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Tirana

Darsteller und Crew

  • Alexander Schellow
  • Jean-Laurent Csinidis
  • Alexander Boboschewski
  • Manuel Stettner
  • Jean-Marc Montera

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Kurztext:

      Albanien. Was wissen wir eigentlich über diesen Staat in Südosteuropa? Welches Bild vermitteln die Medien? Und zeigt dieses Bild auch das „echte“ Albanien? Dies sind die zentralen Fragen der Kurzdokumentation von Alexander Schellow, die ihren Anfang nimmt mit der Kriegssatire WAG THE DOG von Barry Levinson aus dem Jahre 1997. Hier wird ein Krieg in Albanien „inszeniert“, um von innerpolitischen Problemen des Präsidenten der USA abzulenken. Doch Schellow will vor Ort einen Eindruck dieses Landes gewinnen, welches viel zu lange unter der Diktatur Enver Hoxhas zu leiden hatte. Er verwebt dabei verschiedene Erzählstränge, lässt Experten zu Wort kommen und zeigt in langen Einstellungen die aus heutiger Sicht grotesk wirkenden Hinterlassenschaften der Paranoia eines wahnsinnigen Herrschers. Essayistisch stellt er so anhand von relevanten gesellschaftspolitischen Themen die Problematik von Wirklichkeit und Abbildung derselben dar. Dem Zuschauer ermöglicht Schellow dabei aber immer, sich in Ruhe selbst ein Bild von Albanien zu machen. Ob dieses Bild nun tatsächlich Wirklichkeit ist, lässt der Film außen vor. Eine kluge, reflektierte und gut durchkomponierte Dokumentation.

      Gutachten:

      „Albanien existiert nicht.“ Ausgehend von dieser provokanten These unternimmt Alexander Schellow seine dokumentarische Recherche und künstlerische Annäherung an ein Land, das aufgrund seiner langjährigen völligen Isolation während der Diktatur Enver Hoxhas im kollektiven Gedächtnis des Westens in Vergessenheit geraten ist. Der Filmemacher will sich sein eigenes Bild machen und stößt immer wieder auf Bunker, die der Diktator in seiner Kriegsparanoia im ganzen Land errichten ließ. Er beobachtet einen Jungen, der mit einem Besen spielt, in einem Ort, der von seinen Bewohnern verlassen wird. Sie suchen ihr Glück in der Hauptstadt Tirana, die in ihren Randgebieten unkontrolliert wächst. Ein lokaler Architekt zeichnet Pläne für die Häuser, die illegal errichtet werden, wobei er Kompromisse zwischen Realität und Gesetzgebung sucht. Ein Projektleiter der OSZE berichtet von seinen Bemühungen, auf der Basis von Satellitenfotos ein albanisches Adresssystem zu entwerfen, um die Entwicklung demokratischer Strukturen im Land voranzutreiben. So entsteht aus dokumentarischen Aufnahmen, Interviews und Bildern, die der Filmemacher aus der Erinnerung mit Tusche auf Transparentpapier gezeichnet hat, das Bild eines Landes im Umbruch.

      Albanien liegt mitten in Europa und ist dennoch „terra incognita“. Diese Tatsache machte sich 1997 der amerikanische Spielfilm WAG THE DOG von Barry Levinson zunutze, der die satirische Geschichte eines fiktiven albanischen Krieges erzählt. Im Prolog seines Films dokumentiert Alexander Schellow seine vergeblichen Bemühungen, Ausschnitte aus diesem Film für sein Projekt zu nutzen. Das ist jedoch kein Manko, denn seine eigene Recherche gestaltet sich ausgesprochen faszinierend.

      Er nähert sich dem Land aus unterschiedlichen Blickwinkeln an, wobei er reale und rekonstruierte Bilder und verschiedene Erzählstränge essayistisch miteinander verknüpft. Während die Hinterlassenschaften der Diktatur noch allgegenwärtig sind, berichten Experten von ihren kreativen Versuchen, die Wirklichkeit des Landes nachzuzeichnen und mit den Anforderungen einer Bauordnung und eines Adresssystems in Übereinstimmung zu bringen. Es geht ihnen darum, die entstandenen realen Strukturen zu legalisieren und eine funktionale Infrastruktur zu schaffen. Allgegenwärtig ist die Frage, wie sich die Wirklichkeit zur Vorstellung von Wirklichkeit und zum Abbild von Wirklichkeit verhält.

      Das findet seine Entsprechung in der visuellen Gestaltung des Films, die reale und nachträglich gezeichnete und animierte Bilder - Abbilder der Realität im Hinterkopf des Filmemachers - in schönem Rhythmus miteinander komponiert. Dabei entfalten die mit Tusche gepunkteten Zeichnungen einen großen poetischen Reiz und einen interessanten Verfremdungseffekt. Sie geben Anlass zur Distanzierung und zum Nachdenken über spezifische Medienrealitäten. Damit ermöglicht Alexander Schellow dem Zuschauer, sich selbst ein Bild von Albanien zu schaffen, ohne dass dieses Bild der Wirklichkeit des Landes oder der Sichtweise des Filmemachers entsprechen muss.

      Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
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