The Square

  1. Ø 3.4
   Kinostart: 19.10.2017

The Square: Mit der Goldenen Palme ausgezeichnete Satire über einen schwedischen Museumsdirektor, dessen Leben völlig aus den Fugen gerät, als sein Handy geklaut wird.

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Filmhandlung und Hintergrund

The Square: Mit der Goldenen Palme ausgezeichnete Satire über einen schwedischen Museumsdirektor, dessen Leben völlig aus den Fugen gerät, als sein Handy geklaut wird.

Christian Nielsen, (Claes Bang) Kurator des Stockholmer X-Royal-Museums, steht vor einem beruflichen wie privaten Scherbenhaufen: Seine Affäre mit der amerikanischen Kulturjournalistin Anne (Elisabeth Moss) verläuft anders, als er gehofft hatte, der Kunst-Superstar Julian (Dominic West) stattet der Stadt einen Besuch ab und will bespaßt werden, und auch die Werbekampagne für die letzte Ausstellung steht öffentlich in der Kritik. Eigentlich souverän, selbstverliebt und an Erfolg gewöhnt, entgleitet Nielsen sein Leben. Ein kleiner Stoß reicht, und er fällt über die Klippe.

Der Anstoß kommt in diesem Fall durch ein alltägliches Unglück: Nielsen wird das Handy von Trickbetrügern gestohlen. Um es wiederzubekommen, heckt er einen perfiden Plan aus. Via Internet findet er die Adresse des Diebes heraus und verteilt Drohbriefe an alle Mieter des Hochhauses. Die Aktion tritt eine Kettenreaktion los, die Christian bald nicht mehr kontrollieren kann. Während im Museum die titelgebende Installation “The Square” ausgestellt wird – ein vier mal vier Meter große “Schutzzone für Vertrauen und Fürsorge” – muss sich Nielsen der Frage stellen, wie es eigentlich um die eigene Moral steht.

“The Square” – Hintergründe

Bereits mit dem Oscar-nominierten Drama “Höhere Gewalt” ist es dem schwedischen Regisseur Ruben Östlund gelungen, gesellschaftliche Fragen packend zu inszenieren. Mit “The Square” legt er nun eine bissige Satire auf den Kunstbetrieb und seine Akteure nach. Selbstverliebt und eitel steht Nielsen zu Beginn des Dramas auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Den Versuchsanbau von Östlund wird er jedoch nicht unbeschadet durchlaufen. Das filmische Experiment kommt dabei außergewöhnlich humorvoll und abwechslungsreich daher – eine Leistung für die “The Square” bei den Filmfestspielen von Cannes 2017 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde.

Die titelgebende Installation “The Square” existiert tatsächlich. Ebenfalls von Östlund erdacht wurde das Installationsexperiment erstmals im Design-Museum Vandalorium in Schweden gezeigt. Dabei handelt es sich um ein vier mal vier Meter großen Ort, ein Quadrat auf dem Boden, das als Safespace dient.

Bei der Oscar-Verleihung 2018 geht “The Square” als schwedischer Beitrag ins Rennen um den besten fremdsprachigen Film. Die Oscar-Verleihung findet am 04. März 2018 bereits zum 90. Mal in Los Angeles statt.

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Mit viel Sinn für Witz erweist sich Ruben Östlund in der Satire “The Square” als brillanter Chronist menschlichen Verhaltens und spinnt konsequent weiter, was ihn vor ein paar Jahren mit “Höhere Gewalt” zur Sensation im Un Certain Regard gemacht hatte. Darin erzählte er von einer normalen schwedischen Familie beim Winterurlaub, deren Zusammenhalt und Selbstverständnis auf eine Zerreißprobe gestellt wird, als eine Lawine vermeintlich auf die Skihütte zurast und der Familienvater die Nerven verliert, in einem Anfall von Panik nur seine Haut rettet und die anderen Familienmitglieder ihrem Schicksal überlässt. Die Lawine in “The Square” ist die titelgebende Installation in einem progressiven Kunstmuseum in Stockholm, ein auf den Boden eingezeichnetes Quadrat, vier mal vier Meter große, das, so besagt eine begleitende Inschrift, einen besonderen Raum einnehmen soll, in dem Menschen Zuflucht finden können und in dem man anderen helfen muss. Natürlich ist der ganze Film sinnbildlich dieses Quadrat, und der Zuschauer ist Teil der Versuchsanordnung, in bisweilen aberwitzigen und aberwitzig gelungenen Szenen zu zeigen, wie dünn doch die zivilisatorische Decke ist.

    Im Mittelpunkt steht der Museumsleiter Christian, gespielt von Claes Bang, ein höchst attraktiver Kerl in seinen späten Vierzigern, der in seinen engen Anzügen unheimlich lässig aussieht und auch sonst souverän im Auftreten ist. Der selbstverständliche Umgang mit den Reichen und Schönen, ein Leben in Saus und Braus haben ihn selbstgefällig werden lassen, oberflächlich und ein bisschen hohl. Wie man im Verlauf des Films erfährt, ist er als Ehemann gescheitert und als Vater zweier Töchter ist er auch nicht gerade erfolgreich. Er verbirgt sich hinter wohlfeilen Platitüden, wird aber wachgerüttelt, als ihm mitten auf der Straße von gut organisierten Trickbetrügern Handy und Brieftasche entwendet werden. Mit Hilfe der Suchfunktion auf dem Computer kann Christian feststellen, wo die Diebe offenbar wohnen, ein Hochhaus in einer weniger schicken Gegend der Stadt. In einem Geistesblitz fertigt er mit seinem Assistenten einen Brief an, in dem er den Dieb auffordert, die Sachen wieder zurückzugeben. Sonst werde er die Polizei einschalten. In einer von vielen prägnanten Szenen verteilt er den Brief im Haus. Und löst damit eine Kettenreaktion aus, die er so nicht erwartet hat und ihn auf eine schwere Probe stellt. Gleichzeitig geht eine aggressive Werbekampagne für sein Museum nach hinten los, und ein One-Night-Stand mit einer Journalistin hat ebenfalls ungeahnte Auswirkungen, was zunehmend an Christian einst unerschütterlichen Selbstvertrauen nagt.

    Es ist hinreißend zuzusehen, wie Östlund seinen Figuren und damit auch dem Zuschauer mit minimalen Mitteln den Boden unter den Füßen wegzieht, ihnen den Spiegel vorhält. Wenigstens vier Szenen sind sofort Klassiker – ein Streit über die Entsorgung eines gebrauchten Kondoms, eine Podiumsdiskussion mit einem arroganten Künstler, die von einem Mann mit Tourette gestört wird, eine Auseinandersetzung mit einem Jungen, den Christians Brief in Schwierigkeiten gebracht hat, und natürlich die eine Sequenz, über die nach dem Film am meisten gesprochen wurde: Bei einem festlichen Dinner für Sponsoren werden die Anwesenden mit einem Mann mit Armstelzen konfrontiert, gespielt von dem Affenspezialisten Terry Notary (die “Planet der Affen”-Filme), der ihnen als Tier im Mensch Angst machen soll, dabei aber weiter geht, als von seinen Auftraggebern vorgesehen. Es ist eine bemerkenswerte Szene, die im Grunde den kompletten absurd-satirischen Ansatz von “The Square” perfekt auf den Punkt bringt. Schade nur, dass dem Film zum Schluss hin etwas die Luft ausgeht. Vielleicht zieht Ruben Östlund die Stellschrauben ja noch einmal an – der Film ist offenbar nur sehr kurz vor seiner Premiere beim Festival de Cannes fertig geworden. ts.

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