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"The East": Interview mit Regisseur Zal Batmanglij

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The East Poster

Mit „The East“ bringt Regisseur Zal Batmanglij seinen zweiten Spielfilm in die Kinos. In einem exklusiven Interview spricht er über die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Brit Marling, die wahren Hintergründe zu ihrem Film und weitere Projekte.

Zal Batmanglij: „Das alles basiert auf der Wahrheit“

Regisseur Zal Batmanglij bringt nach seinem Debütfilm Sound of My Voice nun seinen zweiten Film The East in die Kinos bringt. Darin lässt sich Hauptdarstellerin und Mitautorin Brit Marling in eine politische Aktivisten-Gruppe namens „The East“ einschleusen, um Unternehmen über deren geplante Aktivitäten zu informieren. In einem exklusiven Interview mit CINEFACTS spricht der junge Filmemacher über seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Brit Marling, über die wahren Hintergründe zu seinem Film und seine Zukunftspläne in Hollywood.

CINEFACTS: Können Sie uns ein bisschen darüber erzählen, wie Sie und Brit Marling sich kennengelernt haben und wie es dazu kam, dass Sie zusammen Filme schrieben?

Zal Batmanglij: Ja, ich und ein guter Freund von mir hatten einen Film zusammen gemacht, den Brit auf einem Film Festival sah. Sie nahm dann wohl ihren Mut zusammen und fragte, ob wir nicht gemeinsam an Projekten arbeiten wollten. Das haben wir also getan. Sie war etwas jünger als wir, also warteten wir, bis sie mit der Uni fertig war und nach ihrem Abschluss zogen wir alle nach Kalifornien. Wir wohnten zusammen, sie wollte Schauspielern, ich wollte Filme machen. Wir haben uns selber das Schreiben beigebracht. Sie, damit sie später Rollen spielen würde und ich, um Regisseur zu werden. Wir machten unseren ersten gemeinsamen Film „The Sound of my Voice“ im Jahr 2010 und ein Jahr später zeigten wir ihn beim Sundance Film Festival. Schon zu dem Zeitpunkt hatten wir das Drehbuch zu „The East“ geschrieben und jetzt sind wir hier..

CINEFACTS: Man kann lesen, dass Sie einen Sommer lang ähnlich wie die Figuren in „The East“ gelebt haben und sich ebenfalls aus Mülltonnen ernährten und ohne Geld auskamen. Inwiefern ist der Film also von ihren eigenen Erfahrungen beeinflusst worden?

Zal Batmanglij: Ich glaube, dass die Geschichte an sich nicht sehr von unseren Erfahrungen beeinflusst wurde, die Stimmung und der Ton des Films aber schon.

CINEFACTS: Aber es gibt keine Figuren im Film, die auf wahren Menschen basieren, die Sie damals kennenlernten?

Zal Batmanglij: Nein, die Figuren in „The East“ sind komplett frei erfunden. Aber die Verbrechen, um die es geht, die Pharmakonzerne und die Kinder, die von dem giftigen Badewasser krank werden, all das geschieht wirklich. Das ist weder übertrieben, noch erfunden.

CINEFACTS: Warum haben Sie Ihren Fokus auf die Pharmakonzerne gerichtet und nicht etwas auf andere große Firmen?

Zal Batmanglij: Als wir von diesem Medikament hörten, das auf dem Markt war und oft verschrieben wurde, und auch heute noch verfügbar ist, obwohl es solche Nebenwirkungen hat, konnten wir es einfach nicht glauben. Manchmal lese ich Kritiken über den Film, in denen gesagt wird, dass das unrealistisch sei und dass ein solches Medikament sicher nicht auf dem Markt wäre. Aber das alles basiert auf der Wahrheit, egal ob es realistisch scheint oder nicht.

CINEFACTS: Können Sie uns etwas über den Castingprozess des Films sagen? Wie kam es dazu, dass Ellen Page und Alexander Skarsgard mitmachten?

Zal Batmanglij: Wir hatten einfach riesiges Glück. Alexander las das Skript und wollte uns treffen. Ähnlich ging es uns mit Ellen Page. Ich erinnere mich daran, dass ich einige Male mit Patricia Clarkson telefonierte und wir über das Projekt redeten. Aber ich habe sie erst einen Tag vor Drehbeginn persönlich getroffen. Da guckte sie mich nur an und war vollkommen perplex, wie jung wir waren. Sie sagte, wir sähen aus wie 12. Ich war damals 29, das kann also nicht ganz gestimmt haben, aber es war lustig.

CINEFACTS: Die Aktivitäten in „The East“ werden gerne als Terrorismus beschrieben. Inwiefern passt so was in das Konzept des „War on Terror“?

Zal Batmanglij: Ich sehe „The East“ nicht als Terroristen. Ich denke, dass Patricia Clarksons Figur das Wort „Terrorist“ nur benutzt, um ihren Klienten Angst und dadurch mehr Geld zu machen. Ich glaube, dass die Aktivitäten der Gruppe schon auf gewisse Weise angsteinflößend sind, aber es hat auch was von Kunst und schlichter Auflehnung gegen das System.

CINEFACTS: War es schwierig, die Figuren sympathisch zu machen?

Zal Batmanglij: Ich glaube, wir lieben Menschen, die illegale Sachen tun (lacht). Aber wir haben uns zu keinem Zeitpunkt damit befasst, die Figuren sympathisch zu machen. Wir wollten einfach Charaktere schaffen, die uns unterhalten und dabei interessant bleiben.

Zal Batmanglij: „Es war eine wunderbare Erfahrung“

CINEFACTS: Würden Sie sagen, dass Sie selber etwas für sich mitgenommen haben, nachdem Sie einen Sommer lang den „The East“ Lifestyle praktiziert hatten? Das beißt sich ja doch ganz schön mit dem typischen Bild von Hollywood.

Zal Batmanglij: Oh ja, es beißt sich definitiv auch mit dem Hotel, in dem ich hier gerade sitze. Aber es ist erstaunlich, wie schnell sich der Körper an alle möglichen Umstände gewöhnt. Vier Tage und man hat sich komplett umgestellt.

CINEFACTS: Also würden Sie es noch mal in Erwägung ziehen?

Zal Batmanglij: Ja, sicherlich. Wie ich sagte, nach vier Tagen hätte ich mich wieder daran gewöhnt. Auf dem Fußboden schlafen und aus Mülltonnen essen klingt seltsam, aber es war eine wunderbare Erfahrung. Man sollte es wirklich einmal versucht haben.

CINEFACTS: Es klingt zumindest nach einem großen Abenteuer…

Zal Batmanglij: Ja, aber es ist mehr als nur das. Es ist wie eine Reinigung und eine komplette Rundumerneuerung für den Körper und die Seele.

CINEFACTS: Wie haben Sie davon gehört?

Zal Batmanglij: Über das Internet. Wir haben diese außergewöhnlichen Geschichten gelesen, aber wussten nicht, von wem sie stammten. Wir konnten nicht verstehen, dass es Menschen gibt, die so wunderbare Geschichten so schön erzählen konnten, aber dann nicht ihren Namen drunter schrieben. Wir wollten es unbedingt ausprobieren.

CINEFACTS: Haben Sie als junger Filmemacher besondere Wünsche für Hollywood?

Zal Batmanglij: Ich glaube, das kann ich nicht sagen. Ich habe zwei Filme gemacht, einen davon in Hollywood. Ich möchte weiterhin Filme machen und hoffe, dass sie den Menschen irgendwie etwas bedeuten werden. Als amerikanischer Filmemacher ist da dann automatisch eine gewisse Verbindung zu Hollywood gegeben.

CINEFACTS: Könnten Sie sich vorstellen, bei einem Film Regie zu führen, den Sie nicht selber geschrieben haben?

Zal Batmanglij: Ja, auf jeden Fall. Ich habe da keine Vorurteile und würde gerne die Drehbücher anderer Leute verfilmen. Ich weiß nicht, ob ich gut darin wäre, aber vielleicht wäre ich auch besser. Man weiß nie.

CINEFACTS: Haben Sie momentan ein neues Projekt an dem Sie arbeiten?

Zal Batmanglij: Ja, in der Tat. Auch das ist eine Zusammenarbeit mit Brit Marling. Ich bin aber noch nicht soweit, dass ich darüber reden könnte. Da gibt es zu diesem Zeitpunkt noch nichts Interessantes zu sagen.

CINEFACTS: Wie war es, mit einem großen Studio zusammenzuarbeiten? Es gibt ein Zitat von Ihnen, in dem Sie sagen, dass man mit einem Studio arbeiten sollte, wenn man eine wirklich anarchistische Erfahrung machen möchte.

Zal Batmanglij: Ja. Ich meine es so: Wenn man ein Diktator sein möchte, sollte man einen Film über sich selber machen. Ich benutze das Wort „Anarchie“ eigentlich als Kompliment. Es soll soviel heißen wie, wenn man zusammenarbeiten und etwas gemeinsam schaffen möchte, dann sollte man es mit einem Studio tun. Und die Leute von Fox Searchlight waren toll. Und nun schicken sie mich quer durch Europa um den Film zu promoten, auch das ist toll.

CINEFACTS: Denken Sie, dass Sie auch Interesse daran hätten, einen wirklich fröhlichen oder lustigen Film zu machen?

Zal Batmanglij: Ja, das würde ich schon gerne tun. Ich glaube, das würde mir sehr gefallen.

CINEFACTS: Aber ihr nächstes Projekt fällt nicht in diese Kategorie?

Zal Batmanglij: Nun ja, ich glaube, ich hätte gerne generell mehr Humor in meinen Filmen. Ich mag es, zu lachen und zu weinen.

CINEFACTS: Gibt es gewisse Regisseure, die Sie inspirieren?

Zal Batmanglij: Ja, alle guten (lacht). Es ist schwer, einen guten Film zu sehe und sich davon nicht inspirieren zu lassen. Ich glaube, das geht gar nicht.

CINEFACTS: Oder gibt es Schauspieler, mit denen Sie gerne einmal arbeiten würden?

Zal Batmanglij: Ja, klar, eine ganze Reihe sogar. Daniel Day Lewis ist einer meiner Lieblingsschauspieler und ich finde auch Robin Wright total toll.

CINEFACTS: Welcher Film hat Ihnen in letzter Zeit am besten gefallen?

Zal Batmanglij: Ich denke, „Lincoln“ und „Liebe“ waren letztes Jahr meine Lieblingsfilme. Ich gucke die Filme gerne im Kino, wenn sie rauskommen und nicht vorher. Daher gehe ich privat auch nicht zu Film Festivals oder so.

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