„Was für Hosenscheißer!“

"Game of Thrones"-Autor George R.R. Martin setzt sich für "The Interview" ein Bild: G.R.R. Martin / Sony

Er ist Experte für Heldentaten, zumeist verüben sie aber nur seine erfundenen Charaktere: George R.R. Martin, Schöpfer der Kult-Fantasyreihe „Game of Thrones„.

Diesmal fasst sich Martin aber selbst ein Herz und wagt, wovor Hollywood-Filmriese Sony zurückschreckt. Er will den Film „The Interview„, eine Satire gegen den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-Un, in seinem eigenen kleinen Kino in Santa Fe zeigen. Denn der US-weite Start wurde wegen Terrordrohungen aus Nordkorea abgesagt.

Unter dem Titel „Konzernfeigheit“ schreibt Martin dazu in seinem Blog auf livejournal.com:

„In einem erschreckenden Fall von Konzernfeigheit haben ‚Regal‘, ‚AMC‘ und alle anderen großen Kinoketten in den USA die geplanten Vorführungen der Komödie ‚The Interview‘ von James Franco und Seth Rogen abgesagt, wegen - und ja, das ist jetzt kein Gag aus South Park (obwohl ich sicher bin, dass es dort bald einer werden wird) - Drohungen aus Nordkorea.

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Also, ernsthaft? ERNSTHAFT? Diese gigantischen Konzerne, von denen die meisten ganz Nordkorea aus der Portokasse kaufen könnten, weigern sich, einen Film zu zeigen, weil Kim Jong-Un dagegen protestiert, dass er verarscht wird?

Ein solches Maß an Konzernfeigheit verwundert mich. Nur gut, dass diese Leute noch nicht das Sagen hatten, als Charlie ChaplinDer große Diktator‚ gemacht hat. Wenn sie schon vor Kim Jong-Un Angst hatten, dann hätten sie sich bei Adolf Hitler in die Unterhosen geschissen. Ich kann nicht glauben, dass ein großer Hollywood-Film vor seinem Kinostart vernichtet wird wegen Drohungen eines anderen Landes und anonymer Hacker.

Dabei gibt es Tausende kleiner unabhängiger Kinos im ganzen Land, wie das meine, die ‚The Interview‘ gerne zeigen würden. Also, mein Jean Cocteau Kino wird ‚The Interview‘ sofort zeigen, wenn uns der Film zur Verfügung gestellt wird. Seth, komm nach Santa Fe, wir werden Deinen Film für Dich aufführen!“

Sondervorführung auf dem Kapitol?

Starke Worte vom Fantasy-Autor, denen sich die Vereinigung unabhängiger Kinos „The Art House Convergence“ sofort anschloss:

„Wir wollen unsere Hilfe anbieten im Sinne unserer langen Tradition, den freien künstlerischen Ausdruck zu verteidigen!“, sagt deren Leiter Russ Collins.

Zeitgleich hat der kalifornische Kongress-Abgeordnete Brad Sherman in einem Brief an Sony-Chef Michael Lynton gefordert, dass das Parlament den Film auf dem Kapitol zeigen und sich für einen landesweiten Kinostart einsetzen soll:

„Eine Vorführung von ‚The Interview‘ wird deutlich machen, dass der US-Kongress für die Meinungsfreiheit eintritt. Hier geht es um unser Recht, ohne Angst zu leben und zu wissen, dass unsere Werte nicht durch eitle Drohungen eines despotischen Regimes in Frage gestellt werden können. Egal, ob der Film gut oder schlecht ist, Amerikanern sollte nicht die Möglichkeit genommen werden, ihn zu sehen. Es liegt nun in der Verantwortung der US-Regierung, die notwändigen Ressourcen bereitzustellen, um für die Sicherheit der Kinogänger zu sorgen. Wir müssen Sony Pictures, Kinobesitzern und Kinogängern das Vertrauen in ‚The Interview‘ zurückgeben.“

Auch US-Präsident Barack Obama hatte die Absage des Kinostarts als „Fehler“ bezeichnet.

In dem Film, der in den USA an Weihnachten und in Deutschland am 5. Februar starten sollte, spielen Seth Rogen und James Franco zwei Journalisten, die ein exklusives Interview mit Kim Jong-Un führen wollen und im Vorfeld vom US-Geheimdienst angeheuert werden, den Diktator dabei zu töten. Der Film gilt auch als Grund für die Hacker-Angriffe auf das Filmstudio Sony Ende November.

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