Filmhandlung und Hintergrund

Ein fiebriger Tag aus dem Leben amerikanischer Teenager ohne Perspektiven, Sicherheit und Hoffnung.

Jüngling Mike (Joe Petrilla) ist in seiner depressiven Kleinstadt-Clique der einzige, der eine klare Vorstellung von seiner Zukunft hat: Er wird zur Armee gehen und in den Irak ziehen. Seine Freundin Valerie (Nicole Vicius) wartet nicht erst, bis er weg ist, sondern steigt gleich mit Phil (Robin Lord Taylor), dem Gruppendealer, ins Lotterbett. Während Terry (Julianne Michelle) sich vergeblich um einen Job bewirbt, kauft Kumpel Steve (Harley Adams) eine Knarre in der Absicht, sie sogleich an seinem Vater auszuprobieren.

Deutsche wie Holger Ernst (Regie) und Wim Wenders (Produzent) zeigen den Amis, wie kaputt ihre Vorstadtfamilien sind, in einem um Realitätsnähe bemühten Teenagerdrama aus der Larry-Clark-Schule.

Eine Gruppe perspektivloser US-Teens kämpft sich durch einen weiteren Tag großer und kleiner Katastrophen. Mike steht vor der Einberufung, seine Beziehung zu Valerie vor dem Ende. Terry will für einen Job alles tun, wie auch Dealer Phil für den Coup seines Lebens. Steve schließlich kauft eine Waffe, um sich endlich von seinem prügelnden Vater zu befreien. Die Bombe tickt und wird am Abend explodieren.

24 Stunden, bevor Mike seinen Militärdienst antreten muss, geht es noch einmal drunter und drüber in seiner Heimatstadt. Freundin Valerie etwa hat schon mit ihm abgeschlossen und treibt es mit dem Kleindealer Phil. Der wiederum muss unbedingt 2.000 Dollar beschaffen, will er den Coup seines Lebens landen. Und dann sind da noch Terry, dem sein Job über alles geht, und Steve, der sich eine Waffe besorgt hat, um ein für alle Mal mit seinem brutalen Vater abzurechnen. Auf Mikes Abschiedsfete überschlagen sich schließlich die Ereignisse.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Hier brennt allen das Haus: Der eine braucht eine Pistole, der andere dringend Geld für einen Drogendeal. Mike beginnt morgen die Militärausbildung, seine Freundin schmeißt eine Abschiedsparty und will gleichzeitig mit ihm Schluss machen, während ihre Freundin sich am liebsten umbringen möchte. 24 Stunden im Leben amerikanischer Teenager bebildert der Film, jeder hat sein eigenes kleines Ziel, das er triebhaft zu erreichen sucht, entsprechend hastig springt der Film von der einen zur anderen Episode. Die Erzählstränge werden dabei immer mit einem Cliffhanger beendet, was dem Ganzen auf gewisse Weise Spannung verleiht.

      Nichtsdestotrotz wirkt der Film etwas beliebig. „Familiäre und emotionale Probleme, Zukunftsängste, soziale Ungerechtigkeit, Jugendarbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, Gewalt, Drogen, Generationenkonflikte“, das wollte Regisseur Holger Ernst darstellen in seinem Debütfilm, gedreht mit deutschem Team und amerikanischen Schauspielern. Eine trostlose Stimmung ist dem Film nicht abzusprechen, doch für ein authentisches Bild des White Trash sind seine Geschichten doch zu extrem, zu sehr filmisch zugespitzt – der Verleih vergleicht „The House is Burning“ mit Larry Clarks „Kids“ und „Ken Park“, doch dafür fehlt es wiederum an Stilisierung beispielsweise in der ambivalenten Inszenierung adoleszenter Sexualität.

      Was in „The House is Burning“ zunächst durchaus beeindruckt, der direkte Einstieg in die Problematik der Jugendlichen, die Vielfalt der aufgezeigten Aspekte, die radikal angegangen werden: das entwickelt sich im Lauf des Films nicht genügend weiter. Die gesellschaftliche Unterschicht, in der der Film spielt, wird zwar nie von oben herab gesehen, doch mehr und mehr wirkt der Film wie die Radikalform einer TV-Soap-Opera. Wenn dann am Ende sich jeder Strang seinem Höhepunkt nähert, setzt natürlich nächtlicher Regen ein, aber irgendwie sind einem inzwischen die Charaktere egal geworden…

      Statt in die Tiefe seiner Thematik vorzudringen bietet der Film ein Panorama verstörter Jugendlicher, das letztendlich die Verantwortung der Eltern einklagt. Die sind stets abwesend, oder sie kiffen oder prügeln auf ihre Kinder ein, doch um ihre wichtige Funktion einzusehen muss Stevie in dieser Nacht mit zwei Toten konfrontiert werden.

      Fazit: Stimmungsvoller Debütfilm um die Probleme des amerikanischen White Trash, das aber zuwenig in die Tiefe geht.
    2. The House is Burning: Ein fiebriger Tag aus dem Leben amerikanischer Teenager ohne Perspektiven, Sicherheit und Hoffnung.

      Inspiriert vom schonungslosen Blick Larry Clarks beobachtet dieses Regiedebüt einen Tag im Leben amerikanischer Vorstadt-Kids.

      Zwischen dem ersten Satz „Irgendwann bringe ich ihn um“ und dem letzten Bild, in dem ein kleines Mädchen aus dem Koma erwacht, um sich wieder der Welt zu stellen, liegen 24 Stunden Trostlosigkeit. Der Schauplatz ist namenloses Suburbia, das Personal entwurzelte Jugendliche, der Inszenierungsstil hautnah an den Figuren. Produziert von Wim Wenders‘ Company Reverse Angle, dringt dieser souveräne Erstling von Holger Ernst in eine Welt ein, in der Kindheit keine angenehme Erinnerung und Erwachsensein keine tröstende Perspektive ist. Mike ist der Einzige mit fester Beziehung und klarem Ziel. Doch seinen Militärdienst, der ihn in den Irak führen soll, tritt er nicht nur aus Überzeugung, sondern auch aus Mangel an Alternativen an. Mikes Freundin Valerie fühlt sich als Soldatenbraut zu jung, vergnügt sich heimlich mit Nachwuchsdealer Phil, der von Eroberungen, an diesem Tag aber bevorzugt vom Coup mit großen Dealern träumt, für den er schnell noch eine Menge Geld auftreiben muss. Dafür ist er schließlich zu allem bereit, wie auch Valeries Freundin Terry nach einem gescheiterten Bewerbungsgespräch und die tickende Zeitbombe Steve, der sich mit einer Waffe von seinem prügelnden Vater befreien will. Das Fieber steigt kontinuierlich in diesem Mehrfrontenkampf und entlädt sich in explosiver Gewalt und stummer tödlicher Kapitulation. Mit stimmiger Atmosphäre, engagierten Jungdarstellern und Profis wie John Diehl und Melissa Leo zeichnet „The House Is Burning“ die Verunsicherung und Verzweiflung eines Lebens nach, in dem es an Geld, Bildung, aber auch am familiären Anker fehlt. Dass der Film dabei die Erwachsenen nicht ausklammert und jugendliche Sexualität offen, aber ohne Spuren von Voyeurismus abbildet, unterscheidet ihn von Larry Clark. Ansonsten aber sind Parallelen in Milieu und Figuren unübersehbar, was die junge Zielgruppe als Empfehlung für Authentizität deuten wird.kob.
    3. „Wertvoll”

        Mit erstaunlicher Wucht werden in diesem Debütfilm von Holger Ernst Einblicke in ein Kleinstadt-Milieu vermittelt, welche so gar nicht zu den gängigen Klischees der Weltmacht USA passen mögen. Anfangs sehen sich die Zuschauer mit Gewalt-Szenen konfrontiert, die rasant aufeinander folgen und zunächst irritieren. Erst allmählich lernt man die Figuren genauer kennen, bekommt ihre prekären Problemlagen drastisch vorgeführt und kann soziale Zusammenhänge überblicken. Eine unsentimentale Erzählweise, die auch nicht durch vordergründige pädagogische Intentionen beeinträchtigt wird, ermöglicht beinahe ethnologische Beobachtungen.

        Es gibt nicht nur einen, sondern gleich mehrere Protagonisten. Die darstellerischen Leistungen von Joe Petrilla (Mike), Nicole Vicius (Val), Harley Adams (Steve), John Diehl (Steves Vater), Robin Taylor (Phil), Melissa Leo (Mikes Mutter) und Julianne Michelle (Terry) sind bemerkenswert. Authentisch kommen psychische Befindlichkeiten zum Ausdruck, die sowohl mit lauten als auch mit leisen Tönen verbunden sind.

        Mitunter stellen die Film ästhetischen Wirkungen auch eine Zumutung dar, welcher potenziell ein polarisierender Zündstoff eigen ist. Hieraus entsprangen auch kontroverse Diskussionen zwischen den FBW-Jurymitgliedern. Kritisch wurde die Inszenierungsweise angesprochen, deren Rezeptur diskussionswürdige Zutaten enthält. Andererseits wurde gerade der schonungslose Blick auf die abgründige Realität gewürdigt. Hinter der Fassade hübscher Einfamilien-Häuser kommen extreme Verwerfungen zum Vorschein, die als Krisen-Syndrom einer weißen Mittelschicht gedeutet werden können und die Gefahr des Abrutschen in die Armut anzeigen.

        Die Kamera ist nah am Geschehen und unternimmt aufschlussreiche Fahrten. Konsequent werden Ansichten präsentiert, deren veristisch eingefangene Hässlichkeit ihre Wirkung nicht verfehlt. Durch geschickte Schnitte und Montagen eröffnen sich interessante Assoziationsräume. Beispielsweise folgt auf den von Steve erschossenen Hund das Gesicht seines Vaters. Mit dem „Schwarzen Hund“ kommt ein symbolisch ausdeutbares Zeichen ins Spiel. Zuweilen wird auch auf Wahrnehmungsgewohnheiten rekurriert, die durch die triviale Fernseh-Ästhetik geprägt sind.

        Die Musik und auch insgesamt das Sound-Design unterstützen hervorragend die visuellen Motive und schaffen die passende Atmosphäre. Bestimmte Drehmomente, die in der Erzählstruktur verankert sind, erzeugen Lebendigkeit in den Handlungsverläufen.

        Die verschiedenen stilistischen Mittel erfüllen in gelungenen Kombinationen ihre dramaturgische Funktion und rufen eine Semantik mit vielen Dimension hervor, so dass weiterführende Reflexionen über die aufgetürmten Probleme beim Publikum stimuliert werden. Tempo-Variationen sorgen für einen elastischen Spannungsbogen.

        Ob alle Komponenten optimal ausbalanciert sind, war in der Jurydiskussion umstritten. An Stimmungslagen, die beim jungen Publikum Resignation und Nihilismus hinterlassen könnten, fehlt es nicht. Immerhin finden sich als Gegengewicht am Ende des Films einige Hoffnungsschimmer und Wendepunkte (Steve birgt seinen Vater aus der Suizid-Garage, Mikes Schwester öffnet die Augen und erwacht aus dem Koma.)

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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