Filmhandlung und Hintergrund

Drama um einen Vater, der versucht seinem entfremdeten, an einem Gehirntumor erkrankten Sohn wieder näher zu kommen - über Musik, die sie gemeinsam anhören.

Musik ist ihre große gemeinsame Leidenschaft. Doch dann schließt sich der junge Gabriel Sawyer in den Sechzigerjahren der Anti-Vietnam-Bewegung an. Zu viel für den konservativen Vater Henry. Es kommt zum Bruch, Gabriel nimmt Reißaus und kehrt nie mehr nach Hause zurück. 20 Jahre später klingelt bei Sawyers das Telefon. Es ist das Krankenhaus. Gabriel liegt dort mit einem Gehirntumor, der sein Erinnerungsvermögen beschädigt hat. Nur wenn er die Beatles, Bob Dylan oder Grateful Dead hört, scheint er aus seiner Apathie zu erwachen.

Ein Vater versucht, seinem entfremdeten, an einem Gehirntumor erkrankten Sohn wieder näher zu kommen – über Musik, die sie gemeinsam anhören. Gut gespieltes und mit einem sensationellen Soundtrack ausgestattetes Drama nach einer Vorlage des legendären Dr. Oliver Sacks.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Früher war’s einfacher, sagt der Vater. Da hat einer eine Frau geliebt und hat einfach darüber gesungen. Sein Sohn Gabriel hat ihm da schon seine Empfindungen offenbart, die er bei den Songs spürt, die er liebt, bei Bob Dylans „Desolation Row“ oder bei „Truckin“ von den Grateful Dead. Wenn Gabriel diese Musik hört, die Musik der 60er, die bedeutungsvollen, komplexen, zeitgeistigen, zeitlosen Songs, die so gut passen, wenn man zugedröhnt ist, oder wenn man jung ist, oder wenn man einen kritischen Geist entwickelt hat – wenn Gabriel diese Musik hört, blüht er auf. Bevor er wieder in den katatonischen Zustand des Gehirnkranken fällt, der wenig wahrnimmt und nichts erinnert – außer die Jahre zwischen 1964 und 1970, als die Musik sein Sein prägte.

      „The Music Never Stopped“ beruht auf Oliver Sacks’ Krankengeschichte “The Last Hippie” (aus dem Buch “Eine Anthropologin auf dem Mars“), über Greg, der sein Kurzzeitgedächtnis verlor und damit seine normale Kommunikations- und Lebensfähigkeit, der aber durch die Musik, an die er sich erinnerte, die ihn innerlich zum Schwingen brachte, mit dem Leben Kontakt aufnehmen konnte. Darauf basierend erfanden die Drehbuchautoren Gwyn Luie und Gary Marks eine eigene, neue Geschichte: nicht nur die Story von der heilenden Musik, auch eine Vater-Sohn-Konflikt, der den Generationenkonflikt Amerikas (und der Welt) ausdrückt.

      Der Soundtrack des Films – eine großartige Zusammenstellung der wichtigen Songs der Gegenkultur und Gott sei Dank nicht einfach nur ein „Best of Sixties“-Sampler – ist der Soundtrack von Gabriels Leben; ein Soundtrack, der ganz inkompatibel ist zur Musik seines Vaters. Der liebt die Dancehall-Songs seiner Jugend, Bing Crosby oder Count Basie, das bedeutet ihm die Welt. Dass sein Sohn, der als Kind genau damit aufwuchs, sich für die wilde, drogenumschwängerte Hippiemusik entschied, die Amerika nicht achtet: das ist der große Bruch. Diese Musik ist es, die Vater Henry erlernen muss: er muss sich die musikalische Biographie des Sohnes aneignen, um Kommunikation, Verbindung aufzubauen. Er muss sich einlassen auf Unbekanntes – und kann erleben, wie er dort ungeahnt Neues entdeckt.

      Regisseur Jim Kohlberg nimmt das sehr ernst, das heißt: er zeigt beide Seiten, spielt sie nicht gegeneinander aus für billige Konflikthascherei, sondern setzt sich einfühlsam mit Vater und Sohn und ihren verschiedenen Musikstilen und Ansichten auseinander; und zeigt die Souveränität, sowohl Humor einzuflechten als auch die aufkommende Liebesgeschichte in der Andeutung zu belassen. Er erzählt dabei auch mit einer gewissen Schonungslosigkeit; aber auch sehr warmherzig und berührend. Er umgeht die Sentimentalitäts-Fettnäpfchen, die so zahlreich herumstehen. Die Geschichte eines kuriosen Krankheitsfalles, Heilung durch Musiktherapie, Vater-Sohn-Versöhnung durch die Harmonisierung ihrer speziellen Musikstile – das ist der emotionale Gehalt des Films. Was Kohlberg aber noch mehr leistet: er führt den Zuschauer – und nicht nur den Vater – heran an eine Musik, wie sie vor über 40 Jahren nicht nur relevant war, sondern Katalysator für neues Bewusstsein, neue Kultur – was Musik seither so nie wieder leisten konnte.

      Fazit: Berührendes Vater-Sohn-Drama um die heilende Wirkung von Musik und eine Hommage an die Songs der 60er, die Teil waren einer Bewegung, die die Welt veränderte.
    2. The Music Never Stopped: Drama um einen Vater, der versucht seinem entfremdeten, an einem Gehirntumor erkrankten Sohn wieder näher zu kommen - über Musik, die sie gemeinsam anhören.

      Unkonventionelle Therapiemethoden und ein Hammer-Soundtrack stehen im Fokus des einfühlsamen Vater-Sohn-Dramas von Regiedebütant Jim Kohlberg.

      Nach „Zeit des Erwachens“ (1989) mit Robert De Niro und Robin Williams folgt nun der zweite Spielfilm, dem Aufzeichnungen des britischen Neurologen Dr. Oliver Sacks zugrunde liegen. Weil dieser wie kaum ein anderer schwierige wissenschaftliche Sachverhalte einfach und verständlich kommunizieren kann, eignen sich seine Schriften hervorragend als Drehbuch-Vorlage. So auch die Fallstudie „The Last Hippie“. Medizinisch geht es um einen jungen Mann, der durch einen, immerhin gutartigen Gehirntumor sein Erinnerungsvermögen nahezu komplett verloren hat. Durch eine spezielle Form der Musiktherapie gelingt es, längst vergangene Erlebnisse, die der Patient mit bestimmten Songs verknüpft, wieder abzurufen.

      Regie-Newcomer Jim Kohlberg, der bisher lediglich als Produzent in Erscheinung trat, interessiert sich in „The Music Never Stopped“ jedoch nicht nur für diese ebenso faszinierende wie einzigartige Therapieform, er erzählt auch eine zutiefst menschliche Familiengeschichte, die sowohl heitere wie dramatische Elemente enthält. Diese wird insbesondere von herausragenden darstellerischen Leistungen getragen. Dabei macht J.K. Simmons (der liberale Vater von „Juno“) die wohl radikalste Wandlung durch – vom erzkonservativen Rechtsausleger zum verständnisvollen, einfühlsamen Daddy, der seinen Sohn Gabriel (sehr glaubwürdig: Newcomer Lou Taylor Pucci) aufopferungsvoll pflegt. Aber auch Cara Seymour („An Education“) als still leidende Mutter und Julia Ormond als sensible Musiktherapeutin begeistern mit subtilem, punktgenauem Spiel.

      Trotz der fraglos vorhandenen Schwere des Themas wirkt dieses Drama dennoch stets federleicht und geradezu beschwingt. Auch ein Verdienst des Drehbuchs von Gwyn Lurie und Gary Marks, die immer wieder schöne Sechzigerjahre Flashbacks aus Gabriels Kindheit und Jugend eingebaut haben. Dies wiederum gibt Kohlberg die Gelegenheit, den sensationellen Soundtrack zum eigentlichen Hauptdarsteller seines Debütfilms zu machen. Gerade die Sixties und Seventies sind mit Klassikern von den Beatles über Bob Dylan bis zu Grateful Dead und Co. bestens vertreten. Und so ist „The Music Never Stopped“ auch eine hübsche Hommage an das gute alte Vinyl, ein exquisites Sammlerstück für Nostalgiker, aber auch sehr unterhaltsam für alle, die sich für Papas respektive Opas Jugend interessieren. lasso.

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