Filmhandlung und Hintergrund

Düsterer Exorzismus-Schocker über einen jungen Priesterschüler, der ein Komplott Satans im Vatikan aufdeckt.

Priesterschüler Michael Kovak vertraut auf seinen Verstand. Deshalb reagiert er ausgesprochen skeptisch, als er im Vatikan ein Exorzismus-Seminar belegen soll. Der erfahrene Vater Lucas nimmt sich des jungen Mannes an und zeigt ihm Dinge, die weit über das hinausreichen, was er sich bislang vorstellen konnte, und ihn seine bisherige Weltvorstellung überdenken lassen. Tatsächlich mehren sich die Hinweise, dass Satan eine Offensive plant - und die Hölle auf Erden ausgerechnet im Vatikan entfesseln will.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. „Der Film beruht auf wahren Begebenheiten.“ Wenn ein Film, beziehungsweise ein Horrorfilm so beginnt, verstärkt sich bereits zu Beginn das unangenehme Gefühl in der Magengegend. Hin und wieder handelt es sich dabei allerdings lediglich um eine bloße Behauptung oder sie trifft nur im weitesten Sinn ungefähr zu - Tobe Hoopers „Texas Chainsaw Massacre“ von 1974 zum Beispiel. Bei dem neuen Regiestreich von Mikael Hafeström scheint es sich dabei um die Wahrheit zu handeln: „The Rite“ basiert auf dem Buch „The Rite: The Making of a Modern Exorcist“ (deutscher Titel: „Die Schule der Exorzisten: Eine Reportage“). Das Buch entstand, nachdem der Autor Matt Baglio drei Jahre mit einem amerikanischen Geistlichen verbracht hatte. Die beiden lernten sich 2005 an der Vatikan-Universität kennen, als Baglio dort einen Kurs besuchte und sich der Priester zum Exorzisten ausbilden ließ.

      Anthony Hopkins als Exorzist in den Fußstapfen von Max von Sydow und Rutger Hauer in den Fußstapfen von Rutger Hauer als merkwürdiger Leichenbestatter – schon fast Grund genug, sich „The Rite“ anzuschauen. Dachte sich wohl auch Hafeström und besetzte die eigentliche Hauptrolle Michael Kovak mit dem bislang unbekannten Colin O´Donoghue. Dieser war bisher nur in Serien und dem ein oder anderen Fernsehfilm zu sehen und gibt hier sein wohlverdientes Leinwanddebüt und überzeugt als zweifelnder Geistlicher. In seiner Soutane, den pechschwarzen Haaren und den traurigen Augen erinnert O´Donoghue stark an den jungen Montgomery Clift in seiner Rolle als Pater Logan in Hitchcocks „Zum Schweigen verurteilt“ von 1953.

      Wieder einmal geht es auf der Leinwand um die Frage, ob Menschen tatsächlich von Dämonen oder gar vom Teufel selbst besessen sein können oder an einer psychischen Störung leiden. Dabei ist doch die viel dringendere Frage, ob diese Thematik in einem Horrorfilm überhaupt noch schocken kann. Als 1973 „Der Exorzist“ in die Kinos kam, schockte allein schon die Tatsache, dass ein kleines Mädchen derart fluchte, die Körperverrenkungen und -verdrehungen natürlich und die berühmte Erbsensuppe sorgte für den Ekelfaktor. Keiner der folgenden Filme aus Hollywood mit Exorzismus-Thematik konnte an diesen Erfolg anknüpfen. Erst die kleine deutsche Produktion „Requiem“ (Hans-Christian Schmid, 2006) fand wieder Zustimmung, weil sich Schmid dem Thema auf andere Weise näherte. Er machte daraus keinen Horrorfilm mit ausgelutschten Schockeffekten, sondern ein Drama. Der Film beruht auf einem wahren Fall. Anfang der Siebziger starb die junge Annelise Michel bei einem Exorzismusversuch.

      „The Rite“ ist grundsätzlich wieder ein Horrorfilm, beinhaltet aber auch dramatische sowie Thrillerelemente. Klassische Schockmomente eines Horrorfilms hingegen gibt es viel zu wenige und auch sonst wartet auf den Zuschauer nicht wirklich etwas Neues, was die Nerven strapazieren könnte. Auch hier kennt der vermeintlich Besessene pikante Details aus der Vergangenheit des Exorzisten, die dieser eigentlich ganz tief in sich vergraben glaubte, er wirft mit Kraftausdrücken um sich, die sich schnell auf die sexuelle Ebene konzentrieren und sämtliche Gliedmaßen werden verdreht und verrenkt. Natürlich gibt es auch wieder einen kleinen Jungen mit bösem Blick und die Tiere bemerken als erstes, dass etwas nicht stimmt. Aber wenigstens bleiben dem Zuschauer die beliebten Höllenhunde erspart. Statt dessen erscheint der Teufel in Gestalt eines Maultiers mit roten Augen – wahnsinnig gruselig, nicht wahr?

      Regisseur Hafeström, der sich bereits in „Zimmer 1408“ mit dem Thema des Übersinnlichen auseinandersetzte, gibt sich viel Mühe, in einer Schlüsselszene zu zeigen, dass es für Michael einen göttlichen Plan – oder wie auch immer man das nennen möchte – zu geben scheint: Eine Frau wird nachts bei strömendem Regen von einem Auto erfasst. Michael eilt sofort herbei, um ihr zu helfen, muss aber feststellen, dass die Frau im Sterben liegt. Sie bittet ihn, sie zu segnen. Widerwillig kommt er ihrer Bitte nach. Die Kamera fährt langsam immer weiter zurück, Musik setzt ein und tatsächlich, es hat etwas Erhabenes, wie Michael neben dieser Frau auf der Straße kniet, in der Dunkelheit, im strömenden Regen, ihre Hand hält und seinen Segen vor sich hin murmelt. Dass Hafeström diesen Regen dann für die Szenen in Rom einfach übernimmt und die gesamte Stadt in ein einziges Grau in Grau taucht, funktioniert zwar ebenfalls, ist aber gleichzeitig ein gutes Beispiel für den fehlenden Einfallsreichtum. Dabei versteht es sich natürlich von selbst, dass die Sonne am Ende die Regenwolken vertreibt, sobald sämtliche Dämonen ausgetrieben wurden – zumindest fürs Erste.

      Fazit: „The Rite“ wirft die alten Fragen nach der Existenz Gottes und des Teufels auf. Regisseur Hafeström verlässt sich dabei aber zu sehr auf Altbewährtes. Anthony Hopkins und Rutger Hauer sind allerdings ein großes Plus.
    2. The Rite - Das Ritual: Düsterer Exorzismus-Schocker über einen jungen Priesterschüler, der ein Komplott Satans im Vatikan aufdeckt.

      Stilvoller Exorzismusschocker basierend auf wahren Begebenheiten, in dem Anthony Hopkins als unorthodoxer Priester Satan Saures gibt.

      Anno 1973 rief Regisseur William Friedkin mit „Der Exorzist“ das Genre des Exorzismusfilms ins Leben. Seither versuchten sich neben Sequels und Prequels etliche Nachfolger im tückischen Geschäft der Teufelsaustreibung. In jüngerer Vergangenheit wurde das Thema in „Der Exorzismus von Emily Rose“ und „Der letzte Exorzismus“ aufgegriffen. Das von Mikael Hafstrom („Zimmer 1408“) mit Stimmung und Spannung inszenierte Dämonenverbannungsdrama „The Rite“ übernimmt nicht nur Elemente aus beiden, sondern verneigt sich selbstverständlich auch (augenzwinkernd) vor dem diabolischen Urdaddy des Genres. Angelehnt an das Tatsachenbuch „Die Schule der Exorzisten - Eine Reportage“ von Matt Baglio verfasste Michael Petroni („Die Königin der Verdammten“) das weitgehend konventionelle Drehbuch.

      Erzählt wird die Geschichte des amerikanischen Priesterschülers Michael Kovak (Colin O’Donoghue aus „Die Tudors“ wirkt in seinem Leinwanddebüt ein wenig überfordert), der sich nicht sicher ist, ob er sein Gelübde ablegen will. Um ihm zu helfen seine Zweifel zu überwinden, schickt ihn sein Mentor zu einem Exorzistenkurs nach Rom. Dort macht er Bekanntschaft mit der attraktiven Journalistin Angeline (Alice Braga) und alsbald auch mit dem legendären Vater Lucas (Hopkins). Er ist die exzentrische Eminenz unter den Exorzisten und gibt Michael intimen Einblick in sein komplexes Handwerk. Die erste Behandlung findet mit einer 16jährigen Schwangeren (Marta Gastini macht dem Linda-Blair-Part Ehre) statt. Doch Michael ist von ihrem Augenrollen und Sprechen mit veränderter Stimme wenig beeindruckt und glaubt, dass sie als Inzestopfer mit einer Psychose kämpft. Doch in Folge wird der junge Zweifler mit unerklärlichen Phänomenen konfrontiert. Als Vater Lucas in die Fänge Beelzebubs gerät, liegt es an Michael ihn zu retten. Doch dafür muss er seinen eigenen Unglauben überwinden.

      Der größte Coup des übernatürlichen Thrillers ist seine hochkarätige Besetzung, die u.a. Rutger Hauer und Ciaran Hinds umfasst. Allen voran profiliert sich natürlich Oscarpreisträger Hopkins, der mit dem schwarzen Humor Hannibal Lecters ausgerüstet einen ungewöhnlichen Priester spielt. So unterbricht Vater Lucas auch schon mal eine Teufelsaustreibung, um an sein Handy zu gehen und ist auch sonst wenig zimperlich in seinen Umgangsformen. Dies sind allerdings nur kurze Aufwallungen von Humor, insgesamt geht es Regisseur Hafstrom um schauriges Ambiente und schleichenden Horror. Und weitgehend erreicht er das auch. ara.
    3. „Wertvoll”

        Michael Kovak ist ein junger Mann, der kurz vor seinem Priestergelübde an seinem eigenen Glauben zweifelt und nun kein Diener Gottes mehr sein will. Um ihn umzustimmen, schickt ihn ein erfahrener Priester in ein Exorzismus-Seminar in den Vatikan. Doch erst die Begegnung mit dem erfahrenen Exorzisten Vater Lucas bringt ihn dazu, sein eigenes, vom Verstand regiertes, Weltbild zu hinterfragen und sich selbst auf die Jagd nach dem Teufel zu machen. Mikael Hafström inszeniert den unweltlichen Schrecken des Exorzismus-Horrorfilms mit düsteren Bildern voller Stimmung und Spannung, einem dichten Drehbuch und ungemein gut agierenden Schauspielern. Neben dem Newcomer Colin O’Donoghue ist es vor allem Anthony Hopkins, der allein durch seine charismatische Präsenz den Raum mit Faszination und Angst erfüllen kann. Die Kamera wählt überwältigende Bilder, die ohne viel Effekthascherei auskommen. So entsteht ein psychologischer Thriller mit genretypischer Dramaturgie, der sich vor seinen Vorbildern verneigt, ohne sie zu kopieren. Ein Film mit Gänsehautgarantie!

        Jurybegründung:

        Die Praxis des Exorzismus wird hier erstaunlich ernst genommen. Erzählt wird von dem amerikanischen Priesterschüler Michael, der nach Rom zu einem Seminar für Teufelsaustreibung geschickt wird. Dort trifft er den in diesen Dingen erfahrenen Vater Lucas, und mit dessen Auftritt wird der Film gleich viel intensiver und spannender. Und dies nicht, weil die folgenden genreüblichen Tobsuchtsanfälle der Besessenen besonders schockierend inszeniert sind, sondern weil Anthony Hopkins in der Rolle des alten Hasen soviel Autorität ausstrahlt. Regisseur Mikael Hafström inszeniert sehr atmosphärisch und die Aufnahmen der düsteren römischen Kirchengemäuer (von denen viele in Ungarn gedreht wurden) lassen den Film durch ihr Alter und ihre Ausstrahlung authentischer wirken als etwa der Hinweis, er beruhe “auf wahren Begebenheiten“. Dass THE RITE im letzten Akt als ein effektiver Horrorfilm funktioniert, ist wiederum Anthony Hopkins zu verdanken, denn wenn er schließlich selber von Dämonen besessen wird und mit dem sehr effektiv den noch grünen Lehrling spielenden Colin O’Donoghue um ihrer beiden Seelen ringt, tut er dies mit jener teuflischen Energie, die ihn zu einem der furchterregendsten bad guys des modernen Kinos gemacht hat. So ist THE RITE ein solider und teilweise inspiriert inszenierter Genrefilm geworden.

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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