriarchen Finney die Wurzeln allen Hasses fest. Wenig Leinwandzeit besitzt dieser, aber der britische Leinwandveteran weiß sie optimal zu nutzen – wie das gesamte Ensemble, das sich gegenseitig zu Höchstleistungen anspornt.

    Der Titel bezieht sich übrigens auf einen irischen Trinkspruch und ist dem Werk als Motto vorangestellt – wobei der erste Teil des Satzes lautet: „May you be in heaven half an hour…“ Ob diese Gnade jedoch dem Personal dieses Films gewährt wird, ist mehr denn fraglich. geh.

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