Filmhandlung und Hintergrund

Intelligente Komödie über ein Lesbenpaar, das sich aus heiterem Himmel mit dem Vater ihrer beiden Kinder konfrontiert sieht.

Jules und Nic sind seit Jahren ein glückliches lesbisches Paar, mit der 18-jährigen Joni und dem 15-jährigen Laser haben sie zwei aufgeweckte Kids, mit denen sie in Los Angeles leben. Unruhe in ihr ereignisloses Dasein bringt die Erkenntnis, dass ihre Kinder ohne ihr Wissen Kontakt zu ihrem biologischen Vater aufgenommen und ihn zu sich nach Hause eingeladen haben. Die Ankunft des alten Hippies Paul bringt Nic auf die Palme, zumal er Jules schnell verspricht, ihr bei ihren bislang wenig erfolgreichen Versuchen als Landschaftsgärtnerin unter die Arme zu greifen - und vielleicht nicht nur da. Konfrontationen scheinen unausweichlich.

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Kritiken und Bewertungen

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2 Bewertungen
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Kritikerrezensionen

    1. Filme wie „The Kids are all right“ sind selten, sehr selten und deshalb ein richtiges Geschenk. Die letzten Paradebeispiele aus der Independent-Werkstatt dürften wohl „Little Miss Sunshine“ (Jonathan Dayton & Valerie Faris, 2006) und „Juno“ (Jason Reitman, 2007) sein. „The kids are all right“ tritt genau in diese Fußstapfen. Mit dem Plot hat Regisseurin Lisa Cholodenko, die auch am Drehbuch mitschrieb, zwar das Rad nicht neu erfunden, bringt es aber auf innovative Art und Weise zum Rollen.

      Angefangen bei dem unkonventionellen Familienkonzept lesbisches Paar mit zwei Kindern. Natürlich sind auch ungewöhnliche Familienkonstellationen nicht immun gegen die „normalen“ Alltagsprobleme. Auch Nic und Jules hoffen, dass aus ihren Kindern etwas Vernünftiges wird, auch wenn ihnen eigentlich davor graust, Joni (benannt nach Joni Mitchell) und Laser (leider erhält man keine Erklärung für diesen Namen) ziehen und somit ihre eigenen Wege gehen lassen zu müssen. Jules ist diejenige, der bislang die Rolle der Hausfrau und Mutter zugefallen ist, während Nic das Geld nach Hause gebracht hat. Das Dasein als Heimchen am Herd frustriert Jules aber und sie möchte sich auch beruflich verwirklichen, wofür Nic hingegen nur wenig Verständnis aufbringen kann und sie damit regelrecht in Pauls Arme treibt.

      Der Moment, als Nic den Seitensprung entdeckt, ist einer der Glanzpunkte des Films: Plötzlich finden wir uns in Nics Innenansicht wieder. Das einzige vernehmbare Geräusch ist ihr Schlürfen, alles andere verschwimmt und die Musik schwellt immer weiter an, was auf einen Gefühlsausbruch ihrerseits hindeutet – aber nichts passiert. Wir treten aus ihrer Innenansicht einfach wieder heraus. Cholodenko nimmt eine Standardsituation, deren Auflösung uns bestens bekannt ist, führt unsere Erwartungshaltung aber an der Nase herum und gibt diesen Momenten einen völlig neuen Dreh. Dies gelingt ihr auch mehrfach auf der Dialogebene durch frechen Witz. Zum Beispiel als Jules sich wünscht, Laser wäre schwul, weil er dann nicht so unsensibel wäre.

      Auch beim Cast hat Cholodenko alles richtig gemacht. Annette Bening und Julianne Moore sind absolut überzeugend als lesbisches Pärchen, das versucht, jeden Tag aufs Neue den Ehealltag zu meistern und auf Schwulenpornos steht. Mark Ruffalo wird in der Rolle des Paul endlich die Aufmerksamkeit zu Teil, die er verdient, weil er mal nicht nur – wie zuletzt in „Shutter Island“ (Martin Scorsese, 2010) an der Seite von Leonardo DiCaprio – als Sidekick auftreten darf. Besonders in der Szene, als sich Paul bei Joni entschuldigt, ist unglaublich, wie viel Gefühl er allein mit seiner Stimme transportieren kann (in der synchronisierten Version wird das wahrscheinlich leider verloren gehen). Außerdem war Ruffalo noch nie so sexy.

      Nicht ganz 100% konsequent ist Cholodenko hingegen bei den Sexszenen. Während das Liebesspiel von Nic und Jules verschämt unter der Decke „gezeigt“ wird, geht es zwischen Jules und Paul ordentlich zur Sache. Wie es aussieht, kann man also auch im Independentbereich (noch) nicht alles zeigen. Ein Umstand, den Cholodenko allerdings clever für sich nutzt, denn so wird besonders deutlich, was Jules – unter anderem – in ihrer Ehe vermisst: Leidenschaft.

      Fazit: Originell, witzig und liebevoll – so lieben wir das Independent-Kino!
    2. The Kids Are All Right: Intelligente Komödie über ein Lesbenpaar, das sich aus heiterem Himmel mit dem Vater ihrer beiden Kinder konfrontiert sieht.

      Von Bio-Dads und Lesben-Moms erzählt Lisa Cholodenko in ihrem geistreichen Homo-Hetero-Spaß, in dem Annette Bening und Julianne Moore eine Ehekrise durchleben.

      Kuschelig haben sie es sich eingerichtet, das lesbische Paar Nic und Jules, das sich bereits aus Universitätstagen kennt und die sich Pony und Hühnchen nennen, wenn niemand anderer zuhört. Nic, souverän unterkühlt gespielt von Annette Bening („American Beauty“), die im Film aussieht wie Regisseurin Lisa Cholodenko („Laurel Canyon“) im richtigen Leben, hat die Hosen an und garantiert mit ihrem Medizinergehalt das sorgenfreie Leben, Jules (liebenswerte Glucke mit Sexappeal: Julianne Moore) ist der mütterliche Typ - wehender Rotschopf, besorgter Blick - und somit für den Haushalt zuständig. Die Muster-Familie komplettieren die 18-jährige Joni (Mia Wasikowska, die „Alice“ aus Tim Burtons „Wunderland“) und der 15-jährige Laser (Josh Hutcherson). Letzter will seinen „Bio-Dad“, sprich Samenspender, kennen lernen, was den knackigen Biogärtner/Kneipier Paul (Mark Ruffalo) auf den Plan ruft und in der Folge für jede Menge hormonelle Aufruhr sorgt.

      „The Kids Are All Right“ nennt Cholodenko ihren bislang komödiantischsten Film, zu dem sie zusammen mit Stuart Blumberg („The Girl Next Door“) das Drehbuch verfasste und der trotz ernsten Grundthemas eindeutig (auch) auf ein Mainstream-Publikum zielt. Der Titel ist in diesem Fall durchaus wörtlich zu nehmen, denn der Nachwuchs kommt mit dem neuen, Motorrad-fahrenden Papa wunderbar klar, nur die beiden älteren Mädels haben mit dem virilen Hetero so ihre Probleme. Nic beäugt ihn misstrauisch, erweist sich als Meisterin der spitzen Zunge und versteckt sich hinter Tiraden von four letter words, während Jules das Objekt der Begierde dem handfesten Praxistest unterzieht - und weil der Mann (be-)steht, wird gleich fröhlich jauchzend das Kamasutra durchexerziert. Das ist doch besser als sich wie sonst gelegentlich mit schwulen Männerpornos in Stimmung zu bringen.

      Homo oder hetero, das ist hier die Frage, die sich dann aber wegen der unkontrollierbaren Libido gar nicht so einfach beantworten lässt. Um Lebensentwürfe geht es, um (traditionelle) Familienmodelle, aber auch um Sorgen auf hohem Niveau. Geld spielt keine Rolle und in den von Igor Jadue-Lillo („Per Anhalter durch die Galaxis“) anheimelnd fotografierten Künstlerenklaven von Los Angeles lässt es sich gut aushalten. Die Frauen sind klug, die Jungs kantig und ein wenig doof. Sagt eine der Moms beispielsweise zu Laser: „Schade, dass du nicht schwul bist, dann wärst du sensibler.“ Das könnte sich auch Paul hinter die Ohren schreiben, der ein überzeugtes Single-Dasein pflegt, definitiv zu wenig Knöpfe am Hemd schließt und Bildung eher für überschätzen Luxus hält. Klassische Hollywood-Geschlechterverteilungen werden hier lustvoll auf den Kopf gestellt, geschickt und intelligent Klischees gebrochen. Auf der 60. Berlinale war der hintersinnige Spaß der schwul-lesbischen Jury einen Teddy Award wert - Grund genug, den Film wärmstens weiter zu empfehlen. geh.
    3. „Wertvoll”

        Lebemann Paul fällt aus allen Wolken, als er eines Tages einen Anruf von seinen Kindern erhält, von denen er bisher nichts wusste: Die beiden sind das Produkt von Pauls Samenspende und lebten bisher wohl behütet mit ihren lesbischen Müttern Jules und Nic zusammen. Doch nun ist es Zeit, den Vater kennenzulernen, finden die Kinder. Und während Paul den Schock noch verarbeiten muss, durchlaufen Jules und Nic eine Ehekrise, die vielleicht auch ein kleines bisschen mit dem neuen „Familienmitglied“ zu tun hat. Das Modell der idealtypischen Familie wird in diesem Film erst in Variation aufgestellt, hinterfragt und neu zusammengeführt. Die Akteure spielen ihre jeweiligen Rollen mit einer für eine Komödie erstaunlichen Ernsthaftigkeit. Annette Bening und Julianne Moore liefern eine grandiose Darstellung als Paar, das an einem Beziehungs-Scheidepunkt angekommen ist, mit all seinen unbequemen Wahrheiten und Entscheidungen. Die Dialoge sind locker und schnell gehalten, doch spürt man trotz all dem trockenen Humor eine tiefe Nähe der Protagonisten zueinander. Das Drehbuch und die Regie von Lisa Cholodenko wirken spritzig und niemals gekünstelt. Der Film funktioniert als unterhaltendes Erzählkino und ist dennoch ein starkes Statement zu mehr Toleranz in der Gesellschaft. Unterhaltend, liebevoll und ehrlich. Großartiges Independent-Kino.

        Jurybegründung:

        Das Familienleben ist schön zur flockigen Musik mit netten halbwüchsigen Kindern, die Tochter fast 18 Jahre und der Bruder 15. Die Familienwelt scheint noch in Ordnung. Doch etwas ist anders als bei einer sogenannten Normalfamilie. Zu den Kindern gehören zwei Mütter, Nic und Jules, ein lesbisches Paar, und ein bisher unbekannter Paul, der als anonymer Spender einer Samenbank von dieser Eigenschaft des biologischen Vaterseins bisher nichts wusste.

        Für Kinder ist es von enormer Bedeutung, sich mit ihrer biologischen Herkunft auseinander zu setzen und so suchen auch hier die Kinder nach ihrem Erzeuger. Ihre Recherche führt sie zu ihrem leiblichen Vater, der ein gut aussehender, erfolgreicher Restaurantbesitzer ist, Typ Lebenskünstler. Aber der Neue hat es nicht einfach. Er versucht in das bisher intakte Beziehungsgeflecht einzudringen, was unweigerlich zu Verwicklungen und ernsten Schwierigkeiten in der Lebensgemeinschaft dieser US-amerikanischen Fastdurchschnittsfamilie führt. Angehimmelt von der Tochter, sehr reserviert gesehen von seinem Sohn, geht er mit Jules eine sexuelle Beziehung ein. Als diese auffliegt, hängt der Haussegen von Nic und Jules schief und es sieht nach Trennung aus.

        THE KIDS ARE ALLRIGHT berührt mehrere ernsthafte Themen und Fragestellungen wie man unschwer an diesem Ausgangsplot erkennen kann. Der Film ist trotzdem äußerst unterhaltsam und erzählt seine Geschichte mit viel Humor und leichter Hand. Mit seinen Protagonistinnen und Protagonisten geht er immer respektvoll um und kommt ihnen sehr nahe. Man könnte in ihm auch einen Werbefilm für eine gleichgeschlechtliche Lebens- und Liebesbeziehung zweier Frauen sehen, die ihren familiären Alltag mit ihren Kindern und den oft unvermeidbar entstehenden Konflikten letztlich wunderbar bewältigen können.

        Mit spritzigen Dialogen werden auch die vielen kleinen Details, die diese Komödie unterhaltsam machen, ausgespielt. Da ist zum einen die tonangebende und eloquente Nic und dann die das Leben etwas leichter nehmende Jules. Ein Paar mit dramaturgisch notwendigen unterschiedlichen Charakteren, die in der Erziehung ihrer Kinder und im Umgang mit Problemen in der Partnerschaft sich einigen müssen und können. Die Balance in der Familie verschiebt sich, als der Samenspender in diesen Verbund eingreift und damit als Katalysator ihre Beziehung infrage stellt. Das alles wird differenziert und realitätsnah behandelt und die Handlung aus diesen Charakteren heraus entwickelt.

        Die Botschaft des Films - alles ist so wie in anderen Familien auch - lässt einen überraschenden Schluss oder dramaturgisch interessantere Brechung mit offenem Ende nicht zu. THE KIDS ARE ALLRIGHT ist ein starkes und überzeugendes Plädoyer für Toleranz gegenüber homosexuellen Paarbeziehungen. Eine gelungene unterhaltende Erzählung.

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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